Schlagwort-Archive: Jahreskreis B

wahre Größe (25.B)

„Wahre Größe“

Sonntag, 23. September 2018

Liturgische Texte zum 25. Sonntag im Jahreskreis B

Eröffnungsvers:
Das Heil des Volkes bin ich – so spricht der HERR.
In jeder Not, aus der sie zu mir rufen, will ich sie erhören.
Ich will ihr HERR sein für alle Zeit.

Tagesgebet
Heiliger Gott,
du hast uns das Gebot der Liebe
zu dir und zu unserem Nächsten aufgetragen
als die Erfüllung des ganzen Gesetzes.
Gib uns die Kraft,
dieses Gebot treu zu befolgen,
damit wir dass ewige Leben erlangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

ERSTE Lesung aus dem Buch Weisheit (Weish 2,1a.12.17-20)
Zu einem ehrlosen Tod wollen wir ihn verurteilen – sagen die Frevler

Antwortpsalm: Psalm 54,3-4.5-6.8-9
Gott ist mein Helfer, der HERR beschützt mein Leben

ZWEITE Lesung aus dem Jakobusbrief (Jak 3,16 – 4,3)
Wo Frieden herrscht, wird von Gott für die Menschen, die Frieden stiften, die Saat der Gerechtigkeit ausgestreut  

Ruf vor dem Evangelium (vgl. 2 Thess 2,14)
Halleluja. Halleluja.
Durch das Evangelium hat Gott uns berufen
zur Herrlichkeit Jesu Christi, unseres Herrn.
Halleluja.

Evangelium aus dem Markusevangelium (Mk 9,30-37)
Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert…
Wer der Erste sein will, soll der Diener aller sein

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EvangelientextÜbersetzung G. M. Ehlert

Markus 9,30-37 (= Evangelium vom 25. Sonntag im Jahreskreis B)

Zweite Leidensankündigung

30 Und von dort hinausgehend
sie gingen vorüber durch das
(Gebiet) Galiläas
und nicht wünschte er
(= Jesus),
dass irgendeiner es erkenne
31 er lehrte nämlich die Jünger von ihm
und er sagte
(zu) ihnen (folgendes):

„Der Sohn des Menschen (= Menschensohn) werde übergeben/ überliefert
hinein in die Hände von Menschen
und sie werden töten ihn
und getötet-worden-seiend – nach drei Tagen – werde er auferstehen.“

32 Die aber erkannten nicht (den Sinn) des Ausspruches
und
= doch sie scheuten sich ihn zu fragen.

Jesu Wort zum Rangstreit der Jünger (Mk 9,33-37)

33 Und sie kamen hinein nach Kapharnaum
und in das Haus eingetreten seiend
befragte er
(= Jesus) diese:

„Was habt ihr auf dem Weg durchgedacht?“

34 Die aber schwiegen;
sie hatten bei einander nämlich sich
unterredet/ gestritten auf dem Weg,
wer größer/
mächtiger/ hervorragender (sei)

35 Und sich hingesetzt habend
er rief die Zwölf
und er sagt
(zu) ihnen:

„Wenn irgendjemand wünscht/ will Erster zu sein,
werde er aller Letzter/
Unterster
und aller Diener.“

36 Und nehmend ein Kindlein (= spielend Lernendes)
er stellte dieses hin in
(die) Mitte von ihnen
und in-die-Arme-nehmend dieses
sprach er zu ihnen:

37 „Wer wohl ein derartiges Kindlein aufnimmt – wegen meines Namens –
mich nimmt er auf
und wer wohl mich aufnimmt,
nicht
(nur) mich nimmt er auf,
sondern den mich absendenden“
(= Gottvater).

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Bild zur Meditation:

„… und ER stellte ein Kind in ihre Mitte…“

kind-in-mitte

Orientierung am Kind

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Impuls zum Evangelium

„Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben:
die Sterne der Nacht,
die Blumen des Tages
und die Augen der Kinder.“
(Alighieri Dante – italienischer Dichter und Philosoph *1265 – +1321)

„Amen, das sage ich euch:
Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind,
der wird nicht hineinkommen.“
(Mk 10,15)

Ein Kind schaut auf
voller Freude – voller Erwartung.

Die Großen schauen herab,
herablassend? – fordernd?

In welche Richtung schaut unser Leben?

Was wir im Auge haben,
das prägt uns,
dahinein werden wir verwandelt.
Und wir kommen,
wohin wir schauen.

Wer aufschaut,
kommt nach oben;
wer auf andere herabschaut,
nach unten.

(nach Heinrich Spaemann: Orientierung am Kinde)

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Links:

–> zum Antwortpsalm: Psalm 54: Bitte um…+ Vertrauen in…+ Dank für Errettung

–> Bildmeditation zu Mk 9,30-37: Während Jesus von der Größe seiner Hingabe spricht – sprechen die Jünger darüber, wer unter ihnen der Größte ist. – Jesus jedoch stellt ein Kind in ihre Mitte: „Orientierung am Kind

–> zu den Liturgischen Texten siehe auch Schott 25.S.i.J. B

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

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Stand: 16. Sept. 2018

 

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Christus-Bekenntnis (24.B)

„Christus-Bekenntnis“

Sonntag, 16. September 2018

Liturgische Texte zum 24. Sonntag im Jahreskreis B

Eröffnungsvers: (vgl. Sir 36,18.21-22)
HERR, gib Frieden denen, die auf dich hoffen,
und erweise deine Propheten als zuverlässig.
Erhöre das Gebt deiner Diener und deines Volkes.

Tagesgebet
Gott, du Schöpfer und Lenker aller Dinge,
sieh gnädig auf uns.
Gib, dass wir dir mit ganzem Herzen dienen
und die Macht deiner Liebe an uns erfahren.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

ERSTE Lesung aus dem Buch Jesaja (Jes 50,5-9a)
Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen

Antwortpsalm: Psalm 116,1-2.3-4.5-6.8-9
Ich gehe meinen Weg vor Gott im Land der Lebenden.

ZWEITE Lesung aus dem Jakobusbrief (Jak 2,14-18)
Der Glaube für sich allein ist tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat  

Ruf vor dem Evangelium (Gal 6,14)
Halleluja. Halleluja.
Ich will mich allein des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus rühmen,
durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt.
Halleluja.

Evangelium aus dem Markusevangelium (Mk 8,27-35)
Du bist der Messias. – Der Menschensohn muss vieles erleiden

* * *
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EvangelientextÜbersetzung G. M. Ehlert

Markus 8,27 – 35 (= Evangelium vom 24. Sonntag im Jahreskreis B)

Ihr aber – was sagt ihr, dass ich sei?

Und es kamen heraus der Jesus
und die Lernenden von ihm
in die Dörfer (bei der Stadt) Cäsarea des Philippus*;
     
(= die erst 2/1 v. Chr. gegründete Hauptstadt der Tetrarchie des Herodes Philippus)
und in dem Weg
fragte er die Lernenden von ihm
sagend zu ihnen:
„Was (über) mich sagen die Menschen,
wer ich sei?“

die aber sprachen zu ihm sagend (folgendes):
(für) Johannes den Täufer*,  (z.B. Meinung des Herodes vgl. Mk 6,14)
und andere (für) Elias*,
(= die verbreitete Überzeugung, dass vor dem Messias der Prophet Elia wiederkommen werde vgl. Mk 6,15)

andere aber (folgendes): (für) einen der Propheten*.
(= besonders gedacht wird an einen neuen Mose, vgl. Dtn 18,15)

Und ER fragte sie (selbst):
ihr aber was (über) mich saget ihr, wer ich sei?
antwortend der Petrus sagt er (zu) ihm:
du bist der Gesalbte*
(= Christos = der (von Gott zum König) Gesalbte = der verheißene Messias = der König aus dem Geschlecht Davids)
(der Sohn des lebendigen Gottes).

Und er verwarnte sie
auf dass sie nicht einem (so) sagen sollten
über ihn.

Erste Leidensankündigung Jesu

Und er fing an sie zu lehren (folgendes)
„es ist nötig (für) den Sohn des Menschen
vieles zu (er-)leiden
und hinweggeprüft (= verworfen) zu werden
   von den Ältesten
   und den Hohenpriestern
   und den Schriftgelehrten
und umgebracht zu werden
und nach drei Tagen aufzuerstehen.“

Und in aller Offenheit das Wort sagte er.

Zurechtweisung des Petrus

Und zu-sich-her-nehmend der Petrus ihn
fing er an zu verwarnen ihn.

Der aber, gewendet worden
und gewahrt habend die Lernenden (von) ihm
verwarnte den Petrus
und sagte: Hinweg, hinter mich, Widersacher,
weil du nicht bedacht bist (auf) das des Gottes
sondern (auf) das der Menschen.

Jesu Wort von der Kreuzesnachfolge

Und herzurufend die Menge
samt den Lernenden (von) ihm,
sprach er zu ihnen:
„wenn jemand willens ist, mir nachzufolgen,
verleugne er sich selbst
und nehme auf das Kreuz – sein eigenes
und folge mir nach.

Welcher nämlich sooft er will
seine Seele (Psyche) retten
vernichten wird er sie;
welcher aber gleichsam
vernichten wird seine Seele
um meinet- und des Evangeliums willen,
retten wird er sie.

 

Wen nämlich fördert es,
wenn ein Mensch den ganzen Kosmos gewinnt
und seine Seele verliert?

Wen nämlich könnte geben ein Mensch
als Eintausch für seine Seele?

Welcher nämlich
sooft er beschämt werden sollte
(in Bezug auf) mich
und die von mir kommenden Worte
in der Generation
welche ehebrecherisch und sündhaft (ist)
auch der Sohn des Menschen
wird beschämt werden
(in Bezug auf) ihn
wann er kommt
in der Herrlichkeit seines Vaters
mit den Boten der Himmel.“

Und er sagte zu ihnen:
„Amen ich sage euch (folgendes):
es sind einige der hier Stehenden
welche gewiss nicht schmecken den Tod,
bis sie gewahren
die Königsherrschaft des Gottes,
gekommen seiend in Dynamik.“

(Mk 8,27-35.36-37 u. 9,1)

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Bild zur Meditation:

Jesus = der messianische König + leidender Gottesknecht

Mk 8,27-35

Christus-Bekenntnis u. Zurecht-Weisung – Grafik (c) G. M. Ehlert, 10.09.2018

 

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Impuls zum Evangelium

Das Christusbild des Jesus von Nazaret u. des Simon bar Jona (= Petrus)
oder: Über Selbst- und Fremdeinschätzung

Khalil Gibran (*1883 – +1931) – ein libanesischer Philosoph und Dichter schrieb einmal:

Einmal, alle hundert Jahre, trifft Jesus von Nazareth den Jesus der Christen
in einem Garten zwischen den Hügeln des Libanon.
Und sie sprechen lange,
und jedes Mal geht Jesus von Nazareth fort,
indem er zum Jesus der Christen sagt:
„Mein Freund, ich fürchte, wir werden niemals, niemals übereinstimmen.“

(Aus: Khalil Gibran, Sand und Schaum, Walter-Verlag, Olten u. Freiburg)

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Links:

–> zur 1. Lesung: Jes 50,4-9: – III. Gottesknechtslied

–> zum Antwortpsalm: Psalm 116: Erinnerung u. Dank für die Errettung

–> Bildmeditation zu Mk 8,29-34: Du-Christus

–> Predigt zu Mk 8,27-35: „Du bist der Christus – ein Bekenntnis mit Konsequenzen“

–> zu den Liturgischen Texten siehe auch Schott 24.S.i.J. B

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

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Stand: 12. Sept. 2018

Effata! – Öffne dich! (23.B)

„Effata! – Öffne dich!“

Sonntag, 9. September 2018

Liturgische Texte zum 23. Sonntag im Jahreskreis B

Eröffnungsvers: (Ps 119,137.124)
HERR, du bist gerecht, und deine Entscheide sind richtig.
Handle an deinem Knecht nach deiner Huld.

Tagesgebet
Gütiger Gott,
du hast uns durch deinen Sohn erlöst
und als deine geliebten Kinder angenommen.
Sieh voll Güte auf alle, die an Christus glauben,
und schenke ihnen die wahre Freiheit
und das ewige Erbe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

ERSTE Lesung aus dem Buch Jesaja (Jes 35,4-7a)
Die Ohren der Tauben öffnen sich, die Zunge des Stummen jauchzt auf

Antwortpsalm: Psalm 146,6-7.8-9b.9c-10
Lobe den HERRN, meine Seele!

ZWEITE Lesung aus dem Jakobusbrief (Jak 2,1-5)
Hat Gott nicht die Armen auserwählt, um sie zu Erben des Königreichs zu machen?

Ruf vor dem Evangelium (Mt 6 4,23b)
Halleluja. Halleluja.
Jesus verkündete das Evangelium vom Reich
und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.
Halleluja.

Evangelium aus dem Markusevangelium (Mk 7,31-37)
Er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen

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EvangelientextÜbersetzung G. M. Ehlert

Mk 7,31-37: Heilung eines Taubstummen

Und wiederum – hinausgehend aus dem Grenzgebiet von Tyros –
ging ER (= Jesus) durch Sidon hinein an das Meer (= See) von Galiläa
mitten durch das Grenzgebiet der Dekapolis (= Zehn-Städte).

Und sie bringen zu IHM
einen Stumpfen (= Tauben/ Gehörlosen) und nur Stammelnden
und rufen IHN herbei,
dass ER auflege auf ihn die Hand.

Und beiseitenehmend ihn von der
(Volks-)Menge
warf hinein/ streckte aus ER seine Finger in seine Ohren,
und spuckend heftete/ berührte er seine Zunge.
Und aufblickend in den Himmel
seufzte er,
und sagt zu ihm:
„Effatha!“ – das ist: Werde geöffnet!

Und sogleich ward aufgemacht
seine Ohren/ sein Gehör
und es ward losgelöst die Fessel seiner Zunge,
und er redete richtig.

Und er befahl ihnen/ schärfte ihnen ein,
dass sie es nicht einem sollten sagen;
wie groß = je mehr er es ihnen einschärfte,
desto
größer = mehr verkündeten sie (es).

Und über alle Maßen wurden sie aufgewühlt
sagend:
„Ideal/
gut hat er alles gemacht,
und/ auch die Stumpfen (= Tauben) macht er/ bringt er dazu zu hören
und die verstummten
(= Lallenden) zu sprechen.“

(Mk 7,31-35)

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Bild zur Meditation:

Effata! – Werde geöffnet!

Grafik: Effata! - (c) G. M. Ehlert, 06.09.2009

Grafik: Effata! – (c) G. M. Ehlert, 06.09.2009

„Ideal hat ER alles gemacht;
er macht, dass die Tauben hören
und die Sprachlosen sprechen.
(Mk 7,37)

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Impuls zum Evangelium

Effata – öffne dich!

Kommunikation: genau hinhören, um richtig reden zu können

Ich möchte in meiner Predigt darüber sprechen, was eine Voraussetzung für eine gelungene Kommunikation ist: nämlich das genaue Hinhören!

Leitlinie ist für mich dazu ein Blick auf das heutige Evangelium von der Heilung eines Gehörlosen (frühere Bezeichnung: ‚Taubstummer‘) durch Jesus.

  • Taubstumm = ausgegrenzt aus der Gemeinschaft

Der Gehörlose ist stumm, weil er taub ist.

Ein gehörloser – und infolge dessen nur stammelnder – Mensch  war zur Zeit Jesu gesellschaftlich enorm isoliert. Alle technischen Hilfsmittel der Verständigung – wie sie heute existieren – fehlten. Er konnte sich seiner Umwelt gegenüber kaum ausdrücken und auch Worte etc. an ihn, erreichten ihn nicht. Zumal muss bedacht werden, dass damals ein gehörloser Mensch nicht schreiben und lesen konnte. Gehörlos sein war (und ist oft auch heute noch) eine Behinderung, die Menschen allein sein lässt, sehr isoliert und einsam macht. Ein gehörloser Mensch kann nichts hören und kann nicht mitreden und ist so aus der Gemeinschaft ausgeschlossen.

Andererseits: ein Erlebnis im Sommer in der Jugendbildungsstätte auf der Jugendburg in Borken-Gemen, wo eine Gruppe hörgeschädigter Menschen war: Bei ihrer Verständigung mit Händen und Gesichtsmimik – bin ich taub und stumm.

  • sich verschließen… andere ausschließen

Es gibt Menschen, die haben gesunde Ohren – u. hören nicht; sie können reden – und bleiben doch stumm.

Wo verstummen Menschen in meiner Gegenwart, wo können sie mein Reden nicht mehr mit anhören können? oder:

Wo werden Menschen in unserer Gesellschaft mundtot gemacht? oder:

–> Was kann ich nicht mehr mit anhören?
Was macht mich stumm oder sprachlos?

Wer im persönlichen wie im politischen Bereich nicht mehr auf die Menschen und ihre Nöte hören kann oder will, wer nur seine eigene Macht im Auge hat, der kann schließlich nur noch unverständlich reden. Von ihm ist jedoch kein heilsames Wort zu erwarten.

  • Schritte auf dem Weg der Heilung

Im heutigen Evangelium gehen nun die messianischen Verheißungen in Erfüllung, nach denen die Tauben hören und die Stummen jubeln (vgl.: Jes 35,5f). Dies geschieht im heidnischen Gebiet der Dekapolis.

Wie kann auch heute geschehen, dass „die Tauben hören und die Stummen jubeln“?

– „Man bringt einen Taubstummen zu Jesus…“
= Auf die Not anderer aufmerksam (gemacht) werden…

– „Er nimmt ihn beiseite…“
= Sich nicht verschließen, sondern sich dem „Taubstummen“ ganz zuwenden

Menschen mit Schwerhörigkeit brauchen das Gefühl, von ihrer Umgebung verstanden zu werden. Sich Gehör verschaffen ist eine Sache, jemanden zu finden, der zuhört und Zeit zum Zuhören hat, ist in der gut hörenden Welt nicht unbedingt selbstverständlich.

Er legt ihm die Finger in die Ohren u. berührt die Zunge des Mannes mit Speichel
= Eine (Zeichen-)sprache finden, die ihn erreichen kann

Wenn die Verständnisbarriere überwunden ist, was nicht einzuschränken ist auf das akustische Hören, dann ist ein wichtiger Schritt getan auf dem Weg zur Integration von Menschen.

– „Er blickt zum Himmel auf…“
= den Menschen in Verbindung mit Gott bringen. (!)

– „Er seufzt…“
= Verständigung –> Verstehen –> Verständnis für den anderen und seine Not haben u. sie (im Gebet) zum Ausdruck bringen

– „Er sagt zu dem Taubstummen: Effata! – Öffne dich!“
= „Schlüsselworte“ finden, die helfen, eine neue Wirklichkeit „zu erschließen“

Verständigung, Verstehen, Verständnis für einander

Wer sich durch Jesu Wort öffnen lässt, der lebt auf.

Er wird ein heiler Mensch. Als solcher kann er seinerseits andere durch sein Wort und durch sein Tun öffnen.

Effata!“ – Öffne dich!

Welche „Schlüsselworte“ kennen wir, die uns eine neue Wirklichkeit geöffnet haben?

  • Das entscheidende Wort: Effata!

Oft fragen wir danach: Was hat ihn taub werden lassen, was verschlägt dem Menschen die Sprache?

Heilende Fragen gehen in eine andere Richtung:

Für welches Wort ist er hellhörig? Was löst seine Zunge?

  • wer hören kann, kann auch wieder richtig reden…

Kommunikation stärkt Gemeinschaftsfähigkeit

Nur wer richtig hört, kann auch richtig reden. Wer also richtig reden will, muss damit beginnen, richtig hinzuhören.

Dazu muss er ins Abseits – in die Stille gehen.

Dies gilt für alle Menschen, vor allem aber auch für die Verkündiger des Evangeliums. Christen sind vielfach beim Hören behindert und stumm in der Verkündigung.

Doch auch das folgende gilt:

Wer gut hinschaut und hinhört auf das leise Wirken Gottes in unserer Welt, der kann dann wie die Menschen damals laut bekennen:

„Er hat alles gut gemacht;
er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen.“

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Links:

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

Stand: 8. Sept. 2018

Gottes Wort beherzigen (22. B)

„Gottes Wort beherzigen“

Sonntag, 2. September 2018

Liturgische Texte zum 22. Sonntag im Jahreskreis B

Eröffnungsvers: (Ps 86,3.5)
Sei mir gnädig, o HERR. Den ganzen Tag rufe ich zu dir.
HERR, du bist gütig und bereit, zu verzeihen;
für alle, die zu dir rufen, reich an Gnade.

Tagesgebet
Allmächtiger Gott,
von dir kommt alles Gute.
Pflanze in unser Herz
die Liebe zu deinem Namen ein.
Binde uns immer mehr an dich,
damit in uns wächst, was gut und heilig ist.
Wache über uns und erhalte, was du gewirkt hast.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

ERSTE Lesung aus dem Buch Deuteronomium (5 Mose/ Dtn 4,1-2.6-8)
Achtet auf die Gebote des HERRN! Fügt nichts hinzu!

Antwortpsalm: Psalm 15,2-3.4.5
HERR, wer darf Gast sein in deinem Zelt,
wer darf weilen auf deinem heiligen Berg

ZWEITE Lesung aus dem Jakobusbrief (Jak 1,17-18.21b-22.27)
Hört das Wort nicht nur an, sondern handelt danach! 

Ruf vor dem Evangelium (Joh 10,27)
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Meine Schafe hören auf meine Stimme;
ich kenne sie, und sie folgen mir.
Halleluja.

Evangelium aus dem Markusevangelium (Mk 7,1-8.14-15.21-23)
Ihr gebt Gottes Gebot preis und haltet euch an die Überlieferung der Menschen


Evangelientext  – Übersetzung G. M. Ehlert

–> Mk 7,1-23: Von Reinheit und Unreinheit (22. S. i. J. B)

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Bild zur Meditation:

rein-unrein-ba

rein oder unrein – Grafik zu Mk 7,1-23 – (c) G. M. Ehlert 29.08.2018

Un-
reine Hände

un-
reines Herz

„Ich wasche meine Hände
in Unschuld“ –
doch aus unreinem Herzen
verurteile ich andere…

oder:
Ich habe zwar schmutzige Hände –
aber ich lebe mit einem lauteren Herzen…

„Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt,
kann ihn unrein machen,
sondern was aus dem Menschen herauskommt,
das macht ihn unrein.“
(Mk 7,15)

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Impuls zum Evangelium

Deutschland ist stolz auf seine über 500-jährige Tradition des Reinheitsgebotes beim Bier. Nichts „unreines“ soll über die Lippen in den Menschen hineinkommen.

Noch viel mehr Reinheitsvorschriften kennt die jüdische und muslimische Religion in Bezug auf Speise und Getränke, deren Verzehr erlaubt oder unerlaubt ist.

Im Evangelium (Mk 7,1-23), das am 2. September im Gottesdienst der katholischen Kirche vorgelesen wird,
geht es auch um die Frage von Reinheit und Unreinheit.

Wichtiger als was über die Lippen in den Menschen hineinkommt, ist für Jesus jedoch, was über die Lippen des Menschen aus seinem Herzen herauskommt: Gutes oder Böses. –

Eugen Roth schrieb dazu einmal folgendes zur „Seelischen Gesundheit“:

Ein Mensch frisst viel in sich hinein:
Missachtung, Ärger, Liebespein.
Und jeder fragt mit stillem Graus:
Was kommt da wohl einmal heraus?
Doch sieh! Nur Güte und Erbauung.
Der Mensch hat prächtige Verdauung.

(Aus: Eugen Roth, Sämtliche Menschen,
Carl Hanser Verlag, München Wien 1983)

In diesem Sinne wünsche ich allen „eine prächtige Verdauung.“

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Gedanken zum Verständnis der Bibel

 Vom vierfachen Schriftsinn

Die Kenntnis der Bibel – der „Heiligen Schrift“ – hat für das Leben aus dem christlichen Glauben eine wichtige Bedeutung:

„Christus ist Gottes Kraft und Gottes Weisheit,
und wer die Heilige Schrift nicht kennt,
der kennt weder Gottes Kraft noch seine Weisheit:
die Schrift nicht kennen heißt Christus nicht kennen.“

Hieronymus, (347 – 420 n.Chr.) lateinischer Kirchenvater

Doch wie kann man heute die Bibel richtig verstehen?

Ist sie ein Geschichtsbuch? – ein Liebesbrief Gottes? – ein Trost- und Hoffnungsbuch? – eine „Bedienungsanleitung“ für ein gelingendes Leben?

Der Psychologe Friedemann Schulz von Thun hat sich ausführlich mit der menschlichen Kommunikation beschäftigt. 1981 hat er in seinem Buch „Miteinander reden – Störungen und Klärungen“ vier Aspekte einer Äußerung und dementsprechend vier Aspekte, wie ein Empfänger diese Äußerung verstehen kann, aufgezeigt.

Wenn einer etwas von sich gibt = „Äußerung“ – gibt er zugleich viererlei kund:

  1. das, worüber er informiert = „Sachinhalt“;
  2. das, was er dabei von sich selbst kundtut = „Selbstkundgabe“;
  3. in was für einer Beziehung er zu dem Empfänger steht = „Beziehung“
  4. wozu er den Empfänger veranlassen möchte = „Appell“.

Der Empfänger kann das Gehörte mit „vier Ohren“ empfangen:

  1. dem „Sach-Ohr“
  2. dem „Selbstkundgabe-Ohr“
  3. dem „Beziehungs-Ohr“
  4. dem „Appell-Ohr“

Was Friedemann Schulz von Thun 1981 veröffentlicht hat,
das hat im Mittelalter die Theologie im Bezug auf die Bibel – der „Äußerung Gottes“ – in der Lehre vom „vierfachen Schriftsinn“ wie folgt ausgesagt:

„Littera gesta docet,

quid credas allegoria;

moralis quid agas,

quo tendas anagogia.“

frei übersetzt:

  1. Der Buchstabe lehrt das Geschehene, (historische Dimension)
  2. die Verbildlichung zeigt an, was du glauben sollst, (theologische Dimension)
  3. die (darin enthaltene) Moral – was du tun sollst, (moralische Dimension)
  4. das „Hinaufführende“ zeigt an worauf hin du dich ausspannen darfst (eschatologische Dimension)

Die Bibel ((= Äußerung Gottes)) kann gelesen/ gehört werden als

  1. ein Geschichtsbuch ((inhaltlicher Aspekt))
    es zeigt auf, was damals geschehen ist (historische Dim.) und als
  2. ein Liebesbrief Gottes an dich und mich? ((Selbstkundgabe))
    in den Worten und Ereignissen offenbart sich Gott und seine Liebe zu den Menschen – was ich glauben darf! (theologische Dim.) und als
  3. eine Gebrauchsanweisung für ein gelingendes Leben ((Appell))
    in dem Beschriebenen kann ich erkennen, was der Wille Gottes ist – was ich also tun soll! (moralische Dim.) und als
  4. ein Trost- und Hoffnungsbuch ((Beziehungsaspekt)) – das Engagement Gottes zeigt auf, dass er das Leben des Menschen retten und vollenden will – was ich folglich erhoffen darf (eschatologische Dim.)

* * *

Anhand des Tagesgebetes vom 22. Sonntag im Jahreskreis B
lassen sich diese vier Dimensionen des „Wortes des Lebendigen Gottes“ und des „Evangeliums unseres Herrn Jesus Christus“ gut aufzeigen:


Allmächtiger Gott,

von dir kommt alles Gute.

Die Bibel ((= Äußerung Gottes))
– ein Geschichtsbuch ((inhaltlicher Aspekt))
– was damals geschehen ist (historische Dim.)
 1. Lesung: „Das Wort Gottes aufmerksam/freudig hören:
„Hört – und ihr werdet leben!“

Pflanze in unser Herz
die Liebe zu deinem Namen ein.

Die Bibel – ein Liebesbrief Gottes an dich und mich ((Selbstkundgabe))
– Offenbarung Gottes – was ich glauben darf! (theolog. Dim.)
 2. Lesung: „Nehmt das Wort zu Herzen … – das die Macht hat euch zu retten“

Binde uns immer mehr an dich,
damit in uns wächst, was gut und heilig ist.

Die Bibel – eine Gebrauchsanweisung ((Appell))
– was ich tun soll! (moralische Dim.)
 2. Lesung: „Hört das Wort nicht nur an, sondern handelt danach!“

Wache über uns und erhalte, was du gewirkt hast.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Die Bibel – ein Trost- und Hoffnungsbuch ((Beziehungsaspekt))
– was ich erhoffen darf (eschatologische Dim.)
 Evangelium: wichtiger als saubere Hände ist ein reines Herz!
„Selig, die ein reines Herz haben, – sie werden Gott schauen!“

* * *
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Links:

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

Stand: 30. Aug. 2018

 

Mach mal Pause (16.B)

„Mach mal Pause“

Sonntag, 22. Juli 2018

Liturgische Texte zum 16. Sonntag im Jahreskreis B

Eröffnungsvers: (Ps 54,6.8)
Gott ist mein Helfer, der HERR beschützt mein Leben.
Freudig bringe ich dir mein Opfer dar
und lobe deinen Namen, HERR,
denn du bist gütig.

Tagesgebet
Herr, unser Gott,
sieh gnädig auf alle, die du in deinen Dienst gerufen hast.
Mach uns stark im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe,
damit wir immer wachsam sind
und auf dem Weg deiner Gebote bleiben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

ERSTE Lesung aus dem Buch Jeremia (Jer 23,1-6)
Ich sammle den Rest meiner Schafe und bestelle Hirten für sie

Antwortpsalm: Psalm 23, 1-3.4.5.6
Der HERR ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen

zu Psalm 23: JHWH – mein Wegbegleiter + Mahlbereiter + Heimatgeber ;
u. Psalm 23: JHWH – mein Hirt 

ZWEITE Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Epheser (Eph 2,13-18)
Christus ist unser Friede: Er vereinigte Juden und Heiden 

Ruf vor dem Evangelium (Joh 10,27)
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Meine Schafe hören auf meine Stimme;
ich kenne sie, und sie folgen mir.
Halleluja.

Evangelium Mk 6,30-34
Sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben

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Bild zur Meditation:

heute-schon-gelebt-3a

Heute schon/schön gelebt/geliebt/gelobt? – (c) G. M. Ehlert

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Evangelientext Mk 6,30-34 – Übersetzung G. M. Ehlert

–> Mk 6,30-34: Rückkehr der Apostel – Ruhezeit (16. S.i.J. B)

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Gedanken zum Evangelium

Mach mal Pause!

Die 12 Apostel, die Jesus zu einem „Berufspraktikum“ ausgesandt hatte, (vgl. –> Mk 6,7-13: Berufspraktikum ) kehren nun zu Jesus zurück.

Jesus lädt sie ein, in seiner Gegenwart „zu pausieren“.
Das Evangelium zeigt aber auch, dass es gar nicht so einfach ist, ungestört ausruhen zu können. (und dabei gab es damals ja noch gar nicht Handys und Internet und die andere Möglichkeiten, ständig erreichbar zu sein…).

Nicht nur in der Musik gehören die Pausen zum Musikstück dazu.
Auch im Alltag werden wir kurzatmig, wenn wir nur Aufnahme und Abgabe – ein und aus kennen.

Auch im religiösen Bereich gilt es, das „ora et labora“ – „bete und arbeite“ durch ein drittes Element zu ergänzen: und „mach mal Pause“.

Aller guten Dinge sind schließlich drei:

Atemrhythmus:

Einatmen – ausatmen – warten können…

Tagesrhythmus:

Beten – arbeiten – sich erholen können…

Wochenrhythmus:

Sonntag – Arbeitstage – Wochenende

Jahresrhythmus:

Feiertage – Arbeitstage – Ferientage

***

in Gottes Hand sind meine Zeiten
zu Psalm 31,16

Urlaub
ein altes Wort
vom Verb erlauben
eigentlich Erlaubnis wegzugehen
Urlaub
grundsätzliche Erlaubnis also:
einmal alles hinter sich lassen
aus dem gesunden Abstand heraus
das gewohnte Alte neu sehen können.

Ferien
aus dem lateinischen feriae
bei den alten Römern die Tage
an denen zu Ehren bestimmter Götter
die Arbeit – besonders die Rechtspflege – ruhte
mit dem Wort Feier verwandt
Ferien
Feier-Tage also:
freie Tage
Ruhe-Tage
Fest-Tage
kostbare Atempause
um Leib und Seele zu spüren

Vacances
leere Tage
sagen die Franzosen
auch aus dem Lateinischen
leer, ledig, frei sein
Vacances
Muße-Tage also:
langsam leer werden können
die Tage einmal frei halten von allem
was sonst bedrängt und umtreibt

Holidays
heilige Tage, gottgefällige Tage
sagen die Engländer
Holidays
geweihte Tage also:
innehalten und nachspüren
im Fließen und Zerrinnen der Zeit
neu entdecken können:

Gott, „in DEINER Hand sind meine Zeiten.”
(vgl. Ps 31,16)

(c) G. M. Ehlert

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

Stand: 14. Juli 2018

Ein Prophet in seiner Heimat (14.B)

„Ist das nicht der Zimmermann,
der Sohn der Maria…“

Sonntag, 8. Juli 2018

Liturgische Texte zum 14. Sonntag im Jahreskreis B

Eröffnungsvers: (Ps 48,10-11)
Deiner Huld, o Gott, gedenken wir in deinem heiligen Tempel.
Wie dein Na, Gott, so reicht dein Ruhm bis an die Enden der Erde;
deine rechte Hand ist voll von Gerechtigkeit.

Tagesgebet
Barmherziger Gott,
durch die Erniedrigung deines Sohnes
hast du die gefallene Menschheit wieder aufgerichtet
und aus der Knechtschaft der Sünde befreit.
Erfülle uns mit Freude über die Erlösung
und führe uns zur ewigen Seligkeit.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

ERSTE Lesung Ezechiel (Ez 1,28b – 2,5)
Sie sind ein widerspenstiges Volk, sie werden erkennen müssen, dass mitten unter ihnen ein Prophet war

Antwortpsalm Ps 123,1-2.3-4
Unsere Augen schauen auf den HERRN, unsern Gott, bis er uns gnädig ist.

–> zu Psalm 123: Aufblick zum gnädigen Gott

ZWEITE Lesung aus dem 2. Korintherbrief (2 Kor 12,7-10)
Ich will mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt

Ruf vor dem Evangelium (vgl. Lk 4,18ab)
Halleluja. Halleluja.
Der Geist des HERRn ruht auf mir:
Der HERR hat mich gesandt,
den Armen die Frohe Botschaft zu bringen.
Halleluja.

Evangelium Mk 6,1b-6
Nirgends hat  ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat

–> zu Mk 6,1-6: Jesus in der Synagoge in Nazaret (14. S. i. J. B)

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Bild zur Meditation:

Primizpredigt Jesu - Zeichnung (c) G. M. Ehlert 20.01.1998

Primizpredigt Jesu – Zeichnung (c) G. M. Ehlert 20.01.1998

„Der Geist des HERRN ruht auf mir…“ Grafik zu Mk 6,1-6

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Evangelientext Mk 6,1-6Schott 14.S.i.J. BÜbersetzung G. M. Ehlert

Ablehnung Jesu in Nazaret (Mk 6,1-6)

1. Und er (= Jesus) ging weg von dort
und er kommt in seine Vaterstadt,
und es folgen ihm seine Jünger.

2. Und als es geworden war Sabbat
begann er zu lehren in der Synagoge
und viele Hörenden gerieten aus der Fassung
sagend:
„Woher (hat) dieser dieses,
und was (ist das für) eine Weisheit
die gegeben wurde diesem,
und was für Machttaten die geschehen
durch seine Hände geschehen?

3. Ist nicht dieser der Bauarbeiter,
der Sohn der Maria*

* es ist biblisch einmalig, dass jemand „der Sohn der Mutter…“ genannt wird.
Üblich ist es jemanden als „Sohn des Vaters…“ zu bezeichnen.
(= ein indirekter Hinweis auf die Jungfrauengeburt)

und Bruder* von Jakobus und Joses und Judas und Simon
und sind nicht die Brüderinnen* von ihm hier bei uns?“
Und sie nahmen Anstoß an ihm.

„adelphos = wörtl. „aus einem (Mutter-)Schoß“
= Geschwister, aber auch „nahe Verwandte“

4. Und es sagte der Jesus zu ihnen (folgendes):
„Es ist nicht ein Prophet ungeehrt
außer in seiner Vaterstadt
und bei seinen Verwandten
und in seinem Haus.“

5. Und nicht eine Machttat konnte er dort tun,
außer dass er wenigen Kranken auflegte die Hände – sie heilend.

6. Und er verwunderte sich wegen ihres Unglaubens.

Und er zog durch die Dörfer im Umkreis lehrend.

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Gedanken zum Evangelium

„Ist das nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria…?“

zu Mk 6,1-6 vgl. Mt 13,54-58; Lk 4,16-30

“Die Weisheit des Schriftgelehrten vermehrt das Wissen.
Wer frei ist von Arbeit, kann sich der Weisheit widmen.“ (Sir 38,24)

„Jesus kam in seine Heimatstadt“
Nazareth, in Untergaliläa, etwa 100 km Luftlinie nördlich von Jerusalem in einem Talkessel (343 m hoch) am Fuß des Nebi Sain (488 m) gelegen, – heute eine Stadt von 120.000 Einwohnern – war damals ein unbekanntes und abseits der Verkehrsstraßen liegendes Dorf. Seine Vergangenheit war so wenig berühmt, dass es mit keinem Wort im Alten Testament erwähnt wird.

„seine Jünger begleiteten ihn“
Dass Jesus von Jüngern begleitet ist, erweist ihn als einen, der es zu einem angesehenen Rabbi gebracht hat.

„Am Sabbat lehrte er in der Synagoge“
Jesus beginnt auch in seinem Heimatort am Sabbat in der Synagoge zu lehren.

„ „staunten“
Wortgetreue Übersetzung: sie gerieten außer sich, sie gerieten aus der Fassung.

„und sagten: Woher hat er das alles?“
Die Übersetzung des griechischen Wortes für „woher“ hat auch die Bedeutung „aus welcher Quelle“, „von wem“.

„Was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist“
Hier handelt es sich um eine Passivformulierung, die Gott nicht nennt, aber meint. Das ist eine Umschreibung des Gottesnamens, um den Gottesnamen nicht aussprechen zu müssen. Das heißt, die Weisheit ist ihm von Gott gegeben.

„Und was sind das für Wunder, die durch ihn geschehen“
Wortgetreue Übersetzung: und solche Kräfte, solche Machttaten durch seine Hände (= durch seine Handauflegung) geschehene.
Diese „Eigenschaften“ (Weisheit und Machttaten) verweisen eigentlich in den Bereich Gottes, womit sich die Fragen selbst beantwortet hätten. Nach Jesaja 11,2 verleiht Gott diese Fähigkeiten dem Messias: „Der Geist des Herrn lässt sich nieder auf ihm (= auf dem Messias): der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht.“
Das Staunen (= das Außer-sich-geraten) der Leute von Nazareth jedoch über Jesu Weisheit und Machttaten schafft kein Vertrauensverhältnis, das zum Glauben an ihn führen könnte.

„Ist das nicht der Zimmermann“?
Die Berufsbezeichnung „téknon“ (griech.) ist treffender mit „Bauarbeiter“ als mit dem bekannten „Zimmermann“ zu übersetzen. Holz war in dieser Gegend Mangelware. Jesus zog vermutlich „berufsbedingt“ umher und arbeitete auf den „Großbaustellen“ seiner Zeit. Solche Baustellen gab es beispielsweise in der Residenzstadt Sepphoris, die ca. eine Stunde Fußmarsch von Nazareth entfernt lag, oder auch in Tiberias, das 17-22 n.Chr. als neue Hauptstadt ausgebaut wurde. Durch die Berufsbezeichnung wird deutlich, dass Jesus nicht aus der Bildungselite stammt.

„der Sohn der Maria“
Die Bezeichnung nach der Mutter ist für die damalige Zeit sehr ungewöhnlich. Üblicherweise trägt der Sohn den Namen des Vaters.
Diese Benennung könnte damit erklärt werden, dass der Vater Jesu, der im Markusevangelium nie erwähnt wird, verstorben ist. Aber auch dann ist diese Herkunftsangabe auffällig. Zweitens könnte mit der Nichterwähnung eines irdischen Vaters auf die jungfräuliche Empfängnis angespielt sein. Für Markus stellt sich vermutlich die Frage über Empfängnis und Geburt Jesu nicht, jedoch für Matthäus (Mt 1,18-25) und für Lukas (Lk 1,26-38; 2,1-20). Eine dritte Erklä-rung für „Sohn der Maria“ ist, die Bezeichnung als „Schimpfwort“ zu verstehen. Mit der Verwendung dieser Benennung wurde meist auf eine uneheliche Herkunft und Geburt angespielt.

„und der Bruder von Jakobus, Joses, Judas und Simon? Leben nicht seine Schwestern hier unter uns?“
Hatte Jesus Geschwister?
Hier werden vier Brüder genannt (Jakobus, Joses, Judas, Simon sind alttestamentliche Namen von 4 Stammvätern des Volkes Israel: Jakobus als Stammvater der zwölf Stämme des Volkes Israel und drei seiner Söhne – Joses steht für Josef. Und auch Schwestern werden hier erwähnt.
Die Alte Kirche deutet die Geschwister im Anschluss an Hieronymus als Vettern oder Halbgeschwister Jesu aus erster Ehe Josefs. Für Markus stellten sich solche Fragen vermutlich noch nicht und er dürfte an leibliche Geschwister Jesu gedacht haben.
Jesus hingegen „definiert“ seine Familie im Markusevangelium neu: Seine Mutter, seine Brüder und Schwestern sind die, die das Wort Gottes hören und tun.
Historisch eineindeutig lässt sich weder die eine noch die andere Meinung bezüglich der Geschwister Jesu beweisen.

„Und sie nahmen Anstoß an ihm und lehnten ihn ab“
Die Beziehung zwischen Jesus und seiner Familie wird im Markusevangelium als eine schwierige dargestellt (Mk 3,20f.31-35); sie halten Jesus für verrückt (Mk 3,21). Die Menschen in Nazareth schließen sich dem „Urteil“ der Verwandten Jesu an. Jesus sei nur „einer von ihnen“, daher können seine Worte und Taten nicht göttlichen Ursprungs sein. Die Reaktion auf Jesus ist offene Ablehnung. In den Augen der Bewohner von Nazareth ist er nur ein Bauarbeiter und nur der Sohn Marias. Sie erkennen das wahre Wesen Jesu nicht.

„Und er konnte dort kein Wunder tun“
Das Wirken Gottes setzt beim Menschen Vertrauen, Glauben und Offenheit zu Gott voraus.

„Und er wunderte sich über ihren Unglauben“
Wortgetreue Übersetzung des griechischen Textes: Und er staunte wegen ihres Unglaubens.
Staunen ist normalerweise die Reaktion der Menschen nach einer Machttat Jesu.
Hier staunt Jesus wegen des Unglaubens der Bewohner von Nazareth.

Jesus zog durch die benachbarten Dörfer und lehrte
Die Leute in seiner Heimat haben Jesus abgelehnt. Jesus hat ihnen ihre Freiheit gelassen und sie nicht bedrängt. Er hat Nazareth verlassen und ging in andere Orte zu anderen Menschen, wo er aufgenommen wurde.
Damit gibt Jesus ein Lehrbeispiel für rechte Mission.


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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

Stand: 01. Juli 2018

 

Ich sage dir – steh auf! (13.B)

Talita koum! – Mädchen, ich sage dir, steh auf!

Sonntag, 1. Juli 2018

Liturgische Texte zum 13. Sonntag im Jahreskreis B

Eröffnungsvers: Ps 47,2
Ihr Völker alle, klatscht in die Hände,
jauchzt Gott zu mit lautem Jubel.

Tagesgebet
Gott, unser Vater
du hast uns in der Taufe zu Kindern des Lichtes gemacht.
Lass nicht zu,
dass die Finsternis des Irrtums über uns Macht gewinnt,
sondern hilf uns,
im Licht deiner Wahrheit zu bleiben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

ERSTE Lesung Weisheit 1, 13-15; 2, 23-24
Durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt

Antwortpsalm Ps 30,2 u. 4.5-6b.6cd u. 12a u. 13b
Herr du zogst mich empor aus der Tiefe; ich, will dich rühmen in Ewigkeit.

–> zu Psalm 30: „Hoch soll ER leben…“

ZWEITE Lesung 2 Kor 8, 7.9.13-15
Euer Überfluss soll ihrem Mangel abhelfen

Ruf vor dem Evangelium vgl. 2 Tim 1, 10
Halleluja. Halleluja.
Unser Retter Jesus Christus hat dem Tod die Macht genommen
und uns das Licht des Lebens gebracht durch das Evangelium.
Halleluja.

Evangelium Mk 5, 21-43
Mädchen, ich sage dir, steh auf!

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Bild zur Meditation: 

Mk 5.21-43ba

Jesus heilt blutflüssige Frau u. erweckt die Tochter des Jairus – (c) G. M. Ehlert

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Evangelientext Mk 5,21-43 – Übersetzung G. M. Ehlert

Heilung der an Blutfluss leidenden Frau
und Auferweckung der Tochter des Jairus:

Mk 5,21 Und (als) Jesus hinübergefahren war in dem Boot
wiederum zu dem gegenüber(liegenden Ufer)
versammelte sich (= synagogein) eine große (Volks-)Menge bei ihm
und er war an dem Meer (= See von Galiläa)

22 und es kommt einer – ein Synagogenvorsteher
namens Jairus* –
und ihn sehend fällt er nieder zu seinen Füßen
23 und er ruft ihn herbei (= parakletos) sehr (inständig bittend) sagend folgendes:
Mit meinem Töchterchen geht es zum Letzten;
auf dass gekommen seiend
du auflegst die Hände ihr,
damit sie gerettet wird und am Leben bleibe.“

24 Und weg ging er mit ihm
und nachfolgend ihm eine große (Volks-)Menge
und sie bedrängten ihn.

25 Und eine Frau, im Blutfluss seiend zwölf Jahre*
26 und vieles erlitten habend von vielen Heilenden
(=Ärzten)
und verausgabend alle ihre Habe
und keinen Nutzen
davon gehabt habend
– sondern (viel-)mehr zum Schlimmeren
gekommen seiend
27 hörend das über den Jesus,
kam sie in der (Volks-)Menge von hinten her
berührte
das Gewand von ihm
28 sie sagte (sich) nämlich folgendes:
wenn ich auch (nur) das Gewand von ihm berühre,
werde ich gerettet werden.

*Die Auswirkungen des Blutflusses auf die Frau, die schon 12 Jahre daran litt:

»Leidet eine Frau lange Zeit, außerhalb der Zeit ihrer (regelmäßigen) Unreinheit, an Blutfluß…, so ist sie unrein«. »Jedes Lager« und »jedes Gerät«, auf dem sie sitzt, »wird unrein«. »jeder aber, der jene Sachen berührt, muß seine Kleider waschen und sich in Wasser baden und ist unrein bis zum Abend. Wenn sie von ihrem Ausfluß rein geworden ist, so zähle sie sich noch sieben Tage ab, und danach wird sie rein« und soll die vorgeschriebenen »Sünd- und Brandopfer« darbringen (Lev 15, 25 – 30).

Diese Frau, die schon 12 Jahre an Blutfluss litt, war dadurch von jeglicher gottesdienstlichen Versammlung und von jeder sozialen Gemeinschaft ausgeschlossen.
Nach allgemeiner Auffassung wurde jeder, der mit ihr in Berührung kam, selber unrein.
Sie jedoch glaubte fest daran, dass sich nicht ihre Unreinheit auf Jesus übertrüge, sondern seine Reinheit und Heiligkeit ihre Unreinheit überwinde, wenn sie auch nur den Saum seines Gewandes berühre.

29 Und sofort wurde ausgetrocknet der Blutfluss
und sie erkannte (in) dem Leib, dass sie geheilt wurde
von der Geißel.

30 Und sofort erkennend bei sich
die aus ihm herausgegangene Kraft,

sich umwendend in der Volksmenge, sagte er:
„wer berührte die Gewänder von mir?“
31 Und die Jünger von ihm sagten (zu) ihm:
Du erblickst die (Volks-)Menge dich bedrängend
und du sagst: Wer berührte mich?“
32 Und herum blickte er die dies getan habende zu sehen.

33 Aber die Frau, sich fürchtend und zitternd,
und sehend, was mit ihr geworden ist,
kam und fiel vor ihm nieder
und sagte ihm die ganze Wahrheit.
34 Er aber sprach zu ihr:
„Tochter, der Glaube von dir hat dich gerettet;
gehe hin in Frieden und sei gesund von deiner Geißel.“

35 Noch (während) er redete,
kommen welche aus des Synagogenvorstehers (Haus)
sagend (folgendes):
Deine Tochter verstarb,
was belästigst du noch den Lehrer?“
36 (Der) aber Jesus überhörend das geredete Wort,
sagt dem Synagogenvorsteher:
„Nicht fürchte – sondern glaube.“
37 Und er ließ nicht fortgehen – nicht einen –
zusammen ihn begleiten
außer den Petrus und Jakobus und Johannes – den Bruder
(des) Jakobus.

Jesus fordert erneut den Glauben frommer Juden heraus,
indem er in das Haus des Jairus geht, nachdem die Tochter für tot erklärt und die Beerdigungsvorbereitungen bereits in vollem Gange sind.
Denn wer einen Toten berührt, wird selber unrein.

38 Und sie kommen in das Haus des Synagogenvorstehers
und er erschaut Tumult und Klagen und Heulende sehr,
39 Und hineingehend sagt er ihnen:
„Was lässt euch beunruhigen und klagen
das Kind (ist) nicht verstorben, es schläft.“
40 Und sie verlachten ihn

Er aber – hinauswerfend alle,
nimmt mit den Vater des Kindes und die Mutter
und die mit ihm (waren),
und geht hinein, wo das Kind war (hingelegt).
41 Und ergreifend die Hand des Kindes sagt er ihr:
„Talita kum!“ – das ist übersetzt:
Mädchen, dir sage ich: steh auf!

Jesus jedoch fasst das Mädchen an (!)
und sein Wort „Talitha koum!“ hat erweckende Kraft.

42 Und sofort auferstand das Mädchen und ging umher
– es war nämlich zwölf Jahre (alt).
Und sofort gerieten sie außer sich – sehr
43 und er schärfte ihnen ein – sehr folgendes:
„niemand solle erfahren davon.“
Und er sprach,
„es solle ihr gegeben werden zu essen.“

siehe auch: Mk 5,21-43

 

 

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

Stand: 24.06.2018