Schlagwort-Archive: 4. Sonntag

Abgelehnt (4.C)

4. Sonntag im Jahreskreis C

Sonntag, 3. Februar 2019

Liturgische Texte zum 4. Sonntag im Jahreskreis (C)

Eröffnungsvers (Ps 106,47)
Hilf uns, HERR, unser Gott, führe uns aus den Völkern zusammen!
Wir wollen denen heiligen Namen preisen,
uns rühmen, weil wir dich loben dürfen.

Tagesgebet
Herr, unser Gott,
du hast uns erschaffen, damit wir dich preisen.
Gib, dass wir dich mit ungeteiltem Herzen anbeten
und die Menschen lieben, wie du sie liebst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus…

1. Lesung: aus dem Buch Jeremía (Jer 1,4-5.17-19)
„Zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt!“

Antwortpsalm: Ps 71,1-2.3.5-6.15 u. 17
Mein Mund soll künden von deiner Gerechtigkeit.

2. Lesung: aus dem1. Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth (1 Kor 12,31 – 13,13) oder: (1 Kor 13,4-13)
„Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei;
doch am größten unter ihnen ist die Liebe“

Ruf vor dem Evangelium (vgl. Jes 61,1)
Halleluja. Halleluja.
Der HERR hat mich gesandt,
den Armen die Frohe Botschaft zu bringen
und den Gefangenen die Freiheit zu verkünden.
Halleluja!

Evangelium aus dem Evangelium nach Lukas (Lk 4,21-30)
Wie Elija und Elischa, so ist Jesus nicht nur zu den Juden gesandt

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EvangelientextÜbersetzung G. M. Ehlert

–> Lk 4,16-44 Unterschiedliche Wirkung der vollmächtigen Lehre Jesu

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Bild zur Meditation: Ablehnung Jesu in seiner Vaterstadt Nazaretmk-6-1-6

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Impulse zur Reaktion auf die Predigt Jesu in Nazaret:

Kein Prophet wird akzeptiert in seiner Vaterstadt

ein außerbiblisches Jesuswort:

„Es gibt keinen Propheten, der in seinem Dorf aufgenommen wird.
Ein Arzt pflegt die, die ihn kennen, nicht zu heilen.“

(Thomasevangelium Logion 31)

Das musste auch Jesus in seiner Heimatstadt Nazaret erfahren als er zu Beginn seines öffentlichen Wirkens auch in der Synagoge von Nazaret predigt.

Zuerst staunen alle über den beeindruckenden Inhalt seiner Predigt. Doch dann lehnen sie ihn ab, weil er doch nur ein Sohn Josefs ist.

Warum ist das so?

  • Die Herkunftsfamilie und die „Sandkastenfreunde“ aus dem Heimatort trauen einem oft keine besondere Entwicklung zu?
  • damals: „Ist das nicht ein Sohn Josefs?“…
  • heute: wie – der Bauernjunge will ein guter Arzt sein? – Das trauen wir dem nicht zu.
  • Das Vorurteil: genetischer Fehlschluss: von der Herkunft auf die Güte eines Menschen zu schließen?
  • der kommt doch aus einem guten Haus… wie konnte der nur so niederträchtig handeln?…

1.    Nazaret: Von Bewunderung zur Ablehnung

„Bewunderung und Ablehnung – dieses paradoxe Verhalten, dem auch ein paradoxes Gefühl entspricht, ist kennzeichnend für das Verhalten vieler zu Jesus (auch heute)

  • Die Ablehnung kann die Kehrseite der Bewunderung werden, wenn deutlich wird, dass eine Beziehung zu ihm zur Veränderung des eigenen Lebens führen müsste. Da entscheidet sich, ob Bewunderung und Verehrung zur Abhängigkeit führen oder für das eigene unverwechselbare Leben frei machen. ….Bewunderung ohne Veränderung zur Lebenserweiterung – das hat Jesus, soweit wir das aus den Evangelien ablesen können, offensichtlich abgelehnt.
  • Da, wo der Mensch, den wir bewundern, sich nicht in dieser Bewunderung sonnt, sondern die Frage stellt: Und was bedeutet das für dich selbst? Welche Kräfte und Gaben bewunderst du bei mir, die du selbst hast?
  • Wohin sollten sich nun die Verwandten, die Bewohner von Nazaret verändern? Nazaret bedeutet seinem Namen nach: „Ort des Sprosses“ (aus dem Hause Davids).Jesus bekräftigt nun bei seinem Auftritt in seiner Vaterstadt, dass sich die Verheißung des Messias in IHM erfüllt hat. Doch sie sind irritiert. Denn er erfüllt bestimmte Erwartungen nicht. (Einen Messias haben wir uns doch ganz anders vorgestellt…) – Wenn er kommt, wird er doch die Frommen belohnen und diejenigen, welche die Gebote Gottes nicht erfüllen, – z.B. die Heiden bestrafen? Doch Jesus verkündet, dass gerade auch an den Heiden Zeichen und Wunder geschehen.
  • Hier in diesem kleinen Kaff wohnte eine streng jüdische Sippe, die stolz darauf war, aus davidischem Geschlecht abzustammen. Sie befolgten eine strenge Torafrömmigkeit, verbunden mit der endzeitlichen Erwartung, dass aus ihrem Spross einmal der Messias kommen wird.
  • In Nazaret lernt Jesus wie schwer es ist, festgefügte Erwartungshaltungen, vor allem wenn sie religiös motiviert sind, aufzubrechen. Es gelingt ihm nicht, im Gegenteil.
  • Seine Lehre treibt sie zu Wut. Es kommt zu einem Aufstand und beinahe zu einer Lynchjustiz, der er sich gerade noch entziehen kann.

2.    Kafarnaum: „…denen aber, die ihn aufnahmen…“

Er verlässt Nazaret, den Ort seiner Herkunft und geht nach Kafarnaum, einem Ort mit Juden und Heiden am See Genezareth hinab. Dieser Ort wird nun zu seiner Wahlheimat.

Hier trauen ihm die Menschen heilende Kräfte zu – hier kann er heilsam wirken.

3.    Unterschiedliche Wirkungen der vollmächtigen Lehre Jesu:

„Er kam in sein Eigentum, doch die Seinen nahmen ihn nicht auf. Die ihn aber aufnahmen, gab er Macht Kinder Gottes zu heißen.“

in Nazaret (Lk 4,16-30) in Kafarnaum (Lk 4,31-44)
„alle staunten über die Worte der Gnade, die aus seinem Mund kamen“ „Da waren sie bestürzt ob seiner Lehre, denn vollmächtig war sein Wort.“
(Skepsis): „ist das nicht ein Sohn Josefs?“ Ein Mensch mit einem dämonischen Geist bekennt:
„Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes“
„Kein Prophet ist willkommen in seiner Vaterstadt“ „Hinaus lief das Echo über ihn, an jeden Ort des Umlandes.“
„Von Wut erfüllt wurden da alle in der Synagoge, die das hörten.
Und sie standen auf, trieben ihn aus der Stadt hinaus…“
Die geheilte Schwiegermutter des Simon:

„Sofort stand sie auf und diente ihnen.“

„…um ihn hinunterzustoßen“ „Die Scharen suchten ihn…
und wollten ihn abhalten, sie zu verlassen.“
  • Wem gleichen wir? – Den Menschen in Nazaret mit ihren festgefügten Erwartungen, die Jesus ablehnen? Oder den Menschen in Kafarnaum, die auch in ihrer religiösen Erwartung offen sind und Jesus gerne aufnehmen?

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Links:

–> zur 1. Lesung – Jer 1,4-5.17-19: „Zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt“

–> zum Antwortpsalm: Psalm 71: Gott – Zuflucht im Alter

–> 2. Lesung: 1 Kor 12,31 – 13,13: „Das ‚Zehnwort‘ (= Dekalog) der Liebe

–> Evangelium: Lukasevangelium 4,21-30
siehe Grafik zu Mk 6,1-6: Reaktionen auf Jesu Predigt in Nazaret
–> siehe: „Lk 4,16-30 u. 31-44: Unterschiedliche Wirkung der vollmächtigen Lehre Jesu

–> siehe auch: Predigt Jesu in Nazaret

–> zu den Liturgischen Texten siehe auch Schott: 4. Sonntag C

 

Gedenktage:

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

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Stand: 27. Januar 2019

 

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Voll-Macht (4.B)

Vom 18. Januar (= früher das Fest der „Kathedra Petri“) bis zum 25. Januar (= Fest der Bekehrung des Apostels Paulus) findet jährlich die „Gebetswoche für die Einheit der Christen“ statt.
Diese Gebetswoche steht im Jahr 2018 unter dem Motto: „“Deine rechte Hand, Herr, ist herrlich an Stärke“ (vgl. Ex 15,6)

4. Sonntag im Jahreskreis B

28. Januar 2018

Eröffnungsvers (Ps 106,47)
Hilf uns, HERR, unser Gott, führe uns aus den Völkern zusammen!
Wir wollen deinen heiligen Namen preisen,
uns rühmen, weil wir dich loben dürfen.

Tagesgebet
Herr, unser Gott,
du hast uns erschaffen, damit wir dich preisen.
Gib, dass wir dich mit ungeteiltem Herzen anbeten
und die Menschen lieben, wie du sie liebst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus…

1. Lesung: Deuteronomium 18,15-20 
Einen Propheten wie Mose will Gott dem Volk Israel erstehen lassen und seine Worte in seinen Mund legen – (die Christen sehen diese Verheißung in Jesus Christus erfüllt)

Antwortpsalm: Ps 95,1-2.6-7c.7d-9
Hört auf die Stimme des HERRN; verhärtet nicht euer Herz!

–> zu Psalm 95: Aufruf zu Anbetung und Gehorsam gegenüber Gott

2. Lesung: 1. Korintherbrief 7,32-35 
Die Jungfrau sorgt sich um die Sache des Herrn, um heilig zu sein

Ruf vor dem Evangelium (Mt 4,16)
Halleluja. Halleluja.
Das Volk, das im Dunkel lebte, hat ein helles Licht gesehen;
denen, die im Schattenreich des Todes wohnten,
ist ein Licht erschienen.
Halleluja!

Evangelium: Mk 1,21-28 
Christus lehrte sie wie einer, der göttliche Vollmacht hat

zu den liturgischen Texten siehe auch Schott-Messbuch 4. Sonntag im Jahreskreis B

Gedanken zum Markusevangelium 1,21-28:

Mk 1,21-28: (Arbeitsübersetzung von G. M. Ehlert)

Jesu vollmächtiges Wort bewirkt, dass unreine Geister weichen müssen

Und sie (= Jesus und seine Jünger) gingen hinein nach Kapharnaum (= Ort des Trostes)
Und sogleich an dem Sabbat hineinkommend in die Synagoge (= Versammlung(sort))lehrte er sie.

Und sie waren aufgewühlt über seine Lehre;
er nämlich lehrend sie wie Vollmacht habend
und nicht wie die Schriftgelehrten.

Und sogleich war in der Synagoge daselbst
ein Mann in unreinem Geist
und er krächzte auf:

Sagend: „was (ist zwischen) uns und dir
Jesus aus Nazaret?
Bist du gekommen, wegzulösen(= zu vernichten) uns?

Ich erkenne dich, wer du bist:
der Heilige des Gottes.“

Und es fuhr ihn an (= er befahl aufs Strengste)
der Jesus sagend:
„Maul zu und raus aus ihm!“
(=verstumme und geh heraus aus ihm).

Und umherzerrend ihn der unreine Geist
und laut schreiend mit großer Stimme
ging er heraus aus ihm.

Und sie waren total in Schrecken versetzt
so dass sie untereinander erfragten – einer zum anderen:
„was ist das? Eine neue Lehre mit Vollmacht,
und (= sogar) den unreinen Geistern gebietet er
und sie sind untertan ihm.“

Und es ging heraus das von ihnen Gehörte sogleich
überallhin in die ganze Nachbarschaft (= Umgegend) Galiläas.

* * *

Ich erkenne dich, wer du bist: der Heilige des Gottes

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„Eine neue Lehre mit Vollmacht“ – Grafik zu Mk 1,21-28; (c) G. M. Ehlert, 21.01.2018

Jesus Christus ist der Sohn Gottes (Mk 1,1),
dessen Wirken vorgebahnt wurde von Johannes dem Täufer (Mk 1,2f),
nach dessen Taufe im Jordan offenbar wird, dass Gottes Geist auf ihm ruht und Gott bezeugt, dass er sein geliebter Sohn ist, an dem er Wohlgefallen hat (Mk 1,10-11).
Dieser reine u. heilige Geist Gottes treibt Jesus in die Wüste, wo er vom Satan und all seinen unreinen Geistern versucht wird, jedoch rein und gestärkt daraus hervorgeht. (Mk 1,12-13).

Nach der Gefangennahme Johannes des Täufers (Mk 1,14)
kehrt er nach Galiläa zurück und verkündet:
„Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe!
Kehrt um und glaubt an das Evangelium.“ (Mk 1,15)

Sein Wort bewirkt, was es besagt:
Er ruft Simon und Andreas, sowie Jakobus und Johannes vom Fischfang weg in seine Nachfolge (Mk 1,16-20).

Mit ihnen geht er nach Kapharnaum und lehrt in der Synagoge.
Die Vollmacht seiner Lehre erweist sich dadurch, dass sogar unreine Geister ihm gehorchen (Mk 1,21-28) –

dieser Exorzismus ist die erste wunderbare Tat Jesu, von welcher der Evangelist Markus berichtet.

Das Dämonische in dieser Welt verliert dort seine Macht,
wo das Evangelium Jesu Christi aufgenommen wird.

siehe auch: „Ein Arbeitstag im Leben Jesu – Mk 1,22-39

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

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Licht des Lebens (4.F.A)

4. Fastensonntag A (Laetare)

26. März 2017

zu den Liturgischen Texten vom 4. Fastensonntag

am 19. März ist das Hochfest des Heiligen Josef – siehe: „Heiliger Josef(Im Jahr 2017 wird das Hochfest am 20. März „nachgefeiert“, da es vom 3. Fastensonntag verdrängt wird).

am 25. März ist das Hochfest der Verkündigung des Herrn

der Gedenktag (im Bistum Münster das Hochfest) des Heiligen Bischofs Liudger am 26. März wird im Jahr 2017 am Montag, 27. März nachgefeiert, da es vom 4. Fastensonntag verdrängt wird.

zum Evangelium am 4. Fastensonntag im Lesejahr A:
–> 
Joh 9,1-41  Jesus, der Blindgeborene und die Pharisäer – das 6. Zeichen Jesu
(eine wortgetreue Arbeitsübersetzung und Gliederung)

 

Meditation:

Ein Blinder wird sehend – und Sehende werden blind

Leben als Kinder des Lichts –
blind ist auch,
wer seine Augen verschließt.

Der Glaube kommt vom Hören (und Gehorchen)
und führt zum Sehen der Wirklichkeit
im Licht Christi.

1. Vom blind Sein als Behinderung –
zum Sehen können

(Joh 9,1.6-7)

Blinden das Augenlicht schenken –
ein (6.) Zeichen Jesu für die Wirklichkeit des Reiches Gottes mitten unter uns

Was tut Jesus an mir? –
Zu welchem Tun fordert er mich auf, damit bei mir Heilung geschehen kann?

2. Von der Blindheit des Denkens –
zur rechten Sehweise

(Joh 9,2-5)

Blindheit des Verstandes –
Perspektivenwechsel
Blickrichtung auf den Heilswillen Gottes richten können

Frage nicht, wer schuld ist an deinem Leid,
sondern frage dich, zu welchem Ziel hin dein Leiden dich führen will.
Was kann ich (noch) nicht erkennen?

3. Von der Blindheit des Fühlens
zum mitfühlen können

(Joh 9,8-12)

Die Nachbarn:
Blind für die Situation des Geheilten –
keine Mitfreude, sondern Verunsicherung

Wo handle ich ohne mit dem Betroffenen mitzufühlen?

4. Von der Blindheit des Handelns aus Angst –
zur Bereitschaft zum Zeugnisgeben
(Joh 9,18-23)

Die Eltern und „die(se) Juden“:
Angst und Misstrauen verdunkeln klares Aufdecken…

Wovor habe ich Angst und weiche einem klaren Bekenntnis aus?

5. Von der Blindheit des Herzens –
zum hinausblicken können über die religiöse Ordnung hinaus
(Joh 9,13-34)

Pharisäer:
Überzeugungen, Ideologien können den Blick verstellen
und machen oft fanatisch –
Exkommunikation Andersdenkender sind die Folge

Wo verstellt dogmatisches Denken bei mir den Blick auf die jeweilige Situation? –
Was will ich nicht ein-sehen?

6. Vom blinden Glauben –
zu einem sehenden Glauben

(Joh 9,35-38)

Die Begegnung mit Jesus schenkt die Erleuchtung des Glaubens

Wo hat bei mir „Erleuchtung im Glauben“ zur Anbetung Christi geführt?

7. Die Verblendung der Sünde
ans Licht bringen

(Joh 9,39-41)

Ziel der Sendung Jesu:
Blinde heilen und
die Blindheit der „Sehenden“ aufdecken.

Wo bin ich bereit, Unrechtsstrukturen aufzudecken?

 

Geöffnete Augen

Aufblicken-5-2a

Gott

Ich sehe
mein Spiegelbild

in den Wassern
von Schiloach

tanzende Wellen
zaubern mein Gesicht

ich sehe mich
zum ersten Mal

Licht in meinen Augen
Licht in meinem Herzen

ich sehe dich
ich glaube dir
du bist das Licht

geöffnet hast du
meine Augen

lass mich niemals mehr fallen
in die Dunkelheit

(G. M. Ehlert)

 

7 + 1 Schritte:
„Vom blinden (Ge-)horchen – zum sehenden Verstehen“

1. Der Blindgeborene horcht hin, wie die Jünger Jesu die quälende Frage stellen, ob er oder seine Eltern gesündigt haben, weil er blind geboren wurde. Er horcht auf, als Jesus die befreiende Antwort gibt, die eine heilsame Zukunft verheißt: „Das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden.“ – Und er gehorcht blind, als Jesus ihm Erde und Speichel auf die Augen streicht und ihm sagt: „Geh und wasch dich im Teich Schiloach!“

2. Das Wasser wusch seine Blindheit weg und er konnte sehen – Er sah zum ersten Mal sein Bildnis im Wasser spiegeln und aufblickend kehrte er zurück. Staunend und zweifelnd fragten sich die Nachbarn: Ist er’s oder nicht. Der Sehendgewordene sagte selbstbewusst: „ICH BIN’s“.

3. Er muss sich rechtfertigen vor den Pharisäern, die daran zweifeln, ob dieser Jesus von Gott her kommt, da er mit der Heilung das Gebot der Sabbatheiligung verletzte, jedoch: „Wie kann ein Sünder solche Zeichen tun?“ Ein Teil macht der Blick auf den Buchstaben des Gesetzes blind für das Heilswirken Gottes. Der Sehendgewordene erkennt jedoch klar: „Er ist ein Prophet.“

4. Zweifelnd verhören sie seine Eltern, ob das ihr blindgeborener Sohn ist und wie er sehend wurde und schüchtern sie ein: Wer anderer Ansicht ist als sie sei ausgeschlossen. Verblendet, wer offensichtliches nicht glauben will.

5. Verblendet berufen sie sich auf Mose und verurteilen Jesus als Sünder. Der Sehendgewordene bekennt sich jedoch zu Jesus: „Wenn dieser Mensch nicht von Gott wäre, dann hätte er gewiss nichts ausrichten können.“ Blind vor Zorn stoßen sie ihn aus.

6. Jesus schenkt ihm nun die volle Sicht des Glaubens, indem er sich ihm als der Menschensohn offenbart. – „Ich glaube Herr!“ Und er warf sich anbetend vor ihm nieder.

7. Das Ziel der Sendung Jesu zeigt sich hier, dass die Blinden sehend werden – jedoch die zu sehen und zu verstehen meinen, die jedoch an seinen Zeichen zweifeln, verblendet und blind vor Zorn handeln, werden wahrhaft blind, und deren Sünde bleibt.

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Wenn Blinde wieder aufblicken – Grafik (c) G. M. Ehlert

+ 1: Auf dem Bild bildet sich das Evangelium von der Heilung des Blindgeborenen (Joh 9,1-41) in meinem Kopf ab. –
Das Heilwerden meiner Blindheit will in meinem Ohr zu wirken beginnen – und die Schritte der Einsicht und des Zweifels entwickeln sich in meinem Nachdenken bis hin zur Ablehnung oder Zustimmung des Gehörten mit all seinen Konsequenzen.
Und nun offenbart sich Christus, der Menschensohn auch mir:
Doch (an-)erkenne ich in meinem Gegenüber – dem ich in die Augen blicke – Christus, der mir in jedem Nächsten begegnen will?


Die Liturgischen Texte zum 4. Fastensonntag A (Laetare)

Eröffnungsvers (vgl. Jes 66,10-11)
„Freue dich, Stadt Jerusalem!
Seid fröhlich zusammen mit ihr, alle, die ihr traurig wart.
Freut euch und trinkt euch satt an der Quelle göttlicher Tröstung.“

1. Lesung: 1 Sam 16,1b.6-7.10-13b
Samuel salbt David zum König über Israel

Antwortpsalm (Ps 23,1-3.4.5.6)

–> zu Psalm 23: JHWH – mein Wegbegleiter + Mahlbereiter + Heimatgeber ;
u. Psalm 23: JHWH – mein Hirt
(siehe auch „Karsamstag„)

2. Lesung: Eph 5,8-14
Steh auf von den Toten, und Christus wird dein Licht sein

Ruf vor dem Evangelium: (vgl. Joh 8,12)
Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre! –
(So spricht der HERR)
Ich bin das Licht der Welt.
Wer mir nachfolgt, hat das Licht des Lebens.
Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre!

Evangelium: Joh 9,1-41
Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen

–> Joh 9,1-41  Jesus, der Blindgeborene und die Pharisäer – das 6. Zeichen Jesu
(eine wortgetreue Arbeitsübersetzung und Gliederung)

siehe auch: „Heilung des Blinden am Teich von Shiloach
u. „Ein Blinder wird sehend – und Sehende werden blind“

Liturgische Texte – siehe auch Schott: 4. Fastensonntag A

 

Die Namen der Sonntage der Fastenzeit / österliche Bußzeit/ Passionszeit:
1. Fastensonntag: Invocabit – (5. März 2017)
2. Fastensonntag: Reminiscere – (12. März 2017)
3. Fastensonntag: Oculi – (19. März 2017)
4. Fastensonntag: Laetare – (26. März 2017)
5. Fastensonntag: Iudica – (2. April 2017)
Palmsonntag: Palmarum – (9. April 2017)

Ein Merkvers: „In rechter Ordnung lerne Jesu Passion“

In rechter Ordnung lerne Jesu Passion“

siehe auch: 1. Fastensonntag A (Mt 4,1-11): Versuchungen Jesu in der Wüste
2. Fastensonntag A (Mt 17,1-9): Verklärung Jesu auf dem Berg
3. Fastensonntag A (Joh 4,5-42): Lebensquelle
4. Fastensonntag A (Joh 9,1-41): Licht des Lebens
5. Fastensonntag A (Joh 11,1-45): Auferweckung des Lazarus
Palmsonntag A: Passion Jesu Die Heilige Woche
und Karwoche – (Palmsonntag – Ostern)

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

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Berglehre Jesu (5.-8. A)

 … Und ich sage euch:

Der 4. – 9. Sonntag im Jahreskreis A enthält als Evangelium
jeweils einen Abschnitt aus der Berglehre Jesu (= Mt 5,1 – 7,29)
– eine der 5 großen Reden Jesu im Matthäusevangelium.

Eine Zusammenfassung siehe:
Jesu Berglehre:
+ Erkenne, wer du bist!
+ Beurteile, wie du leben sollst!
+ Handle dementsprechend!

Hier ein Überblick über die Evangelienabschnitte der einzelnen Sonntage:

4. Sonntag i. J. A (= 29. Januar 2017)
– Matthäus 5,1-11: Die Seligpreisungen Jesu
siehe: „Glückwunsch Jesu“

5. Sonntag i.J. A (= 5. Februar 2017)
– Matthäus 5,12-16: Bildworte vom Salz der Erde und vom Licht der Welt
siehe auch: „Salz der Erde“

6. Sonntag i.J. A (= 12. Februar 2017)
– Matthäus 5,17-37:  Über die Erfüllung der Weisung Gottes u. die neuen Thesen (I.)
siehe auch: grenzenlose Gerechtigkeit

7. Sonntag i.J. A (= 19. Februar 2017)
– Matthäus 5,38-48:   … die neuen Thesen (II.)
siehe auch: grenzenlose Gerechtigkeit
siehe auch: „Friedensinstrument

8. Sonntag i.J. A (= 26. Februar 2017)
– Matthäus 6,24-34:  Von der rechten Sorge
siehe: Mt 6,24-34
siehe auch:  
„In God we trust“

9. Sonntag i.J. A (= entfällt im Jahr 2017)
Matthäus 7,21-27: (Abschluss der Berglehre) Auf Gott gebaut

und Aschermittwoch (= 01. März 2017)
– Matthäus 6,1-6.16-18: Vom Beten u. Fasten u. Almosen geben
siehe:  Mt 6,1-18
siehe auch: „
Beten + Fasten + Almosen geben

Die liturgischen Texte des 5. Sonntages im Jahreskreis A

(5. Februar 2017)

Eröffnungsvers (Psalm 95,6-7)
„Kommt, lasst uns niederfallen,
uns verneigen vor dem HERRN, unserem Schöpfer!
Denn er ist unser Gott.“

1. Lesung: Jesaja 58,7-10
Wenn du den Darbenden satt machst, dann geht im Dunkel dein Licht auf

Antwortpsalm (Ps 112,4-5.6-7.8-9)

2. Lesung: 1 Korinther 2,1-5
Ich habe euch das Zeugnis Gottes verkündigt: Jesus Christus, den Gekreuzigten

Ruf vor dem Evangelium: (vgl. Joh 8,12)
Halleluja. Halleluja.
So spricht der HERR:
Ich bin das Licht der Welt.
Wer mir nachfolgt, hat das Licht des Lebens.
Halleluja

Evangelium: Mt 5,13-16
Euer Licht soll vor den Menschen leuchten

Liturgische Texte – siehe auch Schott: 5. Sonntag im Jahreskreis A

 

Salz der Erde – Licht der Welt

Ihr seid das Salz der Erde.
Wenn das Salz töricht gemacht wird,
mit was wird dann gesalzen werden?
Zu nichts mehr ist es stark genug;
außer dass es weggeworfen
und von den Leuten zertreten wird.

Ihr seid das Licht der Welt.
Nicht vermag eine Stadt, die auf einem Berg liegt, verborgen zu bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Hohlmaß (Scheffel) darüber,
sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus.

So soll euer Licht vor den Menschen leuchten,
damit sie eure guten Werke sehen
und euren Vater im Himmel verherrlichen.

(Mt 5,13-16)

Die Bedeutung des Salzes – die Aufgabe der Christen

Kostbarkeit

Das heute alltägliche Salz ist im Grunde kostbarer als Gold und Edelsteine. – Ohne Gold und Edelsteine können wir Menschen gut leben; nicht jedoch ohne Salz. – Ohne einen gewissen Salzgehalt im Körper stirbt der Mensch.

Das Nötigste im Leben des Menschen sind: Wasser, Feuer, Eisen und Salz,
kräftiger Weizen, Milch und Honig, Blut der Trauben, Öl und Kleidung.
Sir 39:26

Daher war das Salz in der Antike auch sehr kostbar. –
Wichtige Handelsstraßen heißen „Salzstraßen“, „Hellweg“.

So kostbar und lebensnotwendig sind überzeugte Christen für unsere Welt, welche die Verbundenheit der Menschen mit Gott immer wieder aufzeigen..

Jedes Speiseopfer sollst du salzen,
und deinem Speiseopfer sollst du das Salz des Bundes deines Gottes nicht fehlen lassen;
jede deiner Opfergaben sollst du mit Salz darbringen.
Lev 2:13

Schmelzkraft

Im Winter streut man Salz auf vereiste Gehwege und Straßen, damit das Eis schmilzt und man nicht mehr ausrutschen kann – Es gibt auch viel tödliche Kälte und Rutschgefahr in unserer Gesellschaft, ja auch in unseren Familien und in unseren Gemeinschaften.

Da können und sollen wir Christen „Salz der Erde“ sein: auflösend, befreiend und vergebend, damit Menschen nicht ins Rutschen geraten.

Wo Salz ist, da wird Erstarrtes wieder beweglich.

Konservierungs- und Reinigungskraft

Salz schützt vor Fäulnis: Die einzige Möglichkeit, Fische und Fleisch haltbar zu machen, war früher sie in Salz zu legen, um sie vor Fäulnis und Verderb zu retten. – Auch zum Reinigen brauchte man Salz.

Durch Beigabe von Salz wird krankmachendes Wasser gesund.
2 Kön 2,20ff

Es gibt heute auch viele faule Stellen in Staat und Kirche, in Gemeinde und Familien. Mit dem Salz des Evangeliums können wir das Leben der Menschen vor Verfall bewahren.

„Habt Salz in euch und haltet Frieden untereinander!“
(Mk 9,50)

Salz trägt und heilt

Beim Baden im Toten Meer, das einen Salzgehalt von über 30 % hat, konnte ich einmal die schöne Erfahrung machen, dass ich von diesem Wasser ohne eigene Schwimmbewegungen getragen. – Und salzhaltiges Wasser reizt die Haut und trägt so zur Heilung bei – daher werden Kuren in Solebädern verschrieben.

So können auch wir Christen, wenn wir genügend Salz haben, auch andere mittragen und zur Heilung beitragen, die sonst unterzugehen drohten, in den Meeresfluten unserer Zeit.

Würzkraft

Am bekanntesten ist wohl, dass das Salz der Speise den richtigen Geschmack gibt.

Was wäre eine Suppe oder Pommes frites ohne Salz – fad und geschmacklos. – Doch auch eine versalzene Suppe schmeckt scheußlich.

Es kommt also auf die richtige Dosierung an.

Ein Wort zur Unzeit ist ein Braten ohne Salz,
im Mund des Ungebildeten findet es sich dauernd.
Sir 20:19

Auch mit dem Salz der Liebe im menschlichen Zusammenleben ist es genauso. Ohne Liebe stirbt das menschliche Leben, bei zuviel liebevoller Umarmung jedoch erstickt es.

Wenn man das Salz bei einer Speise herausschmeckt, ist zuviel gesalzen worden, denn das Salz ist ein verborgenes Gewürz – es bringt den Eigengeschmack der Speisen zur Geltung.

So können und sollen auch wir Christen den je eigenen Geschmack der Menschen am Leben durch das Salz unserer Liebe zur Geltung bringen und sollen ihnen durch unseren Beitrag nicht das Leben versalzen.

Ein schöner Brauch ist es, bei einem Einzug in ein neues Haus den neuen Nachbarn Brot und Salz zu schenken als Zeichen der Gastfreundschaft.

Christen als das Salz der Erde

„Ihr seid das Salz der Erde!“ – Diese Zusage Jesu gilt für alle Christen. Doch diese Zusage Jesu ist zugleich eine Lebensaufgabe.

Daher wurde früher bei der Taufe dem Täufling ein wenig Salz auf die Zunge gestreut, und der Priester sagte dazu: „Empfange das Salz der Weisheit …“

Das heißt: Gib dem ganzen Leben Würze durch die Weisheit, die von Gott kommt!

„Eure Worte seien immer freundlich, doch mit Salz gewürzt;
denn ihr müsst jedem in der rechten Weise antworten können.
Kol 4,6

Wenn wir Christen also das Salz der Erde sind (!),
dann gehört es zu unserer Aufgabe, uns in das Geschehen dieser Welt einzumischen.

Denn
– ohne Salz gibt es kein Leben;
– ohne Salz vereist der Boden, auf dem wir stehen und wir rutschen aus;
– ohne Salz trägt das Wasser schlechter und ihm fehlt die Heilkraft;
– ohne Salz können Grundwerte und Grundhaltungen in unserer Gesellschaft schlecht bewahrt werden;
– und ohne eine Prise Salz fehlt dem Leben der richtige Geschmack.

Was wäre unsere Zeit ohne Christen, welche die Kraft des Salzes in sich bewahren? Sie wäre so fad wie eine Suppe ohne Salz.


 

Der Buchstabe des Gesetzes tötet –
der Geist ist es, der lebendig macht
.
– Kernpunkte der “Berglehre Jesu” (Mt 5,17-48)
– Evangelium des 6. Sonntages im Jahreskreis A (Mt 5,17-37)
+ Evangelium des 7. Sonntages im Jahreskreis A (Mt 5,38-48)

siehe: grenzenlose Gerechtigkeit

 

Die „Super“-Thesen Jesu in seiner Berglehre
Mt 5,17-48

 

Nicht Aufhebung,      sondern Erfüllung

des Gesetzes

17 In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Denkt nicht,
ich sei gekommen,
um das Gesetz und die Propheten aufzuheben.

Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben,
sondern um zu erfüllen.

18 Amen, das sage ich euch:
Bis Himmel und Erde vergehen,
wird auch nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes vergehen,
bevor nicht alles geschehen ist.

19 Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt
und die Menschen entsprechend lehrt,
der wird im Himmelreich der Kleinste sein.

Wer sie aber hält und halten lehrt,
der wird groß sein im Himmelreich.

20 Darum sage ich euch:
Wenn eure Gerechtigkeit nicht überfließt,
mehr als die der Schriftgelehrten und Pharisäer,
werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.

Verdeutlichung an 6 Beispielen

„Ihr habt gehört,
dass zu den Alten gesagt wurde“

Ich aber sage euch“

statt „alte“ Gesetzesmoral      überfließende Gerechtigkeit

nicht erst      sondern schon
der Mord           die innere Ablehnung
→ radikale Bejahung

21 Ihr habt gehört,
dass zu den Alten gesagt worden ist:
Du sollst nicht töten;
wer aber jemand tötet,
soll dem Gericht verfallen sein.

22 Ich, ja ich sage euch (darüber hinaus):
Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt,
soll dem Gericht verfallen sein;
und wer zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf!,
soll dem Spruch des Hohen Rates verfallen sein;
wer aber zu ihm sagt: Du gottloser Narr!,
soll dem Feuer der Hölle verfallen sein.

23 Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst
und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat,
24 so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen;
geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder,
dann komm
und opfere deine Gabe.

25 Schließ ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner,
so lange du mit ihm noch auf dem Weg zum Gericht bist.
Sonst wird dich dein Gegner vor den Richter bringen,
und der Richter wird dich dem Gerichtsdiener übergeben,
und du wirst ins Gefängnis geworfen.

26 Amen, das sage ich dir:
Du kommst von dort nicht heraus,
bis du den letzten Cent bezahlt hast.

nicht erst      sondern schon
der Ehebruch      der lüsterne Blick
→ radikale Zuwendung

27 Ihr habt gehört,
dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen.

28 Ich – ja ich sage euch (darüber hinaus):
Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht,
hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.

29 Wenn dich dein rechtes Auge zum Bösen verführt,
dann reiß es aus und wirf es weg!
Denn es ist besser für dich,
dass eines deiner Glieder verloren geht,
als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird.

30 Und wenn dich deine rechte Hand zum Bösen verführt,
dann hau sie ab und wirf sie weg!
Denn es ist besser für dich,
dass eines deiner Glieder verloren geht,
als dass dein ganzer Leib in die Hölle kommt.

nicht erst                          sondern schon
die ungesetzliche Scheidung      jede Scheidung
→ radikale Verantwortung

31 Ferner ist gesagt worden:
Wer seine Frau aus der Ehe entlässt,
muss ihr eine Scheidungsurkunde geben.

32 Ich – ja ich sage euch (darüber hinaus):
Wer seine Frau entlässt,
obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt,
liefert sie dem Ehebruch aus;
und wer eine Frau heiratet, die aus der Ehe entlassen worden ist,
begeht Ehebruch.

nicht erst      sondern schon
der Meineid      das „Jein“/der Schwur
→ radikale Wahrhaftigkeit

33 Ihr habt gehört.
dass zu den Alten gesagt worden ist:
Du sollst keinen Meineid schwören,
und: Du sollst halten, was du dem Herrn geschworen hast.

34 Ich – ja ich sage euch (darüber hinaus):
Schwört überhaupt nicht,
weder beim Himmel,
denn er ist Gottes Thron,
35 noch bei der Erde,
denn sie ist der Schemel für seine Füße,
noch bei Jerusalem, denn es ist die Stadt des großen Königs.

36 Auch bei deinem Haupt sollst du nicht schwören;
denn du kannst kein einziges Haar weiß oder schwarz machen.

37 Euer Ja sei ein Ja,
euer Nein ein Nein;
alles andere stammt vom Bösen.

nicht erst                     sondern schon
die willkürliche Vergeltung      die „Retourkutsche“/ der Schlagabtausch
→ radikale Versöhnungsbereitschaft

38 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist:
ein Auge anstelle eines Auges
und ein Zahn anstelle eines Zahnes.

39 Ich – ja ich sage euch (darüber hinaus):
dem, der euch etwas Böses antut, stellt euch nicht entgegen,
sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt,
dann halt ihm auch die andere hin.

40 Und wenn dich einer vor Gericht bringen will,
um dir das Hemd wegzunehmen,
dann schenke ihm auch den Mantel.

41 Und wenn dich einer zwingen will,
eine Meile mit ihm zu gehen,
dann geh zwei mit ihm.

42 Wer dich bittet, dem gib,
und wer von dir borgen will, den weise nicht ab.

nicht erst                sondern schon
der Hass der Freunde      der Feindeshass
→ grenzenlose Liebe

43 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist:
Du sollst deinen Nächsten lieben
und deinen Feind hassen.

44 Ich – ja ich sage euch (darüber hinaus):
Liebt eure Feinde
und betet für die, die euch verfolgen,
45 damit ihr Söhne und Töchter eures Vaters im Himmel werdet;
denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten,
und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.

46 Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben,
welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten?
Tun das nicht auch die Zöllner?

47 Und wenn ihr nur eure Brüder und Schwestern grüßt,
was tut ihr damit Besonderes?
Tun das nicht auch die Heiden?

48 Ihr werdet/sollt also sein
zum Ziel gelangt/vollendet/volljährig/erwachsen/ vollkommen –

wie der Vater von euch – der in den Himmeln –
zum Ziel gelangt/vollendet/vollkommen ist.

.

Der Buchstabe des Gesetzes tötet –
der Geist ist es, der lebendig macht.

Nicht erst der Mord,
sondern schon das Zürnen
widerspricht dem Geist der Weisungen Gottes

Versöhnung hat Vorrang vor liturgischem Opfer

rechtzeitiger Friedensschluss
bewahrt vor Verurteilung durch ein weltliches Gericht

Nicht erst der vollzogene Ehebruch,
sondern schon der begehrende Blick
widerspricht dem Geist des Weisungen Gottes

Nicht erst eine ungesetzliche Scheidung,
sondern jede Scheidung
widerspricht dem Geist der Weisungen Gottes

Nicht erst ein Meineid und ein Eidesbruch,
sondern schon jeder Schwur
widerspricht dem Geist der Weisungen Gottes

Jedes eurer Worte sei wahrhaftig

Nicht erst eine willkürliche Vergeltung,
sondern schon jeder Gedanke an Vergeltung
widerspricht dem Geist der Weisungen Gottes

vielmehr soll Böses mit Gutem vergolten werden

Nicht erst ein Hass gegenüber dem Nächsten
sondern schon mangelnde Liebe gegenüber dem Feind
widerspricht dem Geist der Weisungen Gottes

Eure Liebe soll Gottes Weisungen gemäß alle umfassen,
so wie seine Liebe grenzenlos ist.

Nicht erst das Tun des Bösen,
sondern schon das Unterlassen des Guten
widerspricht dem Geist der Weisungen Gottes

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

 

Glückwunsch Jesu (4. A)


Die liturgischen Texte des 4. Sonntages im Jahreskreis A

(29. Januar 2017)

Eröffnungsvers (Psalm 106,47)
„Hilf uns, HERR, unser Gott, führe uns aus den Völkern zusammen!
Wir wollen deinen heiligen Namen preisen,
uns rühmen, weil wir dich loben dürfen.“

1. Lesung: Zef 2,3; 3.12-13
Ich lasse in deiner Mitte übrig ein demütiges und armes Volk

Antwortpsalm (Ps 146,5.u.7. 8-9b. 9c-10)

2. Lesung: 1 Kor 1,26-31
Das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt

Ruf vor dem Evangelium: (Mt 5,12a)
Halleluja. Halleluja.
Freut euch und jubelt:
Euer Lohn im Himmel wird groß sein.
Halleluja

Evangelium: Mt 5,1-12a
Selig, die arm sind vor Gott

Liturgische Texte – siehe auch Schott: 4. Sonntag im Jahreskreis A

 

Gedanken zum Evangelium vom 4. Sonntag im Jahreskreis A (= Mt 5,1-12):

Die Seligpreisungen in der Bergpredigt Jesu

Als Jesus die vielen Menschen sah…

die wie Schafe ohne Hirten orientierungslos waren

stieg er auf einen Berg.

so wie Mose auf den Berg Sinai stieg,
um dort die Wegweisungen Gottes zu empfangen

Jesus erscheint hier als der neue Mose, der sein Volk aus dem Land der Begrenzungen herausführt.

Er setzte sich

Jesus wird hier beschrieben als der neue „Gesetzeslehrer“,
der sich auf seinen Lehrstuhl setzt.

und seine Jünger traten zu ihm.

so wie Mose um sich die Ältesten versammelte.

Dann begann ER zu reden und lehrte sie.

Nun ist es nicht mehr Gott, der zu Mose spricht,
sondern Jesus kündet selbst im Geist Gottes die „neue Lehre“.

„Selig,
wer meine Worte hört…

Das Herzstück
der Berglehre Jesu:
Die „Um-schreibung“
der Lebensweisungen Gottes
von den Steintafeln des Sinai
in die Herzen der Menschen
hinein

… und danach
handelt.

(G. M. Ehlert zu Mt 5,1-12 u. 7,24)

Hört, wen Jesus glücklich preist:

Seligpreisungen Jesu in der Bergpredigt - Bild (c) G. M. Ehlert, 23.01.2011

8 + 1 Seligpreisungen Jesu in der Bergpredigt – (c) G. M. Ehlert, 23.01.2011

3. Glückselige, die Armen im Geiste,
denn ihnen ist die Königsherrschaft der Himmel.

4. Glückselige, die Trauernden,
denn ihnen wird beigestanden werden.

5. Glückselige, die Sanftmütigen,
denn sie werden als Erbteil erhalten das Erdland.

6. Glückselige, die Hungernden und Dürstenden nach der Gerechtigkeit,
denn sie werden gesättigt werden.

7. Glückselige die Barmherzigen,
denn sie werden barmherzigt werden.

8. Glückselige, die im Herzen Reinen,
denn sie werden Gott erschauen.

9. Glückselige, die Friedenmacher,
denn sie werden Söhne (u. Töchter) Gottes gerufen werden.

10. Glückselige, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen,
denn ihrer ist die Königsherrschaft der Himmel.

11. Glückselige seid ihr,
wenn sie euch schmähen und verfolgen
und betrügerisch allerart Böses euch nachsagen
um meinetwillen.

12. Freut euch und frohlocket,
denn euer Lohn wird viel sein in den Himmeln.

Nämlich genauso verfolgten sie die Propheten, welche vor euch (waren).

 

siehe auch: 8 + 1 Seligpreisungen Jesu in der Bergpredigt

.

Gottes Maßstab ist „ver-rückt“:

nicht: „Kleider machen Leute!“
sondern: „Kleiner machen, Leute!“ –
und: „Kleine macht ER zu Leuten.“

Die Maßstäbe unserer Welt

Wir beglückwünschen Menschen, die etwas Besonderes erreicht haben:
– Herzlichen Glückwunsch zu einem besonderen Geburtstag…
– Herzlichen Glückwunsch zu einer bestandenen Prüfung…
– Herzlichen Glückwunsch zu einem besonderen Gewinn…

Jesus beglückwünscht Menschen, die bereit sind, Besonderes von Gott zu empfangen:
– Herzlichen Glückwunsch allen, die leere – aber empfangsbereite – Hände und Herzen haben (Arme im Geiste, Sanftmütige, Verfolgte…)
und
– Herzlichen Glückwunsch allen, die jetzt schon sich für den Aufbau des Reiches Gottes einsetzen (Barmherzige, Friedensstifter, Standhafte in Verfolgung…)

Paulus schreibt an die Gemeinde in Korinth (1 Kor 1,26-31):

Der Völkerapostel Paulus schreibt an die kleine christliche Gemeinde in der Großstadt Korinth:

„Seht doch auf eure Berufung, Brüder und Schwestern!
Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme,
sondern das Törichte in der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen,
und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen.
Und das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt:
         das, was nicht ist, um das, was etwas ist, zu vernichten,
         damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott.“

Gott ist ver-rückt.

Ja, in den Augen der Welt ist er bescheuert!
In den Augen der Weisen dieser Welt ist er ein törichter Narr!

Gott ist ver-rückt, wenn er zu allen Zeiten besonders einfache Menschen beruft.  –
So gibt es ja auch in unserer Gemeinde – oder in den kirchlichen Verbänden wie z.B. in der KAB nicht viele Mächtige. Aber gerade deswegen ist dort Platz für Sie und für mich.

In den Augen des Apostels Paulus aber ist Gott in einem anderen Sinn „ver-rückt“:
Er rückt die bestehenden Verhältnisse zurecht.

Gott ist ver-rückt, denn er hat Sie und mich erwählt:

– nicht wegen unserer Vollkommenheit, sondern mit unserer Unvollkommenheit;

– nicht wegen unserer Erfolge, sondern mitten in unserem Scheitern…

– nicht weil wir etwas Besonderes wären, sondern weil wir – ohne etwas Besonderes zu sein, so von Gott geliebt sind…

– nicht wegen unserer Kenntnisse, sondern mit all unserem Nichtwissen und unseren Irrtümern, die wir vertreten…

– nicht wegen unserer Sicherheiten, die wir zu bieten haben, sondern mitten in unserer Verunsicherung und Hilfsbedürftigkeit…

Gott ist ver-rückt, denn er erwählt
nicht nur die, die auf der Glücksseite des Lebens sind, sondern vor allem die, die auf der Schattenseite leben müssen…

Das, was der Apostel Paulus damals seiner kleinen christlichen Gemeinde in der großen Hafenstadt Korinth sagte, lässt sich heute vielleicht auch so ausdrücken:

Der Maßstab: „Kleider machen Leute!„, der das Denken unserer Welt beherrscht,
gilt vor Gott nicht.

Den Weisen, Mächtigen und Einflussreichen, die sich auf den Weltwirtschaftsgipfeln und Weltsicherheitskonferenzen treffen, könnte eher gesagt werden:

Kleiner machen, Leute!

Und den Verzagten sollte gesagt werden:

Kleine macht ER zu Leuten!“

„Wer sich also rühmen will, der rühme sich des Herrn“

wie Maria, die in ihrem Magnifikat singt:

Meine Seele preist die Größe des Herrn.
Und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut…

Gottes Maßstäbe sind ver-rückt, denn „die Kleinen, die kommen bei Gott groß ‚raus!“

.

 

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

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