Schlagwort-Archive: Ostermahl

Lamm Gottes


zum 2. Sonntag im Jahreskreis B:
Evangelium: Joh 1,35-42
zum Text (Joh 1,29-51 eigene Übersetzung)

„Seht das Lamm Gottes!“

Paschalamm – Opferlamm – Osterlamm
Das Mahl des Lammes

 

Seit mehr als 200 Jahren ist der Hase in Deutschland als Zeichen der Fruchtbarkeit und als Symbol für das Osterfest bekannt und
beliebt.

In seinem Schatten steht das Lamm, das jedoch das viel ältere Symboltier für Ostern ist.

Das Lamm gilt in vielen Kulturen als Symbol der Unschuld und der Demut und ist ein häufiges Opfertier.

In der Liturgie an Gründonnerstag, Karfreitag und an Ostern hören wir vom Paschalamm, vom Opferlamm und vom Osterlamm.

Das Paschalamm

Am Gründonnerstag schauen wir auf Christus, der für uns Christen das neue Paschalamm geworden ist.

Im Zentrum des jüdischen Pessachfestes, das auch die Grundlage des Letzten Abendmahles Jesu war, steht das Mahl eines einjährigen Lammes, das im Tempel in Jerusalem zum jüdischen Pessachfest Gott geschenkt, geschlachtet und dann im Kreis der Familie als Zeichen der Gemeinschaft mit Gott gegessen wurde.

Zum Pessach-Fest (Pessach oder Pascha heißt Übergangsfest) aß man gemeinsam dieses Lamm in Erinnerung an die Befreiung des Volkes aus der Sklaverei in Ägypten. (vgl. Exodus 12,1-13,16).

Das Lamm wurde damals – auf Gottes Geheiß hin – gegessen und mit seinem Blut wurden die Türpfosten bestrichen und so ging das von Gott angedrohte Unheil am Volk Gottes vorüber und das Volk Israel blieb verschont.

Dank dem Blut des Paschalammes wurde Israel zu einem heiligen Volk, das durch einen Bund mit Gott verbunden war.

An Gründonnerstag feiert die Kirche das Letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern.

Jesus selbst feierte mit seinen Jüngern das Pascha – diesen Übergang von der Sklaverei zur Freiheit.

Schon in dieser Paschafeier – im Hinblick auf seinen bevorstehenden Tod am Kreuz – wird Jesus selber zum neuen Paschalamm, wenn er sagt: „Dies ist der Kelch des neuen Bundes, mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird.“

Wir Christen sehen daher in Jesus Christus „das wahre Osterlamm“, durch sein Blut „haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden“ (vgl. Kol 1,12-20) geschenkt bekommen.

(siehe auch: „Agnus-Dei„)

Das Opferlamm

Am Karfreitag schauten wir auf die Passion Christi, wie er „wehrlos wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt wird.“ (vgl. Jer. 11,19)

Der Prophet Jesaja verheißt, dass der gerechte Knecht Gottes leiden muss. Er vergleicht in einem seiner Gottesknechtsliedern den Gerechten mit einem Opferlamm, das stellvertretend für uns alle die Sünden der Menschen hinwegträgt.

Dieses Bild greift Johannes der Täufer auf, als er auf Christus zeigt und sagt: „Seht das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde(n) der Welt.“ (Joh 1,29)

Und dies ist geschehen, indem Jesus den Leidensweg bis zum Tod am Kreuz auf sich nahm, um uns zu befreien aus der Verstrickung in das Böse.

Paulus spricht davon, dass Jesus Christus als „unser Paschalamm“ geopfert wurde am Kreuz. (vgl. 1 Kor 5,7)

In Mel Gibsons Film: „Passion Christi“ fließt viel Blut. Entscheidend für unsere Erlösung ist jedoch nicht das
Maß der Grausamkeit, das Jesus in seiner Passion zu erleiden hatte. Entscheidend ist vielmehr das Maß seiner Liebe zu Gott und zu allen Menschen, d.h. seine Leidenschaft, sein Leben einzusetzen für die Menschen bis zur letzten Konsequenz. Dieses Maß seiner Liebe hat uns erlöst.

Schon die frühe Christenheit verstand dieses Lamm nicht als reines Opferlamm, das in einem grausamen blutigen Sühneopfer
hingeschlachtet wird. So etwas hätte Gott nicht nötig und der Sinn dieses Bildes wäre auch verfehlt. Denn das Pessach-Lamm war bei den Juden ja das freudige Gedächtnis an ihre Befreiung aus der Knechtschaft in Ägypten. Und auch im Jesaja-Text
liegt der Sinn des Gottesknechtes nicht in seiner grausamen Vernichtung, sondern in seiner strahlenden Erhöhung
nach seinem Tod.

Das Osterlamm

Zum Osterfest gehört das Lamm dazu.

In einem Osterlied singen wir:

„Kommt zu des Lammes Ostermahl,
geschmückt mit weißen Kleidern all,
Christus, dem Herrn, singt Lob und Ehr,
der uns geführt durchs Rote Meer! Alleluja.

Das Osterlamm erinnert uns an das „Pascha-Mysterium“ –
wie das Ostergeheimnis auch genannt wird.

Wir feiern den Übergang vom Tod zum Leben, von der Verstrickung in Schuld zur Freiheit der Kinder Gottes. Wir selbst haben Anteil erhalten an diesem Ostergeheimnis durch die Taufe. Bei der jährlichen Tauferneuerung am Osterfest erinnern wir uns daran, dass wir jetzt schon Anteil am göttlichen Leben haben.

Die Bedeutung und der Sinn von Jesu Tod strahlt für uns erst aufgrund seiner Auferstehung auf.
Die Auferstehung wird nun zum christlichen Sinn des Pessachfestes; das christliche Osterfest feiert das siegreiche Leben. Jesus ist Sieger über den Tod. Aus dem passiven
Lamm ist ein aktiver Sieger mit einer Siegesfahne geworden. Und so finden wir in den Darstellungen der Kunst das Lamm mit der Osterfahne, auf der ein Kreuz dargestellt ist als Zeichen für Christus, der vom Tod erstanden ist.

"Osterlamm" - Zeichnung von G. M. Ehlert, 2004

Das Mahl des Lammes

Und an Ostern feiern wir, dass wir durch die Auferstehung Jesu von den Toten zum himmlischen Hochzeitsmahl des Lammes
geladen sind. Die scheinbare Niederlage des Gekreuzigten – so der Sinn dieses Hoffnungsbildes – wird sich am Ende als großer Sieg erweisen, weil die Liebe letztlich stärker ist als Gewalt und Tod.

Gott wird auch uns zum ewigen Osterfest laden.
Denn auch unsere Namen stehen aufgrund der Taufe im
Buch des Lebens, in dem mit 7 Siegeln versiegelten Buch des Lammes Gottes.

Nicht der Tod, sondern die Auferstehung hat das letzte Wort.
Das ist die hoffnungsvolle Botschaft von Ostern.

Christus, der wie ein Opferlamm am Kreuz starb, er ist siegreich auferstanden und lädt uns ein zum himmlischen Mahl des Lammes.  In jeder Eucharistiefeier feiern wir das, dass
Christus uns den Zugang zum Himmel eröffnet hat.

 

(zu Joh 1,35-51 siehe auch: „Kommt und seht!“

zu Paschalamm + Opferlamm + Osterlamm siehe auch: „Seht-das-Lamm-Gottes„)

zum Seitenanfang

___________________________________

Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert