Augustinus – 28. Aug.

Liebe – und dann tu, was du willst!

Augustinus, Kirchenlehrer im 5. Jahrhundert

schrieb in der Mitte seines Lebens eine Autobiografie, in der er das Suchen, die Irrwege und das Finden zum christlichen Glauben erzählt – in Form eines großen Gebetes.
Indem er darin seine Schuld bekennt, bekennt er zugleich sein Vertrauen auf Gottes großes Erbarmen. – Dieses Werk trägt den Titel: „Confessiones“ – „Bekenntnisse“

Es beginnt mit folgenden Worten:

„Groß bist Du, Herr,
und hoch zu preisen,
und groß ist Deine Macht und deine Weisheit unermesslich.

Und preisen will Dich der Mensch,
ein kümmerlicher Abriss Deiner Schöpfung,
ja der Mensch, der herumschleppt sein Sterbewesen,
herumschleppt das Zeugnis seiner Sünde
und das Zeugnis, dass Du ‚den Hochfährtigen widerstehst‘.

Und dennoch preisen will Dich der Mensch,
ein kümmerlicher Abriss Deiner Schöpfung.
Du selbst reizest an, dass Dich zu preisen Freude ist;
denn geschaffen hast Du uns zu Dir,
und ruhelos ist unser Herz,
bis dass es seine Ruhe hat in Dir.“

Der Bischof Augustinus wurde einmal gefragt, was die Quintessenz des Christentums ist.
Darauf antwortete er kurz und bündig:
„Dilige – et quod vis – fac!“
(Liebe – und was du willst – das tu!)

augustinus-a

Hl. Augustinus – Grafik:  G. M. Ehlert, Aug. 2018

Um diesen Satz richtig zu verstehen, kommt alles darauf an, was hier mit dem Wort „Liebe“ gemeint ist.
In erster Linie – nicht Sex, nicht ein Liebesgefühl, nicht freundschaftliche Verbundenheit, auch nicht Caritas allein…
sondern in erster Linie: Ehrfurcht – eine Achtung vor der Würde des Menschen.

Wer wissen will, wie das konkret gehen kann, der schaue auf das Leben und Sterben Jesu.
Jesus sagt zur Erläuterung des Doppelgebotes der Liebe zu Gott und zum Nächsten:
„Dies ist mein Gebot:
Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe!“

Wer so Liebe versteht, für den gilt:

„Liebe – und tu, was du dann willst;
wenn du schweigst, so schweige in Liebe;
wenn du schreist, so schreie in Liebe;
wenn du zurechtweist, so weise zurecht in Liebe;
wenn du Nachsicht übst, so übe Nachsicht in Liebe:
die Wurzel in deinem Inneren sei die Liebe,
aus dieser Wurzel kann nur Gutes aufwachsen.“

(Augustinus, Predigten über den 1. Johannesbrief 7,8)

Dilige et quod vis fac;
sive taceas, dilectione taceas;
sive clames, dilectione clames;
sive emendes, dilectione emendes;
sive pareas, dilectione pareas:
radix sit intus dilectionis,
non potest de ista radice nisi bonum existere.
(in epistulam Iohannis ad Parthos [tractatus decem] VII,8)