12. Sonntag C

12. Sonntag im Jahreskreis C

Sonntag, 19. Juni 2022

1. Lesung: (Sach 12,10-11; 13,1) Christus – den Durchbohrten – schauen
2. Lesung: (Gal 3,26-29) Christus – als Gewand – anziehen
Evangelium: (Lk 9,18-24) Christus – wer ist er für dich?

„Christus – wer bist du für mich?“ 

 

Liturgische Texte zum 12. Sonntag im Jahreskreis (C)

Eröffnungsvers (Ps 28,8-9)
Der HERR ist die Stärke seines Volkes,
er ist Schutz und Heil für seinen Gesalbten.
Herr, hilf deinem Volk und segne dein Erbe,
führe und trage es in Ewigkeit.  

Tagesgebet
Heiliger Gott,
gib, dass wir deinen Namen
allezeit fürchten und lieben.
Denn du entziehst keinem deine väterliche Hand,
der fest in deiner Liebe verwurzelt ist.
Darum bitten wir durch Jesus Christus…

1. Lesung: aus dem Buch Sacharja (Sach 12,10-11;13,1)
„Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben“ (Joh 19, 37) 

Antwortpsalm: Ps 63,2.3-4.5-6.8-9
Meine Seele dürstet nach dir, mein Gott 

–>Psalm 63: Sehnsucht nach Gott

2. Lesung: aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Galatien (Gal 3,26-29)
Ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen

Ruf vor dem Evangelium (vgl. Offb 1,8)
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Meine Schafe hören auf meine Stimme;
ich kenne sie, und sie folgen mir. 
Halleluja!

Evangelium nach Lukas (Lk 9,18-24)
Du bist der Christus Gottes.
Der Menschensohn muss vieles erleiden 

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Lesungs- u. Evangelientext

(Arbeitsübersetzung von G. M. Ehlert)

  • 1. Lesung: Sach 12,10-11; 13,1: „Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben“ (Joh 19,37)

1 Traglast des Wortes JHWH’s (= des HERRN) über Israel:

10 Und ich werde ausgegossen haben auf (das) Haus Davids
und auf (die) Bewohner Jerusalems
(einen) Hauch/ Atem/ Geist (der) Gnade und (des) Bittens

und sie werden aufgeblickt haben/ aufmerksam wahrnehmen
zu mir (!)
auf den, welchen sie durchbohrt haben

und sie werden klagen/ haben geklagt um ihn
wie Wehklage (in Bezug) auf den Einzigen
und Bitter(klage) (in Bezug) auf ihn
wie Bitter(klage) (in Bezug) auf den Erstgeborenen.

11 An demjenigen Tag – es wird groß sein die Wehklage in Jerusalem
wie die Wehklage (um) Hadad-Rimmon (= zerstörte Stadt) in (der) Ebene Meggido.

13,1 An demjenigen Tag – es wird sein
eine Quelle geöffnet werdend/ sich öffnend
für/ vom Haus David
und für/ von Bewohnern Jerusalems
für/ von Sünd(opfer) (= Mittel zur Entfernung der Sünde)
und für Reinigung von Unreinheit/ Befleckung.

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  • Evangelium: Lk 9,18-24:

18 Und es geschah
in dem Sein für sich selbst/ von ihm betend allein
es waren zusammen mit ihm die Jünger
und er befragte sie sagend:
„was – über mich sagen die Scharen – zu sein?“

19 Die aber antwortend sprachen:
„Johannes, der Täufer
andere aber: Elija,
andere aber (folgendes):
ein Prophet – von den alten einer – ist auferstanden.“

20 Er sprach aber zu ihnen:
„Ihr aber, was über mich saget ihr – zu sein?

Petrus aber antwortend sprach:
„der Christus des Gottes!“

21 Der aber – sie anherrschend – wies sie an
keinem zu sagen dieses.

22 sprechend (folgendes):
„Es ist nötig (für) den Sohn des Menschen
vieles zu erleiden
er müsse (nach vorheriger Prüfung)
verworfen werden
von den Älteren (= Presbytern) und Hohenpriestern
und Schriftgelehrten
und weg-geschlachtet/ ermordet zu werden
und an dem dritten Tag auferweckt zu werden.“

23 Er sagte aber zu allen:
„Wenn jemand begehrt, hinter mir her zu kommen
der verweigere/ sage sich los/ verleugne sich selbst
und hebe auf das Kreuz für sich selbst täglich
und folge mir/ gehe den Weg mit mir
24 Welcher nämlich begehrt die Psyche/ die Seele/ das irdische Leben von sich selbst zu retten,
er wird sie zu Grunde richten/ verderben/ vernichten
wer aber zugrunde richtet/ verdirbt/ vernichtet die Psyche/ die Seele/ das irdische Leben von sich selbst
wegen meiner, der wird sie retten für sich selbst.“

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Bild zur Meditation:

„Du bist der Christus Gottes –
der Menschensohn muss vieles erleiden“

Mk 8,27-35

Christus-Bekenntnis u. Zurecht-Weisung – Grafik  G. M. Ehlert, 10.09.2018

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Impulse

zum Weiterdenken:

1. Gott gießt seinen Geist „der Gnade“ und „des Bittens“ über sein Volk aus –
d.h. im Licht seiner Barmherzigkeit, die an ihm sichtbar wird, kann der Mensch sein Versagen, seine Schuld erkennen, im „Geist des Bittens“ bekommt er die Kraft, Gott um Vergebung und Verwandlung zu bitten. 

2. „Sie werden aufblicken zu MIR (= Gott selbst), den sie durchbohrt haben.“ (Sach 12,10) – Gott identifiziert sich mit jedem Opfer von Gewalt. Diesen Gedanken führt Jesus weiter, wenn er sagt: „Was ihr dem Geringsten getan/ nicht getan habt, das habt ihr MIR getan/ nicht getan.“ (vgl. Mt 25,31ff)

3. „Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben“ – so zitiert der Evangelist Johannes im Blick auf das am Kreuz durchbohrte Herz Jesu den Propheten Sacharja 12,10. (vgl. Joh 19,37)
In diesem durchbohrten Herzen Jesu erkennen wir – durch Gottes Geist – seine unendliche Liebe zu uns – und angesichts dieser Liebe das eigene Versagen:

4. Petrus hat Jesus dreimal verleugnet, er weint Reuetränen und erfährt nach Ostern in der Begegnung mit dem Auferstandenen Vergebung und neue Kraft, „die Brüder und Schwestern“ im Glauben zu stärken.

Paulus hat die Christen bis aufs Blut verfolgt – er erfährt in der Vision Christus als den Herrn, der nun im Himmel zur Rechten Gottes sitzt. Aus dem eifernden Christenverfolger wird so ein eifernder Christusverkünder.

Viele, die einmal in ihrem Leben erfahren haben, dass ihnen von Christus viel vergeben wurde, sind nun voll des Geistes, diese Vergebung andere erfahrbar werden zu lassen.

5. Der läuternde Blick auf den Durchbohrten wird die Quelle sein, aus der Versöhnung und Verwandlung und neue Liebesfähigkeit entströmt.

–> siehe auch: „Wasser schöpfen aus der Quelle der Erlösung“ u. Herz-Jesu-Fest

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Gebet/ Meditation:

Dietrich Bonhoeffer schreibt im Gefängnis (1944): Wer bin ich?

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich träte aus meiner Zelle
gelassen und heiter und fest,
wie ein Gutsherr aus seinem Schloss.

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich spräche mit meinen Bewachern
frei und freundlich und klar,
als hätte ich zu gebieten.

Wer bin ich? Sie sagen mir auch,
ich trüge die Tage des Unglücks
gleichmütig lächelnd und stolz,
wie einer, der siegen gewohnt ist.

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?

Wer bin ich? Der oder jener?
Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer?
Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler
Und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,
das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?

Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.

Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!

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„Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.“
(Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung)

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Links:

–> zur 1. Lesung:  Sach 12,10-11; 13,1
–> zum Antwortpsalm: Psalm 63: Sehnsucht nach Gott  
–> zur 2. Lesung: Gal 3,26-29 Christus anziehen u. Gal 3,23-29  
–> zum Evangelium: Lk 9,18-22 + 23-27 + 28-36 Du bist der Christus – der Sohn Gottes (12.C)

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–> zu den Liturgischen Texten: siehe Schott: 12. Sonntag i.J.C

Gedenk- und Festtage:

Hochfest Geburt Johannes der Täufer = 24. Juni: (wird liturgisch im Jahr 2022 am Do 23. Juni gefeiert)

Herz-Jesu-Fest = Freitag, 24. Juni 2022

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

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Stand: 18. Juni 2022

 

 

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