Christi-Himmelfahrt

Christi Himmelfahrt

Vor seiner Himmelfahrt sprach Jesus zu
seinen Jüngern:

„Das sind die Worte, die ich zu euch gesagt
habe, als ich noch bei euch war:

Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz
des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich gesagt ist.

Darauf öffnete er ihnen die Augen für das
Verständnis der Schrift.

Er sagte zu ihnen: So steht es in der Schrift:

Der Messias wird leiden und am dritten Tag von
den Toten auferstehen,

und in seinem Namen wird man allen Völkern,
angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden
vergeben werden.

Ihr seid Zeugen dafür.

Und ich werde die Gabe, die mein Vater verheißen
hat, zu euch herabsenden.

Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der
Höhe erfüllt werdet.

Dann führte er sie hinaus in die Nähe von
Betanien.

Dort erhob er seine Hände und segnete sie.

Und während er sie segnete, verließ
er sie

und wurde zum Himmel emporgehoben;

sie aber fielen vor ihm nieder.

Dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem
zurück.

Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott.

(Lk 24,44-53)

Christi Himmelfahrt

Weißt du, wo der Himmel ist?

So beginnt ein modernes geistliches Lied.
So eine Frage. Der Himmel ist doch oben.
Dort oben am Firmament? – Oder etwa nicht?!
Der Himmel Gottes ist nicht über den Wolken, nicht in Wolkenkuckucksheim.

Das Wort ‚Himmel‘ ist in der deutschen Sprache doppeldeutig – (ein sog. „Teekesselchen“ wie das Wort ‚Schloss‘, das ein Türschloss oder ein großes Gebäude meinen kann)
Das Wort ‚Himmel‘ meint zum einen das sichtbare Firma-ment über uns und es meint zum anderen etwas ganz anderes: – den unsichtbaren Einflussbereich Gottes.

In dieses Himmelreich Gottes ist Jesus heimgekehrt.
Das feiern wir heute am Fest „Christi Himmelfahrt“.

Weißt du, wo dieser Himmel ist?

Die Bibel müsste uns doch eigentlich eine Antwort auf diese Frage geben können.
Dieses Himmelreich Gottes ist nicht von dieser Welt, so sagt es Christus, der König vor dem Richterstuhl des Pilatus.
Wir wüssten gern genaueres, wo und wie dieses Himmelreich Gottes aussieht.

Doch zum Stichwort „Himmel“ malt uns Jesus nur schöne, verheißungsvolle Bilder: Bilder von einer Hochzeit, von einem Samenkorn im Acker, vom Sauerteig, von einer schönen Perle. Diese sind stets einladende Bilder von einem wunderschönen Anfang.

Die Bibel ist keine Landkarte von einem weit entfernten Gottesreich. Im Gegenteil. Sie holt alle, die in die Ferne starren auf den Boden der irdischen Wirklichkeit zurück.
„Was steht ihr da und schaut gen Himmel.“
Die Straßenkarten zum Himmelreich weisen bergab.
Zu den Menschen. „Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern.“ – Diese Mission trägt Jesus auch uns auf.

„Weißt du, wo der Himmel ist, außen oder innen, eine Handbreit rechts und links, du bist mitten drinnen.“

Hier auf unserer Erde bei den Menschen beginnt der Himmel. Eine Ahnung davon bekommen wir vielleicht in Situationen, wo wir aus ganzem Herzen sagen können: Das war himmlisch.

Doch der Himmel auf Erden beginnt nicht automatisch; für viele Menschen ist das Leben in Not und Verfolgung alles andere als der Himmel auf Erden. Es ist für sie eher die Hölle.
Doch auch dort kann das Himmelreich Gottes beginnen, wo Menschen an den Bildern weitermalen, die Jesus begonnen hat. Keine utopischen Visionen entwerfen, sondern konkret die Bilder Jesu in unsere Wirklichkeit übertragen.

Wenn sich im Greuel auf dem Balkan orthodoxe und katholische Christen mit Muslimen treffen, um sich gemeinsam daran zu erinnern, dass der eine und wahre Gott ein Gott des Friedens und der Versöhnung ist. – Da berühren sich Himmel und Erde.
Oder wenn Christen ihre Grenzen und Türen öffnen für Menschen auf der Flucht vor ihren fanatisierten Mitmenschen. – Da wird ein Stück Himmel für sie erfahrbar.

Weißt du, wo der Himmel ist, nicht so tief verborgen – einen Sprung aus dir heraus aus dem Haus der Sorgen.

Eine kleine Geschichte kann uns vielleicht dazu ermutigen, den Blick auf unsere Erde zu richten, um in unserem Alltag am Himmelreich Gottes teilzuhaben.

Von einem jüdischen Lehrer, einem Rabbi, ging die Sage, dass er jeden Morgen vor dem Frühgebet – zum Himmel aufsteige.
Ein Gegner lachte darüber und legte sich vor Morgengrauen auf die Lauer. Da sah er: der Rabbi verließ, als Holzknecht verkleidet, sein Haus und ging zum Wald. Der Gegner folgte von weitem. Er sah den Rabbi Holz fällen und in Stücke hacken. Dann lud der Rabbi sich das Holz auf den Rücken und schleppte es in das Haus einer armen, kranken, alten Frau.
Der Gegner spähte durch das Fenster, und er sah den Rabbi auf den Boden knien und den Ofen anzünden.
Als die Leute später den Gegner fragten, was es denn nun auf sich habe mit der täglichen Himmelfahrt des Rabbi, sagte er: „Er steigt noch höher als bis zum Himmel.“

Weißt du, wo der Himmel ist, nicht so hoch da oben. Sag doch ja zu dir und mir – du bist aufgehoben.

Das Fest Christi Himmelfahrt will unseren Blick auf unser Ziel richten, auf den Himmel Gottes. Dass dieser Himmel schon hier auf Erden beginnen kann, davon sollen wir ein lebendiges Zeugnis geben.
Wir können dies tun in der Kraft der Zusage Jesu: „Seid gewiss: Ich bin bei euch bis zur Vollendung der Welt!“

Lasset uns deshalb selbst zu Zeugen dafür werden, dass der Geist Gottes das Antlitz der Erde erneuern will. Die Himmelfahrt beginnt damit, dass wir den Abstieg wagen, dorthin, wo die Menschen uns brauchen.

zum Seitenanfang ______________________________

Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

Werbeanzeigen