Schlagwort-Archive: Gebt dem Kaiser

29. Sonntag A

29. Sonntag im Jahreskreis A

Sonntag, 18. Oktober 2020

1. Lesung: (Jes 45,1.4-6) Kyrus ein Gesalbter Gottes...


2. Lesung: (1 Thess 1,1-5b) ein Brief an die Erwählten Gottes…


Evangelium: (Mt 22,15-21) wir – ein Abbild Gottes…


Weiterlesen

Prägekraft (29.A)

Prägende Kraft

29. Sonntag im Jahreskreis A

Sonntag, 22. Oktober 2017

Eröffnungsvers (Ps 17,6.8)
Ich rufe dich an, denn du, Gott, erhörst mich.
Wende dein Ohr mir zu, vernimm meine Rede!
Behüte mich wie den Augapfel, den Stern des Auges,
birg mich im Schatten deiner Flügel.

Erste Lesung: Jes 45,1.4-6
Ich habe Kyrus bei der Hand gefasst, um ihm die Völker zu unterwerfen

Antwortpsalm aus Psalm 96

Zweite Lesung: 1 Thess 1,1-5b
Wir erinnern uns vor Gott an euren Glauben, eure Liebe und eure Hoffnung

Ruf vor dem Evangelium (vgl. Phil 2,15d.16a)
Halleluja. Halleluja.
Haltet fest am Worte Christi,
dann leuchtet ihr als Lichter in der Welt.
Halleluja.

Evangelium: Matthäus 22,15-21
Gebt dem Kaiser zurück, was dem Kaiser gehört, Gott aber, was Gott gehört

–> siehe auch Studienübersetzung zu Mt 22.15-22  (von G. M. Ehlert)

Link: Messtexte zum 29. Sonntag im Jahreskreis A

 Evangelium vom 29. Sonntag im Jahreskreis A
22. Oktober 2017

„Gebt dem Kaiser zurück, was des Kaisers ist,
Gott aber, was Gottes ist“


 

Darauf gingen die Pharisäer – beratschlagten zusammen,
wie sie ihn umklammernd binden könnten
aufgrund eines Wortes.

Und sie sandten ab zu ihm
die Jünger von ihnen
(zusammen) mit den Herodianern und sagten:

„Lehrer,
wir wissen, dass du wahr(haftig)bist
und den Willen des Gottes in Wahrheit lehrst
und nicht kümmert dich (das Urteil) von irgendeinem;
nicht nämlich blickst du auf das Zuaugende (= äußeres Ansehen) des Menschen.

Sprich nun zu uns, was du meinst:
Ist es erlaubt zu geben den Zensus (= Kopfsteuer) dem Kaiser oder nicht?

Es hatte aber erkannt (der) Jesus die Bosheit von ihnen –
so sprach er:
„Was versucht ihr mich, ihr Durchtriebenen (= Schauspieler/Heuchler)?

Zeiget her mir die Gesetzliche (= Münze) des Zensus.“

Die aber brachten herbei ihm einen Denar.

Und er sagt (zu) ihnen:
„Wessen (ist) das Bild daselbst und die Aufschrift?“

Sie sagen ihm:
„Des Kaisers.“

Darauf sagt er zu ihnen:
„Gebt zurück also das des Kaisers dem Kaiser
und das des Gottes dem Gott.“

Und da sie dies gehört hatten, staunten sie,
und sie ließen ihn und gingen fort.

(Mt 22,15-22)

Prägende Kraft - (c) G. M. Ehlert

Prägende Kraft – (c) G. M. Ehlert

Der Kaiser prägt
die Münze
und er prägt ihr
sein Bild und seine Aufschrift ein;

und er prägt mit ihr
Handel und Wandel in seinem Reich;

und eines Tages
verlangt er zurück, was ihm gehört.

So gebt dem Kaiser,
was dem Kaiser
gehört!

Medien und Konzerne prägen
unsere Konsumgüter
und sie prägen ihnen
ihre Vorstellungen und Slogan auf;
und sie prägen mit ihnen
unsere Konsumgesellschaft
und sie wollen täglich neu
nur unser Bestes: unser Geld.

Und wer gibt ihnen nicht,
was ihnen (noch
nicht) gehört?

GOTT prägt seit jeher
den Menschen
und ER prägt ihnen – dem Mann und der Frau
sein Bild und Gleichnis ein;
und ER will, dass wir mit unserem Leben
die Welt nach seinem Bilde prägen.
Und von uns erwartet ER zurück
was allein IHM gehört:
die Ehre Seines Namens!

So gebt also GOTT,
was GOTT
gehört!

siehe auch (Bild-)Meditation: Prägende Kraft (zu Mt 22,15-21)

„…vor allem gebt Gott, was Gottes ist!“

Einstieg:

„So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“ –

Diese Aussage Jesu aus dem heutigen Evangelium gehört zu den bekanntesten Sprichwörtern.

Es wurde oft benutzt, um zu verdeutlichen, dass wir sowohl dem Staat als auch der Kirche zu dienen haben.

Und doch – was können wir mit dieser Aussage anfangen?

Heutige Reaktionen auf den Imperativ Jesu:
a) Ich habe
keinen Kaiser
und keinen Gott
also
gehört alles mir!
(= egoistische, emanzipatorische Haltung)

b) Dem Konzern gehört meine Arbeitskraft;
Schalke 04 gehört mein Samstagnachmittag;
der Bank gehört (noch) mein Haus;
dem Staat zahle ich meine Steuern;
dem Fernseher gehört mein Abend;
der Elli gehört meine Liebe;

es bleibt nichts übrig
für dich, mein Gott!

Der religiös-politische Hintergrund der Fangfrage

Um die Brisanz der Frage und die Tragweite der Antwort Jesu besser verstehen zu können, ist es gut, sich die damalige Situation zu vergegenwärtigen.

Das Volk Israel wurde von der römischen Besatzungsmacht beherrscht. Die Bewohner der besetzten Gebiete wurden quasi als Eigentum Roms behandelt. Sie mussten die sogenannte Kopfsteuer entrichten, die mit dem römischen Denar zu bezahlen war.

Die frommen Juden – besonders die Pharisäer und ihre Schüler weigerten sich diese Kopfsteuer zu bezahlen, weil sie sich als Volk Gottes verstanden, die nur die Herrschaft Gottes, nicht jedoch die Herrschaft eines Kaisers akzeptierten.

Außerdem war auf der Münze ein Abbild des Kaisers und die Aufschrift, dass dieser Kaiser wie Gott sei, was dem Bilderverbot der Juden widersprach.

Die Herodianer dagegen hatten sich angepasst, und profitierten davon, dass sie für die Römer diese Steuer eintrieben.

Diese beiden Parteien – die gesetzestreuen Pharisäer und die romtreuen Herodianer – sonst zutiefst verfeindet, hatten sich nun zusammengetan, um im Tempelbezirk Jesus mit einer Fangfrage schaden zu können.

Im jüdischen Volk herrschte über diese Steuer großer Unwille, weil sie einem ständig die verhasste Fremdherrschaft zum Bewusstsein brachte.

Daher:

Die Fangfrage:

„Ist es nach deiner Meinung erlaubt, dem Kaiser Kopfsteuer zu zahlen, oder nicht?“

Wenn Jesus dies bejaht –> indirekte Anerkennung des göttlichen Anspruchs des römischen Kaisers = die Pharisäer können Jesu Unglaubwürdigkeit propagieren.

wenn Jesus dies verneint –> öffentlicher Aufruf zum Steuerboykott = Rebellion – die Herodianer können ihn anklagen, wegen Auflehnung gegen die staatliche Gewalt.

Jesus steckt mit dieser Frage also in einer Zwickmühle.

Wie kann er sich aus diesem Dilemma befreien?

Die geniale Antwort Jesu:

(wie Jesus sich gekonnt aus der Affäre zieht und seinerseits die Initiative ergreift):

a.) Er lässt sich eine Steuermünze zeigen
= der Besitz einer solchen Münze bedeutete die praktische Anerkennung der römischen Regierung d.h. die Schüler der Pharisäer beugen sich de facto den Forderungen Roms.
b.) Er lässt vorlesen, was auf der Münze mit dem Kaiserbild steht: „Kaiser Tiberius, der anbetungswürdige Sohn des göttlichen Augustus“ das bedeutete die indirekte Anerkennung des göttlichen Anspruches des römischen Kaisers.“

Wenn ihr also Münzen benützt, die durch Bild und Aufschrift als Eigentum des Kaisers gekennzeichnet sind, dann gebt auch dem Kaiser zurück, was ihm gehört.

Soweit – so gut!

Doch wer Jesus fragt, der riskiert, dass ihm mehr gesagt wird, als er wissen will. Der entscheidende Teil der Antwort Jesu:

gebt Gott zurück, was Gott gehört.

Was gehört Gott?

Nach pharisäischer Auffassung ist die buchstabengetreue Erfüllung der göttlichen Gebote die geforderte Gabe an Gott.

Doch zwischen den Zeilen steckt in der Antwort Jesu noch viel mehr:

Nach biblischem Verständnis trägt jeder Mensch das Bild und die Aufschrift Gottes. (vgl. Gen 1,26f: Gott schuf den Menschen nach seinem Abbild)

–> Gott hat uns sein Bild eingeprägt. Also gehört IHM unser ganzes Leben.

Wie können wir Gott zurückgeben, was allein ihm gehört?

Wir Menschen gleichen einer Münze.
Wir tragen das Abbild Gottes und das Siegel seines Geistes.
Gott hat uns sein Bild eingeprägt.
Ihm gehört unser Leben.
Im Umgang mit nichtgöttlichen Mächten (Staat, Konsum…) heißt das: sich nicht zu verkaufen, denn die Kaufkraft unserer Münze „Leben“ gilt es für einen anderen Bereich einzusetzen.

Der Wert dieser Münze ist ins Spiel zu bringen, wenn es um Gottes Willen um den Menschen geht.

Sie ist täglich im Gebrauch dort, wo Menschen aus Liebe und Versöhnungsbereitschaft entsprechend dem Willen Gottes ihr Leben gestalten.

Ausstieg:

„Kleine Münze Hoffnung,
mir umsonst geschenkt:
werde ich dich teilen,
dass du Zinsen trägst,
dass du wirst zur Gabe,
die uns leben lässt,
Reichtum selbst für alle,
alle, die in Armut sind.“

Zugabe: Eine Münze aus dem göttlichen Schatz

Wir sind geschaffen als Abbild Gottes, ihm ähnlich (vgl. Gen 1,26). Du, mein Christ, bist ein Mensch; du bist also eine Münze aus dem göttlichen Schatz, du bist ein Denar mit dem Bild und der Aufschrift des göttlichen Herrschers. Mit Christus frage ich dich: „Wessen Bild und Aufschrift ist das?“ Du antwortest: Es ist Bild und Aufschrift Gottes. Dann frage ich weiter: Warum gibst du dann Gott nicht, was ihm gehört?

Wenn wir aber wirklich ein Bild Gottes sein wollen, müssen wir Christus ähnlich werden; denn er ist das Bild der Güte Gottes und „das Abbild seines Wesens“ (Hebr 1,3); alle aber, „die er im voraus erkannt hat, hat er auch dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben“ (Röm 8,29).

Wer also in seinem Leben und Verhalten, wer in seinem Tugendwandel Christus ähnlich und gleichförmig ist, der stellt wirklich das Bild Gottes dar; die Erneuerung dieses göttlichen Bildes aber vollzieht sich durch die vollkommene Gerechtigkeit: „So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!“ Gebt jedem, was ihm gehört!

Laurentius von Brindisi

Heiligengedenktage:

___________________________________

Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert