Franz von Assisi – 4. Okt.

Franz von Assisi – Gedenktag: 4. Oktober

Bei der Entdeckung seiner Berufung im Jahr 1206 spielt ein Tafelkreuz im Leben des Heiligen Franz von Assisi (*1181/82 – +1226) eine bedeutende Rolle.

Das „sprechende Kreuz“ von San Damiano

Das beherrschende Bild in dem kleinen Kirchlein San Damiano vor den Toren Assisis war ein gemaltes Tafelkreuz (Bezeichnung für die im 12./13. Jahrhundert für Italien typische Kreuzform), das in der ostkirchlichen Art der Ikonen von einem unbekannten syrischen Mönch um 1150 angefertigt worden war.

Thomas von Celano berichtet 1248 in der „Dreigefährtenlegende“:
„Als er (Franziskus) … an der Kirche San Damiano vorbeiging,
wurde ihm im Geiste gesagt, er solle zum Beten hineingehen.
Er betrat die Kirche und begann innig vor einem Bild des Gekreuzigten zu beten, das ihn liebevoll und gütig ansprach, indem es sagte:

,Franziskus, siehst du nicht,sprechendes Kreuz-ab
dass mein Haus in Verfall gerät?
Geh also hin und stelle es mir wieder her!’

Zitternd und staunend sprach Franziskus:

,Gerne, Herr, will ich es tun.’

Er meinte nämlich, dass sich das Wort auf jene Kirche San Damiano beziehe, der ihres sehr hohen Alters wegen ein baldiger Einsturz drohte.
Jene Anrede aber erfüllte ihn mit so großer Freude und erleuchtete ihn mit so hellem Licht, dass er Christus den Gekreuzigten, der zu ihm gesprochen, wahrhaft in seinem Herzen fühlte.“

Höchster, lichtvoller Gott,
erleuchte die dunkle Nacht
in meinem Herzen.
Gib mir einen Glauben, der aufrichtet;
eine Hoffnung, die Halt gibt;
eine Liebe, die Maß nimmt
an der Liebe Jesu Christi, deines Sohnes;
eine Erkenntnis,
die weiterführt;
einen Sinn,
der alles durchdringt.
Lass mich die Würde erfahren,
die du mir schenkst
und die Aufgabe erfüllen,
die du mir zugedacht hast!

(Gebet des Hl. Franziskus vor dem Kreuzbild von San Damiano –
Übertragung Anton Rotzetter)

Franziskus empfängt die Wundmale Christi auf dem Berg La Verna

Was in San Damiano mit dem Hinhören auf den Ruf Christi begann, vollendet sich auf geheimnisvolle Weise in der Einsamkeit des La Verna. In der Einprägung der Wundmale macht Franziskus eine weitere Erfahrung des „Eins-Werdens“ mit Christus – nun mit seiner Passion.

Der Berg La Verna – 120 km nördlich von Assisi – ist unbequem. Im August des Jahres 1224 zieht Franziskus mit einigen Brüdern den La Verna hinauf. Der 42-jährige Franziskus ist total erschöpft. Sorgen, Entbehrungen, Krankheiten – all das hat fürchterlich an seinen Kräften gezehrt. Und so tut Franziskus etwas, was er in solchen Situationen immer gerne tat: Er zieht sich in die Einsamkeit auf einen Berg zurück. Hier kann er ein wenig den Sorgen um seinen Orden, seinen Enttäuschungen und Missverständnissen entfliehen oder mit Gott ins Gespräch kommen.

Der Biograf Thomas von Celano berichtet, wie Franziskus „in einem Gottesgesicht einen Mann über sich schweben“ sah,

Franz-Wundmale-ba„einem Seraph ähnlich, der sechs Flügel hatte und mit ausgespannten Händen und aneinandergelegten Flügeln ans Kreuz geheftet war … Große Wonne durchdrang ihn, und noch tiefere Freude erfasste ihn über den gütigen und gnadenvollen Blick, mit dem er sich vom Seraph betrachtet sah, dessen Schönheit unbeschreiblich war; doch sein Hangen am Kreuz und die Bitterkeit seines Leidens erfüllte ihn ganz mit Entsetzen. Und so erhob er sich, sozusagen traurig und freudig zugleich, und Wonne und Betrübnis wechselten in ihm miteinander. Er dachte voll Unruhe nach, was dieses Gesicht wohl bedeute … Während er sich verstandesmäßig über das Gesicht nicht ganz klar zu werden vermochte und das Neuartige an ihm stark sein Herz beschäftigte, begannen an seinen Händen und Füßen die Male der Nägel sichtbar zu werden in derselben Weise, wie er es kurz zuvor an dem gekreuzigten Mann über sich gesehen hatte.“ (Cel 94)

siehe: Sonnengesang

siehe: Sonnengesang und mehr über Franz von Assisi

siehe: „Werkzeug des Friedens“ – ein Gebet von 1912 – im Geist des Heiligen Franziskus

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

 

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