Therese von Lisieux – 1. Okt.

Thérèse von Lisieux –
„Der kleine Weg des Vertrauens und der Liebe“

Gedenktag: 1. Oktober

Die äußeren Stationen des Lebens von „der kleinen Therese“ sind schnell genannt:

Die Zeit zwischenTheresia-v-Lisieux-2-8

  • der Geburt von Thérèse Martin in Alençon in der Normandie, am 2. Januar 1873;
  • dem Umzug ihrer Familie nach Lisieux im November 1877 (nach dem Tod ihrer Mutter am 28. August 1877);
  • ihrem Eintritt in das Kloster am 9. April 1888 mit 15 Jahren;
  • bis zu ihrem Tod im Karmel von Lisieux, am 30. September 1897

beträgt nur 24 Jahre und 271 Tage.

Seit der Veröffentlichung ihrer „Selbstbiographischen Schriften“ im Jahr 1898 – bekannter unter dem Titel: „Geschichte einer Seele“ – fand ihre prophetische Mission bei zahllosen Christen enormen Anklang.
Pius XI., der sie 1925 heiligsprach, ernannte sie 1927 zur „Patronin der Missionen“;
Johannes Paul II. verlieh ihr 1997 den Titel der „Kirchenlehrerin“.

In dieser „Geschichte einer Seele“ beschreibt Therese verschiedene Stationen
auf ihrem „Kleinen Weg des Vertrauens und der Liebe“:

I. Erste Erinnerungen Theresia-v-Lisieux-2-5
von ihrer Geburt als 9. Kind von Louis und Zèlie Martin – vorbildlichen Eheleuten und Eltern (die 2008 selig- und 2015 heiliggesprochen wurden) – bis zum Tod ihrer Mutter als Therese erst 4 Jahre und 8 Monate alt war. Damit endete für sie der erste Lebensabschnitt, in der schon ihr Wunsch entstand: „Ich will eine Heilige werden.“

II. Leidvolle Jahre
Mit dem Umzug des Vaters mit seinen Töchtern in die Stadt Lisieux beginnen für Therese leidvolle Jahre:
– während ihrer Schulzeit ist sie oft krank, sie leidet an einem schweren Nervenleiden, die Heilung davon durch eine göttliche Gnade bezeichnet sie als das „Lächeln der seligsten Jungfrau“.
Sie empfängt 1884 ihre Erste Hl. Kommunion, die sie zutiefst erlebt – sie stellte den eucharistischen Jesus in den Mittelpunkt ihres Lebens. Theresia-v-Lisieux-2-1

In ihrem letzten Brief schreibt Therese über ein Bild, auf dem das Jesuskind in der geweihten Hostie dargestellt ist: „Ich kann einen Gott, der für mich so klein geworden ist, nicht fürchten! (…) Ich liebe ihn! Denn er ist nichts als Liebe und Barmherzigkeit!“

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.
– ihre Seele leidet noch an Traurigkeit und Überempfindlichkeit, bis sie 1886 davon geheilt und innerlich gewandelt wird – sie bezeichnet dies als „Weihnachtsgnade“.
Sie schreitet auf ihrem geistlichen Weg mit „Riesenschritten“ voran,
– jedoch wird ihr Geist von der „Krankheit der Skrupeln“ geplagt, sie empfindet sich trotz aller Anstrengungen nicht würdig genug für die Gemeinschaft mit Gott.

III. Dem Karmel entgegenTheresia-v-Lisieux-2-2
Im Alter von 14 Jahren nähert sich Theresia mit großem Glauben dem gekreuzigten Jesus und nimmt sich eines zum Tode verurteilten Mörders an. „Um jeden Preis wollte ich die Sünder dem ewigen Verderben entreißen“ schreibt sie in der Gewissheit, dass ihr inständiges Gebet ihn mit dem erlösenden Blut Christi in Kontakt gebracht hatte.
Dies war ihre erste grundlegende Erfahrung der geistlichen Mutterschaft.

Im November 1887 begibt sich Theresia zusammen mit ihrem Vater und der Schwester Céline auf eine Pilgerreise nach Rom. Bei einer Audienz bei Papst Leo XIII. bittet sie um die Erlaubnis in den Karmel von Lisieux eintreten zu dürfen. Sie will „Jesus über alles lieben.“

IV.  Eintritt in den Karmel
Am 9. April 1888 tritt sie – gerade einmal 15 Jahre alt – in das Karmelkloster von Lisieux ein, „um Seelen zu retten und besonders für die Priester zu beten„.
Sie erfährt eine „Zeit geistlicher Wüste“ – verbunden mit Demütigungen im Kloster.
Ihre Ordensprofess am Fest Mariä Geburt (8. Sept. 1890) ist für sie eine geistliche Vermählung mit Christus, in der sie ihre „Kleinheit“ in Demut bejaht als ihren Weg zu Gott. Sie schreibt:Theresia-v-Lisieux-2-3

„Ich bin kein Adler, ich besitze an Adlerhaftem nur die Augen und das Herz: trotz meiner äußersten Kleinheit wage ich es, der göttlichen Sonne, der Sonne der Liebe ins Auge zu sehn, und mein Herz verspürt in sich alle Aspirationen des Adlers.“

V. Zeit der Reifung
Sie erkennt im Laufe der kommenden Jahre ihre spezielle Berufung: Theresia-v-Lisieux-2-4

„Ja, ich habe meinen Platz in der Kirche gefunden…
im Herzen der Kirche, meiner Mutter, werde ich die Liebe sein.“

Sie spürt jedoch auch immer mehr, dass sie ihr Ideal nicht aus eigenen Kräften erreicht, und wächst in das „kindliche Vertrauen“ hinein, dass Gott, der himmlische Vater ihre leeren Hände mit seiner barmherzigen Liebe füllen wird – und sie ist bereit, diese Liebe an andere zu verschenken. – Am Dreifaltigkeitssonntag des Jahres 1895 weiht sie sich ganz an die barmherzige Liebe. –
Als stellvertretende Novizenmeisterin gibt sie ihre Erfahrungen auch an ihre Mitschwestern weiter und beginnt – auf Bitten der Priorin – ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben.

VI. Zeit der PrüfungTheresia-v-Lisieux-2-6
Mit Karfreitag 1896 beginnt mit den ersten Anzeichen einer Tuberkuloseerkrankung Theresias Zeit der Passion – eine Zeit der Prüfung: – ihr körperliches Leid zu tragen in der Verbundenheit mit Christus; vor allem aber ein Leiden der Seele in Form einer äußerst schmerzlichen Glaubensprüfung.
Therese ist sich bewusst, dass sie diese große Prüfung für das Heil aller glaubenslosen Menschen der modernen Welt lebt.
In diesem Kontext des Leidens lebte sie die größte Liebe in den kleinsten Dingen des alltäglichen Lebens und brachte damit ihre Berufung, die Liebe im Herzen der Kirche zu sein, zur Vollendung

VII. Vorbereitung auf den TodTheresia-v-Lisieux-2-9
Am 8. Juli 1897 wird Therese in das Krankenzimmer gebracht und ihre letzte Lebensphase beginnt.
Sie beendet ihre Aufzeichnungen über ihren „kleinen Weg des Vertrauens und der Liebe“.
Sie stirbt am Abend des 30. September 1897 mit den Worten: „Mein Gott, ich liebe Dich!“ – Ihr Blick ist auf das Kreuz gerichtet, das sie in Händen hält.

VIII. Wirken über den Tod hinausTheresia-v-Lisieux-2-7
Zahlreiche Gebetserhörungen zeigen, dass Therese ihre Worte wahr macht:

„Nach meinem Tod
werde ich Rosen vom Himmel regnen lassen“

„…ich möchte meinen Himmel damit verbringen, auf Erden Gutes zu tun“

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Therese von Lisieux zeigt in der Einhaltung ihres „kleinen Weges“ das Evangelium Jesu Christi in größter Reinheit, das vor allem auf der Aussage Jesu basiert: „Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen.“ (Mt 18,3). Somit trägt die „kleine Therese“ mit ihrem Lebensweg des Vertrauens und der Liebe  in unvergleichlicher Weise zur Spiritualität des 21. Jahrhunderts bei.

„Dieser Weg ist die Hingabe des kleinen Kindes,
das ohne Angst in den Armen seines Vaters einschläft.“
(Theresia von Lisieux)

Das Lied vom heutigen Tag

So schnell die Zeit vergeht, so schnell vergeht das Leben,
und näher kommt der Tod mit jedem Stundenschlag.
Zu lieben dich, mein Gott, hast du mir nur gegeben den heutigen Tag!

Ich liebe dich, o Herr. Nach dir geht mein Verlangen.
Mit deiner Liebe stets mein‘ arme Seele trag;
beschütze gnädig sie, dann werde ich nicht bangen am heutigen Tag!

Muss ich im Dunkeln gehn auf unbekannten Wegen,
sollt‘ ich da fürchten mich vor dem, was kommen mag?
Bewahre rein mein Herz und schenk‘ mir deinen Segen am heutigen Tag!

Wenn ich an morgen denk‘, dann fürcht‘ ich mein Versagen,
und schon erahnt mein Herz Verdruss und Schicksalsschlag.
Doch will ich, Herr, für dich gern Leid und Prüfung tragen am heutigen Tag!

In deinem Antlitz, Herr, halt‘ gütig mich geborgen,
dass ich den Lärm nicht hör‘ von ängstlichem Geklag.
Gib deine Liebe mir, dann leb‘ ich ohne Sorgen am heutigen Tag!

Aus meinem Herzen wird dich keine Angst vertreiben,
und nie wird schrecken mich, was finstere Macht vermag.
Ach, lass mich nur, o Herr, in deinem Herzen bleiben am heutigen Tag!

Den Herrn im Licht zu schau’n am Ostermorgen,
ist, was auf sein Wort hin ich fest zu hoffen wag‘,
wenn auch sein Angesicht mir bleibet noch verborgen am heutigen Tag!

Bald flieg‘ ich, Herr, hinauf, um dir mein Lob zu singen,
wo Tod nicht ist noch Pein noch Leiden oder Plag,
dort soll mein Lied für dich aus Engelsharfen klingen am ewigen Tag!

Gebet der heiligen Theresia von Lisieux
am 1. Juni 1894

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

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Stand: 1. Okt. 2018

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