Schlagwort-Archive: Glaube

27. Sonntag C

27. Sonntag im Jahreskreis C

Sonntag, 6. Oktober 2019

1. Lesung: (Hab 1,2-3; 2,2-4) Schweigen Gottes – Prüfung der Glaubenskraft
2. Lesung: (2 Tim 1,6-8.13-14) Von dem Geist der Glaubenskraft
Evangelium: (Lk 17,5-6 u. 7-10) Unser Glaube – kraftvoll wie ein Senfkorn?  

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19. Sonntag C

19. Sonntag im Jahreskreis C

Sonntag, 11. August 2019

1. Lesung (Weish 18,6-9) – Die Nacht der Befreiung
2. Lesung (Hebr 11,1-2.8-19) – Glaube = Grundlage des Erhofften
Evangelium (Lk 12,32-48) – Loslassen + wachsam sein + Verantwortung übernehmen

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Begegnung mit kanaanäischen Frau

20. Sonntag im Jahreskreis A
20. August 2017

Eröffnungsvers: (Ps 84,10-11)
Gott, du unser Beschützer, schau auf das Angesicht deines Gesalbten.
Denn ein einziger Tag in den Vorhöfen deines Heiligtums
ist besser als tausend andere.

1. Lesung: Jes 56,1.6-7
Die Fremden bringe ich zu meinem heiligen Berg

Antwortpsalm: (Ps 67,2-3.5.6.8)

2. Lesung: Röm 11,13-15.29-32
Unwiderruflich sind Gnade und Berufung, die Gott Israel gewährt

Evangelium: Mt 15,21-28
Frau, dein Glaube ist groß!

Evangelium des 20. Sonntags im Jahreskreis, Lesejahr A: Mt 15,21-28

Jesus ging weg von dort
und zog sich in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück.

Und siehe, eine kanaanäische Frau aus jener Gegend kam zu ihm und rief:
Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids!
Meine Tochter wird von einem Dämon gequält.

Jesus aber gab ihr keine Antwort.

Da traten seine Jünger zu ihm und baten:
Entlass/ befreie sie!
denn sie schreit hinter uns her!

Er antwortete:
Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.

Doch sie kam, fiel vor ihm nieder und sagte:
Herr, hilf mir!

Er erwiderte:
Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen
und den kleinen Hunden vorzuwerfen.

Da entgegnete sie:
Ja Herr!
Aber selbst die kleinen Hunde essen von den Brotkrumen,
die vom Tisch ihrer Herren fallen.

Darauf antwortete ihr Jesus:
Frau, dein Glaube ist sehr groß.
Es soll dir geschehen, wie du willst.

Und von dieser Stunde an war ihre Tochter geheilt.

 

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„Frau, dein Glaube ist groß“ – zu Mt 15,21-28; (c) G. M. Ehlert

Im Aufbau des Matthäus- und des Markusevangeliums hat dieser Abschnitt von der Begegnung Jesu mit einer syrophönizischen Frau eine Schlüsselstellung.
Die Begegnung mit einer syrophönizischen Frau im Gebiet von Tyrus und Sidon lässt Jesus neu seinen Auftrag erkennen – nicht nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israels gesandt zu sein.

Es beginnt mit dem Bemühen Jesu – zu einem einsamen Ort in Galiläa zu kommen (Mt 14,13; Mk 6,32).
Doch die Leute scharen sich um ihn und er heilt viele (Mt 14,13b-14) bzw. lehrt sie (Mk 6,33-35);
danach erfolgt die große Speisung der 5000 Menschen mit 5 Broten und 2 Fischen und dem Einsammeln der übriggebliebenen Brotstücke – 12 Körbe (= Hinweis auf die 12 Stämme Israels) voll (Mt 14,15-21; Mk 6,35-44).
Überfahrt der Jünger u. Nächtliches Gebet Jesu auf einem Berg und Seewandel Jesu folgen (Mt 14,22-33 (inklusive Petri Gang auf dem See); Mk 6,45-52).
Dann folgt – nach einem Sammelbericht über Krankenheilungen (Mt 14,34-36; Mk 6,53-56) –

Auseinandersetzung Jesu mit Pharisäern und Schriftgelehrten über Reinheit und Unreinheit als die Jünger Jesu mit ungewaschenen Händen aßen. (Mt 15,1-20; Mk 7,1-23).
Es folgt ein Gespräch Jesu mit seinen Jüngern über die erforderliche Reinheit des Herzens.

Danach erfolgt ein Rückzug Jesu ins heidnische Gebiet von Tyrus und Sidon
und die Begegnung mit der syrophönizischen (bzw. kanaanäischen) Frau.
Als Jesus sagt: „Es ist nicht Recht, den Kindern (= Israel) das Brot wegzunehmen und es den Hunden (= Heiden) vorzuwerfen“ entgegnet diese Frau: „Ja Herr, aber auch die Hunde essen von den Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen.“ (Mt 15,21-28; Mk 7,24-30).

Dann erfolgt ein Ortswechsel in das (heidnische) Gebiet der Dekapolis – jenseits des Jordans
und es erfolgen weitere Heilungen von Kranken (Mt 14,29-31); bzw. Heilung eines Taubstummen (Mk 7,31-37).
danach erfolgt die große Speisung der 4000 Menschen mit 7 Broten und einigen Fischen und dem Einsammeln der übriggebliebenen Brotstücke – 7 Körbe (= Hinweis auf die Fülle der Heidenvölker) voll (Mt 15,32-38; Mk 8,1-9).
Überfahrt mit dem Boot nach Magadan (Mt 15,39) bzw. Dalmanuta (Mk 8,10)

Auseinandersetzung mit den Pharisäern und Sadduzäern – Verweigerung eines Zeichens (Mt 16,1-4; Mk 12,38-39)
Abschließend erfolgt bei einer weiteren Überfahrt über den See – als sie vergessen hatten Brot mitzunehmen – ein Gespräch Jesu mit seinen Jüngern über den „Sauerteig der Pharisäer“ mit der Mahnung, sich vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer zu hüten. (Mt 16,5-12; Mk 8,14-21).

Grenzüberschreitungen

1. Jesus entweicht den Auseinandersetzungen mit seinen Gegnern und zieht sich ins benachbarte Ausland zurück.
Er macht „Urlaub“
 Es ist auch für uns gut, hin und wieder Abstand von den Alltagsauseinandersetzungen zu suchen. –
Doch auch im heidnischen Gebiet von Tyrus und Sidon wird Jesus als der Heiland der Menschen angefragt.

2. Eine heidnische kanaanäische Frau überschreitet die Grenze des Anstandes. Sie ruft Jesus in aller Öffentlichkeit lautstark um Erbarmen an.
 Auch wir sollten uns aktiv um Hilfe bemühen, wenn wir von Notsituationen erfahren. Auch das inständige Gebet des Glaubens an Gottes Hilfe ist hier gefragt.
Auch wenn wir – wie die heidnische Frau – zunächst keine Antwort bekommen, gilt es beharrlich zu bleiben.

3. Das Verhalten dieser aufdringlichen Frau zeigt, dass sie sich nicht beirren lässt, auch wenn die Jünger sie am liebsten los werden möchten und sogar Jesus abweisend reagiert mit dem Argument, dass er für sie nicht zuständig sei.
 Beharrlichkeit – immer wieder sein Anliegen vorbringen.

4. Jesus erteilt der bittenden Frau eine harte, beleidigende Abfuhr: „Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden (=Heiden) vorzuwerfen.“
Doch die Frau greift dieses harte Wort auf und wendet es zu ihrem Vorteil: „Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen.“
 Beharrlichkeit: die Argumente aufgreifen und weiterführen.

5. Dieser beharrliche Glaube dieser heidnischen Frau überwindet die Grenzziehungen Jesu.
Er schenkt ihr seine erbarmende Liebe.
Jesus lernt in dieser Begegnung, dass das Heil, das er verbreitet für Menschen aller Völker gedacht ist.
Gottes Heil gilt über das erwählte Volk Israel hinaus den Menschen aller Völker auch heute.

Wir Menschen ziehen Grenzen – betonen unseren Zuständigkeitsbereich – und grenzen andere aus, die nicht dazugehören.
So war es auch zur Zeit Jesu. Das von Gott auserwählte Volk Israel grenzte sich ab von den Heiden.

Und nun kommt es im heutigen Libanon zu einer Begegnung Jesu mit einer heidnischen kanaanäischen Frau.
Und – das irritiert uns sicherlich – auch Jesus grenzt sich zunächst von dieser Frau ab, die mit einer Bitte um Heilung ihrer Tochter zu ihm kommt. – Er schweigt.

Auf die Unterstützung der Bitte durch die Jünger sagt er sogar: „Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt!“ – Für diese Frau bin ich nicht zuständig.
Und der hartnäckig bittenden Frau sagt er:
„Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen.“ – Oder mit anderen Worten: „Zuerst sind die eigenen Kinder zu versorgen.“

Doch das Vertrauen der heidnischen kanaanäischen Frau ist so groß, dass sie davon ausgeht, dass Jesu heilende Kraft für alle reicht!
Daher entgegnet sie: „Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen.“

Nun ist der Widerstand Jesu überwunden:
Voller Anerkennung lobt er diese Frau, wegen ihres großen Glaubens und erfüllt die Bitte um Heilung ihrer Tochter.

Zwei Folgerungen können wir aus diesem Evangelium ziehen:
1. Gottes Heil kennt keine Schranken zwischen dem auserwählten Volk und den übrigen Völkern. Alle gehören zur großen Gottesfamilie. Gott schenkt allen sein Heil, die ihn darum bitten.
2. Die Hartnäckigkeit der Frau im Glauben an Gottes Barmherzigkeit kann uns ein Vorbild sein, wenn sich unsere Bitten nicht sofort erfüllen, wenn auch wir zurückgewiesen werden und viele Grenzen zu überwinden haben, um zum Ziel zu gelangen.

Linktipp: Schott – 20. Sonntag im Jahreskreis A

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

Glaube – senfkorngroß (27. C)

27. Sonntag im Jahreskreis C

(= 2. Oktober 2016)

Eröffnungsvers (Est 13,9.10-11)

Deiner Macht ist das All unterworfen, HERR,
und niemand kann sich dir widersetzen;
denn du hast Himmel und Erde gemacht
und alles, was wir unter dem Himmel bestaunen.
Du bist der Herr über alles.

1. Lesung: Hab 1,2-3; 2,2-4
„Der Gerechte bleibt wegen seiner Treue am Leben“

Antwortpsalm: Ps 95,1-2.6-7c,7d-9

2. Lesung: 2 Tim 1,6-8.13-14
„Schäme dich nicht, dich zu unserem HERRN zu bekennen“

Ruf vor dem Evangelium (vgl. 1 Petr 1,25)

Halleluja. Halleluja.
Das Wort des HERRN bleibt in Ewigkeit,
das Evangelium, das euch verkündet wird.

Halleluja.

Evangelium: Lk 17,5-6 u. 7-10
„Wäre euer Glaube auch nur so groß wie ein Senfkorn!“

Liturgische Texte – siehe auch Schott 27. Sonntag i.J. C

Geduld mit dem Nächsten – das ist Liebe;
Geduld mit sich selbst – das ist Hoffnung;
Geduld mit Gott – das ist Glaube.

Von der Kraft eines „senfkornartigen“* Glaubens:

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„Senfkornstarker Glaube“ – Grafik (c) G. M. Ehlert, 27.09.2016

 

zum Tagesevangelium (1. Teil): Lk 17,5-6

* Senfkorn = winzig kleines Samenkorn
mit zugleich großartiger Entwicklungskraft:
aus einem Senfkorn kann eine bis zu 10 m hohe Senfstaude wachsen

Und es sprachen die Apostel zu dem Herrn:
„Füge uns hinzu Glauben/ Zuverlässigkeit/ Treue!“

Es sprach aber der HERR:
„Wenn ihr habt Glauben wie (ein) Senfkorn
ihr sagtet gleichsam (andauernd) zu dem Maulbeerfeigenbaum* dieses:
‘werde entwurzelt und werde verpflanzt in das Meer‘
und
(= ja) er würde gleichsam euch gehorchen.“

* Maulbeerfeigenbaum = ein fest verwurzelter Baum;
wenn einer standfest „wie eine westfälische Eiche“ ist,
dann ist es (fast) unmöglich, seinen Standpunkt –
seine Überzeugungen zu verändern.

Der Blick auf die Geschichte zeigt, dass die Standhaftigkeit, Klarheit und Überzeugungskraft einzelner Menschen, die aus dem Glauben an Gottes Kraft leben, ganze festgefügte Machtsysteme ins Wanken bringen kann.

wässern – bis der verdorrte Baum erblüht…

In der Anfangssequenz von Andrej Tarkowskijs Film Opfer (1985/86 = vor dem Zusammenbruch des sowjetischen Reiches) erzählt der in eine Krise geratene Intellektuelle Alexander seinem Sohn die folgende Geschichte, während er einen verdorrten Baum in den Boden pflanzt:

„Jetzt kannst du kommen und mir helfen, mein Junge.

Einmal, vor sehr langer Zeit, verstehst du, da lebte ein alter Mönch in einem orthodoxen Kloster, Pamwe hieß er, der pflanzte auf einem Berg einen trockenen Baum, genau so. Und zu seinem Schüler, das war ein Mönch, der hieß Joann Kolow, sagte Pamwe, er solle diesen Baum täglich wässern, bis er zum Leben erwachen würde.

Gib mir mal ein paar von den Steinen da…

… und so füllte Jann jeden Morgen in aller Frühe einen Eimer mit Wasser und machte sich auf den Weg. Er stieg hinauf auf den Berg und wässerte den trockenen Baumstamm, und am Abend, als es schon dunkel war, da kehrte er zurück ins Kloster. Und so ging das drei ganze Jahre lang. Aber dann, eines schönen Tages, kam er auf den Berg und sah, dass sein ganzer Baum übersät war mit Blüten!

Und man kann sagen, was man will, diese Methode, dieses System hat etwas Großartiges. Weißt du, manchmal, da sage ich mir, wenn man jeden Tag zu der gleichen Zeit ein und dieselbe Sache tun würde, wie ein Ritual, unerschütterlich, systematisch, jeden Tag ständig zu genau der gleichen Zeit, dann würde sich die Welt verändern. Etwas in ihr würde sich verändern, es könnte gar nicht anders sein.“

(aus: Arvo Pärt: Miserere (c) 1991 – zu „Sarah Was Ninety Years Old“)

Die Kraft der Gebete – wöchentliche Friedensgebete in der Leipziger Nicolaikirche

Seit dem 20. September 1982 finden in der Leipziger Nicolaikirche an jedem Montag Friedensgebete statt – mit mehr oder weniger Teilnehmern.

1987 – als teilweise nur noch 5 Teilnehmer dem Gebet die Treue hielten, stand das wöchentliche Friedensgebet kurz vor dem Aus. Doch das Gebet wurde in Treue durchgetragen.

Im Herbst 1989 versammelten sich immer mehr Menschen zu den Friedensgebeten, die so zu einer Keimzelle der friedlichen Revolution wurden. An den Montagsdemonstrationen in Leipzig im Anschluss an die Friedensandacht nahmen bis zu 70.000 Teilnehmern teil, die mit zum Sturz des DDR-Regimes beitrugen.

 

Von der „Selbstverständlichkeit“ des Dienens:
zum Tagesevangelium (2. Teil): Lk 17,7-10

17,7 Wer aber von euch – (einen) Sklaven habend*
pflügend oder hütend
heimkommend von dem Acker –
wird sagen sofort vorbeigekommen seiend:
„lege dich (zum Essen) nieder“?

8 Sondern:
wird er nicht sagen zu ihm:
„bereite [mir] zu, was ich essen kann
und dich umgürtet habend bediene mich,
solange bis ich gegessen und getrunken habe
und nach diesem wirst du essen (können).

9 Nicht hat er Dank (Lieblichkeit, Gunst…) (gegenüber) dem Sklaven
dass er getan hat das Angeordnete.

10 Ebenso auch ihr,
wenn ihr getan habt alles das euch Angeordnete,
saget (folgendes):
„Wir sind nichtsnutzige/ armselige Sklaven
(nur)
das verpflichtet Seiende zu tun haben wir getan.“

(Lk 17,7-10)

* Praktische Ratschläge zum „rechten“ Umgang mit einem Haussklaven (= Hausangestellten) gibt die alttestamentliche Schrift Jesus Sirach (Sir 33,33-40):

„Heu, Stock und Last (sind angemessen) für den Esel,
Brot, Züchtigung und Arbeit für den (Haus-)Sklaven.
Halte deinen Sklaven zur Arbeit an, damit er nicht Bequemlichkeit sucht,
und – wenn er seinen Kopf hochträgt – sich gegen dich auflehnt.
Joch und Strick krümmen den Nacken
und auf den schlechten Sklaven (gehören) Blöcke und Foltern.
Halte deinen Sklaven zur Arbeit an, damit er nicht widerspenstig wird;
denn wer müßig geht, kommt auf vielerlei Bosheit.
Befiehl ihn zur Arbeit, wie es ihm gebührt,
und wenn er nicht gehorcht, leg ihn in schwere Ketten!
Aber gegen niemand sei maßlos,
und ohne gutes Recht tue nichts!
Hast du nur einen einzigen Sklaven, so soll er sein wie du selber;
denn wie dein eigenes Ich würdest du ihn vermissen.
Hast du nur einen einzigen Sklaven, so schätze ihn wie einen Bruder
und zürne nicht gegen dein eigenes Blut!
Denn wenn du ihn unterdrückst, und er entläuft und verlorengeht,
auf welche Weise wirst du ihn (dann wieder-)finden?“

Lob, Dank oder Belohnung für geleistete Arbeit lag für einen Sklaven außerhalb des zu Erwartenden.

(Auch der Sohn als „Juniorchef“ wird von seinem Vater – dem „Seniorchef“ keinen besonderen Dank für seine Arbeit im Familienbetrieb erwarten – es ist ihm ein inneres Anlagen, dass die Firma gut läuft, dafür setzt er sich wie selbstverständlich mit all seiner Kraft ein.)

Wer mit dieser Haltung sein Christsein lebt und „wie selbstverständlich“ seinen Dienst tut – unabhängig von Lob oder Tadel – der wird nicht enttäuscht sein, wenn er keinen besonderen Dank erfährt.

Er wird jedoch zugleich freudig überrascht sein, wenn er – unverdienterweise – erfahren darf, was Jesus an anderer Stelle verheißt:

„Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt! Amen, ich sage euch: Er wird sich gürten, sie am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen.“ (Lk 12,37)

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

 

 

Grenzen überwindender Glaube


Gedanken zum Evangelium des 20. Sonntages im Jahreskreis A ( = 17. August 2014) – (Matthäusevangelium 15,21-28):

Jesus und die Bitte der kanaanäischen Mutter
(Mt 15,21-28)

21: Und es zog weg von dort (der) Jesus
entweichend in die Gegend von Tyrus und Sidon.

22 Und siehe
eine kanaanäische Frau aus jenem Gebiet
kam gelaufen
sie krächzte sagend [zu ihm]:
„Erbarme dich meiner, Herr, Sohn Davids!
Meine Tochter wird von einem Dämon besessen.“ 

23 Er aber antwortete ihr kein Wort.

Und es traten zu ihm seine Jünger
baten ihn sagend:
„Entlass/befreie sie:
sie krächzt ja nur hinter uns her.“

24 Er aber antwortete ihnen sprechend:
„Nicht gesandt bin ich
wenn nicht zu den verlorengegangenen Schafen
des Hauses Israel.“

25 Sie aber kam heran
verneigte sich tief vor ihm sagend:
„Herr, hilf mir!“

26 Er aber antwortete sprechend:
„Nicht recht ist es
wegzunehmen das Brot den Kindern
und es hinzuwerfen den Hündlein.“

27 Sie aber sprach:
„Ja Herr! auch nämlich die Hündlein essen
von den Bröseln, die von den Tischen ihrer Herren fallen.“

28 Daraufhin antwortete ihr (der) Jesus sprechend zu ihr:
„O Frau, sehr groß ist dein Glaube.
Es geschehe dir, wie du willst.“ 

Und geheilt war ihre Tochter
von jener Stunde an.

 

Neues hinzulernen

Warum reagiert Jesus auf die Bitte der kanaanäischen Mutter zunächst so schroff und abweisend? – Diese Frage mögen sich wohl die Apostel gestellt haben – ich jedenfalls stelle mir diese Frage.

Vor der Beantwortung dieser Frage jedoch eine Vorüberlegung:

Eine persönliche Erfahrung: wenn ich um ein bestimmtes Anliegen intensiv bete – dann ist es gut, darauf zu achten, welche besondere Begegnungen sich ereignen – mit welchen Menschen mich Gott gerade jetzt zusammenkommen lässt – darin zeigt sich oft eine Hilfe Gottes auf mein Anliegen.

Schauen wir mit diesem Gedanken nun auf das heutige Evangelium:

  1. Jesus entweicht den Auseinandersetzungen mit seinen Gegnern und zieht sich ins benachbarte Ausland zurück.

Wenn Jesus sich „zurückzieht“ – dann oft zur Neuorientierung im Bezug auf seine Sendung.

–> Es ist auch für uns gut, hin und wieder Abstand von den Alltagsauseinandersetzungen zu suchen. –

Doch auch hinter der Grenze im heidnischen Gebiet von Tyrus und Sidon wird Jesus als der Heiland der Menschen angefragt.

  1. Eine heidnische kanaanäische Mutter überschreitet die Grenze des Anstandes. Sie ruft Jesus in aller Öffentlichkeit lautstark um Erbarmen an.

–> Auch wir sollten uns aktiv um Hilfe bemühen, wenn wir von Notsituationen erfahren. Auch das inständige Gebet des Glaubens an Gottes Hilfe ist hier gefragt.

Auch wenn wir – wie die heidnische Frau – zunächst keine Antwort bekommen, gilt es beharrlich zu bleiben.

  1. Das Verhalten dieser aufdringlichen Frau zeigt, dass sie sich nicht beirren lässt, auch wenn die Jünger sie am liebsten los werden möchten und sogar Jesus abweisend reagiert mit dem Argument, dass er für sie nicht zuständig sei.

–> Von der heidnischen Mutter können wir Beharrlichkeit lernen – immer wieder sein Anliegen vorbringen.

  1. Jesus erteilt der bittenden Frau eine harte, beleidigende Abfuhr: „Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden (=Heiden) vorzuwerfen.“

Doch die Frau greift dieses harte Wort auf und wendet es zu ihrem Vorteil: „Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen.“

–> Beharrlichkeit: Argumente aufgreifen und weiterführen.

Und schließlich erkennt Jesus ihren Glauben an und erhört ihre Bitte.

  1. Was haben die beteiligten Personen aus dieser Begebenheit hinzugelernt?

Die Jünger: Die Beharrlichkeit dieser aufdringlichen Frau wird von Jesus den Jüngern als Vorbild eines großartigen Glaubens vorgestellt.

Die Frau: Die Grenzen kennen und sie beharrlich überwinden zahlt sich im Blick auf Jesus aus.

Jesus: Dieser beharrliche Glaube dieser heidnischen Frau zeigt Jesus, dass seine Sendung über die Grenzen des Hauses Israel hinaus wirksam wird.

Jesus lernt in dieser Begegnung, dass das Heil, das er verbreitet für Menschen aller Völker gedacht ist – über alle nationalen, religiöse und konfessionelle Grenzziehungen hinaus – auch heute.

 

Der Textabschnitt im größeren Kontext des Matthäusevangeliums:

Die Heilung der Tochter der kanaanäischen Frau steht im Zentrum eines größeren Erzählzusammenhangs im Matthäusevangelium, der bewusst komponiert und kunstvoll angelegt ist:

A Die Speisung der 5.000 (14,13-21) und der Kleinglaube der Jünger (14, 28-33)

B Jesus heilt viele (14,34-36)

C Die Überlieferung der Alten (15,1-20) und Jesu Reaktion auf die Heilungsbitte einer kanaanäischen Mutter – der große Glaube der heidnischen Frau (15,21-28)

B’ Jesus heilt viele (15,29-31)

A’ Die Speisung der 4.000 (15,32-39) und der Kleinglaube d. Jünger (16,5-12)

Es geht in diesem Textzusammenhang vor allen Dingen um großen und kleinen Glauben. Die Jünger zeigen immer wieder kleinen Glauben, die kanaanäische Frau dagegen wird für ihren großen Glauben gepriesen. Dahinter verbirgt sich ein großes Thema im Matthäusevangelium: Jesus ist der Messias für Israel und für alle anderen Völker. –

So steht am Beginn des Matthäusevangeliums die Erzählung von den heidnischen Magiern, die zum neugeborenen Jesuskind kommen und den „Sohn Gottes“ anbeten (Mt 2,1-12) und das Evangelium schließt mit dem Auftrag des Auferstandenen: „Geht in alle Welt und lehret alle Völker… und seid gewiss: ‚Ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung der Welt!'“ (Mt 28,20)

 

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

Glaubenskraft

Gedanken zum Evangelium vom 11. Sonntag im Jahreskreis B:
Markusevangelium 4,26-34

siehe: „Kleines Senfkorn…“