Judit

Judit

Das Buch Judit dürfte um 100 v. Chr. entstanden sein und ist uns in griechischer Sprache überliefert.
Die Verfasser – vermutlich aus dem griechisch sprechenden Judentum – sind unbekannt.

Das Thema ist der Glaube an den Gott Israels angesichts der Übermacht heidnischer Bedrohung, welche Leben und Glauben Israels zu vernichten suchen.

Ein mächtiger Großkönig Nebukadnezzar strebt nicht nur die politische Herrschaft über die ganze Welt an, sondern fordert auch seine Verehrung als einzigen Gott (Jdt 1).
Diesen Anspruch will er mit militärischen Mitteln durchsetzen, weswegen sein Feldherr Holofernes einen Unterwerfungsfeldzug gegen die Völker im Westen führt, bei dem auch alle Heiligtümer zerstört werden. (Jdt 2 – 3)
Als einziges Volk organisiert Israel militärischen und religiösen Widerstand, um seinem Gott treu bleiben und den Tempel in Jerusalem retten zu können. (Jdt 4)
Es kommt zur Belagerung der Festungsstadt Betulia.
Der Ammoniter Achior berichtet dem Holofernes über das unerschütterliche Gottvertrauen Israels (Jdt 5), doch Holofernes beachtet die Warnung nicht, sondern liefert Achior an Betulia aus. (Jdt 6)
Durch lange Belagerung zermürbt und aufgrund von Wassermangel dem Tod nahe, bricht der Widerstandsgeist der belagerten Stadt Betulia zusammen, sodass man die Übergabe der Stadt plant. (Jdt 7). –
Nun tritt Judit, eine reiche, gottesfürchtige und schöne Witwe auf, deren Plan zur Rettung Israels aus theologischer Reflexion und flehentlichem Gebet zu Gott erwächst. (Jdt 8-9).
Ihre Klugheit und Schönheit überwältigen Holofernes, der sie bei einem intimen Fest zu verführen sucht (Jdt 11). Doch sein übermäßiger Alkoholkonsum ermöglicht es Judit, ihn mit seinem eigenen Schwert zu enthaupten und mit seinem Schädel aus dem feindlichen Lager zurück nach Betulia zu fliehen. (Jdt 12-13).
Völlig „kopflos“ geworden, vermögen nun die Truppen Betulias das übermäßige feindliche Heer in die Flucht zu schlagen und Israel zu retten. (Jdt 14-15).
Mit einem großen Hymnus Judits, in dem sie die Rettung durch Gott feiert, schließt die Erzählung. (Jdt 16).

Das Buch Judit schildert kein historisches Ereignis. (Schon die Angaben in Jdt 1,1 passen historisch nicht zueinander). Das Buch Judit ist ein in ein historisches Gewand gehülltes Gleichnis, das alle großen Bedrohungssituationen verdichtet, die das Volk Israel im Laufe seiner Geschichte erlebt hat. In der Erzählung finden sich neben bekannten auch erfundene Namen, Figuren und Orte, welche die typische Bedeutung des Erzählten erkennen lassen. – Es geht um die Erfahrung radikaler Daseinsbedrohung für Volk und Religion und um die darin sich zu bewährende Treue zu Gott.

Die Bedeutung einiger fiktiver Namen…

Der übermächtige König aus dem Osten: Nabouchodosor (= Nebukadnezzar II.) – sein Name bedeutet: „der Gott Nabu schütze meinen ersten Sohn“.
Dieser Großkönig erhebt den Anspruch der Herrschaft über die ganze Welt (Jdt 2,5).

Demgegenüber steht JHWH – der Schöpfer des Himmels und der Erde,
der Israel „seinen erstgeborenen Sohn“ nannte.

Der Feldherr dieses Großkönigs heißt Olofernes (= Holofernes) – sein Name bedeutet: „Wunsch nach Herrschaftsglorie habend“.
Er erobert alle umliegenden Völker – einzig Israel leistet ihm Widerstand.

Die fiktive Festungsstadt im Süden der Ebene Jesreel (wo in der Geschichte Israels entscheidende Schlachten lokalisiert werden), heißt Betulia mit etymologischen Assoziationen zu „Jungfrau“ bzw. „Haus des HERRN“. (= ein Ort, wo der feste Glaube an Gott zu Hause ist).

Ein Ammoniter erweist sich als Prophet. Er hat den Namen: Achior
In dieser Namensbezeichnung klingt an: „mein Bruder ist Licht“.
Israel erkennt im Blick auf Achior, dass der Glaube an den Gott Israels auch bei anderen Völkern aufstrahlt – und es nimmt ihn (gegen das Gebot in Dtn) voll in seine jüdische Gemeinschaft auf.

Zu den Obersten der belagerten Stadt gehört Usija.
Dieser Name bedeutet: „Meine Stärke ist JHWH (der HERR)“.

Als Rettergestalt tritt in der zweiten Hälfte der Erzählung Judit auf.
Judit = entlehnt aus dem hebräischen Begriff יְהוּדִית (Yehudit) mit den Bedeutungen Jüdin, Judäerin, Bekennerin, Gepriesene.

Im Handeln aus großem Gottvertrauen zeigt Judit auf,
dass der Gott Israels der Gott ist, „der den Kriegen ein Ende setzt.“ (Jdt 9,7)

„Gott, der den Kriegen ein Ende setzt“

Judits Rückkehr nach Betulia

Judit – Zeichnung von (c) G. M. Ehlert, Januar 2017

Judits Lobgesang (Jdt 16,1-17)

1 Judit sang:

Stimmt ein Lied an für meinen Gott unter Paukenschall, /
singt für den HERRN unter Zimbelklang!/
Preist ihn und singt sein Lob, /
rühmt seinen Namen und ruft ihn an!

2 Denn der HERR ist ein Gott, /
der den Kriegen ein Ende setzt; /
er führte mich heim in sein Lager inmitten des Volkes /
und rettete mich aus der Gewalt der Feinde.

3 Assur kam von den Bergen des Nordens /
mit seiner unzählbaren Streitmacht; /
die Masse der Truppen verstopfte die Täler, /
sein Reiterheer bedeckte die Hügel.

4 Brandschatzen wollten sie mein Gebiet, /
die Jugend morden mit scharfem Schwert, /
den zarten Säugling am Boden zerschmettern, /
die Kinder als Beute verschleppen, /
als billigen Raub die Mädchen entführen.

5 Doch der HERR, der Allmächtige, gab sie preis, /
er gab sie der Vernichtung preis /
durch die Hand einer Frau.

6 Ihr Held fiel nicht durch die Kraft junger Männer, /
nicht Söhne von Riesen erschlugen ihn, /
noch traten ihm hohe Recken entgegen. /
Nein, Judit, Meraris Tochter, /
bannte seine Macht mit dem Reiz ihrer Schönheit.

7 Sie legte ihr Witwengewand ab, /
um den Bedrängern in Israel zu helfen. /
Sie salbte ihr Gesicht mit duftendem Öl,
8 sie schmückte ihre Haare mit einem Diadem /
und zog ein Leinenkleid an, um ihn zu verführen.

9 Ihre Sandalen bezauberten sein Auge. /
So schlug ihre Schönheit sein Herz in Bann. /
Das Schwert traf seinen Nacken mit Wucht.

10 Die Perser erschraken vor ihrer Kühnheit, /
die Meder erstarrten vor ihrem Mut.

11 Jubel erfüllte mein armes Volk – /
sie aber gerieten in Schrecken. /
Die Meinen waren schwach – /
sie aber packte Entsetzen. /
Die einen stimmten den Schlachtruf an – /
die anderen ergriffen die Flucht.

12 Erbärmliches Volk!
Söhne von Mädchen stachen sie nieder /
und wie Überläufer verwundeten sie sie. /
Sie gingen zugrunde durch die Schlachtreihe des HERRN.

13 Ich singe meinem Gott ein neues Lied; /
HERR, du bist groß und voll Herrlichkeit. /
Wunderbar bist du in deiner Stärke, /
keiner kann dich übertreffen.

14 Dienen muss dir deine ganze Schöpfung, /
Denn du hast gesprochen und alles entstand. /
Du sandtest deinen Geist, um den Bau zu vollenden. /
Kein Mensch kann deinem Wort widerstehen.

15 Meere und Berge erbeben in ihrem Grund, /
vor dir zerschmelzen die Felsen wie Wachs. /
Doch wer dich fürchtet, der erfährt deine Gnade.

16 Zu gering ist jedes Opfer, um dich zu erfreuen, /
alle Fettstücke sind nichts beim Opfer für dich. /
Wer den HERRN fürchtet, der ist groß für immer.

17 Doch weh den Völkern, die mein Volk bekämpfen. /
Am Tag des Gerichts straft sie der allmächtige HERR, /
er schickt Feuer und Würmer in ihr Gebein; /
in Ewigkeit sollen sie heulen vor Schmerz.

 

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

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