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33. Sonntag A

33. Sonntag im Jahreskreis A

Sonntag, 15. November 2020

1. Lesung: (Spr 31,10-11.19-20.30-31) Vorzüge einer tüchtigen Frau...
2. Lesung: (1 Thess 5,1-6) Vorzüge wach und nüchtern zu sein…
Evangelium: (Mt 25,14-30) Vorzüge eines treuen Dienstes…

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Talente

Bild u. Gedanken zum Sonntagsevangelium vom 33. Sonntag im Jahreskreis A = Matthäus 25,14-30
(13. November 2011)
Das Gleichnis Jesu von den anvertrauten Talenten

Anvertraute Talente - Skizze zu Mt 25,14-30 (c) G. M. Ehlert, Nov. 2011

Skizze zu Mt 25,14-30: "Die anvertrauten Talente" (c) G. M. Ehlert, 09.11.2011

Anvertrautes: bewahren oder vermehren?
Unser Leben ist kostbares Geschenk,
dessen Entfaltung wir einst vor Gott verantworten müssen.

Einstieg:
Da hat mir doch mein Chef vor einem längeren Auslandsaufenthalt eine ganze Menge Geld anvertraut bis zu seiner Rückkehr in unbestimmter Zeit. –

Hier ist es (einen Beutel zeigen: 1 Talent = 20 Jahresgehälter)
Was soll ich nun damit tun? 

zögerlich, ängstlich: Was soll ich damit tun???
–         Vielleicht will mein Chef, dass ich es sicher verwahre.
Wenn ich es also sachgerecht aufbewahre, dann hafte ich nicht für den Verlust.
–         Vielleicht will mein Chef aber, dass ich selber darüber verfüge und damit wirtschafte, um das Anvertraute auf diese Weise zu vermehren,
doch dann werde ich zur Rechenschaft gezogen, wenn es schiefgeht.

Was soll ich also mit dem mir anvertrauten Talent tun? 
Ist das Anvertraute sicher zu bewahren oder aktiv zu vermehren? –               

Die Entscheidung darüber ist oft nicht klar:
Wenn ich z.B. sage: Ich möchte Ihnen persönlich etwas anvertrauen: „Wissen Sie, der Herr Sowieso hat ganz großes Pech gehabt…“
dann kann ich (fast) sicher sein, dass Sie diese Mitteilung nicht nur für sich selbst bewahren, sondern weitererzählen…
Statt das Anvertraute sicher zu bewahren, wird es aktiv in Umlauf gebracht.

Wenn ich jedoch vom Reich Gottes und seiner Verwirklichung predige,
dann kann ich (vermutlich) gewiss sein, dass Sie diese Mitteilung sicher in ihrem Herzen bewahren und davon mit keinem sprechen, obwohl es mein Ziel ist, dass die Botschaft des Evangeliums weitergesagt wird.

Was ist also im Sinne Jesu, der seinen Jüngern dieses Gleichnis von dem unterschiedlichen Umgang mit den Talenten erzählte?

Das Vermögen, das Gott = der HERR uns anvertraut: – das „Glaubensvermögen“ –
ist es ein Vermögen, das es unversehrt zu bewahren gilt, in Dogmen und Lehrsätzen fest eingeschlossen, damit das Glaubensgut keinen Schaden nimmt?…
oder ist es ein Vermögen, das es im alltäglichen Gebrauch zu vermehren gilt? 

Was wäre wohl in seinem Sinne??? –

Der 3. Knecht im Gleichnis Jesu und was er von seinem Herrn weiß…
Der 3. Knecht im Gleichnis Jesu weiß offensichtlich, was im Sinne seines Herrn ist.
Er spricht ja aus, was für einen Charakter sein Chef hat:

„Er ist ein strenger Mann, der erntet, wo er nicht gesät hat,
und einsammelt, wo er nicht ausgestreut hat.“

Er verlangt also mehr zurück, als er zuvor gegeben hat;
folglich hätte der 3. Knecht im Gleichnis Jesu bei einem solchen Herren das Geld zumindest mit Zinsgewinn zurückgeben müssen.

Doch was haben wir für einen Chef?
Was hat er uns anvertraut?
und was erwartet er von uns zurück? 

Der Christ heute und was Gott von ihm – und er von seinem Gott erwarten kann.

– Unser Chef ist Christus!

– Christus vertraut den Menschen sein Vermögen an!
(= das Glaubenszeugnis von einem barmherzigen Gott, die Hoffnung auf Vollendung bei Gott, das Gebot der Gottesliebe, das in der Liebe zum Nächsten wirksam wird)

Leben als Christ = Gabe und Aufgabe
Bibel als Gebrauchsanweisung – oft ungebraucht im Wandschrank vergraben…

Christus traut mir viel zu!  oder:
Christus mutet mir (zu) viel zu

Im Blick auf den zweiten Knecht:

Es kommt nicht darauf an, wie viel man bekommen hat, sondern darauf, was man mit dem Bekommenen gemacht hat. (nicht eifersüchtig sich mit anderen vergleichen)

Im Blick auf den 3. Knecht kann uns aufgehen:
Leben nicht unversehrt bewahren (aus Angst vor Beschädigung) – sondern: zu vermehren wagen (Vertrauen in die gegebenen Talente u. Risikobereitschaft)

Wer nicht wagt, der verliert auf jeden Fall alles.

– Christus erwartet von seinen Jüngern Risikobereitschaft: die empfangenen Talente einzusetzen, um Liebe und Lebensmöglichkeiten in dieser Welt der Rücksichtslosigkeit und des Krieges zu vermehren!

(Entscheidend ist nicht, wie viele Begabungen einer hat, sondern dass er das Beste aus seinen Möglichkeiten macht.)

 – Christus fordert von uns nichts, was über unsere Kräfte geht.

Das Gleichnis warnt jedoch davor, seine Möglichkeiten zu vergraben! – aus Angst davor, einen Fehler zu machen.

– Auch Gottesfurcht kann Menschen lähmen: so sehr, dass man mit der Gabe, die einem anvertraut ist, nichts mehr anfangen kann wie jener Knecht, der aus Furcht nur noch auf Nummer Sicher gehen wollte. Doch es verfehlt die Botschaft des Evangeliums, wenn man im Blick auf Gott auf Nummer sicher gehen will.

Doch was ist, wenn einer aus Angst vor Gott blockiert ist? –
Ist für einen solchen Menschen dieses Gleichnis Jesu nicht Gift? –

Da hilft es, darauf zu schauen, dass der Gott Jesu einen ganz anderen Charakter hat, als der Herr im Gleichnis Jesu!

Gott ist nicht ein strenger, harter Mann, vielmehr gilt:
„Gnädig und barmherzig ist der Herr, langmütig und reich an Treue.“ –
so lautet immer wieder das Glaubensbekenntnis Israels in der Bibel.

Daraus ergibt sich für mich ein Doppeltes:

–         Gott verspricht reichen Lohn, wenn wir mit der Gnade mitwirken.
–         Und Gott würdigt den Menschen auch dann, wenn er Gutes versucht, auch wenn er dabei versagen sollte.

Konsequenzen:

Das heute gehörte Evangelium vom Umgang mit den anvertrauten Talenten entlässt uns mit folgenden Fragen in die neue Woche:

Welche Talente hat Gott mir anvertraut?
Wie gehe ich mit diesen Talenten um? –
         Setze ich sie gewinnbringend für andere ein
         oder vergrabe ich sie?

Was werde ich Gott antworten können, wenn er mich fragt: „Was hast du aus deinem Leben gemacht?“

Dieser Beutel hier – das eine anvertraute Talent – ein Zeichen für meine Lebensmöglichkeit.

Nur wer sein Leben wagt,
der gewinnt
bei Gott!
Bestimmt. 

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

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