Schlagwort-Archive: 29. Sonntag

29. Sonntag C

29. Sonntag im Jahreskreis C

Sonntag, 20. Oktober 2019

1. Lesung: (Ex 17,8-13) Moses Gebetsstärke – Israels Kampfesstärke
2. Lesung: (2 Tim 3,14- 4,2) Der treue Glaube wird dich retten
Evangelium: (Lk 18,1-8) Beharrliches Gebet der Witwe hat Erfolg

Weiterlesen

Macht.Los.Leben (29.B)

„Jesu Stellung zu Macht und Machtlosigkeit“

Sonntag, 21. Oktober 2018

Liturgische Texte zum 29. Sonntag im Jahreskreis B

Eröffnungsvers: (Psalm 17,6.8)
Ich rufe dich an, denn du, Gott, erhörst mich.
Wende dein Ohr mir zu, vernimm meine Rede!
Behüte mich wie den Augapfel, den Stern des Auges,
birg mich im Schatten deiner Flügel.

Tagesgebet
Allmächtiger Gott,
du bist unser Herr und Gebieter.
Mach unseren Willen bereit,
deinen Weisungen zu folgen,
und gib uns ein Herz, das dir aufrichtig dient.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

ERSTE Lesung aus dem Buch Jesaja (Jes 53,10-13)
Er gab sein Leben als Sühnopfer hin; er wird Nachkommen sehen und lange leben

Antwortpsalm: Psalm 33,4-5.18-19.22 u. 22
Lass deine Güte über uns walten, o HERR, denn wir schauen aus nach dir.

ZWEITE Lesung aus dem Hebräerbrief (Hebr 4,14-16)
Lasst uns voll Zuversicht hingehen zum Thron der Gnade

Ruf vor dem Evangelium (Mk 10,45)
Halleluja. Halleluja.
Der Menschensohn ist gekommen, um zu dienen
und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.
Halleluja.

Evangelium aus dem Markusevangelium (Mk 10,35-45)
Der Menschensohn ist gekommen, um sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele

* * *
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EvangelientextÜbersetzung G. M. Ehlert

Markus 10,35-45 (= Evangelium vom 29. Sonntag im Jahreskreis B)

Jesu Stellung zu Macht und Machtlosigkeit

35 Und es gingen zu ihm Jakobus und Johannes
die Söhne (des) Zebedäus
sagend (zu) ihm:
Lehrer, wir wollen,
dass – was wir dich bitten – du (es) uns tust.

36 Der aber sprach
(zu) ihnen:
Was wollt ihr, (was) ich – ja ich – (für) euch tun
soll?

37 Die aber sprachen
(zu) ihm:
Gib uns,
dass einer dir zur Rechten
und einer an deiner Linken
Sitz (bekommen)
in der Herrlichkeit (von) dir.

38 Der aber Jesus sprach zu ihnen:
Nicht wisst ihr, (um) was ihr bittet.
Vermögt ihr (zu) trinken den Kelch (des Zornes Gottes)
den ich – ja ich – trinke
oder die Taufe (in Leid und Sterben hinein)
die ich – ja ich – getauft bin,
getauft zu werden?

39 Die aber sprachen (zu) ihm:
Wir vermögen es.

Der aber Jesus sprach
(zu) ihnen:
Den Kelch (des Leidens und Sterbens),
den ich – ja ich – trinke,
werdet ihr trinken
und die Taufe,
(mit) der ich – ja ich – getauft bin,
werdet ihr getauft werden,

40 das aber Sitz(nehmen)
zur Rechten mein und an der Linken
nicht ist es mir zu vergeben [an andere]
sondern für die es bereitet worden ist
[von dem Vater mein].

41 Und (dies) hörend
die Zehn fingen an entrüstet (zu) sein
über Jakobus und Johannes.

42 Und herzurufend sie (=die Zehn)
der Jesus sagt (zu) ihnen:
Ihr wisst (folgendes):
die meinen,
die Anführer der Nationen zu sein,
sie herrschen über diese,
und die Großen unter ihnen
missbrauchen ihre Vollmacht über diese.

43 Nicht derart aber ist es / [soll es sein] bei euch;
sondern wer gleichsam ein Großer werden will
bei euch,
er soll sein euer Diener;
44 und wer gleichsam bei euch sein will Erster,
er soll sein aller Knecht;

45 und nämlich der Sohn des Menschen
nicht gekommen ist
bedient zu werden,
sondern zu dienen,
und zu geben das (psychische) Leben sein
(als) Lösendes zugunsten vieler.

* * *

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Bild zur Meditation:

„Wer bei euch groß sein will…

mk-10.35-45a

Vom Herrschen und Dienen – zu Mt 10.35-45 – (c) G. M. Ehlert, Okt. 2018

…der soll euer Diener sein.“

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Impuls zum Evangelium

zum 29. Sonntag im Jahreskreis B

Wem dient die Macht – wer macht den Dienst?

„Jesus, der Menschensohn
kam nicht, um sich bedienen zu lassen,
er diente anderen und setzte sein Leben ein,
uns zu befreien.“

  • Sich die beste Machtposition sichern

Das Gerangel der beiden Apostel Jakobus und Johannes um die besten Ministersessel im Kabinett der künftigen Regierung Jesu

Auf die Frage von Journalisten heißt es von Politikern gebetsmühlenartig:
„Erst kommen die Sachfragen, dann die Personalfragen“

  • Zuerst die Klärung der Inhalte – dann die Postenverteilung“

Zur Sache:
„Könnt ihr (von) dem Kelch trinken, den ich trinke?

Durch Leid und Tod hin zur Auferstehung = Weg der Erlösung. – Jesus spricht von Passion – die Jünger denken nur an eigene Positionen in einem messianischen Reich hier auf Erden.

  • Wem dient die Macht? – und: Wer macht den Dienst?

Jesu Wort von Machtmissbrauch und Dienstbarkeit

Wem dient die Macht?
Die Macht dient den Machthabern all zu oft zum Machtmissbrauch:
– die Anführer der Staaten werden zu Diktatoren und unterdrücken das Volk,
– die an Einfluss reichen Personen/Gruppen nutzen die Dienste der Bevölkerung aus.

Wer macht den Dienst?
– Christen werden groß, indem sie aus Liebe einander dienen!
– Christen werden an erster Stelle sein, Aufgaben für andere zu übernehmen

  • Voraussetzungen für einen „Ministerposten“ im Reich Gottes

Jesus nimmt die Auseinandersetzung um das rechte Herrschen und Dienen zum Anlass, sein eigenes Leben als Maßstab für die Jünger zu beschreiben. Und er vermittelt seinen Jüngern den eigentlichen Sinn seines Lebens, die tiefste Motivation für sein Leben und Sterben:

»Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.« (Mk 10,45)

wörtlich: … sein Leben – zu geben – als Lösendes – für viele

Christus ist gekommen, um…
seine Lebenskräfte einzusetzen zur Befreiung von vielen;

Jesu Wirken in Vollmacht ist Dienst an den Menschen. Er dient ihnen, indem er sie aus der Macht der Dämonen befreit und das Leben in ihnen hervorlockt.

heute: alle Frauen u. Männer, die ihr Leben in den Dienst der Heilung von Krankheiten oder der Befreiung von Ängsten… stellen

mit seinem Leben das Lösegeld zu bezahlen an Stelle von vielen
= sie freizukaufen von den Mächten des Bösen

heute: alle, die sich für die Entschuldung von Menschen bei uns oder von ganzen Völkern in der Welt einsetzen

sein Leben zu verschenken als Lösepreis zugunsten von vielen
= liebevolle Hingabe im Dienst am Nächsten

sein Leben einzubringen zur Erlösung stellvertretend für viele
= einer stirbt für alle, damit alle das Leben erben

Jesus versteht sein stellvertretendes Sterben zugleich als Dienst. Er dient anstelle des Sklaven, damit der Sklave frei wird. Sein Dienen kommt in seinem Tod zur Vollendung, der uns aus aller Gebundenheit an versklavende Mächte löst.

in unserer Zeit z.B. der Heilige Maximilian Kolbe, der stellvertretend für einen polnischen Bauern im KZ in den Tod ging, damit dieser Bauer am Leben bleiben konnte.

sein Leben hinzugeben als Lösepreis für viele
= Kreuzestod als Sühneopfer zur Tilgung unserer Sünden

Jesus schaut vor auf sein Leiden, das er schon dreimal angekündigt hat. Bisher hat er immer nur von der Tatsache des Leidens gesprochen. Jetzt zeigt er, welchen Sinn sein Sterben hat: Auch wenn Jesus am Kreuz gewaltsam stirbt, so ist sein Tod doch seine eigene Tat. Er selbst gibt sein Leben hin als Lösepreis für viele.

Das Bild vom Lösepreis für die Vielen – damit sind nicht nur die Juden, sondern auch die Heiden gemeint – versteht den Tod Jesu als befreiende Tat. Wir, die wir wie Sklaven gebunden sind an irdische Herren, die in inneren Zwängen gefangen sind, die von Leidenschaften und Bedürfnissen beherrscht werden, werden aus der Macht der Dämonen herausgelöst. Wir werden gelöst und erlöst. Wir werden frei.

  • sein Leben – zu geben – als Lösendes – für viele

Wer will auf diese Weise ein „Ministeramt“ = „einen Dienstbereich“ um mit seinen Möglichkeiten „Diener der Diener aller“ zu sein?

Fazit:

„Jesus, der Menschensohn
kam nicht, um sich bedienen zu lassen,
er diente anderen
und setzte sein Leben ein,
uns zu befreien.“

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Links:

–> zum Antwortpsalm Psalm 33: Gottes Wirken in Schöpfung, Geschichte im eigenen Leben

–> zum Evangelium: Arbeitsübersetzung mit Erläuterungen: Mk 10.35-45

–> zu den Liturgischen Texten siehe auch Schott 29.S.i.J.B

–> Überblick über die Evangelien vom 27.-29. Sonntag i.J. B: „Das Reich Gottes im Blick“ Jesu Aussagen zu Ehe/ Ehelosigkeit, Besitz/ Besitzlosigkeit und Macht/ Machtlosigkeit

–> Oktober = Rosenkranzmonat, siehe: Rosenkranzgebet

–> Gedenktage:

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

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Stand: 16. Okt. 2018

Prägekraft (29.A)

Prägende Kraft

29. Sonntag im Jahreskreis A

Sonntag, 22. Oktober 2017

Eröffnungsvers (Ps 17,6.8)
Ich rufe dich an, denn du, Gott, erhörst mich.
Wende dein Ohr mir zu, vernimm meine Rede!
Behüte mich wie den Augapfel, den Stern des Auges,
birg mich im Schatten deiner Flügel.

Erste Lesung: Jes 45,1.4-6
Ich habe Kyrus bei der Hand gefasst, um ihm die Völker zu unterwerfen

Antwortpsalm aus Psalm 96

Zweite Lesung: 1 Thess 1,1-5b
Wir erinnern uns vor Gott an euren Glauben, eure Liebe und eure Hoffnung

Ruf vor dem Evangelium (vgl. Phil 2,15d.16a)
Halleluja. Halleluja.
Haltet fest am Worte Christi,
dann leuchtet ihr als Lichter in der Welt.
Halleluja.

Evangelium: Matthäus 22,15-21
Gebt dem Kaiser zurück, was dem Kaiser gehört, Gott aber, was Gott gehört

–> siehe auch Studienübersetzung zu Mt 22.15-22  (von G. M. Ehlert)

Link: Messtexte zum 29. Sonntag im Jahreskreis A

 Evangelium vom 29. Sonntag im Jahreskreis A
22. Oktober 2017

„Gebt dem Kaiser zurück, was des Kaisers ist,
Gott aber, was Gottes ist“


 

Darauf gingen die Pharisäer – beratschlagten zusammen,
wie sie ihn umklammernd binden könnten
aufgrund eines Wortes.

Und sie sandten ab zu ihm
die Jünger von ihnen
(zusammen) mit den Herodianern und sagten:

„Lehrer,
wir wissen, dass du wahr(haftig)bist
und den Willen des Gottes in Wahrheit lehrst
und nicht kümmert dich (das Urteil) von irgendeinem;
nicht nämlich blickst du auf das Zuaugende (= äußeres Ansehen) des Menschen.

Sprich nun zu uns, was du meinst:
Ist es erlaubt zu geben den Zensus (= Kopfsteuer) dem Kaiser oder nicht?

Es hatte aber erkannt (der) Jesus die Bosheit von ihnen –
so sprach er:
„Was versucht ihr mich, ihr Durchtriebenen (= Schauspieler/Heuchler)?

Zeiget her mir die Gesetzliche (= Münze) des Zensus.“

Die aber brachten herbei ihm einen Denar.

Und er sagt (zu) ihnen:
„Wessen (ist) das Bild daselbst und die Aufschrift?“

Sie sagen ihm:
„Des Kaisers.“

Darauf sagt er zu ihnen:
„Gebt zurück also das des Kaisers dem Kaiser
und das des Gottes dem Gott.“

Und da sie dies gehört hatten, staunten sie,
und sie ließen ihn und gingen fort.

(Mt 22,15-22)

Prägende Kraft - (c) G. M. Ehlert

Prägende Kraft – (c) G. M. Ehlert

Der Kaiser prägt
die Münze
und er prägt ihr
sein Bild und seine Aufschrift ein;

und er prägt mit ihr
Handel und Wandel in seinem Reich;

und eines Tages
verlangt er zurück, was ihm gehört.

So gebt dem Kaiser,
was dem Kaiser
gehört!

Medien und Konzerne prägen
unsere Konsumgüter
und sie prägen ihnen
ihre Vorstellungen und Slogan auf;
und sie prägen mit ihnen
unsere Konsumgesellschaft
und sie wollen täglich neu
nur unser Bestes: unser Geld.

Und wer gibt ihnen nicht,
was ihnen (noch
nicht) gehört?

GOTT prägt seit jeher
den Menschen
und ER prägt ihnen – dem Mann und der Frau
sein Bild und Gleichnis ein;
und ER will, dass wir mit unserem Leben
die Welt nach seinem Bilde prägen.
Und von uns erwartet ER zurück
was allein IHM gehört:
die Ehre Seines Namens!

So gebt also GOTT,
was GOTT
gehört!

siehe auch (Bild-)Meditation: Prägende Kraft (zu Mt 22,15-21)

„…vor allem gebt Gott, was Gottes ist!“

Einstieg:

„So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“ –

Diese Aussage Jesu aus dem heutigen Evangelium gehört zu den bekanntesten Sprichwörtern.

Es wurde oft benutzt, um zu verdeutlichen, dass wir sowohl dem Staat als auch der Kirche zu dienen haben.

Und doch – was können wir mit dieser Aussage anfangen?

Heutige Reaktionen auf den Imperativ Jesu:
a) Ich habe
keinen Kaiser
und keinen Gott
also
gehört alles mir!
(= egoistische, emanzipatorische Haltung)

b) Dem Konzern gehört meine Arbeitskraft;
Schalke 04 gehört mein Samstagnachmittag;
der Bank gehört (noch) mein Haus;
dem Staat zahle ich meine Steuern;
dem Fernseher gehört mein Abend;
der Elli gehört meine Liebe;

es bleibt nichts übrig
für dich, mein Gott!

Der religiös-politische Hintergrund der Fangfrage

Um die Brisanz der Frage und die Tragweite der Antwort Jesu besser verstehen zu können, ist es gut, sich die damalige Situation zu vergegenwärtigen.

Das Volk Israel wurde von der römischen Besatzungsmacht beherrscht. Die Bewohner der besetzten Gebiete wurden quasi als Eigentum Roms behandelt. Sie mussten die sogenannte Kopfsteuer entrichten, die mit dem römischen Denar zu bezahlen war.

Die frommen Juden – besonders die Pharisäer und ihre Schüler weigerten sich diese Kopfsteuer zu bezahlen, weil sie sich als Volk Gottes verstanden, die nur die Herrschaft Gottes, nicht jedoch die Herrschaft eines Kaisers akzeptierten.

Außerdem war auf der Münze ein Abbild des Kaisers und die Aufschrift, dass dieser Kaiser wie Gott sei, was dem Bilderverbot der Juden widersprach.

Die Herodianer dagegen hatten sich angepasst, und profitierten davon, dass sie für die Römer diese Steuer eintrieben.

Diese beiden Parteien – die gesetzestreuen Pharisäer und die romtreuen Herodianer – sonst zutiefst verfeindet, hatten sich nun zusammengetan, um im Tempelbezirk Jesus mit einer Fangfrage schaden zu können.

Im jüdischen Volk herrschte über diese Steuer großer Unwille, weil sie einem ständig die verhasste Fremdherrschaft zum Bewusstsein brachte.

Daher:

Die Fangfrage:

„Ist es nach deiner Meinung erlaubt, dem Kaiser Kopfsteuer zu zahlen, oder nicht?“

Wenn Jesus dies bejaht –> indirekte Anerkennung des göttlichen Anspruchs des römischen Kaisers = die Pharisäer können Jesu Unglaubwürdigkeit propagieren.

wenn Jesus dies verneint –> öffentlicher Aufruf zum Steuerboykott = Rebellion – die Herodianer können ihn anklagen, wegen Auflehnung gegen die staatliche Gewalt.

Jesus steckt mit dieser Frage also in einer Zwickmühle.

Wie kann er sich aus diesem Dilemma befreien?

Die geniale Antwort Jesu:

(wie Jesus sich gekonnt aus der Affäre zieht und seinerseits die Initiative ergreift):

a.) Er lässt sich eine Steuermünze zeigen
= der Besitz einer solchen Münze bedeutete die praktische Anerkennung der römischen Regierung d.h. die Schüler der Pharisäer beugen sich de facto den Forderungen Roms.
b.) Er lässt vorlesen, was auf der Münze mit dem Kaiserbild steht: „Kaiser Tiberius, der anbetungswürdige Sohn des göttlichen Augustus“ das bedeutete die indirekte Anerkennung des göttlichen Anspruches des römischen Kaisers.“

Wenn ihr also Münzen benützt, die durch Bild und Aufschrift als Eigentum des Kaisers gekennzeichnet sind, dann gebt auch dem Kaiser zurück, was ihm gehört.

Soweit – so gut!

Doch wer Jesus fragt, der riskiert, dass ihm mehr gesagt wird, als er wissen will. Der entscheidende Teil der Antwort Jesu:

gebt Gott zurück, was Gott gehört.

Was gehört Gott?

Nach pharisäischer Auffassung ist die buchstabengetreue Erfüllung der göttlichen Gebote die geforderte Gabe an Gott.

Doch zwischen den Zeilen steckt in der Antwort Jesu noch viel mehr:

Nach biblischem Verständnis trägt jeder Mensch das Bild und die Aufschrift Gottes. (vgl. Gen 1,26f: Gott schuf den Menschen nach seinem Abbild)

–> Gott hat uns sein Bild eingeprägt. Also gehört IHM unser ganzes Leben.

Wie können wir Gott zurückgeben, was allein ihm gehört?

Wir Menschen gleichen einer Münze.
Wir tragen das Abbild Gottes und das Siegel seines Geistes.
Gott hat uns sein Bild eingeprägt.
Ihm gehört unser Leben.
Im Umgang mit nichtgöttlichen Mächten (Staat, Konsum…) heißt das: sich nicht zu verkaufen, denn die Kaufkraft unserer Münze „Leben“ gilt es für einen anderen Bereich einzusetzen.

Der Wert dieser Münze ist ins Spiel zu bringen, wenn es um Gottes Willen um den Menschen geht.

Sie ist täglich im Gebrauch dort, wo Menschen aus Liebe und Versöhnungsbereitschaft entsprechend dem Willen Gottes ihr Leben gestalten.

Ausstieg:

„Kleine Münze Hoffnung,
mir umsonst geschenkt:
werde ich dich teilen,
dass du Zinsen trägst,
dass du wirst zur Gabe,
die uns leben lässt,
Reichtum selbst für alle,
alle, die in Armut sind.“

Zugabe: Eine Münze aus dem göttlichen Schatz

Wir sind geschaffen als Abbild Gottes, ihm ähnlich (vgl. Gen 1,26). Du, mein Christ, bist ein Mensch; du bist also eine Münze aus dem göttlichen Schatz, du bist ein Denar mit dem Bild und der Aufschrift des göttlichen Herrschers. Mit Christus frage ich dich: „Wessen Bild und Aufschrift ist das?“ Du antwortest: Es ist Bild und Aufschrift Gottes. Dann frage ich weiter: Warum gibst du dann Gott nicht, was ihm gehört?

Wenn wir aber wirklich ein Bild Gottes sein wollen, müssen wir Christus ähnlich werden; denn er ist das Bild der Güte Gottes und „das Abbild seines Wesens“ (Hebr 1,3); alle aber, „die er im voraus erkannt hat, hat er auch dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben“ (Röm 8,29).

Wer also in seinem Leben und Verhalten, wer in seinem Tugendwandel Christus ähnlich und gleichförmig ist, der stellt wirklich das Bild Gottes dar; die Erneuerung dieses göttlichen Bildes aber vollzieht sich durch die vollkommene Gerechtigkeit: „So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!“ Gebt jedem, was ihm gehört!

Laurentius von Brindisi

Heiligengedenktage:

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

Beharrliches Gebet (29. C)

29. Sonntag im Jahreskreis C

(= 16. Oktober 2016)

Eröffnungsvers (Ps 137,6.8)
„Ich rufe dich an, denn du, Gott, erhörst mich.
Wende dein Ohr mir zu, vernimm meine Rede!
Behüte mich wie den Augapfel, den Stern des Auges,
birg mich im Schatten deiner Flügel!“

1. Lesung: Ex 17,8-13
„Solange Mose seine Hand erhoben hielt, war Israel stärker“

Gebet des Mose - Israels Sieg über die Amalekiter

„Das Gebet des Mose“ (Ex 17,8-13)
(c) G. M. Ehlert, 20.10.2013

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Antwortpsalm: Ps 121,1-8

2. Lesung: 2 Tim 3,14 – 4,2
„Durch die Schrift belehrt, wird der Mensch Gottes zu jedem guten Werk bereit gemacht“

Ruf vor dem Evangelium (Hebr 4,12)
Halleluja. Halleluja.
Lebendig ist das Wort Gottes und kraftvoll.
Es richtet über die Regungen und Gedanken der Herzen.
Halleluja.

Evangelium: Lk 18,1-8
„Sollte Gott seinen Auserwählten, die zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen?“

Liturgische Texte – siehe auch Schott 29. Sonntag i.J. C


zum Tagesevangelium: Lukas 18,1-8

… Denn welcher seine Zuversicht
auf Gott setzt, den verlässt er nicht

1. Bedrohtes Leben – Leid, Schuld, Krankheit u. Tod
– Das Leben ist manchmal schier unerträglich…
– für viele auf der Welt: tägl. Kampf ums Überleben…
– bei uns: Erfahrung der Verletzlichkeit: Leid, Schuld, Krankheit u. Tod.

–> Wie gehen wir mit solchen Erfahrungen um?
– Ausblenden / verdrängen?
– Vertröstung…
– Resignation?

2. Betet – allezeit und unermüdlich
– allezeit, d.h. in allen Lebenslagen
– unermüdlich, d.h. beharrlich à Bsp. die Witwe im Ev.

–> Not lehrt beten? – Wir haben oft unsere Not mit dem Gebet:
– Ent-täuschung vom Bittgebet und seiner „Wirkungslosigkeit“
– Jesu Einladung: Beharrlichkeit: Steter Tropfen höhlt den Stein wie bei dem ungerechten Richter im Ev.
– Jesu Folgerung: vom ungerechten Richter zum Liebenden Gott:

3. Gebetserhörung zugesagt – Zeitpunkt ungewiss
Wenn schon der ungerechte Richter – der „Richter Gnadenlos“ – der Witwe, die ihn nicht bestechen kann, zu ihrem Recht verhilft,
umso mehr wird Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien zu ihrem Recht verhelfen.

Unverzüglich! – sagt Jesus.

Unverzüglich? – Genau das ist das Problem.
Die Erfüllung unserer Bitten lässt oft sehr lange auf sich warten.
Gott – ist kein Automat: Gebet herein – gewünschte Ware heraus.
Gott – ist auch kein Ersatz unserer menschlichen Unfähigkeiten
Gott – ist auch kein Lückenbüßer, der dort automatisch eingreift, wo wir versagen…

  • Gottes Beistand ist uns zugesagt
    Was Jesus uns zusagt im Blick auf das Gebet:
    Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche und Bitten,
    doch er erfüllt alle seine Verheißungen.

Das „Rechte“, was wir jederzeit von Gott erwarten dürfen ist sein Beistand in Leid, Not und Tod.

Ich bin JHWH – ich bin der, der da ist für euch! = sein Name.

4. Aufruf zur Beharrlichkeit
– nicht nachlassen mit dem Bittgebet, wenn es um eine gerechte Sache geht. „Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht!“
– Zuversicht und Gebet gehören zusammen und sind Ausdruck unseres Glaubens.
– Wer zuversichtlich betet, der hält Gott all das hin, was ist, in der Hoffnung, dass Gott Wandlung zum Guten schenkt. (Paulus: „Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben alles zum Guten führt.“)

  • Vom verdorrten Baum, der nach langer Zeit aufblüht
    In einem russischen Film „Opfer“ von 1986 (d.h. vor der Wende!) erzählt der in eine Krise geratene Intellektuelle Alexander seinem Sohn die folgende Geschichte, während er einen verdorrten Baum in den Boden pflanzt:

…Einmal, vor sehr langer Zeit, verstehst du, da lebte ein alter Mönch in einem orthodoxen Kloster, Pamwe hieß er, der pflanzte auf einem Berg einen trockenen Baum, genau so. Und zu seinem Schüler, das war ein Mönch, der hieß Joann Kolow, sagte Pamwe, er solle diesen Baum täglich wässern, bis er zum Leben erwachen würde…
und so füllte Joann jeden Morgen in aller Frühe einen Eimer mit Wasser und machte sich auf den Weg. Er stieg hinauf auf den Berg und wässerte den trockenen Baumstamm, und am Abend, als es schon dunkel war, da kehrte er zurück ins Kloster. Und so ging das drei ganze Jahre lang.
Aber dann, eines schönen Tages, kam er auf den Berg und sah, dass sein ganzer Baum übersät war mit Blüten!

Und man kann sagen, was man will, diese Methode, dieses System hat etwas Großartiges. Weißt du, manchmal, da sage ich mir, wenn man jeden Tag zu der gleichen Zeit ein und dieselbe Sache tun würde, wie ein Ritual, unerschütterlich, systematisch, jeden Tag ständig zu genau der gleichen Zeit, dann würde sich die Welt verändern. Etwas in ihr würde sich verändern, es könnte gar nicht anders sein.

5. Zuversichtlich leben
Wer zuversichtlich aus dem Glauben an Gottes Beistand lebt, der überwindet sowohl Resignation als auch bloßen Zweckoptimismus.
Ein Mensch voller Zuversicht sieht klar, was ist, aber zugleich: was sein könnte.
Er sieht, wie Gott die Welt und die Menschen will.
Zuversicht haben heißt: allen Widerständen zum Trotz
beharrlich darauf vertrauen, dass Gott mich, die Menschen und die Zustände in der Welt zum Guten verwandeln kann.

34 Jahre Friedensgebete in Leipzig
Von solch zuversichtlichem Glauben sind seit nunmehr 34 Jahren die berühmt gewordenen Montagsgebete um den Frieden in Leipzig geprägt.
Im Herbst 1982 begannen Menschen in Leipzig mit den sogenannten Montagsgebeten um den Frieden. Ein paar Jahre später standen diese wöchentlichen Gebete kurz vor dem Aus. Doch beharrlich und voller Zuversicht hielten die Beterinnen und Beter durch. Und so erwuchsen schließlich aus diesen Friedensgebeten die Montagsdemonstrationen, die maßgeblich zum Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 mit beitrugen.

Einen solchen senfkorngroßen Glauben, der auch dann noch voller Zuversicht ist, wenn unsere berechtigten Bitten sich lange nicht zu erfüllen scheinen – wünsche ich Ihnen und mir. Amen

Gottloser Richter + beharrlich bittende Witwe + der Barmherzige Gott

„Verschaff mir Recht!“ (Lk 18,1-8) (c) G. M. Ehlert, 05.10.2010

Gegenüberstellung
von Lk 18,1-8 Parabel zum beharrlichen Gebet
und Lk 18,9-14: Parabel zur rechten Haltung beim Gebet
und vom kindlichen Vertrauen Lk 18,15-17

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

Das Reich Gottes im Blick

Die Evangelischen Räte
(ehelos + besitzlos + machtlos)
im Blick auf das Reich Gottes

zum 27. Sonntag im Jahreskreis B

1. Lesung: Gen 2,18-24
2. Lesung: Hebr 2,9-11
Evangelium: Mk 10,2-16
siehe:

zum 28. Sonntag im Jahreskreis B 

1.  Lesung: Weish 7,7-11
2. Lesung: Hebr 4,12-13
Evangelium: Mk 10,17-30 Wie kommt ein Reicher in das Himmelreich?
(–> eigene (Arbeits-)Übersetzung: Mk 10,17-31)

zum 29. Sonntag im Jahreskreis B

1. Lesung: Jes 53,10-11 Sein Leben als Sühnopfer hingeben
2. Lesung: Hebr 4,14-16 „in Versuchung geführt – ohne zu sündigen“  
Evangelium: Mk 10,35-45
„Ehrenplätze im Himmelreich“
(–> Eigene (Arbeits-)Übersetzung: Mk 10.35-45)

Die Evangelischen Räte: Ehelosigkeit – Besitzlosigkeit – Machtlosigkeit

Ehe und Ehelosigkeit:
Mk 10,2-9: „Was Gott zusammengespannt hat, ein Mensch trenne es nicht!“
Mk 10,10-12: Jüngerbelehrung + ((Mt 19,10-12: Jesu Wort über die Ehelosigkeit))

Zum Geist der Kindschaft:
Mk 10,13-16: „Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.

Reichtum und Besitzlosigkeit:
Mk 10,17-22: „Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als dass ein Reicher in das Reich Gottes hineinkommt.“

Jüngerbelehrung:
Mk 10,23-27: „Der Lohn der Nachfolge Jesu“
Mk 10,28-30:

Macht und Machtlosigkeit:
Mk 10,32-34: „Die Ohnmacht Jesu – Ankündigung von Kreuz und Auferstehung“

Vom Herrschen und vom Dienen:
Mk 10,35-45: „…wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein“

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–> zu den Evangelischen Räten siehe auch: „Kultivierung der Urwünsche

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

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Stand: 15. Okt. 2018