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30. Sonntag C

30. Sonntag im Jahreskreis C

Sonntag, 27. Oktober 2019

1. Lesung: (Sir 35,15b-17.20-22a) Gott richtet auf – er hört das Flehen des Armen
2. Lesung: (2 Tim 4,4-6.16-18) Gott wird mich allem Bösen entreißen
Evangelium: (Lk 18,9-14) Nicht Selbstgerechte, sondern reuige Sünder sind vor Gott „gerechtfertigt“  

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Zweierlei Gebet (30. C)

30. Sonntag im Jahreskreis C

(= 23. Oktober 2016)

Eröffnungsvers (vgl. Ps 105,3-4)
„Freuen sollen sich alle, die den HERRN suchen.
Sucht den HERRN und seine Macht,
sucht sein Antlitz allezeit.“

1. Lesung: Sir 35,15b-17.20-22a
„Das Flehen der Armen dringt durch die Wolken“

Antwortpsalm: Ps 34,2-3.17-18.19.23

2. Lesung: 2 Tim 4,6-8.16-18 
„Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit“

Ruf vor dem Evangelium (vgl. 2 Kor 5,19)
Halleluja. Halleluja.
Gott hat in Christus die Welt mit sich versöhnt
und uns das Wort der Versöhnung anvertraut.
Halleluja.

Evangelium: Lk 18,9-14 Gleichnis Jesu vom Gebet des Pharisäers und des Zöllners
„Der Zöllner kehrte als Gerechtfertigter nach Hause zurück vor dem Pharisäer“

Liturgische Texte – siehe auch Schott 30. Sonntag i.J. C

siehe auch: Pharisäer u. Zöllner (Lk 18,9-14)

 

Geh, und handle genauso…

1. Gott sei Dank, ich bin nicht so…

Eugen Roth, Verfasser hintergründig-humorvoller Gedichte über Menschlich-Allzumenschliches, hat zum Gleichnis des heutigen Sonntags die folgenden Verse geschrieben:

„Ein Mensch betrachtete einst näher
die Fabel von dem Pharisäer,
der Gott gedankt voll Heuchelei,
dass er nicht wie der Zöllner sei. –
Gottlob, sprach er mit heitrem Sinn,
dass ich kein Pharisäer bin.“

Am Anfang steht oft der Vergleich mit einem anderen Menschen:
„Meins ist besser, größer, schöner… als deins.“

Die eigene Person wird durch vermeintliche oder wirkliche Vorzüge aufgewertet und der andere wird dabei abgewertet.

Das erzeugt Aggressionen
und die entladen sich im Versuch, den anderen niederzumachen, einander zu bekriegen.

So war es schon bei Kain und seinem Bruder Abel.
Der eine – Kain – fühlte sich benachteiligt, weil sein Opfer nicht angenommen wurde, und aus Eifersucht erschlug er seinen Bruder Abel, dessen Opfer angenommen worden war.

2. Das Gleichnis Jesu vom Pharisäer und vom Zöllner

Das Evangelium des vergangenen Sonntags (Lk 18,1-8) sprach von der Ausdauer im Gebet, das heutige (Lk 18,9-14) zeigt, in welcher Gesinnung der Christ beten soll.

„Gott sei Dank, dass ich nicht so bin wie dieser angeberische Pharisäer.
Ich stelle meine Frömmigkeit nicht so zur Schau.
Ich halte mich lieber vornehm zurück.
Gott, meine Demut, das ist mein größter Stolz!“

Wenn wir so denken, wenn wir uns mit anderen vergleichen, um selber besser dazustehen, dann handeln wir aus der gleichen Gebetshaltung, die diesen Pharisäer erfüllt. Selbstgefälligkeit, Stolz und Selbstgerechtigkeit.

3. Die Selbstgerechtigkeit des Pharisäers

Der Pharisäer im Evangelium: Sein Eifer ist vorbildlich:
– er fastet weit über das geforderte Maß hinaus, d.h. zur Sühne für die Verfehlungen all jener Juden, die das Gesetz Gottes nicht halten.
– er zahlt als „Kirchensteuer“ freiwillig mehr als erforderlich.

Die Haltung des Pharisäers in der Erzählung Jesu wird erst da bedenklich, wo er anfängt, sich mit anderen Menschen zu vergleichen.
In dem Augenblick hört sein Gespräch mit Gott auf, und er kreist nur noch um sich selbst. –
Seine Gerechtigkeit wird zur Selbstgerechtigkeit.

4. Die demütige Haltung des Zöllners

Der Zöllner hingegen (ein ausbeuterischer Betrüger, der mit den verhassten Römern paktierte) hat gar nichts vorzuweisen, das einen Vergleich mit anderen aushalten würde.

Er kommt – anders als der Pharisäer – von sich selbst los
und findet das Gespräch mit Gott.
Ihm bleibt gar nichts anderes übrig, als Gott um sein Erbarmen anzurufen.

5. Wir in der Rolle des Pharisäers und des Zöllners

Wenn wir z.B. Gott dafür danken, dass unsere Ehe in Ordnung ist, dass unsere Kinder noch gläubig sind und sich um einen christlichen Lebensstil bemühen, ist das ganz in Ordnung.

Sobald wir aber anfangen, uns mit anderen zu vergleichen, deren Ehe zerbrochen ist, deren Kinder aus der Kirche ausgewandert sind, kommen wir auf eine gefährliche Bahn.

6. Das Urteil Jesu:

Dieser – der reumütige Zöllner – stieg als ein Gerechtfertigter in sein Haus hinab mehr als jener.

Die Selbstgerechtigkeit, der Stolz und die Verachtung der Mitmenschen wiegen mehr als die vorbildlichen Werke der Frömmigkeit des Pharisäers und machen all seine Verdienste zunichte.

Gott ist und handelt anders, als wir es erwarten;
er belohnt nicht automatisch das Gute und bestraft das Böse.
Er liebt grenzenlos und ohne Berechnung.
Er ist grenzenlos zur Versöhnung bereit, wenn der schuldig gewordene Mensch sich ihm öffnet – wie der reumütige Zöllner des Evangeliums.

7. Christliche Mission

Eine solche Haltung der Barmherzigkeit trägt zum Frieden bei im Großen wie im Kleinen.

Die missionarische Aufgabe der Kirche ist es, die Menschen im Geist Gottes zu befähigen, Werkzeuge des Friedens zu werden – wie z.B. Mutter Teresa, die am 4. Sept. 2016 heiliggesprochen wurde.

Der einfache Weg

Die Frucht der Stille ist das Gebet.
Die Frucht des Gebetes ist der Glaube.
Die Frucht des Glaubens ist die Liebe.
Die Frucht der Liebe ist das Dienen.
Die Frucht des Dienens ist der Friede!

Text auf Mutter Teresas Visitenkarte

Christliche Mission bedeutet:
Geh, und handle genauso!

pharis-u-zollner

zu Lk 18,9-14 Zweierlei Gebet (c) G. M. Ehlert

 

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert