Schlagwort-Archive: Gleichnis

Reich-Gottes-Gleichnisse (11.B)

11. Sonntag im Jahreskreis B –
Reich-Gottes-Gleichnisse

Sonntag, 17. Juni 2018

Liturgische Texte zum 11. Sonntag im Jahreskreis (B)

Eröffnungsvers: (Ps 27,7.9)
Vernimm, o HERR, mein lautes Rufen, sei mir gnädig und erhöre mich.
Du bist meine Hilfe:
Verstoß mich nicht, verlass mich nicht, do Gott meines Heils!

Tagesgebet:
Gott, du unsere Hoffnung und unsere Kraft,
ohne dich vermögen wir nichts.
Steh uns mit deiner Gnade bei,
damit wir denken, reden und tun, was dir gefällt.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn…

1. Lesung: Ezechiel (Ez 17,22-24)
Ich mache den niedrigen Baum hoch

Antwortpsalm: Ps  92,2-3.13-14.15-16
Wie schön ist es, dem HERRN zu danken!

2. Lesung: 2. Korintherbrief (2 Kor 5,9-10)
Wir suchen unsere Ehre darin, dem Herrn zu gefallen

Ruf vor dem Evangelium: 
Halleluja. Halleluja!
Der Samen ist das Wort Gottes,
der Sämann ist Christus.
Wer Christus findet, der bleibt in Ewigkeit.
Halleluja!

Evangelium: Markusevangelium (Mk 4,26-34)
Das kleinste von allen Samenkörnern geht auf und wird größer als alle anderen Gewächse

Pfeil-oben zum Seitenanfang

Bild zur Meditation:

von der selbst wachsenden Saat - zu Mk 4,26-29 (c) G. M. Ehlert

von der selbst wachsenden Saat – zu Mk 4,26-29 (c) G. M. Ehlert

Pfeil-oben zum Seitenanfang


Evangelientext Mk 4,26-34 – Übersetzung G. M. Ehlert

+ Gedanken zum Evangelium:

Wir schauen oft auf das Große, auf das, was Schlagzeilen macht…
Gott schaut vor allem auf das Kleine, und auf die große Kraft, die im Kleinen steckt. –

Das Gleichnis Jesu von der automatisch wachsenden Saat (Mk 4,26-29)
und das Gleichnis vom winzigen Senfkorn, das eine große Staude werden kann (Mk 4,30-32), veranschaulichen dies.

Im 4. Kapitel des Markusevangeliums werden Gleichnisse Jesu vom Reich Gottes überliefert.
Zunächst berichtet das Evangelium, dass Jesus die Menschenmenge von einem Boot auf dem See Galiläa aus das Volk lehrt. (V1-2).

Das Königreich der Liebe Gottes beginnt im eigenen Herzen.
Voraussetzung dafür ist, dass der Same des göttlichen Wortes im eigenen Herzen sich verwurzeln, wachsen und Frucht bringen kann.
Davon erzählt das Gleichnis Jesu von dem Samen, der auf viererlei Boden fällt (Verse 3-11) und von der Deutung dieses Sinnbildes (Verse 12-20).

Doch kann durch das Wort eines Gesprächs, einer Predigt, einer Begegnung das verhärtete Herz eines Menschen verwandelt werden? – so mögen vielleicht die Jünger Jesu gedacht haben, denen Jesus Gleichnisse vom Reich Gottes erzählt hat. Sollte er das Herz der Menschen nicht durch seine Macht in die Knie zwingen, damit sie sich bekehren?

Doch Jesus handelt anders – barmherzig – er hat Geduld, er kann warten, bis das Herz eines Menschen von selbst zur Bekehrung bereit ist. Er geht vorüber und streut den Samen des Wortes Gottes aus, und ganz im Verborgenen wirkt dieser Same. Wenn der erste Same nicht Wurzel fasst, sät er noch einen… er gibt erst dann auf, wenn er sichere Beweise für die Nutzlosigkeit des Säens hat. Dazu betet er – sein Gebet ist wie der Tau aufs Erdreich, so kann der Same sprießen, wenn er sich erst einmal in einer „Felsspalte“ des verhärteten Herzens verfangen hat. Und das Herz beginnt sich zu verwandeln – vielleicht langsam, jedoch kontinuierlich wird es weich, empfänglich und fängt an zu glühen…

Vielleicht kennen auch Sie solche Worte, die – einmal einem zugesprochen – eine große Wirkung entfalten: z.B. das aus innerer Überzeugung gesprochene Wort: „Du schaffst das schon.“ …

So erzählt Jesus seinen Jüngern ein weiteres Gleichnis:

4,26 Und er sagte also:
Es ist die Königsherrschaft des Gottes
wie (wenn) ein Mensch würfe den Samen auf Erdboden

27 und legte sich schlafen und würde wieder aufgeweckt
Nacht und Tag
und der Same sprösse
und würde lang gemacht,
wie – er hat es nicht gewahrt –
(von) selbst.

28 Automatisch der Erdboden fruchtet:
zuerst (den) Gras/ Halm,
danach (die) Ähre,
danach Volles in dieser Ähre.

29 Wann gleichsam aber überliefert (= abgibt) die Frucht
sogleich schickt er aus die Sichel,
da bereitsteht die Ernte.

Das weitere Gleichnis Jesu geht auf die Sorge ein, ob nicht „ein Wort“ viel zu mickrig ist, um damit Großes bewirken zu können.

4.30 Und er sagte:
Auf welche Weise/ wie (können) wir vergleichen
die Königsherrschaft des Gottes
oder in was für ein Sinnbild (Parabel) können wir sie setzen?

31 wie (ein) Kern/Korn (des) Senfs
welcher – so oft als er gesät würde auf den Erdboden –
mickriger (= kleiner) seiend (als) jeder (beliebige) der Samen
die auf den Erdboden (sind)

32 und – so oft als er gesät würde –
er stiege hinauf
und brächte hervor
größeres/ mächtigeres/ hervorragenderes
(als) jedes (beliebige) Gartengewächs
und er machte Zweige groß
so dass unter dem Schatten daselbst
die Vögel des Himmels sich niederlassen/ nisten/ vermögen.

4.33 Und in derartigen Sinnbildern /Parabeln vielen
sagte er zu ihnen das Wort,
wie sie vermochten es zu hören.

34 Getrennt/ für sich/ abseits = ohne Sinnbilder /Parabel aber sprach er nicht zu ihnen,
für sich/ eigen aber den eigenen Jüngern löste er/ erklärte er alles.

Pfeil-oben zum Seitenanfang

Kleines Senfkorn – Glaube, Hoffnung, Liebe…“

Das Senfkorn „ist das kleinste von allen Samenkörnern… und wird größer als alle anderen (Garten-)Gewächse.“

Wenn vom „Senfkorn“ die Rede ist, denken viele von uns an die gelbbraunen Körner, wie sie z.B. in einem Glas mit Gewürzgurken zu sehen sind.

Senfkörner - als Gewürz

Senfkörner – als Gewürz

Doch diese ca. 3 mm großen Senfkörner sind nicht gemeint, wenn Jesus von dem Senfkorn als dem „kleinsten von allen Samenkörnern“ spricht.

Der Same vom „Schwarzen Senf“ ist ca. 0,5 mm klein… doch was daraus wird – eine Senfstaude von 4 m – ist bis zu 8.000x so groß!

Ein Größenvergleich:

Wenn eine ca. 2 cm große Eichel es der Wachstumskraft eines Senfkorns gleich tun wollte, müsste daraus eine Eiche entstehen, die 160 m groß würde.

Der römische Gelehrte Plinius der Ältere schrieb damals, der Senf wachse derart ungestüm, dass man „das Land kaum wieder davon reinigen“ könne.

Gleichnis vom Senfkorn

Schwarzer Senf: Fruchtkapsel u. winzige Samenkörner

Schwarzer Senf: Fruchtkapsel u. winzige Samenkörner

Jesus sagte: „Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen,
mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben?

Es gleicht einem Senfkorn.
.
.

Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern,
die man in die Erde sät.

Senfstaude - ca. 4 m groß

Ist es aber gesät,

dann geht es auf

und wird größer als alle anderen Gewächse

und treibt große Zweige,

so dass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können.“

(Mk 4,30-32)

Säen wir unsere senfkornkleine Glaubenskraft, unsere senfkornkleine Liebesbereitschaft und unseren senfkornkleinen Hoffnungsfunken in den Mutterboden des Alltags hinein –

und warten wir dann geduldig ab,
was daraus wachsen kann, das anderen gut tut.

Pfeil-oben zum Seitenanfang


Links:

 

Pfeil-oben zum Seitenanfang

___________________________________

Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

 

Stand: 10.06.2018

Advertisements

Christkönigsfest


–> Mittwoch, 22. November = Hl. Cäcilia

Christus Sieger – Christus König –
Christus, HERR in Ewigkeit 

Christkönigsfest – letzter Sonntag im kirchlichen Jahreskreis A

Sonntag, 26. November 2017
(Totensonntag, Ewigkeitssonntag)

Eröffnungsvers (Offb 5,12; 1,6)
Würdig ist das Lamm, das geschlachtet ist,
Macht zu empfangen, Reichtum und Weisheit, Kraft und Ehre.
Ihm sei die Herrlichkeit und die Herrschermacht in Ewigkeit.

Erste Lesung: Ezechiel (Ez 34,11-12.15-17)
Ihr – meine Herde – ich sorge für Recht zwischen Schafen und Schafen, zwischen Widdern und Böcken

Antwortpsalm Ps 23
Der HERR ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen.

–>zu Psalm 23: JHWH – mein Wegbegleiter + Mahlbereiter + Heimatgeber ;
u. JHWH – mein Hirt  

Zweite Lesung: 1. Korintherbrief (1 Kor 15,20-26.28)
Christus wird seine Herrschaft Gott, dem Vater, übergeben, damit Gott herrscht über alles und in allem

Ruf vor dem Evangelium (Mk 11,9.10)
Halleluja. Halleluja.
Gesegnet sei, der kommt im Namen des Herrn!
Gesegnet das Reich unseres Vaters David,
das nun kommt.
Halleluja.

Evangelium: Matthäus 25,31-46
Der Menschensohn wird sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen, und er wird die Menschen voneinander scheiden

–> Rede Jesu vom Weltgericht:  Mt 25,31-46  (Studienübersetzung)

Messtexte zum Christkönigssonntag im Jahreskreis A (Schott)

zum Christkönigssonntag

zum Sonntagsevangelium vom Christkönigsfest
Matthäusevangelium 25,31-46: Rede Jesu vom Weltgericht

Wer sind die, zu denen der König sagt: “Weg von mir ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist!” (Mt 25,41b)?

Es sind die, die sich beharrlich weigern, den Bereich dessen, was unter dem Fluch Gottes steht, zu verlassen; es sind die, welche nicht bereit waren, anderen Gutes zu tun.

Mt-25.31-46aa

„Was ihr einem der Geringsten getan habt, das habt ihr MIR getan.“ – Grafik zu Mt 25,31-46 – (c) G. M. Ehlert, Nov. 2017

Worauf es ankommt, wenn Christus in seiner Herrlichkeit kommt…

Hungrige speisen – wie der Junge, der seine 5 Gerstenbrote und seine 2 Fische zur Verfügung stellt, sodass Jesus die 5000 Menschen speisen konnte (siehe Joh 6,1-14);
Durstige tränken – wie die samaritanische Frau am Jakobsbrunnen, als Jesus sie in der Mittagshitze um einen Schluck Wasser bittet (siehe Joh 4,5-42)
Fremde/ Pilger beherbergen – wie diejenigen, welche Kinder (vgl. Mt 18,5) oder die Jünger (vgl. Mt 10,40-42) gastlich aufnehmen;
Nackte bekleiden – wie der Soldat Martin, der seinen Mantel mit einem Bettler teilte bevor er im Traum erfuhr, dass Christus selbst der Empfänger war;
Kranke pflegen – wie der barmherzige Samaritaner, der den Zerschlagenen sah und ihm half (siehe Lk 10,25-37)
Gefangene besuchen – wie z.B. der Sklave Onesimus den Apostel Paulus im Gefängnis besuchte (vgl. Philemonbrief 1,8-20)
Tote begraben – wie die Ratsherren Joseph von Arimatäa u. Nikodemus zusammen mit den Frauen für ein würdiges Begräbnis Jesu sorgten (siehe Joh 19,38-42)

 

(Lesejahr A) zu Mt 26,31-46: Jesu Rede vom Weltgericht

(Lesejahr B) – Evangelium: Joh 18,33-37
siehe auch zum Christkönigssonntag 2009

(Lesejahr C) zu Kol 1,12-20 u. Lk 23,35-43

Passwort und PIN zum Himmelreich:

Für viele Bereiche brauchen wir ein Passwort und eine PIN (= Persönliche Identifikations-Nummer) –

Das Passwort, das uns den Zugang zum Himmelreich eröffnet, lautet: BARMHERZIG-SEIN

und die dazugehörige PIN (= Personen in Not) werden im  Gleichnis Jesu vom Weltgericht (Mt 25,31-46) aufgeführt:

Hungernden zu essen und Durstigen zu trinken geben;
Fremde und Heimatlose aufnehmen;
Arme mit Kleidern versorgen;
Kranke besuchen und mit Gefangenen Kontakt pflegen
(und darüber hinaus Tote würdig begraben). –

Einfacher geht’s nicht.

 

Links:

Pfeil-obenzum Seitenanfang

___________________________________

Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

Eingeladen zum Fest (28. A)

28. Sonntag im Jahreskreis A

Sonntag, 15. Oktober 2017

Eröffnungsvers (Ps 130,3-4)
Würdest du, HERR, unsere Sünden beachten,
HERR, wer könnte bestehen!
Doch bei dir ist Vergebung, Gott Israels.

Erste Lesung: Jes 25,6-10a
Der HERR wird für alle Völker ein Festmahl geben; er wird die Tränen abwischen von jedem Gesicht

Antwortpsalm Ps 23,1-6

–> siehe zu Psalm 23: JHWH – mein Wegbegleiter + Mahlbereiter + Heimatgeber ;
u. Psalm 23: JHWH – mein Hirt „

Zweite Lesung: Phil 4,12-14.19-20
Alles vermag ich durch IHN, der mir Kraft gibt

Ruf vor dem Evangelium (vgl. Eph 1,17-18)
Halleluja. Halleluja.
Der Vater unseres Herrn Jesus Christus
erleuchte die Augen unseres Herzens,
damit wir verstehen, zu welcher Hoffnung wir berufen sind.
Halleluja.

Evangelium: Matthäus 22,1-14
Ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein!

Hochzeitsgewand

–> siehe auch Studienübersetzung zu Mt 22,1-14 von G. M. Ehlert u. Gedanken zum hochzeitlichen Gewand: Eingeladen zum Fest des Glaubens

Link: Messtexte zum 28. Sonntag im Jahreskreis A

15. Oktober = Gedenktag der Heiligen Teresa von Avila
(Ordensfrau u. Kirchenlehrerin):

Von ihr stammt das dreimal dreizeilige Gedicht: Nada te turbe
mit dem Schlussvers: „Solo Dios basta!“ – Gott allein genügt!
Doch „Gott allein“ genügt nicht! – jedoch: „Gott nur ist genug!“ –
alles Irdische erfüllt uns nicht ganz – nur bei Gott ist die Fülle des Lebens.
Eine Übertragung dieses Liedes von E. Lorenz –
singbar auf die Melodie aus Taize: Nada te turbe:
 .

Nichts soll dich verwirren,
nichts soll dich beirren,
alles vergeht. (Gott nur besteht).

Gott wird sich stets gleichen.
Geduld kann erreichen
was nicht verweht. (Gott nur besteht).

Wer Gott kann erwählen,
nichts wird solchem fehlen:
Gott nur besteht. (Gott nur besteht).

 

.
Teresa-de-jesus-a

Teresa von Avila – Wohnungen des Inneren Schlosses – (c) G. M. Ehlert, Okt. 2017

siehe auch: Teresa-von-Avila_Innere-Burg

 

___________________________________

Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

gerechter Lohn (25. A)

Drei Weinberggleichnisse Jesu:
25. Sonntag im Jahreskreis A = 24. September 2017 (Mt 20,1-16)
Gerechter Lohn für die Arbeit im Weinberg des Herrn

26. Sonntag im Jahreskreis A = 1. Oktober 2017 (Mt 21,28-32)
27. Sonntag im Jahreskreis A = 8. Oktober 2017 (Mt 21,33-44)

  • Was ist der rechte Lohn für die Arbeit im Weinberg des Herrn?
    Für die Arbeit am Reich Gottes gilt: Jeder bekommt einen Denar d.h. soviel, dass er und seine Familie jeden Tag genug hat für das tägliche Brot.
    Mt 20,1-16
    = 25. Sonntag im Jahreskreis A:
    –> arbeiter-im-weinberg-des-herrn-mt-201-16/ und tageslohn/

Wer von den beiden hat den Willen des himmlischen Vaters erfüllt?Wer von den beiden hat den Willen des himmlischen Vaters erfüllt?

weinberg-arbeiter

Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart?“ (Mt 20,13) – (c) G. M. Ehlert

  • Wer erfüllt den Auftrag der Arbeit im Weinberg?
    Für die Arbeit am Reich Gottes gilt: Nicht fromme Absichtserklärung, sondern tatkräftiger Einsatz erfüllt den Willen des himmlischen Vaters.
    Mt 21,28-32
    = 26. Sonntag im Jahreskreis A:
    –> gottes-willen-tun/
    Wer von den beiden hat den Willen des himmlischen Vaters erfüllt?
mt 21,28-32

„Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters getan?“ (Mt 21,31) – Grafik: „Ja-Sager u. Ja-Wirker“ (c) G.M. Ehlert, 24. Sept. 2008

  • Wer ist tauglich für die Arbeit „im Weinberg des Herrn“?
    Nur wer bereit ist, Gott den erwarteten Anteil der Früchte zu bringen, dem kann die Sorge um die Menschen im Reich Gottes anvertraut werden.
    Mt 21,33-44
    = 27. Sonntag im Jahreskreis A:
    –> Mt 21,33-46
böse-Winzer2

„Böse Winzer“ – Bild zu Mt 21,33-44; (c) G. M. Ehlert

Pfeil-obenzum Seitenanfang

25. Sonntag im Jahreskreis A

Sonntag, 24. September 2017

Eröffnungsvers ()
Das Heil des Volkes bin ich – so spricht der HERR:
In jeder Not aus der sie zu mir rufen, will ich sie erhören.
Ich will ihr Herr sein für alle Zeit.

Erste Lesung: Jes 55,6-9
Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken… Spruch des HERRN

Antwortpsalm Ps 145,2-3.8-9.17-18

–> siehe auch: Ps 145: „ABC des Lobpreises der Größe und Güte Gottes

Zweite Lesung: Phil 1,20ad-24.27a
Für mich ist Christus das Leben

Ruf vor dem Evangelium (vgl. Apg 16,14b)
Halleluja. Halleluja.
HERR, öffne uns das Herz,
dass wir auf die Worte deines Sohnes hören.
Halleluja.

Evangelium: Matthäus 20,1-16
…oder bist du neidisch, weil ich zu anderen gütig bin?

Link: Messtexte zum 25. Sonntag im Jahreskreis A 


25. Sonntag im Jahreskreis A
Evangelium: Mt 20,1-16: (Studienübersetzung G. M. Ehlert)

Gerechter Lohn für die Arbeit im Weinberg des Herrn

 Petrus sagt:

„Jesus, Du weißt, wir haben alles verlassen

und sind dir nachgefolgt.

Was werden wir dafür bekommen?“

… und Jesus erzählte dieses Gleichnis:

„Hast du nicht einen Denar = den Tageslohn für eine ganze Familie – mit mir vereinbart?“ – Grafik (c) G.M. Ehlert, 16.09.2008

1 „Denn gleich ist das Königtum der Himmel…
(einem) welcher herauskam gleich in der Frühe,
zu mieten Arbeiter in seinen Weinberg.

2 Übereinkommend aber mit den Arbeitern auf einen Denar den Tag,
schickte er sie in seinen Weinberg.

3 Und herauskommend um die dritte Stunde, sah er andere untätig stehend auf dem Markt,

4 und zu jenen sprach er: ‚Geht auch ihr in den Weinberg, und was immer gerecht ist, werde ich euch geben!‘

5 Die aber gingen hin.

Wieder [aber] herauskommend um die sechste und neunte Stunde, tat er ebenso.

6 Um die elfte aber herauskommend, fand er andere stehend, und er sagt ihnen:

‚Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig?‘

7 Sie sagen ihm: ‚Weil keiner uns mietete.‘

Er sagt ihnen: ‚Geht auch ihr in den Weinberg.‘

8 Als es aber Abend geworden war, sagt der Herr des Weinbergs seinem Verwalter:

‚Ruf die Arbeiter und erstatte ihnen den Lohn,
beginnend bei den Letzten bis zu den Ersten!‘

9 Und kommend die um die elfte Stunde, empfingen sie je einen Denar.

1 Denar = der Lohn eines Tagelöhners
mit dem „das tägliche Brot“ für seine Familie
für einen Tag bezahlt werden kann.

10 Und kommend meinten die Ersten, dass mehr sie empfingen;

und es empfingen [den] je einen Denar auch sie.

11 Empfangend aber murrten sie gegen den Hausherrn,

12 sagend: ‚Diese Letzten – eine Stunde machten sie, und gleich machtest du sie uns, die wir trugen die Last des Tages und die Hitze.‘

13 Der aber, antwortend, sprach zu einem von ihnen:
Freund, nicht tue ich Unrecht dir; kamst du nicht auf einen Denar überein mit mir?

14 Nimm den deinen und geh! Ich will aber diesem Letzten geben wie auch dir.

15 [Oder] ist mir nicht erlaubt, was ich will, zu tun mit dem Meinen?

Oder ist dein Auge böse, weil ich gut bin?‘

16 So werden sein die Letzten Erste und die Ersten Letzte.“

(Mt 20,1-16)

„…oder ist dein Auge böse,
weil ich gut bin?“

1. Das ist doch ungerecht…

welcher Lohn wäre denn gerecht?

gleicher Lohn für gleiche Arbeit

  • also: wer 1 Stunde arbeitet, bekommt nur 1/12 dessen, der 12 Stunden arbeitet?
  • oder: wer in 1 Stunde so viel arbeitet, wie andere in 12 Stunden – sollen beide das Gleiche bekommen?- soll der mehr Lohn bekommen, der sich mehr bemüht hat?- soll mitberücksichtigt werden, ob einer Frau und Kinder von dem Lohn seiner Arbeit mitversorgen muss?
  • oder: welcher Lohn ist sozial gerecht?
  • oder: welcher Lohn wird dem Menschen gerecht?

2. Das bessere Los – Arbeiter der 1. oder der 12. Stunde?

Was würden Sie mit Blick auf das heutige Evangelium wählen: lieber Arbeiter der 1. Stunde oder Arbeiter der 12. Stunde zu sein.

Vorrang für schnell verdientes Geld? – oder:
Vorrang für Arbeit?

Arbeiter der 1. Stunde – zwar mühevolles Arbeiten – aber die Gewissheit, am Abend seine Familie ernähren zu können: „Mein Leben für diesen Tag ist gesichert“

Arbeiter der 12. Stunde – zwar wenig mühevolle Arbeit – aber 11 Stunden lang die bedrängende Sorge, ob es für die Familie an diesem Tag „das tägliche Brot“ geben wird.

Der Blick des Neides verzerrt die Wirklichkeit und hat keinen Blick mehr für die Barmherzigkeit des Gutsherrn, die über die Gerechtigkeit hinausgeht angesichts der Nöte der betroffenen Menschen:

3. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt

Ein Blick auf den Arbeitsmarkt damals:

Es gab: Selbständige; fest Angestellte oder Tagelöhner
Die meisten waren Tagelöhner.

Das bedeutet aber: Ein Taglöhner wurde jeden Tag, wenn er sich morgens angestellt hatte auf dem Marktplatz (dem damaligen „Arbeitsamt“), für einen Tag zur Arbeit angeworben.

Das bedeutet eine total ungesicherte Existenz. So ein Mann, so ein Familienvater weiß ja nicht, ob er morgen jemanden findet, der ihn anwirbt, der ihm Brot gibt. Eine total ungesicherte Existenz, diese Situation des Arbeitslosen und des Tagelöhners.
In diese Situation passt die Vater-unser-Bitte: „Unser tägliches Brot gib uns heute“ genau hinein.

4. Ein ungewöhnlicher Arbeitgeber

Wenn hier in dem Gleichnis Jesu der Gutsbesitzer allen einen Denar gibt, dann bedeutet das: Jeder, der in seinem Weinberg gearbeitet hat, hat so viel bekommen, dass er für einen Tag seine Familie ernähren kann, nicht mehr und nicht weniger.

Letztlich steht hinter dieser Haltung des Gutsbesitzers die Erfüllung der Vater-unser-bitte: Gib uns heute das, was wir für diesen Tag nötig haben.
Genau das tut der Gutsbesitzer hier.

So handelt Gott

Dieser Gutsbesitzer ist zu jedem Einzelnen so gut, dass er dafür sorgt, dass die Familie am nächsten Tag etwas zu essen hat.

So handelt Gott:

  • gerecht: Er steht zu seinem Bund
  • und barmherzig: Er gibt auch denen, das zum Leben Notwendige, die keine entsprechende Leistung erbringen können

5. Wir = die Verwalter des göttlichen Vermögens

Am Ende dieses Gleichnisses ist es eigenartig. Der Gutsbesitzer ist zwar selber hingegangen zum Marktplatz und hat die Leute angeworben, aber er zahlt ihnen nicht selber den Lohn aus, das überlässt er seinem Verwalter.
Mit diesem Gutsbesitzer ist ja Gott gemeint.

Könnte es sein, dass wir die Verwalter sind, denen Gott anvertraut, den Lohn auszuzahlen an die Menschen heute?
Dann ist die Frage, zahlen wir den Lohn, indem wir berechnend sind,
oder zahlen wir den Lohn aus entsprechend dem gütigen Herzen Gottes? – aus dem Geist der Caritas?

Es ist zwar zu verstehen, dass sich Ärger über so viel großzügige Güte verbreitet, aber die Frage „Bist du etwa neidisch, weil ich zu anderen gütig bin?” entwaffnet die Verärgerten.

Sich mitfreuen können oder sich von großzügiger Güte anstecken lassen, sind Alternativen zum Murren und zum Ärger.

Alternative Wege gehen Frauen und Männer, die in Einsätzen, Gebeten und Spenden Herz zeigen und Hände öffnen.

Pfeil-oben zum Seitenanfang

___________________________________

Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

.

.

Gleichnisrede Jesu

 Die zweite große Rede Jesu im Matthäusevangelium:
Die Gleichnisrede Jesu (Mt 13,1-53) wird in drei Abschnitten in den Eucharistiefeiern am 15., 16. und 17. Sonntag im Jahreskreis A als Evangelium verkündet.

15. Sonntag im Jahreskreis A

Sonntag, 16. Juli 2017

I. Zeit der Aussaat: (Mt 13,1-23)
1. Gleichnis von der unterschiedlichen Beschaffenheit des Bodens
Einschub über den Sinn der Rede in Gleichnissen
Deutung des Gleichnisses

Linktipp: Schott – 15. Sonntag im Jahreskreis A

siehe auch: „Zeit der Aussaat
und: „Sämannmeditation

Same-Herz-a

von der selbst wachsenden Saat – zu Mk 4,26-29 (c) G. M. Ehlert

16. Sonntag im Jahreskreis A

Sonntag, 23. Juli 2017

II. Zeit des Wachstums: (Mt 13,24-43)
2. Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen
3. Gleichnis vom Senfkorn
4. Gleichnis vom Sauerteig
Einschub: Verkündigung in Gleichnissen als Erfüllung der Hl. Schrift
Deutung des Gleichnisses vom Unkraut unter dem Weizen

Linktipp: Schott – 16. Sonntag im Jahreskreis A

siehe auch: „Kleines Senfkorn
und: „Reich-Gottes-Gleichnisse

17. Sonntag im Jahreskreis A

Sonntag, 30. Juli 2017

III. Zeit der Ernte: (Mt 13,25-52)
5. Gleichnis vom Finden eines Schatzes im Acker
6. Gleichnis vom Finden einer Perle
7. Gleichnis vom Gefunden werden im Fischernetz
Abschluss der Rede Jesu in Gleichnissen

Linktipp: Schott – 17. Sonntag im Jahreskreis A

 

Pfeil-obenzum Seitenanfang

___________________________________

Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

Zweierlei Gebet (30. C)

30. Sonntag im Jahreskreis C

(= 23. Oktober 2016)

Eröffnungsvers (vgl. Ps 105,3-4)
„Freuen sollen sich alle, die den HERRN suchen.
Sucht den HERRN und seine Macht,
sucht sein Antlitz allezeit.“

1. Lesung: Sir 35,15b-17.20-22a
„Das Flehen der Armen dringt durch die Wolken“

Antwortpsalm: Ps 34,2-3.17-18.19.23

2. Lesung: 2 Tim 4,6-8.16-18 
„Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit“

Ruf vor dem Evangelium (vgl. 2 Kor 5,19)
Halleluja. Halleluja.
Gott hat in Christus die Welt mit sich versöhnt
und uns das Wort der Versöhnung anvertraut.
Halleluja.

Evangelium: Lk 18,9-14 Gleichnis Jesu vom Gebet des Pharisäers und des Zöllners
„Der Zöllner kehrte als Gerechtfertigter nach Hause zurück vor dem Pharisäer“

Liturgische Texte – siehe auch Schott 30. Sonntag i.J. C

siehe auch: Pharisäer u. Zöllner (Lk 18,9-14)

 

Geh, und handle genauso…

1. Gott sei Dank, ich bin nicht so…

Eugen Roth, Verfasser hintergründig-humorvoller Gedichte über Menschlich-Allzumenschliches, hat zum Gleichnis des heutigen Sonntags die folgenden Verse geschrieben:

„Ein Mensch betrachtete einst näher
die Fabel von dem Pharisäer,
der Gott gedankt voll Heuchelei,
dass er nicht wie der Zöllner sei. –
Gottlob, sprach er mit heitrem Sinn,
dass ich kein Pharisäer bin.“

Am Anfang steht oft der Vergleich mit einem anderen Menschen:
„Meins ist besser, größer, schöner… als deins.“

Die eigene Person wird durch vermeintliche oder wirkliche Vorzüge aufgewertet und der andere wird dabei abgewertet.

Das erzeugt Aggressionen
und die entladen sich im Versuch, den anderen niederzumachen, einander zu bekriegen.

So war es schon bei Kain und seinem Bruder Abel.
Der eine – Kain – fühlte sich benachteiligt, weil sein Opfer nicht angenommen wurde, und aus Eifersucht erschlug er seinen Bruder Abel, dessen Opfer angenommen worden war.

2. Das Gleichnis Jesu vom Pharisäer und vom Zöllner

Das Evangelium des vergangenen Sonntags (Lk 18,1-8) sprach von der Ausdauer im Gebet, das heutige (Lk 18,9-14) zeigt, in welcher Gesinnung der Christ beten soll.

„Gott sei Dank, dass ich nicht so bin wie dieser angeberische Pharisäer.
Ich stelle meine Frömmigkeit nicht so zur Schau.
Ich halte mich lieber vornehm zurück.
Gott, meine Demut, das ist mein größter Stolz!“

Wenn wir so denken, wenn wir uns mit anderen vergleichen, um selber besser dazustehen, dann handeln wir aus der gleichen Gebetshaltung, die diesen Pharisäer erfüllt. Selbstgefälligkeit, Stolz und Selbstgerechtigkeit.

3. Die Selbstgerechtigkeit des Pharisäers

Der Pharisäer im Evangelium: Sein Eifer ist vorbildlich:
– er fastet weit über das geforderte Maß hinaus, d.h. zur Sühne für die Verfehlungen all jener Juden, die das Gesetz Gottes nicht halten.
– er zahlt als „Kirchensteuer“ freiwillig mehr als erforderlich.

Die Haltung des Pharisäers in der Erzählung Jesu wird erst da bedenklich, wo er anfängt, sich mit anderen Menschen zu vergleichen.
In dem Augenblick hört sein Gespräch mit Gott auf, und er kreist nur noch um sich selbst. –
Seine Gerechtigkeit wird zur Selbstgerechtigkeit.

4. Die demütige Haltung des Zöllners

Der Zöllner hingegen (ein ausbeuterischer Betrüger, der mit den verhassten Römern paktierte) hat gar nichts vorzuweisen, das einen Vergleich mit anderen aushalten würde.

Er kommt – anders als der Pharisäer – von sich selbst los
und findet das Gespräch mit Gott.
Ihm bleibt gar nichts anderes übrig, als Gott um sein Erbarmen anzurufen.

5. Wir in der Rolle des Pharisäers und des Zöllners

Wenn wir z.B. Gott dafür danken, dass unsere Ehe in Ordnung ist, dass unsere Kinder noch gläubig sind und sich um einen christlichen Lebensstil bemühen, ist das ganz in Ordnung.

Sobald wir aber anfangen, uns mit anderen zu vergleichen, deren Ehe zerbrochen ist, deren Kinder aus der Kirche ausgewandert sind, kommen wir auf eine gefährliche Bahn.

6. Das Urteil Jesu:

Dieser – der reumütige Zöllner – stieg als ein Gerechtfertigter in sein Haus hinab mehr als jener.

Die Selbstgerechtigkeit, der Stolz und die Verachtung der Mitmenschen wiegen mehr als die vorbildlichen Werke der Frömmigkeit des Pharisäers und machen all seine Verdienste zunichte.

Gott ist und handelt anders, als wir es erwarten;
er belohnt nicht automatisch das Gute und bestraft das Böse.
Er liebt grenzenlos und ohne Berechnung.
Er ist grenzenlos zur Versöhnung bereit, wenn der schuldig gewordene Mensch sich ihm öffnet – wie der reumütige Zöllner des Evangeliums.

7. Christliche Mission

Eine solche Haltung der Barmherzigkeit trägt zum Frieden bei im Großen wie im Kleinen.

Die missionarische Aufgabe der Kirche ist es, die Menschen im Geist Gottes zu befähigen, Werkzeuge des Friedens zu werden – wie z.B. Mutter Teresa, die am 4. Sept. 2016 heiliggesprochen wurde.

Der einfache Weg

Die Frucht der Stille ist das Gebet.
Die Frucht des Gebetes ist der Glaube.
Die Frucht des Glaubens ist die Liebe.
Die Frucht der Liebe ist das Dienen.
Die Frucht des Dienens ist der Friede!

Text auf Mutter Teresas Visitenkarte

Christliche Mission bedeutet:
Geh, und handle genauso!

pharis-u-zollner

zu Lk 18,9-14 Zweierlei Gebet (c) G. M. Ehlert

 

Pfeil-oben zum Seitenanfang

___________________________________

Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

Reich-Gottes-Gleichnisse

Kleines Senfkorn – Glaube, Hoffnung, Liebe…“

Gedanken zum Evangelium vom 11. Sonntag im Jahreskreis B: (14. Juni 2015)
Markusevangelium 4,26-34

Wir schauen oft auf das Große, auf das, was Schlagzeilen macht…

Gott schaut vor allem auf das Kleine, und auf die große Kraft, die im Kleinen steckt. –

Das Gleichnis Jesu von der automatisch wachsenden Saat (Mk 4,26-29), und das Gleichnis vom winzigen Senfkorn, das eine große Staude werden kann (Mk 4,30-32), veranschaulichen dies.

Im 4. Kapitel des Markusevangeliums werden Gleichnisse Jesu vom Reich Gottes überliefert.
Zunächst berichtet das Evangelium, dass Jesus die Menschenmenge von einem Boot auf dem See Galiläa aus das Volk lehrt. (V1-2).

Das Königreich der Liebe Gottes beginnt im eigenen Herzen.
Voraussetzung dafür ist, dass der Same des göttlichen Wortes im eigenen Herzen sich verwurzeln, wachsen und Frucht bringen kann. Davon erzählt das Gleichnis Jesu von dem Samen, der auf viererlei Boden fällt (Verse 3-11) und von der Deutung dieses Sinnbildes (Verse 12-20).

Doch kann durch das Wort eines Gesprächs, einer Predigt, einer Begegnung das verhärtete Herz eines Menschen verwandelt werden? – so mögen vielleicht die Jünger Jesu gedacht haben, denen Jesus Gleichnisse vom Reich Gottes erzählt hat. Sollte er das Herz der Menschen nicht durch seine Macht in die Knie zwingen, damit sie sich bekehren?

Doch Jesus handelt anders – barmherzig – er hat Geduld, er kann warten, bis das Herz eines Menschen von selbst zur Bekehrung bereit ist. Er geht vorüber und streut den Samen des Wortes Gottes aus, und ganz im Verborgenen wirkt dieser Same. Wenn der erste Same nicht Wurzel fasst, sät er noch einen… er gibt erst dann auf, wenn er sichere Beweise für die Nutzlosigkeit des Säens hat. Dazu betet er – sein Gebet ist wie der Tau aufs Erdreich, so kann der Same sprießen, wenn er sich erst einmal in einer „Felsspalte“ des verhärteten Herzens verfangen hat. Und das Herz beginnt sich zu verwandeln – vielleicht langsam, jedoch kontinuierlich wird es weich, empfänglich und fängt an zu glühen…

Vielleicht kennen auch Sie solche Worte, die – einmal einem zugesprochen – eine große Wirkung entfalten: z.B. das aus innerer Überzeugung gesprochene Wort: „Du schaffst das schon.“ …

von der selbst wachsenden Saat - zu Mk 4,26-29 (c) G. M. Ehlert

von der selbst wachsenden Saat – zu Mk 4,26-29 (c) G. M. Ehlert

So erzählt Jesus seinen Jüngern ein weiteres Gleichnis:

4,26 Und er sagte also:
Es ist die Königsherrschaft des Gottes
wie (wenn) ein Mensch würfe den Samen auf Erdboden

27 und legte sich schlafen und würde wieder aufgeweckt
Nacht und Tag
und der Same sprösse
und würde lang gemacht,
wie – er hat es nicht gewahrt –
(von) selbst.

28 Automatisch der Erdboden fruchtet:
zuerst (den) Gras/ Halm,
danach (die) Ähre,
danach Volles in dieser Ähre.

29 Wann gleichsam aber überliefert (= abgibt) die Frucht
sogleich schickt er aus die Sichel,
da bereitsteht die Ernte.

Das weitere Gleichnis Jesu geht auf die Sorge ein, ob nicht „ein Wort“ viel zu mickrig ist, um damit Großes bewirken zu können.

4.30 Und er sagte:
Auf welche Weise/ wie (können) wir vergleichen
die Königsherrschaft des Gottes
oder in was für ein Sinnbild (Parabel) können wir sie setzen?

31 wie (ein) Kern/Korn (des) Senfs
welcher – so oft als er gesät würde auf den Erdboden –
mickriger (= kleiner) seiend (als) jeder (beliebige) der Samen
die auf den Erdboden (sind)

32 und – so oft als er gesät würde –
er stiege hinauf
und brächte hervor
größeres/mächtigeres/hervorragenderes
(als) jedes (beliebige) Gartengewächs
und er machte Zweige groß
so dass unter dem Schatten daselbst
die Vögel des Himmels sich niederlassen/ nisten/ vermögen.

4.33 Und in derartigen Sinnbildern (Parabeln) vielen
sagte er zu ihnen das Wort,
wie sie vermochten es zu hören.

34 Getrennt/ für sich/ abseits (= ohne) Sinnbilder (Parabel) aber sprach er nicht zu ihnen,
für sich/ eigen aber den eigenen Jüngern löste er/ erklärte er alles.

Kleines Senfkorn – Glaube, Hoffnung, Liebe…“

Das Senfkorn „ist das kleinste von allen Samenkörnern… und wird größer als alle anderen (Garten-)Gewächse.“

Wenn vom „Senfkorn“ die Rede ist, denken viele von uns an die gelbbraunen Körner, wie sie z.B. in einem Glas mit Gewürzgurken zu sehen sind.

Senfkörner - als Gewürz

Senfkörner – als Gewürz

Doch diese ca. 3 mm großen Senfkörner sind nicht gemeint, wenn Jesus von dem Senfkorn als dem „kleinsten von allen Samenkörnern“ spricht.

Der Same vom „Schwarzen Senf“ ist ca. 0,5 mm klein… doch was daraus wird – eine Senfstaude von 4 m – ist bis zu 8.000x so groß!

Ein Größenvergleich:

Wenn eine ca. 2 cm große Eichel es der Wachstumskraft eines Senfkorns gleich tun wollte, müsste daraus eine Eiche entstehen, die 160 m groß würde.

Der römische Gelehrte Plinius der Ältere schrieb damals, der Senf wachse derart ungestüm, dass man „das Land kaum wieder davon reinigen“ könne.

Gleichnis vom Senfkorn

Schwarzer Senf: Fruchtkapsel u. winzige Samenkörner

Schwarzer Senf: Fruchtkapsel u. winzige Samenkörner

Jesus sagte: „Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen,
mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben?

Es gleicht einem Senfkorn.
.
.

Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern,
die man in die Erde sät.

Senfstaude - ca. 4 m groß

Ist es aber gesät,

dann geht es auf

und wird größer als alle anderen Gewächse

und treibt große Zweige,

so dass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können.“

(Mk 4,30-32)

Säen wir unsere senfkornkleine Glaubenskraft, unsere senfkornkleine Liebesbereitschaft und unseren senfkornkleinen Hoffnungsfunken in den Mutterboden des Alltags hinein –

und warten wir dann geduldig ab,
was daraus wachsen kann, das anderen gut tut.

siehe auch: „Reich-Gottes-Gleichnisse

zum Seitenanfang

___________________________________

Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert