3. Fastensonntag C

3. Fastensonntag (= „Oculi“) –
Jahreskreis C

Sonntag, 20. März 2022

„Gnadenfrist“


Liturgische Texte zum 3. Fastensonntag im Jahreskreis (C)

Eröffnungsvers:

Oculi mei semper ad Dominum,
quia ipse evellet de laqueo pedes meos.
Respice in me et miserere mei, quoniam unicus et pauper sum ego.

Meine Augen schauen stets auf den Herrn;
denn er befreit meine Füße aus dem Netz.
Wende dich zu mir und sei mir gnädig, denn ich bin einsam und gebeugt.
(Ps 25,15f)
3-Oculi-a

Tagesgebet
Gott, unser Vater,
du bist der Quell des Erbarmens und der Güte,
wir stehen als Sünder vor dir,
und unser Gewissen klagt uns an.
Sieh auf unsere Not und lass uns Vergebung finden
durch Fasten, Gebet und Werke der Liebe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus…

1. Lesung: aus dem Buch Exodus (Ex 3,2-8a.13-15):
Berufung des Mose am brennenden Dornbusch –
die Offenbarung des Namens Gottes „ICH-BIN-DA“

Antwortpsalm: Ps 103,1-2.3-4.6-7.8 u. 11
„Gnädig und barmherzig ist der HERR,
voll Langmut und reich an Güte“

2. Lesung: aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth (1 Kor 10,1-6.10-12):
Das Leben des Volkes mit Mose in der Wüste wurde uns zur Warnung aufgeschrieben

Ruf vor dem Evangelium (Mt 4,17)
Christus, du ewiges Wort des Vaters, Ehre sei dir!
(So spricht der Herr:)
Kehrt um!
Denn das Himmelreich ist nahe.
Christus, du ewiges Wort des Vaters, Ehre sei dir!

Evangelium nach Lukas (Lk 13,1-9):
Ihr werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt

* * *

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EvangelientextLk 13,1-5 + 6-9 (Studienübersetzung)

13,1 Es waren aber herbeigekommen einige
zu derselben
rechten Zeit
(Kairos),
verkündend ihm
(= Jesus) über die Galiläer, deren Blut
Pilatus vermischte mit dem ihrer Opfer
(tiere).*

Ein aktuelles Ereignis ist Ausgangspunkt:
Der römische Statthalter Pontius Pilatus
hat Leute aus Galiläa beim Opfern im

Tempel umbringen lassen.
Während sie Opfertiere schlachteten, wurden sie getötet. 
(Wird Jesus einstimmen in die Klage
über die Gewalt der römischen Besatzungsmacht…
oder war diese Entheiligung des heiligen Tempelbezirks
gar eine Strafe Gottes für die Sünden dieser Galiläer?)

2 Und antwortend sprach er zu ihnen:
Meint ihr, dass
(nur) die Galiläer – neben all den (anderen) Galiläern –
Sünder geworden waren, da sie dies erlitten haben?

3 Nein, ich sage euch vielmehr:
wenn ihr nicht mitdenkt
(= umkehrt),
werdet ihr alle gleicherweise zu Grunde gehen.

4 Oder jene, die achtzehn,
auf die der Turm bei dem Schiloach
(teich) fiel
und sie umbrachte,

meint ihr, dass
(nur) sie Schuldige geworden waren
neben all den
(anderen) Menschen, die in Jerusalem wohnen?

5 Nein, ich sage euch vielmehr:
wenn ihr nicht mitdenkt
(= umkehrt),
werdet ihr alle gleicherweise zu Grunde gehen.

Parabel vom gutmütigen Winzer

6 Er sagte aber diese – die (folgende) Parabel/ Gleichnis/ Sinnbild:

Einen Feigenbaum hatte irgendeiner
der gepflanzt worden war in dem Weinberg
/ -garten von ihm –
und er ist gekommen
suchend Frucht an ihm
und nicht
(s) fand er.

7 Er sprach aber zu dem Weinbergwirker (= Winzer)
Siehe! drei Jahre schon komme ich – 
suchend Frucht an dem Feigenbaum – diesem (da)
und nicht
(s) finde ich;

hau heraus also diesen!
wozu auch soll er die Erde aussaugen?

8 Der aber antwortend sagt zu ihm:
o Herr,
lasse
/ erlasse/ gestatte/ verlasse ihn (auch) dieses (folgende) Jahr,
solange während/ bis  ich umgraben möge um ihn herum
und werfe Mist
(als Dünger),

9 und wohl/ vielleicht aber tut/ macht er Frucht
in dem zukünftigen
wenn aber nicht, dann wirst
/ magst du heraushauen ihn. 

* * *

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Bild zur Meditation:

In den Dornen der Not – das Feuer der Liebe Gottes

Dornbusch-ex3a

Mose vor brennendem Dornbusch, Grafik von G. M. Ehlert, 17.03.2019

Wer es mit dem lebendigen Gott zu tun bekommt,
der steht in einer Feuerzone…

wie Mose,
der in der Wüste am Gottesberg
einen brennenden Dornbusch sieht
und aus der Feuerflamme
den Anruf Gottes hört.

Aus den Dornen der Not…
– spricht der Gott des Lebens:

יהוה

=  J H W H  = ICH BIN DA – bei euch.

I.CH bin da = Jesus Christus, die menschgewordene Liebe Gottes…

* * *

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Impulse

„Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde,
heute wird getan oder auch vertan,
worauf es ankommt, wenn ER kommt!“

Feigenbaum

Gnadenfrist für unfruchtbaren Feigenbaum, Grafik von G. M. Ehlert

 * * *

Lk 13,6-9 – Gleichnis Jesu vom gutmütigen Winzer angesichts des unfruchtbaren Feigenbaums
I. Thema:
Immer wieder warnt Jesus seine Jünger vor einer vorschnellen Verurteilung.
Er schenkt den Menschen eine „Gnadenfrist“.
Zugleich mahnt er die Menschen zur Umkehr, bevor es zum (End-)Gericht kommt.

II. Variationen der Interpretation (teils waghalsig und gefährlich):
a)
Der unfruchtbare Feigenbaum sind wir selbst.
Der Weinbergbesitzer (= unser „Herr“) verlangt mit Recht Fruchtbarkeit unseres Lebens.
Der Winzer (= der barmherzige Jesus) erbittet für uns eine Gnadenfrist
und ermahnt uns: „Besinnt euch und bringt Früchte der Umkehr, sonst werdet ihr nach der „Gnadenfrist“ aus dem Weinberg entfernt.“

b)
Der unfruchtbare Feigenbaum sind „die anderen“ (die verstockten Sünder, die Gegner Jesu, „die Juden“…)
Jesus sagt uns – seinen Jüngern: „urteilt nicht, damit auch ihr nicht verurteilt werdet.“
Jesus, der gutmütige Winzer, gibt den Menschen immer noch eine Chance,
bis von Gott her der Tag des Gerichtes kommt, auch wenn er weiß, dass einige diese Chance zur Umkehr und Bekehrung nicht zu nutzen wissen. Er nimmt es dabei in Kauf, dass durch diese Gutmütigkeit den benachbarten Weinreben Kraft aus dem Boden entzogen wird.

c)
Der Weinberg = ein Bild für Israel, in dessen Mitte eingepflanzt
ein Feigenbaum = ein Bild für den Jerusalemer Tempel.
Derjenige, der nun schon 3 Jahre kommt = ein Bild für Christus.
Er findet, dass der Jerusalemer Tempelkult unfruchtbar ist; er bringt lediglich „Feigenblätter“ hervor, mit denen die geistliche Blöße notdürftig bedeckt wird.
Jesus spricht = in seiner Botschaft von der Umkehr –
auch zu den Verantwortlichen in Israel = Hohepriester, Schriftgelehrte u. Pharisäer –
von der Notwendigkeit, Früchte des Glaubens hervorzubringen.
Obwohl eine „Gnaden-frist“ gewährt wird,
bleibt der Tempelkult unfruchtbar – auch die Austreibung der Geldwechsler u. Händler aus dem Tempel durch Jesus wird nicht als Zeichenhandlung für die erforderliche Umkehr erkannt.
Die Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahr 70 n. Chr. kann als Erfüllung der Prophetie Jesu gesehen werden.

d)
Im Lukasevangelium steht diese Parabel im Kontext der Zeit der Entscheidung:
Jesu Wirken führt zur Entscheidung, zur Spaltung bis in die Familien hinein (Lk 12,49-53)
Er mahnt, nicht nur die Zeichen der Natur, sondern auch die Zeichen der Zeit richtig zu deuten (Lk 12,54-57) und die richtigen Schlussfolgerungen daraus zu ziehen (Lk 12,58-59).
Jesus stellt das verbreitete Urteilsmuster, dass ein Unheil die Strafe für begangenes Unrecht sei, in Frage (Lk 13,1-5) und der Evangelist Lukas unterstreicht mit der angefügten Parabel (Lk 13,6-9), die mahnende Botschaft Jesu, umzukehren solange noch Zeit dafür ist.

e)
weitere Varianten z.B. im Blick auf die Kirche und Gesellschaft unserer Zeit…

 * * *

Lukasevangelium: 12,54 – 13,9 erzählt von der Gnadenfrist, die uns geschenkt wird,
um das zu tun, worauf es ankommt.

Gnaden-Frist

Irgendein Weinbergbesitzer
schaut auf die Effizienz – auf den bestmöglichen Ertrag seines Weinberges.
Für ihn ist ein fruchtloser Feigenbaum darin nutzlos – ja schädlich.
Hau ihn heraus! – sein Auftrag an den Weinbergarbeiter.

Dieser Weinbergarbeiter jedoch
schaut auf den Feigenbaum, den er trotzdem mag.
Für ihn ist dieser Feigenbaum inmitten des Weinbergs nützlich,
weil er in seinem Schatten gut ausruhen kann…

Er setzt sich für den fruchtlosen Feigenbaum ein
und erwirkt vom Weinbergbesitzer eine Gnaden-frist.
Diese Zeit will er nutzen, für den Feigenbaum bestmögliche Bedingungen zu schaffen,
endlich Frucht hervorzubringen.

Doch uns zur Warnung wird gesagt:
Es gibt dennoch – bei aller Gnaden-frist – ein „zu spät“.
Darum ergreife die Chance, die deine Lebenszeit dir bietet,
kehre um! und bringe in deinem Leben Frucht hervor.

G. M. Ehlert zu Lk 12,6-9

* * *

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Links:

–> zur 1. Lesung: –> zum Gottesnamen JHWH

–> zum Antwortpsalm: Psalm 103: „Hohelied der Barmherzigkeit Gottes“ 

–> 2. Lesung: 1 Kor 10,1-14 Warnung vor Glaubensabfall (Studienübersetzung)

–> zum Evangelium: Lk 12,54 – 13,9: Gnadenfrist
–>   siehe auch zum Gleichnis vom Feigenbaum: „Feigenbaum

–> zu den Liturgischen Texten siehe auch Schott: 3. Fastensonntag i.J. C

Gedenktage:

– 25. März: Verkündigung des Herrn = Hochfest
– 26. März: Liudger =
1. Bischof von Münster = g/ Hochfest im Bistum Münster

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In rechter Ordnung lerne Jesu Passion“ –
Die Namen der Sonntage der Fastenzeit / Passionszeit:
1. Fastensonntag: Invocabit
2. Fastensonntag: Reminiscere
3. Fastensonntag: Oculi
4. Fastensonntag: Laetare
5. Fastensonntag: Iudica
Palmsonntag: Palmarum
Ostern: Resurrexi

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

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Stand: 14. März 2022

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