Schlagwort-Archive: Jesus

sehen können (30.B)

„aufblicken können“

Sonntag, 28. Oktober 2018

Liturgische Texte zum 30. Sonntag im Jahreskreis B

Eröffnungsvers: (vgl. Psalm 105,3-4)
Freuen sollen sich alle, die den HERRN suchen.
Sucht den HERRN und seine Macht, sucht sein Antlitz allezeit.

Tagesgebet
Allmächtiger, ewiger Gott,
mehre in uns den Glauben,
die Hoffnung und die Liebe.
Gib uns die Gnade,
zu lieben, was du gebietest,
damit wir erlangen, was du verheißen hast.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

ERSTE Lesung aus dem Buch Jeremia (Jer 31,7-9)
Blinde und Lahme, tröstend geleite ich sie heim

Antwortpsalm: Psalm 126,1-2b.2c-3.4-5.6
Großes hat der HERR an uns getan. Da waren wir fröhlich.

ZWEITE Lesung aus dem Hebräerbrief (Hebr 5,1-6)
Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung Melchisedeks

Ruf vor dem Evangelium (vgl. 2 &im 1,10)
Halleluja. Halleluja.
Unser Retter Jesus Christus hat dem Tod die Macht genommen
und uns das Licht des Lebens gebracht durch das Evangelium.
Halleluja.

Evangelium aus dem Markusevangelium (Mk 10,46-52)
Rabbuni, ich möchte wieder sehen können

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EvangelientextÜbersetzung G. M. Ehlert

Markus 10,46-52 (= Evangelium vom 30. Sonntag im Jahreskreis B)

Rabbuni, ich möchte aufblicken können

(10,45 Und sie kommen hinein (nach) Jericho.)

Heilung des blinden Bartimäus bei Jericho (Mk 10,46-52)

46 Und hinausgehend – er (= Jesus) – von Jericho
und die Lernenden (von) ihm
und (eine) Menge ziemlich (groß)
der Sohn des Timäus – Bartimäus,
[der] Blinde – bettelnd saß er neben dem Weg.

47 Und hörend, dass es Jesus, der Nazarener ist,
begann er zu schreien und zu sagen:
„Sohn Davids, Jesus, erbarme dich meiner.“

48 Und es verwarnten ihn viele,
damit er verstumme;

der aber in vielem (noch) mehr schrie er:
„Sohn Davids, erbarme dich meiner.“

49 Und stehen bleibend der Jesus sprach
„Ruft ihn herbei.“

Und man ruft herbei den Blinden sagend zu ihm:
„(Nur) Mut!, richte (dich) auf!, ER ruft dich!“

50 Der aber – abgeworfen habend sein Gewand –
sprang auf kommend zu dem Jesus (hin).

51 Und antwortend ihm der Jesus sprach:
„Was willst du – (ja) du (das) ich (dir) tun soll?“

Der aber Blinde sprach (zu) ihm:
„Rabbuni (= mein Lehrer), dass ich aufblicken (kann).

52 Und der Jesus sprach (zu) ihm
„Gehe hin! Der Glaube dein hat gerettet dich.“

Und sogleich konnte er aufblicken
und er folgte ihm (nach) auf dem Weg.

Einzug Jesu in Jerusalem (Mk 11,1ff)

(11,1 Als sie in die Nähe von Jerusalem kamen…)

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Bild zur Meditation:

„Was willst du, dass ich dir tun soll?…

Jesus heilt den blinden Bartimäus

„Jesus und Bartimäus“ – zu Mk 10,46-52 – Grafik (c) G. M. Ehlert, Okt. 2018

… Rabbuni, ich möchte aufblicken können.“

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Impuls zum Evangelium 

1. Bartimäus
– ist blind (=Weltverlust)
– hockt außerhalb der Stadt am Wegesrand (=Gemeinschaftsverlust)
– und bettelt (=Ichverarmung)
= ein Bild der Erbärmlichkeit.
–> Meine Blindheit? – mein Betteln? – wo sitze ich draußen vor?

2. Jesus kommt vorbei
– Bartimäus hört es und ruft
 –> Vertraue ich dem Wort, dass Jesus mir nahe ist?

3. Leute wollen ihn daran hindern
– Er schreit nur noch lauter.
–> Rufe, ja schreie ich um Hilfe – auch inneren/ äußeren Widerständen zum Trotz?

4. Jesus bleibt stehen, lässt ihn herbeirufen
–> diese Aufforderung Jesu steht im Zentrum der Erzählung!

5. Leute (die Jünger?) ermutigen ihn
– Er springt auf, wirft seinen Mantel ab und eilt zu Jesus
–> Lasse ich mich rufen? – Eile ich sofort hin?

6. Jesus erfragt seinen Wunsch: „Was willst du, dass ich dir tun soll?“
– Bartimäus bittet: „Rabbuni, dass ich wieder aufsehen kann!“
–> Was antworte ich auf die Frage Jesu?

7. Jesu Zusage: „Gehe hin, dein Glaube hat dich gerettet!“
– Sehend geworden folgt Bartimäus ihm nach.
–> Wie reagiere ich auf die Worte Jesu?
          – Folge ich daraufhin Jesus nach auf seinem Weg?

 

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Links:

–> zum Antwortpsalm Psalm 126: Heimkehrer – mit Tränen säen – mit Jubel ernten

–> zu den Liturgischen Texten siehe auch Schott 30.S.i.J.B

–> Meditation zu Bartimäus

–> zum Sonntag der Weltmission = 28. Okt. 2018: „Gott ist uns Zuflucht und Stärke

–> Oktober = Rosenkranzmonat, siehe: Rosenkranzgebet

–> Gedenktage:

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

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Stand: 27. Okt. 2018

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verdorrte Hand – (9.B)

9. Sonntag im Jahreskreis B –
Der Sabbat – ein Tag für den Menschen

Sonntag, 3. Juni 2018

 

Liturgische Texte zum 9. Sonntag im Jahreskreis (B)

Eröffnungsvers: (vgl. Ps 25,16.18)
HERR, wende dich mir zu und sei mir gnädig,
denn ich bin einsam und gebeugt.
Sieh meine Not und meine Plage an
und vergib mir all meine Sünden.

Tagesgebet:
Gott, unser Vater,
deine Vorsehung geht niemals fehl.
Halte von uns fern, was uns schadet,
und gewähre uns alles, was zum Heile dient.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn…

1. Lesung: Deuteronomium (Dtn 5,12-15)
Denk daran: Als du in Ägypten Sklave warst, hat dich der HERR dort herausgeführt

Antwortpsalm: Ps 81,3-4.5-6b.6c-8a.10-11
Lobet Gott, den HERRN; denn er ist unsere Zuflucht

2. Lesung: 2. Korintherbrief  (2 Kor 4,6-11)
Das Leben Jesu wird an unserem Leib sichtbar

Ruf vor dem Evangelium: (vgl. Joh 17,17)
Halleluja. Halleluja!
Dein Wort, o Herr, ist Wahrheit;
heilige uns in der Wahrheit!
Halleluja!

Evangelium: Markusevangelium (Mk 2,13-28 u. 3,1-6)
Der Menschensohn ist Herr auch über den Sabbat

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Bild zur Meditation:

mk3.1-6a

Sabbatheiligung – Heilung einer verdorrten Hand – Grafik zu Mk 3,1-6 (c) G. M. Ehlert, 02.06.2018

Evangelientext Mk 2,23-28  – Übersetzung G. M. Ehlert

2,23 Und es geschah (= Einmal als) er (= Jesus) in den Sabbat(frist)en vorüberging
durch die Saatfelder
und
(= da) begannen die Jünger von ihm
einen Weg zu machen – abrupfend Getreideähren.

24 Und die Pharisäer sagten zu ihm:
„Siehe, was sie machen in den Sabbat
(frist)en – das ist nicht erlaubt.

25 Und er sagte zu ihnen:
„Habt ihr niemals gelesen, was gemacht hat David
als er Not hatte und hungerte –
er und die mit ihm?
26 Wie er hineinging in das Haus des Gottes 
zur Zeit Abjatars eines Hohepriesters/ eines führenden Priesters
und das Brot der Aufstellung (= die Schaubrote) / verzehrte
das nicht erlaubt ist zu essen außer (den) Priestern
und er auch denen mit ihm Seienden gab?“

27 Und er sagte zu ihnen:
„der Sabbat/ Ruhetag – wegen des Menschen/ für den Menschen ist er geschehen/ geworden
und nicht der Mensch wegen des Sabbats/ Ruhetages/ für den Sabbat.

28 Daher – HERR ist der Sohn des Menschen auch des Sabbats/ Ruhetages.

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Evangelientext Mk 3,1-6 – Übersetzung G. M. Ehlert

3,1 Und er (= Jesus) ging hinein wiederum in die Synagoge (= Versammlung(sort) der Juden)
und es war dort ein Mensch – eine verdorrt-wordene Hand hatte er.

2 Und es beobachteten ihn genau/ es lauerten auf ihn
ob in den Sabbat(frist)en er ihn therapieren (= heilen) werde,
damit sie ihn anklagen könnten.

3 Und er sagt zu dem Menschen mit der verdorrten Hand:
„Habe Stand in der Mitte!“

4 Und er sagt zu ihnen:
„Ist es erlaubt in den Sabbat(frist)en Gutes zu tun oder Böses zu tun –
eine Seele/ ein Leben zu erretten oder abzuschlachten?“

Die aber schwiegen.

5 Und umherblickend auf diese mit Zorn –
zugleich betrübt über die Verhärtung
/ Verstockung der Herzen von diesen

sagt er zu dem Menschen:
„Spanne aus/ strecke aus die Hand!“

Und er spannte/ streckte sie aus
und es war wiederhergestellt die Hand von ihm.

6 Und hinausgehend –
die Pharisäer sogleich mit den Herodianern
machten sie einen Gesamtrat gegen ihn,

wie sie ihn zugrunde richten könnten.

 

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Das größte Geschenk

„Der Sabbat ist das größte Geschenk des Judentums an die Menschheit“
(Carl Gustav Jung) 

Sabbat
– siebter Schöpfungstag
– Ruhetag vom hervorbringenden Handeln
– Zeit für die Erinnerung an die Befreiung aus der Versklavung durch Gott
– Zeit für das gemeinsame Gotteslob

Sabbat schützen
– durch Überwachung der Einhaltung der Ge- u. Verbote – wie die Pharisäer
– durch Handeln entsprechend dem Sinn des Sabbatgebotes – wie Jesus

Heilung am Sabbat – Erfüllung oder Übertretung des göttlichen Gebotes?
ein Mensch hat zwei Hände, um zu handeln
– um damit Gutes zu tun, anzupacken und zu gestalten
– um sie zu falten zum Gebet…
ein Mensch mit einer verdorrten Hand
– ist handlungsunfähig geworden
– wofür kann er am Sabbat Gott loben?

Jesus erfüllt das Sabbatgebot im ursprünglichen Sinn des Schöpfers,
– indem er am Sabbat in die Synagoge – in die Versammlung geht, um Gott zu loben
– indem er auch am Sabbat heilt, damit die Geheilten nun aus ganzem Herzen Gott loben können;

doch Jesus muss in seiner Liebe ohnmächtig zusehen,
– wie sich das Herz der Hartherzigen weiter verhärtet,
– wie die Antwort auf seine Barmherzigkeit – eine umso härtere Gesetzesauslegung ist.

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Links:

zu den liturgischen Texten des 9. Sonntages im Jahreskreis B siehe auch
Schott: 9. Sonntag i.J. B

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

Stand: 03.06.2018

 

Sehnsuchtsrufe im Advent

Die O-Antiphonen

 

Das Herzstück im kirchlichen Stundengebet in der Adventszeit
sind die besonderen Antiphonen zum Magnifikat in der Vesper –
die sogenannten O-Antiphonen:

O Sapientia (17. Dez.)
O Adonai (18. Dez.)
O radix Jesse (19. Dez.)
O clavis David (20. Dez.)
O Oriens (21. Dez.)
O Rex gentium (22. Dez.)
O Emmanuel (23. Dez.)
(O Virgo virginum) (24.Dez.)

siehe auch: „Herr, send herab uns deinen Sohn“ –
ein Lied aus dem Gotteslob zu den O-Antiphonen (GL 222)

7 x O komm…

Mit sieben Namen
preist die Kirche den Herrn
in den letzten Tagen vor Weihnachten –
die Antwort auf die alten Verheißungen:

oh Sapientia – o Weisheit, die zeigt, was nötig ist;
oh Adonai – o mein Herr, der uns den Weg führt;
oh Radix Jesse – o Wurzel, aus der alles wird;
oh Clavis David – o Schlüssel, der unsere träume deutet;
oh Oriens – o Aufgang, Glanz des ewigen Lichtes;
oh Rex gentium – o König, vor dem alle ein Volk sind;
oh Emmanuel – o Gott mit uns; du Licht gegen all unsere Dunkelheit.

Mit dem 17. Dezember beginnen die letzten 8 Tage auf Weihnachten zu, der sogenannte Hohe Advent. Schon seit dem 8. Jahrhundert werden an den letzten sieben Tagen vor Weihnachten in der Vesper, dem Abendgebet der Kirche, die sogenannten O-Antiphonen gesungen.

Antiphon
(= wörtlich „Gegenklang“ / Echo) ist ein Kehr- und Rahmenvers eines Psalms.
Die besonderen Rahmenverse zum Magnifikat – dem Lobgesang der Gottesmutter Maria – in der Vesper vom 17. – 23. Dezember beginnen jeweils mit dem Sehnsuchtsruf O.

Die Buchstaben A und O weisen hin auf den ersten und letzten Buchstaben im griechischen Alphabet: das Alpha und das Omega. In der Offenbarung des Johannes wird Christus als das Alpha und Omega bezeichnet (vgl. Offb 22,23).
Christus ist das „A und O“ der Welt – der, auf den es wirklich ankommt.

Oh!
– ist ein tiefer menschlicher Laut. Es sieht und hört sich an wie ein offener Mund, der noch nicht weiß, ob er klagen oder staunen soll.

Veni! – Komm!
Dieser Ruf spielt eine große Rolle in den verbreiteten Rufliedern der Antike.
Urerlebnis der Menschen ist die Ankunft, das Kommen. (Menschen – Einsamkeit – Sehnsucht – Erwartung – Heimkehr …)
Die 7 O-Antiphonen des Advents sind Variationen über den Schluss der Offenbarung des Johannes (Offb 22, 16):
„Ich bin die Wurzel und der Stamm Davids, der glänzende Morgenstern. Wer hört, der spreche: Komm! Wer dürstet möge kommen… Der dies bezeugt, Spricht: Ja, ich komme bald. Amen. Komm, Herr Jesu!“

Die einzelnen Antiphonen drücken die Sehnsucht nach dem Kommen des Herrn aus. In einer gewissen Steigerung weisen sie darauf hin, dass der Gott, der von Anfang an der Herr der ganzen Welt ist, der sich in der Geschichte dem Volk Israel in besonderer Weise offenbart hat, nun kommen wird, um alle Menschen aus der Finsternis zum Licht des Lebens zu führen.

Die Antiphonen beginnen jeweils mit einer Anrufung Christi mit einem Titel, der aus dem Alten Testament stammt. Es sind die folgenden:

Sapientia – Weisheit,
Adonai – Mein Herr,
Radix Iesse – Wurzel Isais,
Clavis David – Schlüssel Davids,
Oriens – Morgenstern,
Rex – König,
Emmanuel – „Gott-mit-uns!“.

Nach der genannten Anrufung werden die einzelnen Themen näher ausgeführt
und jede Antiphon endet mit dem flehentlichen Ruf „veni…“ – komm! und einer Bitte.

I. Ruflieder uralter Sehnsucht

Die sieben O-Antiphonen sind in ihrer Textform gleich gestaltet.
Sie beginnen mit jeweils einer Anrufung, die mit ihren verschiedenen alttestamentlichen Bildern jeweils als Aussagen über Christus zu verstehen sind. Dann folgt jeweils der sehnsuchtsvolle Gebetsruf: „Komm!“
und es wird das ersehnte Ziel des Kommens zum Ausdruck gebracht.

Diese O-Antiphonen übernehmen damit die Form der sogenannten „Ruflieder“, mit der in vorchristlicher griechischer und römischer Religion jeweils die kultisch gefeierte Ankunft („Adventus“) der Götter – nach Augustus auch der als Götter verehrten Kaiser – besungen wurde.
Die römische Liturgie übernimmt für ihre Feier der Vorbereitung auf Weihnachten, die dem „Advent“ zugehörige Liedform der „Ruflieder“.

II. Prophetische Visionen

Die älteste Handschrift, die uns der Text der sieben O-Antiphonen überliefert, ist das Responsoriale von Compiègne (2. Hälfte des 9. Jh., PL 78, 732f). Hier wird noch eine 8. Antiphon angefügt, die sich jedoch an die Jungfrau Maria richtet.

Die einzelnen O-Antiphonen sind eine „wunderbare Schau“, in der verschiedene biblische, besonders alttestamentliche Texte der Not und der Hoffnung auf Heil anklingen. Sie werden jeweils auf die Ankunft/ Wiederkunft Christi bezogen.

III. Kosmische Ordnung
Sowohl bei der Siebenzahl (bzw. der Zahl acht) als auch bei dem Aufbau der Antiphonen ist eine verborgene Symbolik zu entdecken. „Sieben ist das Zur-Vollendung-Kommen, die achte erklärt und zeigt, was vollendet ist.“ (Amalar von Metz). Charakteristisch für mittelalterliches Denken ist, dass es von „Stufen“ spricht, von einem stufenweisen Prozess der Annäherung. Es legt sich die Vermutung nahe, dass mit den sieben O-Antiphonen auf die sieben Planeten Bezug genommen wird.
Den Planeten – in der Reihenfolge ihrer Entfernung von der Erde – Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus, Merkur und Mond (Uranus, Neptun u. Pluto wurden erst in der Neuzeit entdeckt) ist gemeinsam, dass nur sie – von der Erde aus gesehen (!) – vor dem Fixsternhimmel in festen Bahnen um die Erde sich bewegen.

In die Harmonie der kosmischen Bahnen sah sich der mittelalterliche Mensch selbst eingebunden. Diese sieben Planeten tragen die Namen mythischer Gottheiten und sie symbolisieren verschiedene Kräfte im Menschen.

In den O-Antiphonen erklingt der Ruf nach Erlösung aller dieser Kräfte des Menschen, die durch die mythischen Gottheiten symbolisiert werden. Mit ihrem eindringlichen Ruf „Komm!“ sind die O-Antiphonen ein christliches Lied, das der Sehnsucht des Herzens Ausdruck verleiht, die Verheißung Christi möge sich endlich erfüllen:

„Seht, ich mache alles neu“
(Offb. 21,5).

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17. Dezember: O Sapientia – o Weisheit

O Sapientia,
quae ex ore Altissimi prodisti
attingens a fine usque ad finem
fortiter suaviter disponensque omnia:
–veni ad docendum nos viam prudentiae.

–> O Sapientia (YouTube)

O Weisheit,
die du aus dem Mund des Höchsten hervorgegangen bist –
umspannend von einem Ende bis zum anderen
mit Macht und mit Milde ordnend das All:
– komm, uns zu lehren den Weg der Klugheit.

Lob auf Gottes Weisheit:
Sir 24,3: “Ich ging aus dem Mund des Höchsten hervor…”
Weish 8,1: “Machtvoll entfaltet sie ihre Kraft von einem Ende zum andern und durchwaltet voll Güte das All.”
Jes 40,14: “Wer könnte ihm (= Gott) zeigen den Weg der Klugheit?”

Diese Antiphon ruft nach Christus, der schöpferischen Weisheit Gottes als dem Lehrer, der Macht hat. Er soll in uns bewirken, den rechten Weg zu gehen.

Saturn als letzter der (damals) sichtbaren Planeten in unserem Sonnensystem deutet die Grenze des Lebensbereiches an, er geht nur langsam voran, sein Licht ist matt.

So bedeutet Saturn das Prinzip der Begrenzung des Lebens. Begrenzung bedeutet zugleich aber auch Formung; ohne Grenzsetzung gibt es keine Ordnung, keinen Weg, verliert sich alles.

So meint Saturn die zwar leidvolle, zugleich aber auch notwendige Erfahrung der Grenze auf dem Weg des Reifens zur Weisheit.

Es ist nicht schwer, in der ersten O-Antiphon den Ruf nach der positiven, heilenden Kraft des Saturn zu entdecken. Hinzu kommt, dass – beginnend mit dem 17. Dezember, an dem diese Antiphon gesungen wird – im Alten Rom die Feier der Saturnalien begann, die seit der Kaiserzeitdurch sieben Tage hindurch begangen wurde.

o-antiphon-4-17

Christus ist die Weisheit,
das dem Vater wesensgleiche Wort.
In diesem Wort der Weisheit hat Gott die Welt erschaffen
und in ihm erhält er die Welt am Leben.

Weil durch Jesus Christus alles entstanden ist,
ist die Welt schon seit ihrem Anbeginn
ganz von ihm erfüllt und wird von seiner Kraft und Milde geordnet.

Gott hat seine Weisheit schon dem Volk Israel kundgetan,
doch in Jesus Christus kommt das Wort,
durch das Gott die Welt erschaffen hat, selbst in diese Welt.

Die Weisheit Gottes spricht selbst zu uns
und offenbart uns den Weg der Weisheit und der Einsicht.

Der Mensch hat die Wahl, sich für die Weisheit Gottes
oder seine eigene Weisheit zu entscheiden.

Wir bitten darum, dass Christus auch in unserem Herzen geboren werde
und uns den Weg der Weisheit lehre, damit wir leben, wie es recht ist vor Gott.

Jesus, du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben, zeige uns den Weg zum Leben!

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18. Dezember: O Adonai – o mein Herr

O Adonai et Dux domus Israel –
qui Moysi in igne flammae rubi apparuisti
et ei in Sina legem dedisti:
– veni ad redimendum nos in brachio extento.

–> O Adonai (YouTube)

O Herr und Führer des Hauses Israel –
der du Mose in der Feuerflamme des Dornbuschs erschienen bist
und ihm auf dem Sinai das Gesetz gegeben hast:
– komm und erlöse uns mit erhobenem Arm.

Zugrunde liegt Ex 6,3ff = die Verheißung Gottes
an Mose, sein Volk mit machtvoll erhobenem Arm aus der Knechtschaft Ägyptens zu erlösen und herauszuführen. Hinweis in Mi 5,1 auf den „Führer des Hauses Israel“
Zur Erscheinung Gottes im Dornbusch vgl. Ex 3,2 u. am Sinai vgl. Ex 19ff.

Diese Antiphon ruft nach Christus, dem Offenbarwerden der Herrschaft des Wortes Gottes in einer Weltordnung, die besser ist als die, in der wir leben.

Jupiter ist in der Mythologie der „Höchste“ der Götter, der „Herr“ des Himmels, der Inbegriff aller Rechtsordnung.
Diese „Souveränität“ kommt in dem nach ihm benannten Planeten darin zum Ausdruck, dass er zwölf Jahre für seinen Umlauf um die Sonne benötigt, so viele Jahre, wie das Sonnenjahr Monate hat.
Das Jupiterjahr ist ein Jahr höherer Ordnung.
So bezeichnet Jupiter das Streben des Menschen nach einer neuen, besseren Weltordnung – korrespondierend jener Gottesherrschaft, nach der wir in der 2. O-Antiphon rufen, zudem nach begründeter Ansicht der Jupiter der Stern ist, der zusammen mit dem Saturn der Stern ist, dessen besondere Erscheinung nach Mt. 2,2 auf den Messias verweist. 

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Wir sehnen uns nach der Wärme und dem Licht des Feuers,
wir sehnen uns nach Nähe, nach einem Antlitz, das sich uns zuneigt.
Wir sehnen uns nach Freiheit.

Herr Jesus, wenn du uns befreist, sind wir wirklich frei (Joh 8,36).
Komm Herr und mach uns frei!

Gott ist wie ein nie verlöschendes Feuer –
und wir sollen uns von diesem Feuer entfachen lassen.

Gottes Feuerflamme, sie zeigt sich uns im Heiligen Geist. Wir wissen, dass er am ersten Pfingstfest in Feuerzungen auf die Jünger herabkam und ihnen die Kraft gab, von Jesus Christus Zeugnis zu geben. Das war kein einmaliges Ereignis. Pfingsten ereignet sich immer neu. In Taufe und Firmung wird jeder Mensch hinein genommen in die Gemeinschaft der Geisterfüllten. Doch leicht wird der Glaube zur Routine, der Funken springt nicht über.

Habe ich die Sehnsucht, dass Gottes Feuer in mir zu brennen beginnt?

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19. Dezember: O Radix Jesse – O (Spross aus der) Wurzel Isais

O radix Jesse,
qui stas in signum populorum –
super quem continebunt reges os suum,
quem gentes deprecabuntur:
– veni ad leberandum nos, jam noli tardare.

–> O Radix Jesse (YouTube)

O (Spross aus der) Wurzel Isais,
der du stehst als Zeichen für die Nationen – 
vor dem die Könige ihren Mund schließen,
den die Völker anflehen:
– komm, uns zu befreien, säume nicht länger.

Grundtext ist die prophetische Verheißung aus Jes 11,1-10, die die machtvolle Wirkung des aus der Wurzel Isais aufgehenden Sprosses betont.
Vgl. auch die Aussagen aus den Liedern vom leidenden Gottesknecht: Jes 52,15; 53,2.7

Diese Antiphon ruft nach Christus, dem Herrscher, der ganz anders ist als die, die wir kennen, nach dem verheißenen Neuanfang, nach dem ganz Anderen,
der die Mächtigen dieser Erde endlich zum Schweigen bringt.

Mars – nach dem römischen Kriegsgott benannt
– symbolisiert die Aggressivität und Vitalität im Menschen, seine Antriebskraft und Schaffens- freude. Astrologisch beherrscht Mars das neue Aufsprießen der Natur im Frühjahr, wenn die Sonne im Tierkreiszeichen Widder steht.
Die Initiative Gottes zu unserem Heil beginnt mit dem „Spross“ aus der Wurzel Isais, nach dem wir in der 3. O-Antiphon rufen.

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Aus der Wurzel Isais wächst ein Zweig empor,
ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht.
Der Geist des Herrn lässt sich nieder auf ihm,
der Geist der Weisheit und der Erkenntnis,
der Geist des Rates und der Stärke,
der Geist des Wissens und der Frömmigkeit
und es erfüllt ihn der Geist der Gottesfurcht.
(Jes 11,1-3)

Jesus aus Nazaret (= Sprossdorf) ist dieser Spross aus der Wurzel Isais
der verheißene König. Ihn flehen die Völker an, dass er sie herausführt aus Dunkel und Finsternis in sein Licht.

Das Königtum Christi ist anders als das der weltlichen Könige.
Sein Reich, das Reich Gottes, ist nicht von dieser Welt.
Hier in dieser Weltzeit umspannt es verborgen alle Völker der Erde
und wird erst am Ende der Zeiten offenbar werden.

Die Sterndeuter fragten nach dem neugeborenen König der Juden (Mt 2,2)
und vor Pilatus sagt Jesus selbst: „Ja, ich bin ein König.“ (Joh 18,37)

Beten wir mit dem Schächer am Kreuz:
„Herr, denk an mich, wenn Du mit Deiner Königsmacht kommst!“
(Lk 23,42)

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20. Dezember: O clavis David – O Schlüssel Davids

O clavis David et sceptrum domus Israel –
qui aperis et nomo claudit;

claudis et nemo aperit:
– veni et educ vinctum de domo carceris,
sedentem in tenebris et
umbra mortis.

–> O clavis David (YouTube)

O Schlüssel Davids und Zepter des Hauses Israel –
der du öffnest und niemand
schließt;
du schließt, und niemand
öffnet:
– komm und führe den Gefangenen aus dem Kerker,
den, der sitzt in Finsternis
und Schatten des Todes.

Grundlage ist Jes 22,20, wo Eljakim berufen wird als Verwalter im Hause Davids die Schlüssel übertragen bekommt. –
Gen 49,10 spricht davon, dass das Zepter von Juda nie weichen wird. –
In Jes 9 wird das Kommen dieses verheißenen Herrschers aus Juda auf dem Thron Davids gefeiert.
In Lk 1,78f besingt Zacharias Christus als das aufstrahlende Licht…

Diese Antiphon ruft nach Christus, nach der Macht, die wie die Strahlen der Sonne
in der Finsternis befreiend wirken, mit gleichsam königlicher Autorität
aus der Todesangst herauszuführen vermag.

Der strahlende Sonnenball – Symbol für Christus, die Sonne der Gerechtigkeit. Unter dessen Strahlen ist das Leben auf der Erde schlechthin überhaupt erst möglich. Die Sonnenstrahlen lassen die Samen aus der finsteren Erde aufkeimen und Frucht bringen.

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Der Zugang zum Heil Gottes,
der bisher nur dem Volk Israel offen stand und den Heiden verschlossen war,
wird durch Christus allen Völkern eröffnet.
So werden alle Menschen aus Finsternis und Tod befreit.

Aphrahat, der Persische Weise, beschreibt,
wie Christus nach seinem Tod die Gefangenen aus der Unterwelt befreit:

Er betrat die Scheol und führte die Gefesselten heraus.
Mit dem Bösen kämpfte er, bezwang ihn und trat ihn nieder,
durchbrach seine Bahnen und plünderte seinen Besitz;
er zerbrach seine Pforten und riss seine Riegel ab.
Er versiegelte unsere Seelen mit seinem eigenen Blut.
Er ließ die Gefangenen frei aus der verschlossenen Grube.

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21. Dezember: O Oriens – O Morgenstern

O Oriens,
splendor lucis aeternae –
et sol justitiae:
– veni et illumina
sedentes in tenebris et umbra mortis.

–> O Oriens (YouTube)

O Morgenstern,
Glanz des ewigen Lichtes –
und Sonne der Gerechtigkeit:
– komm und erleuchte,
die sitzen in Finsternis und im Schatten des Todes.

Dass der Herr wie ein Stern aufgeht, wird in Jes 60,2 gesagt,
und nach Jes 62,1 steigt in Jerusalem sein „Glanz“ auf.
Die Deutung als „Morgenstern“ ist von Offb 22,16 her gerechtfertigt.

Diese Antiphon ruft nach Christus, nach dem Licht der Gerechtigkeit, das die Menschen aus der Todesverfallenheit retten kann.

Die Venus – ist der Morgenstern, nach dem die 5. O-Antiphon ruft.
Der Ruf nach „Gerechtigkeit“ ist der Ruf nach der Venus.
Sie ist ein Bild für das Streben nach Ausgeglichenheit, Harmonie, Schönheit und Gerechtigkeit.
In Verbindung mit Mars gebiert sie – mythologisch gesprochen – Eros, die Liebe.

o-antiphon-4-21

Wir leben in der Spannung zwischen dem „schon“ und dem „noch nicht“.

Wir gehen dem Morgenstern entgegen, dem Aufgang der Sonne – Christus.

Er ist schon gekommen als Licht der Welt,
aber sein Glanz hat noch nicht alle Herzen erfasst und durchdrungen.

Wir beten darum, dass in uns und allen Menschen
das Licht Christi immer stärker leuchten möge.

Herr Jesus, strahlender Morgenstern, Licht der Welt,
die Nächte sind oft lang und lasten schwer auf uns:
die Dunkelheit des Geistes, die Nacht der Seele.
Gib uns Hoffnung, bis der Morgenstern aufgeht in unseren Herzen.
Komm und erleuchte uns mit dem Strahl deines Lichtes.
Mach die Finsternis in unseren Herzen hell
und lass uns dereinst in die neue Stadt Jerusalem gelangen,
deren Leuchte du bist und in der es keine Nacht mehr geben wird.

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22. Dezember: O Rex gentium – O König der Völker

O Rex gentium, et desideratus earum –
lapisque angularis, qui facis utraque unum:
– veni et salva hominem, quem de limo formasti.

–> O Rex gentium (YouTube)

O König der Völker und ihr Ersehnter –
du Schluss-stein, der du die beiden vereinigst:
– komm und heile den Menschen, den du aus Lehm gebildet hast.

Vgl. Ps 47,9: dass Gott als König herrscht vgl. Eph. 2,20, wo von Christus als dem „Schluss-stein“ die Rede ist, der alles zusammenhält. Alle Menschen sind nach Gen 2,7 aus Lehm gebildet.

Diese Antiphon ruft nach Christus, nach dem, der die Entfremdung der Menschen aufzuheben vermag in einer Neuen Einheit und Gemeinschaft, in einem neuen Frieden.

Der Merkur symbolisiert alles Machen und Kombinieren sowie die Fähigkeit zur Mitteilung, zur Kommunikation, nach der die 6. O-Antiphon ruft.

o-antiphon-4-22

Der Glaube sieht in Jesus Christus die sehnsüchtige Erwartung des Volkes Israel nach dem Messias erfüllt.
Doch er ist nicht allein der König von Israel.
Seine Herrschaft reicht über die Grenzen des Volkes hinweg über die ganze Erde.

Paulus greift im Epheserbrief diesen Gedanken auf, indem er zeigt, dass Jesus Juden und Heiden – also alle Menschen – in dem einen gemeinsamen Glauben vereint und somit auch die mit dem Messias verbundene Friedensverheißung der Propheten erfüllt.

Er ist unser Friede.
Er vereinigte die beiden Teile
(Juden und Heiden)
und riss durch sein Sterben die trennende Wand der Feindschaft nieder. …
Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut;
der Schlussstein ist Christus Jesus selbst.
Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten
und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn.
(Eph 2,14.17.19-21)

Du Heiland, den die Völker ersehnen, komm und rette unsere heillose Welt!

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23. Dezember: O Emmanuel – O „Gott-mit-uns“

O Emmanuel, Rex et legifer noster – 
exspectatio gentium et Salvator earum:
– veni ad salvandum nos, Domine Deus noster.

–> O Emmanuel (YouTube)

O „Gott-mit-uns“, König und unser Gesetzgeber
du Erwartung der Völker und ihr Retter:
– komm und rette uns, Herr, unser Gott.

Die Geburt des Emmanuels aus der Jungfrau ist nach Jes 7,14 das prophetische Heilszeichen.
Nach Mt 1,23 hat sich dieses Zeichen in der Geburt Jesu aus der Jungfrau Maria erfüllt. Sein Name bezeichnet, was er ist: Retter/Heiland (vgl Lk 2,11)
zu „Herr, unser Gott“ vgl. Ps 99,8 u. Ps 106,47.

Diese Antiphon ruft nach Christus, nach dem „Gott-mit-uns“, dem göttlichen Heiland und Retter, der in der Unbeständigkeit dieser Welt ersehnt wird als der Garant einer neuen Ordnung in Frieden und Gerechtigkeit.

Der Mond ist nach antikem Verständnis die Grenze zwischen Himmel und Erde, zugleich in seinem steten Wandel Bild der diesseitigen Welt, Bild auch der Kirche auf ihrer irdischen Pilgerschaft.
Im Menschen entsprechen dem Mond die unteren Eingeweide, der Verdauungsapparat, und die „linke“, die emotionale Seite.
(Das deutsche Wort „Laune“ kommt vom lateinischen „luna“ = „Mond“).
Den Alten war auch bewusst, dass der Mond kein eigenes Licht hat, dass sein Licht vielmehr Widerschein des Lichtes der göttlichen Sonne ist.
Über der Mondsichel nun – so wurde Offb. 12,1ff gedeutet – erscheint die Frau, die den Emmanuel gebären sollte, das Zeichen der ersehnten Gottesherrschaft, unserer Hoffnung in dieser Welt.

o-antiphon-4-23

Wir Christen glauben, das Jesus dieser verheißene Emmanuel (= Gott mit uns) ist.

Die Evangelien bezeugen, wie sich in Jesus der „Gott-mit-uns“ als heilende, stärkende und erlösende Gegenwart Gottes erweist.

Und das ist auch das Wesentliche des Weihnachtsfestes:
Wir feiern, dass Gott mitten unter uns gegenwärtig sein will als „Gott-mit-uns!“

Diese Verheißung kann im Leben jedes einzelnen Menschen ihre Erfüllung finden. Gott steht an der Tür und wartet darauf, dass auch du ihn in dein Leben lässt.

Komm Herr Jesus, zeige deine Gegenwart,
rüttle uns wach, öffne unsere Augen, Geist und Sinn,
dass wir erkennen, was um uns herum geschieht,
dass wir aufstehen, und für Gerechtigkeit eintreten.
Lass uns deine Gegenwart erfahren – auch in der Heiligen Eucharistie –
und mach uns zu Zeugen dafür, dass du der Immanuel bist, der Gott-mit-uns.

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24. Dezember: O Virgo virginum – o Jungfrau der Jungfrauen

O Virgo virginum
quomodo fiet istud?
Quia nec primam similem visa es
nec habere sequentem.

Filiae Ierusalem, quid me admiramini?
Divi num est mysterium
hoc quod cernitis.

–> O Virgo virginum (YouTube)

O Jungfrau der Jungfrauen,
wie kann das sein?
Denn weder vor dir hast du eine Ähnliche gesehen
noch hast du eine dir Nachfolgende?
Töchter von Jerusalem, was staunt ihr über mich?
Göttlich ist dieses Geheimnis,
das was ihr seht.

Die älteste Handschrift – das Responsoriale von Compiegne – fügt noch eine 8. Antiphon hinzu: Sie hat jedoch einen anderen Charakter.
Sie richtet sich an die Jungfrau und Gottesmutter Maria.

Mit der 8. O-Antiphon ist unser sehnsuchtsvolles Rufen bis in die Tiefe unseres erdverhafteten Seins vorgedrungen.
Dass dieses Rufen sich durch alle Kräfte des Kosmos hinzog, macht zugleich die Eingebundenheit des Menschen in die ganze Schöpfung deutlich:

„Die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Kinder Gottes
(Röm 8,19).

o-antiphon-4-24

O komm, Herr Jesus, komm!

Wenn wir nun am letzten Tag vor Weihnachten, nochmals zurückschauen,
so offenbart sich in den 7 Rufen verborgen auch schon die Antwort.

O Sapientia
O
Adonai
O
Radix Jesse
O
Clavis David
O
Oriens
O
Rex gentium
O
Emmanuel
(O Virgo virginum)

Liest man nämlich die Anfangsbuchstaben der ersten Wörter der 7 O-Antiphonen rückwärts der Reihe nach, dann stehen vor uns die Buchstaben

ERO CRAS: = “ich werde da sein – morgen” –

die Verheißung, zu der uns die Antiphonen hinführen wollen, da sie die prophetischen Visionen des Alten Testamentes im Lichte des Neuen Testamentes zum Lied unseres Herzens, zum Lied der ganzen Schöpfung machen.

Die Folge der Anfangsbuchstaben gibt auch einen Sinn, wenn wir gemäß der ältesten Textüberlieferung die schon erwähnte 8. Strophe “O Virgo virginum” hinzunehmen;
aus ERO (“Ich werde dasein”) wird dann VERO CRAS: = “Wahrhaft morgen!” (= 25. Dezember).

(Grundlage dieser Gedanken zu den O-Antiphonen: Musica sacra 10/11 1985, Ein Lied vom Seufzen der ganzen Schöpfung: Die O-Antiphonen der römischen Adventsliturgie, von P. Dr. Gerhard Voss OSB und Fr. Gregor Baumhof OSB, S. 423-434)

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7 + 1 O-Antiphonen im Advent – Grafik (c) G. M. Ehlert, Dez. 2016

 

 

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Herr, send herab uns deinen Sohn

Ein Lied aus dem Gotteslob zu den O-Antiphonen (GL 222):

Herr, send herab uns deinen Sohn,
die Völker harren lange schon.
Send ihn, den du verheißen hast,
zu tilgen uns’rer Sünden Last.
„Freu dich, freu dich, o Israel,
. bald kommt zu dir Immanuel.“

I.
O Weisheit aus des Höchsten Mund,
die du umspannst des Weltalls Rund
und alles lenkst mit Kraft und Rat;
komm, weise uns der Klugheit Pfad.
„Freu dich, freu dich, o Israel,
. bald kommt zu dir Immanuel.“

II.
O Adonai, du starker Gott,
du gabst dem Mose dein Gebot
auf Sinai im Flammenschein:
streck aus den Arm, uns zu befrei’n.
„Freu dich, freu dich, o Israel,
. bald kommt zu dir Immanuel.“

III.
O Wurzel Jesse, Jesu Christ,
ein Zeichen aller Welt du bist,
das allen Völkern Heil verspricht:
eil uns zu Hilfe, säume nicht.
„Freu dich, freu dich, o Israel,
. bald kommt zu dir Immanuel.“

IV.
O Schlüssel Davids, dessen Kraft
uns kann entziehn der ew’gen Haft:
komm, führ uns aus des Todes Nacht,
wohin die Sünde uns gebracht.
„Freu dich, freu dich, o Israel,
. bald kommt zu dir Immanuel.“

V.
O Aufgang, Glanz der Ewigkeit,
du Sonne der Gerechtigkeit:
erleuchte doch mit deiner Pracht
die Finsternis und Todesnacht.
„Freu dich, freu dich, o Israel,
. bald kommt zu dir Immanuel.“

VI.
O König, Sehnsucht aller Welt,
du Eckstein, der sie eint und hält:
o komm zu uns, o Herrscher mild,
und rette uns, dein Ebenbild.
„Freu dich, freu dich, o Israel,
. bald kommt zu dir Immanuel.“

VII.
O „Gott mit uns“, Immanuel,
du Fürst des Hauses Israel,
o Hoffnung aller Völker du:
komm, führ uns deinem Frieden zu.
„Freu dich, freu dich, o Israel,
. bald kommt zu dir Immanuel.“

Herr, wir vertrauen auf dein Wort;
es wirkt durch alle Zeiten fort.
Erlöse uns, du bist getreu.
Komm, schaffe Erd und Himmel neu.

(Text: Heinrich Bone, 1847;
Melodie: Thomas Helmore 1856 nach einer franziskanischen Melodie des 15. Jahrhunderts)

siehe auch: „Die 7 + 1 O-Antiphonen“ (Power-Point-Präsentation)

.

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

Steh auf


zum 10. Sonntag im Jahreskreis (C) – 5. Juni 2016:

Eröffnungsvers:
„Der HERR ist mein Licht und mein Heil;
vor wem sollte ich mich fürchten?
Der HERR ist die Kraft meines Lebens;
vor wem sollte mir bangen?
Meine Bedränger und Feinde,
sie müssen straucheln und fallen.“
(Ps 27,1-2)

1. Lesung: 1 Kön 17,17-24 Elija erweckt den Sohn einer Witwe wieder zum Leben

2. Lesung: Gal 1,11-19 Gott offenbarte dem Paulus seinen Sohn, damit er ihn unter den Heiden verkündige

Evangelium: Lk 7, 11-17: Die Auferweckung des Sohnes einer Witwe in Nain 

Bild-Meditation zu Lukas 7,11-17

An den Kreuzungspunkten des Lebens

Grafik von G. M. Ehlert

Auferweckung des jungen Mannes von Nain durch Jesus

Jesus kommt im „Zug der Hoffnung“
aus Kafarnaum, wo er den todkranken Diener
des heidnischen Hauptmannes geheilt hat.

Eine Witwe kommt im „Zug der Hoffnungslosigkeit“
aus dem Tor von Nain heraus,
um ihren einzigen Sohn zu Grabe zu tragen.

In Schunem – 2 km von Nain entfernt –
hatte vor langer Zeit der Prophet Elischa
ein Kind vom Tode auferweckt.

Jesus verliert Jerusalem
das Ziel seines Lebensweges nicht aus dem Blick,
wo ihn Tod und Auferstehung erwarten.

Doch schon hier –
am Kreuzungspunkt der Wege – zeigt Jesus,
dass Gott auf sein Volk schaut
und neues Leben schenkt,
indem er den jungen Mann auferweckt
und ihn seiner Mutter zurückgibt.

„Auferweckung“ – Grafik u. Gedanken zu Lk 7,11-17
von G. M. Ehlert, © 03.06.2010

„zu neuer Hoffnung auferweckt“

Der Zug der Hoffnung – mit Jesus, dem Anführer des neuen Lebens

Jesus kommt nach Nain = ‚die Liebliche’ genannt
mit ihm seine Jünger und eine große Menschenmenge.
Sie haben Wunderbares mit ihm erlebt.
Ein Zug der Hoffnung
mit Jesus dem „Anführer des neuen Lebens“
ein Zug ins Leben

–> welche Hoffnung verbindet mich mit Jesus?

Der Zug der Hoffnungslosigkeit – mit der Witwe u. dem Trauerzug

Aus Nain heraus kommt – in bitterer Trauer
eine Witwe auf dem Weg, ihren einzigen Sohn –
ihre letzte Hoffnung auf Leben zu begraben
ein Zug der Hoffnungslosigkeit
mit den Leichenträgern
ein Zug zum Grab.

–> welche Hoffnung muss ich – wie die Witwe – zu Grabe tragen?

Das Zusammentreffen: Das machtvolle Mitgefühl Jesu

Die Menschen im Zug der Hoffnung
treffen auf die Trauernden
im Zug der Hoffnungslosigkeit.
In Jesus wird das göttliche Mitgefühl geweckt
darin zeigt er sich als der Kyrios (= Herr)
als er diese trauernde Witwe – in ihrer Hoffnungslosigkeit – sieht
und dass er den Trauerzug zum Stillstand bringt.

–> wo wird heute die „Option Jesu für die Armen“ deutlich?

Das „Machtwort“ Jesu: zur Witwe: „Weine nicht!“ und „Junger Mann, dir sage ich, werde auferweckt.“

1. Das Heilshandeln Jesu an dem toten Sohn
2. um ihn der Witwe wieder lebend zurückzugeben u. ihr so neu Zukunft und Hoffnung zu schenken.

–> wo erfahre ich, dass gestorbene Hoffnung wieder auferweckt wird?

Reaktion: Furcht und Verherrlichung

„Alle wurden von Furcht ergriffen;
sie verherrlichten Gott und sagten:
Ein großer Prophet ist unter uns aufgetreten: (wie Elija!)
ja noch mehr:
Gott hat sich seines Volkes angenommen, wörtl.: ‚besucht’“

vgl. Benedictus: …“durch die barmherzige Liebe unseres Gottes hat uns besucht das aufstrahlende Licht aus der Höhe, um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes und unsere Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens.“ (Lk 1,79)

–> welche Reaktion zeige ich –
furchtsames Verstummen oder lobpreisendes Bekennen?

 

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

Neujahr 2016

Verschiedene Namen hat der 1. Januar:

Neujahr“ – denn an diesem Tag beginnt ein neues Kalenderjahr.
Neujahrswünsche: „ein glückselig neues Jahr!“

Prosit Neujahr!“ – prosit = es möge nützen, das neue Jahr!
Einen „guten Rutsch!“ – rosch haschana = einen guten Start!
Anno Domini 2016 = auch das Jahr 2016 – ein „Jahr des Herrn“!

Oktavtag von Weihnachten“ – denn das Fest der Geburt Christi wird in der Liturgie der katholischen Kirche eine ganze Woche lang gefeiert.

Tag der Beschneidung und Namensgebung Jesu“ – im Lukasevangelium heißt es nach der Geburt Jesu:
Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, noch ehe das Kind im Schoß seiner Mutter empfangen wurde.“ (Lk 2,21)
(seit 2002 wird am 3. Januar wieder der Gedenktag des „Heiligsten Namens Jesu“ gefeiert)

Hochfest der Gottesmutter Maria“ – seit 1969 wird dieses – seit dem 7. Jahrhundert in Rom gefeierte Fest der Mutterschaft Mariens wieder am 1. Januar gefeiert.

Welttag des Friedens“ – seit 1968 begeht weltweit die katholische Kirche am 1. Januar auch den „Weltfriedenstag“, verbunden mit einer jährlichen Friedensbotschaft des Papstes.
Für das Jahr 2016 hat die Botschaft von Papst Franziskus folgenden Inhalt:
„Überwinde die Gleichgültigkeit –  erringe den Frieden“

Die liturgischen Bibeltexte sind in allen drei Lesejahren (A/B/C) die gleichen:

1. Lesung: Num 6,22-27 Der Aaronitische Segen

2. Lesung: Gal 4,4-7 Gott Sohn erwirkt uns die Sohnschaft

Evangelium: Lk 2,16-21

 

Für die Zeit zwischen Weihnachten und Epiphanie (6. Januar)

siehe auch die Bild-Meditation „Zwölf heilige Nächte

Taufe Jesu

Mit dem Fest der „Taufe des Herrn“ am Sonntag nach Epiphanias (Hl. Drei Könige) schließt der Weihnachtsfestkreis

Mit der Taufe Jesu im Jordan durch Johannes den Täufer beginnt nach ca. 30 Jahren des verborgenen Lebens nun sein ca. 3-jähriges öffentliches Wirken.

Jesus setzt eine symbolträchtige Handlung an den Beginn seines öffentlichen Wirkens. Er lässt sich von Johannes dem Täufer taufen d.h. er stellt sich in eine Reihe mit all denen, die bereit sind, zu Gott zurückzukehren.

Diese Taufe findet statt am tiefsten Punkt der Erdoberfläche. (ca. 395 m unter dem Meeresspiegel.

Hier zog einst das Volk Israel „über den Jordan“ hinein ins gelobte Land – angeführt durch Joschua. Nun zieht das „neue Volk Israel“ unter dem neuen Joschua = Jesus hinein ins Reich Gottes, das in der Gemeinschaft mit Jesus seinen Anfang nimmt.

Das Evangelium vom Fest „Taufe des Herrn“ (im Lesejahr B = 11.01.2015):

Mk 1,1 Anfang*
des Evangeliums*
Jesu*
Christi*
(des) Sohnes Gottes

2 Genauso wie geschrieben worden ist
in dem (Buch des) Jesaja,
dem Propheten

3 „Siehe,
ich werde absenden meinen Boten
vor deinem Angesicht
welcher bereiten wird
deinen Weg (= Highway = Prachtstraße).

4 Stimme (eines laut) Rufenden
in der Ödnis:
stellt her den Weg des Herrn (= Herrscher, Gebieter),
gerade machet seine Tretpfade.“

5 (Genauso) geschah es* /es wurde (geboren)* Johannes,
der Eintauchende,
in der Ödnis
und (laut) verkündend
(das) Eintauchen (des) Umdenkens*
hinein in (die) Erlassung (der) Sünden/Verfehlungen.

6 Und es ging hinaus zu ihm
jedweder des judäischen Landes
und die Jerusalemer jedweder
und wurden eingetaucht von ihm
in dem Jordan-Fluss
herausbekennend der eigenen Sünden/Verfehlungen.

7 Und es war der Johannes
bekleidet mit (einem Gewand aus) Haaren (der) Kamele
und (mit einem) ledernen Gürtel
um seine Hüften
und verzehrend
Heuschrecken und Honig (der) Wildnis.

8 Und (laut) verkündete er sagend:
„es kehrt wieder der Stärkere als ich
nach/hinter mir
welcher ich bin nicht hinlänglich,
niederbeugend zu lösen
die Riemen der Sandalen von ihm.

9 Ich tauche euch ein (im) Wasser,
er aber, er wird eintauchen euch
in Heiligem Geist.“

10 Und es geschah in jenen Tagen
Jesus aus Nazaret (in) Galiläa kam
und er ließ sich untertauchen in den Jordan
von Johannes.

11 Und sogleich heraufsteigend aus dem Wasser
sah er die Himmel zerrissen
und den Geist wie (eine) Taube herabsteigend
und auf ihn bleibend.

12 Und (eine) Stimme wurde aus den Himmeln:
„Du, du bist mein der Sohn der geliebte,
an dir wohlmeine ich.“

Johannes tauft Jesus im Jordan
(= Fest Taufe des Herrn = 11. Januar 2015)
+
Er sagt: Seht, das Lamm Gottes,
das die Sünde der Welt hinwegnimmt.
(= 2. Sonntag im Jahreskreis A = 19. Januar 2014)
Gedanken zum Evangelium Johannes 1,29-34: siehe „Zeugnistag

Zwei Begegnungen zwischen Jesus mit Johannes in einem Bild:

Johannes tauft Jesus im Jordan  +  Seht, das Lamm Gottes,  das die Sünde der Welt hinwegnimmt. Bild von G.M. Ehlert 2002

1. Johannes, der Täufer wirkt in der Wüste Juda am Unterlauf des Jordan und verkündet Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden.
So kommt auch Jesus zu Beginn seines öffentlichen Wirkens zu ihm und lässt sich von ihm im Jordan taufen.

Davon berichten Matthäus, Markus und Lukas in ihren Evangelien.

z.B. Mt 3,13-17: (Evangelium am Fest der Taufe des Herrn – Lesejahr A)

Zu dieser Zeit kam Jesus von Galiläa
an den Jordan zu Johannes,
um sich von ihm taufen zu lassen.

Johannes aber wollte es nicht zu lassen
und sagte zu ihm:

„Ich müsste von dir getauft werden,
und du kommst zu mir?“

Jesus antwortete ihm:

„Lass es nur zu,
denn nur so können wir die Gerechtigkeit,
die Gott fordert, ganz erfüllen.“

Da ließ Johannes es zu.

Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen,
da öffnete sich der Himmel,
und er sah den Geist Gottes wie eine Taube
auf sich herabkommen.

Und eine Stimme aus dem Himmel sprach:

„Das ist mein Sohn, der Geliebte,
an dem ich Gefallen gefunden habe.“

2. Ein weiteres Mal begegnet Jesus Johannes wieder
als Johannes sich in Betanien, jenseits des Jordans (in der Nähe vom See von Galiläa) aufhält.
Von dieser weiteren Begegnung berichtet der Evangelist Johannes in seinem Evangelium. Joh 1,29-34 (= Evangelium am 2. Sonntag im Jahreskreis A)

Am folgenden Tag sieht er Jesus auf sich zukommen und sagt:

„Seht, das Lamm Gottes,
das die Sünde der Welt hinwegnimmt.
Dieser ist es, von dem ich gesagt habe:
Nach mir kommt einer, der mir voraus ist,
weil er vor mir war.
Auch ich kannte ihn nicht.
Aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser,
um Israel mit ihm bekanntzumachen.“

Und Johannes bezeugte:

Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam
wie eine Taube
und auf ihm blieb.

Auch ich kannte ihn nicht;
aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen,
er hat mir gesagt:
Auf wen du den Geist herabkommen siehst
und auf wem er bleibt,
der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft.

Das habe ich gesehen,
und ich bezeuge:

Er ist der Sohn/der Erwählte Gottes.

3.
Am folgenden Tag stand Johannes wieder
da
und zwei von seinen Jüngern.

Indem er auf Jesus blickte,
der vorüberging,
sagte er:
„Seht, das Lamm Gottes.“

Und die beiden Jünger hörten ihn so reden
und folgten Jesus.

(Joh 1,35-37)

Bild von Georg Michael Ehlert
zum Fest der Taufe des Herrn.
Januar 2002
siehe auch:
Taufe des Herrn (2013)- „Mit Jesus über den Jordan gehen“
siehe zu Johannes d.T. auch:

Grenzen überwindender Glaube


Gedanken zum Evangelium des 20. Sonntages im Jahreskreis A ( = 17. August 2014) – (Matthäusevangelium 15,21-28):

Jesus und die Bitte der kanaanäischen Mutter
(Mt 15,21-28)

21: Und es zog weg von dort (der) Jesus
entweichend in die Gegend von Tyrus und Sidon.

22 Und siehe
eine kanaanäische Frau aus jenem Gebiet
kam gelaufen
sie krächzte sagend [zu ihm]:
„Erbarme dich meiner, Herr, Sohn Davids!
Meine Tochter wird von einem Dämon besessen.“ 

23 Er aber antwortete ihr kein Wort.

Und es traten zu ihm seine Jünger
baten ihn sagend:
„Entlass/befreie sie:
sie krächzt ja nur hinter uns her.“

24 Er aber antwortete ihnen sprechend:
„Nicht gesandt bin ich
wenn nicht zu den verlorengegangenen Schafen
des Hauses Israel.“

25 Sie aber kam heran
verneigte sich tief vor ihm sagend:
„Herr, hilf mir!“

26 Er aber antwortete sprechend:
„Nicht recht ist es
wegzunehmen das Brot den Kindern
und es hinzuwerfen den Hündlein.“

27 Sie aber sprach:
„Ja Herr! auch nämlich die Hündlein essen
von den Bröseln, die von den Tischen ihrer Herren fallen.“

28 Daraufhin antwortete ihr (der) Jesus sprechend zu ihr:
„O Frau, sehr groß ist dein Glaube.
Es geschehe dir, wie du willst.“ 

Und geheilt war ihre Tochter
von jener Stunde an.

 

Neues hinzulernen

Warum reagiert Jesus auf die Bitte der kanaanäischen Mutter zunächst so schroff und abweisend? – Diese Frage mögen sich wohl die Apostel gestellt haben – ich jedenfalls stelle mir diese Frage.

Vor der Beantwortung dieser Frage jedoch eine Vorüberlegung:

Eine persönliche Erfahrung: wenn ich um ein bestimmtes Anliegen intensiv bete – dann ist es gut, darauf zu achten, welche besondere Begegnungen sich ereignen – mit welchen Menschen mich Gott gerade jetzt zusammenkommen lässt – darin zeigt sich oft eine Hilfe Gottes auf mein Anliegen.

Schauen wir mit diesem Gedanken nun auf das heutige Evangelium:

  1. Jesus entweicht den Auseinandersetzungen mit seinen Gegnern und zieht sich ins benachbarte Ausland zurück.

Wenn Jesus sich „zurückzieht“ – dann oft zur Neuorientierung im Bezug auf seine Sendung.

–> Es ist auch für uns gut, hin und wieder Abstand von den Alltagsauseinandersetzungen zu suchen. –

Doch auch hinter der Grenze im heidnischen Gebiet von Tyrus und Sidon wird Jesus als der Heiland der Menschen angefragt.

  1. Eine heidnische kanaanäische Mutter überschreitet die Grenze des Anstandes. Sie ruft Jesus in aller Öffentlichkeit lautstark um Erbarmen an.

–> Auch wir sollten uns aktiv um Hilfe bemühen, wenn wir von Notsituationen erfahren. Auch das inständige Gebet des Glaubens an Gottes Hilfe ist hier gefragt.

Auch wenn wir – wie die heidnische Frau – zunächst keine Antwort bekommen, gilt es beharrlich zu bleiben.

  1. Das Verhalten dieser aufdringlichen Frau zeigt, dass sie sich nicht beirren lässt, auch wenn die Jünger sie am liebsten los werden möchten und sogar Jesus abweisend reagiert mit dem Argument, dass er für sie nicht zuständig sei.

–> Von der heidnischen Mutter können wir Beharrlichkeit lernen – immer wieder sein Anliegen vorbringen.

  1. Jesus erteilt der bittenden Frau eine harte, beleidigende Abfuhr: „Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden (=Heiden) vorzuwerfen.“

Doch die Frau greift dieses harte Wort auf und wendet es zu ihrem Vorteil: „Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen.“

–> Beharrlichkeit: Argumente aufgreifen und weiterführen.

Und schließlich erkennt Jesus ihren Glauben an und erhört ihre Bitte.

  1. Was haben die beteiligten Personen aus dieser Begebenheit hinzugelernt?

Die Jünger: Die Beharrlichkeit dieser aufdringlichen Frau wird von Jesus den Jüngern als Vorbild eines großartigen Glaubens vorgestellt.

Die Frau: Die Grenzen kennen und sie beharrlich überwinden zahlt sich im Blick auf Jesus aus.

Jesus: Dieser beharrliche Glaube dieser heidnischen Frau zeigt Jesus, dass seine Sendung über die Grenzen des Hauses Israel hinaus wirksam wird.

Jesus lernt in dieser Begegnung, dass das Heil, das er verbreitet für Menschen aller Völker gedacht ist – über alle nationalen, religiöse und konfessionelle Grenzziehungen hinaus – auch heute.

 

Der Textabschnitt im größeren Kontext des Matthäusevangeliums:

Die Heilung der Tochter der kanaanäischen Frau steht im Zentrum eines größeren Erzählzusammenhangs im Matthäusevangelium, der bewusst komponiert und kunstvoll angelegt ist:

A Die Speisung der 5.000 (14,13-21) und der Kleinglaube der Jünger (14, 28-33)

B Jesus heilt viele (14,34-36)

C Die Überlieferung der Alten (15,1-20) und Jesu Reaktion auf die Heilungsbitte einer kanaanäischen Mutter – der große Glaube der heidnischen Frau (15,21-28)

B’ Jesus heilt viele (15,29-31)

A’ Die Speisung der 4.000 (15,32-39) und der Kleinglaube d. Jünger (16,5-12)

Es geht in diesem Textzusammenhang vor allen Dingen um großen und kleinen Glauben. Die Jünger zeigen immer wieder kleinen Glauben, die kanaanäische Frau dagegen wird für ihren großen Glauben gepriesen. Dahinter verbirgt sich ein großes Thema im Matthäusevangelium: Jesus ist der Messias für Israel und für alle anderen Völker. –

So steht am Beginn des Matthäusevangeliums die Erzählung von den heidnischen Magiern, die zum neugeborenen Jesuskind kommen und den „Sohn Gottes“ anbeten (Mt 2,1-12) und das Evangelium schließt mit dem Auftrag des Auferstandenen: „Geht in alle Welt und lehret alle Völker… und seid gewiss: ‚Ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung der Welt!'“ (Mt 28,20)

 

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

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