Schmerzen Mariens (15.09.)

15. September:
Gedenktag der Schmerzen Mariens

Die 7 Schmerzen Mariens

Der Gedenktag der Schmerzen Mariens zeigt Maria als eine leidgeprüfte Frau. Sie bietet uns mit unseren Schmerzen und Verwundungen eine Möglichkeit der Identifikation.

Wir gedenken der Schmerzen Mariens, um für unsere eigenen einen angemessenen Ausdruck zu finden.

Sieben Schmerzen hat die kirchliche Tradition Maria zugeschrieben:

1.       Die Simeon-Weissagung an Maria (Lk 2,35):

„Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.“

Auch unsere Seele durchdringt oft ein Schwert, wenn Gott uns etwas zumutet, was all unsere Vorstellungen durchkreuzt.

2.       Die Flucht nach Ägypten (Mt 2,13-15)

ist ein Zeichen für die Fremde, in die auch wir fliehen müssen. Wir fühlen uns abgelehnt, fremd, schutzlos, werden ausgestoßen, abgeschoben, als lästig empfunden. Auch für uns bleibt die Hoffnung auf eine Rückkehr in die Heimat.

3.       Das dreitägige Suchen nach dem 12-jährigen Jesus bei der Wallfahrt zum Tempel in Jerusalem (Lk 2,41-52)

Wir müssen andere – insbesondere die eigenen Kinder – loslassen lernen; Wir müssen anerkennen, dass die Kinder letztlich nicht die eigenen Vorstellungen übernehmen, sondern letztlich „im Haus meines Vaters“ ihr Zuhause haben.

4.       Die Begegnung mit Jesus auf seinem Kreuzweg

Es ist auch für uns oft schwerer, einen geliebten Menschen leiden zu sehen, als selbst zu leiden, ohnmächtig dabei stehen zu müssen, wie der andere seinen Kreuzweg gehen muss.

5.       Die Kreuzigung Jesu (Lk 23,33)

Es ist schmerzlich, den geliebten Sohn im Sterben los-lassen zu müssen; doch nur dann kann einer offen werden für die neue Verantwortung.

6.       Die Abnahme Jesu vom Kreuz (Pieta)

Nur kurz kann Maria ihren toten Sohn noch einmal in ihren Armen halten, als er für das Begräbnis vorbereitet wird.

Die Pieta – sie ist für viele trauernde Menschen ein trostvolles Bild.

7.       Die Grablegung Jesu

Mit dem Begräbnis Jesu muss seine Mutter Maria auch all ihre bisherigen Zukunftshoffnungen zu Grabe tragen.

 

Der Gedenktag der „Sieben Schmerzen Mariens“

lädt uns ein, die eigenen Schmerzen zuzulassen. Wir dürfen sie vor Gott ausdrücken. Wir brauchen uns nicht dazu zwingen, sie im Glauben zu überwinden oder sie zu unterdrücken. Wir dürfen uns ohnmächtig fühlen, einsam und unverstanden.

Gerade dann jedoch sollten wir uns nicht in die Schmerzen vergraben, sondern unsern Schmerz in den „sieben Schmerzen Mariens“ anschauen und den eigenen Schmerz mit Maria vor Gott hinhalten.

Indem wir diesen Schmerz in Maria anblicken, kann er auch von Gott geheilt werden.

Pieta - 13. Station aus dem Passionsweg Christi in 14 + 1 Stationen von G. M. Ehlert

Pieta – 13. Station; aus: „Passionsweg Christi in 14 + 1 Stationen“, in: Christus-König-Kirche, Borken-Gemen, von: (c) G. M. Ehlert

Christi Mutter stand mit Schmerzen
bei dem Kreuz und weint von Herzen,
als ihr lieber Sohn da hing.  

Durch die Seele voller Trauer,
schneidend unter Todesschauer
jetzt das Schwert des Leidens ging.  

 Welch ein Schmerz der Auserkor’nen,
da sie sah den Eingebor’nen,
wie er mit dem Tode rang.

Angst und Jammer, Qual und Bangen,
alles Leid hielt sie umfangen,
das nur je ein Herz durchdrang.  

Wer könnt‘ ohne Tränen sehen
Christi Mutter also stehen
in so tiefen Jammers Not?

Wer nicht mit der Mutter weinen,
seinen Schmerz mit ihrem einen,
leiden bei des Sohnes Tod?

Ach, für seiner Brüder Schulden
sah sie ihn die Marter dulden,
Geißeln, Dornen, Spott und Hohn.

Sah ihn trostlos und verlassen
an dem blut’gen Kreuz erblassen,
ihren lieben einz’gen Sohn. 

Gib, o Mutter, Born der Liebe,
dass ich mich mit dir betrübe,
dass ich fühl‘ die Schmerzen dein.

Dass mein Herz von Lieb‘ entbrenne,
dass ich nur noch Jesus kenne,
dass ich liebe Gott allein. 

Heil’ge Mutter, drück die Wunden,
die dein Sohn am Kreuz empfunden,
tief in meine Seele ein.

Ach, das Blut, das er vergossen,
ist für mich dahingeflossen;
lass mich teilen seine Pein.

Lass mich wahrhaft mit dir weinen,
mich mit Christi Leid vereinen,
solang mir das Leben währt.

Unterm Kreuz mit dir zu stehen,
unverwandt hinauf zu sehen,
ist es, was mein Herz begehrt.

O du Jungfrau der Jungfrauen,
wollst in Liebe mich anschauen,
dass ich teile deinen Schmerz.

Dass ich Christi Tod und Leiden,
Marter, Angst und bittres Scheiden,
fühle wie dein Mutterherz.

Lass mich tragen seine Peinen,
mich mit ihm am Kreuz vereinen,
trunken sein von seinem Blut.

Dass nicht zu der ew’gen Flamme,
der Gerichtstag mich verdamme,
steh, o Jungfrau, für mich gut.

Christus, um der Mutter Leiden,
gib mir einst des Sieges Freuden,
nach des Erdenlebens Streit.

Jesus, wenn mein Leib wird sterben,
lass dann meine Seele erben
deines Himmels Seligkeit.    Amen.

(aus: Stabat mater, Sequenz von Jacopone da Todi oder Bonaventura, vor  1306)

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(c) G. M. Ehlert

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