Franz von Sales – 24. Jan.

Franz von Sales –
Heiliger der Sanftmut und Herzlichkeit

1. Der Heranwachsende
2. Der Priester und Missionar
3. Der Bischof – mit dem Ziel „allen alles zu werden“
4. Der Seelenführer und Mystiker
5. Die geistliche Freundschaft mit Johanna Franziska von Chantal
6. Der Ordensgründer
7. Der Heilige der Sanftmut und Herzlichkeit

8. Heiligsprechung und Ernennung zum Kirchenlehrer der Liebe

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Zum Geleit

Meine Vergangenheit kümmert mich nicht mehr,
sie gehört dem göttlichen Erbarmen.

Meine Zukunft kümmert mich noch nicht,
sie gehört der göttlichen Vorsehung.

Was mich kümmert und fordert, ist das Heute.
Das aber gehört der Gnade Gottes und der Hingabe meines guten Willens.

(Franz von Sales)

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1. Der Heranwachsende

  • am 21. August 1567 geboren
  • Feier der Taufe am 28. August 1567
  • vom Vater für eine juristische – standesgemäße – Karriere bestimmt
  • Glaubens- und Lebenszweifel im Winter 1586-87
  • Studium von Staats- und Kirchenrecht – Doktor
  • Studium von Theologie

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„Gott und meine Mutter haben mich sehr lieb“

Die entscheidende Wende im Leben des hl. Franz von Sales stellt seine „Krise in Paris“ im Winter 1586-1587 dar.

Keines seiner späteren Werke oder Schriften ist ohne diese sechs Wochen in der französischen Metropole richtig verstehbar.  Die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts war in Frankreich von den theologischen Auseinandersetzung zwischen den Katholiken und den Calvinisten geprägt.

Kann ich als Mensch etwas dafür tun, um in den Himmel zu kommen (= kath. Lehre), oder ist mein Schicksal bereits von vorneherein von Gott festgelegt (calvinistische Prädestinationslehre)?

Franz von Sales war in große Glaubens- und Lebenszweifel geraten.
Nach intensiven Gebeten ließ er sich schließlich ganz in die Hände Gottes fallen. Egal ob Gott seine Verdammnis oder seine Vollendung will – alles wird für ihn gut, denn er wusste plötzlich mit absoluter Sicherheit: Gott ist die Liebe, und egal wie Gott mit mir verfährt, es wird immer gut sein, denn die Liebe will immer nur das Beste.

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2. Der Priester und Missionar

  • am 18. Dezember 1593 zum Priester geweiht
  • ab 1594 Missionierung der Provinz Chablais

Sein Missionseifer war unermüdlich, der Weg in der kargen Gebirgslandschaft von Strapazen gezeichnet, seine Aufgabe zudem höchst gefährlich. Denn den calvinistischen Machthabern war sein Missionieren ein Dorn im Auge.

Sie verboten der Bevölkerung unter Androhung von Strafen den Kontakt zu Franz.Franz-von-Sales-31

25.01.1595: Franz von Sales kündigt in einem Brief an die „Herren von Thonon“ an, dass er von nun an seine Predigten in Form von Flugblättern unter die Leute bringen wird, da sie es den Bürgern verboten haben, zu seinen Predigten zu kommen.

Etwa ein Jahr lang wird Franz von Sales in Form von Flugblättern den katholischen Glauben darlegen und unter der Bevölkerung verkünden.
Später werden diese Flugblätter gesammelt unter dem Titel „Kontroversschriften“ erscheinen.

Trotz eines versuchten Attentats auf ihn und anderer Schwierigkeiten gab er nicht auf. Seine Beharrlichkeit machte sich bezahlt: Mit einfachen, zu Herzen gehenden Worten erreichte er einen großen Teil der Menschen rund um den Genfer See. Rund 8.000 kehrten durch Franz von Sales zum katholischen Glauben zurück.

Patron der Journalisten

1923 erklärte Papst Pius XI. den hl. Franz von Sales feierlich zum Schutzpatron der katholischen Schriftsteller und Journalisten.

Einer der Gründe war, dass Franz von Sales als erster das Massenmedium seiner Zeit – nämlich die Druckerpresse – dazu verwendete, serienmäßig die Glaubenslehre unter den Menschen positiv zu verbreiten. Er tat dies so gut, dass sehr bald die Menschen das Verbot, zu seinen Predigten zu kommen, missachteten.

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3. Der Bischof – mit dem Ziel: „allen alles zu werden“

  • Im Jahr 1602 wurde Franz zum Bischof von Genf geweiht.

Unerhörte Arbeitsleistung und edle Volkstümlichkeit kennzeichnen sein Wirken.Franz-von-Sales-341

Er predigt bei jeder Gelegenheit, hält selbst Katechesen für die Kinder, hört viele Stunden Beichte in seiner Kathedrale und auf seinen Visitationsreisen, beseitigt energisch Missstände im Klerus und unter den Gläubigen.

Seinem Klerus gibt er klare Weisungen für die Seelsorge, vor allem durch das Beispiel seiner Heiligkeit und seines unermüdlichen Eifers.

Bei seinem Tod ist sein Bistum umgewandelt, bildet ein festes unerschütterliches Bollwerk gegen Irrtum und Unglauben.

Er gilt als der beste Kanzelredner seiner Zeit.
Paris, Toulouse, Dijon, Chambèry und andere Städte wollen ihn hören.
In seinen Predigten entwickelt er die katholische Lehre ruhig, schlicht, in herzgewinnender Weise.

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4. Der Seelenführer und Mystiker

  • Anfang des Jahres 1609 erschien das Buch
    die „Anleitung zum frommen Leben“ oder „Philothea“. Franz-von-Sales-33

Das Buch wurde innerhalb kürzester Zeit ein Bestseller und ist bis heute ein Klassiker der christlichen Weltliteratur.

Franz von Sales hat nie geplant, dieses Buch zu schreiben. Es begann alles damit, dass eine gewisse Frau von Charmoisy ihn bat, ihr als geistlicher Begleiter zur Seite zu stehen und zu helfen, dort, wo sie lebt und arbeitet, ein vollkommenes christliches Leben zu führen. Franz von Sales schrieb ihr daraufhin eine Reihe von Briefen, die Frau von Charmoisy wie einen Schatz hütete und einmal einem Jesuiten zu lesen gab. Dieser war von den Gedanken so begeistert, dass er Franz von Sales überredete, daraus ein Buch zu machen. Er tat dies, indem er zahlreiche andere Briefe an Menschen miteinbezog, die von ihm einen schriftlichen Rat zum christlichen Leben in der Welt erbaten.

  • Im Jahr 1616 erschien das Buch
    die „Abhandlung über die Gottesliebe“ – Theotimus

Dieses Werk ist aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte ein pastoral-theologisches Werk, das denjenigen dienen soll, die in ihrer Frömmigkeit Fortschritte machen wollen.

Es ist eine „Magna Charta der Mystik“ – und zeigt die mystische Seite von Franz von Sales.

In zwölf Büchern versuchte der Heilige seinen Lesern die Gottesliebe als den Ursprung und das Ziel, als die Grundtugend und die Bestimmung menschlichen Seins darzustellen.
Durch die Gottesliebe gewollt und ins Dasein gerufen, ist der Mensch für diese Liebe bestimmt. Er ist als Ebenbild Gottes berufen, an der Natur Gottes Anteil zu haben und in die Gemeinschaft mit ihm einzutreten.

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5. Die geistliche Freundschaft
mit Johanna Franziska von ChantalFranz-von-Sales-34

Am 4. März 1604 kam es in einer Kirche in Dijon zur ersten Begegnung zwischen Franz von Sales und Johanna Franziska von Chantal (1572-1641).

Aus dieser Begegnung entwickelte sich eine einzigartige Freundschaft, die in der Kirchengeschichte ihresgleichen sucht.

Es war eine Freundschaft, in der beide einander halfen, den Weg zur Heiligkeit zu finden.

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6. Der Ordensgründer

Am 6. Juni 1610 begannen die ersten Frauen unter der Leitung von Johanna Franziska von Chantal im Haus der Galerie in Annecy mit dem Leben als Schwestern der Heimsuchung Mariens.Franz-von-Sales-342

Franz von Sales und Johanna Franziska von Chantal sind im Laufe ihrer Freundschaft zu dem Entschluss gekommen, diese Ordensgemeinschaft ins Leben zu rufen.

Streich der Vorsehung

Franz von Sales glaubte aus tiefstem Herzen daran, dass er und die Geschicke der Welt und aller Menschen in Gottes Hand liegen. Sein Lieblingsausdruck dafür lautete: „Überlassen Sie alles vertrauensvoll der göttlichen Vorsehung und bleiben Sie in Seinem göttlichen Frieden.“ Eine besondere Geschichte hat ihn darin bestärkt. Franz von Sales wollte in Lyon ein „Kloster der Heimsuchung Mariens“ gründen. Dazu bedurfte es allerdings auch eines Genehmigungspatents vom französischen König. Etwa zur gleichen Zeit gab es in Lyon einen französischen Priester, der ebenfalls ein Frauenkloster gründen wollte, das er „Kloster der Darstellung Mariens“ nennen wollte. Dieser Priester erbat also beim Königshof um die Genehmigung. Einige Wochen später erhielt der Priester dann die Erlaubnis ein „Kloster der Heimsuchung Mariens“ zu gründen. Franz von Sales gefiel dieser „Streich der göttlichen Vorsehung“ ganz besonders. Jedenfalls wurde das Kloster der Heimsuchung gegründet, ein Kloster der Darstellung kam jedoch nie zustande.

Bis zum Tod des hl. Franz von Sales gab es 13 Klöster. Als Johanna Franziska von Chantal 1641 starb gab es bereits 87 Klöster. Der Orden wirkt noch heute in vielen Ländern aller Erdteilen.

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7. Der Heilige der Sanftmut und Herzlichkeit

Franz von Sales, der sanftmütige, liebevolle, zärtliche, herzliche Heilige …Franz-von-Sales-301

Bedenkt man, dass er mit einem angeborenen, jähzornigen Naturell auf die Welt gekommen ist, dann erhalten diese Eigenschaften eine noch größere Qualität.

Franz von Sales hat sich seine Sanftmut erarbeitet und jeden Tag neu vorgenommen: „Heute werde ich nicht in Zorn geraten.“

Ich habe einen Vertrag mit meiner Zunge geschlossen,
dass sie sich nicht bewege,
irgendein verletzendes Wort denen gegenüber auszusprechen,
die sich gegen mich beleidigend äußern.

Am 21. Oktober 1605 beginnt ein Genfer Medizinstudent, ein in Annecy stadtbekannter Sohn eines calvinistischen Arztes, vor dem Bischofshaus in Annecy über Franz von Sales zu spotten. Laut beschimpft er den Bischof gegenüber den Vorübergehenden als „Saint-Gras“ – „Heiliger Fettsack“.
Franz von Sales wird auf den schreienden Studenten vor seiner Haustür aufmerksam. Anstatt ihn jedoch einfach davonzujagen, holt Franz von Sales den jungen Mann zu sich und bittet ihn, seinen Puls zu messen, da er – so Franz von Sales – selten Gelegenheit habe, einem so begabten jungen Medizinstudenten, dessen Fähigkeiten allseits bekannt seien, persönlich zu begegnen. Der junge Mann ist darüber äußerst verwundert und im Laufe seiner Untersuchung kommen die beiden ins Gespräch. Der Student ist von Franz von Sales so angetan, dass er sich die nächsten Tage wieder mit dem Bischof trifft und schließlich zum katholischen Glauben übertritt.

Salesianisch leben
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das heißt: Leben in der Gegenwart des liebenden Gottes bei allem, was ich tue, und das auf eine liebenswürdige, gewinnende, positive, herzliche Weise, so dass die Menschen, denen ich begegne, nicht den Eindruck bekommen, dieses Leben in der Gegenwart Gottes wäre mir eine Last oder mache mich krank und depressiv, sondern dieses Leben in der Gegenwart Gottes schenkt mir das Leben in Fülle, und zwar heute genauso wie nach meinem Tod.

V + J   = vivat Jesus – es lebe Jesus!

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8. Heiligsprechung
und Ernennung zum Kirchenlehrer der Liebe

  •         Seligsprechung am 18. Dez. 1661;
  •         Heiligsprechung am 19. Apr. 1665
  •         Ernennung zum Kirchenlehrer der Liebe am 19. Juli 1877
  •         Patron der Journalisten u. Schriftsteller seit 28. Dez. 1922
  •         Patron der Gehörlosen seit 1869:

Auch als Patron der Gehörlosen wird Franz von Sales verehrt. Denn er kümmerte er sich während seiner Zeit als Prediger besonders rührend um einen gehörlosen Jungen, den er geistig und geistlich förderte.Franz-von-Sales-32

„Fast jeden Tag kam an seine Tür einer namens Martin, der von Geburt an taubstumm war, um ein Almosen zu empfangen. Er war übrigens zu jeder Art von Diensten zu gebrauchen. Deshalb nahmen die Diener des Bischofs oft seine Hilfe in Anspruch und stellten ihn ihrem seligen Herrn während der Mahlzeit vor. Der gute Bischof wurde von Mitleid mit diesem armen Menschen gerührt, vor allem aber deswegen, weil er infolge seines Gebrechens und seiner Unwissenheit im Glauben der Teilnahme an der heiligen Eucharistie beraubt war. Er versuchte ihm durch Zeichen etwas von den göttlichen Geheimnissen zu erklären. Als er sah, dass es ihm nicht an Geist mangelte, so dass er unterrichtet werden konnte, nahm er ihn unter seine Diener auf. Durch ständiges Bemühen erreichte er, dass der arme Bursche gute Auffassungen von Gott bekam, dass er das Laster mied, die Tugenden liebte, seine Sünden bekannte und (was bewundernswert ist) sogar seine guten und bösen Gedanken und die Gesinnungen seiner Seele offenbarte. Auf diese Weise kam der Diener Gottes zu dem Urteil, dass er die heilige Kommunion empfangen konnte. …

Schließlich liebte er diesen armen Menschen so sehr, dass er seinem ganzen Hausgesinde ausdrücklich verbot, ihm irgendein Leid oder Unrecht zuzufügen.“

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Franz von Sales mit Johanna Franziska von Chantal u. dem gehörlosen Jugendlichen, dem er hier in Gebärdensprache „Christus“ nahebringt – (c) G. M. Ehlert, Januar 2018

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

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