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Novene vor Pfingsten

 

 

Pfingstnovene

Am Pfingstfest sandte der auferstandene und in den Himmel Gottes aufgefahrene Herr Jesus Christus seinen Jüngerinnen und Jüngern den Heiligen Geist.

Dieser Geist formte die Gemeinde Jesu zu seiner Kirche,
begleitete die Kirche durch die Zeit
und ließ sie zu einer weltweiten großen Gemeinschaft wachsen.

Dieser Geist Gottes stärkt auch heute unseren Glauben,
belebt unsere Hoffnung,
vertieft unsere Liebe,
als einzelne, vor allem aber als Gemeinschaft, als Kirche.

Die Jüngerinnen und Jünger Jesu hatten sich auf das Kommen des Heiligen Geistes vorbereitet:
gemeinsam – im Gebet – im Abendmahlssaal in Jerusalem.

Von Christi Himmelfahrt bis Pfingsten haben sie
neun Tage lang
um den Geist gebetet
– die erste Pfingstnovene –
das Neun-Tage-Gebet. (vgl. Apg 1,13-14)

Gleichbleibender Teil der Pfingstnovene:

Eröffnung:
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Ehre sei dem Vater
und dem Sohn
und dem Heiligen Geist

wie im Anfang
so auch jetzt und alle Zeit
und in Ewigkeit. Amen. Halleluja!


Gebet:
Atme in mir, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges denke.
Treibe mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges tue.
Locke mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges liebe.
Stärke mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges hüte.
Hüte mich, du Heiliger Geist, dass ich das Heilige nimmer verliere.

(dem Heiligen Augustinus zugeschrieben)


wechselnder Teil:

an Christi Himmelfahrt:
Komm herab, o Heiliger Geist, der die finstre Nacht zerreißt, strahle Licht in diese Welt.

am Freitag (1.Tag):
Komm, der alle Armen liebt, komm der gute Gaben gibt, komm, der jedes Herz erhellt.

am Samstag (2.Tag):
Höchster Tröster in der Zeit, Gast der Herz und Sinn erfreut, köstlich Labsal in der Not.

am Sonntag (3.Tag):
In der Unrast schenkst du Ruh, hauchst in Hitze Kühlung zu, spendest Trost in Leid und Tod.

am Montag (4.Tag):
Komm, o du glückselig Licht, fülle Herz und Angesicht, dring bis auf der Seele Grund.

am Dienstag (5.Tag):
Ohne dein lebendig Wehn kann im Menschen nichts bestehn, kann nichts heil sein noch gesund.

am Mittwoch (6.Tag):
Was befleckt ist, wasche rein, Dürrem gieße Leben ein, heile du wo Krankheit quält.

am Donnerstag (7.Tag):
Wärme du, was kalt und hart, löse, was in sich erstarrt, lenke, was den Weg verfehlt.

am Freitag (8.Tag):
Gib dem Volk, das dir vertraut, das auf deine Hilfe baut, deine Gaben zum Geleit.

am Samstag (9.Tag):
Lass es in der Zeit bestehn, deines Heils Vollendung sehn und der Freuden Ewigkeit.

am Pfingstfest:
Amen. Halleluja

Gebet:
Komm heiliger Geist, heilige uns.
Erfülle unsere Herzen mit brennender Sehnsucht nach Wahrheit,
nach dem rechten Weg und nach dem vollen Leben.
Entzünde in uns dein Feuer,
dass wir selber davon zum Licht werden,
das leuchtet und wärmt und tröstet.
Lass unsere schwerfälligen Zungen Worte finden,
die von deiner Liebe und Schönheit sprechen.
Schaffe uns neu,

dass wir Menschen der Liebe werden,
deine Heiligen, sichtbare Worte Gottes.
Dann werden wir das Antlitz der Erde erneuern
und alles wird neu geschaffen.

Komm, heiliger Geist, heilige uns, stärke uns, bleibe bei uns. Amen.

(aus der Ostkirche)


Vater unser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.


Segenswort:
Es erfülle uns der Vater mit seiner Liebe.

Es erfülle uns der Sohn mit seinem Leben.
Es erfülle uns der Heilige Geist mit seiner Kraft.

Es segne uns und alle Menschen der gütige Gott:
der Vater und der Sohn + und der Heilige Geist. Amen.

* * *

–> Weitere Gebete zum Heiligen Geist

Gedanken am Fest Christi Himmelfahrt:

Komm herab, o Heil’ger Geist
der die finstre Nacht zerreißt,
strahle Licht in diese Welt.

I

Symbol des Hl. Geistes:

  • Wolke und Licht

Sichtbare Zeichen für Erscheinungen des unsichtbaren Gottes

Am Anfang der Schöpfung schwebte Gottes Geist über den Wassern.
Er brütete die gute Schöpfung Gottes aus. Als erstes strahlte sein Licht und es zerriss die finstre Nacht. Am Anfang der Neuen Schöpfung empfing Maria Gottes Sohn durch das Wirken des Heiligen Geistes. Er überschattete sie mit der Kraft Gottes und sie brachte Jesus Christus, das menschgewordene Wort Gottes zur Welt. Der Heilige Geist vermag auch heute in das „Tohu-wa-bohu“ unseres Lebens Licht hinein zu strahlen, so dass durch uns etwas Neues zur Welt kommen kann. Komm, heiliger Geist!

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Pfingstnovene (1. Tag):

Gedanken am Freitag nach Christi Himmelfahrt:

Komm, der alle Armen liebt,
komm, der gute Gaben gibt,
komm, der jedes Herz erhellt.

II

Symbol des Hl. Geistes:

  • Finger an der Hand Gottes
    Zeichen für das kraftvolle Handeln Gottes

Durch den „Finger Gottes“ – d.h. in der Kraft des Geistes treibt Jesus die Dämonen aus (Lk 11,20).
Während des Gesetz Gottes vom „Finger Gottes“ auf steinerne Tafeln geschrieben wurde (Ex 31,18), sind wir – der „Brief Christi“ (2 Kor 3,3) – geschrieben mit dem Finger Gottes in Herzen von Fleisch. Christus eröffnet seine Verkündigung der Frohbotschaft damit, dass er folgendes Wort des Propheten Jesaja mit seinem Kommen erfüllt sieht:
„Der Geist des Herrn ruht auf mir;

denn der Herr hat mich gesalbt.
Er hat mich gesandt,
damit ich den Armen Frohbotschaft bringe;
damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde
und den Blinden das Augenlicht;
damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze
und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“ (Lk 4,18-19)

Auch wir dürfen dieses Gotteswort auf uns übertragen.
Dort, wo wir leben, können wir „ein Fingerzeig“ Gottes für die Menschen sein.

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Pfingstnovene (2. Tag):

Gedanken am Samstag nach Christi Himmelfahrt:

Höchster Tröster in der Zeit,
Gast, der Herz und Sinn erfreut,
köstlich Labsal in der Not.

III

Symbol des Hl. Geistes:

  • Taube

Symbol des Friedens

Am Ende der Sintflut kehrte die Taube, die von Noah aus der Arche herausgelassen worden war, mit einem frischen Ölzweig im Schnabel zurück als Zeichen dafür, dass die Erde wieder fruchtbar und somit bewohnbar war. Sie kündigt den Frieden an, den Gott mit der Menschheit in einem feierlichen Bund schließt.Als Christus aus dem Wasser seiner Taufe steigt, lässt sich der Heilige Geist in Gestalt einer Taube auf ihn nieder und bleibt auf ihm.

Seit alters her gilt die (weiße) Taube auch als ein Friedenssymbol.

Dieser Geist des Friedens komme auch auf uns herab und bleibe allezeit bei uns.

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Pfingstnovene (3. Tag):

Gedanken am 7. Sonntag der Osterzeit

In der Unrast schenkst du Ruh,
hauchst in Hitze Kühlung zu,
spendest Trost in Leid und Tod.

IV

Symbol des Hl. Geistes:

  • Hand(auflegung)
  • Darreichung
  • göttl. Macht

Durch die Hand = Macht Gottes ergriffen zu sein, bedeutet Empfang des Geistes Gottes.
Jesus heilt Kranke und segnet Kinder, indem er ihnen die Hände auflegt.

Durch Handauflegung geschieht auch heute Verwandlung der Gaben von Brot und Wein durch Gottes Geist in Leib und Blut Christi – für uns gegeben.
Handauflegung vermittelt auch heute Segen, Beruhigung und Trost.

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Pfingstnovene (4. Tag):

Montag vor Pfingsten:

Komm, o du glückselig Licht,
fülle Herz und Angesicht,
dring bis auf der Seele Grund.

V

Symbol des Hl. Geistes:

  • Feuer

verwandelnde Kraft der Liebe Gottes

Das Feuer symbolisiert die verwandelnde Kraft des Heiligen Geistes.
Gott selbst verwandelt das Herz der Menschen, das steinhart geworden ist, in ein Herz, das sich erwärmt für andere. (vgl Ez 36,26-28: „Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch…).
Johannes der Täufer kündet an, dass Jesus „mit dem Heiligen Geist und mit Feuer“ tauft (Lk 3,16).

Jesus selbst sagt von sich: „Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!“ (Lk 12,49)
In „Zungen wie von Feuer“ (Apg 2,3) kommt der Heilige Geist am Pfingstmorgen auf die Jünger herab und verwandelt sie zu furchtlosen Zeugen der Botschaft Christi.

Auch wir können „Feuer und Flamme“ sein für das Evangelium und andere mit der Botschaft vom Heil „anstecken“.

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Pfingstnovene (5. Tag):

Dienstag vor Pfingsten:

Ohne dein lebendig Weh’n
kann im Menschen nichts besteh’n
kann nichts heil sein noch gesund.

VI

Symbol des Hl. Geistes:

  • Atem

belebend

Der Mensch kommt zum Leben, indem Gott ihm seinen Lebensatem = seinen Geist einhaucht. (vgl. Gen 2,7)
Die Jünger Jesu erhalten Anteil am neuen, österlichen Leben, indem der Auferstandene ihnen seinen Lebensatem einhaucht: „Empfangt Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, ist sie verweigert.“ (Joh 20,22f).

Alle Geschöpfe warten auf dich, Gott:
„nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin…
Sendest du deinen Geist aus,
so werden sie alle erschaffen,
und du erneuerst das Antlitz der Erde.“ (Psalm 104,29-30)

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Pfingstnovene (6. Tag):

Mittwoch vor Pfingsten:

Was befleckt ist, wasche rein,
Dürrem gieße Leben ein,
heile du, wo Krankheit quält.

VII

Symbol des Hl. Geistes:

  • Öl
  • Salbung

Sinnbild des Geistes Gottes ist auch die Salbung mit Öl.
Christus heißt „der Gesalbte“. Er ist der Messias, der Retter und Heiland der Menschen, denn er bringt uns das Heil Gottes, das alle Heilung von Krankheiten umfasst.
Durch die Salbung mit dem Heiligen Geist in Taufe und Firmung werden auch wir dazu gerufen, in unserem Leben zur Heilung der Menschen und zum Heil der Welt beizutragen.

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Pfingstnovene (7. Tag):

Donnerstag vor Pfingsten:

Wärme du, was kalt und hart,
löse, was in sich erstarrt,
lenke, was den Weg verfehlt.

VIII

Symbol des Hl. Geistes:

  • Wind
    dynamische Kraft
    Bewegung
    Unberechenbarkeit

Das deutsche Wort „Geist“ gibt das hebräische Grundwort „ruach“ wieder, das ursprünglich Hauch, bewegte Luft, Wind bedeutet.

Jesus gebraucht das eindrucksvolle Bild vom Wind, um Nikodemus das ganz Neue dessen verspüren zu lassen, das mit Jesu Geist in die Welt gekommen ist.
„Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist.“ (Joh 3,8)

Am Pfingsttag kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem die JüngerInnen Jesu waren. (vgl. Apg 2,2)

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Pfingstnovene (8. Tag):

Freitag vor Pfingsten:

Gib dem Volk, das dir vertraut,
das auf deine Hilfe baut,
deine Gaben zum Geleit.

IX

Symbol des Hl. Geistes:

  • Wasser
    neugeboren
    fruchtbares Leben

Bei der Taufe ist das Wasser ein Sinnbild des Wirkens des Heiligen Geistes. Ein Zeichen für die neue Geburt, durch die uns Anteil am göttlichen Leben geschenkt wird.

Der Geist ist das „lebendige Wasser“, von dem Jesus spricht (vgl. Joh 7,37ff)
und das aus dem durchbohrten Herzen Jesu am Kreuz hervorquillt (vgl. Joh 19,34)
und uns das ewige Leben schenkt. (vgl. Joh 4,10-14)

In den 7 Sakramenten entfaltet sich das göttliche Leben, das uns geschenkt ist in dieser Zeit der irdischen Pilgerschaft.

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Pfingstnovene (9. Tag):

Samstag vor Pfingsten:

Lass es in der Zeit besteh’n,
deines Heils Vollendung sehn
und der Freuden Ewigkeit.
Amen. Halleluja.

X

Symbol des Hl. Geistes:

  • Siegel(ring)

unauslöschlicher Charakter

Gott hat Christus „mit seinem Siegel beglaubigt“. (Joh 6,27)
Gott selbst, schreibt der Apostel Paulus, „der uns und euch in der Treue zu Christus festigt und der uns alle gesalbt hat, er ist es auch, der uns sein Siegel aufgedrückt und als ersten Anteil (am verheißenen Heil) den Geist in unser Herz gegeben hat.“ (2 Kor 1,21-22)

Wir haben von Christus „Brief und Siegel“ dafür, dass uns am Ende der Zeiten das Himmlische Jerusalem mit seinen Freuden erwartet.

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Gesamtbild der Pfingstnovene zum Pfingstfest:

1. Komm, o Geist der Heiligkeit,
aus des Himmels Herrlichkeit,
sende Deines Lichtes Strahl.

2. Vater aller Armen Du,
aller Herzen Licht und Ruh‘,
komm mit deiner Gaben Zahl.

3. Tröster in Verlassenheit,
Labsal voll der Lieblichkeit,
komm, o süßer Seelenfreund.

4. In Ermüdung schenke Ruh‘,
in der Glut hauch Kühlung zu,
tröste den, der trostlos weint.

5. O Du Licht der Seligkeit,
mach Dir unser Herz bereit,
dring in uns’re Seelen ein.
Pfingsten-01-c10. Gib Verdienst in dieser Zeit
und dereinst die Seligkeit
nach vollbrachter Wanderschaft.

9. Heil’ger Geist, wir bitten Dich,
gib uns allen gnädiglich
Deiner sieben Gaben Kraft.

8. Beuge, was verhärtet ist,
wärme, was erkaltet ist,
lenke, was da irre geht.

7. Wasche, was beflecket ist,
heile, was verwundet ist,
tränke, was da dürre steht.

6.Ohne Deinen Gnadenschein
steht der arme Mensch allein,
kann nicht gut und sicher sein.

Wurzeln und Früchte von Pfingsten

PFINGSTEN-11a

„Wenn das Weizenkorn in die Erde fällt und stirbt……bringt es reiche Frucht.“ (Joh 12,24)
Nach dem ersten Frühlingsvollmond feierten die alten Völker ein Frühlingsfest:

 

Neues Leben in der Natur beginnt.

50 Tage danach… – ein Tag der Freude – feierten die alten Völker ein erstes Erntefest:

 

Dank für das Geschenk der ersten Früchte die Gabe Gottes zum Leben.

Das jüdische Volk fügte eine neue Bedeutung hinzu:

 

sie feiern Pesach = das Überschreitungsfest:

in Erinnerung daran, dass Gott sein Volk hinausführte aus dem Land der Sklaverei:

Neues Leben in Freiheit beginnt.

das jüdische Volk fügte eine neue Bedeutung hinzu:

 

sie feiern Schawuoth = das Wochenfest:

in Erinnerung daran, dass Gott durch Mose mit seinem Volk einen Bund schloss und ihnen die Tafeln mit den Lebensregeln schenkte:

ein Fest des Dankes für die Thora – die Gabe Gottes für das Leben als sein auserwähltes Volk.

Für die Christen kommt Neues hinzu:

 

sie feiern Karfreitag, Karsamstag und Ostern:

zum Gedenken des Leidens – Sterbens – und Auferstehens Jesu, des Herrn: Der „Gesalbte Gottes“ – das Weizenkorn, stirbt am Kreuz und haucht seinen Geist aus. – Im Dunkel der Erde keimt die neue Frucht der Erlösung heran. – Christus, durchbricht die Grenze des Todes:

Neues österliches Leben – befreit von der Macht der Sünde und des Todes – beginnt.

für die Christen kommt Neues hinzu:

 

sie feiern Pfingsten = das Geburtsfest der Kirche

zum Gedenken daran, dass Gott mit Menschen aus allen Völkern einen Neuen Bund schloss und sie mit dem Geist seines Sohnes erfüllte:

ein Fest des Dankes für die Gabe(n) des Heiligen Geistes –

die Gabe Gottes für das Leben als missionarische Kirche des Herrn.

Gesamtbild zum Pfingstfest:

PFINGSTEN

1. Komm, o Geist der Heiligkeit,
aus des Himmels Herrlichkeit,
sende Deines Lichtes Strahl.

2. Vater aller Armen Du,
aller Herzen Licht und Ruh‘,
komm mit deiner Gaben Zahl.

3. Tröster in Verlassenheit,
Labsal voll der Lieblichkeit,
komm, o süßer Seelenfreund.

4. In Ermüdung schenke Ruh‘,
in der Glut hauch Kühlung zu,
tröste den, der trostlos weint.

5. O Du Licht der Seligkeit,
mach Dir unser Herz bereit,
dring in uns’re Seelen ein.

6.Ohne Deinen Gnadenschein
steht der arme Mensch allein,
kann nicht gut und sicher sein.

7. Wasche, was beflecket ist,
heile, was verwundet ist,
tränke, was da dürre steht.

8. Beuge, was verhärtet ist,
wärme, was erkaltet ist,
lenke, was da irre geht

9. Heil’ger Geist, wir bitten Dich,
gib uns allen gnädiglich
Deiner sieben Gaben Kraft.

10. Gib Verdienst in dieser Zeit
und dereinst die Seligkeit
nach vollbrachter Wanderschaft.

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* * *

Weitere Gebete zum Heiligen Geist:

„Um die dritte Stunde soll man sich zum Gebet erheben und die Bruderschaft versammeln…
Dabei sollen sie sich an die Herabkunft des Heiligen Geistes erinnern, der zur dritten Stunde den Aposteln geschenkt wurde.
Einmütig sollen sie ihn anbeten, damit auch sie gewürdigt werden, an der Heiligung Anteil zu erlangen, dass er sie leite und zu dem hinführe, was ihnen nützlich ist.“

(Basileios der Große, aus den Längeren Regeln, 37,3)


Bevor uns die Geschäfte des Tages ganz in Anspruch nehmen, wollen wir uns Gott öffnen. Woher nehmen wir die Kraft für unser Tagewerk, wenn nicht von Gott? Wer beschenkt uns mit Liebe zu anderen Menschen, zur Arbeit, wenn nicht Gott durch seinen guten Heiligen Geist? Er ist uns Beistand, Tröster, Fürsprecher, Geist der Wahrheit und der Versöhnung, der die Verbindung zu Jesus und den Schwestern und Brüdern schafft. Ohne ihn sind wir ohne rechte Orientierung, ohne Leitung und Hoffnung für uns selbst und für die Menschen, mit denen wir leben. Unsere leeren Hände will er mit seinen guten Gaben füllen, damit wir sie weiterschenken können.


Gebet um die Gaben des Heiligen Geistes

Komm, Heiliger Geist, Du Geist der Weisheit:
Dein Feuer prüft alle Weisheit dieser Welt.
Dein Sturm stürzt, was mächtig,
und erhebt, was niedrig ist.

Komm, Heiliger Geist, Du Geist der Einsicht:
Nur in Dir erfassen wir die göttlichen Geheimnisse.
Nur durch dich erkennen wir den Weg,
auf den wir gerufen sind.

Komm, Heiliger Geist, du Geist des Rates:
Du vertreibst Zweifel und Unsicherheit.
In dir wird uns der Wille des Herrn offenbar.

Komm, Heiliger Geist, du Geist der Stärke:
In deiner Kraft haben die Apostel, Märtyrer und Bekenner
den Mut zum Zeugnis für Christus aufgebracht.

Komm, Heiliger Geist, du Geist der Erkenntnis:
In der Schöpfung erkennen wir deine Macht,
in der Offenbarung deine Weisheit,
in der Erlösung deine Liebe.

Komm, Heiliger Geist, du Geist der Frömmigkeit:
In dir haben wir den Geist empfangen, der uns zu Söhnen Gottes macht,
und dürfen voll Freude rufen:
Abba, lieber Vater!

Komm, Heiliger Geist, du Geist der Gottesfurcht:
Du allein machst uns fähig,
die menschliche Sünde
und die göttliche Heiligkeit zu erkennen.


Heiliger Geist,

Du erfüllst die Engel,
heiligst die Gewalten
und belebst alles.
Du teilst dich in je verschiedener Weise
der ganzen Schöpfung mit.

Du schenkst uns die Gnade,
Du erleuchtest uns zur Erkenntnis Gottes.
Du vollendest die Gerechtren,
machst die Toten lebendig
und Fremdlinge zu Kindern Gottes.

Durch Dich werden die Schwachen stark,
die Armen reich,
die Unmündigen und Ungebildeten
weiser als die Gelehrten.

Du bist im Himmel und erfüllst die Erde.
Du bist überall zugegen und nirgends kennst Du Schranken.
Du wohnst in jedem Menschen
und bist ganz Gott.

Wir bitten Dich:
Nimm Wohnung in unseren Herzen
und verlass uns zu keiner Zeit.

Amen.

(Basileios der Große ca. 330 – 379)


Komm, Heiliger Geist,

und entzünde unsere Herzen in Liebe zu Dir.
Komm, Du Geist der Kraft,
und bewege unsere Seelen,
dass sie hungern und dürsten nach Dir.

Erfülle mit Deiner Gegenwart die Kirche,
dass Dein Friede nicht von ihr weiche.
Segne in ihr jede Verkündigung des Wortes,
jeden Dienst der Liebe,
jedes Amt der Leitung.
Schenke uns für die Erneuerung Deiner Kirche
Weisheit, Zucht und Frieden.

Du Tröster in aller Not,
erbarme Dich über uns;
wende Deinen Segen nicht von uns ab;
und tue mehr,
als wir zu bitten vermögen.

Amen.

(Gerhard Tersteegen, 1697 – 1769)


Komm, Heiliger Geist,

der Du im Glück die Seele bewahrst
und Beistand bist in der Not;

der Du von Missetat reinigst
und Wunden heilst.

Komm, Du Lehrer der Demütigen
und Richter der Hoffärtigen.

Komm, Du Hoffnung der Armen,
Du Kraft der Müden.

Komm, Heiliger Geist,
und erbarme Dich unser.

(Abt Johannes von Fécamp, 990 – 1078)


Du Heiliger Geist des lebendigen Gottes,

durch den Glauben darf ich jetzt dankbar erkennen,
dass Du in mir gegenwärtig bist.

In der Tiefe meines Wesens,
tiefer als alle meine Gedanken,
tiefer als meine Gefühle,
tiefer als mein Wille
hast Du Wohnung genommen.

Ich preise Dich,
ich bete Dich an,
ich liebe Dich,
ich danke Dir,
dass Du Dich so tief herabgelassen
und meinen Leib zu Deiner Herberge gemacht hast,
ja dass Du ihn Deinen Tempel nennst.

Vor allem danke ich Dir,
dass Du mir den Herrn Jesus Christus,
meinen Heiland geoffenbart hast
und mir alle Segnungen
seines Sühnetodes zugeeignet hast.

Ich möchte mich nun
für diesen neuen Tag
Deinem Vorhaben mit mir
und Deiner Führung ganz und gar ausliefern.

Leite mich
und bereite mich auf jegliche Gelegenheit vor,
Deine mächtige Kraft zu erfahren.

Lege mir heute mein Kreuz auf,
und gib mir eine besondere Möglichkeit,
meinem Ich abzusagen und abzusterben,
damit Jesus Christus in mir leben kann.

Lass mich ein Kanal
der Liebe und der Heilung,
der Kraft und des Segens
für jeden werden,
den Du mir heute in den Weg stellst
und begegnen lässt.

Das alles, o Heiliger Geist, geschehe,
damit unser liebender Vater im Himmel
verherrlicht werde
und heute an mir sein Wohlgefallen habe.

Amen.

(Larry Christenson)


Heiliger Geist,

Du Tröster,
Du liebevoller Fürsprecher und Beistand,
Dein Licht durchbricht den Nebel meines Misstrauens,
erhellt die Nacht meiner Angst.
Deine Kraft sprengt das Gefängnis meiner Selbstanklagen,
reißt die Mauern meiner Zweifel nieder,
öffnet den Teufelskreis meiner gefangenen Gedanken und Blicke.

Mit zärtlicher Hand schriebst Du
die heilenden Worte des Vaters in mein Herz:
„Mein Kind, du bist erwählt, geliebt, gerechtgesprochen.“
Du malst mir Jesus vor Augen:
sein Leben, sein Lieben, sein Leiden…
In seinem Gesicht erkenne ich den Vater:
aus dem gnadenlosen Richter
wird der Gott,
der bedingungslos für mich ist,
der mir seinen Sohn schenkt,
seinen einzigen Sohn,
sein Innerstes und Liebstes,
sein Herz.

Und endlich löst sich mein verkrampftes Herz.
Ich lasse mich fallen in Deine liebenden Arme, Vater!
Du hältst mich,
auch da noch, wo ich versage,
auch da noch, wo ich keine Worte mehr finden kann,
auch da noch, wo ich mit Deiner ganzen Schöpfung leide
an allem Unheil, Gequälten, Zerstörten, Verzerrten,
auch da noch, wo ich zu verzweifeln drohe am „Noch-Nicht“,
auch da noch, wo ich nichts mehr sehen kann
von Deinem Heil und Deiner Erlösung.

Deine Liebe hält mich.
Sie greift tiefer, als ich fallen kann,
sie ist mächtig über alle Mächte dieser Welt,
sie ist gegenwärtig in meiner Gegenwart,
in meiner Vergangenheit und Zukunft,
sie ist realer als alles Sichtbare und Vordergründige.
Sie rief mich ins Leben,
sie erwartet mich an der Schwelle des Todes.
Deine Liebe ist grenzenlos –
und doch verstehbar geworden in Jesus.
Nichts kann mich von Deiner Liebe trennen.
Nichts – nichts.

(Dorette Constam)


Anbetung Dir, o Heiliger Geist.

Du Feuerflamme Gottes des Allerhöchsten,
der Du hernieder kommst
auf uns sündige Menschenkinder,
uns zu entzünden
zur Glut der Gottesliebe.

Anbetung Dir, o Heiliger Geist.

Du Geist des Lebens,
der Du Totengebeine lebendig machst
und als Odem Gottes
unsere toten Herzen anhauchst,
dass wir zum Leben erwachen
und unseren Heiland und Erretter preisen.

Anbetung Dir, o Heiliger Geist.

Du Geist der kraft und der Stärke,
der Du zerbrichst das Hohe und Erhabene
und erniedrigst die Stolzen,
dass der Eine, Gott,
allein hoch sei.

Anbetung Dir, o Heiliger Geist.

Du Gottesgeist,
der Du aus Gott kommst
und die Tiefen der Gottheit erforschst
und sie denen kundtust,
die Gott lieben.

Anbetung Dir, o Heiliger Geist.

Du Geist der Freude,
der Du die Traurigen tröstest,
bekümmerte Herzen voll Lebens machst
und sie erfüllst
mit dem Glanz Gottes.

Anbetung Dir, o Heiliger Geist.

Du Geist der Wahrheit,
der Du dem Schwerte gleich
scheidest Mark und Bein
und richtest die Gedanken
und bringst das Verborgene
ans Licht.

Anbetung Dir, o Heiliger Geist.

Du strahlst in der Finsternis
als das helle Gotteslicht
und erleuchtest uns,
dass wir den Weg Gottes finden
und nicht zu irren brauchen.

Anbetung Dir, o Heiliger Geist.

Du schöpferischer Geist,
der Du Menschenkinder
von neuem geboren werden lässt
und Sünder
zu Kindern Gottes machst.

Anbetung Dir, o Heiliger Geist.

Du Geist der Vollendung,
der Du das Bild Gottes,
in uns sündigen Menschen gestaltest
und vollendest zur göttlichen Klarheit.

Anbetung Dir, o Heiliger Geist.

Du fährst wie Windesbrausen
durch Himmel und Erde
und erfüllst Deine Gemeinde
mit dem Geist der Anbetung
und des Dankes.

Anbetung Dir, o Heiliger Geist.

Du ewiger Geist,
der Du bist und warst.
Du bist dem Vater und dem Sohne gleich
und eins mit ihnen
als ewige Gottheit.

Amen.

(M. Basilea Schlink, * 1904)


O Heiliger Geist, am Anfang Du,

der sinnende, die große Ruh‘
hoch überm Ungestalten!
Du, als der Schöpfungsmorgen kam,
Dein Brausen seinen Anfang nahm
Du Sturm, nicht aufzuhalten.

Du Leben, Odem, Gotteshauch,
Du warst der Brand im Dornenstrauch,
das Feuer der Propheten!
Du bist die Sehnsucht im Advent,
Du bist die Glut, die dann noch brennt,
wenn alle Glut zertreten.

Komm, Himmelsschiff, dein Feuerbord
durchfahr‘ erleuchtend Gotteswort,
lehr seine Lieb‘ uns denken.
Und dass er nur noch göttlich heißt,
pflüg um den alten Menschengeist,
den Deinen einzusenken.

Dein Siebenkorn der Gaben streu‘.
Gieß Deinen Tau und sprieße neu,
o Wachstum, Du unbändig!
Du guter Keim in jedem Kern,
Du Güte und Du Zorn des Herrn,
Du Freude tief inwendig!

Du Jubel, der das All durchbraust,
o komm, wo Furcht und Schrecken graust,
wo einer friert und schauert.
O komm, Du Licht, Du Feuerschein,
Du unser tiefstes Fröhlichsein,
wo einer trübt und trauert.

O komm, wo Hass den goldnen Krug,
der Deine Fülle hält, zerschlug,
rett‘ die vom Tod Verneigten.
O Wort, voll Macht zur rechten Zeit,
Du Mut im Sterben, Kraft im Leid,
komm, Trost der Hergebeugten!

Komm, Liebe, sprich durch unsern mund,
nur Deine Sprache töne rund,
die Babylon vernichtet.
Davor erhebt der Höllengrund,
davon die kranke Welt gesund!
Dein Reich sei aufgerichtet.

(Franz Johannes Weinrich)


Komm, Geist, Geist des Vaters und des Sohnes.

Komm, Geist der Liebe, Geist der Kindschaft,
Geist des Friedens, der Zuversicht,
der Kraft und der heiligen Freude.
Komm, du geheimer Jubel in den Tränen der Welt.
Komm, du siegreiches Leben im Tod der Erde.
Komm, du Vater der Armen,
du Beistand der Bedrängten.
Komm, du Licht der ewigen Wahrheit.
Komm, du Liebe,
die in unsere Herzen ausgegossen ist

So komm, komm täglich neu und mehr.
Auf dich vertrauen wir.
Worauf könnten wir sonst vertrauen?
Dich lieben wir, weil du die Liebe selber bist.
In dir haben wir Gott zum Vater,
weil du in uns rufst: Abba, lieber Vater.
Wir danken dir, du Lebendigmacher,
du Heiliger Geist, der du in uns wohnst,
dass du selbst das Siegel des lebendigen Gottes
in uns hast sein wollen,
das Siegel, dass wir sein Eigentum sind.
Bleib bei uns.
Verlass uns nicht.
Nicht im bitteren Kampf des Lebens.
Und nicht am Ende, wo uns alles verlässt.
Veni, Sancte Spiritus.

(Karl Rahner, 1904-1984, Jesuit, katholischer Theologe)


Gebet um die Kraft des Heiligen Geistes

Atme in mir, du Heiliger Geist,
dass ich Heiliges denke.

Treibe mich, du Heiliger Geist,
dass ich Heiliges tue.

Locke mich, du Heiliger Geist,
dass ich Heiliges liebe.

Stärke mich, du Heiliger Geist,
dass ich Heiliges hüte.

Hüte mich, du Heiliger Geist,
dass ich das Heilige nimmer verliere.

(dem Hl. Augustinus zugeschrieben)


Pfingstlied

Komme, geheimnisvoller Atem,
leiser zärtlicher Wind,
hauche uns an, damit wir leben,
ohne dich sind wir tot!

Komme, in Feuer und in Flammen,
zünd uns an wie ein Licht,
mache und trunken von der Liebe,
wir sind starr, tau uns auf!

Komme, Erfinder neuer Sprachen,
gieß dich aus über uns,
rede in uns mit neuen Zungen,
komm, begeistere uns!

Komme, du Hoffnung aller Armen,
schaff den Wehrlosen Recht,
dass die Gebeugten sich erheben,
dass sich Völker befrein!

Komme, du Tröster aller Müden,
Stille mitten im Lärm,
in den Terminen schaff uns Pausen,
lass uns ausruhn in dir.

Komme, du Taube übers Wasser,
bring den Ölzweig herbei,
bring uns das Zeichen für den Frieden,
den die Erde ersehnt!

Komme vom Vater und vom Sohne,
komme du schaffende Kraft,
mache uns neu, und unsre Erde
hat ein neues Gesicht!

(Lothar Zenetti)


Komm Heiliger Geist,

Du Geist der Wahrheit,
die uns frei macht.

Du Geist des Sturmes,
der uns unruhig macht.

Du Geist des Mutes,
der uns stark macht.

Du Geist des Feuers,
das uns glaubhaft macht.

Komm Heiliger Geist,

Du Geist der Liebe,
die uns einig macht.

Du Geist der Freude,
die uns glücklich macht.

Du Geist des Friedens,
der uns versöhnlich macht.

Du Geist der Hoffnung,
die uns gütig macht.

Komm Heiliger Geist!

(Theo Schmidkonz SJ)


Komm, Du Geist des Vaters und des Sohnes!

Komm, Du Geist der Freude
in die Müdigkeit unserer Herzen!

Komm, Du Geist der Befreiung
und weite unseren Blick über die eigene Enge hinaus!

Komm, Du Geist der Versöhnung
und löse die Verhärtung unserer Gedanken!

Komm, Du Geist der Hoffnung,
wenn Zweifel und Ängste uns quälen!

Komm, Du Geist des Lebens
und wecke die tiefsten Wurzeln des Vertrauens!

Komm, du Geist der Liebe
und entzünde in uns das Feuer Deiner Begeisterung!

Komm, Du Geist der Schöpfungsfreude
und lass die Strahlen deines Lebenslichtes uns treffen,
damit wir – angesteckt von dieser Glückseligkeit –
mitbauen an der Vollendung der Welt in Liebe!

Komm, Heiliger Geist.
Amen. Halleluja!


Komm, du Heiliger Geist
und erneuere in uns
das göttliche Leben
dein Geschenk in der Taufe.

Komm, du Atem Gottes
und erfülle uns neu
mit deiner Frische
und Lebenskraft.

Komm, du frischer Wind
und bringe in Bewegung
jede und jeden von uns
und deine oft träge Kirche.

Komm, du Feuer der Liebe
und entflamme uns neu
den Armen Gerechtigkeit
und Freude zu bringen.

Komm, du Taube des Friedens
und beflüg’le unser Leben
als deine Friedensboten
in unserer Welt zu wirken.

(Georg Michael Ehlert)

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

.

Stand: 21.05.2020

Sehnsuchtsrufe im Advent

Die O-Antiphonen

 

Das Herzstück im kirchlichen Stundengebet in der Adventszeit
sind die besonderen Antiphonen zum Magnifikat in der Vesper –
die sogenannten O-Antiphonen:

O Sapientia (17. Dez.)
O Adonai (18. Dez.)
O radix Jesse (19. Dez.)
O clavis David (20. Dez.)
O Oriens (21. Dez.)
O Rex gentium (22. Dez.)
O Emmanuel (23. Dez.)
(O Virgo virginum) (24.Dez.)

siehe auch: „Herr, send herab uns deinen Sohn“ –
ein Lied aus dem Gotteslob zu den O-Antiphonen (GL 222)

7 x O komm…

Mit sieben Namen
preist die Kirche den Herrn
in den letzten Tagen vor Weihnachten –
die Antwort auf die alten Verheißungen:

oh Sapientia – o Weisheit, die zeigt, was nötig ist;
oh Adonai – o mein Herr, der uns den Weg führt;
oh Radix Jesse – o Wurzel, aus der alles wird;
oh Clavis David – o Schlüssel, der unsere träume deutet;
oh Oriens – o Aufgang, Glanz des ewigen Lichtes;
oh Rex gentium – o König, vor dem alle ein Volk sind;
oh Emmanuel – o Gott mit uns; du Licht gegen all unsere Dunkelheit.

Mit dem 17. Dezember beginnen die letzten 8 Tage auf Weihnachten zu, der sogenannte Hohe Advent. Schon seit dem 8. Jahrhundert werden an den letzten sieben Tagen vor Weihnachten in der Vesper, dem Abendgebet der Kirche, die sogenannten O-Antiphonen gesungen.

Antiphon
(= wörtlich „Gegenklang“ / Echo) ist ein Kehr- und Rahmenvers eines Psalms.
Die besonderen Rahmenverse zum Magnifikat – dem Lobgesang der Gottesmutter Maria – in der Vesper vom 17. – 23. Dezember beginnen jeweils mit dem Sehnsuchtsruf O.

Die Buchstaben A und O weisen hin auf den ersten und letzten Buchstaben im griechischen Alphabet: das Alpha und das Omega. In der Offenbarung des Johannes wird Christus als das Alpha und Omega bezeichnet (vgl. Offb 22,23).
Christus ist das „A und O“ der Welt – der, auf den es wirklich ankommt.

Oh!
– ist ein tiefer menschlicher Laut. Es sieht und hört sich an wie ein offener Mund, der noch nicht weiß, ob er klagen oder staunen soll.

Veni! – Komm!
Dieser Ruf spielt eine große Rolle in den verbreiteten Rufliedern der Antike.
Urerlebnis der Menschen ist die Ankunft, das Kommen. (Menschen – Einsamkeit – Sehnsucht – Erwartung – Heimkehr …)
Die 7 O-Antiphonen des Advents sind Variationen über den Schluss der Offenbarung des Johannes (Offb 22, 16):
„Ich bin die Wurzel und der Stamm Davids, der glänzende Morgenstern. Wer hört, der spreche: Komm! Wer dürstet möge kommen… Der dies bezeugt, Spricht: Ja, ich komme bald. Amen. Komm, Herr Jesu!“

Die einzelnen Antiphonen drücken die Sehnsucht nach dem Kommen des Herrn aus. In einer gewissen Steigerung weisen sie darauf hin, dass der Gott, der von Anfang an der Herr der ganzen Welt ist, der sich in der Geschichte dem Volk Israel in besonderer Weise offenbart hat, nun kommen wird, um alle Menschen aus der Finsternis zum Licht des Lebens zu führen.

Die Antiphonen beginnen jeweils mit einer Anrufung Christi mit einem Titel, der aus dem Alten Testament stammt. Es sind die folgenden:

Sapientia – Weisheit,
Adonai – Mein Herr,
Radix Iesse – Wurzel Isais,
Clavis David – Schlüssel Davids,
Oriens – Morgenstern,
Rex – König,
Emmanuel – „Gott-mit-uns!“.

Nach der genannten Anrufung werden die einzelnen Themen näher ausgeführt
und jede Antiphon endet mit dem flehentlichen Ruf „veni…“ – komm! und einer Bitte.

I. Ruflieder uralter Sehnsucht

Die sieben O-Antiphonen sind in ihrer Textform gleich gestaltet.
Sie beginnen mit jeweils einer Anrufung, die mit ihren verschiedenen alttestamentlichen Bildern jeweils als Aussagen über Christus zu verstehen sind. Dann folgt jeweils der sehnsuchtsvolle Gebetsruf: „Komm!“
und es wird das ersehnte Ziel des Kommens zum Ausdruck gebracht.

Diese O-Antiphonen übernehmen damit die Form der sogenannten „Ruflieder“, mit der in vorchristlicher griechischer und römischer Religion jeweils die kultisch gefeierte Ankunft („Adventus“) der Götter – nach Augustus auch der als Götter verehrten Kaiser – besungen wurde.
Die römische Liturgie übernimmt für ihre Feier der Vorbereitung auf Weihnachten, die dem „Advent“ zugehörige Liedform der „Ruflieder“.

II. Prophetische Visionen

Die älteste Handschrift, die uns der Text der sieben O-Antiphonen überliefert, ist das Responsoriale von Compiègne (2. Hälfte des 9. Jh., PL 78, 732f). Hier wird noch eine 8. Antiphon angefügt, die sich jedoch an die Jungfrau Maria richtet.

Die einzelnen O-Antiphonen sind eine „wunderbare Schau“, in der verschiedene biblische, besonders alttestamentliche Texte der Not und der Hoffnung auf Heil anklingen. Sie werden jeweils auf die Ankunft/ Wiederkunft Christi bezogen.

III. Kosmische Ordnung
Sowohl bei der Siebenzahl (bzw. der Zahl acht) als auch bei dem Aufbau der Antiphonen ist eine verborgene Symbolik zu entdecken. „Sieben ist das Zur-Vollendung-Kommen, die achte erklärt und zeigt, was vollendet ist.“ (Amalar von Metz). Charakteristisch für mittelalterliches Denken ist, dass es von „Stufen“ spricht, von einem stufenweisen Prozess der Annäherung. Es legt sich die Vermutung nahe, dass mit den sieben O-Antiphonen auf die sieben Planeten Bezug genommen wird.
Den Planeten – in der Reihenfolge ihrer Entfernung von der Erde – Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus, Merkur und Mond (Uranus, Neptun u. Pluto wurden erst in der Neuzeit entdeckt) ist gemeinsam, dass nur sie – von der Erde aus gesehen (!) – vor dem Fixsternhimmel in festen Bahnen um die Erde sich bewegen.

In die Harmonie der kosmischen Bahnen sah sich der mittelalterliche Mensch selbst eingebunden. Diese sieben Planeten tragen die Namen mythischer Gottheiten und sie symbolisieren verschiedene Kräfte im Menschen.

In den O-Antiphonen erklingt der Ruf nach Erlösung aller dieser Kräfte des Menschen, die durch die mythischen Gottheiten symbolisiert werden. Mit ihrem eindringlichen Ruf „Komm!“ sind die O-Antiphonen ein christliches Lied, das der Sehnsucht des Herzens Ausdruck verleiht, die Verheißung Christi möge sich endlich erfüllen:

„Seht, ich mache alles neu“
(Offb. 21,5).

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17. Dezember: O Sapientia – o Weisheit

O Sapientia,
quae ex ore Altissimi prodisti
attingens a fine usque ad finem
fortiter suaviter disponensque omnia:
–veni ad docendum nos viam prudentiae.

–> O Sapientia (YouTube)

O Weisheit,
die du aus dem Mund des Höchsten hervorgegangen bist –
umspannend von einem Ende bis zum anderen
mit Macht und mit Milde ordnend das All:
– komm, uns zu lehren den Weg der Klugheit.

Lob auf Gottes Weisheit:
Sir 24,3: “Ich ging aus dem Mund des Höchsten hervor…”
Weish 8,1: “Machtvoll entfaltet sie ihre Kraft von einem Ende zum andern und durchwaltet voll Güte das All.”
Jes 40,14: “Wer könnte ihm (= Gott) zeigen den Weg der Klugheit?”

Diese Antiphon ruft nach Christus, der schöpferischen Weisheit Gottes als dem Lehrer, der Macht hat. Er soll in uns bewirken, den rechten Weg zu gehen.

Saturn als letzter der (damals) sichtbaren Planeten in unserem Sonnensystem deutet die Grenze des Lebensbereiches an, er geht nur langsam voran, sein Licht ist matt.

So bedeutet Saturn das Prinzip der Begrenzung des Lebens. Begrenzung bedeutet zugleich aber auch Formung; ohne Grenzsetzung gibt es keine Ordnung, keinen Weg, verliert sich alles.

So meint Saturn die zwar leidvolle, zugleich aber auch notwendige Erfahrung der Grenze auf dem Weg des Reifens zur Weisheit.

Es ist nicht schwer, in der ersten O-Antiphon den Ruf nach der positiven, heilenden Kraft des Saturn zu entdecken. Hinzu kommt, dass – beginnend mit dem 17. Dezember, an dem diese Antiphon gesungen wird – im Alten Rom die Feier der Saturnalien begann, die seit der Kaiserzeitdurch sieben Tage hindurch begangen wurde.

o-antiphon-4-17

Christus ist die Weisheit,
das dem Vater wesensgleiche Wort.
In diesem Wort der Weisheit hat Gott die Welt erschaffen
und in ihm erhält er die Welt am Leben.

Weil durch Jesus Christus alles entstanden ist,
ist die Welt schon seit ihrem Anbeginn
ganz von ihm erfüllt und wird von seiner Kraft und Milde geordnet.

Gott hat seine Weisheit schon dem Volk Israel kundgetan,
doch in Jesus Christus kommt das Wort,
durch das Gott die Welt erschaffen hat, selbst in diese Welt.

Die Weisheit Gottes spricht selbst zu uns
und offenbart uns den Weg der Weisheit und der Einsicht.

Der Mensch hat die Wahl, sich für die Weisheit Gottes
oder seine eigene Weisheit zu entscheiden.

Wir bitten darum, dass Christus auch in unserem Herzen geboren werde
und uns den Weg der Weisheit lehre, damit wir leben, wie es recht ist vor Gott.

Jesus, du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben, zeige uns den Weg zum Leben!

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18. Dezember: O Adonai – o mein Herr

O Adonai et Dux domus Israel –
qui Moysi in igne flammae rubi apparuisti
et ei in Sina legem dedisti:
– veni ad redimendum nos in brachio extento.

–> O Adonai (YouTube)

O Herr und Führer des Hauses Israel –
der du Mose in der Feuerflamme des Dornbuschs erschienen bist
und ihm auf dem Sinai das Gesetz gegeben hast:
– komm und erlöse uns mit erhobenem Arm.

Zugrunde liegt Ex 6,3ff = die Verheißung Gottes
an Mose, sein Volk mit machtvoll erhobenem Arm aus der Knechtschaft Ägyptens zu erlösen und herauszuführen. Hinweis in Mi 5,1 auf den „Führer des Hauses Israel“
Zur Erscheinung Gottes im Dornbusch vgl. Ex 3,2 u. am Sinai vgl. Ex 19ff.

Diese Antiphon ruft nach Christus, dem Offenbarwerden der Herrschaft des Wortes Gottes in einer Weltordnung, die besser ist als die, in der wir leben.

Jupiter ist in der Mythologie der „Höchste“ der Götter, der „Herr“ des Himmels, der Inbegriff aller Rechtsordnung.
Diese „Souveränität“ kommt in dem nach ihm benannten Planeten darin zum Ausdruck, dass er zwölf Jahre für seinen Umlauf um die Sonne benötigt, so viele Jahre, wie das Sonnenjahr Monate hat.
Das Jupiterjahr ist ein Jahr höherer Ordnung.
So bezeichnet Jupiter das Streben des Menschen nach einer neuen, besseren Weltordnung – korrespondierend jener Gottesherrschaft, nach der wir in der 2. O-Antiphon rufen, zudem nach begründeter Ansicht der Jupiter der Stern ist, der zusammen mit dem Saturn der Stern ist, dessen besondere Erscheinung nach Mt. 2,2 auf den Messias verweist. 

o-antiphon-4-18

Wir sehnen uns nach der Wärme und dem Licht des Feuers,
wir sehnen uns nach Nähe, nach einem Antlitz, das sich uns zuneigt.
Wir sehnen uns nach Freiheit.

Herr Jesus, wenn du uns befreist, sind wir wirklich frei (Joh 8,36).
Komm Herr und mach uns frei!

Gott ist wie ein nie verlöschendes Feuer –
und wir sollen uns von diesem Feuer entfachen lassen.

Gottes Feuerflamme, sie zeigt sich uns im Heiligen Geist. Wir wissen, dass er am ersten Pfingstfest in Feuerzungen auf die Jünger herabkam und ihnen die Kraft gab, von Jesus Christus Zeugnis zu geben. Das war kein einmaliges Ereignis. Pfingsten ereignet sich immer neu. In Taufe und Firmung wird jeder Mensch hinein genommen in die Gemeinschaft der Geisterfüllten. Doch leicht wird der Glaube zur Routine, der Funken springt nicht über.

Habe ich die Sehnsucht, dass Gottes Feuer in mir zu brennen beginnt?

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19. Dezember: O Radix Jesse – O (Spross aus der) Wurzel Isais

O radix Jesse,
qui stas in signum populorum –
super quem continebunt reges os suum,
quem gentes deprecabuntur:
– veni ad leberandum nos, jam noli tardare.

–> O Radix Jesse (YouTube)

O (Spross aus der) Wurzel Isais,
der du stehst als Zeichen für die Nationen – 
vor dem die Könige ihren Mund schließen,
den die Völker anflehen:
– komm, uns zu befreien, säume nicht länger.

Grundtext ist die prophetische Verheißung aus Jes 11,1-10, die die machtvolle Wirkung des aus der Wurzel Isais aufgehenden Sprosses betont.
Vgl. auch die Aussagen aus den Liedern vom leidenden Gottesknecht: Jes 52,15; 53,2.7

Diese Antiphon ruft nach Christus, dem Herrscher, der ganz anders ist als die, die wir kennen, nach dem verheißenen Neuanfang, nach dem ganz Anderen,
der die Mächtigen dieser Erde endlich zum Schweigen bringt.

Mars – nach dem römischen Kriegsgott benannt
– symbolisiert die Aggressivität und Vitalität im Menschen, seine Antriebskraft und Schaffens- freude. Astrologisch beherrscht Mars das neue Aufsprießen der Natur im Frühjahr, wenn die Sonne im Tierkreiszeichen Widder steht.
Die Initiative Gottes zu unserem Heil beginnt mit dem „Spross“ aus der Wurzel Isais, nach dem wir in der 3. O-Antiphon rufen.

o-antiphon-4-19

Aus der Wurzel Isais wächst ein Zweig empor,
ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht.
Der Geist des Herrn lässt sich nieder auf ihm,
der Geist der Weisheit und der Erkenntnis,
der Geist des Rates und der Stärke,
der Geist des Wissens und der Frömmigkeit
und es erfüllt ihn der Geist der Gottesfurcht.
(Jes 11,1-3)

Jesus aus Nazaret (= Sprossdorf) ist dieser Spross aus der Wurzel Isais
der verheißene König. Ihn flehen die Völker an, dass er sie herausführt aus Dunkel und Finsternis in sein Licht.

Das Königtum Christi ist anders als das der weltlichen Könige.
Sein Reich, das Reich Gottes, ist nicht von dieser Welt.
Hier in dieser Weltzeit umspannt es verborgen alle Völker der Erde
und wird erst am Ende der Zeiten offenbar werden.

Die Sterndeuter fragten nach dem neugeborenen König der Juden (Mt 2,2)
und vor Pilatus sagt Jesus selbst: „Ja, ich bin ein König.“ (Joh 18,37)

Beten wir mit dem Schächer am Kreuz:
„Herr, denk an mich, wenn Du mit Deiner Königsmacht kommst!“
(Lk 23,42)

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20. Dezember: O clavis David – O Schlüssel Davids

O clavis David et sceptrum domus Israel –
qui aperis et nomo claudit;

claudis et nemo aperit:
– veni et educ vinctum de domo carceris,
sedentem in tenebris et
umbra mortis.

–> O clavis David (YouTube)

O Schlüssel Davids und Zepter des Hauses Israel –
der du öffnest und niemand
schließt;
du schließt, und niemand
öffnet:
– komm und führe den Gefangenen aus dem Kerker,
den, der sitzt in Finsternis
und Schatten des Todes.

Grundlage ist Jes 22,20, wo Eljakim berufen wird als Verwalter im Hause Davids die Schlüssel übertragen bekommt. –
Gen 49,10 spricht davon, dass das Zepter von Juda nie weichen wird. –
In Jes 9 wird das Kommen dieses verheißenen Herrschers aus Juda auf dem Thron Davids gefeiert.
In Lk 1,78f besingt Zacharias Christus als das aufstrahlende Licht…

Diese Antiphon ruft nach Christus, nach der Macht, die wie die Strahlen der Sonne
in der Finsternis befreiend wirken, mit gleichsam königlicher Autorität
aus der Todesangst herauszuführen vermag.

Der strahlende Sonnenball – Symbol für Christus, die Sonne der Gerechtigkeit. Unter dessen Strahlen ist das Leben auf der Erde schlechthin überhaupt erst möglich. Die Sonnenstrahlen lassen die Samen aus der finsteren Erde aufkeimen und Frucht bringen.

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Der Zugang zum Heil Gottes,
der bisher nur dem Volk Israel offen stand und den Heiden verschlossen war,
wird durch Christus allen Völkern eröffnet.
So werden alle Menschen aus Finsternis und Tod befreit.

Aphrahat, der Persische Weise, beschreibt,
wie Christus nach seinem Tod die Gefangenen aus der Unterwelt befreit:

Er betrat die Scheol und führte die Gefesselten heraus.
Mit dem Bösen kämpfte er, bezwang ihn und trat ihn nieder,
durchbrach seine Bahnen und plünderte seinen Besitz;
er zerbrach seine Pforten und riss seine Riegel ab.
Er versiegelte unsere Seelen mit seinem eigenen Blut.
Er ließ die Gefangenen frei aus der verschlossenen Grube.

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21. Dezember: O Oriens – O Morgenstern

O Oriens,
splendor lucis aeternae –
et sol justitiae:
– veni et illumina
sedentes in tenebris et umbra mortis.

–> O Oriens (YouTube)

O Morgenstern,
Glanz des ewigen Lichtes –
und Sonne der Gerechtigkeit:
– komm und erleuchte,
die sitzen in Finsternis und im Schatten des Todes.

Dass der Herr wie ein Stern aufgeht, wird in Jes 60,2 gesagt,
und nach Jes 62,1 steigt in Jerusalem sein „Glanz“ auf.
Die Deutung als „Morgenstern“ ist von Offb 22,16 her gerechtfertigt.

Diese Antiphon ruft nach Christus, nach dem Licht der Gerechtigkeit, das die Menschen aus der Todesverfallenheit retten kann.

Die Venus – ist der Morgenstern, nach dem die 5. O-Antiphon ruft.
Der Ruf nach „Gerechtigkeit“ ist der Ruf nach der Venus.
Sie ist ein Bild für das Streben nach Ausgeglichenheit, Harmonie, Schönheit und Gerechtigkeit.
In Verbindung mit Mars gebiert sie – mythologisch gesprochen – Eros, die Liebe.

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Wir leben in der Spannung zwischen dem „schon“ und dem „noch nicht“.

Wir gehen dem Morgenstern entgegen, dem Aufgang der Sonne – Christus.

Er ist schon gekommen als Licht der Welt,
aber sein Glanz hat noch nicht alle Herzen erfasst und durchdrungen.

Wir beten darum, dass in uns und allen Menschen
das Licht Christi immer stärker leuchten möge.

Herr Jesus, strahlender Morgenstern, Licht der Welt,
die Nächte sind oft lang und lasten schwer auf uns:
die Dunkelheit des Geistes, die Nacht der Seele.
Gib uns Hoffnung, bis der Morgenstern aufgeht in unseren Herzen.
Komm und erleuchte uns mit dem Strahl deines Lichtes.
Mach die Finsternis in unseren Herzen hell
und lass uns dereinst in die neue Stadt Jerusalem gelangen,
deren Leuchte du bist und in der es keine Nacht mehr geben wird.

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22. Dezember: O Rex gentium – O König der Völker

O Rex gentium, et desideratus earum –
lapisque angularis, qui facis utraque unum:
– veni et salva hominem, quem de limo formasti.

–> O Rex gentium (YouTube)

O König der Völker und ihr Ersehnter –
du Schluss-stein, der du die beiden vereinigst:
– komm und heile den Menschen, den du aus Lehm gebildet hast.

Vgl. Ps 47,9: dass Gott als König herrscht vgl. Eph. 2,20, wo von Christus als dem „Schluss-stein“ die Rede ist, der alles zusammenhält. Alle Menschen sind nach Gen 2,7 aus Lehm gebildet.

Diese Antiphon ruft nach Christus, nach dem, der die Entfremdung der Menschen aufzuheben vermag in einer Neuen Einheit und Gemeinschaft, in einem neuen Frieden.

Der Merkur symbolisiert alles Machen und Kombinieren sowie die Fähigkeit zur Mitteilung, zur Kommunikation, nach der die 6. O-Antiphon ruft.

o-antiphon-4-22

Der Glaube sieht in Jesus Christus die sehnsüchtige Erwartung des Volkes Israel nach dem Messias erfüllt.
Doch er ist nicht allein der König von Israel.
Seine Herrschaft reicht über die Grenzen des Volkes hinweg über die ganze Erde.

Paulus greift im Epheserbrief diesen Gedanken auf, indem er zeigt, dass Jesus Juden und Heiden – also alle Menschen – in dem einen gemeinsamen Glauben vereint und somit auch die mit dem Messias verbundene Friedensverheißung der Propheten erfüllt.

Er ist unser Friede.
Er vereinigte die beiden Teile
(Juden und Heiden)
und riss durch sein Sterben die trennende Wand der Feindschaft nieder. …
Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut;
der Schlussstein ist Christus Jesus selbst.
Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten
und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn.
(Eph 2,14.17.19-21)

Du Heiland, den die Völker ersehnen, komm und rette unsere heillose Welt!

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23. Dezember: O Emmanuel – O „Gott-mit-uns“

O Emmanuel, Rex et legifer noster – 
exspectatio gentium et Salvator earum:
– veni ad salvandum nos, Domine Deus noster.

–> O Emmanuel (YouTube)

O „Gott-mit-uns“, König und unser Gesetzgeber
du Erwartung der Völker und ihr Retter:
– komm und rette uns, Herr, unser Gott.

Die Geburt des Emmanuels aus der Jungfrau ist nach Jes 7,14 das prophetische Heilszeichen.
Nach Mt 1,23 hat sich dieses Zeichen in der Geburt Jesu aus der Jungfrau Maria erfüllt. Sein Name bezeichnet, was er ist: Retter/Heiland (vgl Lk 2,11)
zu „Herr, unser Gott“ vgl. Ps 99,8 u. Ps 106,47.

Diese Antiphon ruft nach Christus, nach dem „Gott-mit-uns“, dem göttlichen Heiland und Retter, der in der Unbeständigkeit dieser Welt ersehnt wird als der Garant einer neuen Ordnung in Frieden und Gerechtigkeit.

Der Mond ist nach antikem Verständnis die Grenze zwischen Himmel und Erde, zugleich in seinem steten Wandel Bild der diesseitigen Welt, Bild auch der Kirche auf ihrer irdischen Pilgerschaft.
Im Menschen entsprechen dem Mond die unteren Eingeweide, der Verdauungsapparat, und die „linke“, die emotionale Seite.
(Das deutsche Wort „Laune“ kommt vom lateinischen „luna“ = „Mond“).
Den Alten war auch bewusst, dass der Mond kein eigenes Licht hat, dass sein Licht vielmehr Widerschein des Lichtes der göttlichen Sonne ist.
Über der Mondsichel nun – so wurde Offb. 12,1ff gedeutet – erscheint die Frau, die den Emmanuel gebären sollte, das Zeichen der ersehnten Gottesherrschaft, unserer Hoffnung in dieser Welt.

o-antiphon-4-23

Wir Christen glauben, das Jesus dieser verheißene Emmanuel (= Gott mit uns) ist.

Die Evangelien bezeugen, wie sich in Jesus der „Gott-mit-uns“ als heilende, stärkende und erlösende Gegenwart Gottes erweist.

Und das ist auch das Wesentliche des Weihnachtsfestes:
Wir feiern, dass Gott mitten unter uns gegenwärtig sein will als „Gott-mit-uns!“

Diese Verheißung kann im Leben jedes einzelnen Menschen ihre Erfüllung finden. Gott steht an der Tür und wartet darauf, dass auch du ihn in dein Leben lässt.

Komm Herr Jesus, zeige deine Gegenwart,
rüttle uns wach, öffne unsere Augen, Geist und Sinn,
dass wir erkennen, was um uns herum geschieht,
dass wir aufstehen, und für Gerechtigkeit eintreten.
Lass uns deine Gegenwart erfahren – auch in der Heiligen Eucharistie –
und mach uns zu Zeugen dafür, dass du der Immanuel bist, der Gott-mit-uns.

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24. Dezember: O Virgo virginum – o Jungfrau der Jungfrauen

O Virgo virginum
quomodo fiet istud?
Quia nec primam similem visa es
nec habere sequentem.

Filiae Ierusalem, quid me admiramini?
Divi num est mysterium
hoc quod cernitis.

–> O Virgo virginum (YouTube)

O Jungfrau der Jungfrauen,
wie kann das sein?
Denn weder vor dir hast du eine Ähnliche gesehen
noch hast du eine dir Nachfolgende?
Töchter von Jerusalem, was staunt ihr über mich?
Göttlich ist dieses Geheimnis,
das was ihr seht.

Die älteste Handschrift – das Responsoriale von Compiegne – fügt noch eine 8. Antiphon hinzu: Sie hat jedoch einen anderen Charakter.
Sie richtet sich an die Jungfrau und Gottesmutter Maria.

Mit der 8. O-Antiphon ist unser sehnsuchtsvolles Rufen bis in die Tiefe unseres erdverhafteten Seins vorgedrungen.
Dass dieses Rufen sich durch alle Kräfte des Kosmos hinzog, macht zugleich die Eingebundenheit des Menschen in die ganze Schöpfung deutlich:

„Die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Kinder Gottes
(Röm 8,19).

o-antiphon-4-24

O komm, Herr Jesus, komm!

Wenn wir nun am letzten Tag vor Weihnachten, nochmals zurückschauen,
so offenbart sich in den 7 Rufen verborgen auch schon die Antwort.

O Sapientia
O
Adonai
O
Radix Jesse
O
Clavis David
O
Oriens
O
Rex gentium
O
Emmanuel
(O Virgo virginum)

Liest man nämlich die Anfangsbuchstaben der ersten Wörter der 7 O-Antiphonen rückwärts der Reihe nach, dann stehen vor uns die Buchstaben

ERO CRAS: = “ich werde da sein – morgen” –

die Verheißung, zu der uns die Antiphonen hinführen wollen, da sie die prophetischen Visionen des Alten Testamentes im Lichte des Neuen Testamentes zum Lied unseres Herzens, zum Lied der ganzen Schöpfung machen.

Die Folge der Anfangsbuchstaben gibt auch einen Sinn, wenn wir gemäß der ältesten Textüberlieferung die schon erwähnte 8. Strophe “O Virgo virginum” hinzunehmen;
aus ERO (“Ich werde dasein”) wird dann VERO CRAS: = “Wahrhaft morgen!” (= 25. Dezember).

(Grundlage dieser Gedanken zu den O-Antiphonen: Musica sacra 10/11 1985, Ein Lied vom Seufzen der ganzen Schöpfung: Die O-Antiphonen der römischen Adventsliturgie, von P. Dr. Gerhard Voss OSB und Fr. Gregor Baumhof OSB, S. 423-434)

o-antiphon-4a

7 + 1 O-Antiphonen im Advent – Grafik (c) G. M. Ehlert, Dez. 2016

 

 

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Herr, send herab uns deinen Sohn

Ein Lied aus dem Gotteslob zu den O-Antiphonen (GL 222):

Herr, send herab uns deinen Sohn,
die Völker harren lange schon.
Send ihn, den du verheißen hast,
zu tilgen uns’rer Sünden Last.
„Freu dich, freu dich, o Israel,
. bald kommt zu dir Immanuel.“

I.
O Weisheit aus des Höchsten Mund,
die du umspannst des Weltalls Rund
und alles lenkst mit Kraft und Rat;
komm, weise uns der Klugheit Pfad.
„Freu dich, freu dich, o Israel,
. bald kommt zu dir Immanuel.“

II.
O Adonai, du starker Gott,
du gabst dem Mose dein Gebot
auf Sinai im Flammenschein:
streck aus den Arm, uns zu befrei’n.
„Freu dich, freu dich, o Israel,
. bald kommt zu dir Immanuel.“

III.
O Wurzel Jesse, Jesu Christ,
ein Zeichen aller Welt du bist,
das allen Völkern Heil verspricht:
eil uns zu Hilfe, säume nicht.
„Freu dich, freu dich, o Israel,
. bald kommt zu dir Immanuel.“

IV.
O Schlüssel Davids, dessen Kraft
uns kann entziehn der ew’gen Haft:
komm, führ uns aus des Todes Nacht,
wohin die Sünde uns gebracht.
„Freu dich, freu dich, o Israel,
. bald kommt zu dir Immanuel.“

V.
O Aufgang, Glanz der Ewigkeit,
du Sonne der Gerechtigkeit:
erleuchte doch mit deiner Pracht
die Finsternis und Todesnacht.
„Freu dich, freu dich, o Israel,
. bald kommt zu dir Immanuel.“

VI.
O König, Sehnsucht aller Welt,
du Eckstein, der sie eint und hält:
o komm zu uns, o Herrscher mild,
und rette uns, dein Ebenbild.
„Freu dich, freu dich, o Israel,
. bald kommt zu dir Immanuel.“

VII.
O „Gott mit uns“, Immanuel,
du Fürst des Hauses Israel,
o Hoffnung aller Völker du:
komm, führ uns deinem Frieden zu.
„Freu dich, freu dich, o Israel,
. bald kommt zu dir Immanuel.“

Herr, wir vertrauen auf dein Wort;
es wirkt durch alle Zeiten fort.
Erlöse uns, du bist getreu.
Komm, schaffe Erd und Himmel neu.

(Text: Heinrich Bone, 1847;
Melodie: Thomas Helmore 1856 nach einer franziskanischen Melodie des 15. Jahrhunderts)

siehe auch: „Die 7 + 1 O-Antiphonen“ (Power-Point-Präsentation)

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© Georg Michael Ehlert

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