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26. Sonntag C

26. Sonntag im Jahreskreis C

Sonntag, 29. September 2019

1. Lesung: (Am 6,1a.4-7) Ende der Sorglosigkeit
2. Lesung: (1 Tim 6,11-16) Vollendung der sich Bemühenden
Evangelium: (Lk 16,19-31) Armer Lazarus – als Warnung für reichen Prasser

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Drei Evangelische Räte

Die Urwünsche des Menschen – die Versuchungendie Kultivierung der Urwünsche

Zu einem Leben in Frieden gehört

– nach dem Wissen von Sagen, Mythen und Märchen, aber auch nach Erkenntnissen der Psychologie, oder der Soziologie –
die Erfahrung,

  • Wurzeln zu schlagen (Besitz/Beheimatung)
  • wachsen zu können (Freiheit/Macht).
  • und einen Namen zu haben (Ansehen/Zuwendung).

Thema der Versuchung Jesu in der Wüste (Mt 4,1-11)

sind die leibhaftigen Urwünsche jedes Menschen:

  • aus Steinen Brot machen (Der Wunsch nach Besitz)
  • auf Händen getragen werden (Der Wunsch nach Ansehen)
  • über Königreiche herrschen (Der Wunsch nach Freiheit/Macht)

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Danach wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt
um vom Teufel versucht zu werden.

Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte,

hungerte ihn schließlich.

Da trat der Versucher herzu und sprach zu ihm:

Versuchung Jesu in der WüsteWenn du Gottes Sohn bist,

dann sage, dass die Steine hier zu Broten werden.

Er aber entgegnete:

Es steht geschrieben:

«Nicht vom Brot allein lebt der Mensch,

sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.» (Dtn 8,3)

Dann nimmt ihn der Teufel mit in die Heilige Stadt,
und er stellte ihn auf die Zinne des Tempels.

Und er spricht zu ihm:

Wenn du Gottes Sohn bist,
dann stürze dich hinab.
Denn es steht geschrieben:

«Seine Engel ruft er für dich herbei.»

und «sie werden dich auf Händen tragen,

damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.» (Ps 91,11f)

Da spricht Jesus zu ihm:

Es steht wiederum geschrieben:

«Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.» (Dtn 6,16)

Wieder nimmt ihn der Teufel mit auf einen sehr hohen Berg
und zeigt ihm alle Königreiche der Welt und ihre Pracht.

Und er sprach zu ihm:

Dies alles werde ich dir geben,

wenn du dich niederwirfst

und mich anbetest.

Da spricht Jesus zu ihm:

Fort mit dir, Satan.

Denn es steht geschrieben:

«Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten

und ihm allein dienen.» (Dtn 5,9; 6,13)

Da lässt der Teufel von ihm ab.
Und siehe,

Engel traten herzu und dienten ihm.

  • So soll er sich aus Steinen Brot machen: also sich selbstmächtig am Leben erhalten, statt „Gott seine Speise“ sein zu lassen.
  • Er soll sich in einer mächtigen Show dem Publikum präsentieren, das immer schon Brot und Spiele wünscht, um anerkannt zu sein und anzukommen.
  • Er soll sich alle Macht der Welt aneignen, um herrscherlich-gewaltsam sein Reich durchzusetzen: statt Gottes Reich in Ohnmacht anbrechen zu lassen.

Er soll „seinen Weg“ gehen, und aufhören, nach der Absicht seines Vaters mit ihm zu fragen. Ein „Macher-Messias“ wird ihm vorgegaukelt. Eine wahrhaft satanische, also ungläubige Variante zum Weg Jesu.“
(nach Paul M. Zulehner: Leibhaftig glauben – Lebenskultur nach dem Evangelium, Herder-Verlag 1983, S. 47f)



Eine Kultivierung der menschlichen Urwünsche

ist notwendig, denn typisch für diese menschlichen Urwünsche ist ihre „Maßlosigkeit“. Daher müssen sie im menschlichen Zusammenleben „kultiviert“ werden.

  • So wird der Wunsch nach Besitz geregelt durch den Schutz des Privateigentums.
  • Dem Wunsch nach Ansehen/Beheimatung kommt die Ordnung von Ehe und Familie entgegen.
  • Und der Wunsch nach Macht findet seine Ordnung in den Machtstrukturen des Staates.

Eine freiwillige Lebenskultur nach dem Evangelium

geht noch weiter.
Jesus gibt – aus der Erfahrung der teuflischen Versuchung heraus – folgenden Rat:

  • Christen sollen Menschen sein, die in einer großen Erwartung leben (in Bezug auf Ansehen und Beheimatung). Sie erwarten die end-gültige Beheimatung, die Gott für sie bereithält. Daher sind sie „jungfräuliche“ Menschen, die auf die Wiederkunft Christi, ihres „Bräutigams“ warten. (Eine besondere Form ist die christlich motivierte Ehe-losigkeit).
  • Christen sollen Menschen sein, die etwas aus ihrem Leben machen (Umgang mit der Macht). Wenn sie – wie Christus gesinnt sind – hören sie auf Gottes Willen, sie sind „gehorsam“ und stellen ihre Möglichkeiten in den Dienst an den Menschen.
  • Christen sollen schließlich Menschen sein, die der Umgang mit den Dingen in dieser Welt nicht besetzt hält (Umgang mit Besitz), sondern die sie loslassen können (Geschenk/Opfer) und so frei werden für Gott, um sich von ihm ganz beschenken zu lassen.(= die christlich motivierte Armut)

Besitz-losigkeit
Der Versuchung widerstehen, aus Steinen Brot zu machen…
«Nicht vom Brot allein lebt der Mensch,
sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.» (Dtn 8,3)

Armut =

Loslassen, was mich festhält und besetzt hält
offen werden für die Geschenke Gottes.

Macht-losigkeit
Der Versuchung widerstehen, über alle Königreiche zu herrschen…
«Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten
und ihm allein dienen.» (Dtn 5,9; 6,13)

Gehorsam =

Zulassen, was ich vor Gott bin und was um mich her ist
und offen werden für den Dienst an den Menschen.

Ehe-losigkeit
Der Versuchung widerstehen, den Schutz Gottes herauszufordern…
«Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.» (Dtn 6,16)

Jungfräulichkeit =

Mich Gott überlassen für das, was er mit mir will,wo ich aus seiner Kraft fruchtbar werden soll.

·        Wovon leben wir?

teuflisch geschickt ist die Aufforderung:

mach dir selbst, was immer du auch haben willst:

         aus Steinen mach Brot;

         aus Geld mach Freunde;

         aus medizinischem Wissen mach Gesundheit.

Doch du, Herr Jesus, sagst:

„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.“ (Mt 4,4)

 

Du allein kannst unseren Lebenshunger stillen,

wenn wir auf unser Haben Wollen verzichten.

Herr, erbarme dich.

 

·        Wem können wir wirklich vertrauen?

teuflisch geschickt ist der Überzeugungsversuch –

mit Berufung auf die Heilige Schrift:

überprüfe doch auf eigene Faust die Zusagen Gottes,

         dass er dich stets behüte,

         dass dir nichts Böses geschehen kann,

         dass du immer sicher getragen wirst.

Doch du, Herr, sagst:

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.“(Mt 4,7)

 

Herr, du wirst unsere Glaubenskraft stärken,

wenn wir auf solches Überprüfen Wollen verzichten.

Christus, erbarme dich.

 

·        Vor wem gehen wir in die Knie?

teuflisch geschickt ist das Versprechen:

unterwirf dich

         der Macht des Geldes;

         der Macht der allgemeinen Meinung;

         der herrschenden Mode,

dann gehört dir die ganze Welt.

Doch du, Herr, sagst:

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen.“(Mt 4,10)

 

Du, Herr, kannst mit uns dein Reich der Gerechtigkeit und der Liebe aufbauen,

wenn wir auf unser Teil-Haben Wollen an der Macht der Mächtigen verzichten.

Herr, erbarme dich.


Haben – gelten – herrschen wollen…

oder

… verzichten – beten – teilen können

Gott, wir möchten viel besitzen,

was unser Leben angenehm macht.

Führe uns, damit wir nicht der Versuchung erliegen

immer mehr haben zu wollen,

         an materiellen Gütern

         an all dem, was unseren Lebenshunger doch nie stillen kann.

Zeige uns im Fasten, worauf wir verzichten können,

um frei zu werden für das, was du uns geben willst.

 

Gott, wir wollen gut angesehen sein bei den Menschen

oder sogar im Rampenlicht stehen.

Führe uns, damit wir nicht der Versuchung erliegen,

bei den Menschen  als etwas Besonderes gelten zu wollen,

         indem wir mit unseren Vorzügen prahlen

         oder indem wir unsere Fähigkeiten zur Schau tragen.

Zeige uns beim Beten, worauf wir verzichten können,

um frei zu werden für das, was du durch uns wirken willst.

 

Gott, wir möchten oft Einfluss haben

und unseren Willen durchsetzen.

Führe uns, damit wir nicht der Versuchung erliegen,

über andere bestimmen zu wollen,

         und andere mit unserer Macht zu beherrschen,

         oder die Güter der Erde nur für uns zu gebrauchen.

Zeige uns im solidarischen Teilen, worauf wir verzichten können,

um frei zu werden, damit deine Gerechtigkeit beginnen kann.

 

Gott, führe du uns,

damit wir nicht der Versuchung erliegen,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert