Sukkot – Laubhüttenfest

SUKKOT – Das Laubhüttenfest

Fünf Tage nach Jom Kippur (= dem großen Tag der Versöhnung) zu Beginn des jüdischen Kalenderjahres ist Sukkot, das jüdische Laubhüttenfest
Es wird sieben Tage lang als fröhliches Fest gefeiert vom 15. – 21. Tishri (= dem 7. Monat des jüdischen Kalenders – im Oktober).

Hinzu kommt ein achter Tag = Simchat Tora – das Fest der Torafreude, der das Fest abschließt und als eigenes Fest angesehen wird.

Sukkot ist ein biblisches Erntedankfest – zur Ernte der Baumfrüchte;
zugleich gehörte es mit Pessach (= Vorübergang, vgl. dem christlichen Ostern) und Schawuoth (= Wochenfest, vgl. dem christlichen Pfingsten) zu den drei großen Wallfahrtsfesten, wo bis zur Zerstörung des Tempels im Jahre 70 n.Chr. große Wallfahrten nach Jerusalem stattfanden.

Im Buch Levitikus, in dem Teil der das Zusammenleben mit Gott und untereinander regelt, werden auch die heiligen Festzeiten aufgeführt.

Zu diesem Fest lesen wir die Anweisungen in Lev 23,35-44.

Der HERR sprach zu Mose: Sag zu den Israeliten:

Am fünfzehnten Tag des siebten Monats, wenn ihr den Ertrag des Landes erntet,
feiert sieben Tage lang das Fest des HERRN!
Am ersten und am achten Tag ist Ruhetag.
Am ersten Tag nehmt
– schöne Baumfrüchte,
– Palmwedel,
– Zweige von dicht belaubten Bäumen –
– und von Bachweiden
und seid sieben Tage lang vor dem HERRN, eurem Gott, fröhlich!

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Sukkot – Grafik von G. M. Ehlert zum jüdischen Laubhüttenfest am 14. Okt. 2019

Symbole – Feststrauß und Laubhütte

Zu Sukkot wird nach den Anweisungen über die jährlichen Feste ein besonderer Feststrauß (gemäß Lev 23,40) gebunden. Er besteht aus

  • einem Etrog = zitronenähnliche Zitrusfrucht, die gut schmeckt und duftet; (traditionell mit dem Apfel des Paradieses identifiziert)
  • einem Lulaw = Zweig der Dattelpalme, deren Frucht gut schmeckt, aber nicht duftet;
  • drei Hadassim =  Myrtenzweigen, die nach nichts schmecken aber gut duften;
  • und zwei Arawot = Bachweidenzweigen, die weder gut schmecken noch riechen, aber nützlich sind

Der Midrasch = jüdische Auslegung sagt, dass die vier Menschentypen in der Gemeinde der Kinder Israels darstellenden, die alle vier zusammengehören:

  • Menschen mit Verstand und Güte (Schmackhaftigkeit und guter Geruch)
  • Menschen, die nur Verstand haben (sie bringen die Gemeinschaft voran)
  • Menschen, die nur liebenswürdig sind (sie machen die Welt angenehm)
  • Menschen, die keine dieser Fähigkeiten haben, aber für eine funktionierende Gesellschaft benötigt werden.

Während der Danklieder des Gottesdienstes wird dieser Strauß in die vier Himmelsrichtungen sowie nach oben und unten geschüttelt. Im Zentrum steht der Mensch, der so die Symbol der Zahl sieben vervollkommnet.

Ein weiteres wichtiges Symbol ist Sukka = die Laubhütte, die dem Fest auch seinen Namen gab.

Die Sukka wird speziell für dieses Fest unmittelbar vorher errichtet und besteht aus Zweigen und Laub, das Dach soll Schatten bieten, jedoch soweit durchsichtig sein, dass man nachts die Sterne am Himmel sehen kann. Während der Festtage soll man sich darin aufhalten und vor allem dort gemeinsam die Mahlzeiten einnehmen – zur Erinnerung an die Hütten in der 40-jährigen Wüstenwanderung nach dem Auszug aus der Sklaverei in Ägypten. (Lev 23,42f)

Die Woche in der Laubhütte soll die Gläubigen sowohl die harten Bedingungen ihrer Vorfahren beim Auszug aus Ägypten durch die Wüste Sinai erleben lassen, als auch die Vergänglichkeit von materiellem Wohlstand verdeutlichen. Nach jüdischem Glauben ist nur Gott unvergänglich, nur bei ihm gibt es Sicherheit und echten Anlass zu Freude.

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Verheißungen, die verbunden sind mit den Festtagsgeboten an Sukkot

Während an Pessach (= Vorübergang) mit dem Auszug des Volkes Israels aus der Sklaverei in Ägypten der Anfang der Erlösung gefeiert wird,
wird an Sukkot (= Laubhütten) die Vollendung der Erlösung gefeiert – die Verheißung der Einheit aller Menschen untereinander und mit Gott.

  1. Das „unvollendete“ Dach der Sukka – das den Blick auf den nächtlichen Sternenhimmel freigibt
    ist ein Hinweis auf die von Gott her geschaffene Verbundenheit zwischen Himmel und Erde.
  2. Das zeitweilige Leben in der Laubhütte als unvollkommener Schutzraum zur Erinnerung an die 40-jährige Wanderung des Volkes Gottes durch die Wildnis
    ist ein Hinweis auf den Schutz und die Begleitung Gottes, die er zugesagt hat.
  3. Der Feststrauß mit den „4 Arten“ – Arba-Einheit – Zeichen für die vier unterschiedlichen Charaktere der Menschen, die zusammen ein Volk bilden
    ist ein Hinweis auf die Einheit aller Menschen im Volk Gottes.
  4. Die Anweisungen zum Zusammenfügen der 3 Arten von Zweigen und der einen Frucht bei den Gebeten
    ist ein Hinweis dafür, dass Segen zu allen Menschen fließt, wenn der Name Gottes geheiligt wird.
  5. An den 7 Tagen des Sukkot werden jeweils himmlische Gäste eingeladen mit ihrer besonderen Kraft: Abraham, Isaak, Jakob, Joseph, Mose, Aaron und David. (oder auch besondere Frauen: Sara, Rebekka, Lea, Rachel, Mirjam, Abigail; Esther)
    ein Hinweis auf die Verbundenheit zwischen Menschen in der himmlischen Vollendung und den Menschen der irdischen Pilgerschaft.
  6. Am Siebten Tag, dem „Hoschanna Raba“ (= großes Hosianna), ist der Tag der großen Bitten um Regen, aber auch um die Verzeihung der Sünden aller
    dies ist ein Hinweis auf die Rückkehrmöglichkeit aller Menschen zu Gott, der – wie der barmherzige Vater den zurückkehrenden Sohn – alle herzlich empfangen will.
  7. Das „Beschlussfest“ am 8. Tag ist mit der Lesung von Sacharja 14,16 verbunden: mit der Verheißung, dass alle Nationen zum Tempel in Jerusalem kommen werden, dann wird der Gott Israels der Gott aller Völker sein und von allen anerkannt werden.
  8. Das Festtagsgebot der großen Freude am 8. Tag war zur Zeit des Jerusalemer Tempels mit dem Wasserschöpfen aus dem Teich Schiloach verbunden; im Laufe der Jahrhunderte hat „Simchat Tora“ – das Fest der Torafreude dessen Platz eingenommen.
    Ein Hinweis darauf, dass Gott sich riesig freut an der Umkehr seiner Kinder in die Gemeinschaft mit ihm.

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

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Stand: 14. Okt. 2019