Sukkot – Laubhüttenfest

SUKKOT – Das Laubhüttenfest

33 „das Laubhüttenfest für den HERRN“:

39 Am fünfzehnten Tag des siebten Monats,
wenn ihr den Ertrag des Landes erntet,
feiert sieben Tage lang das Fest des HERRN!
Am ersten und am achten Tag ist Ruhetag.
40 Am ersten Tag nehmt
– schöne Baumfrüchte,
– Palmwedel,
– Zweige von dicht belaubten Bäumen –
– und von Bachweiden
und seid sieben Tage lang vor dem HERRN, eurem Gott, fröhlich!

(Lev 23,33.39-40)

Fünf Tage nach Jom Kippur (= dem großen Tag der Versöhnung) zu Beginn des jüdischen Kalenderjahres ist Sukkot, das jüdische Laubhüttenfest
Es wird sieben Tage lang als fröhliches Fest gefeiert vom 15. – 21. Tishri (=7. Monat des jüdischen Kalenders = 21.-28. September 2021).

Hinzu kommt ein achter Tag = Simchat Tora – das Fest der Torafreude, der das Fest abschließt und als eigenes Fest angesehen wird.

Chag ha-Sukkot = „Fest der Laubhütten“ (Lev 23,33) ist
– ein biblisches Erntedankfest – „Chag ha-Asif“ = „Fest des Einsammels“ zum Ende der Sommerernte der Baumfrüchte (vgl. Ex 23,16)
– zur Erinnerung an die Wüstenwanderung – Leben in Laubhütten
– an den 7 Festtagen wurden 70 Stiere geopfert (vgl. Num 29,12-34); nach jüdischer Lehre für jede der 70 Nationen;
– so wird es zu einem Hoffnungsfest der „Wallfahrt aller Völker“ zum Zion „am Ende der Tage“ (vgl. Sach 14,16-19)
– „Seman simchatenu“ = „Zeit unserer Freude“ (Dtn 16,14)

Es gehörte mit Pessach (= Vorübergang, vgl. dem christlichen Ostern)
und Schawuoth (= Wochenfest, vgl. dem christlichen Pfingsten)
zu den drei großen Wallfahrtsfesten, wo bis zur Zerstörung des Tempels im Jahre 70 n.Chr. große Wallfahrten nach Jerusalem stattfanden.

 

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Sukkot – Grafik von G. M. Ehlert zum jüdischen Laubhüttenfest am 14. Okt. 2019

Symbole – Laubhütte, Feststrauß u. Festtagsfreude

Laubhütte

Ein wichtiges Symbol ist Sukka = die Laubhütte, die dem Fest auch seinen Namen gab.

Die Sukka wird speziell für dieses Fest unmittelbar vorher errichtet und besteht aus Zweigen und Laub, das Dach soll Schatten bieten, jedoch soweit durchsichtig sein, dass man nachts die Sterne am Himmel sehen kann. Während der Festtage soll man sich darin aufhalten und vor allem dort gemeinsam die Mahlzeiten einnehmen – zur Erinnerung an die Hütten in der 40-jährigen Wüstenwanderung nach dem Auszug aus der Sklaverei in Ägypten. (Lev 23,42f)

Die Woche in der Laubhütte soll die Gläubigen sowohl die harten Bedingungen ihrer Vorfahren beim Auszug aus Ägypten durch die Wüste Sinai erleben lassen, als auch die Vergänglichkeit von materiellem Wohlstand verdeutlichen. Nach jüdischem Glauben ist nur Gott unvergänglich, nur bei ihm gibt es Sicherheit und echten Anlass zu Freude.

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Feststrauß

Zu Sukkot wird nach den Anweisungen über die jährlichen Feste ein besonderer Feststrauß (gemäß Lev 23,40) gebunden. Er besteht aus

  • einem Etrog = zitronenähnliche Zitrusfrucht, die gut schmeckt und duftet; (traditionell mit dem Apfel des Paradieses identifiziert)
  • einem Lulaw = Zweig der Dattelpalme, deren Frucht gut schmeckt, aber nicht duftet;
  • drei Hadassim =  Myrtenzweigen, die nach nichts schmecken aber gut duften;
  • und zwei Arawot = Bachweidenzweigen, die weder gut schmecken noch riechen, aber nützlich sind

Eine historisierende Auslegung:

  • Lulaw, der Zweig der Dattelpalme symbolisiert die Zeit der Wüstenwanderung; eine fruchtbare Zeit, als das Volk Israel aus den tief verborgenen Quellen lebte. Palmzweig = Siegeszeichen.
  • Arawot, die Zweige einer Bachweide erinnert an die Zeit der Landnahme, wo das Volk am Jordan siedelte.
  • Myrtenzweige erinnern an die die „dicken Bäume“, die zur Zeit der Landnahme gerodet wurden.
  • der Etrog ist eine „majästätische Frucht“, die durch Kultivierung des Landes geerntet werden konnte. Sie erinnert an die Zeit der Könige David und Salomo.

Der Midrasch = jüdische Auslegung sagt, dass die vier Menschentypen in der Gemeinde der Kinder Israels darstellenden, die alle vier zusammengehören:

  • Menschen mit Verstand und Güte (Schmackhaftigkeit und guter Geruch)
  • Menschen, die nur Verstand haben (sie bringen die Gemeinschaft voran)
  • Menschen, die nur liebenswürdig sind (sie machen die Welt angenehm)
  • Menschen, die keine dieser Fähigkeiten haben, aber für eine funktionierende Gesellschaft benötigt werden.

Während der Danklieder des Gottesdienstes wird dieser Strauß in die vier Himmelsrichtungen sowie nach oben und unten geschüttelt. Im Zentrum steht der Mensch, der so die Symbol der Zahl sieben vervollkommnet.

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Festtagsfreude

Zur Festtagsfreude gehört auch die Gastfreundschaft. Es ist üblich, sich gegenseitig in der Sukka zu besuchen und gemeinsam zu essen. Aus dem Mittelalter stammt der Brauch, besondere „Uschpisin“ (aramäisch: „Gäste“) einzuladen. Bei ihnen handelt es sich traditionell um die biblischen Gestalten von Abraham, Isaak, Jakob, Josef, Moses, Aaron und David, die die Festgäste mit ihrer unsichtbaren, jedoch segenbringenden Anwesenheit beehren. In den letzten Jahren ist üblich geworden, auch bedeutende Frauen aus biblischen oder späteren Zeiten als „Uschpisot“ einzuladen, die Sukka mit ihren Namen oder Bildern zu dekorieren und an ihre Verdienste zu erinnern.

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Verheißungen, die verbunden sind mit den Festtagsgeboten an Sukkot

Während an Pessach (= Vorübergang) mit dem Auszug des Volkes Israels aus der Sklaverei in Ägypten der Anfang der Erlösung gefeiert wird,
wird an Sukkot (= Laubhütten) die Vollendung der Erlösung gefeiert – die Verheißung der Einheit aller Menschen untereinander und mit Gott.

  1. Das „unvollendete“ Dach der Sukka – das den Blick auf den nächtlichen Sternenhimmel freigibt
    ist ein Hinweis auf die von Gott her geschaffene Verbundenheit zwischen Himmel und Erde.
  2. Das zeitweilige Leben in der Laubhütte als unvollkommener Schutzraum zur Erinnerung an die 40-jährige Wanderung des Volkes Gottes durch die Wildnis
    ist ein Hinweis auf den Schutz und die Begleitung Gottes, die er zugesagt hat.
  3. Der Feststrauß mit den „4 Arten“ – Arba-Einheit – Zeichen für die vier unterschiedlichen Charaktere der Menschen, die zusammen ein Volk bilden
    ist ein Hinweis auf die Einheit aller Menschen im Volk Gottes.
  4. Die Anweisungen zum Zusammenfügen der 3 Arten von Zweigen und der einen Frucht bei den Gebeten
    ist ein Hinweis dafür, dass Segen zu allen Menschen fließt, wenn der Name Gottes geheiligt wird.
  5. An den 7 Tagen des Sukkot werden jeweils himmlische Gäste eingeladen mit ihrer besonderen Kraft: Abraham, Isaak, Jakob, Joseph, Mose, Aaron und David. (oder auch besondere Frauen: Sara, Rebekka, Lea, Rachel, Mirjam, Abigail; Esther)
    ein Hinweis auf die Verbundenheit zwischen Menschen in der himmlischen Vollendung und den Menschen der irdischen Pilgerschaft.
  6. Am Siebten Tag, dem „Hoschanna Raba“ (= großes Hosianna), ist der Tag der großen Bitten um Regen, aber auch um die Verzeihung der Sünden aller
    dies ist ein Hinweis auf die Rückkehrmöglichkeit aller Menschen zu Gott, der – wie der barmherzige Vater den zurückkehrenden Sohn – alle herzlich empfangen will.
  7. Das „Beschlussfest“ am 8. Tag ist mit der Lesung von Sacharja 14,16 verbunden: mit der Verheißung, dass alle Nationen zum Tempel in Jerusalem kommen werden, dann wird der Gott Israels der Gott aller Völker sein und von allen anerkannt werden.
  8. Das Festtagsgebot der großen Freude am 8. Tag war zur Zeit des Jerusalemer Tempels mit dem Wasserschöpfen aus dem Teich Schiloach verbunden; im Laufe der Jahrhunderte hat „Simchat Tora“ – das Fest der Torafreude dessen Platz eingenommen.
    Ein Hinweis darauf, dass Gott sich riesig freut an der Umkehr seiner Kinder in die Gemeinschaft mit ihm.

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Links
zu jüdischen Festen: –> „7 + 1 Feste des HERRN

a) „Frühjahrsfeste“
– Pessach (Auszug aus Ägypten) = 14. Nisan
– Mazzot (Woche der ungesäuerten Brote) = 15.-21. Nisan
– Habikkurim (Tag der Erstlingsfrüchte) = Tag nach dem Sabbat nach dem 15. Nisan
– Schawuot (Pfingsten – Gabe der Tora) = 6. Sivan

b) „Herbstfeste“
– Rosch ha-Schana (Neujahrsfest) = 1. Tischri
– Jom Kippur (Versöhnungsfest) = 10. Tischri
– Sukkot (Laubhüttenfest) = 15-21. Tischri
– Schimri azaret (Fest der Torafreude) = 22. Tischri

c) Weitere jüdische Feste:
– Purim = 14. Adar
– Chanukka (Lichterfest zur Einweihung des 2. Tempels) = 25. Kislev (8 Tage lang)

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

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Stand: 10. Sept. 2021