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Christkönigsfest (C)


Christkönigssonntag

= letzter Sonntag im Kirchenjahr
(= Totensonntag, = Ewigkeitssonntag)
20. November 2016

Im Markusevangelium heißt es nach der Schilderung der künftigen Not:
Wenn ihr all dieses geschehen seht, dann sollt ihr sehen:
Er?/Sie?/Es? ist nahe vor der Tür.“ (Mk 13,29)*

*Er/ Sie/ Es ist nahe vor der Tür.

ES = das Ende, der Tod
so heißt der letzte Sonntag im Kirchenjahr in vielen Kalendern: TOTENSONNTAG

SIE = die Vollendung, die Ewigkeit
so heißt der letzte Sonntag im Kirchenjahr in der evangelischen Tradition:
EWIGKEITSSONNTAG.

ER = Christus, der König der Herrlichkeit
so feiern die Katholiken (seit der Liturgiereform 1969) am letzten Sonntag im Kirchenjahr das Hochfest:
CHRISTKÖNIG.
–> zum Christkönigssonntag: Christus – König

–> verschiedene Bezeichnungen für den letzten Sonntag im Kirchenjahr:
Tod-Christus-Ewigkeit

Christkönigssonntag im Lesejahr C (= 20. November 2016)

Eröffnungsvers (Offb 5,12; 1,6)
Würdig ist das Lamm, das geschlachtet ist, Macht zu empfangen,
Reichtum und Weisheit, Kraft und Ehre.
Ihm sei die Herrlichkeit und die Herrschermacht in Ewigkeit.

(Lesejahr A)
1. Lesung: Ez 34, 11-12.15-17
Ihr, meine Herde, ich sorge für Recht zwischen Schafen und Schafen, zwischen Widdern und Böcken

2. Lesung: 1 Kor 15, 2026.28
Christus wird seine Herrschaft Gott, dem Vater, übergeben, damit Gott herrscht über alles und in allem

Evangelium: Mt 25, 3146
Der Menschensohn wird sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen, und er wird die Menschen voneinander scheiden

zu Mt 26,31-46: Jesu Rede vom Weltgericht

Liturgische Texte siehe auch Schott: Christkönigssonntag A

(Lesejahr B) – 25. November 2012
1. Lesung: Dan 7, 2a.13b-14
Seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft

2. Lesung: Offb 1, 5b-8
Der Herrscher über die Könige der Erde hat uns zu Königen gemacht und zu Priestern vor Gott

Evangelium: Joh 18, 33b-37
Du sagst es, ich bin ein König

siehe auch zum Christkönigssonntag 2009

Liturgische Texte siehe auch Schott: Christkönigssonntag B

(Lesejahr C) – 20. November 2016
1. Lesung: 2 Samuel 5,1-3
Sie salbten David zum König von Israel

2. Lesung: Kol 1,12-20
Er hat uns aufgenommen in das Reich seines geliebten Sohnes

siehe auch Übersetzung (Kol 1,12-20) u. Bild-Meditation:
christushymnus-kol-1-12-20

Evangelium: Lk 23,35-43
Jesus, denk an mich, wenn du in deiner Macht als König kommst

siehe auch: Lk 23,35-43
und: Lk 23,32-49 Jesu Tod am Kreuz

Liturgische Texte siehe auch Schott: Christkönigssonntag C

 Evangelium vom Christkönigssonntag C (in eigener, wortgetreuer Übersetzung):

Lk 23,32 Es wurden geführt aber zwei andere der Übeltäter
mit ihm (= Jesus) hingerichtet zu werden.

3 5 Und hinzugestellt das Volk schauend
es verspotteten (ihn) aber auch die Anführer, sagend:

„Andere rettete er,
er rette sich selbst,
wenn dieser ist der Christus des Gottes,
der Auserwählte.“

36 Es verhöhnten aber ihn auch die Soldaten, herangekommen (seiend)
Essig bringend zu ihm
37 und sagend:

„Wenn du bist der König der Juden,
rette dich selbst.“

38 Es war aber auch eine Aufschrift über ihm:

‚Der König der Juden (ist) dieser.‘

39 Einer aber der gehängten Übeltäter lästerte ihn, sagend:

„Bist du nicht der Christus?
Rette dich selbst und uns.“

40 Antwortend aber der andere ihm vorwerfend, sprach er:

„Nicht einmal du fürchtest den Gott,
da du in demselben Urteil bist?
41 Und wir zwar gerechterweise,
Gleichwertiges nämlich (zu dem) was wir getan haben
empfangen wir;
dieser aber nichts Ungehöriges hat er getan.“

42 Und er sagte:

„Jesus, werde an mich erinnert,
wenn du kommst in deiner Königsherrschaft.“

43 Und ER sprach zu ihm:

„Amen, dir sage ich,
Heute wirst du mit mir sein in dem Paradies.“

schacher-kreuz-12ba

Wir feiern Christus, der kommt, uns den Zugang zum Himmelreich aufzuschließen.

Das Evangelium (= Lk 23,35-43), das am letzten Sonntag im Kirchenjahr (C) vorgelesen wird, ist eine echte Herausforderung:

Da hängt Jesus wie ein Verbrecher am Kreuz, neben ihm zwei Verbrecher.
Über ihm ein Schild mit dem Grund für dieses Todesurteil der Römer:
„Das ist der König der Juden“ (alle Juden, die dies lasen, mussten dies als eine Verhöhnung verstehen).
Der eine  Verbrecher am Kreuz höhnt wie einige von den jüdischen Hohepriestern und den römischen Soldaten: „Wenn Du wirklich der Messias bist, dann hilf Dir doch selbst und auch uns!“
Doch der andere Verbrecher, der ebenso gerne gerettet würde, argumentiert auf einer anderen Ebene: Er glaubt, dass dieser Jesus, der da neben ihm am Kreuz hängt der Messias ist.
So wagt er es in seiner Sterbestunde zu bitten:
„Jesus, denk an mich, wenn du in deiner Macht als König kommst.“
Dadurch verändert sich für ihn alles.

Er erhält das Versprechen von Christus, dem König:
Heute noch wirst Du mit mir im Paradies sein!“

Dieses „HEUTE“
hat im Lukasevangelium eine besondere heilsgeschichtliche Bedeutung
.

1. „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren,
er ist der Messias, der Herr.“
Botschaft der Engel von der Geburt Jesu an die Hirten (Lk 2,11)

2. „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.“
Jesus bei seiner 1. Predigt in Nazaret (Lk 4,21)

3. „Heute haben wir etwas Unglaubliches gesehen“
nach der Heilung eines Gelähmten
als Zeichen Jesu zur Vollmacht zur Sündenvergebung (Lk, 5,26)

4. „Heute muss ich in deinem Haus zu Gast sein“
u. 5. „Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden…“
Jesu Wort zum Zöllner Zachäus (Lk 19,5 u. 9)

6. „Ich sage dir, Petrus, ehe heute der Hahn kräht,
wirst du dreimal leugnen, mich zu kennen.“
Jesu Wort an Petrus (Lk 22,34) – und dessen Reuetränen (Lk 22,61f)

7. „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“
Wort Jesu an den reumütigen Schächer in der Sterbestunde am Kreuz (Lk 23,43)

Die Macht und Herrlichkeit Christi, des Sohnes Gottes, bekundet sich vor allem in der Autorität, mit der er dem Menschen die Schuld vergibt und in der Verheißung der Teilnahme an seiner Herrschaft.

siehe auch: „Christkönigsfest“

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

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standhaft bleiben – (33. C)

33. Sonntag im Jahreskreis C

(= 13. November 2016
Volkstrauertag)

Eröffnungsvers (vgl. Jer 29, 11.12.14)
„So spricht der HERR:
Ich sinne Gedanken des Friedens und nicht des Unheils.
Wenn ihr mich anruft, so werde ich euch erhören
und euch aus der Gefangenschaft von allen Orten zusammenführen.“

1. Lesung: Mal 3, 19-20b  
„Für euch, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen“

Antwortpsalm: Psalm 98, 5-6.7-8.9

2. Lesung: 2. Thessalonicherbrief 3, 7-12 
„Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen“

Ruf vor dem Evangelium (Lk 21,28)
Halleluja. Halleluja.
Richtet euch auf, und erhebt euer Haupt;
denn eure Erlösung ist nahe.
Halleluja.

Evangelium: Lukas 21, 5-19:
Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen

Liturgische Texte – siehe auch Schott 33. Sonntag i.J. C

lk-21-5-19a

„Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen“ –
Grafik zu Lk 21,5-19; (c) G. M. Ehlert, 09.11.2016

aus dem Lukasevangelium 21,5-19 (eine wortgetreue Übersetzung):

Jesu Rede über die Endzeit:                                                            Lukas 21,5-36
            Die Ankündigung der Zerstörung des Tempels:     V 5-6
            Vom Anfang der Not:                                                        V 7-19
            Vom Gericht über Jerusalem:                                       V 20-24
            Vom Kommen des Menschensohnes:                        V 25-28
            Mahnungen im Hinblick auf das Ende:                     V 29-36

5 Und einige sagend über das Heiligtum (folgendes):
„(es ist) mit schönen Steinen und Weihegeschenken geschmückt
er (= Jesus) sprach:

6 „Was ihr da schaut – es werden kommen Tage
an denen nicht zurückbleiben wird Stein auf Stein –
welcher nicht niedergerissen sein wird
.“

7 Sie fragten aber ihm sagend:
Lehrer, wann nun wird dieses sein?
und was ist das (Vor-)Zeichen, wann zukünftig das geschehen wird?

8 Der aber sprach:
Blickt um euch!,
lasst euch nicht in die Irre führen;
viele nämlich werden auftreten in dem Namen von mir
sagend:

– „ICH, ich bin es!“ und
– „die (rechte) Zeit (= Kairos) hat sich genaht!

Nicht folget hinter ihnen her.

9 Wann aber ihr höret von Kriegen und Krawallen,
nicht lasst euch einschüchtern,
es muss nämlich dieses geschehen zuerst/ als erstes,
aber noch nicht sogleich (ist) das Ende/ die Vollendung/ das Ziel/ der Vollender (= Telos).“


10 Dann sagte er zu ihnen:

„aufgeweckt werden/ sich erheben wird Volk gegen Volk
und Königsherrschaft gegen Königsherrschaft.

11 Erdbeben auch – große/ gewaltige –
und herab durch ganze Bereiche Hungersnöte
und Seuchen/ Pestarten werden kommen,
Fürchterliches auch
und vom Himmel her große/ gewaltige Zeichen werden kommen.

12 Vor aber diesem allem
darauf werfen auf euch werden sich die Hände von ihnen
und sie werden verfolgen (euch),

übergebend/ ausliefernd an die Versammlungen (Synagogen) und die Wachen/ Gefängnisse
überführend (euch) zu Königen und Statthaltern
um meines Namens willen.

13 Es wird weggehen/ fortschreiten /gereichen euch zum Zeugnis (= Martyrium).

14 Stellt nun in euren Herzen (euch darauf ein),
nicht vorher zu bedenken, euch zu verteidigen.

15 ICH, ich selbst nämlich werde geben/ schenken euch Mund und Weisheit
der nicht imstande sein werden alle die Widersacher von euch
sich entgegenzustellen oder zu widersprechen. 

16 Übergeben/ ausgeliefert werdet ihr aber auch
von Eltern und Geschwistern und Verwandten und Freunden
und töten werden sie von euch (manche).

17 Und ihr werdet gehasst werdende sein von allen
um meines Namens willen. 

18 Und (= doch) nicht ein Haar aus eurem Haupt
gewiss nicht wird zugrunde gehen
/ total vernichtet werden/ ins ewige Verderben stürzen!

19 In dem Darunterbleiben/ standhalten/ Ausdauer von euch
erwerbet euer Leben/ eure Seele (=Psyche)! /

werdet ihr erwerben euer Leben.“

Weitere Gedanken zum Evangelium siehe auch: standhaft bleiben

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

 

Zachäus (31. C)

31. Sonntag im Jahreskreis C

(= 30. Oktober 2016)

Eröffnungsvers (Ps 38,22-23)
„HERR, verlass mich nicht, bleib mir nicht fern, mein Gott!
Eile mir zu Hilfe, HERR, du mein Heil.“

1. Lesung: Weisheit 11,22 – 12,2
„Du hast mit allen Erbarmen, weil du alles liebst, was ist“

Antwortpsalm: Psalm 145,1-2.8-9.10-11.13c-14

2. Lesung: 2. Thessalonicherbrief 1,11 – 2,2
„Der Name Jesu soll in euch verherrlicht werden und ihr in ihm“

Ruf vor dem Evangelium (vgl. Joh 3,16)
Halleluja. Halleluja.
So sehr hat Gott die Welt geliebt,
dass er seinen einzigen Sohn hingab,
damit jeder, der an ihn glaubt, in ihm das ewige Leben hat.
Halleluja.

Evangelium: Lukas 19,1-10:
Der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist“

Liturgische Texte – siehe auch Schott 31. Sonntag i.J. C

Zöllner Zachäus

Triptychon Zachäus- oder: „Wenn Jesu Erbarmen mit den Armen die Reichen erreicht“
(c) G. M. Ehlert, 30.10.2007

zum Tagesevangelium:

 

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

 

Stand: 20.06.2018

Beharrliches Gebet (29. C)

29. Sonntag im Jahreskreis C

(= 16. Oktober 2016)

Eröffnungsvers (Ps 137,6.8)
„Ich rufe dich an, denn du, Gott, erhörst mich.
Wende dein Ohr mir zu, vernimm meine Rede!
Behüte mich wie den Augapfel, den Stern des Auges,
birg mich im Schatten deiner Flügel!“

1. Lesung: Ex 17,8-13
„Solange Mose seine Hand erhoben hielt, war Israel stärker“

Gebet des Mose - Israels Sieg über die Amalekiter

„Das Gebet des Mose“ (Ex 17,8-13)
(c) G. M. Ehlert, 20.10.2013

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Antwortpsalm: Ps 121,1-8

2. Lesung: 2 Tim 3,14 – 4,2
„Durch die Schrift belehrt, wird der Mensch Gottes zu jedem guten Werk bereit gemacht“

Ruf vor dem Evangelium (Hebr 4,12)
Halleluja. Halleluja.
Lebendig ist das Wort Gottes und kraftvoll.
Es richtet über die Regungen und Gedanken der Herzen.
Halleluja.

Evangelium: Lk 18,1-8
„Sollte Gott seinen Auserwählten, die zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen?“

Liturgische Texte – siehe auch Schott 29. Sonntag i.J. C


zum Tagesevangelium: Lukas 18,1-8

… Denn welcher seine Zuversicht
auf Gott setzt, den verlässt er nicht

1. Bedrohtes Leben – Leid, Schuld, Krankheit u. Tod
– Das Leben ist manchmal schier unerträglich…
– für viele auf der Welt: tägl. Kampf ums Überleben…
– bei uns: Erfahrung der Verletzlichkeit: Leid, Schuld, Krankheit u. Tod.

–> Wie gehen wir mit solchen Erfahrungen um?
– Ausblenden / verdrängen?
– Vertröstung…
– Resignation?

2. Betet – allezeit und unermüdlich
– allezeit, d.h. in allen Lebenslagen
– unermüdlich, d.h. beharrlich à Bsp. die Witwe im Ev.

–> Not lehrt beten? – Wir haben oft unsere Not mit dem Gebet:
– Ent-täuschung vom Bittgebet und seiner „Wirkungslosigkeit“
– Jesu Einladung: Beharrlichkeit: Steter Tropfen höhlt den Stein wie bei dem ungerechten Richter im Ev.
– Jesu Folgerung: vom ungerechten Richter zum Liebenden Gott:

3. Gebetserhörung zugesagt – Zeitpunkt ungewiss
Wenn schon der ungerechte Richter – der „Richter Gnadenlos“ – der Witwe, die ihn nicht bestechen kann, zu ihrem Recht verhilft,
umso mehr wird Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien zu ihrem Recht verhelfen.

Unverzüglich! – sagt Jesus.

Unverzüglich? – Genau das ist das Problem.
Die Erfüllung unserer Bitten lässt oft sehr lange auf sich warten.
Gott – ist kein Automat: Gebet herein – gewünschte Ware heraus.
Gott – ist auch kein Ersatz unserer menschlichen Unfähigkeiten
Gott – ist auch kein Lückenbüßer, der dort automatisch eingreift, wo wir versagen…

  • Gottes Beistand ist uns zugesagt
    Was Jesus uns zusagt im Blick auf das Gebet:
    Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche und Bitten,
    doch er erfüllt alle seine Verheißungen.

Das „Rechte“, was wir jederzeit von Gott erwarten dürfen ist sein Beistand in Leid, Not und Tod.

Ich bin JHWH – ich bin der, der da ist für euch! = sein Name.

4. Aufruf zur Beharrlichkeit
– nicht nachlassen mit dem Bittgebet, wenn es um eine gerechte Sache geht. „Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht!“
– Zuversicht und Gebet gehören zusammen und sind Ausdruck unseres Glaubens.
– Wer zuversichtlich betet, der hält Gott all das hin, was ist, in der Hoffnung, dass Gott Wandlung zum Guten schenkt. (Paulus: „Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben alles zum Guten führt.“)

  • Vom verdorrten Baum, der nach langer Zeit aufblüht
    In einem russischen Film „Opfer“ von 1986 (d.h. vor der Wende!) erzählt der in eine Krise geratene Intellektuelle Alexander seinem Sohn die folgende Geschichte, während er einen verdorrten Baum in den Boden pflanzt:

…Einmal, vor sehr langer Zeit, verstehst du, da lebte ein alter Mönch in einem orthodoxen Kloster, Pamwe hieß er, der pflanzte auf einem Berg einen trockenen Baum, genau so. Und zu seinem Schüler, das war ein Mönch, der hieß Joann Kolow, sagte Pamwe, er solle diesen Baum täglich wässern, bis er zum Leben erwachen würde…
und so füllte Joann jeden Morgen in aller Frühe einen Eimer mit Wasser und machte sich auf den Weg. Er stieg hinauf auf den Berg und wässerte den trockenen Baumstamm, und am Abend, als es schon dunkel war, da kehrte er zurück ins Kloster. Und so ging das drei ganze Jahre lang.
Aber dann, eines schönen Tages, kam er auf den Berg und sah, dass sein ganzer Baum übersät war mit Blüten!

Und man kann sagen, was man will, diese Methode, dieses System hat etwas Großartiges. Weißt du, manchmal, da sage ich mir, wenn man jeden Tag zu der gleichen Zeit ein und dieselbe Sache tun würde, wie ein Ritual, unerschütterlich, systematisch, jeden Tag ständig zu genau der gleichen Zeit, dann würde sich die Welt verändern. Etwas in ihr würde sich verändern, es könnte gar nicht anders sein.

5. Zuversichtlich leben
Wer zuversichtlich aus dem Glauben an Gottes Beistand lebt, der überwindet sowohl Resignation als auch bloßen Zweckoptimismus.
Ein Mensch voller Zuversicht sieht klar, was ist, aber zugleich: was sein könnte.
Er sieht, wie Gott die Welt und die Menschen will.
Zuversicht haben heißt: allen Widerständen zum Trotz
beharrlich darauf vertrauen, dass Gott mich, die Menschen und die Zustände in der Welt zum Guten verwandeln kann.

34 Jahre Friedensgebete in Leipzig
Von solch zuversichtlichem Glauben sind seit nunmehr 34 Jahren die berühmt gewordenen Montagsgebete um den Frieden in Leipzig geprägt.
Im Herbst 1982 begannen Menschen in Leipzig mit den sogenannten Montagsgebeten um den Frieden. Ein paar Jahre später standen diese wöchentlichen Gebete kurz vor dem Aus. Doch beharrlich und voller Zuversicht hielten die Beterinnen und Beter durch. Und so erwuchsen schließlich aus diesen Friedensgebeten die Montagsdemonstrationen, die maßgeblich zum Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 mit beitrugen.

Einen solchen senfkorngroßen Glauben, der auch dann noch voller Zuversicht ist, wenn unsere berechtigten Bitten sich lange nicht zu erfüllen scheinen – wünsche ich Ihnen und mir. Amen

Gottloser Richter + beharrlich bittende Witwe + der Barmherzige Gott

„Verschaff mir Recht!“ (Lk 18,1-8) (c) G. M. Ehlert, 05.10.2010

Gegenüberstellung
von Lk 18,1-8 Parabel zum beharrlichen Gebet
und Lk 18,9-14: Parabel zur rechten Haltung beim Gebet
und vom kindlichen Vertrauen Lk 18,15-17

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

Glaube – senfkorngroß (27. C)

27. Sonntag im Jahreskreis C

(= 2. Oktober 2016)

Eröffnungsvers (Est 13,9.10-11)

Deiner Macht ist das All unterworfen, HERR,
und niemand kann sich dir widersetzen;
denn du hast Himmel und Erde gemacht
und alles, was wir unter dem Himmel bestaunen.
Du bist der Herr über alles.

1. Lesung: Hab 1,2-3; 2,2-4
„Der Gerechte bleibt wegen seiner Treue am Leben“

Antwortpsalm: Ps 95,1-2.6-7c,7d-9

2. Lesung: 2 Tim 1,6-8.13-14
„Schäme dich nicht, dich zu unserem HERRN zu bekennen“

Ruf vor dem Evangelium (vgl. 1 Petr 1,25)

Halleluja. Halleluja.
Das Wort des HERRN bleibt in Ewigkeit,
das Evangelium, das euch verkündet wird.

Halleluja.

Evangelium: Lk 17,5-6 u. 7-10
„Wäre euer Glaube auch nur so groß wie ein Senfkorn!“

Liturgische Texte – siehe auch Schott 27. Sonntag i.J. C

Geduld mit dem Nächsten – das ist Liebe;
Geduld mit sich selbst – das ist Hoffnung;
Geduld mit Gott – das ist Glaube.

Von der Kraft eines „senfkornartigen“* Glaubens:

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„Senfkornstarker Glaube“ – Grafik (c) G. M. Ehlert, 27.09.2016

 

zum Tagesevangelium (1. Teil): Lk 17,5-6

* Senfkorn = winzig kleines Samenkorn
mit zugleich großartiger Entwicklungskraft:
aus einem Senfkorn kann eine bis zu 10 m hohe Senfstaude wachsen

Und es sprachen die Apostel zu dem Herrn:
„Füge uns hinzu Glauben/ Zuverlässigkeit/ Treue!“

Es sprach aber der HERR:
„Wenn ihr habt Glauben wie (ein) Senfkorn
ihr sagtet gleichsam (andauernd) zu dem Maulbeerfeigenbaum* dieses:
‘werde entwurzelt und werde verpflanzt in das Meer‘
und
(= ja) er würde gleichsam euch gehorchen.“

* Maulbeerfeigenbaum = ein fest verwurzelter Baum;
wenn einer standfest „wie eine westfälische Eiche“ ist,
dann ist es (fast) unmöglich, seinen Standpunkt –
seine Überzeugungen zu verändern.

Der Blick auf die Geschichte zeigt, dass die Standhaftigkeit, Klarheit und Überzeugungskraft einzelner Menschen, die aus dem Glauben an Gottes Kraft leben, ganze festgefügte Machtsysteme ins Wanken bringen kann.

wässern – bis der verdorrte Baum erblüht…

In der Anfangssequenz von Andrej Tarkowskijs Film Opfer (1985/86 = vor dem Zusammenbruch des sowjetischen Reiches) erzählt der in eine Krise geratene Intellektuelle Alexander seinem Sohn die folgende Geschichte, während er einen verdorrten Baum in den Boden pflanzt:

„Jetzt kannst du kommen und mir helfen, mein Junge.

Einmal, vor sehr langer Zeit, verstehst du, da lebte ein alter Mönch in einem orthodoxen Kloster, Pamwe hieß er, der pflanzte auf einem Berg einen trockenen Baum, genau so. Und zu seinem Schüler, das war ein Mönch, der hieß Joann Kolow, sagte Pamwe, er solle diesen Baum täglich wässern, bis er zum Leben erwachen würde.

Gib mir mal ein paar von den Steinen da…

… und so füllte Jann jeden Morgen in aller Frühe einen Eimer mit Wasser und machte sich auf den Weg. Er stieg hinauf auf den Berg und wässerte den trockenen Baumstamm, und am Abend, als es schon dunkel war, da kehrte er zurück ins Kloster. Und so ging das drei ganze Jahre lang. Aber dann, eines schönen Tages, kam er auf den Berg und sah, dass sein ganzer Baum übersät war mit Blüten!

Und man kann sagen, was man will, diese Methode, dieses System hat etwas Großartiges. Weißt du, manchmal, da sage ich mir, wenn man jeden Tag zu der gleichen Zeit ein und dieselbe Sache tun würde, wie ein Ritual, unerschütterlich, systematisch, jeden Tag ständig zu genau der gleichen Zeit, dann würde sich die Welt verändern. Etwas in ihr würde sich verändern, es könnte gar nicht anders sein.“

(aus: Arvo Pärt: Miserere (c) 1991 – zu „Sarah Was Ninety Years Old“)

Die Kraft der Gebete – wöchentliche Friedensgebete in der Leipziger Nicolaikirche

Seit dem 20. September 1982 finden in der Leipziger Nicolaikirche an jedem Montag Friedensgebete statt – mit mehr oder weniger Teilnehmern.

1987 – als teilweise nur noch 5 Teilnehmer dem Gebet die Treue hielten, stand das wöchentliche Friedensgebet kurz vor dem Aus. Doch das Gebet wurde in Treue durchgetragen.

Im Herbst 1989 versammelten sich immer mehr Menschen zu den Friedensgebeten, die so zu einer Keimzelle der friedlichen Revolution wurden. An den Montagsdemonstrationen in Leipzig im Anschluss an die Friedensandacht nahmen bis zu 70.000 Teilnehmern teil, die mit zum Sturz des DDR-Regimes beitrugen.

 

Von der „Selbstverständlichkeit“ des Dienens:
zum Tagesevangelium (2. Teil): Lk 17,7-10

17,7 Wer aber von euch – (einen) Sklaven habend*
pflügend oder hütend
heimkommend von dem Acker –
wird sagen sofort vorbeigekommen seiend:
„lege dich (zum Essen) nieder“?

8 Sondern:
wird er nicht sagen zu ihm:
„bereite [mir] zu, was ich essen kann
und dich umgürtet habend bediene mich,
solange bis ich gegessen und getrunken habe
und nach diesem wirst du essen (können).

9 Nicht hat er Dank (Lieblichkeit, Gunst…) (gegenüber) dem Sklaven
dass er getan hat das Angeordnete.

10 Ebenso auch ihr,
wenn ihr getan habt alles das euch Angeordnete,
saget (folgendes):
„Wir sind nichtsnutzige/ armselige Sklaven
(nur)
das verpflichtet Seiende zu tun haben wir getan.“

(Lk 17,7-10)

* Praktische Ratschläge zum „rechten“ Umgang mit einem Haussklaven (= Hausangestellten) gibt die alttestamentliche Schrift Jesus Sirach (Sir 33,33-40):

„Heu, Stock und Last (sind angemessen) für den Esel,
Brot, Züchtigung und Arbeit für den (Haus-)Sklaven.
Halte deinen Sklaven zur Arbeit an, damit er nicht Bequemlichkeit sucht,
und – wenn er seinen Kopf hochträgt – sich gegen dich auflehnt.
Joch und Strick krümmen den Nacken
und auf den schlechten Sklaven (gehören) Blöcke und Foltern.
Halte deinen Sklaven zur Arbeit an, damit er nicht widerspenstig wird;
denn wer müßig geht, kommt auf vielerlei Bosheit.
Befiehl ihn zur Arbeit, wie es ihm gebührt,
und wenn er nicht gehorcht, leg ihn in schwere Ketten!
Aber gegen niemand sei maßlos,
und ohne gutes Recht tue nichts!
Hast du nur einen einzigen Sklaven, so soll er sein wie du selber;
denn wie dein eigenes Ich würdest du ihn vermissen.
Hast du nur einen einzigen Sklaven, so schätze ihn wie einen Bruder
und zürne nicht gegen dein eigenes Blut!
Denn wenn du ihn unterdrückst, und er entläuft und verlorengeht,
auf welche Weise wirst du ihn (dann wieder-)finden?“

Lob, Dank oder Belohnung für geleistete Arbeit lag für einen Sklaven außerhalb des zu Erwartenden.

(Auch der Sohn als „Juniorchef“ wird von seinem Vater – dem „Seniorchef“ keinen besonderen Dank für seine Arbeit im Familienbetrieb erwarten – es ist ihm ein inneres Anlagen, dass die Firma gut läuft, dafür setzt er sich wie selbstverständlich mit all seiner Kraft ein.)

Wer mit dieser Haltung sein Christsein lebt und „wie selbstverständlich“ seinen Dienst tut – unabhängig von Lob oder Tadel – der wird nicht enttäuscht sein, wenn er keinen besonderen Dank erfährt.

Er wird jedoch zugleich freudig überrascht sein, wenn er – unverdienterweise – erfahren darf, was Jesus an anderer Stelle verheißt:

„Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt! Amen, ich sage euch: Er wird sich gürten, sie am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen.“ (Lk 12,37)

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

 

 

Himmelstür (21. C)

Gedanken zu den biblischen Texten des 21. Sonntages im Jahreskreis C:
(= 21. August 2016):

Eröffnungsvers:
„Wende dein Ohr mir zu, erhöre mich, HERR,
hilf deinem Knecht, der dir vertraut, sei mir gnädig, o HERR.
Den ganzen Tag rufe ich zu dir.“
(Ps 86,1-3)

1 Lesung: Jes 66,18-21
„Sie werden aus allen Völkern eure Brüder herbeiholen“

2. Lesung: Hebr 12,5-7.11-13
„Wen der Herr liebt, den züchtigt er“
–> Gedanken zu dieser Lesung

Evangelium: Lk 13,22-30
„Man wird von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen
und im Reich Gottes zu Tisch sitzen“
–> Gedanken zum Evangelium

Liturgische Texte – siehe: Schott 21. Sonntag im Jahreskreis C


*Gedanken zu Hebr 12,5-7.11-13

Die Übersetzung dieses Abschnittes aus dem Hebräerbrief – so wie sie in den Eucharistiefeier am Sonntag verkündet wird (= Einheitsübersetzung 1980) ist meines Erachtens sehr unglücklich, ja sie wird sogar zur Rechtfertigung von körperlicher Gewalt als Erziehungsmittel herangezogen.

Es kommt darauf an, wie man einige Worte aus dem griechischen Original in die heutige deutsche Sprache übersetzt: wo man früher „Zuchtmeister“ sagte (mit entsprechenden Erziehungsmethoden) da muss es heute „Erzieher“ heißen.

Zunächst der Text in der liturgisch benutzten Einheitsübersetzung:

Lesung aus dem Hebräerbrief

Brüder!

5Ihr habt die Mahnung vergessen, die euch als Söhne anredet: Mein Sohn, verachte nicht die Zucht* des Herrn, verzage nicht, wenn er dich zurechtweist.

6Denn wen der Herr liebt, den züchtigt* er; er schlägt mit der Rute jeden Sohn, den er gern hat.

7Haltet aus, wenn ihr gezüchtigt* werdet. Gott behandelt euch wie Söhne. Denn wo ist ein Sohn, den sein Vater nicht züchtigt?

11Jede Züchtigung* scheint zwar für den Augenblick nicht Freude zu bringen, sondern Schmerz; später aber schenkt sie denen, die durch diese Schule gegangen sind, als Frucht den Frieden und die Gerechtigkeit.

12Darum macht die erschlafften Hände wieder stark und die wankenden Knie wieder fest,

13und ebnet die Wege für eure Füße, damit die lahmen Glieder nicht ausgerenkt, sondern geheilt werden.


(* im Griechischen steht „paideias“ – vgl. „Pädagogik“ = Erziehung)

Nun der Text – ergänzt um ausgelassene Verse – in einer möglichst wortgetreuen eigenen Übersetzung:

(Hebr 12, 4-14):

4 Noch habt ihr nicht bis aufs Blut der Sünde widerstanden und dagegen gekämpft,

5 und vergessen worden ist von euch das Beistehen/ die Ermutigung/ der Trost/ der Zuspruch dessen, welcher euch wie Söhne/ Nachkommen ins Gespräch nimmt:

Mein Sohn, nicht schätze gering die Erziehung/ Pädagogik/ Zurechtweisung/ Zucht des HERRN
auch werde nicht kraftlos/ mutlos, (wenn du) von ihm ans Licht gebracht/ zurechtgewiesen wirst.
6 Denn: Wen der HERR liebt, den erzieht er,
er züchtigt/ peitscht/ straft aber jeden Sohn/ Nachkommen, den er (an seine Seite) empfängt/ annimmt/ aufnimmt. ((= auf seine göttlich-liebende Weise, nämlich so wie ein Vater seinen Sohn, den er liebt))
(Spr. 3,11-12)

7 Zu eurer Erziehung bleibt darunter/ harrt aus:
wie Söhne behandelt euch der Gott.
Wo (ist) denn ein Sohn, den der Vater nicht erzieht?

8 Wenn ihr aber abseits/ getrennt sein würdet der Erziehung – an der alles Entstandene/ Geborene seinen Teil mitbekommen hat – dann wäret ihr ja Bastarde und nicht Söhne.

9 Sodann: In unseren Vätern dem Fleisch nach hatten wir Erzieher, und wir hatten Scheu/ Respekt vor ihnen.
Werden wir da nicht viel lieber dem gehorsam sein, dem Vater der Geister – und wir werden leben?

10 Denn: Jene erzogen uns nur wenige Tage entsprechend ihrem Gutdünken/ so wie sie es für gut hielten;
der (=Gott) aber auf das förderlich seiende hin tut es,
damit wir Anteil erhalten an seiner Heiligkeit.

11 Alle Erziehung sieht zwar für den Augenblick aus, dass sie nicht gut dünkt Freude zu bringen sondern Kummer;
später/ zuletzt aber schenkt sie denen, die durch sie geübt sind, als friedenspendende Frucht: Gerechtigkeit/ Rechtschaffenheit.

12 Darum: die herabgesunkenen Arme und die erschlafften Knie richtet wieder auf,

13 und zieht gerade Bahnen für eure Füße, dass das Lahme nicht noch verrenkt, sondern vielmehr geheilt werde.

14 (Dem) Frieden jagt nach, mit allen, und der Heiligung, ohne die keiner den HERRN schauen wird.

In der Erziehung – „niemals Gewalt“
Dazu ein Auszug aus der Rede von Astrid Lindgren zur Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 1978:

„… Jenen aber, die jetzt nach strafferer Zucht und härteren Regeln rufen, möchte ich das erzählen, was mir einmal eine alte Dame berichtet hat:

Sie war eine junge Mutter zu der Zeit, als man noch an diesen Bibelspruch glaubte, dieses „Wer die Rute schont, verdirbt den Knaben“. Im Grunde ihres Herzens glaubte sie wohl gar nicht daran, aber eines Tages hatte ihr kleiner Sohn etwas getan, wofür er ihrer Meinung nach eine Tracht Prügel verdient hatte, die erste in seinem Leben. Sie trug ihm auf, in den Garten zu gehen und selber nach einem Stock zu suchen, den er ihr dann bringen sollte.

Der kleine Junge ging und blieb lange fort. Schließlich kam er weinend zurück und sagte: „Ich habe keinen Stock finden können, aber hier hast du einen Stein, den kannst du ja nach mir werfen“.

Da aber fing auch die Mutter an zu weinen, denn plötzlich sah sie alles mit den Augen des Kindes. Das Kind musste gedacht haben, „meine Mutter will mir wirklich weh tun, und das kann sie ja auch mit einem Stein“. Sie nahm ihren kleinen Sohn in die Arme, und sie weinten eine Weile gemeinsam. Dann legte sie den Stein auf ein Bord in der Küche, und dort blieb er liegen als ständige Mahnung an das Versprechen, das sie sich in dieser Stunde selber gegeben hatte: Niemals Gewalt!“

(aus: Astrid Lindgren „Gewaltfreie Erziehung„)


Lukasevangelium, Kapitel 13, Verse 22-30:  (wortgetreue Übersetzung)

13,22 Und er zog hindurch durch Städte und Dörfer
lehrend und reisend nach Jerusalem.

23 Es sprach aber (irgend-)einer zu ihm:
„HERR, ob es (wohl) wenige (sind) der Errettet-werdenden?“

Der aber sprach zu ihnen:

24 „Bemüht euch/ kämpft im Wettkampf
hineinzukommen durch die enge Tür
denn:
viele – ich sage euch – werden (sich zu verschaffen) suchen hineinzukommen,
und sie werden (dazu) nicht fähig sein/ es nicht vermögen.

25 Von da an (wenn) aufgeweckt/ aufgerichtet sei der Hausherr(scher)
und aufgeschlossen habe die Tür
und ihr solltet (dann) anfangen
euch hingestellt zu haben und anklopft an die Tür
sagend: ‚HERR, öffne uns!‘

Und antwortend wird er sagen zu euch:
’nicht habe ich wahrgenommen euch – woher ihr seid/ woher seid ihr?‘

26 Dann werden ihr beginnen zu sagen:
Wir haben (doch) gegessen – deiner gegenwärtig
und getrunken
und in den Straßen von uns hast du gelehrt.‘

27 Und er wird reden sagend zu euch:
nicht habe ich euch wahrgenommen woher ihr seid;
entfernt euch von mir!
ein jeder, der Unrecht tut/ der Übeltäter.‘

28 Dort/ da wird sein das Jammern
und das Knirschen der Zähne
dann/ wenn ihr erblicken solltet
Abraham und Isaak und Jakob
und alle (möglichen) der Propheten
in der Königsherrschaft des Gottes
ihr aber herausgeworfen seiend –
draußen.

29 Und es werden da sein
vom (Sonnen-)Aufgang (= Osten)
und (Sonnen-)Untergang (= Westen)
und vom Nord(wind) (= Norden)
und Süd(wind) (= Süden)
und sie werden (veranlasst) sich niederzulegen
in der Königsherrschaft des Gottes.

30 Und siehe!
es sind Letzte/ Geringste
welche sein werden Erste/ Vorderste
und es sind Erste/ Vorderste
die sein werden Letzte/ Geringste.“

 

Himmelstür-3a

„Die Himmelspforte“ – Grafik zu Lk 13,22-30; (c) G. M. Ehlert, 15.08.2016

Das Tor zum ewigen Leben

Jesus Christus hat uns ein für alle Mal
das Tor zum Leben geöffnet.

Das Tor zum Leben steht offen für alle.
Doch dieses Tor, das zum Leben führt, ist eng.

Mit all unserer Aufgeblasenheit,
mit all unserer Wichtigtuerei,
mit all dem, was wir an Gepäck mit uns
herumschleppen,
kommen wir nicht hindurch.

Wir kommen dann hindurch,
wenn wir uns nach Kräften darum bemühen,
wenn wir unseren Ballast hinter uns lassen,
wenn wir unsere Rüstung, hinter der wir uns verbergen, abwerfen,
wenn wir unsere Ängstlichkeit, die uns im Nacken sitzt, ablegen,
wenn wir bereit sind, auch Liebgewordenes
loszulassen,
wenn wir es lernen, miteinander zu teilen,
wenn wir unser Bestes tun…

Dann wird es uns ein Leichtes sein,
durch das enge Tor hindurch zu gehen
ins Leben hinein. 

Dann gehören auch wir zu denen,
die von Osten und Westen
und von Norden und Süden kommen
und im Reich Gottes zu Tisch sitzen werden. 

(Georg Michael Ehlert)

 

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(c) G. M. Ehlert

Gottes Feuer (20. C)


zum 20. Sonntag im Jahreskreis C (= 14. August 2016)

Liturgische Texte: siehe 20. Sonntag i.J. C

„Wer mir nahe ist, ist dem Feuer nahe,
wer mir fern ist, ist dem Reich Gottes fern“
(ein im sog. Thomasevangelium überliefertes Jesuswort)O-8

Lk 12,49-53 – 1. eine möglichst wortgetreue Übersetzung:

12,49 Feuer – bin ich gekommen –  (herab) zu werfen auf die Erde
und wie (sehr) begehre ich
wenn es endlich entzündet würde.

50 Eine Taufe aber habe ich getauft zu werden
und wie bin ich zusammengedrängt
solange bis sie erzielt/ vollendet würde.

51 Scheint es euch/ meint ihr,
dass Frieden ich herbeigekommen bin zu geben in/ innerhalb der Erde/ des Erdbereichs?
Keineswegs! sage ich euch, sondern: als „Zer-teiler!“

52 Zu sein wird es nämlich von dem Jetzt (an):
fünf in einer Wohnung sind „Zerteiltwordene“ geworden:
drei auf(grund) von zweien und zwei auf(grund) von dreien.

53 Sie/ es werden zerteilt/ uneins werden:
ein Vater mit (dem) Sohn
und ein Sohn mit (dem) Vater
[und] eine Mutter aufgrund der Tochter
und eine Tochter aufgrund der Mutter;
eine Schwiegermutter aufgrund der Schwiegertochter/ Braut

und eine Schwiegertochter/ Braut aufgrund der Schwiegermutter.

 

2. eine freiere, aber sinnwahrende Übersetzung:

12,49 Ich bin gekommen, das Feuer (der brennenden Liebe) Gottes in die Welt zu bringen
und ich wünschte, dass es endlich (in den Herzen der Menschen) entzündet wäre.

50 Doch zuvor habe ich noch eine „Feuer-Taufe“ zu bestehen,
und ich lebe in einer inneren Spannung,
solange bis diese „Feuer-probe“ (= die Passion bis zum Tod am Kreuz) vollendet ist.

51 Scheint es euch so, dass ich gekommen bin, um Menschen innerhalb ihres Lebensbereiches zu befrieden (oder zufriedenzustellen)?
Nein – Keineswegs. –
Ich bin gekommen als einer, der die Menschen vor die Entscheidung stellt (zu den einen zu gehören, die „Feuer und Flamme“ für mich sind und in andere, die versuchen werden, den „Brandherd des neuen Lebens“ auszulöschen).

52 Daher wird es von nun an folgendermaßen sein:
fünf Menschen in einer Wohngemeinschaft werden sich aufspalten
(in eine Gruppe, die für und in eine Gruppe, die gegen mich ist):
drei werden zu Gegnern aufgrund von zwei anderen, die für mich sind

und zwei werden sich abgrenzen aufgrund von drei anderen, die zu mir halten.

53 Es werden uneins werden:
– ein Vater mit seinem Sohn
und ein Sohn mit seinem Vater.
Es werden sich zerstreiten
– eine Mutter aufgrund ihrer Tochter
und eine Tochter aufgrund ihrer Mutter;
– eine Schwiegermutter aufgrund ihrer Schwiegertochter
und eine Schwiegertochter aufgrund ihrer Schwiegermutter.

 

Jesus ein „Brandstifter“ – einer, der Menschen vor die Entscheidung stellt

Jesus ein Brandstifter? Einer, der spaltet, anstatt zu versöhnen?
Wird der sonst so freundliche und friedfertige Jesus hier auf einmal zum Fundamentalisten, ja sogar zu einem „Terroristen“???

Um diesen Abschnitt aus dem Sonntagsevangelium richtig – d.h. im Sinne Jesu – zu verstehen, ist es wichtig, den Text nicht isoliert, sondern im biblischen Zusammenhang zu hören und zu verstehen.

Wir denken bei Feuer schnell an verheerende Waldbrände, an Zerstörung und Vernichtung; im religiösen Bereich verbinden manche „Feuer“ schnell mit „Fegefeuer“ oder dem „Feuer der Hölle“ und denken nicht so sehr an das „Feuer pfingstlicher Begeisterung“.

Doch die Bibel wird das Feuer oft

– mit einer Erscheinung des lebendigen Gottes
(so vor Mose im brennenden Dornbusch, oder vor dem Volk Israel auf dem Gottesberg Horeb)

– und mit der Forderung des heiligen Gottes nach Läuterung in Verbindung gebracht
(so wie das Gold im Feuer von allen Verunreinigungen befreit wird, so soll der Mensch durch das Feuer der Reue und Vergebung von aller Sünde gereinigt werden).

Das Feuer Gottes ist
– verzehrend, indem es das Böse vernichtet;
– läuternd, indem es von Verunreinigungen reinigt;
– verwandelnd, indem es dem Vorhandenen eine andere Gestalt gibt (so wie aus Teig Brot wird);
– entzündend, indem es im Herzen der Menschen ein „Feuer der Begeisterung“ weckt.

In der Apostelgeschichte wird beschrieben, wie am Pfingstfest der Geist Gottes mit Feuerzungen auf die zum Gebet versammelten Apostel herabkam. Ein Feuer, das die furchtsamen Jünger verwandelte, so dass sie fortan voller Überzeugung von Gottes großen Taten verkündeten.

Die „Feuer-Taufe“ von der Jesus spricht ist ein Bild für seine Passion – seine Leidenschaft für Gott und die Menschen; dieser Passion bleibt er bis in das Leiden und den grausamen Tod am Kreuz treu.

Diese Lebensweise, die ohne faule Kompromisse die Barmherzigkeit Gottes unter den Menschen erfahrbar macht, wird die Menschen auch heute nicht in allem zufriedenstellen; im Gegenteil, sie wird zu einer Konfrontation mit der eigenen (oft egoistischen oder halbherzigen) Lebensweise führen.

Wer demütig genug ist, wird sich bekehren und „Feuer und Flamme“ sein für seinen Beitrag zur Verwirklichung des Reiches der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit Gottes.

Wer stolzen Herzens ist, der wird diese christliche Lebensart ignorieren, verspotten oder versuchen, den „Brandherd“ des Neuen gewaltsam zu löschen. (Dies zeigen auch in unserer Zeit die ungezählten Märtyrer, die gewaltsam getötet werden, weil sie aus dem christlichen Glauben leben).

Wer Jesus und seinem Evangelium wirklich begegnet, der ist vor die Entscheidung gestellt:
entweder sich für das Licht, das Leben und die Liebe zu entscheiden, die sich in der Lebensweise Jesu zeigt,
oder diese zu verleugnen und zu bekämpfen.

Denn: In der Nähe Jesu zu sein ist brandgefährlich – es besteht die „Gefahr“, vom Feuer seiner Liebe angesteckt zu werden.

 

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