14. Sonntag B

14. Sonntag im Jahreskreis B

Sonntag, 4. Juli 2021

1. Lesung: (Ez 1,28b – 2,5) (An-)erkennen, dass mitten unter ihnen ein Prophet war
2. Lesung: (2 Kor 12,7-10) (An-)erkennen, dass Gottes Gnade dir genügt…
Evangelium: (Mk 6,1b-6) Angehörige erkennen Jesu wahres Wesen nicht an

„Ist das nicht der Zimmermann,
der Sohn der Maria?“

Liturgische Texte zum 14. Sonntag i. J. B

Eröffnungsvers: (Ps 48,10-11)
Deiner Huld, o Gott, gedenken wir in deinem heiligen Tempel.
Wie dein Na, Gott, so reicht dein Ruhm bis an die Enden der Erde;
deine rechte Hand ist voll von Gerechtigkeit.

Tagesgebet
Barmherziger Gott,
durch die Erniedrigung deines Sohnes
hast du die gefallene Menschheit wieder aufgerichtet
und aus der Knechtschaft der Sünde befreit.
Erfülle uns mit Freude über die Erlösung
und führe uns zur ewigen Seligkeit.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

ERSTE Lesung aus dem Buch des Propheten Ezechiel (Ez 1,28b – 2,5)
Sie sind ein widerspenstiges Volk, sie werden erkennen müssen, dass mitten unter ihnen ein Prophet war

Antwortpsalm Ps 123,1-2.3-4
Unsere Augen schauen auf den HERRN, unsern Gott, bis er uns gnädig ist.

–> zu Psalm 123: Aufblick zum gnädigen Gott

ZWEITE Lesung aus dem 2. Korintherbrief (2 Kor 12,7-10)
Ich will mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt

Ruf vor dem Evangelium (vgl. Lk 4,18ab)
Halleluja. Halleluja.
Der Geist des HERRn ruht auf mir:
Der HERR hat mich gesandt,
den Armen die Frohe Botschaft zu bringen.
Halleluja.

Evangelium nach Markus (Mk 6,1b-6)
Nirgends hat  ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat

–> zu Mk 6,1-6: Jesus in der Synagoge in Nazaret (14. S. i. J. B)

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Evangelientext Mk 6,1-6 Studienübersetzung G. M. Ehlert

Ablehnung Jesu in Nazaret (Mk 6,1-6)

1. Und er (= Jesus) ging weg von dort
und er kommt hinein in seine Vaterstadt,

und es folgen ihm die Jünger von ihm.

2. Und als es geworden war Sabbat
begann er zu lehren in der Synagoge
und viele Hörende gerieten aus der Fassung
sagend:
„Woher (hat) dieser dieses,
und wer/ was (ists) die Weisheit
die gegeben wurde diesem,
und die Machttaten/ Vollmacht so beschaffene
durch die Hände von ihm geschehen?

3. Ist nicht dieser der Bauarbeiter/ Zimmermann,
der Sohn der Maria*
und Bruder** von Jakobus und Joses und Judas und Simon
und sind nicht die Brüderinnen*/ Schwestern von ihm hier bei uns?“

* es ist biblisch einmalig, dass jemand „der Sohn der Mutter…“ genannt wird.
Üblich ist es jemanden als „Sohn des Vaters…“ zu bezeichnen.
(= ein indirekter Hinweis auf die Jungfrauengeburt)
** „adelphos = wörtl. „aus einem (Mutter-)Schoß“
= Geschwister, aber auch „nahe Verwandte“

Und sie nahmen Anstoß an ihm.

4. Und es sagte der Jesus zu ihnen (folgendes):
„Nicht ist ein Prophet ungeehrt
außer in der Vaterstadt von ihm
und bei den Verwandten von ihm
und in dem Haus/ der Hausgemeinschaft von ihm.“

5. Und nicht eine Macht-tat konnte er dort tun,
außer dass er wenigen Kranken auflegte die Hände – sie heilend.

6. Und er verwunderte sich wegen des Unglaubens von ihnen.

Und er zog durch die Dörfer im Umkreis lehrend.

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Bild zur Meditation:

„Der Geist des HERRN ruht auf mir.“

mk-6.1-6

Skizze zu Mk 6,1-6 von G. M. Ehlert

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Gedanken zum Evangelium: 

„Ist das nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria…?“

zu Mk 6,1-6 vgl. Mt 13,54-58; Lk 4,16-30

“Die Weisheit des Schriftgelehrten vermehrt das Wissen.
Wer frei ist von Arbeit, kann sich der Weisheit widmen.“ (Sir 38,24)

„Jesus kam in seine Heimatstadt“
Nazareth, in Untergaliläa, etwa 100 km Luftlinie nördlich von Jerusalem in einem Talkessel (343 m hoch) am Fuß des Nebi Sain (488 m) gelegen, – heute eine Stadt von 120.000 Einwohnern – war damals ein unbekanntes und abseits der Verkehrsstraßen liegendes Dorf. Seine Vergangenheit war so wenig berühmt, dass es mit keinem Wort im Alten Testament erwähnt wird.

„seine Jünger begleiteten ihn“
Dass Jesus von Jüngern begleitet ist, erweist ihn als einen, der es zu einem angesehenen Rabbi gebracht hat.

„Am Sabbat lehrte er in der Synagoge“
Jesus beginnt auch in seinem Heimatort am Sabbat in der Synagoge zu lehren.

„ „staunten“
Wortgetreue Übersetzung: sie gerieten außer sich, sie gerieten aus der Fassung.

„und sagten: Woher hat er das alles?“
Die Übersetzung des griechischen Wortes für „woher“ hat auch die Bedeutung „aus welcher Quelle“, „von wem“.

„Was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist“
Hier handelt es sich um eine Passivformulierung, die Gott nicht nennt, aber meint. Das ist eine Umschreibung des Gottesnamens, um den Gottesnamen nicht aussprechen zu müssen. Das heißt, die Weisheit ist ihm von Gott gegeben.

„Und was sind das für Wunder, die durch ihn geschehen“
Wortgetreue Übersetzung: und solche Kräfte, solche Machttaten durch seine Hände (= durch seine Handauflegung) geschehene.
Diese „Eigenschaften“ (Weisheit und Machttaten) verweisen eigentlich in den Bereich Gottes, womit sich die Fragen selbst beantwortet hätten. Nach Jesaja 11,2 verleiht Gott diese Fähigkeiten dem Messias: „Der Geist des Herrn lässt sich nieder auf ihm (= auf dem Messias): der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht.“
Das Staunen (= das Außer-sich-geraten) der Leute von Nazareth jedoch über Jesu Weisheit und Machttaten schafft kein Vertrauensverhältnis, das zum Glauben an ihn führen könnte.

„Ist das nicht der Zimmermann“?
Die Berufsbezeichnung „téknon“ (griech.) ist treffender mit „Bauarbeiter“ als mit dem bekannten „Zimmermann“ zu übersetzen. Holz war in dieser Gegend Mangelware. Jesus zog vermutlich „berufsbedingt“ umher und arbeitete auf den „Großbaustellen“ seiner Zeit. Solche Baustellen gab es beispielsweise in der Residenzstadt Sepphoris, die ca. eine Stunde Fußmarsch von Nazareth entfernt lag, oder auch in Tiberias, das 17-22 n.Chr. als neue Hauptstadt ausgebaut wurde. Durch die Berufsbezeichnung wird deutlich, dass Jesus nicht aus der Bildungselite stammt.

„der Sohn der Maria“
Die Bezeichnung nach der Mutter ist für die damalige Zeit sehr ungewöhnlich. Üblicherweise trägt der Sohn den Namen des Vaters.
Diese Benennung könnte damit erklärt werden, dass der Vater Jesu, der im Markusevangelium nie erwähnt wird, verstorben ist. Aber auch dann ist diese Herkunftsangabe auffällig. Zweitens könnte mit der Nichterwähnung eines irdischen Vaters auf die jungfräuliche Empfängnis angespielt sein. Für Markus stellt sich vermutlich die Frage über Empfängnis und Geburt Jesu nicht, jedoch für Matthäus (Mt 1,18-25) und für Lukas (Lk 1,26-38; 2,1-20). Eine dritte Erklärung für „Sohn der Maria“ ist, die Bezeichnung als „Schimpfwort“ zu verstehen. Mit der Verwendung dieser Benennung wurde meist auf eine uneheliche Herkunft und Geburt angespielt.

„und der Bruder von Jakobus, Joses, Judas und Simon?
Leben nicht seine Schwestern hier unter uns?“

Hatte Jesus Geschwister?
Hier werden vier Brüder genannt (Jakobus, Joses, Judas, Simon sind alttestamentliche Namen von 4 Stammvätern des Volkes Israel: Jakobus als Stammvater der zwölf Stämme des Volkes Israel und drei seiner Söhne – Joses steht für Josef. Und auch Schwestern werden hier erwähnt.
Die Alte Kirche deutet die Geschwister im Anschluss an Hieronymus als Vettern oder Halbgeschwister Jesu aus erster Ehe Josefs. Für Markus stellten sich solche Fragen vermutlich noch nicht und er dürfte an leibliche Geschwister Jesu gedacht haben.
Jesus hingegen „definiert“ seine Familie im Markusevangelium neu: Seine Mutter, seine Brüder und Schwestern sind die, die das Wort Gottes hören und tun.
Historisch eineindeutig lässt sich weder die eine noch die andere Meinung bezüglich der Geschwister Jesu beweisen.

„Und sie nahmen Anstoß an ihm und lehnten ihn ab“
Die Beziehung zwischen Jesus und seiner Familie wird im Markusevangelium als eine schwierige dargestellt (Mk 3,20f.31-35); sie halten Jesus für verrückt (Mk 3,21). Die Menschen in Nazareth schließen sich dem „Urteil“ der Verwandten Jesu an. Jesus sei nur „einer von ihnen“, daher können seine Worte und Taten nicht göttlichen Ursprungs sein. Die Reaktion auf Jesus ist offene Ablehnung. In den Augen der Bewohner von Nazareth ist er nur ein Bauarbeiter und nur der Sohn Marias. Sie erkennen das wahre Wesen Jesu nicht.

„Und er konnte dort kein Wunder tun“
Das Wirken Gottes setzt beim Menschen Vertrauen, Glauben und Offenheit zu Gott voraus.

„Und er wunderte sich über ihren Unglauben“
Wortgetreue Übersetzung des griechischen Textes: Und er staunte wegen ihres Unglaubens.
Staunen ist normalerweise die Reaktion der Menschen nach einer Machttat Jesu.
Hier staunt Jesus wegen des Unglaubens der Bewohner von Nazareth.

Jesus zog durch die benachbarten Dörfer und lehrte
Die Leute in seiner Heimat haben Jesus abgelehnt. Jesus hat ihnen ihre Freiheit gelassen und sie nicht bedrängt. Er hat Nazareth verlassen und ging in andere Orte zu anderen Menschen, wo er aufgenommen wurde.
Damit gibt Jesus ein Lehrbeispiel für rechte Mission.

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Impuls/ Gebet:

Gott,
wir haben Jesus, deinen Sohn, kennengelernt
im Religionsunterricht und in der Kirche
als einen Wundertäter und Weisheitslehrer.
Anders als die Zeitgenossen Jesu aus Nazaret,
die mit ihm im Sandkasten gespielt haben,
sind wir verwundert,
dass er in unserer Zeit keine Wunder wirkt.
Ist er nicht dein Sohn, der alles vermag?

Vielleicht sollten wir uns fragen:
Sind wir nicht seine Schwestern und Brüder?
Hat er uns nicht von seinem Lebensgeist gegeben?
Erwartet er nicht von uns heilsame und aufrichtende Taten?
Kann er in unserer Zeit vielleicht keine Wunder wirken,
solange wir nicht mitwirken am Aufbau seines Reiches der Gerechtigkeit und Liebe?

Gott,
erfülle du uns mit deinem lebendigen Geist,
mit dem Geist deines Sohnes,
damit wir wirken, wie du es von uns erwartest.
Amen.

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Links:

Gedenktage: 

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

Stand: 03.07.2021

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