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das Lamm Gottes (2. A)

 


Seht das Lamm Gottes,
das hinwegträgt die Sünde der Welt

Osterlamm

„Osterlamm“ – Zeichnung von G. M. Ehlert, 2004

Die liturgischen Texte des 2. Sonntages im Jahreskreis A 

(15. Januar 2017)

Eröffnungsvers (Psalm 66,4)
„Alle Welt bete dich an, o Gott, und singe dein Lob,
sie lobsinge deinem Namen, du Allerhöchster.“

1. Lesung: Jes 49,3.5-6
Ich mache dich zum Licht für die Völker
–> Jes 49,1-6 = 2. Gottesknechtslied

Antwortpsalm (Ps 40,2.4ab.7-8.9-10)

2. Lesung: 1 Kor 1,1-3
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus

Ruf vor dem Evangelium: (Joh 1,14a.12a)
Halleluja. Halleluja.
Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.
Allen, die ihn aufnahmen,
gab er Macht, Kinder Gottes zu werden.
Halleluja

Evangelium: Joh 1,29-34
Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt
–> siehe auch Joh 1,29-51 (eine wortgetreue Arbeitsübersetzung)

Liturgische Texte – siehe auch Schott: 2. Sonntag im Jahreskreis A

 

Zeugnistag

zum Evangelium Johannes 1,29-34:

Johannes stellt uns Jesus vor:
„Seht, das Lamm Gottes,
das hinwegträgt die Sünde der Welt“

Bald ist wieder Zeugnistag – Lehrer stellen über ihre Schüler ein Zeugnis aus, wie sie die schulischen Leistungen erlebt hatben…
Ein anderer Zeugnistag kann unvorbereitet kommen,
wenn einer zum Augenzeugen z.B. eines Unfalls wird
und aufgerufen wird, davon Zeugnis zu geben, was er gesehen und erfahren hat.
Und auch in der Kirche werden Zeugen gesucht, die bezeugen können, was sie von Jesus erfahren haben.

  • Johannes legt Zeugnis ab über Jesus

Im heutigen Evangelium stellt Johannes der Täufer Jesus seinen Zuhörern vor,
so wie Prominente in einer Fernsehshow vom Moderator vorgestellt werden, bevor sie selber zu Wort kommen.
Und er legt dabei ein Zeugnis darüber ab, wie er selbst Jesus erfahren hat.

Doch wie stellt Johannes seinen „Stargast“ vor?

„Seht, das Lamm Gottes,
das hinwegnimmt die Sünde der Welt“

Ich tue mich schwer mit dieser Kennzeichnung Jesu.
Und was verbinden Sie mit diesem Vergleich?

Lamm! ? = „Lammfromm“ – „Opferlamm“ – Tiersymbol für Reinheit, Unschuld, Arglosigkeit

Die Hörer des Johannes damals dachten bei dem Vergleich mit einem Lamm sicher an:
– das Opferlamm, das zum Schlachten geführt wird;
Das Buch Jesaja 53,6-7: Wir hatten uns alle verirrt wie Schafe, jeder ging für sich seinen Weg. Doch der Herr lud auf ihn (=den Gottesknecht) die Schuld von uns allen.
Er wurde misshandelt und niedergedrückt, aber er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf angesichts seiner Scherer, so tat auch er seinen Mund nicht auf.

– das Paschalamm (Ex 12)
das Blut des Lammes, das an die Türpfosten gestrichen wurde, verschonte das Volk Israel vor dem angekündigten Unheil

– das Lamm, das auf dem Thron sitzt (Offenbarung des Johannes)
wird gefeiert als Sieger über alle Mächte des Bösen

Und Johannes, der Täufer bezeugt, was er im Glauben gesehen hat, als er Jesus im Jordan getauft hat:
Ich sah den Geist Gottes herabsteigen –
wie eine Taube aus dem Himmel –
und er blieb auf ihm.

Das war für ihn das deutliche Zeichen, dass dieser Jesus von Gott erwählt ist, dass dieser Jesus Gottes Sohn ist,
der gekommen ist, um die Menschen mit dem Geist Gottes zu erfüllen.

  • Zeugnis über Jesus – in der Eucharistiefeier

Vor der Heiligen Kommunion erhebt der Priester die gebrochene Hostie und weist auf sie hin mit den Worten Johannes, des Täufers: „Seht! Das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt“ –

Seht! So ist Jesus Christus hier gegenwärtig: als stärkendes Brot, das sich für uns zerbrechen lässt, damit wir alle Anteil erhalten an seinem göttlichen Leben.

Wer die göttliche Größe dieses Liebesgeschenkes im Glauben (an-)erkennt, der wird zugleich voller Betroffenheit – wie der heidnische Hauptmann aus Kafarnaum sagen: „Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort und meine Seele wird gesund“

Und er darf Christi Einladung hören und auf sich beziehen: „Selig, wer zum Mahl des Lammes geladen ist!“

  • Zeugnis ablegen über Jesus – im Alltag

Und dann – nach der Kommunion mit Christus – sendet der HERR uns aus, IHN den Menschen von heute vorzustellen

Wir müssen andere Bilder und Vergleiche finden, um den Menschen von heute deutlich zu machen, dass Jesus der Retter, der Heiland und Erlöser der Menschen ist.

Er lebt Gottes Liebe ohne weltliche Machtmittel und ist bereit, dass andere diese wehrlose Liebe ausnutzen. –
Er ist wie ein Lamm, das in unserer wölfischen Welt kaum eine Chance hat. Jesus solidarisiert sich mit den Wehrlosen. Damals wie heute.

Und er sendet auch seine Jünger ohne beeindruckende Machtmittel in die Welt – wie Schafe mitten unter die Wölfe.

Das ist das Provozierende – damals wie heute –

Jesus lebt vor, dass die Ohnmacht der Liebe letztlich mächtiger sein wird als alle Mächte und Bedrohungen dieser Welt.

Wie schwer fällt es uns jedoch, dies wirklich zu glauben und aus diesem Geist zu leben.

Auch wir sind aufgerufen, zu entdecken, wer dieser Jesus für uns ist
und davon Zeugnis abzulegen.

Haben sie schon eine Vorstellung, was Sie sagen können,
wenn Sie als Zeuge gefragt werden, wer dieser Jesus für Sie ist?

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

Zeuge für das Licht


zum Evangelium des 3. Adventssonntages im Lesejahr B: (11. Dezember 2011)
= Johannes 1,6-8.19-28:

Zeuge für das Licht

Johannes der Täufer – Zeuge für das Licht, Grafik von G. M. Ehlert, 05.12.2011

Joh 1,6: Es wurde geboren ein Mensch,
gesandt von Gott,
sein Name: Johannes.
7 Dieser kam zur Zeugenschaft
um zu zeugen für das Licht.
8 Nicht war jener das Licht,
sondern zeugen sollte er für das Licht.

19 Und dieses ist das Zeugnis des Johannes:
es sandten zu ihm die Juden aus Jerusalem
Priester und Leviten, um ihn zu befragen:
Wer bist du?
20 Und er bekannte und leugnete nicht,
und er bekannte:
ich bin nicht der Christus
(= der Gesalbte).

Gott verheißt dem König David durch den Propheten Natan,
dass ein Spross aus dem Hause David der Messias sein werde:
„Wenn deine Tage erfüllt sind und du dich zu deinen Vätern legst, werde ich deinen leiblichen Sohn als deinen Nachfolger einsetzen und seinem Königtum Bestand verleihen.  Er wird für meinen Namen ein Haus bauen, und ich werde seinem Königsthron ewigen Bestand verleihen.  Ich will für ihn Vater sein, und er wird für mich Sohn sein. Wenn er sich verfehlt, werde ich ihn nach Menschenart mit Ruten und mit Schlägen züchtigen.  Meine Huld aber soll nicht von ihm weichen, wie sie von Saul gewichen ist, den ich vor deinen Augen verstoßen habe.
Dein Haus und dein Königtum sollen durch mich auf ewig bestehen bleiben; dein Thron soll auf ewig Bestand
haben.“
(2 Sam 7,12-16)

21 Und sie fragten ihn:
was dann? Bist du Elija?
Und er sagt. Ich bin es nicht.

Im letzten Buch des Alten Testamentes – dem Buch des Propheten Maleachi – ist davon die Rede, dass Elija, der in den Himmel entrückt wurde, wiederkommen wird, um die Ankunft des Messias vorzubereiten:
„Bevor aber der Tag des HERRN kommt, der große und furchtbare Tag, seht, da sende ich zu euch den Propheten Elija.  Er wird das Herz der Väter wieder den Söhnen zuwenden und das Herz der Söhne ihren Vätern, damit ich nicht kommen und das Land dem Untergang weihen muss.  (Mal 3,23b-24)

Bist du der Prophet?
Und er antwortete: Nein!

Im Anschluss an Deuteronomium erwartete man für die Endzeit das Auftreten eines dem Mose ähnlichen Propheten:
„Einen Propheten wie mich wird dir der HERR, dein Gott, aus deiner Mitte, unter deinen Brüdern, erstehen lassen. Auf ihn sollt ihr hören. Der HERR wird ihn als Erfüllung von allem erstehen lassen, worum du am Horeb, am Tag der Versammlung, den HERRN, deinen Gott, gebeten hast, als du sagtest: Ich kann die donnernde Stimme des HERRN, meines Gottes, nicht noch einmal hören und dieses große Feuer nicht noch einmal sehen, ohne daß ich sterbe. Damals sagte der HERR zu mir: Was sie von dir verlangen, ist recht. Einen Propheten wie dich will ich ihnen mitten unter ihren Brüdern erstehen lassen. Ich will ihm meine Worte in den Mund legen, und er wird ihnen alles sagen, was ich ihm auftrage.“
(Dtn 18,15-18)

22 Sie sprachen nun zu ihm:
Wer
(bist) du?
Auf dass wir denen Antwort geben,
die uns schickten:
Was sagst du über dich selbst?
23 Er sprach:
Ich bin die Stimme eines Rufenden in der Ödnis.
Gerade macht den Weg des Herrn –
wie gesprochen Jesaja, der Prophet.

Der „zweite Jesaja“ (Deuterojesaja) spricht von der Verheißung der Heimkehr:
Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott. Redet Jerusalem zu Herzen und verkündet der Stadt, daß ihr Frondienst zu Ende geht, daß ihre Schuld beglichen ist; denn sie hat die volle Strafe erlitten von der Hand des HERRN für all ihre Sünden. Eine Stimme ruft: Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße für unseren Gott! Jedes Tal soll sich heben, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, und was hüglig ist, werde eben. Dann offenbart sich die Herrlichkeit des HERRN, alle Sterblichen werden sie sehen. Ja, der Mund des HERRN hat gesprochen.“
(Jes 40,1-5)

24 Und Abgesandte waren aus den Pharisäern.
25 Und sie fragen ihn
und sie sprechen zu ihm:
„Wozu nun taufst du
(wörtl. = tauchst du ein/ unter)
wenn du nicht bist der Christus
und auch nicht Elija
und auch nicht der Prophet?

26 Es erwidert ihnen der Johannes sagend:
„ICH – ich taufe in/
mit Wasser –
inmitten
(von) euch (= mitten unter euch / mitten in euch)
steht / hat Stand genommen
welchen ihr nicht (er-)kennt

27 der hinter/nach mir Kommende
nicht – gar nicht – bin ich [ICH] würdig,
dass ich lösen
könnte/ dürfte ihm die Riemen der Sandale.

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28 Dieses geschah in Betanien
jenseits des Jordan
wo es war der Johannes taufend.

(Joh 1,6-8.19-28)

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