Philippus – 3. Mai

Philippus, der Apostel

Festtag: 3. Mai 

Philippus – berufen zum Apostel

Sein Name wird – jeweils an 5. Stelle – in den Apostellisten überliefert (Mt 10,3; Mk 3,18; Lk 6,14; Apg 1,13).
Im Johannesevangelium erfahren wir an vier Stellen mehr über ihn:

Berufung

Seine Herkunft: „Philippus war aus Betsaida, der Stadt des Andreas und Petrus.“ (Joh 1,44)
„Bet-saida“ = „Haus des (Fisch-)Fangs“ ist eine Ortschaft am See von Galiläa, damals im Herrschaftsbereich vom Tetrarchen (= Vierfürst) Herodes Philippus.

So wuchs Philippus, wie auch Simon (Petrus) und sein Bruder Andreas als Juden im Kontakt mit griechischer und römischer Sprache und Kultur auf.

Er hat einen griechischen Namen bekommen: „Phil-ippos“ = „Liebhaber (des) Pferdes“
(auch „Andreas“ ist griechisch und bedeutet: „der Mannhafte/ Tapfere).

Jesus „trifft ihn“ und sagt zu ihm: „Folge mir nach!“ – Und Philippus folgt ihm.

Aus dem folgenden Treffen mit (seinem Freund?) Natanael erfahren wir, dass Philippus sich eifrig mit den Heiligen Schriften (unserem Alten Testament) beschäftigt hat und dass er nun von Jesus überzeugt ist. Er bekennt: „Wir haben den gefunden, über den Mose im Gesetz und auch die Propheten geschrieben haben: Jesus, den Sohn Josefs, aus Nazaret.“  (Joh1,45)

Auf die eher skeptische Nachfrage Natanaëls hin: „Aus Nazaret? Kann von dort etwas Gutes kommen?“ gibt Philippus nicht auf (obwohl auch er sicherlich weiß, dass der Ort Nazaret in keiner der heiligen Schriften erwähnt wird). Er begnügt sich nicht damit, die neue Botschaft wie eine Theorie zu verkünden, sondern er wendet sich direkt an seinen Gesprächspartner und lädt ihn ein, das, was ihm verkündet wurde, persönlich zu erfahren: „Komm und sieh!“ (Joh 1,46).

In dieser nüchternen, aber klaren Antwort zeigt sich als Eigenschaft eines wahren Zeugen Christi: sein Realitätssinn.

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Prüfung

Dieser Charakterzug des Apostels Philippus zeigt sich auch in der zweiten Stelle, in der er im Johannesevangelium namentlich erwähnt wird im Zusammenhang mit der großen Speisung am See von Galiläa vor dem Paschafest.

Im Blick auf die große Menschenmenge (5000 Männer) fragt Jesus den Philippus um seinen Rat:

„Woher sollten wir Brot einkaufen, damit diese Leute zu essen haben?“ – Seine Antwort zeigt ihn als einen nüchternen, realistischen „Eventmanager“:“ – Er hat beides im Blick: die Bedürfnisse der Gesamtzahl der Menschen und die begrenzten eigenen Ressourcen. Er prüft beides und kommt zu dem nüchternen Ergebnis:  „Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus, wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück bekommen soll.“ (Joh 6,7)– Jesus weitet nun durch sein eigenes wunderbares Handeln den Blick des Philippus auf die Dimension der Handlungsmöglichkeiten Gottes: aus der Hingabebereitschaft von Menschen in Verbindung mit dem Segen Gottes kann Stärkung für alle werden.

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Vermittlung

Um solch eine Verknüpfung von menschlichem Suchen und göttlicher Offenbarung geht es auch in der dritten Stelle, in der Philippus im Johannesevangelium eine wichtige Rolle spielt.

Kurz vor der Passion Jesu in Jerusalem bitten ihn „einige Griechen“, die als (nichtjüdische) Pilger in Jerusalem Verbindung zu dem Gott des Lebens suchten: „Herr, wir möchten Jesus sehen.“ (Joh 12,21)

Das griechische Wort für „sehen“ ist hier „idein“ – d.h. sie möchten Jesus nicht nur mit den Augen erblicken, sondern eine „Idee“ von ihn bekommen – sein wahres Wesen – kennenlernen. Und ein solches „sehen“ kann nur gelingen, wenn sie in eine persönliche Beziehung zu Jesus kommen. Philippus kann – zusammen mit Andreas – die sprachlichen und kulturellen Grenzen überwinden – er kann dolmetschen, vermitteln.

Doch er weiß auch, dass das Entscheidende nur Christus selbst bewirken kann. So setzt er sich dafür ein, dass ein Kontakt mit Jesus zustande kommen kann, in dem offenbar werden kann, wer Jesus in Wahrheit ist.

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Offenbarung

Einen entscheidenden Schritt des Glaubens haben die Apostel noch vor sich als sie mit Jesus im Abendmahlssaal vereint sind: Die geistgewirkte Erfahrung, dass der wahre Weg zur lebendigen Gemeinschaft mit Gott dem Vater durch die Passion Jesu erfolgt: durch das Leiden und den Tod am Kreuz hindurch hinein in das österliche Leben.

Während Petrus nach dem Ziel des Weges Jesu fragt, auf dem er ihm nachfolgen will: „Herr, wohin gehst du?“ (Joh 13,36);

fragt Thomas nach den Erkennungszeichen dieses Weges: „Herr wir erkennen nicht, wohin du gehst. Wie vermögen wir dann den Weg zu kennen?“ (Joh 14,5)

und Philippus bittet daraufhin, dass ihm Jesus das Wesen des himmlischen Vaters offenbart: „Herr, zeig uns den Vater, das genügt uns!“ (Joh 14,8)

Die Antwort Jesu bekräftigt, dass Jesus nicht nur das Wesen des Vaters – z.B. durch seine Lehre – offenbart, sondern das er selbst die menschgewordene Selbstoffenbarung Gottes, des Vaters ist: „Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? Glaubst du nicht, das ich im Vater bin und der Vater in mir ist?“ –

Das gesamte Leben Jesu – von seiner Empfängnis bis zum Verbrechertod am Kreuz -ist im Licht der Auferstehung Jesu die Selbstoffenbarung des Wesens Gottes: sich verschenkende Liebe.

Davon gibt auch der Apostel Philippus durch und mit und in seiner Lebenshingabe Zeugnis.

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Philippus-2a

Apostel Philippus – Grafik von G. M. Ehlert, 2021

Bildlegende:
links oben: Prüfung (Joh 6,5ff) – rechts oben: Offenbarung (Joh 14,7ff)
links unnten: Berufung (Joh 1,43ff) – rechts unten: Vermittlung (Joh 12,2off)

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

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Stand: 01. Mai 2021