Schlagwort-Archive: Lamm Gottes

Kommt und seht (2.B)

2. Sonntag im Jahreskreis (B)

14. Januar 2018

Eröffnungsvers (Ps 66,4)
Alle Welt bete dich an, o Gott, und singe dein Lob,
sie lobsinge deinem Namen, du Allerhöchster.

Tagesgebet
Allmächtiger Gott,
du gebietest über Himmel und Erde,
du hast Macht über die Herzen der Menschen.
Darum kommen wir voll Vertrauen zu dir;
stärke alle, die sich um die Gerechtigkeit mühen,
und schenke unserer Zeit deinen Frieden.
Darum bitten wir durch Jesus Christus…

1. Lesung: 1 Sam 3,3b-10.19 
Rede, HERR! Dein Diener hört

Antwortpsalm: Psalm 40,2.4ab.7-8.9-10

2. Lesung: 1 Kor 6,13c-15a.17-20 
Eure Leiber sind Glieder Christi

Ruf vor dem Evangelium (vgl. Joh 1,41.17b)
Halleluja. Halleluja.
Wir haben den Messias gefunden, den Gesalbten des HERRN.
Die Gnade und die Wahrheit sind durch ihn gekommen.
Halleluja!

Evangelium: Joh 1,35-42 
Sie folgten Jesus und sahen, wo er wohnte, und blieben bei ihm

 

zum Sonntagsevangelium:  

Suchen und IHN finden – Gedanken zu Joh 1,35-51 

Am Anfang der Schrift – im Buch Genesis – dem Buch vom Ursprung, da ist Gott auf der Suche – nach dem Menschen: „Adam, wo bist du?“ (Gen 3,9) –
Das ist die erste Frage, die uns die Heilige Schrift aus dem Munde Gottes überliefert.

Was sucht ihr? - Kommt und seht!

Am Anfang des Johannesevangeliums – da blickt sich Jesus um,
und als er die beiden Menschen sieht, die auf der Suche nach Jesus Christus sind,
da fragt ER sie: „Was sucht ihr?“ (Joh 1,38 ) –
Das ist die erste Frage, die uns der Evangelist Johannes
aus dem Munde Jesu Christi überliefert.Die beiden Jünger antworten auf diese Frage mit einer Gegenfrage:
„Rabbi, wo ist deine Bleibe?“ – Wo wohnst du? – Wo ist dein Zuhause?
ER lädt sie ein: „Kommt, und ihr werdet sehen.“
Und sie – sie gehen mit ihm und sahen, wo er wohnte.

Sie haben gesucht. Und haben das Gesuchte gefunden.

Was suchen wir?
Wen suchen wir?
Wo suchen wir?
Bei wem suchen wir den Gesuchten?
Suchen wir Gottes Sohn?
Wo suchen wir IHN?
Bei wem suchen wir IHN?

Was ist unsere erste Frage, wenn wir IHN finden?
Fragen auch wir danach, wo ER wohnt?
„Gott wohnt, wo man IHN einlässt.“
Lassen wir Gott bei uns herein?
Lassen wir uns auf Gott ein?

„Wer sucht, der wird finden!“ (Mt 7,8 )


Impuls zu den biblischen Texten vom 2. Sonntag i.J. B

Wo wohnt Gott? – Wo finde ich IHN?

Droben, im Himmel?
Drüben, im Tempel?
Nebenan, im Mitmenschen?
In mir, im eigenen Herzen?

– Samuel wird von Gott gerufen, als er im Tempel ist (1 Sam 3,1-19).
– Zwei Jünger des Johannes kommen zu Jesus und sehen, wo er zuhause ist (Joh 1,35-42).
– Paulus erinnert uns daran, dass wir ein Tempel Gottes sind, dass Gottes Geist in uns wohnt (1 Kor 6,19).

Wo findest Du Gott? –
In der Stille der Kirche?,
in der Begegnung mit Christus – in seinem Wort u. Sakrament?;
im Hören auf die leise Stimme des eigenen Herzens?

 

siehe auch:

zu Paschalamm + Opferlamm + Osterlamm: “Seht-das-Lamm-Gottes

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

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Taufe Jesu

Taufe des Herrn (1 B) – Fest

zum Festevangelium Mk 1,7-11 siehe Arbeitsübersetzung von G. M. Ehlert zu Mk 1,9-15.

Mit dem Fest der „Taufe des Herrn“ am Sonntag nach der Erscheinung des Herrn (Epiphanias / Hl. Drei Könige) schließt der Weihnachtsfestkreis und beginnen die Sonntage im Jahreskreis. (Im Jahr 2018 ist dies der Jahreskreis B).

Mit der Taufe Jesu im Jordan durch Johannes den Täufer beginnt nach ca. 30 Jahren des verborgenen Lebens in Nazaret nun sein ca. 3-jähriges öffentliches Wirken in Galiläa und Judäa.

Taufe-Jesu1

Eine Bildmeditation zur Taufe Jesu im Jorden

Jesus setzt eine symbolträchtige Handlung an den Beginn seines öffentlichen Wirkens.
Er lässt sich von Johannes dem Täufer taufen d.h. er stellt sich in eine Reihe mit all denen, die bereit sind, zu Gott zurückzukehren.

Diese Taufe findet statt am tiefsten Punkt der Erdoberfläche. (ca. 395 m unter dem Meeresspiegel).

Hier zog einst das Volk Israel „über den Jordan“ hinein ins gelobte Land – angeführt durch Joschua. Nun zieht das „neue Volk Israel“ unter dem neuen Joschua = Jesus hinein ins Reich Gottes, das in der Gemeinschaft mit Jesus seinen Anfang nimmt.

Gedanken zum Festtag – die Antiphonen zu Magnificat u. Benedictus aus dem Stundengebet der Kirche:

„Der uns im Wasser der Taufe von der alten Verderbnis reinigt,
uns neu schafft und mit Unvergänglichkeit bekleidet,
er, unser Heiland, kommt heute zum Jordan und erbittet von Johannes die Taufe.“
(Magnificat-Antiphon, 1. Vesper)

„Christus wird getauft, und die Welt wird geheiligt.
Er schenkt uns Nachlass der Sünden;
wir werden gereinigt durch Wasser und Geist.“
(Benedictus-Antiphon, Laudes)

„Christus hat uns geliebt und durch sein Blut von unseren Sünden erlöst.
Er machte uns zu Königen und zu Priestern für Gott, seinen Vater.
Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht in alle Ewigkeit. Amen.“
(Magnificat-Antiphon, 2. Vesper)

zum Fest „Taufe des Herrn“ siehe auch weitere Blogbeiträge:


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© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

 

das Lamm Gottes (2. A)

 


Seht das Lamm Gottes,
das hinwegträgt die Sünde der Welt

Osterlamm

„Osterlamm“ – Zeichnung von G. M. Ehlert, 2004

Die liturgischen Texte des 2. Sonntages im Jahreskreis A 

(15. Januar 2017)

Eröffnungsvers (Psalm 66,4)
„Alle Welt bete dich an, o Gott, und singe dein Lob,
sie lobsinge deinem Namen, du Allerhöchster.“

1. Lesung: Jes 49,3.5-6
Ich mache dich zum Licht für die Völker
–> Jes 49,1-6 = 2. Gottesknechtslied

Antwortpsalm (Ps 40,2.4ab.7-8.9-10)

2. Lesung: 1 Kor 1,1-3
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus

Ruf vor dem Evangelium: (Joh 1,14a.12a)
Halleluja. Halleluja.
Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.
Allen, die ihn aufnahmen,
gab er Macht, Kinder Gottes zu werden.
Halleluja

Evangelium: Joh 1,29-34
Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt
–> siehe auch Joh 1,29-51 (eine wortgetreue Arbeitsübersetzung)

Liturgische Texte – siehe auch Schott: 2. Sonntag im Jahreskreis A

 

Zeugnistag

zum Evangelium Johannes 1,29-34:

Johannes stellt uns Jesus vor:
„Seht, das Lamm Gottes,
das hinwegträgt die Sünde der Welt“

Bald ist wieder Zeugnistag – Lehrer stellen über ihre Schüler ein Zeugnis aus, wie sie die schulischen Leistungen erlebt hatben…
Ein anderer Zeugnistag kann unvorbereitet kommen,
wenn einer zum Augenzeugen z.B. eines Unfalls wird
und aufgerufen wird, davon Zeugnis zu geben, was er gesehen und erfahren hat.
Und auch in der Kirche werden Zeugen gesucht, die bezeugen können, was sie von Jesus erfahren haben.

  • Johannes legt Zeugnis ab über Jesus

Im heutigen Evangelium stellt Johannes der Täufer Jesus seinen Zuhörern vor,
so wie Prominente in einer Fernsehshow vom Moderator vorgestellt werden, bevor sie selber zu Wort kommen.
Und er legt dabei ein Zeugnis darüber ab, wie er selbst Jesus erfahren hat.

Doch wie stellt Johannes seinen „Stargast“ vor?

„Seht, das Lamm Gottes,
das hinwegnimmt die Sünde der Welt“

Ich tue mich schwer mit dieser Kennzeichnung Jesu.
Und was verbinden Sie mit diesem Vergleich?

Lamm! ? = „Lammfromm“ – „Opferlamm“ – Tiersymbol für Reinheit, Unschuld, Arglosigkeit

Die Hörer des Johannes damals dachten bei dem Vergleich mit einem Lamm sicher an:
– das Opferlamm, das zum Schlachten geführt wird;
Das Buch Jesaja 53,6-7: Wir hatten uns alle verirrt wie Schafe, jeder ging für sich seinen Weg. Doch der Herr lud auf ihn (=den Gottesknecht) die Schuld von uns allen.
Er wurde misshandelt und niedergedrückt, aber er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf angesichts seiner Scherer, so tat auch er seinen Mund nicht auf.

– das Paschalamm (Ex 12)
das Blut des Lammes, das an die Türpfosten gestrichen wurde, verschonte das Volk Israel vor dem angekündigten Unheil

– das Lamm, das auf dem Thron sitzt (Offenbarung des Johannes)
wird gefeiert als Sieger über alle Mächte des Bösen

Und Johannes, der Täufer bezeugt, was er im Glauben gesehen hat, als er Jesus im Jordan getauft hat:
Ich sah den Geist Gottes herabsteigen –
wie eine Taube aus dem Himmel –
und er blieb auf ihm.

Das war für ihn das deutliche Zeichen, dass dieser Jesus von Gott erwählt ist, dass dieser Jesus Gottes Sohn ist,
der gekommen ist, um die Menschen mit dem Geist Gottes zu erfüllen.

  • Zeugnis über Jesus – in der Eucharistiefeier

Vor der Heiligen Kommunion erhebt der Priester die gebrochene Hostie und weist auf sie hin mit den Worten Johannes, des Täufers: „Seht! Das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt“ –

Seht! So ist Jesus Christus hier gegenwärtig: als stärkendes Brot, das sich für uns zerbrechen lässt, damit wir alle Anteil erhalten an seinem göttlichen Leben.

Wer die göttliche Größe dieses Liebesgeschenkes im Glauben (an-)erkennt, der wird zugleich voller Betroffenheit – wie der heidnische Hauptmann aus Kafarnaum sagen: „Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort und meine Seele wird gesund“

Und er darf Christi Einladung hören und auf sich beziehen: „Selig, wer zum Mahl des Lammes geladen ist!“

  • Zeugnis ablegen über Jesus – im Alltag

Und dann – nach der Kommunion mit Christus – sendet der HERR uns aus, IHN den Menschen von heute vorzustellen

Wir müssen andere Bilder und Vergleiche finden, um den Menschen von heute deutlich zu machen, dass Jesus der Retter, der Heiland und Erlöser der Menschen ist.

Er lebt Gottes Liebe ohne weltliche Machtmittel und ist bereit, dass andere diese wehrlose Liebe ausnutzen. –
Er ist wie ein Lamm, das in unserer wölfischen Welt kaum eine Chance hat. Jesus solidarisiert sich mit den Wehrlosen. Damals wie heute.

Und er sendet auch seine Jünger ohne beeindruckende Machtmittel in die Welt – wie Schafe mitten unter die Wölfe.

Das ist das Provozierende – damals wie heute –

Jesus lebt vor, dass die Ohnmacht der Liebe letztlich mächtiger sein wird als alle Mächte und Bedrohungen dieser Welt.

Wie schwer fällt es uns jedoch, dies wirklich zu glauben und aus diesem Geist zu leben.

Auch wir sind aufgerufen, zu entdecken, wer dieser Jesus für uns ist
und davon Zeugnis abzulegen.

Haben sie schon eine Vorstellung, was Sie sagen können,
wenn Sie als Zeuge gefragt werden, wer dieser Jesus für Sie ist?

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

Suchen und finden

2. Sonntag im Jahreskreis (B) = 18. Januar 2015

Sonntagsevangelium: Joh 1,35-42

Suchen und finden –  Gedanken zu Joh 1,35-51 
Am Anfang der Schrift – im Buch Genesis – dem Buch vom Ursprung, da ist Gott auf der Suche – nach dem Menschen: „Adam, wo bist du?“ (Gen 3,9) –
Das ist die erste Frage, die uns die Heilige Schrift aus dem Munde Gottes überliefert.

Was sucht ihr? - Kommt und seht!

Am Anfang des Johannesevangeliums – da blickt sich Jesus um, und als er die beiden Menschen sieht, die auf der Suche nach Jesus Christus sind, da fragt ER sie: „Was sucht ihr?“ (Joh 1,38 ) –
Das ist die erste Frage, die uns der Evangelist Johannes aus dem Munde Jesu Christi überliefert.
Die beiden Jünger antworten auf diese Frage mit einer Gegenfrage: „Rabbi, wo ist deine Bleibe?“ – Wo wohnst du? – Wo ist dein Zuhause?
ER lädt sie ein: „Kommt, und ihr werdet sehen.“
Und sie – sie gehen mit ihm und sahen, wo er wohnte.

Sie haben gesucht. Und haben das Gesuchte gefunden.

Was suchen wir?
Wen suchen wir?
Wo suchen wir?
Bei wem suchen wir den Gesuchten?
Suchen wir Gottes Sohn?
Wo suchen wir IHN?
Bei wem suchen wir IHN?

Was ist unsere erste Frage, wenn wir IHN finden?
Fragen auch wir danach, wo ER wohnt?
„Gott wohnt, wo man IHN einlässt.“
Lassen wir Gott bei uns herein?
Lassen wir uns auf Gott ein?

„Wer sucht, der wird finden!“ (Mt 7,8 )


siehe auch:
zu Joh 1,35-51: „Übersetzung u. Erläuterungen
Kommt und seht!”
zu Paschalamm + Opferlamm + Osterlamm: “Seht-das-Lamm-Gottes

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Lamm Gottes


zum 2. Sonntag im Jahreskreis B:
Evangelium: Joh 1,35-42
zum Text (Joh 1,29-51 eigene Übersetzung)

„Seht das Lamm Gottes!“

Paschalamm – Opferlamm – Osterlamm
Das Mahl des Lammes

 

Seit mehr als 200 Jahren ist der Hase in Deutschland als Zeichen der Fruchtbarkeit und als Symbol für das Osterfest bekannt und
beliebt.

In seinem Schatten steht das Lamm, das jedoch das viel ältere Symboltier für Ostern ist.

Das Lamm gilt in vielen Kulturen als Symbol der Unschuld und der Demut und ist ein häufiges Opfertier.

In der Liturgie an Gründonnerstag, Karfreitag und an Ostern hören wir vom Paschalamm, vom Opferlamm und vom Osterlamm.

Das Paschalamm

Am Gründonnerstag schauen wir auf Christus, der für uns Christen das neue Paschalamm geworden ist.

Im Zentrum des jüdischen Pessachfestes, das auch die Grundlage des Letzten Abendmahles Jesu war, steht das Mahl eines einjährigen Lammes, das im Tempel in Jerusalem zum jüdischen Pessachfest Gott geschenkt, geschlachtet und dann im Kreis der Familie als Zeichen der Gemeinschaft mit Gott gegessen wurde.

Zum Pessach-Fest (Pessach oder Pascha heißt Übergangsfest) aß man gemeinsam dieses Lamm in Erinnerung an die Befreiung des Volkes aus der Sklaverei in Ägypten. (vgl. Exodus 12,1-13,16).

Das Lamm wurde damals – auf Gottes Geheiß hin – gegessen und mit seinem Blut wurden die Türpfosten bestrichen und so ging das von Gott angedrohte Unheil am Volk Gottes vorüber und das Volk Israel blieb verschont.

Dank dem Blut des Paschalammes wurde Israel zu einem heiligen Volk, das durch einen Bund mit Gott verbunden war.

An Gründonnerstag feiert die Kirche das Letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern.

Jesus selbst feierte mit seinen Jüngern das Pascha – diesen Übergang von der Sklaverei zur Freiheit.

Schon in dieser Paschafeier – im Hinblick auf seinen bevorstehenden Tod am Kreuz – wird Jesus selber zum neuen Paschalamm, wenn er sagt: „Dies ist der Kelch des neuen Bundes, mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird.“

Wir Christen sehen daher in Jesus Christus „das wahre Osterlamm“, durch sein Blut „haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden“ (vgl. Kol 1,12-20) geschenkt bekommen.

(siehe auch: „Agnus-Dei„)

Das Opferlamm

Am Karfreitag schauten wir auf die Passion Christi, wie er „wehrlos wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt wird.“ (vgl. Jer. 11,19)

Der Prophet Jesaja verheißt, dass der gerechte Knecht Gottes leiden muss. Er vergleicht in einem seiner Gottesknechtsliedern den Gerechten mit einem Opferlamm, das stellvertretend für uns alle die Sünden der Menschen hinwegträgt.

Dieses Bild greift Johannes der Täufer auf, als er auf Christus zeigt und sagt: „Seht das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde(n) der Welt.“ (Joh 1,29)

Und dies ist geschehen, indem Jesus den Leidensweg bis zum Tod am Kreuz auf sich nahm, um uns zu befreien aus der Verstrickung in das Böse.

Paulus spricht davon, dass Jesus Christus als „unser Paschalamm“ geopfert wurde am Kreuz. (vgl. 1 Kor 5,7)

In Mel Gibsons Film: „Passion Christi“ fließt viel Blut. Entscheidend für unsere Erlösung ist jedoch nicht das
Maß der Grausamkeit, das Jesus in seiner Passion zu erleiden hatte. Entscheidend ist vielmehr das Maß seiner Liebe zu Gott und zu allen Menschen, d.h. seine Leidenschaft, sein Leben einzusetzen für die Menschen bis zur letzten Konsequenz. Dieses Maß seiner Liebe hat uns erlöst.

Schon die frühe Christenheit verstand dieses Lamm nicht als reines Opferlamm, das in einem grausamen blutigen Sühneopfer
hingeschlachtet wird. So etwas hätte Gott nicht nötig und der Sinn dieses Bildes wäre auch verfehlt. Denn das Pessach-Lamm war bei den Juden ja das freudige Gedächtnis an ihre Befreiung aus der Knechtschaft in Ägypten. Und auch im Jesaja-Text
liegt der Sinn des Gottesknechtes nicht in seiner grausamen Vernichtung, sondern in seiner strahlenden Erhöhung
nach seinem Tod.

Das Osterlamm

Zum Osterfest gehört das Lamm dazu.

In einem Osterlied singen wir:

„Kommt zu des Lammes Ostermahl,
geschmückt mit weißen Kleidern all,
Christus, dem Herrn, singt Lob und Ehr,
der uns geführt durchs Rote Meer! Alleluja.

Das Osterlamm erinnert uns an das „Pascha-Mysterium“ –
wie das Ostergeheimnis auch genannt wird.

Wir feiern den Übergang vom Tod zum Leben, von der Verstrickung in Schuld zur Freiheit der Kinder Gottes. Wir selbst haben Anteil erhalten an diesem Ostergeheimnis durch die Taufe. Bei der jährlichen Tauferneuerung am Osterfest erinnern wir uns daran, dass wir jetzt schon Anteil am göttlichen Leben haben.

Die Bedeutung und der Sinn von Jesu Tod strahlt für uns erst aufgrund seiner Auferstehung auf.
Die Auferstehung wird nun zum christlichen Sinn des Pessachfestes; das christliche Osterfest feiert das siegreiche Leben. Jesus ist Sieger über den Tod. Aus dem passiven
Lamm ist ein aktiver Sieger mit einer Siegesfahne geworden. Und so finden wir in den Darstellungen der Kunst das Lamm mit der Osterfahne, auf der ein Kreuz dargestellt ist als Zeichen für Christus, der vom Tod erstanden ist.

"Osterlamm" - Zeichnung von G. M. Ehlert, 2004

Das Mahl des Lammes

Und an Ostern feiern wir, dass wir durch die Auferstehung Jesu von den Toten zum himmlischen Hochzeitsmahl des Lammes
geladen sind. Die scheinbare Niederlage des Gekreuzigten – so der Sinn dieses Hoffnungsbildes – wird sich am Ende als großer Sieg erweisen, weil die Liebe letztlich stärker ist als Gewalt und Tod.

Gott wird auch uns zum ewigen Osterfest laden.
Denn auch unsere Namen stehen aufgrund der Taufe im
Buch des Lebens, in dem mit 7 Siegeln versiegelten Buch des Lammes Gottes.

Nicht der Tod, sondern die Auferstehung hat das letzte Wort.
Das ist die hoffnungsvolle Botschaft von Ostern.

Christus, der wie ein Opferlamm am Kreuz starb, er ist siegreich auferstanden und lädt uns ein zum himmlischen Mahl des Lammes.  In jeder Eucharistiefeier feiern wir das, dass
Christus uns den Zugang zum Himmel eröffnet hat.

 

(zu Joh 1,35-51 siehe auch: „Kommt und seht!“

zu Paschalamm + Opferlamm + Osterlamm siehe auch: „Seht-das-Lamm-Gottes„)

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

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Zeugnistag

Gedanken zum 2. Sonntag im Jahreskreis A (= 16. Januar 2011):
zum Evangelium Johannes 1,29-34:

Johannes stellt uns Jesus vor:
„Seht, das Lamm Gottes,
das hinwegträgt die Sünde der Welt“ 

Bald ist wieder Zeugnistag – Lehrer stellen über ihre Schüler ein Zeugnis aus, wie sie die schulischen Leistungen erlebt hatben…
Ein anderer Zeugnistag kann unvorbereitet kommen,
wenn einer zum Augenzeugen z.B. eines Unfalls wird
und aufgerufen wird, davon Zeugnis zu geben, was er gesehen und erfahren hat.
Und auch in der Kirche werden Zeugen gesucht, die bezeugen können, was sie von Jesus erfahren haben.

  • Johannes legt Zeugnis ab über Jesus

Im heutigen Evangelium stellt Johannes der Täufer Jesus seinen Zuhörern vor,
so wie Prominente in einer Fernsehshow vom Moderator vorgestellt werden, bevor sie selber zu Wort kommen.
Und er legt dabei ein Zeugnis darüber ab, wie er selbst Jesus erfahren hat.

Doch wie stellt Johannes seinen „Stargast“ vor?

„Seht, das Lamm Gottes,
das hinwegnimmt die Sünde der Welt“

Ich tue mich schwer mit dieser Kennzeichnung Jesu.
Und was verbinden Sie mit diesem Vergleich?

Lamm! ? =  „Lammfromm“ – „Opferlamm“ – Tiersymbol für Reinheit, Unschuld, Arglosigkeit

Die Hörer des Johannes damals dachten bei dem Vergleich mit einem Lamm sicher an:
– das Opferlamm, das zum Schlachten geführt wird;
Das Buch Jesaja 53,6-7: Wir hatten uns alle verirrt wie Schafe, jeder ging für sich seinen Weg. Doch der Herr lud auf ihn (=den Gottesknecht) die Schuld von uns allen. 
Er wurde misshandelt und niedergedrückt, aber er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf angesichts seiner Scherer, so tat auch er seinen Mund nicht auf. 

– das Paschalamm (Ex 12)
das Blut des Lammes, das an die Türpfosten gestrichen wurde, verschonte das Volk Israel vor dem angekündigten Unheil

– das Lamm, das auf dem Thron sitzt (Offenbarung des Johannes)
wird gefeiert als Sieger über alle Mächte des Bösen

Und Johannes, der Täufer bezeugt, was er im Glauben gesehen hat, als er Jesus im Jordan getauft hat:
Ich sah den Geist Gottes herabsteigen –
wie eine Taube aus dem Himmel –
und er blieb auf ihm.

Das war für ihn das deutliche Zeichen, dass dieser Jesus von Gott erwählt ist, dass dieser Jesus Gottes Sohn ist,
der gekommen ist, um die Menschen mit dem Geist Gottes zu erfüllen.

  • Zeugnis über Jesus – in der Eucharistiefeier

Vor der Heiligen Kommunion erhebt der Priester die gebrochene Hostie und weist auf sie hin mit den Worten Johannes, des Täufers: „Seht! Das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt“ –

Seht! So ist Jesus Christus hier gegenwärtig: als stärkendes Brot, das sich für uns zerbrechen lässt, damit wir alle Anteil erhalten an seinem göttlichen Leben.

Wer die göttliche Größe dieses Liebesgeschenkes im Glauben (an-)erkennt, der wird zugleich voller Betroffenheit – wie der heidnische Hauptmann aus Kafarnaum sagen: „Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort und meine Seele wird gesund“

Und er darf Christi Einladung hören und auf sich beziehen: „Selig, wer zum Mahl des Lammes geladen ist!“

  • Zeugnis ablegen über Jesus – im Alltag

Und dann – nach der Kommunion mit Christus – sendet der HERR uns aus, IHN den Menschen von heute vorzustellen

Wir müssen andere Bilder und Vergleiche finden, um den Menschen von heute deutlich zu machen, dass Jesus der Retter, der Heiland und Erlöser der Menschen ist.

Er lebt Gottes Liebe ohne weltliche Machtmittel und ist bereit, dass andere diese wehrlose Liebe ausnutzen. –
Er ist wie ein Lamm, das in unserer wölfischen Welt kaum eine Chance hat. Jesus solidarisiert sich mit den Wehrlosen. Damals wie heute.

Und er sendet auch seine Jünger ohne beeindruckende Machtmittel in die Welt – wie Schafe mitten unter die Wölfe.

Das ist das Provozierende – damals wie heute –

Jesus lebt vor, dass die Ohnmacht der Liebe letztlich mächtiger sein wird als alle Mächte und Bedrohungen dieser Welt.

Wie schwer fällt es uns jedoch, dies wirklich zu glauben und aus diesem Geist zu leben.

Auch wir sind aufgerufen, zu entdecken, wer dieser Jesus für uns ist
und davon Zeugnis abzulegen.

Haben sie schon eine Vorstellung, was Sie sagen können,
wenn Sie als Zeuge gefragt werden, wer dieser Jesus für Sie ist?

„Was sucht ihr?“

Suchen. Und Finden.

Gedanken zu Joh 1,35-51

Suchen. Und Finden.
Am Anfang der Schrift – im Buch Genesis – dem Buch vom Ursprung,
da ist Gott auf der Suche – nach dem Menschen:
„Wo bist du?“ (Gen 3,9) –
Das ist die erste Frage, die uns die Heilige Schrift
aus dem Munde Gottes überliefert.

Was sucht ihr? - Kommt und seht!

Am Anfang des Johannesevangeliums – da blickt sich Jesus um,
und als er die beiden Menschen sieht,
die auf der Suche nach Jesus Christus sind,
da fragt ER sie:
„Was sucht ihr?“ (Joh 1,38 ) –
Das ist die erste Frage, die uns der Evangelist Johannes
aus dem Munde Jesu Christi überliefert. 
Die beiden Jünger antworten auf diese Frage mit einer Gegenfrage:
„Rabbi, wo ist deine Bleibe?“ – Wo wohnst du? – Wo ist dein Zuhause?
ER lädt sie ein: „Kommt, und ihr werdet sehen.“
Und sie – sie gehen mit ihm und sahen, wo er wohnte.

Sie haben gesucht. Und haben das Gesuchte gefunden. 

 

Was suchen wir?
Wen suchen wir?
Wo suchen wir?
Bei wem suchen wir den Gesuchten?
Suchen wir Gottes Sohn?
Wo suchen wir IHN?
Bei wem suchen wir IHN?

Was ist unsere erste Frage, wenn wir IHN finden?
Fragen auch wir danach, wo ER wohnt?
„Gott wohnt, wo man IHN einlässt.“

Lassen wir Gott bei uns herein?
Lassen wir uns auf Gott ein?

    „Wer sucht, der wird finden!“ (Mt 7,8 )


Georg Michael Ehlert, 18. Januar 2002

zum Bibeltext – wortgetreue Übersetzung von G. M. Ehlert: Joh 1,29-51

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(c) G. M. Ehlert