Pessach

Pessachdas Fest der Erlösung

„Im ersten Monat, am vierzehnten Tag des Monats, in der Abenddämmerung,
ist Pessach für den HERRN…
Am fünfzehnten Tag dieses Monats ist das Fest der Ungesäuerten Brote für den HERRN.
Sieben Tage sollt ihr ungesäuertes Brot essen…

Wenn ihr in das Land kommt, das ich euch gebe,
und wenn ihr dort die Ernte einbringt,
sollt ihr dem Priester die erste Garbe eurer Ernte bringen.
Er soll sie vor dem HERRN emporheben,
damit ihr Wohlgefallen findet.
Am Tag nach dem Sabbat soll sie der Priester emporheben.“
(Lev 23,5-11)

Fest der Erlösung – verschiedene Kennzeichen

Vier Bezeichnungen kennzeichnen dieses wichtige jüdische Fest der Erlösung zu Frühjahrsbeginn:

1. Chag haPessach = „Fest der Überschreitung“
Diese Bezeichnung erinnert daran, dass der Todesengel die Häuser der Israeliten übersprang und verschonte, als er – als Höhepunkt der 10 Plagen – die erstgeborenen Söhne der Ägypter tötete.
Zur Erinnerung daran wurde bei den Juden – bis zur Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahr 70 n. Chr. – für jede Familie ein Pessach-Lamm geschlachtet und beim Seder-Mahl am Vorabend verzehrt. (vgl. Exodus 12,1-20)

2. Chag haMazot = „Fest des ungesäuerten Brotes“
Diese Festwoche erinnert an den schnellen Auszug aus Ägypten, als die Israeliten keine Zeit hatten, Brote aus Sauerteig zu backen.
Zu Beginn wird das Haus von allem „Gesäuerten“ gereinigt (Chamez-Gebot)
Während dieser Woche ersetzen die Mazzot – eine Art „Knäckebrot“ – die sonstigen Brote.

3. Chag haAwiw = „Frühlingsfest“
Diese Bezeichnung deutet auf die Jahreszeit (März/ April) hin, die Zeit der ersten Ernte (= Gerste).
Von diesem Chag haAwiw an, der am Tag nach dem Frühlingssabbat gefeiert wurde, zählte man sieben Wochen.

Diese Zeit ist 4. „Sman Cherutejnu“ = „Zeit unserer Befreiung“.
Am 50. Tag ist dann das nächste große Fest: Schawuot = Pfingsten.

  • „G’tt nannte diesen Tag „das Fest der ungesäuerten Brote“, um Israel zu preisen, das ihm in die Wüste gefolgt war, ohne zu warten, bis der Teig aufgegangen war, und ohne zu fragen, wohin es geführt werden würde.
  • Israel nannte diesen Tag „Pesach“ um G’tt zu preisen – G’ttes Heiligkeit sei gepriesen – denn G’tt zog an den Häusern der Kinder Israels vorüber und verschonte uns, während er die Ägypter schlug.“
    (Rabbi Levi Jizhak von Berditshew)

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Das Pessachopfer
– als Zeichen der Macht des Gottes Israel gegenüber den Götzen Ägyptens

Die Ägypter zur Zeit des Exodus waren eine tiefreligiöse Gesellschaft mit vielen Göttern. (vgl. Ex 12,12)
Einer ihrer Hauptgötter – Khnom – der Erschaffer der Welt und der Menschheit wurde als Widder dargestellt.
Deshalb gehörte es zu den wichtigsten Verboten Ägyptens einen Widder (oder ein Lamm) zu töten und zu verzehren. Die Strafe für so eine Tat, insbesondere, wenn sie in der Öffentlichkeit begangen wurde, war die Hinrichtung durch Steinigung. (Ex 8,22)
Das Befolgen der Aufforderung des Gottes Israels, einen Widder (oder ein Lamm) in der Pessach-Nacht zu opfern, war folglich eine öffentliche Erklärung der Israeliten, dass sie nicht nur das Land Ägyptens verließen, sondern auch mit der Herrschaft der ägyptischen Götter brachen.
Die Bestreichung der Türen der Israeliten mit dem Blut des Lammes war in den Augen der Ägypter ein öffentliches Bekenntnis zu dieser Freveltat.
Doch – ein wunderbarer Erweis der Stärke des Gottes Israel – nicht sie, sondern die Ägypter wurden bestraft. Dies wurde als Beginn des Bundes Gottes mit dem Volk Israel künftig gefeiert.

Das Paschaopfer
– als Zeichen der Liebe des Sohnes Gottes
und der Beginn eines neuen Bundes

Beim Schlachten der Paschalämmer zu der Zeit Jesu im Tempel in Jerusalem, wurde das Blut aufgefan-gen und über dem Trankopferalter ausgegossen. – Blut ist Leben und gehört allein Gott, dem Spender des Lebens.
Deshalb gehört es zu einem der wichtigsten Verbote des Volkes Israel, auf keinen Fall Blut zu verzehren. (vgl. Dtn 12,16ff)

Wenn Jesus beim Abendmahl zu seinen Jüngern sagt: Nehmt und trinkt alle daraus: Dieser Kelch (mit dem roten Wein) ist mein Blut, dies ist der Neue Bund in meinem Blut, das für euch und für viele (= alle) vergossen wird. – Tut dies zu meinem Gedächtnis“, dann ist dies ein Tabubruch und in den Augen der Juden eine Freveltat.
Doch – so die Glaubensüberzeugung der Christen – mit dem Trinken des „Blutes Christi“ werden wir zu „Blutsverwandten Christi“. Sein Blut = Lebenssaft fließt in unseren Adern. Wir werden wahrhaft zu Söhnen und Töchtern Gottes und haben damit bereits jetzt schon Anteil an seinem Erbe = Teilhabe am Reich Gottes.

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Festfolge (im Jahr der Kreuzigung Jesu):

Zwei besondere Mizwot = Anweisungen kennzeichnen das jüdische Pessach:
Am Vortag – 13. Nisan reinigt man sein Haus von allem „Chamez“ = „Gesäuertem“
Es ist eine Art „Frühjahrsputz“.
An den 7 (bzw. in der Diaspora 8) Tagen des Festes isst man „Mazzot“ = eine Art „Knäckebrot“.

Paulus schrieb an die christliche Gemeinde in Korinth (1 Kor 5,7ff):

„Schafft den alten Sauerteig weg, damit ihr neuer Teig seid.
Ihr seid ja schon ungesäuertes Brot;
denn als unser Paschalamm ist Christus geopfert worden.

Lasst uns also das Fest nicht mit dem alten Sauerteig feiern,
nicht mit dem Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit,
sondern mit den ungesäuerten Broten der Aufrichtigkeit und Wahrheit.“

Im Christentum hat sich im Laufe der Geschichte der Brauch entwickelt,
vor Ostern u. vor Sonntagen zu beichten,
d.h. seine Seele von Sünden zu reinigen.

Vorabend des 14. Nisan = Zeit für das Seder-MahlAbendmahl Jesu am Gründonnerstagabend;
der 14. Nisan = Rüsttag – der Karfreitag – Kreuzigung und Tod Jesu am Kreuz
der 15. Nisan, der „große Sabbat“ – Karsamstag, der Tag der Grabesruhe.
Und der 16. Nisan, Habikkurim – der erste Tag nach dem Sabbat, an dem die „Erstlingsgabe“ Gott dargebracht wurde –
der Ostersonntag. Die „Erstlingsgabe“ ist Christus, der Auferstandene, der Erstling der Entschlafenen.

Die Omerzeit – Die 49 Tage zwischen Pessach und dem anschließenden Wallfahrtsfest – Schawuot – heißen die Omer-Zeit. Diese werden einzelnd gezählt, beginnend mit dem 2. Pessachabend. Omer bedeutet ein bestimmtes Maß von Gerste, das am 2. Pessachtag geopfert wurde.

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Das Seder-Mahl am Pessachabend

Verschiedene Symbole – rund um die abendliche Mahlfeier im Hausgottesdienst zum Pesachfest – helfen, den Inhalt und Sinn dieses Festes (auch) den Kindern in der Familie nahezubringen.
Auf dem Tisch stehen verschiedene Schalen:
– mit Bitterkraut (z.B. Meerrettich) – zur Erinnerung an die Bitternis der Sklavenarbeit;
– mit Salzwasser – zur Erinnerung an die bitteren Tränen in der Sklaverei, fern der Heimat;
– mit Fruchtmus (aus Äpfeln, Datteln, Nüssen und Wein) – Erinnerung an die Herstellung der Lehmziegel beim Sklavendienst in Ägypten;
– mit grünem Kraut (z.B. Salat) – das in das Salzwasser getaucht wird, Hinweis auf das Leben in Ägypten;
– mit einem Knochen und einem Ei – Hinweis auf das Pessachlamm (seit der Zerstörung des Tempels in Jerusalem)
– zugedeckt ist ein Körbchen mit drei Mazzot – das „Brot der Armen“ (Dtn 16,3).

Im Ablauf der festlichen Mahlzeit werden diese besonderen Speisen gedeutet.

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Ablauf:

Jüdisches Seder-Mahl (in der Hausgemeinschaft)

Christliche Osternachtfeier (in der Gemeinde)

1. (Hadlakat Ha-Nerot) = Entzünden des Festlichtes

Osterfeuer und Entzünden der Osterkerze

2. (Kiddusch) = Lobpreis des Festes 1. Segensbecher

Lobpreis der Osterkerze (Exsultet)

„Haggadah“ – 9 biblische Lesungen
von Schöpfung – Errettung und Heiligung

3. (Karpas) Essen des grünen Krautes
4. (Jachaz) Erklärung der 3 Mazzot-Brote
5. (Maggid) Haggadah = Erzählung vom Auszug aus Ägypten
6. ((Hereinbringen des Osterlammes)) u. Erklärung der Speisen
7. (Hallel) Dankgebet 2. Segensbecher

8. (Rochzo) Händewaschung aller

Fußwaschung an Gründonnerstag / Tauferneuerung/ Tauffeier

9. (Mozzi Mazza) Segnung der Speisen

Eucharistiefeier

10. (Maror) Bitterkraut + Fruchtmus + Mazze
11. (Schulchan orech) Festessen…
(Zofum) Abschluss mit Essen des Afiko-man*
12. (Barech) Becher der Segnung 3. Segensbecher

Kommunion

13. (Hallel) Lobgesang (Ps 115 – 118 u. Ps 136)

Danksagung

14. (Nirza) Becher des Melchisedek 4. Segensbecher

Schlusssegen

15. Der (5.) Segensbecher des Elija (?)

Die Einsetzung der Eucharistie durch Jesus

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Pessach-2a

Pessach – Seder-Mahl, Grafik von G. M. Ehlert, Sept. 2021

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Exodus 6,6-8 und die 4 + 1 Segensbecher beim Seder-Mahl

Vier Becher Wein (oder Traubensaft) soll man im Verlaufe des Seder-Abends trinken.
Sie erinnern an die vier Stufen der Erlösung, in denen sich nach Zeugnis der Tora (Ex. 6,6-8) der Auszug aus Ägypten vollzog

Ex 6,6 ICH (bin) – JHWH (= der Ewige…)

1. Segensbecher: „We-hozeti“und ich lasse hervorgehen – (ja) euch –
unter – (den) Belastungen/ Fronarbeiten – Ägyptens –

2. Segensbecher: „We-hizalti“und ich entreiße – (ja) euch –
aus ihrem Dienst –

3. Segensbecher: „We-ga’alti“und ich löse aus – (ja) euch –
im/ mit Arm – ausgestrecktem – und in/ mit Strafgerichten – großen –

4. Segensbecher: „We-lakachti“ und ich nehme an/ ergreife – (ja) euch –
zu mir – als Volk – und ich werde sein – für euch – zum Gott –
und ihr werdet erkennen –
fürwahr: – JHWH – euer Gott –
der hervorgehen lassende – (ja) euch –
unter – (den) Belastungen/ Fronarbeiten – Ägyptens.

5. Segensbecher: „We-hebeti“Und ich lasse hereinkommen – (ja) euch –
zu – dem Land – welches – ich erhoben habe – mit – meiner Hand –
zu geben – zu euch – zu Abraham – zu Isaak – und zu Jakob –
und ich gebe – (ja) dieses – zu eurem – (rechtmäßigen) Besitz –
ICH – JHWH.

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1. Die erste Stufe bezeichnet die Erlösung aus der drückenden Lastknechtschaft, das Ende der akuten physischen und geistigen Pein.
2. Die zweite Stufe bezeichnet die Aussetzung der Fron, die Beendigung des Herrschaftsverhältnisses, das die Ägypter zu Herren und die Juden zu Knechten machte.
3. Die dritte Stufe ist die Aufhebung des Fremdenstatus. Nicht als hilflose Fremde, vielmehr als Gottes „erstgeborener Sohn“ (Ex. 4,22) ziehen die Juden aus Ägypten.
4. Die vierte Stufe bezeichnet die Vereinigung des befreiten Volkes mit Gott am Berg Sinai
(nach S.R. Hirsch zu Ex. 6,6-7).
+ 5. Der Becher für den wiederkommenden Elija, der den Messias ankündigt, der uns zu Erben seines Reiches macht.

Jesus nimmt (wahrscheinlich) diesen 5. Becher
und lässt alle daraus trinken,
denn mit IHM – mit seiner Hingabe am Kreuz – werden wir zu Erben seines Reiches.

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* Erklärung des Afiko-man:

Afikoman – dies ist der Teil der mittleren Mazza, die zum Abschluss der Mahlzeit verzehrt wird und das letzte Essen der Israeliten in Ägypten vor ihrem Auszug symbolisiert. (vgl. Ex 12,34)

Griechisch „Afikomänos“ heißt „der Kommende“. Es soll auf den Messias hinweisen, der nach jüdischer Tradition zum Seder-Mahl kommen wird, um Sein Volk zu erlösen, so wie Israel aus Ägypten befreit wurde.

Für Christen wird hier deutlich, dass Jesus dieser erwartete Messias ist, der mit dem ‚Afikoman‘ symbolisch gleichzusetzen ist:
Der Leib Jesu wurde zerbrochen, ins Grab gelegt und ist auferstanden. Das Afikoman wurde zu Beginn der Erlösungs-Feier (Seder) zerbrochen und versteckt. Zum Beginn der zweiten Hälfte der Feier, nach der Mahlzeit, wird das Afikoman gesucht und gefunden. Ebenso lässt sich Jesus von allen Menschen suchen und finden. Und wer IHN findet, bekommt auch ein Geschenk, nämlich die Erlösung vom ewigen Tod.

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Links:
zu jüdischen Festen: –> „7 + 1 Feste des HERRN
a) „Frühjahrsfeste“
Pessach (Auszug aus Ägypten) – 14. Nisan
Mazzot (Woche der ungesäuerten Brote) – 15.-21. Nisan
Habikkurim (Tag der Erstlingsfrüchte) – Tag nach dem Sabbat nach dem 15. Nisan
Schawuot (Pfingsten – Gabe der Tora) = 6. Sivan
b) „Herbstfeste“
Rosch ha-Schana (Neujahrsfest) – 1. Tischri
Jom Kippur (Versöhnungsfest) – 10. Tischri
Sukkot (Laubhüttenfest) – 15-21. Tischri
– Schimri azaret (das Fest der Torafreude) – 22. Tischri

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

Stand: 16. Sept. 2021