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Reich-Gottes-Gleichnisse (11.B)

11. Sonntag im Jahreskreis B –
Reich-Gottes-Gleichnisse

Sonntag, 17. Juni 2018

Liturgische Texte zum 11. Sonntag im Jahreskreis (B)

Eröffnungsvers: (Ps 27,7.9)
Vernimm, o HERR, mein lautes Rufen, sei mir gnädig und erhöre mich.
Du bist meine Hilfe:
Verstoß mich nicht, verlass mich nicht, do Gott meines Heils!

Tagesgebet:
Gott, du unsere Hoffnung und unsere Kraft,
ohne dich vermögen wir nichts.
Steh uns mit deiner Gnade bei,
damit wir denken, reden und tun, was dir gefällt.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn…

1. Lesung: Ezechiel (Ez 17,22-24)
Ich mache den niedrigen Baum hoch

Antwortpsalm: Ps  92,2-3.13-14.15-16
Wie schön ist es, dem HERRN zu danken!

2. Lesung: 2. Korintherbrief (2 Kor 5,9-10)
Wir suchen unsere Ehre darin, dem Herrn zu gefallen

Ruf vor dem Evangelium: 
Halleluja. Halleluja!
Der Samen ist das Wort Gottes,
der Sämann ist Christus.
Wer Christus findet, der bleibt in Ewigkeit.
Halleluja!

Evangelium: Markusevangelium (Mk 4,26-34)
Das kleinste von allen Samenkörnern geht auf und wird größer als alle anderen Gewächse

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Bild zur Meditation:

von der selbst wachsenden Saat - zu Mk 4,26-29 (c) G. M. Ehlert

von der selbst wachsenden Saat – zu Mk 4,26-29 (c) G. M. Ehlert

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Evangelientext Mk 4,26-34 – Übersetzung G. M. Ehlert

+ Gedanken zum Evangelium:

Wir schauen oft auf das Große, auf das, was Schlagzeilen macht…
Gott schaut vor allem auf das Kleine, und auf die große Kraft, die im Kleinen steckt. –

Das Gleichnis Jesu von der automatisch wachsenden Saat (Mk 4,26-29)
und das Gleichnis vom winzigen Senfkorn, das eine große Staude werden kann (Mk 4,30-32), veranschaulichen dies.

Im 4. Kapitel des Markusevangeliums werden Gleichnisse Jesu vom Reich Gottes überliefert.
Zunächst berichtet das Evangelium, dass Jesus die Menschenmenge von einem Boot auf dem See Galiläa aus das Volk lehrt. (V1-2).

Das Königreich der Liebe Gottes beginnt im eigenen Herzen.
Voraussetzung dafür ist, dass der Same des göttlichen Wortes im eigenen Herzen sich verwurzeln, wachsen und Frucht bringen kann.
Davon erzählt das Gleichnis Jesu von dem Samen, der auf viererlei Boden fällt (Verse 3-11) und von der Deutung dieses Sinnbildes (Verse 12-20).

Doch kann durch das Wort eines Gesprächs, einer Predigt, einer Begegnung das verhärtete Herz eines Menschen verwandelt werden? – so mögen vielleicht die Jünger Jesu gedacht haben, denen Jesus Gleichnisse vom Reich Gottes erzählt hat. Sollte er das Herz der Menschen nicht durch seine Macht in die Knie zwingen, damit sie sich bekehren?

Doch Jesus handelt anders – barmherzig – er hat Geduld, er kann warten, bis das Herz eines Menschen von selbst zur Bekehrung bereit ist. Er geht vorüber und streut den Samen des Wortes Gottes aus, und ganz im Verborgenen wirkt dieser Same. Wenn der erste Same nicht Wurzel fasst, sät er noch einen… er gibt erst dann auf, wenn er sichere Beweise für die Nutzlosigkeit des Säens hat. Dazu betet er – sein Gebet ist wie der Tau aufs Erdreich, so kann der Same sprießen, wenn er sich erst einmal in einer „Felsspalte“ des verhärteten Herzens verfangen hat. Und das Herz beginnt sich zu verwandeln – vielleicht langsam, jedoch kontinuierlich wird es weich, empfänglich und fängt an zu glühen…

Vielleicht kennen auch Sie solche Worte, die – einmal einem zugesprochen – eine große Wirkung entfalten: z.B. das aus innerer Überzeugung gesprochene Wort: „Du schaffst das schon.“ …

So erzählt Jesus seinen Jüngern ein weiteres Gleichnis:

4,26 Und er sagte also:
Es ist die Königsherrschaft des Gottes
wie (wenn) ein Mensch würfe den Samen auf Erdboden

27 und legte sich schlafen und würde wieder aufgeweckt
Nacht und Tag
und der Same sprösse
und würde lang gemacht,
wie – er hat es nicht gewahrt –
(von) selbst.

28 Automatisch der Erdboden fruchtet:
zuerst (den) Gras/ Halm,
danach (die) Ähre,
danach Volles in dieser Ähre.

29 Wann gleichsam aber überliefert (= abgibt) die Frucht
sogleich schickt er aus die Sichel,
da bereitsteht die Ernte.

Das weitere Gleichnis Jesu geht auf die Sorge ein, ob nicht „ein Wort“ viel zu mickrig ist, um damit Großes bewirken zu können.

4.30 Und er sagte:
Auf welche Weise/ wie (können) wir vergleichen
die Königsherrschaft des Gottes
oder in was für ein Sinnbild (Parabel) können wir sie setzen?

31 wie (ein) Kern/Korn (des) Senfs
welcher – so oft als er gesät würde auf den Erdboden –
mickriger (= kleiner) seiend (als) jeder (beliebige) der Samen
die auf den Erdboden (sind)

32 und – so oft als er gesät würde –
er stiege hinauf
und brächte hervor
größeres/ mächtigeres/ hervorragenderes
(als) jedes (beliebige) Gartengewächs
und er machte Zweige groß
so dass unter dem Schatten daselbst
die Vögel des Himmels sich niederlassen/ nisten/ vermögen.

4.33 Und in derartigen Sinnbildern /Parabeln vielen
sagte er zu ihnen das Wort,
wie sie vermochten es zu hören.

34 Getrennt/ für sich/ abseits = ohne Sinnbilder /Parabel aber sprach er nicht zu ihnen,
für sich/ eigen aber den eigenen Jüngern löste er/ erklärte er alles.

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Kleines Senfkorn – Glaube, Hoffnung, Liebe…“

Das Senfkorn „ist das kleinste von allen Samenkörnern… und wird größer als alle anderen (Garten-)Gewächse.“

Wenn vom „Senfkorn“ die Rede ist, denken viele von uns an die gelbbraunen Körner, wie sie z.B. in einem Glas mit Gewürzgurken zu sehen sind.

Senfkörner - als Gewürz

Senfkörner – als Gewürz

Doch diese ca. 3 mm großen Senfkörner sind nicht gemeint, wenn Jesus von dem Senfkorn als dem „kleinsten von allen Samenkörnern“ spricht.

Der Same vom „Schwarzen Senf“ ist ca. 0,5 mm klein… doch was daraus wird – eine Senfstaude von 4 m – ist bis zu 8.000x so groß!

Ein Größenvergleich:

Wenn eine ca. 2 cm große Eichel es der Wachstumskraft eines Senfkorns gleich tun wollte, müsste daraus eine Eiche entstehen, die 160 m groß würde.

Der römische Gelehrte Plinius der Ältere schrieb damals, der Senf wachse derart ungestüm, dass man „das Land kaum wieder davon reinigen“ könne.

Gleichnis vom Senfkorn

Schwarzer Senf: Fruchtkapsel u. winzige Samenkörner

Schwarzer Senf: Fruchtkapsel u. winzige Samenkörner

Jesus sagte: „Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen,
mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben?

Es gleicht einem Senfkorn.
.
.

Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern,
die man in die Erde sät.

Senfstaude - ca. 4 m groß

Ist es aber gesät,

dann geht es auf

und wird größer als alle anderen Gewächse

und treibt große Zweige,

so dass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können.“

(Mk 4,30-32)

Säen wir unsere senfkornkleine Glaubenskraft, unsere senfkornkleine Liebesbereitschaft und unseren senfkornkleinen Hoffnungsfunken in den Mutterboden des Alltags hinein –

und warten wir dann geduldig ab,
was daraus wachsen kann, das anderen gut tut.

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Links:

 

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

 

Stand: 10.06.2018

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Gleichnisrede Jesu

 Die zweite große Rede Jesu im Matthäusevangelium:
Die Gleichnisrede Jesu (Mt 13,1-53) wird in drei Abschnitten in den Eucharistiefeiern am 15., 16. und 17. Sonntag im Jahreskreis A als Evangelium verkündet.

15. Sonntag im Jahreskreis A

Sonntag, 16. Juli 2017

I. Zeit der Aussaat: (Mt 13,1-23)
1. Gleichnis von der unterschiedlichen Beschaffenheit des Bodens
Einschub über den Sinn der Rede in Gleichnissen
Deutung des Gleichnisses

Linktipp: Schott – 15. Sonntag im Jahreskreis A

siehe auch: „Zeit der Aussaat
und: „Sämannmeditation

Same-Herz-a

von der selbst wachsenden Saat – zu Mk 4,26-29 (c) G. M. Ehlert

16. Sonntag im Jahreskreis A

Sonntag, 23. Juli 2017

II. Zeit des Wachstums: (Mt 13,24-43)
2. Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen
3. Gleichnis vom Senfkorn
4. Gleichnis vom Sauerteig
Einschub: Verkündigung in Gleichnissen als Erfüllung der Hl. Schrift
Deutung des Gleichnisses vom Unkraut unter dem Weizen

Linktipp: Schott – 16. Sonntag im Jahreskreis A

siehe auch: „Kleines Senfkorn
und: „Reich-Gottes-Gleichnisse

17. Sonntag im Jahreskreis A

Sonntag, 30. Juli 2017

III. Zeit der Ernte: (Mt 13,25-52)
5. Gleichnis vom Finden eines Schatzes im Acker
6. Gleichnis vom Finden einer Perle
7. Gleichnis vom Gefunden werden im Fischernetz
Abschluss der Rede Jesu in Gleichnissen

Linktipp: Schott – 17. Sonntag im Jahreskreis A

 

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

Aussaat

Zeit der Aussaat…

Gedanken zum Evangelium des 15. Sonntages im Jahreskreis A ( = 13. Juli 2014) – (Matthäusevangelium 13,1-23):

Wo Gottes Wort wirken kann…
da geht die gute Saat auf

Das Gleichnis Jesu:

  • Schwerpunkt ist nicht der Sämann = der Verkündiger des Wortes Gottes (damals Jesus – heute die Prediger und Missionare),
  • auch nicht die Saat (der Inhalt der frohmachenden Botschaft vom Reich Gottes),
  • sondern die Beschaffenheit des Bodens (= die Hörer der Botschaft vom Reich Gottes und ihre Bereitschaft, das Wort aufzunehmen, damit es Frucht bringen kann).

Wie kann Jesu Botschaft in unserm Leben fruchtbar werden?

Auf diese Frage stoßen wir im Blick auf das Gleichnis vom viererlei Ackerboden.

Wie kann Jesu Botschaft beim Aufbau des Reiches Gottes mitzuwirken in unserem Leben ankommen?

 Vier unterschiedliche „Hörer-Typen“:

  • Es gab und gibt unter den Zuhörern des Evangeliums Leute, die das Wort Jesu zwar mit ihren Ohren hören, aber das Herz ist weit entfernt; die Botschaft geht nicht „unter die Haut“. Diesen Leuten bleibt das Reich Gottes fern. („…ein Teil der Körner fiel auf den Weg, und die Vögel kamen und fraßen sie.“)
  • Dann gab und gibt es Leute, bei denen das Gotteswort ein Strohfeuer der Begeisterung auslöst, aber die Wirkung ist nur von kurzer Dauer; da bleibt nichts hängen. („… ein Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte.“)
  • Dann gab und gibt es Leute, die sich eigentlich mehr auf die Botschaft vom Gottesreich einlassen möchten, aber die Sorgen oder die Annehmlichkeiten des täglichen Lebens überwuchern die Botschaft des Glaubens und ersticken es. („… ein Teil fiel in die Dornen, und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat.)
  • Und schließlich – Gott sei Dank – gab und gibt es Menschen, bei denen Gottes Wort ankommt, eindringt und zu wirken beginnt: hundertfach, sechzigfach oder dreißigfach.

Grund zu Pessimismus? – nur in 1 von 4 Fällen kommt die Botschaft Jesu an? – nein: Der Sämann im Gleichnis Jesu kann ganz zuversichtlich sein: („…Ein Teil schließlich fiel auf guten Boden, brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach.“

Der zuversichtliche Sämann:

Der Einsatz für das Evangelium lohnt sich!

Wenn der Sämann 120 Samen aussät, hat er zwar 75% der Samen vergeblich ausgesät (30 fressen die Vögel, 30 verdorren durch die Sonne, 30 werden von Dornen erstickt) – übrig bleiben 30 Samen. Doch diese 25%  der Aussaat ergeben insgesamt 1.900 Samen Ernte. (10 x 30fache Frucht = 300 Samen; 10 x 60fache Frucht = 600 Samen; 10 x 100fache Frucht = 1.000 Samen). – Fazit: Die Aussaat lohnt sich!

oder:

  • Unterschiedliche Wirksamkeit des Wortes Gottes:

Festgetretene Pfade – mangelnde Beständigkeit – die Dinge dieser Welt verhindern die Fruchtbarkeit des Wortes Gottes.

Ein offenes, reines und treues Herz ermöglicht erstaunliche Fruchtbarkeit.

  • Ziel des Wortes Gottes – vom Hören zum Handeln

Härte – Unbeständigkeit – Diesseitigkeit = Unfruchtbarkeit.

Offenheit – Treue – Reinheit = erstaunliche Fruchtbarkeit.

Wo Gottes Wort wirksam werden kann,

da geht die Saat des Evangeliums auf.

Doch die Beantwortung der Frage, ob der Boden des eigenen Lebens aufnahmebereit ist, kann nur jeder selbst geben.

 

siehe auch:

–> Sämannmeditation