Archiv des Autors: Georg Michael Ehlert

Maß der Liebe (7.C)

7. Sonntag im Jahreskreis C

Sonntag, 24. Februar 2019

Liturgische Texte zum 7. Sonntag im Jahreskreis (C)

Eröffnungsvers (Ps 13,6)
HERR, ich baue auf deine Huld,
mein Herz soll über deine Hilfe frohlocken.
Singen will ich dem HERRN, weil er mir Gutes getan hat.

Tagesgebet
Barmherziger Gott,
du hast durch deinen Sohn zu uns gesprochen.
Lass uns immer wieder über dein Wort nachsinnen,
damit wir reden und tun, was dir gefällt.
Darum bitten wir durch Jesus Christus…

1. Lesung: aus dem 1. Buch Samuel (1 Sam 26,2.7-9.12-13.22-23)
„Der HERR hat dich in meine Hand gegeben;
doch ich wollte mich an dir nicht vergreifen“

Antwortpsalm: Ps 103,12.3-4.8 u. 10.12-13   
„Gnädig und barmherzig ist der HERR,
voll Langmut und reich an Güte.“

2. Lesung: aus dem 1. Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth (1 Kor 15,45-49)
„Wenn Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos“

Ruf vor dem Evangelium (vgl. Joh 13,34)
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr):
Ein neues Gebot gebe ich euch:
Wie ich euch geliebt hab, so sollt auch ihr einander lieben.
Halleluja!

Evangelium aus dem Evangelium nach Lukas (Lk 6,27-38)
Seid barmherzig, wie es euer Vater ist

* * *

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EvangelientextLk 6, 27-31;    32-36;    37-38

Euch, die ihr mir zuhört, sage ich:

I. Was wir tun sollen

Liebt eure Feinde;
tut denen Gutes, die euch hassen.
Segnet die, die euch verfluchen;
betet für die, die euch misshandeln.

Dem, der dich auf die eine Wange schlägt,
halte auch die andere hin,
und dem, der dir den Mantel wegnimmt,
lass auch das Hemd.

Gib jedem, der dich bittet;
und wenn dir jemand etwas wegnimmt,
verlang es nicht zurück.

Was ihr von anderen erwartet,
das tut ebenso auch ihnen.

II. Wem wir dies tun sollen

Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben,
welchen Dank erwartet ihr dafür?
Auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt werden.

Und wenn ihr nur denen Gutes tut, die euch Gutes tun,
welchen Dank erwartet ihr dafür?
Das tun auch die Sünder.

Und wenn ihr nur denen etwas leiht,
von denen ihr es zurückzubekommen hofft,
welchen Dank erwartet ihr dafür?
Auch die Sünder leihen Sündern in der Hoffnung,
alles zurückzubekommen.

Ihr aber sollt eure Feinde lieben
und sollt Gutes tun und leihen,
auch wo ihr nichts dafür erhoffen könnt.

Dann wird euer Lohn groß sein,
und ihr werdet Söhne des Höchsten sein;
denn auch er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.

Werdet barmherzig,
wie auch euer Vater barmherzig ist!

III. Mit welchem Maß wir es tun sollen

Richtet nicht,
dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden.

Verurteilt nicht,
dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden.

Erlasst einander die Schuld,
dann wird auch euch die Schuld erlassen werden.

Gebt,
dann wird auch euch gegeben werden.
In reichem, vollem, gehäuftem, überfließendem Maß
wird man euch beschenken;

denn

nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt,
wird auch euch zugeteilt werden.

(Lk 6,27-38)

* * *

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Bild zur Meditation:

„Das Maß der Liebe (Gottes) ist ohne Maß zu lieben“

lk-6-27-38a

allumfassende Barmherzigkeit (zu Lk 6,27-38), (c) G. M. Ehlert

* * *

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Impulse

Jesu Liebesgebot ist radikal

1. Menschliches Vergeltungsdenken: „Wie du mir, so ich dir!“
allg. menschliche Erkenntnis: Gleiches ist mit Gleichem zu vergelten: „Wie du mir, so ich dir!“ – „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“
= Die Goldene Regel:
„Was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen.“

2. Jesus geht weit über das vernünftige Maß hinaus
Er will,
1. dass wir – seine Jünger – die Spirale der Gewalt aktiv durchbrechen.
„Besiege das Böse durch das Gute!“
–> Entfeindungsliebe –
2. dass wir über den vernünftigen Tausch-Bereich der (Geschäfts-)Partner hinaus bereit werden etwas zu verschenken dort, wo keine Gegenleistung zu erwarten ist.
–> Geben, ohne Gegenleistung zu erwarten
3. dass wir die Position der Überlegenheit nicht ausnutzen, um andere zu richten, zu verurteilen; sondern so nutzen, dass wir
–> „Gnade vor Recht“ walten lassen.
„Werdet barmherzig, wie es auch euer Vater ist!“ (Lk 6,36)

Zusammenfassung: „Gebt – ohne Berechnung, nach dem Maß der Barmherzigkeit,
dann wird euch auch nach diesem Maß gegeben werden.“

Jesu Begründung: So handelt Gott

Vorbild und Begründung für ein solch radikales „ganz anderes Verhalten“ wie es Jesus verkündet und selber lebt
ist Gottes Vollkommenheit, d.h. seine bedingungs- und schrankenlose Barmherzigkeit.
„Denn auch Er – Gott – ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.
Er lässt die Sonne seiner Liebe aufgehen über Gerechte und Ungerechte.“
Gott handelt nicht nach dem Vergeltungsprinzip, sondern nach dem Vergebungsprinzip.
Von dieser Grunderfahrung her lässt sich die Aufforderung Jesu allein verstehen:
„Werdet barmherzig, wie es auch euer Vater ist!“

Jesus will das Böse von der Wurzel her überwinden –
indem er auf den guten Kern aufbaut, der in jedem Mensch vorhanden ist.

Nicht nur Feindesliebe – sondern Entfeindungsliebe
= ein faszinierendes Ideal, aber:

3. Einwände: Das geht doch nicht in unserer Welt! –
Das funktioniert doch nicht! –
Lässt sich so etwa die Spirale der Gewalt im Nahen Osten überwinden?
Oder bei uns die vielen Prozesse vor Gericht vorher lösen?
Ist Jesus mit dieser radikalen Forderung nicht doch ein welt-fremder Spinner – ein fantastischer Idealist?

Jesu Liebesgebot will uns nicht überfordern –
sondern herausfordern
• Die gegnerische Energie sich zu nutze machen!
Bsp. japanische Kampfeskunst: Aikido
Eher eine Bewegung mit als gegen den Gegner.
• mit dem Gegner schimpfen – nicht gegen ihn.
Bsp. Strategien zur Konfliktentschärfung:
„An Ihrer Stelle wäre ich sicherlich genau so ärgerlich…“

4. Dieses Evangelium wörtlich nehmen?! –
Ermutigende Beispiele sind selten, aber sie gibt es!

  • Wer dich auf die rechte Wange schlägt, dem halte auch die andere hin
    So verrückt ist doch wohl keiner? – Doch!
    Der Priester Klemens Maria Hofbauer, der Apostel Wiens, liebte vor allem die armen Menschen. Eines Tages ging er wieder mit seinem Hut durch eine Gaststätte, um für die Notleidenden Geld zu sammeln. Dabei kam er auch zu einem Mann, der alles hasste, was mit der Kirche zu tun hatte.
    Der fuhr ihn an:
    „Wie kommen Sie dazu, mich um Geld zu bitten?“
    Und er spuckte dem Priester ins Gesicht.Dieser zog ruhig sein Taschentuch heraus, machte sich das Gesicht wieder sauber
    und sagte dann ganz bescheiden: „Das war für mich.
    Nun geben Sie mir bitte noch etwas für meine Armen.“
    Und er hielt ihm erneut den Hut hin. –
    Es wird berichtet, dass dieser Mann so beeindruckt war,
    dass er ihm den ganzen Inhalt der Geldbörse in den Hut schüttete.
    .
  • Wer dir den Rock wegnimmt, dem lass auch das Hemd.
    Es wird von einem erzählt, der wurde von Räubern überfallen und ausgeplündert. Als sie ihm alles Wertvolle genommen hatten, fragten sie ihn: War das alles? –
    Er sagte: „Ja!“ –
    Kaum waren die Räuber mit ihrer Beute verschwunden, da fiel ihm ein, dass noch ein paar Geldtaler in seinem Rock eingenäht waren. Er lief den Räubern nach und bekannte seinen Irrtum und bot sie ihnen an.
    Die Angesprochenen waren so verdutzt, dass sie ihm all ihre Beute wieder zurückgaben.

Die Aufforderung, die Feinde zu lieben, oder selbst Halunken gegenüber gut zu sein, ist eine Einladung zur Entdeckung, dass unter der Oberfläche des Lebens etwas anderes als das Prinzip der Gegenseitigkeit gültig ist.

5. Wie Gott zu mir, so ich zu anderen

Das übliche Prinzip der Gegenseitigkeit:
„Wie du mir, so ich dir!“
Das neue Prinzip der Gegenseitigkeit:
„Wie Gott zu mir, so soll ich zu anderen sein!“

Ich höre aus dem heutigen Evangelium einen Appell heraus:
Entdecke, wie Gott dich behandelt (hat)
und lerne, anderen gegenüber genau so zu handeln.

Wer entdeckt, wie Gott uns beschenkt, hat so viel,
dass er nicht mehr abwägen und berechnen muss,
bevor er selbst schenken kann.

Ob das auch im großen politischen Bereich funktioniert? –
Ich weiß es nicht, aber
sollte uns das daran hindern, im kleinen Bereich
damit anzufangen die Aufforderungen Jesu umzusetzen?

* * *

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Links:

–> zur 1. Lesung: –

–> zum Antwortpsalm: Psalm 103: „Hohelied der Barmherzigkeit Gottes“

–> 2. Lesung:

–> Evangelium: Lk 6,27-38 (Arbeitsübersetzung G. M. Ehlert)
siehe auch: „Die Feldrede Jesu im Lukasevangelium

–> Gebet: „Werkzeug des Friedens

–> zu den Liturgischen Texten siehe auch Schott: 7. Sonntag C

Gedenktage:

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

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Stand: 23. Februar 2019

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Wohl und wehe (6.C)

6. Sonntag im Jahreskreis C

Sonntag, 17. Februar 2019

Liturgische Texte zum 6. Sonntag im Jahreskreis (C)

Eröffnungsvers (Ps 31,3-4)
Sei mir ein schützender Fels, eine feste Burg, die mich rettet.
Denn du bist mein Fels und meine Burg;
um deines Namens willen wirst du mich führen und leiten.

Tagesgebet
Gott,
du liebst deine Geschöpfe,
und es ist deine Freude,
bei den Menschen zu wohnen.
Gib uns ein neues und reines Herz,
das bereit ist, dich aufzunehmen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus…

1. Lesung: aus dem Buch Jeremía (Jer 17,5-8)
„Verflucht, wer auf Menschen vertraut;
gesegnet, wer auf den HERRN sich verlässt“

Antwortpsalm: Ps 1,1-2.3.4 u. 6 
„Gesegnet, wer auf den HERRN sich verlässt.“

2. Lesung: aus dem 1. Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth (1 Kor 15,12.16-20)
„Wenn Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos“ 

Ruf vor dem Evangelium (Lk 6,23ab)
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr):
Freut euch und jubelt!
Euer Lohn im Himmel wird groß sein.
Halleluja!

Evangelium aus dem Evangelium nach Lukas (Lk 6,17.20-26)
Selig, ihr Armen! – Weh euch, ihr Reichen!

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EvangelientextÜbersetzung G. M. Ehlert

Und ER (=Jesus) erhob seine Augen zu seinen Jüngern und sagte:

 Glückselige, die Armen:
(denn) euer ist das Königtum Gottes.
Jedoch:
Weh euch, den Reichen,
(denn) weg habt ihr euren Herbeigerufenen/ Beistand.
Glückselige, die Hungernden jetzt:
(denn) gesättigt werdet ihr.
Weh euch, die vollgestopft wordenen jetzt:
(denn) hungern werdet ihr.
Glückselige, die Weinenden jetzt:
(denn) lachen/ heiter sein werdet ihr.
Weh euch, die Lachenden jetzt:
(denn) trauern werdet ihr und klagen.
Glückselige seid ihr, wenn euch hassen die Menschen, und wenn sie euch ächten und fluchen und euren Namen als bösen verwerfen – um des Menschensohnes willen. Weh, wenn zu euch angenehm sprechen alle Menschen
Freut euch an jenem Tag und hüpft.
Siehe! nämlich euer Lohn (ist/ wird sein) groß im Himmel.
Denn so machten es ihre Väter mit den Propheten. denn gerade so machten es ihre Väter mit den Pseudopropheten.

(Lk 6,20-26)

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Bild zur Meditation:

selig-wehe-text-a

Vom Wohl und Wehe – (c) G. M. Ehlert, 30.01.2019

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Impulse

O welch ein Glück! – O welch ein Unglück!

Herzlichen Glückwunsch!
Sie haben gewonnen! Holen Sie sich ihren Gewinn ab!
Herzlichen Glückwunsch – sagen wir:
– bei Geburtstagen, Jubiläen,
– beim Erreichen von Zielen u. Bestehen von Prüfungen.

O welch ein Unglück!
Sie sind aber zu bedauern – sagen wir:
– nach traurigen Schicksalsschlägen,
– bei einer schweren Erkrankung…

Doch wer ist wirklich zu beglückwünschen / wer zu bedauern? –
Wer etwas hat bzw. etwas verloren hat?
oder: wer etwas schönes/ schlimmes zu erwarten hat?

gute oder erschwerende Voraussetzungen zur Nachfolge Jesu
Das Evangelium (Lk 6,20-26) zeigt auf, was aus der Sicht Jesu gute oder erschwerende Voraussetzungen für den Weg der Jüngerschaft = der Nachfolge Jesu sind:

Das erste: Jesus sieht (liebevoll) seine Jünger an: – er schenkt ihnen Ansehen.
Auch ich darf mich immer wieder von Jesus anschauen lassen.
Ich bin angesehen bei Gott.

Armut – Hunger – Trauer – Verfolgung
glücklich zu preisen, wer die folgenden 4 Voraussetzungen mitbringt:
– „ihr Armen“ – materiell, geistig,
gemeint ist die Haltung der Armut = leere Hände
– „die ihr jetzt – auf dem Weg der Nachfolge – hungert“ – nach Brot, oder nach Gerechtigkeit…
gemeinst ist die Haltung der Sehnsucht
– „die ihr jetzt – auf dem Weg der Nachfolge – weint“ über den Zustand dieser Welt…
gemeint ist die Haltung des Mitgefühls
– „die – weil sie zu Christus gehören – Benachteiligungen zu ertragen haben“…
gemeint ist die Haltung der Tapferkeit
= ihr Lohn im Himmel wird groß sein.

Herzlichen Glückwunsch, wer in diesem Sinn arm, hungrig, traurig ist und von Menschen deshalb ausgegrenzt wird.

Reichtum – Sattheit – Vergnügungen – Schmeicheleien
Oder wird uns Jesus mit seinem „O weh!“ bedauern, weil wir eine der folgenden 4 Voraussetzungen mitbringen?
Weh euch:
– „die ihr jetzt reich seid“… (Hände, die festhalten sind nicht frei zu empfangen…)
– „die ihr jetzt satt seid“… (= vollgestopft u. abgestumpft)
– „die ihr jetzt lacht“ – (= über andere lacht, )…
– „die von jedermann geschmeichelt werden“
sie sind zu bedauern, denn sie haben es schwer, sich zu öffnen für die Botschaft und Wirklichkeit des Reiches Gottes.

Und wo stehen wir?
Sind wir nach den Kriterien Jesu eher zu beglückwünschen oder zu bedauern?
Haben wir gute Voraussetzungen, das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit annehmen zu können…
oder müssen wir erst anderes loslassen, was uns bisher in seinen Bann zieht: Besitz, Übersättigung oder die Ausschau nach Vergnügen?

Was in den Augen der Menschen als gute Lebensbedingungen erscheint: Reichtum, Sättigung, Vergnügungen und Anerkennung, das kann den Weg zu Gott erschweren. Und dazu sagt Jesus sein O weh! O weh!.

Doch zu beglückwünschen ist ein Mensch, der auf dem Weg zur vollkommenen Freude geht in der Nachfolge Jesu.

Ein Beispiel dafür ist Franziskus, der freiwillig auf Reichtum, Sättigung, Vergnügungen und Anerkennung bei den Menschen verzichtete und in frei gewählter Armut Christus nachfolgte.

Wer auch in den Widrigkeiten seines Lebens sich nicht aus dem inneren Gleichgewicht bringen lässt aus der Verbundenheit mit Christus heraus, dem gilt: Herzlichen Glückwunsch! Sie haben gewonnen! Holen Sie sich ihren Gewinn ab!

Glück oder Unglück

War ein Bäuerlein,
hatte nur ein Pferd.
Lief das Pferd davon –
und ist nicht heimgekehrt.
Kamen alle Nachbarn an,
klagten laut: „Du armer Mann!
So ein Unglück! So ein Unglück!
So ein Unglück, nein!“
Doch das Bäuerlein sprach leis‘:
„Ob’s ein Unglück ist, wer weiß?!“
Morgen bin ich schlauer…“

Als das Pferd tags drauf
durch das Hoftor schritt,
brachte es dem Bäuerlein
noch ein Wildpferd mit.
Kamen alle Nachbarn an,
freuten sich: „Du guter Mann!
So ein Glück, hej! So ein Glück, hej!
So ein Glück, hej, hej!“
Doch das Bäuerlein sprach leis‘:
„Ob’s ein Glück ist, nun, wer weiß?!
Morgen bin ich schlauer…“

Und des Bauern Sohn
ritt das Wildpferd ein.
Stürzte von dem Pferd
und brach sich ein Bein.
Kamen alle Nachbarn an,
klagten laut: „Du armer Mann!
So ein Unglück! So ein Unglück!
So ein Unglück, nein!“
Doch das Bäuerlein, sprach leis‘:
„Ob’s ein Unglück ist, wer weiß?!
Morgen bin ich schlauer…“

Als ein Krieg im Land ausbrach,
zog man die Burschen ein.
Nur des Bauern Jungen nicht
mit dem gebroch’nen Bein.
Kamen alle Nachbarn an,
freuten sich: „Du guter Mann!
So ein Glück, hej! So ein Glück, hej!
So ein Glück, hej, hej!“
Doch das Bäuerlein sprach leis‘:
„Ob’s ein Glück ist, nun wer weiß?!
Morgen bin ich schlauer…“

Dein Verhängnis ist
doch vielleicht dein Glück?!
Und dein Hauptgewinn
bricht dir das Genick?!
Sei heut‘ zufrieden, dass Du lebst
und noch einen Finger hebst.
Morgen oder übermorgen
oder überübermorgen kommt…
der Tod.

(Gerhard Schöne, nach einer orientalischen Parabel)

* * *

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Links:

–> zur 1. Lesung: Jeremia 17,5-11 Fluch und Segen

–> zum Antwortpsalm: zu Psalm 1 + 2: = „Das Doppelportal“ zum gesamten Psalter
.      Psalm 1 und 2 (Bild und textgetreue Übersetzung)

–> 2. Lesung: –

–> Evangelium: Lk 6,20-26 Vom Wohl und Wehe
siehe auch: „Die Feldrede Jesu im Lukasevangelium

–> zu den Liturgischen Texten siehe auch Schott: 6. Sonntag C  

Gedenktage:

  • 14. Februar: Cyrill u. Methodius = F
    u. Valentin von Rom = g

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

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Stand: 17. Februar 2019

 

aufgefangen (5.C)

5. Sonntag im Jahreskreis C

Sonntag, 10. Februar 2019

Liturgische Texte zum 5. Sonntag im Jahreskreis (C)

Eröffnungsvers (Ps 95,6-7)
Kommt, lasst uns niederfallen,
uns verneigen vor dem HERRN, unserem Schöpfer!
Denn er ist unser Gott.

Tagesgebet
Gott, unser Vater,
wir sind dein Eigentum
und setzen unsere Hoffnung
allein auf deine Gnade.
Bleibe uns nahe in jeder Not und Gefahr
und schütze uns.
Darum bitten wir durch Jesus Christus…

1. Lesung: aus dem Buch Jesaja (Jes 6,1-2a.3-8)
„Hier bin ich, sende mich!“

Antwortpsalm: Ps 138,1-2b.2c-3.4-5.7c-8 
„Vor den Engeln will ich dir singen und spielen, o HERR.“

2. Lesung: aus dem 1. Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth (1 Kor 15,1-11) oder: (1 Kor 15,3-8.11)
„Das ist unsere Botschaft, und das ist der Glaube, den ihr angenommen habt“ 

Ruf vor dem Evangelium (Mt 4,19)
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr):
Folgt mir nach!
Ich werde euch zu Menschenfischern machen.
Halleluja!

Evangelium aus dem Evangelium nach Lukas (Lk 5,1-11)
Sie ließen alles zurück und folgten ihm nach

* * *

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EvangelientextÜbersetzung G. M. Ehlert

5,1. Es geschah aber,
indem die Menge (dabei war) Ihn (= Jesus) zu bedrängen
und zu hören das Wort des Gottes
und Er selbst war stehend bei dem See Genezareth

2. Und er sah zwei Boote (ab-)gestellt beim Ufer
die Fischer aber – aus ihnen ausgestiegen – wuschen die Netze.

3. Hineinsteigend aber in eines der Boote
– das war Simons –
bat er ihn von dem Erdland hinauszufahren ein wenig
sich niedersetzend aber
aus dem Boot lehrte er die (Volks-)Menge.

4. Wie er aber aufgehört hatte ein Redender (zu sein)
sprach er zu dem Simon:
fahr hinaus – hinein in die Tiefe
und lasst herunter die – eure – Netze zum Fang.

5. Und es antwortet Simon – er sprach:
Meister! Durch (die) ganze Nacht Abarbeitende/ Erschöpfte (sind wir)
nicht
eines haben wir genommen
aber auf deine Rede hin
ich werde herunterlassen das Netz.

6. Und dieses machten sie
zusammenschließend eine Vielheit der Fische
– (so) zahlreich
zerrissen wurde aber (fast) das Netz von ihnen.

7. Und sie winkten zu den Teilhabern in dem anderen Boot
(als) gekommen Seiende mitzumachen mit ihnen
und sie kamen und füllten an beide der Boote
derart, dass sie zu versinken (drohten)

8. (Dies) sehend aber Simon (Petrus) –
fiel er nieder (zu) den Knien Jesu sagend:
komme heraus – (weg) von mir,
denn: ein Mensch – ein sündiger – bin ich, HERR!

9. Verwunderung/Schrecken nämlich hatte ihn umschlossen
und alle, die mit ihm (waren),
über den Fang der Fische,
den sie zusammengefasst hatten.

10. Gleichermaßen aber auch Jakobus und Johannes – Söhne (des) Zebedäus,
die Teilhaber waren dem Simon,

und es sprach zu dem Simon der Jesus:
nicht gerate in Furcht!
Von dem Jetzt (an):
du wirst sein einMenschen-leben-fangender“*.

* griechisch: anthroopous … zoo-groon;
anthroopos = Mensch; zoo = Leben/ lebendig; agreoo = fangen
= ein „Menschenfischer“
= einer, der Menschen auffängt

11. Und herabführend die Boote auf das Erdland
fortgelassen habend alles,
gingen sie zusammen (den) Weg mit ihm.

* * *

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Bild zur MeditationVom Fische fangen zum Menschen auf-fangen

„Menschen auf-fangen“ (c) G. M. Ehlert, 04.02.2013

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Impulse

Menschenfischer sein:
nicht listig einfangen, sondern rettend auffangen“

1. umsonst – vergeblich

Petrus = erfahrener Fischer – zur besten Fangzeit – nichts (!) gefangen… er ist frustriert…

Jesus = begnadeter Redner – fordert auf mitten am Tag zum Fischfang auszufahren = er hat vom Fischen keine Ahnung – tags lässt sich doch nichts fangen – sagt die Erfahrung des Fischers – Und wie reagiert Petrus auf Jesu Aufforderung?

2. Jesus lehrt u. fordert auf, gegen alle Vernunft erneut anzufangen:

Petrus hört Jesu Aufforderung:
Fahr hinaus und werft eure Netze aus! –

Er überwindet seine Zweifel und vertraut:
Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen; u. er überwindet die Angst vor Blamage u. gehorcht.

Was könnte das heute bedeuten? –
Ausgangssituation: alles war umsonst = vergeblich

– nach der 50. Absage erneut sich bewerben
– nach einem misslungenen Projekt ein weiteres beginnen
– nach vielen entmutigenden Äußerungen („das schaffst du doch nicht…“) es trotzdem wagen…

Petrus riskiert sich vor den Augen aller lächerlich zu machen:
Am Tag erneut fischen zu wollen.
Doch er riskiert es: – und macht den Fang seines Lebens.

Auch heute gilt:
Wer sich auf Jesu Wort hin erneut aufmacht – macht den Fang seines Lebens.

Petrus erkennt nun: wer Jesus in Wahrheit ist:
nicht nur ein begnadeter Redner, sondern Jesus hat schöpferische Macht über die Fische in der Tiefe; er ist in Wahrheit der göttliche „Herr“.
und er erkennt: „Wer bin ich? – Dass Jesus gerade mir dieses Geschenk eines überreichen Fanges macht?

3. Angesichts der übermäßigen Gnade Gottes
bin ich ein armseliger Mensch

Petrus wird reich beschenkt, als Jesus mit in seinem Boot ist.
Doch anstatt zu sagen: Bleibe nun für immer bei mir,
sagt er: „Herr, geh weg von mir; ich bin ein sündiger Mensch.“

eine merkwürdige Reaktion – oder?
– wo das Licht stärker ist, da ist auch der Schatten kräftiger
– wenn einer ein überraschendes Geschenk bekommt: „Womit hab ich denn das verdient?“
– der Hauptmann von Kafarnaum: „Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach…“

4. Doch gerade so – im Erkennen u. Anerkennen seiner Schwäche – wird der Mensch fähig für den Ruf Jesu:

„Ich bin gekommen Sünder zu berufen – nicht Gerechte.“

Auch Paulus bezeichnet sich nach der Erscheinung des Auferstandenen als „Missgeburt“, der es nicht wert ist, Apostel genannt zu werden. „Doch durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin, und sein gnädiges Handeln an mir ist nicht ohne Wirkung geblieben.“
Und er ermutigt jeden von uns, darauf zu vertrauen, was er als Zusage Gottes erfahren hat: „Lass dir an meiner Gnade genügen, denn sie ist gerade in den Schwachen mächtig.“

Jesu Verheißung nicht nur an Petrus:
„Fürchte dich nicht!
Von nun an wirst du Menschen fangen!“

Menschen fangen?

– nicht wie Geheimdienste und Polizisten Terroristen einfangen und gefangen nehmen;
– sondern eher wie Freunde einen ins Straucheln geratenen Menschen auffangen.
– Oder einen, der im Begriff ist, etwas Schlimmes zu tun, abzufangen, damit er es nicht tut.
– Mit einem Menschen wieder etwas Neues anfangen

5. Mit Jesus etwas anfangen – was bedeutet das heute für uns?

– wenn wir meinen alles ist umsonst = vergeblich,
gerade dann vertrauen: „Auf dein Wort hin…“
– wenn wir überraschend einen guten Fang gemacht haben,
gerade dann erkennen: es ist umsonst = ein Geschenk der Liebe Gottes
– wenn wir angesichts eines guten Fanges daran denken, uns gut einzurichten,
gerade dann sich von Jesus losschicken lassen,
um andere aufzufangen und mit ihnen auf Jesu Wort hin
etwas Neues anzufangen.

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Links:

–> zur 1. Lesung Jesaja 6,1-2a. 3-8 „Hier bin ich, sende mich!“ –>  Jes 6.1-8

–> zum Antwortpsalm: Psalm 138: Alle Könige der Erde werden Gott lobpreisen

–> 2. Lesung: –

–> Evangelium: siehe auch: „Menschenfischer

–> zu den Liturgischen Texten siehe auch Schott: 5. Sonntag C

Gedenktage:

  • 14. Februar: Cyrill u. Methodius = F
    u. Valentin von Rom = g

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

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Stand: 28. Januar 2019

 

Abgelehnt (4.C)

4. Sonntag im Jahreskreis C

Sonntag, 3. Februar 2019

Liturgische Texte zum 4. Sonntag im Jahreskreis (C)

Eröffnungsvers (Ps 106,47)
Hilf uns, HERR, unser Gott, führe uns aus den Völkern zusammen!
Wir wollen denen heiligen Namen preisen,
uns rühmen, weil wir dich loben dürfen.

Tagesgebet
Herr, unser Gott,
du hast uns erschaffen, damit wir dich preisen.
Gib, dass wir dich mit ungeteiltem Herzen anbeten
und die Menschen lieben, wie du sie liebst.
Darum bitten wir durch Jesus Christus…

1. Lesung: aus dem Buch Jeremía (Jer 1,4-5.17-19)
„Zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt!“

Antwortpsalm: Ps 71,1-2.3.5-6.15 u. 17
Mein Mund soll künden von deiner Gerechtigkeit.

2. Lesung: aus dem1. Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth (1 Kor 12,31 – 13,13) oder: (1 Kor 13,4-13)
„Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei;
doch am größten unter ihnen ist die Liebe“

Ruf vor dem Evangelium (vgl. Jes 61,1)
Halleluja. Halleluja.
Der HERR hat mich gesandt,
den Armen die Frohe Botschaft zu bringen
und den Gefangenen die Freiheit zu verkünden.
Halleluja!

Evangelium aus dem Evangelium nach Lukas (Lk 4,21-30)
Wie Elija und Elischa, so ist Jesus nicht nur zu den Juden gesandt

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EvangelientextÜbersetzung G. M. Ehlert

–> Lk 4,16-44 Unterschiedliche Wirkung der vollmächtigen Lehre Jesu

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Bild zur Meditation: Ablehnung Jesu in seiner Vaterstadt Nazaretmk-6-1-6

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Impulse zur Reaktion auf die Predigt Jesu in Nazaret:

Kein Prophet wird akzeptiert in seiner Vaterstadt

ein außerbiblisches Jesuswort:

„Es gibt keinen Propheten, der in seinem Dorf aufgenommen wird.
Ein Arzt pflegt die, die ihn kennen, nicht zu heilen.“

(Thomasevangelium Logion 31)

Das musste auch Jesus in seiner Heimatstadt Nazaret erfahren als er zu Beginn seines öffentlichen Wirkens auch in der Synagoge von Nazaret predigt.

Zuerst staunen alle über den beeindruckenden Inhalt seiner Predigt. Doch dann lehnen sie ihn ab, weil er doch nur ein Sohn Josefs ist.

Warum ist das so?

  • Die Herkunftsfamilie und die „Sandkastenfreunde“ aus dem Heimatort trauen einem oft keine besondere Entwicklung zu?
  • damals: „Ist das nicht ein Sohn Josefs?“…
  • heute: wie – der Bauernjunge will ein guter Arzt sein? – Das trauen wir dem nicht zu.
  • Das Vorurteil: genetischer Fehlschluss: von der Herkunft auf die Güte eines Menschen zu schließen?
  • der kommt doch aus einem guten Haus… wie konnte der nur so niederträchtig handeln?…

1.    Nazaret: Von Bewunderung zur Ablehnung

„Bewunderung und Ablehnung – dieses paradoxe Verhalten, dem auch ein paradoxes Gefühl entspricht, ist kennzeichnend für das Verhalten vieler zu Jesus (auch heute)

  • Die Ablehnung kann die Kehrseite der Bewunderung werden, wenn deutlich wird, dass eine Beziehung zu ihm zur Veränderung des eigenen Lebens führen müsste. Da entscheidet sich, ob Bewunderung und Verehrung zur Abhängigkeit führen oder für das eigene unverwechselbare Leben frei machen. ….Bewunderung ohne Veränderung zur Lebenserweiterung – das hat Jesus, soweit wir das aus den Evangelien ablesen können, offensichtlich abgelehnt.
  • Da, wo der Mensch, den wir bewundern, sich nicht in dieser Bewunderung sonnt, sondern die Frage stellt: Und was bedeutet das für dich selbst? Welche Kräfte und Gaben bewunderst du bei mir, die du selbst hast?
  • Wohin sollten sich nun die Verwandten, die Bewohner von Nazaret verändern? Nazaret bedeutet seinem Namen nach: „Ort des Sprosses“ (aus dem Hause Davids).Jesus bekräftigt nun bei seinem Auftritt in seiner Vaterstadt, dass sich die Verheißung des Messias in IHM erfüllt hat. Doch sie sind irritiert. Denn er erfüllt bestimmte Erwartungen nicht. (Einen Messias haben wir uns doch ganz anders vorgestellt…) – Wenn er kommt, wird er doch die Frommen belohnen und diejenigen, welche die Gebote Gottes nicht erfüllen, – z.B. die Heiden bestrafen? Doch Jesus verkündet, dass gerade auch an den Heiden Zeichen und Wunder geschehen.
  • Hier in diesem kleinen Kaff wohnte eine streng jüdische Sippe, die stolz darauf war, aus davidischem Geschlecht abzustammen. Sie befolgten eine strenge Torafrömmigkeit, verbunden mit der endzeitlichen Erwartung, dass aus ihrem Spross einmal der Messias kommen wird.
  • In Nazaret lernt Jesus wie schwer es ist, festgefügte Erwartungshaltungen, vor allem wenn sie religiös motiviert sind, aufzubrechen. Es gelingt ihm nicht, im Gegenteil.
  • Seine Lehre treibt sie zu Wut. Es kommt zu einem Aufstand und beinahe zu einer Lynchjustiz, der er sich gerade noch entziehen kann.

2.    Kafarnaum: „…denen aber, die ihn aufnahmen…“

Er verlässt Nazaret, den Ort seiner Herkunft und geht nach Kafarnaum, einem Ort mit Juden und Heiden am See Genezareth hinab. Dieser Ort wird nun zu seiner Wahlheimat.

Hier trauen ihm die Menschen heilende Kräfte zu – hier kann er heilsam wirken.

3.    Unterschiedliche Wirkungen der vollmächtigen Lehre Jesu:

„Er kam in sein Eigentum, doch die Seinen nahmen ihn nicht auf. Die ihn aber aufnahmen, gab er Macht Kinder Gottes zu heißen.“

in Nazaret (Lk 4,16-30) in Kafarnaum (Lk 4,31-44)
„alle staunten über die Worte der Gnade, die aus seinem Mund kamen“ „Da waren sie bestürzt ob seiner Lehre, denn vollmächtig war sein Wort.“
(Skepsis): „ist das nicht ein Sohn Josefs?“ Ein Mensch mit einem dämonischen Geist bekennt:
„Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes“
„Kein Prophet ist willkommen in seiner Vaterstadt“ „Hinaus lief das Echo über ihn, an jeden Ort des Umlandes.“
„Von Wut erfüllt wurden da alle in der Synagoge, die das hörten.
Und sie standen auf, trieben ihn aus der Stadt hinaus…“
Die geheilte Schwiegermutter des Simon:

„Sofort stand sie auf und diente ihnen.“

„…um ihn hinunterzustoßen“ „Die Scharen suchten ihn…
und wollten ihn abhalten, sie zu verlassen.“
  • Wem gleichen wir? – Den Menschen in Nazaret mit ihren festgefügten Erwartungen, die Jesus ablehnen? Oder den Menschen in Kafarnaum, die auch in ihrer religiösen Erwartung offen sind und Jesus gerne aufnehmen?

* * *

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Links:

–> zur 1. Lesung – Jer 1,4-5.17-19: „Zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt“

–> zum Antwortpsalm: Psalm 71: Gott – Zuflucht im Alter

–> 2. Lesung: 1 Kor 12,31 – 13,13: „Das ‚Zehnwort‘ (= Dekalog) der Liebe

–> Evangelium: Lukasevangelium 4,21-30
siehe Grafik zu Mk 6,1-6: Reaktionen auf Jesu Predigt in Nazaret
–> siehe: „Lk 4,16-30 u. 31-44: Unterschiedliche Wirkung der vollmächtigen Lehre Jesu

–> siehe auch: Predigt Jesu in Nazaret

–> zu den Liturgischen Texten siehe auch Schott: 4. Sonntag C

 

Gedenktage:

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

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Stand: 27. Januar 2019

 

Erfüllt (3.C)

3. Sonntag im Jahreskreis C

Sonntag, 27. Januar 2019

Liturgische Texte zum 3. Sonntag im Jahreskreis (C)

Eröffnungsvers (Ps 96,1.6 )
Singet dem HERN ein neues Lied, singt dem HERRN, alle Lande!
Hoheit und Pracht sind vor seinem Angesicht,
Macht und Glanz in seinem Heiligtum.

Tagesgebet
Allmächtiger, ewiger Gott,
lenke unser Tun nach deinem Willen
und gib,
dass wir im Namen deines geliebten Sohnes
reich werden an guten Werken.
Darum bitten wir durch Jesus Christus…

1. Lesung: aus dem Buch Nehemía (Neh 8,2-4a.5-6.8-10)
„Man las aus dem Buch, dem Gesetz Gottes, vor und gab dazu Erklärungen, so dass die Leute verstehen konnten“

Antwortpsalm: Ps 19,8.9.10.12 u. 15
Deine Worte, o HERR, sind Geist und Leben

2. Lesung: aus dem1. Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth (1 Kor 12,12-31a)
„Ihr seid der Leib Christi, und jeder einzelne ist ein Glied an ihm“

Ruf vor dem Evangelium (vgl. Jes 61,1)
Halleluja. Halleluja.
Der HERR hat mich gesandt,
den Armen die Frohe Botschaft zu bringen
und den Gefangenen die Freiheit zu verkünden.
Halleluja!

Evangelium aus dem Evangelium nach Lukas (Lk 1,1-4 und 4,14-21)
Heute hat sich dieses Schriftwort erfüllt

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EvangelientextÜbersetzung G. M. Ehlert

–> Lk 4,16-44 Unterschiedliche Wirkung der vollmächtigen Lehre Jesu

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Bild zur Meditation:

Primizpredigt Jesu - Zeichnung (c) G. M. Ehlert 20.01.1998

Primizpredigt Jesu – Zeichnung (c) G. M. Ehlert 20.01.1998

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Impulse zur Predigt Jesu in Nazaret:

 

Heute – wurde erfüllt dieses Wort
in euren Ohren

Als Jesus die Verheißungen des Propheten Jesaja vorgelesen hatte, waren die Augen aller in der Synagoge erwartungsvoll auf ihn gerichtet. Und seine Predigt war kurz – nur ein Satz: „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.“ – Doch dieser Satz aus dem Munde Jesu schlug ein wie eine Bombe.

Doch der Reihe nach.
1. Das „Geheimnis“ von Nazaret
„Was kann aus Nazaret schon Gutes kommen?“ (Joh 1,46 )
Die heutige Großstadt Nazaret (120.000 Einwohner) war in der Zeit Jesu ein kleines unbekanntes Dorf.
In den Heiligen Schriften der Juden und in außerbiblischen Dokumenten jener Zeit wird dieser Ort gar nicht erwähnt.
(Was kann dann aus Nazaret also schon Gutes kommen?)

Doch vermutlich waren die Bewohner Nazarets stolz auf ihre Herkunft. Die Sippe der Nazarener berief sich darauf, dass sie Nachkommen des Königs David seien. Denn der Name „Nazaret“ – aramäisch „Nazara“ – leitet sich her vom hebräischen Wort NeZeR = Spross.
Und den biblischen Verheißungen gemäß werde ein Spross aus dem Hause Davids einmal der Messias sein. Daher waren Bewohnern Nazarets gerade die messianischen Verheißungen des Propheten Jesaja besonders wichtig.

2. Jesus – die erfüllte Jesajaverheißung
– dass Jesus, der 30 Jahre verborgen in Nazaret gelebt hat, aufstand, um aus der Heiligen Schrift vorzulesen, war nichts Besonderes. Einen solchen Lektorendienst durfte im damaligen Synagogengottesdienst jeder männliche Jude, seit seiner Bar-Mizwa (mit 12-13 Jahren) übernehmen.
– auch dass Jesus, nachdem er einige Zeit aus Nazaret fort gewesen war (Taufe im Jordan, 40-tägigen Wüstenaufenthalt, Predigt und Heilungen in Galiläa) nun ein paar Worte im Anschluss an die Prophetenlesung an die Gemeinde richten will, entsprach der damaligen Gottesdienstpraxis.

Doch der kurzen Satz, den Jesus im Anschluss an die messianischen Verheißungen des Propheten Jesaja sagt, ist in den Ohren der Bewohner Nazarets ungeheuerlich. „Heute (!) hat sich das Wort, das ihr eben gehört habt, erfüllt (!).“

Das „heute“ der Erlösung Gottes
Das „Heute“ in der Verkündigung Jesu ist hier – wie öfters im Lukasevangelium – keine Terminangabe, sondern eine „Heilszusage“.
Lk 2,11: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.“
Lk 19,5: Jesus beim Zöllner Zachäus: „Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein.“ und:
Lk 19,9: „Heute ist diesem Haus Heil widerfahren.“
Lk 23,43: Jesus zum reumütigen Schächer am Kreuz: „Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“

3. Jesu „prophetische Spiritualität“
Doch was hat sich in Jesus denn im einzelnen erfüllt:

a) gesalbt und ermächtigt
„Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt.“ – Lukas geht es darum, durch dieses Zitat Jesus als den Heilsbringer in einem umfassenden Sinne darzustellen. Jesus ist derjenige, auf dem der Geist Gottes ruht.

b) gesandt für Gerechtigkeit und Befreiung
Gott hat Jesus gesandt,
– „den Armen eine gute Nachricht zu bringen“ – d.h. von materieller Not zu befreien:,
– „den Gefangenen die Entlassung zu verkünden“ – d.h. soziale Ausgrenzung zu überwinden
– „den Blinden das Augenlicht wiederzugeben“ – d.h. von körperlicher Not zu befreien:
– „die Zerschlagenen in Freiheit zu setzen“ d.h. seelische Not zu überwinden.
Da Jesus sich nach dem Lukasevangelium besonders der Sünder annimmt, ist für Lukas hier sicher auch die Befreiung von Sünden gemeint.

c) ein Gnadenjahr des Herrn auszurufen
„alle Jubeljahre“ einmal – d.h. alle 50 Jahre sollte es so ein „Gnadenjahr des Herrn“ geben, d.h. ein Jahr der Befreiung aus Schuldenlast und Versklavung. = das Jahr, das willkommen ist dem Herrn.
Und Jesus behauptet gerade hier in Nazaret, dass mit ihm „heute“ ein solches Heilsjahr begonnen hat. –
Er ruft hier ein „außerordentliches Heiliges Jahr der Barmherzigkeit Gottes“ aus.

4. Erfüllung des Wortes Gottes – „in deinen Ohren“
Ich komme noch einmal auf den einzigen Satz der Predigt Jesu zurück:
„Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.“ – so steht es in der Einheitsübersetzung, die ich vorhin vorgelesen habe.
wörtlich aus dem Griechischen übersetzt heißt es jedoch:
„Heute wurde erfüllt diese geschriebenen (Worte) in den Ohren von euch.“ In euren Ohren.

Ich glaube, darin liegt etwas Wichtiges. Bevor wir die Erfüllung der Verheißungen Gottes in unserem alltäglichen Leben erfahren, erfüllen sie sich zunächst in unserem Innern, dadurch, dass ich durch das Ohr das Wort Gottes in mein Inneres hereinlasse, dass ich dann Frieden bekomme im Herzen manchmal mitten in einer bedrängenden Notlage. Dieses Wort, das ich durch das Ohr in mich hineinlasse, bewirkt in meinem Innern den Glauben, dass Gott zu seinen Verheißungen steht.

Die Verheißungen Gottes erfüllen sich zuerst in mir und in dir und dann sichtbar in deiner Umwelt, in deinem alltäglichen Leben.

5. Verbindung von „Gottesdienst“ und „Menschendienst“ bei uns
Jesus will den ganzen Menschen erneuern, was persönliche und gesellschaftliche Auswirkungen hat. Dies ist eine Verpflichtung auch für diejenigen, die in der Nachfolge Jesu stehen.
Das Evangelium mit der Kurzpredigt Jesu gibt eine gute Anregung für eine „Spiritualität des Alltags“:
Achten Sie in der kommenden Woche einmal darauf, welches Wort Gottes Sie in Ihren Ohren haben – und versuchen Sie, dieses Wort in Ihrem Alltag mit Leben zu erfüllen.

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Links:

–> zum Antwortpsalm: Psalm 19: Wie am Himmel so auf Erden – geschehe dein Wille
Psalm 19

–> zur 2. Lesung: 1 Kor 12,12-31a: „Ein Leib – viele Glieder

–> zum Evangelium:

–> zu den Liturgischen Texten siehe auch Schott: 3. Sonntag C

–> siehe auch: Predigt Jesu in Nazaret
–> und: Lk 4,16-30 u. 31-44: Unterschiedliche Wirkung der vollmächtigen Lehre Jesu

Gedenktage:

– 27. Januar: Angela Merici = g

– 31. Januar: Johannes Bosco = G

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

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Stand: 26. Januar 2019

Hochzeit zu Kana (2.C)

Zweiter Sonntag im Jahreskreis C

Sonntag, 20. Januar 2019

Liturgische Texte zum 2. Sonntag im Jahreskreis (C)

Eröffnungsvers (Ps 66,4)
Alle Welt bete dich an, o Gott, und singe dein Lob,
sie lobsinge deinem Namen, du Allerhöchster.

Tagesgebet
Allmächtiger Gott,
du gebietest über Himmel und Erde,
du hast Macht über die Herzen der Menschen.
Darum kommen wir voll Vertrauen zu dir;
stärke alle, die sich um die Gerechtigkeit mühen,
und schenke unserer Zeit deinen Frieden.
Darum bitten wir durch Jesus Christus…

1. Lesung: aus dem Buch des Propheten Jesaja (Jes 62,1-5)
„Wie der Bräutigam sich freut über die Braut, so freut sich dein Gott über dich“

Antwortpsalm: Ps 96,1-2.3-4.6-7.10 
Kündet den Völkern die Herrlichkeit des HERRN  

2. Lesung: aus dem1. Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth (1 Kor 12,4-11)
„Ein und derselbe Geist teilt einem jeden seine besondere Gabe zu, wie er will“

Ruf vor dem Evangelium (vgl. 2 Thess 2,14)
Halleluja. Halleluja.
Durch das Evangelium hat Gott uns berufen
zur Herrlichkeit Jesu Christi, unseres Herrn.
Halleluja!

Evangelium aus dem Johannesevangelium (Joh 2,1-11) 
So tat Jesus sein erstes Zeichen – in Kana in Galiläa

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EvangelientextÜbersetzung G. M. Ehlert

Johannes 2,1-11 Jesus bei der Hochzeit zu Kana

1 Und an dem Tag dem dritten*    (*= Dienstag, Tag der Wende zum Guten)
eine Hochzeit geschah zu Kana in Galiläa*    *(a) Kafr Kenna seit 17.Jh.
oder b) Chirbet Kana bis 16. Jh. Ort des Gedenkens an das Weinwunder Jesu)

und es war die Mutter des Jesus dort.

2 Es wurde gerufen aber auch Jesus und seine Jünger zu der Hochzeit.

3 und da/als es mangelte an Wein,
sagt die Mutter des Jesus zu ihm:
Keinen Wein haben sie (mehr)!“*   (*= Maria als Fürsprecherin)

4 (Und) es sagt zu ihr (der) Jesus:
Was (ist zwischen) mir und dir, Frau?
Noch nicht gekommen ist meine Stunde.*“
(*= Stunde der Verherrlichung durch Christi Tod am Kreuz)

5 Sagt seine Mutter zu den Dienern:
Das was gegebenenfalls ER euch sagen möge, tut es!“*
     (*= einziger Rat Mariens in der Bibel – Maria = „Mutter vom Guten Rat“)

6 Es waren aber dort
steinerne Wasserkrüge sechs*
      (*= steinerne Krüge nur zw. 19 v.Chr. bis 70 n.Chr.)

wie es die Reinigungsvorschrift der Juden vorschreibt
Raum gebend je zwei bis drei Maß*.    (*= 1 Maß = ca. 22 l)

7 Es sagt zu ihnen Jesus:
„Füllt die Wasserkrüge mit Wasser!“
Und sie füllten sie bis oben.

8 Und er sagt zu ihnen:
„Schöpft nun und bringt dem Tischaufseher.“
Sie brachten ihm also.

9 Wie aber der Tischaufseher
das zu Wein gewordene Wasser

gekostet hatte
und nicht erkannte, woher es war
– die Diener jedoch, die das Wasser geschöpft hatten, erkannten es -,

da ruft der Tischaufseher den Bräutigam
10 und sagt zu ihm:
„Jeder Mensch setzt zuerst den guten Wein vor,
und wenn sie berauscht sind, den geringeren –
du hast aufbewahrt den guten Wein bis jetzt.“

11 Dies wirkte – als Anfang der Zeichen* – Jesus     (* in Joh = 7 wunderbare Zeichen)
zu Kana in Galiläa
und aufschien seine Herrlichkeit.

Und seine Jünger glaubten an ihn.

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Bild zur Meditation:

.joh_2.1-11a „Erstes Zeichen der Herrlichkeit Christi“
(c) G. M. Ehlert, 10.01.2016

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Impulse zum Fest der Taufe des Herrn:

Das erste Zeichen Seiner Herrlichkeit

1. „Was ER euch sagen wird, das tut!“

Die Hochzeit zu Kana ist das erste öffentliche Auftreten Jesu nach seiner Taufe und der ersten Jüngerberufung, von dem uns der Evangelist Johannes berichtet.
Auch Maria, die Mutter Jesu wird uns hier das erste Mal von Johannes vorgestellt.
Marias Wirken geschieht in der Stille – ohne große Worte.
Um so gewichtiger sind die beiden einzigen Worte, die Johannes von ihr überliefert.

Diese Worte bilden das Vermächtnis Mariens an uns – ihr Testament.

Das erste Wort ist eine an Jesus gerichtete Bitte:
HERR, „sie haben keinen Wein mehr“.


Diese Bitte zeigt, Maria ist aufmerksam. Sie sieht die Not der Menschen.

Der Wein ist ausgegangen – die Menschen haben nichts mehr, das ihnen Freude bereiten kann. Das Lachen bleibt ihnen im Halse stecken – bei all dem Leid, Krieg und Tod.

Wenn nicht bald Abhilfe geschaffen wird, geht das Fest des Lebens zu Ende.
Marias Bitte entspringt ihrer Sorge um die Menschen.
Sie bittet Jesus um ein Wunder.
Gib den Menschen den Wein, „der das Herz des Menschen erfreut“ (Psalm 104,15) – einen Vorgeschmack himmlischer Herrlichkeit
Dieses erste Wort Mariens zeigt:
sie ist unsere Fürsprecherin bei Gott.
.
„Was ist zwischen mir und dir, Frau? –
Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“
Weist Jesus dieses Wort Mariens zurück?

Es klingt wie eine schroffe Ablehnung aus dem Mund Jesu.
Ist Jesus so hartherzig?
Im Gegenteil. Er ist viel barmherziger als wir es ahnen können.
Er gönnt uns nicht ‚ein bisschen Freude‘,
er will nicht unsere Feste verschönern.
Ihm geht es um alles.
Er will uns ewiges Leben und ewige Freude schenken.
Doch diese „Seine Stunde“ – unsere Erlösung durch Jesu Sieg am Kreuz – ist noch nicht gekommen.
Maria versteht Jesus (noch) nicht, aber sie vertraut ihm.
Ihr zweites Wort richtet sie an die Diener – ihr Wort an uns:
„Was ER euch sagen wird, das tut!“

Damit hat Maria – so das Johannesevangelium – alles gesagt, worauf es ankommt.
Maria weist ganz von sich weg auf Jesus hin.
IHM allein sollen wir gehorchen.
Das können wir von Maria lernen.
Sie war ganz bereit, Gottes Wort zu hören, in ihr Herz aufzunehmen und zur Welt zu bringen.
Dieses zweite Wort Mariens zeigt,
wie Maria unsere „Mittlerin“ ist.


Sie vermittelt einen direkten Kontakt zwischen den Menschen und dem Herrn,

indem sie ganz auf IHN verweist: „Was ER euch sagen wird, das tut!“

2. Füllt die Krüge mit Wasser!


„Füllt die Krüge mit Wasser!“ –

Das ist das erste, was Jesus hier den Dienern sagt.

Keine Begründung oder Erklärung,
nur dieses knappe Wort – dieser Auftrag.
Die Diener fragen nicht.
Sie sagen kein Wort.
Sie gehorchen sofort.
So werden sie „Wasserträger des Herrn.“
Jesus, der Herr, nimmt sie in seinen Dienst.
Er will ihre Hilfsdienste in Anspruch nehmen.
Ohne den Auftrag zu verstehen, gehen sie los und schöpfen das Wasser.
Mit ihrem geschöpften Wasser füllen sie die Wasserkrüge, die für die Reinigung am Beginn des Festes vorgesehen sind.
Sie tun ihren bescheidenen, geforderten Dienst.
So bereiten sie alles vor,
damit der Herr wirken kann.

Auch wir sollen unseren Dienst tun wie die Wasserträger,
im Vertrauen darauf, dass der Herr uns braucht
und dass ER mit dem Wasser, das wir herbei holen
und mit dem wir die Reinigungskrüge füllen,
etwas Wunderbares bewirken kann.
Das gibt unserer Arbeit ihren Sinn und ihre Verantwortung.

Gott allein wirkt wann und wie ER will. Darin zeigt sich seine absolute Freiheit.
Aber er ist so frei, dass er durch und mit den Menschen etwas Gutes und Schönes bewirken will. Zu diesem Plan Gottes kann der Mensch aus freien Stücken JA sagen.

Gottes Freiheit ist Liebe.
Sie ist so groß, dass Gott sich freiwillig vom freien Ja des Menschen abhängig machen kann und will,
und gerade so wird sein Liebesplan mit den Menschen erfüllt.

„Schöpft jetzt,
und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist.“

Die Wasserträger sehen nicht, wie das Wunder der Verwandlung vor sich geht…

Die geistliche Wirklichkeit, die der Herr unter Zuhilfenahme unseres Dienstes wirkt,
bleibt uns oft verborgen.
Der Speisemeister kostet – den guten Wein.
Sein Verhalten bestätigt den Dienern:
Es ist wirklich etwas Wunderbares geschehen.
„Sie aber wussten, woher der Wein kam.“
Sie können das Wunder bezeugen.
Es ist ein wahrhaft göttlicher Wein.
Solche Erfahrungen, dass Gott im Menschen wirkt
und dass wir Menschen dabei mitwirken durften, sind kostbar.
Sie zeigen uns, dass unsere Arbeit nicht vergebens ist.
.

3. „So tat Jesus sein erstes Zeichen… und offenbarte seine Herrlichkeit“

Der gute Wein ist die Gabe Jesu – ein Zeichen von ihm, das auf ihn selbst verweist.
Der Wein selber wird das Zeichen, das Jesu Herrlichkeit offenbart.
Der Wein ist Zeichen der anbrechenden Heilszeit.
Überreiche Fülle und Güte erfüllen diese Heilszeit,
die in Jesus Christus schon präsent geworden ist.

.

Gedanken zu Joh 2,1-11 von Georg Michael Ehlert,
inspiriert von
– Reinhard Lettmann: Füllt die Krüge mit Wasser – Über Berufung und Dienst des Priesters, Butzon&Bercker, Kevelaer 1985
– Reinhard Lettmann: Was er euch sagt, das tut – Mit Maria im Dienst der Erlösung, Butzon&Bercker, Kevelaer 1989
– Theo Schmidkonz: Maria – Gestalt des Glaubens, Rex-Verlag Luzern/München 4/1975

siehe auch: Hochzeit zu Kana (2013)

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Links:

–> zum Antwortpsalm: zu Psalm 96: Ein neues Lied auf JHWH, den König u. Richter aller Welt

–> zum Evangelium: Das erste Zeichen Seiner Herrlichkeit (Joh 2,1-12)

–> zu den Liturgischen Texten siehe auch Schott: 2. Sonntag C

–> siehe auch: Die Hochzeit zu Kana – und: Offenbarung und Wandlung

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

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Stand: 14. Januar 2019

Taufe des Herrn (1.C)

Fest der Taufe des Herrn

Sonntag, 13. Januar 2019

Abschluss der Weihnachtszeit

Liturgische Texte zum Fest der Taufe des Herrn (C)

Eröffnungsvers (vgl. Mt 3,16-17)
Als Jesus getauft war, öffnete sich der Himmel,
und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen.
Und die Stimme des Vaters aus dem Himmel sprach:
Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen habe.

Tagesgebet
Allmächtiger, ewiger Gott,
bei der Taufe im Jordan
kam der Heilige Geist auf unseren Herrn Jesus Christus herab,
und du hast ihn als deinen geliebten Sohn geoffenbart.
Gib, dass auch wir,
die aus dem Wasser und dem Heiligen Geist wiedergeboren sind,
in deinem Wohlgefallen stehen
und als deine Kinder aus der Fülle dieses Geistes leben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus…

1. Lesung Jes 42,5a.1-4.6-7
Seht, das ist mein Knecht, an ihm finde ich Gefallen

Antwortpsalm Ps 29,1-2.3ac-4.3b. u. 9b-10
Der HERR schenkt seinem Volk den Frieden

(oder:
1. Lesung Jes 40,1-5.9-11
Dann offenbart sich die Herrlichkeit des HERRN, alle Sterblichen werden sie sehen

Antwortpsalm Ps 104,1-2.3-4.24-25.27-28.29-30
Lobe den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, wie groß bist du!)

2. Lesung aus der Apostelgeschichte (Apg 10,34-38)  
Gott hat Jesus gesalbt mit dem Heiligen Geist

Ruf vor dem Evangelium (vgl. Mt 3,16-17; Mk 9,7)
Halleluja. Halleluja.
Der Himmel öffnete sich, und eine Stimme sprach:
Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören!
Halleluja!

(oder:
2. Lesung aus dem Paulusbrief an Titus (Tit 2,11-14; 3,4-7)
Er hat uns gerettet durch das Bad der Wiedergeburt und die Erneuerung im Heiligen Geist

Ruf vor dem Evangelium (vgl. Lk 3,16)
Halleluja. Halleluja.
Johannes sagte:
Es kommt einer, der stärker ist als ich.
Mit dem Heiligen Geist und mit Feuer wird er euch taufeen.
Halleluja.)

Evangelium aus dem Lukasevangelium (Lk 3,15-16.21-22)  
Jesus ließ sich taufen; und während er betete, öffnete sich der Himmel 

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EvangelientextÜbersetzung G. M. Ehlert

Evangelium im Lesejahr C: Lukas 3,15-16. 21-22

15 Erwartend aber (war) das Volk
und alle (waren) Durchdenkende in ihrem Herzen
betreffend den Johannes,
ob nicht etwa er selbst der Christus sei, 

16 Es gab zur Antwort ihnen sagend der Johannes:
„Ich – nur (ins) Wasser tauche ich euch ein,
es kommt aber der Stärkere als ich,
          welchem ich nicht groß genug bin
          zu lösen die Riemen der Sandalen von ihm,
er selbst wird euch eintauchen in heiligem Geist und Feuer. 

((Verse 17 – 20))

21 Es geschah aber
in dem sich eintauchen lassend all das Volk,
auch Jesus (wird) eingetaucht
und betend
wird geöffnet der Himmel 

22 und herab steigt der Geist der Heilige
          in Gestalt sichtbar wie eine Taube
auf ihn

Und eine Stimme aus dem Himmel geschah:
„Du bist mein Sohn, der Geliebte,
an dir (habe ich) Wohlgefallen.“

* * *

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Bild zur Meditation:
Taufe-Jesu1

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Impulse zum Fest der Taufe des Herrn:

„Das ganze Volk war voller Erwartung!“
Zu Hunderten, vielleicht zu Tausenden sind damals die Menschen aus Jerusalem und von überall her zum Jordan geströmt, um Johannes zu hören.
„Das ganze Volk war voller Erwartung!“
Und im Stillen dachten sie: Ob Johannes nicht vielleicht selber der Messias ist?

Kurz eine Zwischenfrage: Gilt das für uns auch, dass wir voller Erwartung sind?
Voller Erwartung, dass wir damit rechnen: Wann tut Gott endlich etwas?
Wenn wir sonntags zur heiligen Messe kommen, sind wir dann voller Erwartung, dass Gott uns heute trifft, dass er uns anspricht?

„Das ganze Volk war voller Erwartung.“
Wenn wir nichts mehr erwarten, dann ist das so, als wenn wir dem Wirken Gottes einen Riegel vorschieben, ihm die Hände binden. Wer nichts mehr erwartet, der darf sich nicht wundern, dass letztlich das ganze Christenleben furchtbar langweilig wird.

„Ich taufe mit Wasser…“
Die Menschen damals haben große Erwartungen gehabt an Johannes.
„Ob er vielleicht selbst der Messias ist…?“
Doch er wehrt ab: „Ich taufe mit Wasser.“
Wir kennen die Redensart: „Der kocht auch nur mit Wasser.“
Johannes will damit sagen. Ich bin ein Mensch wie ihr. Wenn ihr von mir etwas erwartet, dann werdet ihr immer irgendwo enttäuscht.
Das gilt heute auch. Wenn wir von Menschen etwas erwarten, dann werden wir wechselseitig enttäuscht sein, weil wir alle „mit Wasser kochen“.

Und darum wird diese falsche Erwartung der Menschen im Evangelium umgebogen. Johannes sagt: „Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich. Und er wird nicht mit Wasser taufen, sondern er wird mit Heiligem Geist und mit Feuer taufen.“

Was bei der Taufe Jesu geschieht:
Wenige Tage später kommt Jesus an den Jordan und lässt sich selber von Johannes taufen.

Er – der Gottessohn – steigt hinab zum Jordan – er steigt hinab, dorthin, wo wir Menschen sind;
Er – der Sündenlose – stellt sich in die Reihe der Sünder, die von Johannes die Taufe der Umkehr empfangen wollen;
Er – der Reine – unterzieht sich dem Taufbad der Reinigung.

Und dann geschieht das, was man mit einer „Gottesoffenbarung“ umschreiben kann.
„Während er betete (= die Verbindung mit Gott pflegte)
– öffnete sich der Himmel –
– und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab, –
wie am Anfang der Schöpfung, wo Gottes Geist über den Wassern schwebte;
– und eine Stimme aus dem Himmel sprach: – wie bei der Gottesoffenbarung am Sinai…
– „Du bist mein geliebter Sohn, – vgl. Ps 2
– an dir habe ich Gefallen gefunden.“ – vgl. Gottesknechtslied bei Jesaja.

Bei der Taufe Jesu geschahen entscheidende Dinge.
Mich erstaunt, dass auf diese göttliche Offenbarung hin überhaupt keine Reaktion berichtet wird. Nur Johannes scheint sie wahrgenommen zu haben.
Er bezeugt an anderer Stelle von diesem Erlebnis:
„ Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. …
Das habe ich gesehen, und ich bezeuge: Er ist der Sohn Gottes.“ (Joh 1,33f).

Auch für uns Getaufte gelten diese drei Aussagen dieser Gottesoffenbarung.
1. Auch bei unserer Taufe öffnet sich der Himmel und Gottes Geist kommt auf uns herab
Das ist ein Bild dafür, dass Gott selbst die Verbindung mit uns aufnimmt.
Israel, das Volk Gottes hatte im Laufe der Geschichte den Eindruck gewonnen: Durch unsere Sünde ist der Himmel verschlossen. Wir kommen nicht mehr zu Gott durch. Gott hört uns nicht. Er greift auch nicht ein.
Doch das Evangelium sagt: Der Himmel öffnet sich über dir.
Du kannst mit Gott Verbindung aufnehmen durch das Gebet.
(Das griechische Wort für beten bedeutet: seine Wünsche zu Gott hin richten).
Wenn wir unsere Wünsche zu dem lebendigen Gott hin richten, dann öffnet sich der Himmel und Gottes Geist steht uns bei.

2. Gott sagt als erstes auch zu uns: Du bist mein geliebter Sohn / du bist meine geliebte Tochter.
Das gilt für jede und jeden von uns, denn durch die Taufe sind wir in die große Gottesfamilie aufgenommen worden.
„Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es.“
Und an anderer Stelle: „Wir haben den Geist empfangen, der uns zu Kindern Gottes macht, den Geist, in dem wir rufen: ABBA, guter Vater…“
Das heißt auch: das verheißene Erbe – die Gemeinschaft mit Gott im Himmel – kann uns keiner mehr nehmen.

3. Und auch uns wird zugesagt aufgrund der Taufe: an dir habe ich Gefallen gefunden.
Und das sagt Gott zu jeder und jedem: „Du bist ein Mensch, an dem ich Wohlgefallen habe.“ Mit allen Macken und Kanten, so wie Du bist. Wenn Gott Dich anschaut, wenn er in Dein Gesicht schaut, dann ist es gleichsam so, als wenn er in einen Spiegel schaut, weil Du sein Ebenbild bist. Darum bist Du ihm ungeheuer wichtig. „Ich habe an dir Wohlgefallen.“ Das tut so gut, wenn man weiß: Gott hat an mir Wohlgefallen. Es kann nämlich sein, dass wir in Situationen kommen, wo kein Mensch mehr an uns Wohlgefallen hat, wo ich mich selber vielleicht nicht mehr ausstehen kann. Aber dann gilt immer noch. Gott hat an mir Wohlgefallen.

All das Große, das am Jordan seinen Anfang nimmt, beginnt mit dieser Haltung: „Das ganze Volk war voller Erwartung.“ Und ich wünschte mir dies Eine: Wenn wir schon keine große Erwartung haben, dann doch wenigstens eine kleine Erwartung, aber an einen großen Gott.

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Links:

–> zum Antwortpsalm: Psalm 29: Erscheinen der Herrlichkeit Gottes in Naturgewalten

–> zum Evangelium: –

–> zu den Liturgischen Texten siehe auch Schott: Fest Taufe des Herrn

–> zu Johannes d. Täufer: siehe auch: – “Zeuge für das Licht

–> zum Afrikatag (im Bistum Münster = 13. Januar 2019): missio – Afrikatag 2019

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

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Stand: 10. Januar 2019