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Maß der Liebe (7.C)

7. Sonntag im Jahreskreis C

Sonntag, 24. Februar 2019

Liturgische Texte zum 7. Sonntag im Jahreskreis (C)

Eröffnungsvers (Ps 13,6)
HERR, ich baue auf deine Huld,
mein Herz soll über deine Hilfe frohlocken.
Singen will ich dem HERRN, weil er mir Gutes getan hat.

Tagesgebet
Barmherziger Gott,
du hast durch deinen Sohn zu uns gesprochen.
Lass uns immer wieder über dein Wort nachsinnen,
damit wir reden und tun, was dir gefällt.
Darum bitten wir durch Jesus Christus…

1. Lesung: aus dem 1. Buch Samuel (1 Sam 26,2.7-9.12-13.22-23)
„Der HERR hat dich in meine Hand gegeben;
doch ich wollte mich an dir nicht vergreifen“

Antwortpsalm: Ps 103,12.3-4.8 u. 10.12-13   
„Gnädig und barmherzig ist der HERR,
voll Langmut und reich an Güte.“

2. Lesung: aus dem 1. Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth (1 Kor 15,45-49)
„Wenn Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos“

Ruf vor dem Evangelium (vgl. Joh 13,34)
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr):
Ein neues Gebot gebe ich euch:
Wie ich euch geliebt hab, so sollt auch ihr einander lieben.
Halleluja!

Evangelium aus dem Evangelium nach Lukas (Lk 6,27-38)
Seid barmherzig, wie es euer Vater ist

* * *

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EvangelientextLk 6, 27-31;    32-36;    37-38

Euch, die ihr mir zuhört, sage ich:

I. Was wir tun sollen

Liebt eure Feinde;
tut denen Gutes, die euch hassen.
Segnet die, die euch verfluchen;
betet für die, die euch misshandeln.

Dem, der dich auf die eine Wange schlägt,
halte auch die andere hin,
und dem, der dir den Mantel wegnimmt,
lass auch das Hemd.

Gib jedem, der dich bittet;
und wenn dir jemand etwas wegnimmt,
verlang es nicht zurück.

Was ihr von anderen erwartet,
das tut ebenso auch ihnen.

II. Wem wir dies tun sollen

Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben,
welchen Dank erwartet ihr dafür?
Auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt werden.

Und wenn ihr nur denen Gutes tut, die euch Gutes tun,
welchen Dank erwartet ihr dafür?
Das tun auch die Sünder.

Und wenn ihr nur denen etwas leiht,
von denen ihr es zurückzubekommen hofft,
welchen Dank erwartet ihr dafür?
Auch die Sünder leihen Sündern in der Hoffnung,
alles zurückzubekommen.

Ihr aber sollt eure Feinde lieben
und sollt Gutes tun und leihen,
auch wo ihr nichts dafür erhoffen könnt.

Dann wird euer Lohn groß sein,
und ihr werdet Söhne des Höchsten sein;
denn auch er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.

Werdet barmherzig,
wie auch euer Vater barmherzig ist!

III. Mit welchem Maß wir es tun sollen

Richtet nicht,
dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden.

Verurteilt nicht,
dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden.

Erlasst einander die Schuld,
dann wird auch euch die Schuld erlassen werden.

Gebt,
dann wird auch euch gegeben werden.
In reichem, vollem, gehäuftem, überfließendem Maß
wird man euch beschenken;

denn

nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt,
wird auch euch zugeteilt werden.

(Lk 6,27-38)

* * *

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Bild zur Meditation:

„Das Maß der Liebe (Gottes) ist ohne Maß zu lieben“

lk-6-27-38a

allumfassende Barmherzigkeit (zu Lk 6,27-38), (c) G. M. Ehlert

* * *

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Impulse

Jesu Liebesgebot ist radikal

1. Menschliches Vergeltungsdenken: „Wie du mir, so ich dir!“
allg. menschliche Erkenntnis: Gleiches ist mit Gleichem zu vergelten: „Wie du mir, so ich dir!“ – „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“
= Die Goldene Regel:
„Was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen.“

2. Jesus geht weit über das vernünftige Maß hinaus
Er will,
1. dass wir – seine Jünger – die Spirale der Gewalt aktiv durchbrechen.
„Besiege das Böse durch das Gute!“
–> Entfeindungsliebe –
2. dass wir über den vernünftigen Tausch-Bereich der (Geschäfts-)Partner hinaus bereit werden etwas zu verschenken dort, wo keine Gegenleistung zu erwarten ist.
–> Geben, ohne Gegenleistung zu erwarten
3. dass wir die Position der Überlegenheit nicht ausnutzen, um andere zu richten, zu verurteilen; sondern so nutzen, dass wir
–> „Gnade vor Recht“ walten lassen.
„Werdet barmherzig, wie es auch euer Vater ist!“ (Lk 6,36)

Zusammenfassung: „Gebt – ohne Berechnung, nach dem Maß der Barmherzigkeit,
dann wird euch auch nach diesem Maß gegeben werden.“

Jesu Begründung: So handelt Gott

Vorbild und Begründung für ein solch radikales „ganz anderes Verhalten“ wie es Jesus verkündet und selber lebt
ist Gottes Vollkommenheit, d.h. seine bedingungs- und schrankenlose Barmherzigkeit.
„Denn auch Er – Gott – ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.
Er lässt die Sonne seiner Liebe aufgehen über Gerechte und Ungerechte.“
Gott handelt nicht nach dem Vergeltungsprinzip, sondern nach dem Vergebungsprinzip.
Von dieser Grunderfahrung her lässt sich die Aufforderung Jesu allein verstehen:
„Werdet barmherzig, wie es auch euer Vater ist!“

Jesus will das Böse von der Wurzel her überwinden –
indem er auf den guten Kern aufbaut, der in jedem Mensch vorhanden ist.

Nicht nur Feindesliebe – sondern Entfeindungsliebe
= ein faszinierendes Ideal, aber:

3. Einwände: Das geht doch nicht in unserer Welt! –
Das funktioniert doch nicht! –
Lässt sich so etwa die Spirale der Gewalt im Nahen Osten überwinden?
Oder bei uns die vielen Prozesse vor Gericht vorher lösen?
Ist Jesus mit dieser radikalen Forderung nicht doch ein welt-fremder Spinner – ein fantastischer Idealist?

Jesu Liebesgebot will uns nicht überfordern –
sondern herausfordern
• Die gegnerische Energie sich zu nutze machen!
Bsp. japanische Kampfeskunst: Aikido
Eher eine Bewegung mit als gegen den Gegner.
• mit dem Gegner schimpfen – nicht gegen ihn.
Bsp. Strategien zur Konfliktentschärfung:
„An Ihrer Stelle wäre ich sicherlich genau so ärgerlich…“

4. Dieses Evangelium wörtlich nehmen?! –
Ermutigende Beispiele sind selten, aber sie gibt es!

  • Wer dich auf die rechte Wange schlägt, dem halte auch die andere hin
    So verrückt ist doch wohl keiner? – Doch!
    Der Priester Klemens Maria Hofbauer, der Apostel Wiens, liebte vor allem die armen Menschen. Eines Tages ging er wieder mit seinem Hut durch eine Gaststätte, um für die Notleidenden Geld zu sammeln. Dabei kam er auch zu einem Mann, der alles hasste, was mit der Kirche zu tun hatte.
    Der fuhr ihn an:
    „Wie kommen Sie dazu, mich um Geld zu bitten?“
    Und er spuckte dem Priester ins Gesicht.Dieser zog ruhig sein Taschentuch heraus, machte sich das Gesicht wieder sauber
    und sagte dann ganz bescheiden: „Das war für mich.
    Nun geben Sie mir bitte noch etwas für meine Armen.“
    Und er hielt ihm erneut den Hut hin. –
    Es wird berichtet, dass dieser Mann so beeindruckt war,
    dass er ihm den ganzen Inhalt der Geldbörse in den Hut schüttete.
    .
  • Wer dir den Rock wegnimmt, dem lass auch das Hemd.
    Es wird von einem erzählt, der wurde von Räubern überfallen und ausgeplündert. Als sie ihm alles Wertvolle genommen hatten, fragten sie ihn: War das alles? –
    Er sagte: „Ja!“ –
    Kaum waren die Räuber mit ihrer Beute verschwunden, da fiel ihm ein, dass noch ein paar Geldtaler in seinem Rock eingenäht waren. Er lief den Räubern nach und bekannte seinen Irrtum und bot sie ihnen an.
    Die Angesprochenen waren so verdutzt, dass sie ihm all ihre Beute wieder zurückgaben.

Die Aufforderung, die Feinde zu lieben, oder selbst Halunken gegenüber gut zu sein, ist eine Einladung zur Entdeckung, dass unter der Oberfläche des Lebens etwas anderes als das Prinzip der Gegenseitigkeit gültig ist.

5. Wie Gott zu mir, so ich zu anderen

Das übliche Prinzip der Gegenseitigkeit:
„Wie du mir, so ich dir!“
Das neue Prinzip der Gegenseitigkeit:
„Wie Gott zu mir, so soll ich zu anderen sein!“

Ich höre aus dem heutigen Evangelium einen Appell heraus:
Entdecke, wie Gott dich behandelt (hat)
und lerne, anderen gegenüber genau so zu handeln.

Wer entdeckt, wie Gott uns beschenkt, hat so viel,
dass er nicht mehr abwägen und berechnen muss,
bevor er selbst schenken kann.

Ob das auch im großen politischen Bereich funktioniert? –
Ich weiß es nicht, aber
sollte uns das daran hindern, im kleinen Bereich
damit anzufangen die Aufforderungen Jesu umzusetzen?

* * *

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Links:

–> zur 1. Lesung: –

–> zum Antwortpsalm: Psalm 103: „Hohelied der Barmherzigkeit Gottes“

–> 2. Lesung:

–> Evangelium: Lk 6,27-38 (Arbeitsübersetzung G. M. Ehlert)
siehe auch: „Die Feldrede Jesu im Lukasevangelium

–> Gebet: „Werkzeug des Friedens

–> zu den Liturgischen Texten siehe auch Schott: 7. Sonntag C

Gedenktage:

* * *

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

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Stand: 23. Februar 2019

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Jesus und die Sünderin im Haus des Pharisäers Simon

zum Sonntagsevangelium vom 11. Sonntag im Jahreskreis C
aus dem Lukasevangelium 7,36-50:

Jesus und die
Sünderin im Haus des Pharisäers Simon

 Jesus ging in das Haus eines Pharisäers,
der ihn zum Essen eingeladen hatte,
und legte sich zu Tisch.

Als nun eine Sünderin, die in der Stadt lebte, erfuhr,
dass er im Haus des Pharisäers bei Tisch war,
kam sie mit einem Alabastergefäß voll wohlriechendem Öl
und trat von hinten an ihn heran.
Dabei weinte sie, und ihre Tränen fielen auf seine Füße.
Sie trocknete seine Füße mit ihrem Haar,
küsste sie und salbte sie mit dem Öl.

 Als der Pharisäer, der ihn eingeladen hatte, das sah, dachte er:
Wenn er wirklich ein Prophet wäre,
müsste er wissen, was das für eine Frau ist, von der er sich berühren lässt;
er wüsste, dass sie eine Sünderin ist.

 Da wandte sich Jesus an ihn und sagte:
Simon, ich möchte dir etwas sagen.

Er erwiderte: Sprich, Meister!

(Jesus sagte:)
Ein Geldverleiher hatte zwei Schuldner;
der eine war ihm
fünfhundert Denare schuldig, der andere fünfzig.
Als sie ihre Schulden nicht bezahlen konnten, erließ er sie beiden.
Wer von ihnen wird ihn nun mehr lieben?

Simon antwortete: Ich nehme an, der, dem er mehr erlassen hat.

Jesus sagte zu ihm: recht hast du geurteilt.

Dann wandte er sich der Frau zu und sagte zu Simon:
Siehst du diese Frau?
Als ich in dein Haus kam,
hast du mir kein Wasser zum Waschen der Füße gegeben;
sie aber hat ihre Tränen über meinen Füßen vergossen
und sie mit ihrem Haar abgetrocknet.
Du hast mir (zur Begrüßung) keinen Kuss gegeben;
sie aber hat mir, seit ich hier bin, unaufhörlich die Füße geküsst.
Du hast mir nicht das Haar mit Öl gesalbt;
sie aber hat mir mit ihrem wohlriechenden Öl die Füße gesalbt.

Deshalb sage ich dir:
Ihr sind ihre vielen Sünden erlassen,
weil sie (mir) so viel Liebe gezeigt hat.
Wem aber nur wenig erlassen wird,
der zeigt auch nur wenig Liebe.

Dann sagte er zu ihr:
Deine Sünden sind dir erlassen.

Da dachten die anderen Gäste:
Wer ist das, dass er sogar Sünden erlässt?

Er aber sagte zu der Frau:
Dein Glaube hat dich gerettet.
Geh
(deines Weges) hinein in den Frieden!
 

 (Lukasevangelium 7,36-50)  

Jesus und die Sünderin im Haus des Pharisäers Simon

Jesus + Sünderin + Pharisäer Simon

Skizze „Jesus + Sünderin + Pharisäer Simonvon G. M. Ehlert, 06.06.2010
(inspiriert von „Jesus und die Sünderin“ von R.P. Litzenburger)

Vergebung befähigt zur Liebe

Im heutigen Evangelium kam es zur spontanen Begegnung einer stadtbekannten Sünderin mit Jesus im Haus des Pharisäers Simon.

Das Verhalten dieser Frau ist im damaligen gesellschaftlichen Kontext unanständig, es wirkt anstößig

ja, es wird geradezu eine „haarige“ Sache, als sie in aller Öffentlichkeit ihr Haar löst und Jesus damit die Füße abtrocknet.

Mit Recht erwartet der Pharisäer von Jesus eine Zurechtweisung dieser Frau.

Doch Jesus reagiert ganz anders. Er erkennt in diesem „anstößigen“ Verhalten der Frau ihre leidenschaftliche Liebe.

Ich möchte Sie nun einladen, mit mir diese drei Gestalten des heutigen Evangeliums zu betrachten.

Die Skizze Jesus + Sünderin + Pharisäer
kann dabei helfen, 3 verschiedene menschliche Haltungen/Einstellungen in den Blick zu nehmen:

Auf der Zeichnung sieht man drei unterschiedliche Personen:

·       die Frau, die als stadtbekannte Sünderin gilt, kniet am Boden;

·       der Pharisäer steht

·       und Jesus sitzt zwischen den Beiden.

a)     Der Pharisäer Simon

        er steht aufrecht – er hat einen festen Stand;
        er hat einen festen Standpunkt: das jüdische Gesetz;
        von diesem Standpunkt aus sieht er auf das Geschehen.

Er sieht hin und beurteilt sofort: das entspricht nicht den religiösen Vorschriften!

Von dem gefällten Urteil über einen Sachverhalt kommt er unbedacht zur Ver-urteilung der betreffenden Personen:

„Wenn Jesus wirklich ein Prophet wäre, müsste er wissen,
was das für eine Frau ist, von der er sich berühren lässt; er
wüsste, dass sie eine Sünderin ist.“

Diese Verurteilung macht ihn blind für die ganze Wirklichkeit,
er hat geradezu einen Balken vor dem Kopf –
dieser Pharisäer wirkt auf mich rechthaberisch
seine Haltung wirkt starr – dogmatisch;
er zeigt wenig Gefühl für die Situation betroffener Menschen.

–> Kenne ich das auch, dass ich innerlich andere verurteile,
weil sie etwas tun, was ich nicht gutheißen kann?

b)    Die Frau, die als stadtbekannte Sünderin gilt:

        sie kniet unten am Boden;
        sie ist jedoch voller Energie, Bewegung und Tatkraft;
        sie hat den Mut, nahe an Jesus heranzutreten, um mit ihm in Berührung zu kommen.

        Ihre Berührung seines Fußes ist zärtlich, liebevoll;
        sie hat ein intuitives Gespür für die Situation Jesu im Haus dieses Pharisäers – und für die Möglichkeiten ihrer Liebe.

Sie ist gefährdet mit ihrem Tun gibt sie sich preis den verurteilenden Blicken der Gäste und einer möglichen Abweisung durch Jesus.

sie zeigt ungeniert ihre leidenschaftliche Liebe zu Jesus.

–> Kenne ich das auch, dass ich spontan meine Gefühle
äußere und voller Leidenschaft meine Liebe zeige?

c)     Jesus

        er sitzt zwischen dem Pharisäer und der Frau, ruhig und aufmerksam
        er ist beiden Personen liebend zugewandt.
        er lässt die Berührung und Liebkosung der Frau zu, die zu seinen Füßen kniet;
        und er wendet seinen Blick dem Simon zu, um dessen Blick zu weiten: „Siehst du diese Frau?“
        er deckt die Motive der Frau auf und er beschützt sie vor der
Ablehnung durch den Pharisäer;
        er lobt die Urteilsfähigkeit des Pharisäers und tadelt sein nachlässiges Verhalten;
        er möchte ihn zur Umkehr bewegen – zur Versöhnung mit der Frau
Ob ihm das wohl gelingen wird?

 –> Kenne ich das auch, dass ich wie Jesus die zärtliche
Nähe anderer Menschen zulasse und ihm Vergebung und Verständnis entgegenbringe?

 Wo ist mein Platz auf diesem Bild?

        Habe ich einen festen Standpunkt wie der Pharisäer Simon?
        Bin ich am Boden und erhoffe mir von Jesus Vergebung wie diese Frau?
        Bin ich wie Jesus bereit, Zuwendung und Verständnis anderen entgegenzubringen?

Die Erfahrung von Vergebung befähigt zur Umkehr – zur Liebe.

G. M. Ehlert  

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

Dreifaltigkeit des einen Gottes

„Barmherzige Dreifaltigkeit“

so der Titel dieser kolorierten Zeichnung von
Georg Michael Ehlert zum Dreifaltigkeitsfest am 10. Juni 2001.

 

 

Den äußerenRahmen bildet ein gotisches Kirchenfenster. 

Im oberen Abschluss des Fensters – ein Kreis, der drei Kreissegmente
enthält – ein Symbol für die Dreifaltigkeit des einen Gottes.

Darin das Fensterbild der barmherzigen Dreifaltigkeit. 

Ein Kirchenfenster von außen betrachtet, erscheint voller rätselhafter
Linien. 

So ist es auch mit dem Geheimnis der Dreifaltigkeit. Von außen betrachtet, erscheint es merkwürdig und rätselhaft. 

„Ein Rätsel kann man lösen – ein Geheimnis jedoch gilt
es zu bewohnen.“ 

Nur vom Inneren der Kirche leuchtet ein Kirchenfenster und ist erkennbar. 

Nur von innen – mit den Augen des Glaubens – 

leuchtet auch das Geheimnis der Dreifaltigkeit auf – und ein. 

Trinitas01
Der Vater beugt sichnieder und wendet sich dem am Boden liegenden Menschen zu. Er umfasst, stützt und hält ihn.  

Die Köpfe berühren sich, als wolle der Vater dem schwachen
Menschen seinen Lebensatem einhauchen – wie am Beginn der Schöpfung,

ihm von seiner Kraft mitgeben und ihm ganz nahe sein. 

So ist Gott! Der Sohn bückt sich noch tiefer. 

In der Geste der Fußwaschung stellt er sich ganz in den Dienst
der sich verschenkenden Liebe. 

Von oben bricht der Geist herein, 

der Geist, der zwischen Vater und Sohn ist. 

Mit ihm kommt Bewegung in das Bild, Bewegung der Liebe, die auch
uns bewegen will. 

 

 

Die Erdkugel und auf ihr der Mensch bildet die Mitte des dargestellten
Geschehens. 

 

 

Der Mensch ist in die Beziehung von Vater, Sohn und Heiligem Geist
so hineingenommen, dass er sogar ganz in die Mitte gerückt wird. 

Alle drei göttlichen Personen sind auf diesen Menschen ausgerichtet, 

er ist ganz von der göttlichen Liebe umarmt und kann sich einfach
fallen lassen. 

 

 

Die Antwort des so von der barmherzig-dreieinigen Liebe umgebenen
und aufgerichteten Menschen kann dann nur heißen: 

Dankbares Annehmen und Einstimmen in diese Liebe – im Wissen darum, 

dass dies letztlich nur möglich wird, 

weil der Vater mir seinen Lebensodem einhaucht, 

weil der Sohn mir zeigt, worauf es ankommt 

und weil der Heilige Geist mein Herz erfüllt und mir die göttliche
Liebe „eingießt.“ 

 

 

Beim Betrachten des Bildes auf denen die drei göttlichen Personen
in den drei Grundfarben des Lichtes gelb, rot und blau aufleuchten, 

 

 

wird so die Herrlichkeit, die leidenschaftliche Liebe und die göttliche
Treue im Bild sichtbar. 

Es werden in mir jedoch auch Fragen wach: 

  • Kann ich mich so fallen lassen in meiner Bedürftigkeit, Ohnmacht,Angst, Unvollkommenheit…?   
  • Kann ich in Demut diese Wirklichkeit meines Lebens annehmen und mich“einfach“ ganz von Gott annehmen und lieben lassen?   
  • Oder meine ich, Haltung wahren, eine Fassade der Stärke aufrichtenzu müssen, wo ich in Wirklichkeit doch schwach bin?   
  • Möchte ich – und kann ich mich in diese Bildmitte hineinlegen unddie Liebe der „barmherzigen Dreifaltigkeit“ annehmen?  
  • Wen möchte ich auch in diese barmherzige Liebe hineinlegen? 
Da gibt es so viele Menschen, die solcher Liebe bedürfen und denen
ich durch meine Zuwendung Gottes Liebe nahe bringen kann. 

 

 

So kann die Begegnung mit Menschen für mich zum „Ort der Fußwaschung“
werden. 

Menschen (und Aufgaben) sind mir anvertraut – 

Menschen, die darauf bauen, dass ich für sie da bin, sie auf
ihrem Weg begleite und ihnen so Gottes verlässliche Liebe erfahrbar

mache. 

 

 

Vielleicht hat Gott hier noch manche Überraschung für
mich, wenn er zu neuen Begegnungen ruft. 

Zu welcher Gestalt der Ganzhingabe will er noch rufen? 

Im Bild hinter der Taube, sehe ich noch ein Feuer mit 7 Flammen –
allerdings erst bei näherem Hinsehen. 

Zuerst bleibt es der Wahrnehmung verborgen. 

Feuer erinnert an die pfingstliche Geistsendung. 

Die Jünger werden herausgerufen und befähigt, die Botschaft
Jesu lebendig zu halten und zu verkünden. 

 

 

Das Feuer verweist aber auch auf den brennenden Dornbusch, auf die
Offenbarung des Gottes, der dem Mose und auch uns 

 

 

sein unumstößliches „Ich bin der, der da ist für
euch!“ zugesagt hat. 

In der barmherzigen Dreifaltigkeit wird dies erfahrbar. 

Gott verlässt uns nicht, wie dunkel es um uns herum 

und in uns auch sein mag. 

Und so kann die Liebe, die ich anderen erweise, für sie zur
Gottesoffenbarung werden, 

wenn ich aus der Liebe, mit der ich von Gott geliebt bin, handle, 

wenn ich dem Suchenden Wegbegleiter bin, dem Schwachen Halt, dem
Einsamen Zuwendung schenke. 

 

 

Das Erfahrbarmachen der Gegenwart Gottes in unserem Leben, in unserer
Welt ist ein wesentlicher Dienst der kirchlichen Gemeinde. 

 

 

Lassen wir uns immer neu bewegen, anstecken von der Liebe der barmherzigen
Dreifaltigkeit. 

Dann werden auch in unserer Zeit Menschen erfahren, 

dass es sich lohnt zu leben, wofür es sich lohnt zu leben 

und wofür es sich lohnt, sich in Dienst nehmen zu lassen. 

 

Dreifaltiger Gott
wir neigen uns vor deinem
väterlich-mütterlichen Geheimnis
vor dem Horizont
der sich uns immer wieder entzieht
vor dem Himmel
der oft schweigt. 

Dreifaltiger Gott
Wir neigen uns vor deinem
menschlich-barmherzigen Wort
vor Jesus
der mit uns geht
vor IHM
der uns immer nahe bleibt. 

Dreifaltiger Gott.
Wir neigen uns vor deinem
dynamisch-belebenden Geist
vor dem Geheimnis
das in uns lebt
vor IHM
der uns zur Liebe drängt.

(c) G. M. Ehlert

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

Werke der Barmherzigkeit

Gebet um – 7 Gaben des Geistes –

Kraft für die 7 Werke geistiger Barmherzigkeit

 

Dreifaltiger Gott,

Hungernde speisen

erfülle mich mit dem Geist der Weisheit,

            damit ich Unwissende recht zu lehren vermag…

                        und ihnen so gute Nahrung für den Geist gebe;

Durstige tränken

erfülle mich mit dem Geist der Frömmigkeit,

            damit ich für Lebende und Tote bete…

                        und so ihren Durst nach Gnade tränke;

Nackte bekleiden

erfülle mich mit dem Geist der Einsicht,

            damit ich bereit bin Beleidigungen zu verzeihen…

                        und so die Nackten des Geistes mit Verzeihung bekleide;

Fremde beherbergen

erfülle mich mit dem Geist der Erkenntnis,

            damit ich Lästige ertrage…

                        und so sie im eigenen Herzen beherberge;

Kranke pflegen

erfülle mich mit dem Geist der Stärke,

            damit ich Trauernde tröste…

                        und so den Kranken des verletzten Herzens beistehe;

Gefangene erlösen

erfülle mich mit dem Geist des Rates,

            damit ich Zweifelnde beraten vermag…

                        und sie so aus innerer Gefangenschaft erlöse;

Tote begraben

erfülle mich mit dem Geist der Gottesfurcht,

            damit ich Irrende zurechtweise…

                        und so ihnen helfe, ihre Sünden zu begraben,

 

damit wir gemeinsam zu ewigen Leben auferstehen.

 

(G. M. Ehlert, 17. Nov. 2007)

 

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert