4. Sonntag der Osterzeit C

4. Sonntag der Osterzeit 

Sonntag, 8. Mai  2022
Weltgebetstag für geistliche Berufe
Muttertag

1. Lesung: (Apg 13,14.43b-52) Wer das Wort Gottes aufnimmt und wer es zurückstößt...
2. Lesung: (Offb 7,9.14b-17) Wer aus der Bedrängnis kommt und wer sie zu den Lebens-Quellen führt…
Evangelium: (Joh 10,27-30) Wer auf die Stimme des guten Hirten hört und was er ihnen gibt…

„Der ideale Pastor…“ 

Liturgische Texte zum 4. Sonntag der Osterzeit (C)

Eröffnungsvers (Ps 33,5f)

Misericordia Domini plena est terra, alleluia,
verbo Dei coeli firmati sunt, alleluia.“

„Von der Huld des Herrn ist erfüllt die Erde, Halleluja.
Durch das Wort Gottes wurden die Himmel geschaffen, Halleluja!“
(Ps 33,5f)

Tagesgebet
Allmächtiger ewiger Gott,
dein Sohn ist der Kirche siegreich vorausgegangen als der gute Hirt.
Geleite auch die Herde,
für die er sein Leben dahingab,
aus aller Not zur ewigen Freude.
Darum bitten wir durch Jesus Christus…

1. Lesung: Apostelgeschichte (Apg 13,14.43b-52):
Da ihr euch des ewigen Lebens unwürdig zeigt, wenden wir uns jetzt an die Heiden

Antwortpsalm: Ps 100,1-3.4.5
Wir sind das Volk des HERRN, die Herde seiner Weide

–> zu Psalm 100: Lobgesang der Völker beim Einzug ins Heiligtum

2. Lesung: Offenbarung (Offb 7,9.14b-17):
Das Lamm wird sie weiden und zu den Quellen des Lebens führen

Ruf vor dem Evangelium Vers: Joh 10, 14
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Ich bin der gute Hirt.
Ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich.
Halleluja.

Evangelium: Joh 10,27-30
Ich gebe meinen Schafen ewiges Leben

–> zu den Liturgischen Texten vom 4. Sonntag der Osterzeit (C) siehe: „Schott (4.O.C)

* * *

Pfeil-oben zum Seitenanfang

Evangelientext

A: Joh 10,1-10 Der gute Hirt als Gegenbild zu Dieben u. Räubern (2020)
B: Joh 10,11-18 Der gute Hirt als Gegenbild zum Tagelöhner (2021)
C: Joh 10,27-30 aus dem Streitgespräch beim Tempelweihfest (2022)

* * *

Pfeil-oben zum Seitenanfang

Bild zur Meditation:

„Niemand wird sie meiner Hand entreißen“ 

Christus, der ideale Hirte

Grafik zu Joh 10 von G. M. Ehlert

Zur Bildidee und Gestaltung:
a) Biblische Quellen:
– Ez 34: Gott als guter Hirt, der sein Volk sammelt und führt
– Ps 23: Der Herr ist mein Hirte
– Lk 15,3-7: Das Gleichnis Jesu vom verlorenen Schaf
– Joh 10,1ff: „Ich bin die Tür…“ und „Ich bin der gute Hirt u. gebe mein Leben hin für die Schafe“
b) Das Malerhandbuch vom Berg Athos (= Musterbuch für Ikonen) schreibt § 327 für Darstellung des Hirtengleichnisses ein „Höllenfahrtsbild“ (= Anastasis) vor.
c) Bildaufbau:
links oben: – Schafe geborgen im Pferch
– mit gelb/oranger Tür mit Kreuz –> „Ich bin die Tür zu den Schafen…“
links unten: – Ein Schaf verstrickt im Gestrüpp
– es steht auf einem offenen Sarg
– es ist ganz im Bereich des Dunklen –> in „Todesschattenschlucht“ (Ps 23)
Mitte unten: – Christus, der Auferstandene – mit Wundmalen
– und Kreuzesstab als Siegeszeichen in der linken Hand
– die rechte Hand streckt er zur Rettung aus: –> „Ich bin der gute Hirte…“
rechts unten: – Bedrohung durch einen wilden Wolf
– er wird durch den Kreuzesstab abgewehrt
rechts oben: – der gute Hirt geht der Herde als „Anführer des neuen Lebens“ voran,
– dem Schalom (= Frieden) Gottes entgegen
im Vordergrund: ein Hirtenstab / Bischofsstab mit den Worten:
„Der HERR ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen. ER lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser. ER stillt mein Verlangen, treu SEINEM Namen. Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil, denn DU bist ((bei mir))“ (aus Psalm 23)

* * *

Pfeil-oben zum Seitenanfang

Impulse

Im Dienste Christi – des guten Pastors

„Es gibt zwei Sorten von Hirten. Die einen sind an der Wolle interessiert, die anderen sind am Fleisch interessiert. An den Schafen selbst liegt ihnen nichts. Wolle oder Fleisch.“

So ein Hirt ist Jesus nicht! Wenn er sich heute im Evangelium als den guten Hirten bezeichnet, dann geht es ihm nicht um Wolle oder Fleisch, sondern ihm geht es um die Schafe selbst. Und er ist auch nicht daran interessiert, etwas von den Schafen zu bekommen. Ganz im Gegenteil! Das Kennzeichen dieses guten Hirten, sein typisches Kennzeichen ist, dass er selber sein Leben ganz für die Schafe einsetzt.

Dies war für die jüdischen Zuhörer im Tempel von Jerusalem
vor allem für die „Pastore“ und „Oberhirten“ damals eine kritische Anfrage an ihr Verhalten, wenn Jesus sich an die Stelle Gottes stellt und sagt:

Ich bin der gute Hirt = der gute Pastor

Das heutige Evangelium ist auch eine kritische Anfrage an die Pastores heute: – verdunkeln wir eher das Bild des guten Pastors oder geben wir dem Evangelium in unserer Zeit ein Gesicht?

Kennzeichen des Guten Hirten –

• Ein erstes Kennzeichen dieses guten Hirten, sein typisches Kennzeichen ist, dass er selber sein Leben ganz für die Schafe einsetzt.

• Ein weiteres Kennzeichen dieses Hirten ist, dass er die Herde an die Wasserquellen führt, dass er weiß, wo die saftigen Weiden sind.
Oder ohne Bild gesprochen: Jesus führt die Menschen dahin, wo sie ein erfülltes Leben haben.

• Ein drittes Kennzeichen: Diesem guten Hirten gehören die Schafe; er hat mit seinem Leben dafür bezahlt.
In der Taufe ist jeder von uns Christi Eigentum geworden; wir gehören ihm.

• Und schließlich: Jesus sagt: „Ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich.“
Das „Kennen“, von dem Jesus hier spricht, ist nicht nur ein Kennen mit dem Verstand, sondern das ist ein Kennen mit dem Herzen, ein Kennen, das aus der Liebe geboren ist.

Kennzeichen einer guten Pastoral heute
Das Kennzeichen eines guten Hirten – eines guten Pastors – einer guten pastoralen Mitarbeiterin lässt sich an dem Urbild des guten Hirten – an Jesus Christus ablesen:
– Einsatz seines Lebens für die ihm anvertrauten Menschen
– die ihm anvertrauten Menschen kennen mit ihren Freuden und Sorgen und lieben – auch mit ihren Macken…
– und die Bereitschaft, über den Tellerrand der eigenen Familie, Gruppe oder der eigenen Gemeinde hinaus zu schauen (=missionarische Dimension)

Von der heiligen „Mutter Teresa“ von Kalkutta stammt das bedenkenswerte Wort:

„Früher habe ich geglaubt, ich müsse die Menschen bekehren.
Jetzt weiß ich, ich muss sie lieben.
Und die Liebe bekehrt, wen sie will.“

Berufungen heute

Für eine gute Pastoral = Hirtensorge im Sinne Jesu braucht es daher auch heute
– Mütter und Väter, die durch ihre liebende Sorge für ihre Kinder ihnen eine Ahnung von Gottes Liebe nahe bringen.
– es braucht Menschen, die bereit sind, die ihnen anvertrauten Menschen zu lieben, die sich auch mal über die Dienstzeiten hinaus für die Gemeinde engagieren;
– es braucht Menschen, denen nicht primär eine Zählsorge („wie viele kommen noch?“), sondern eine Seelsorge („was brauchen die Menschen heute?“) am Herzen liegt.
– es braucht Menschen, die den Blick auch über die einzelne Gemeindegrenzen hinaus richten – auf die Seelsorgeeinheit, auf das Bistum, auf die Weltkirche
– die Kirche braucht auch heute Menschen, die sich ganz für Gott und sein Evangelium zur Verfügung stellen als pastorale Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, als Ordensfrauen und -männer, und im diakonischen, priesterlichen und bischöflichen Dienst.

Das gute Miteinander der verschiedenen pastoralen Dienste dient der Stärkung der Einzelnen, dem Aufbau einer lebendigen Gemeinschaft und befähigt für den Einsatz der Christen bei den Aufgaben in unserer Welt zum Heil der Menschen und zum Lobpreis Gottes, dem guten Pastor aller.

* * *

Pfeil-oben zum Seitenanfang

Gebet/ Meditation:

Christus – der ideale Pastor

„ICH BIN die Tür, wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden.“ (Joh 10,9)

Die Versprengten in der Zerstreuung (= Diaspora) holt ER zusammen
und sammelt sie in seinem Schutzbereich.
Den Seinen, die zu IHM gehören (= Kirche), öffnet ER den Zugang zum Leben;
den Dieben und Räubern bleibt er verschlossen.

„Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Joh 10,10)

Die 99 lässt ER getrost zurück, um das eine Verlorene zu suchen;
die Vertriebenen – bringt ER zurück;
die Verletzten – verbindet ER;
die Schwachen – kräftigt ER
und vor den Feisten und Überstarken behütet ER sie.

„ICH BIN der gute Hirt!“ (Joh 10,11)

Der gute Hirt setzt sein Leben ein für seine Schafe.
ER lässt die Schafe nicht im Stich.
ER flieht nicht, wenn ER den Wolf kommen sieht.
ER gibt sogar aus Liebe sein Leben hin für die Schafe.

„Ich habe noch andere Schafe…“ (Joh 10,16)

Auch sie wird ER führen – auf gute Weide im Reich des Friedens;
Sie werden auf SEINE Stimme hören – und mit IHM des Weges gehen;
dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten.

„Sorgt als gute Pastore für die euch anvertraute Gemeinde Gottes!“ (vgl. 1 Petr 5,2)

Der Hirtenstab – ein Zeichen für eine Pastoral im Geiste Jesu:
kein Sportgerät für Kariere-hochsprung  – sondern Stütze für das schützende Zelt Gottes bei den Menschen;
kein Herrscherstab zur Unterdrückung der Gemeinden – sondern ein Werkzeug für „heimholende Seelsorge“;
keine Hiebwaffe gegen Kirchenfeinde – sondern Zeichen für einen stabilen Standpunkt;
kein Marschallstab für Instruktionen – sondern ein zuverlässiger Wanderstab auf den Wegen zum Frieden.

Georg Michael Ehlert, 8. Mai 2002

* * *

Pfeil-oben zum Seitenanfang

Links:

–> zur 1. Lesung: –

–> zum Antwortpsalm: Psalm 100: Lobgesang der Völker beim Einzug ins Heiligtum

–> 2. Lesung:

–> Zum Evangelium: (Arbeitsübersetzung G. M. Ehlert) Joh 10,1-42

siehe auch:

Gedenktage:

  • 14. Mai: Corona, Märtyrerin

* * *

Pfeil-oben zum Seitenanfang

___________________________________

Gedanken – Meditationen – Einblicke

Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

.

Stand: 3. Mai 2022

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.