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29. Sonntag C

29. Sonntag im Jahreskreis C

Sonntag, 20. Oktober 2019

1. Lesung: (Ex 17,8-13) Moses Gebetsstärke – Israels Kampfesstärke
2. Lesung: (2 Tim 3,14- 4,2) Der treue Glaube wird dich retten
Evangelium: (Lk 18,1-8) Beharrliches Gebet der Witwe hat Erfolg

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Grenzen überwindender Glaube


Gedanken zum Evangelium des 20. Sonntages im Jahreskreis A ( = 17. August 2014) – (Matthäusevangelium 15,21-28):

Jesus und die Bitte der kanaanäischen Mutter
(Mt 15,21-28)

21: Und es zog weg von dort (der) Jesus
entweichend in die Gegend von Tyrus und Sidon.

22 Und siehe
eine kanaanäische Frau aus jenem Gebiet
kam gelaufen
sie krächzte sagend [zu ihm]:
„Erbarme dich meiner, Herr, Sohn Davids!
Meine Tochter wird von einem Dämon besessen.“ 

23 Er aber antwortete ihr kein Wort.

Und es traten zu ihm seine Jünger
baten ihn sagend:
„Entlass/befreie sie:
sie krächzt ja nur hinter uns her.“

24 Er aber antwortete ihnen sprechend:
„Nicht gesandt bin ich
wenn nicht zu den verlorengegangenen Schafen
des Hauses Israel.“

25 Sie aber kam heran
verneigte sich tief vor ihm sagend:
„Herr, hilf mir!“

26 Er aber antwortete sprechend:
„Nicht recht ist es
wegzunehmen das Brot den Kindern
und es hinzuwerfen den Hündlein.“

27 Sie aber sprach:
„Ja Herr! auch nämlich die Hündlein essen
von den Bröseln, die von den Tischen ihrer Herren fallen.“

28 Daraufhin antwortete ihr (der) Jesus sprechend zu ihr:
„O Frau, sehr groß ist dein Glaube.
Es geschehe dir, wie du willst.“ 

Und geheilt war ihre Tochter
von jener Stunde an.

 

Neues hinzulernen

Warum reagiert Jesus auf die Bitte der kanaanäischen Mutter zunächst so schroff und abweisend? – Diese Frage mögen sich wohl die Apostel gestellt haben – ich jedenfalls stelle mir diese Frage.

Vor der Beantwortung dieser Frage jedoch eine Vorüberlegung:

Eine persönliche Erfahrung: wenn ich um ein bestimmtes Anliegen intensiv bete – dann ist es gut, darauf zu achten, welche besondere Begegnungen sich ereignen – mit welchen Menschen mich Gott gerade jetzt zusammenkommen lässt – darin zeigt sich oft eine Hilfe Gottes auf mein Anliegen.

Schauen wir mit diesem Gedanken nun auf das heutige Evangelium:

  1. Jesus entweicht den Auseinandersetzungen mit seinen Gegnern und zieht sich ins benachbarte Ausland zurück.

Wenn Jesus sich „zurückzieht“ – dann oft zur Neuorientierung im Bezug auf seine Sendung.

–> Es ist auch für uns gut, hin und wieder Abstand von den Alltagsauseinandersetzungen zu suchen. –

Doch auch hinter der Grenze im heidnischen Gebiet von Tyrus und Sidon wird Jesus als der Heiland der Menschen angefragt.

  1. Eine heidnische kanaanäische Mutter überschreitet die Grenze des Anstandes. Sie ruft Jesus in aller Öffentlichkeit lautstark um Erbarmen an.

–> Auch wir sollten uns aktiv um Hilfe bemühen, wenn wir von Notsituationen erfahren. Auch das inständige Gebet des Glaubens an Gottes Hilfe ist hier gefragt.

Auch wenn wir – wie die heidnische Frau – zunächst keine Antwort bekommen, gilt es beharrlich zu bleiben.

  1. Das Verhalten dieser aufdringlichen Frau zeigt, dass sie sich nicht beirren lässt, auch wenn die Jünger sie am liebsten los werden möchten und sogar Jesus abweisend reagiert mit dem Argument, dass er für sie nicht zuständig sei.

–> Von der heidnischen Mutter können wir Beharrlichkeit lernen – immer wieder sein Anliegen vorbringen.

  1. Jesus erteilt der bittenden Frau eine harte, beleidigende Abfuhr: „Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden (=Heiden) vorzuwerfen.“

Doch die Frau greift dieses harte Wort auf und wendet es zu ihrem Vorteil: „Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen.“

–> Beharrlichkeit: Argumente aufgreifen und weiterführen.

Und schließlich erkennt Jesus ihren Glauben an und erhört ihre Bitte.

  1. Was haben die beteiligten Personen aus dieser Begebenheit hinzugelernt?

Die Jünger: Die Beharrlichkeit dieser aufdringlichen Frau wird von Jesus den Jüngern als Vorbild eines großartigen Glaubens vorgestellt.

Die Frau: Die Grenzen kennen und sie beharrlich überwinden zahlt sich im Blick auf Jesus aus.

Jesus: Dieser beharrliche Glaube dieser heidnischen Frau zeigt Jesus, dass seine Sendung über die Grenzen des Hauses Israel hinaus wirksam wird.

Jesus lernt in dieser Begegnung, dass das Heil, das er verbreitet für Menschen aller Völker gedacht ist – über alle nationalen, religiöse und konfessionelle Grenzziehungen hinaus – auch heute.

 

Der Textabschnitt im größeren Kontext des Matthäusevangeliums:

Die Heilung der Tochter der kanaanäischen Frau steht im Zentrum eines größeren Erzählzusammenhangs im Matthäusevangelium, der bewusst komponiert und kunstvoll angelegt ist:

A Die Speisung der 5.000 (14,13-21) und der Kleinglaube der Jünger (14, 28-33)

B Jesus heilt viele (14,34-36)

C Die Überlieferung der Alten (15,1-20) und Jesu Reaktion auf die Heilungsbitte einer kanaanäischen Mutter – der große Glaube der heidnischen Frau (15,21-28)

B’ Jesus heilt viele (15,29-31)

A’ Die Speisung der 4.000 (15,32-39) und der Kleinglaube d. Jünger (16,5-12)

Es geht in diesem Textzusammenhang vor allen Dingen um großen und kleinen Glauben. Die Jünger zeigen immer wieder kleinen Glauben, die kanaanäische Frau dagegen wird für ihren großen Glauben gepriesen. Dahinter verbirgt sich ein großes Thema im Matthäusevangelium: Jesus ist der Messias für Israel und für alle anderen Völker. –

So steht am Beginn des Matthäusevangeliums die Erzählung von den heidnischen Magiern, die zum neugeborenen Jesuskind kommen und den „Sohn Gottes“ anbeten (Mt 2,1-12) und das Evangelium schließt mit dem Auftrag des Auferstandenen: „Geht in alle Welt und lehret alle Völker… und seid gewiss: ‚Ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung der Welt!'“ (Mt 28,20)

 

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

beharrliches Bitten

zum 29. Sonntag im Jahreskreis C (= 17. Oktober 2010)
Tagesevangelium: Lukas 18,1-8

… Denn welcher seine Zuversicht
auf Gott setzt, den verlässt er nicht

1. Bedrohtes Leben – Leid, Schuld, Krankheit u. Tod
– Das Leben ist manchmal schier unerträglich…
– für viele auf der Welt: tägl. Kampf ums Überleben…
– bei uns: Erfahrung der Verletzlichkeit: Leid, Schuld, Krankheit u. Tod.

–> Wie gehen wir mit solchen Erfahrungen um?
–          Ausblenden / verdrängen?
–          Vertröstung…
–          Resignation? 

2. Betet – allezeit und unermüdlich
– allezeit, d.h. in allen Lebenslagen
– unermüdlich, d.h. beharrlich à Bsp. die Witwe im Ev.

–> Not lehrt beten? – Wir haben oft unsere Not mit dem Gebet:
–          Ent-täuschung vom Bittgebet und seiner „Wirkungslosigkeit“
–          Jesu Einladung: Beharrlichkeit: Steter Tropfen höhlt den Stein wie bei dem ungerechten Richter im Ev.
–          Jesu Folgerung: vom ungerechten Richter zum Liebenden Gott:

 3.       Gebetserhörung zugesagt – Zeitpunkt ungewiss
Wenn schon der ungerechte Richter – der „Richter Gnadenlos“ – der Witwe, die ihn nicht bestechen kann, zu ihrem Recht verhilft,
umso mehr wird Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien zu ihrem Recht verhelfen.

Unverzüglich! – sagt Jesus. 

Unverzüglich? – Genau das ist das Problem.
Die Erfüllung unserer Bitten lässt oft sehr lange auf sich warten.
Gott – ist kein Automat: Gebet herein – gewünschte Ware heraus.
Gott – ist auch kein Ersatz unserer menschlichen Unfähigkeiten
Gott – ist auch kein Lückenbüßer, der dort automatisch eingreift, wo wir versagen… 

  • Gottes Beistand ist uns zugesagt
    Was Jesus uns zusagt im Blick auf das Gebet:
    Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche und Bitten,
    doch er erfüllt alle seine Verheißungen.

Das „Rechte“, was wir jederzeit von Gott erwarten dürfen ist sein Beistand in Leid, Not und Tod.

Ich bin JHWH – ich bin der, der da ist für euch! = sein Name.

4. Aufruf zur Beharrlichkeit
–         nicht nachlassen mit dem Bittgebet, wenn es um eine gerechte Sache geht. „Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht!“
–         Zuversicht und Gebet gehören zusammen und sind Ausdruck unseres Glaubens.
–         Wer zuversichtlich betet, der hält Gott all das hin, was ist, in der Hoffnung, dass Gott Wandlung zum Guten schenkt. (Paulus: „Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben alles zum Guten führt.“) 

  • Vom verdorrten Baum, der nach langer Zeit aufblüht
    In einem russischen Film „Opfer“ von 1986 (d.h. vor der Wende!) erzählt der in eine Krise geratene Intellektuelle Alexander seinem Sohn die folgende Geschichte, während er einen verdorrten Baum in den Boden pflanzt:

…Einmal, vor sehr langer Zeit, verstehst du, da lebte ein alter Mönch in einem orthodoxen Kloster, Pamwe hieß er, der pflanzte auf einem Berg einen trockenen Baum, genau so. Und zu seinem Schüler, das war ein Mönch, der hieß Joann Kolow, sagte Pamwe, er solle diesen Baum täglich wässern, bis er zum Leben erwachen würde…
und so füllte Joann jeden Morgen in aller Frühe einen Eimer mit Wasser und machte sich auf den Weg. Er stieg hinauf auf den Berg und wässerte den trockenen Baumstamm, und am Abend, als es schon dunkel war, da kehrte er zurück ins Kloster. Und so ging das drei ganze Jahre lang.
Aber dann, eines schönen Tages, kam er auf den Berg und sah, dass sein ganzer Baum übersät war mit Blüten!

Und man kann sagen, was man will, diese Methode, dieses System hat etwas Großartiges. Weißt du, manchmal, da sage ich mir, wenn man jeden Tag zu der gleichen Zeit ein und dieselbe Sache tun würde, wie ein Ritual, unerschütterlich, systematisch, jeden Tag ständig zu genau der gleichen Zeit, dann würde sich die Welt verändern. Etwas in ihr würde sich verändern, es könnte gar nicht anders sein. 

5. Zuversichtlich leben
Wer zuversichtlich aus dem Glauben an Gottes Beistand lebt, der überwindet sowohl Resignation als auch bloßen Zweckoptimismus.
Ein Mensch voller Zuversicht sieht klar, was ist, aber zugleich: was sein könnte.
Er sieht, wie Gott die Welt und die Menschen will.
Zuversicht haben heißt: allen Widerständen zum Trotz
beharrlich darauf vertrauen, dass Gott mich, die Menschen und die Zustände in der Welt zum Guten verwandeln kann. 

28 Jahre Friedensgebete in Leipzig
Von solch zuversichtlichem Glauben sind seit nunmehr 28 Jahren die berühmt gewordenen Montagsgebete um den Frieden in Leipzig geprägt.
Im Herbst 1982 begannen Menschen in Leipzig mit den sogenannten Montagsgebeten um den Frieden. Ein paar Jahre später standen diese wöchentlichen Gebete kurz vor dem Aus. Doch beharrlich und voller Zuversicht hielten die Beterinnen und Beter durch. Und so erwuchsen schließlich aus diesen Friedensgebeten die Montagsdemonstrationen, die maßgeblich zum Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 mit beitrugen.

Einen solchen senfkorngroßen Glauben, der auch dann noch voller Zuversicht ist, wenn unsere berechtigten Bitten sich lange nicht zu erfüllen scheinen –  wünsche ich Ihnen und mir. Amen

Gottloser Richter + beharrlich bittende Witwe + der Barmherzige Gott

"Verschaff mir Recht" (Lk 18,1-8) (c) G. M. Ehlert, 05.10.2010