25. Sonntag A

25. Sonntag im Jahreskreis A

Sonntag, 20. September 2020

1. Lesung: (Jes 55,6-9) Gottes Handeln übersteigt menschliche Berechnung...
2. Lesung: (Phil 1,20ad-24.27a) Für mich ist Christus das Leben…
Evangelium: (Mt 20,1-16a,) Mehr als ein gerechter Lohn…
Liturgische Texte zum 25. Sonntag A
Eröffnungsvers Das Heil des Volkes bin ich – so spricht der HERR: In jeder Not aus der sie zu mir rufen, will ich sie erhören. Ich will ihr Herr sein für alle Zeit.
Tagesgebet: Heiliger Gott, du hast uns das Gebot der Liebe zu dir und zu unserem Nächsten aufgetragen als die Erfüllung des ganzen Gesetzes. Gib uns die Kraft, dieses Gebot treu zu befolgen, damit wir das ewige Leben erlangen. Darum bitten wir durch Jesus Christus…
Erste Lesung: aus dem Buch Jesája (Jes 55,6-9) Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken
Antwortpsalm: Ps 145.2-3.8-9.17-18 Der HERR ist nahe allen, die zu ihm rufen

–> siehe auch: Ps 145: „ABC des Lobpreises der Größe und Güte Gottes


Zweite Lesung: aus dem Brief des Apostels Paulus an die Philipper (Phil 1,20ad-24.27a) Für mich ist Christus das Leben
Ruf vor dem Evangelium (vgl. Apg 16,14b) Halleluja! Halleluja! HERR, öffne uns das Herz, dass wir auf die Worte deines Sohnes hören. Halleluja!
Evangelium: nach Matthäus (Mt 20,1-16a) …oder bist du neidisch, weil ich zu anderen gütig bin?

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Evangelientext Mt 20,1-16: (Arbeitsübersetzung G. M. Ehlert)

Gerechter Lohn für die Arbeit im Weinberg des Herrn

Petrus sagt:

„Jesus, Du weißt, wir haben alles verlassen

und sind dir nachgefolgt.

Was werden wir dafür bekommen?“

… und Jesus erzählte dieses Gleichnis:

1 „Denn gleich ist das Königtum der Himmel… (einem) welcher herauskam gleich in der Frühe, zu mieten Arbeiter in seinen Weinberg.

2 Übereinkommend aber mit den Arbeitern auf einen Denar den Tag, schickte er sie in seinen Weinberg.

3 Und herauskommend um die dritte Stunde, sah er andere untätig stehend auf dem Markt,

4 und zu jenen sprach er: ‚Geht auch ihr in den Weinberg, und was immer gerecht ist, werde ich euch geben!‘

5 Die aber gingen hin.

Wieder [aber] herauskommend um die sechste und neunte Stunde, tat er ebenso.

6 Um die elfte aber herauskommend, fand er andere stehend, und er sagt ihnen:

‚Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig?‘

7 Sie sagen ihm: ‚Weil keiner uns mietete.‘

Er sagt ihnen: ‚Geht auch ihr in den Weinberg.‘

8 Als es aber Abend geworden war, sagt der Herr des Weinbergs seinem Verwalter:

‚Ruf die Arbeiter und erstatte ihnen den Lohn, beginnend bei den Letzten bis zu den Ersten!‘

9 Und kommend die um die elfte Stunde, empfingen sie je einen Denar.

1 Denar = der Lohn eines Tagelöhners mit dem „das tägliche Brot“ für seine Familie für einen Tag bezahlt werden kann.

10 Und kommend meinten die Ersten, dass mehr sie empfingen;

und es empfingen [den] je einen Denar auch sie.

11 Empfangend aber murrten sie gegen den Hausherrn,

12 sagend: ‚Diese Letzten – eine Stunde machten sie, und gleich machtest du sie uns, die wir trugen die Last des Tages und die Hitze.‘

13 Der aber, antwortend, sprach zu einem von ihnen: ‚Freund, nicht tue ich Unrecht dir; kamst du nicht auf einen Denar überein mit mir?

14 Nimm den deinen und geh! Ich will aber diesem Letzten geben wie auch dir.

15 [Oder] ist mir nicht erlaubt, was ich will, zu tun mit dem Meinen?

Oder ist dein Auge böse, weil ich gut bin?‘

16 So werden sein die Letzten Erste und die Ersten Letzte.“

(Mt 20,1-16)


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Bild zur Meditation:

„Oder bist du neidisch, weil ich zu anderen gut bin?“

weinberg-arbeiter
„Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart?“ (Mt 20,13) – Grafik von G. M. Ehlert

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Bildlegende: –> siehe Impuls

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Impuls:

„…oder ist dein Auge böse, weil ich gut bin?“

1. Das ist doch ungerecht…

welcher Lohn wäre denn gerecht? gleicher Lohn für gleiche Arbeit
  • also: wer 1 Stunde arbeitet, bekommt nur 1/12 dessen, der 12 Stunden arbeitet?
  • oder: wer in 1 Stunde so viel arbeitet, wie andere in 12 Stunden – sollen beide das Gleiche bekommen?- soll der mehr Lohn bekommen, der sich mehr bemüht hat?- soll mitberücksichtigt werden, ob einer Frau und Kinder von dem Lohn seiner Arbeit mitversorgen muss?
  • oder: welcher Lohn ist sozial gerecht?
  • oder: welcher Lohn wird dem Menschen gerecht?

2. Das bessere Los – Arbeiter der 1. oder der 12. Stunde?

Was würden Sie mit Blick auf das heutige Evangelium wählen: lieber Arbeiter der 1. Stunde oder Arbeiter der 12. Stunde zu sein. Vorrang für schnell verdientes Geld? – oder: Vorrang für Arbeit? Arbeiter der 1. Stunde – zwar mühevolles Arbeiten – aber die Gewissheit, am Abend seine Familie ernähren zu können: „Mein Leben für diesen Tag ist gesichert“ Arbeiter der 12. Stunde – zwar wenig mühevolle Arbeit – aber 11 Stunden lang die bedrängende Sorge, ob es für die Familie an diesem Tag „das tägliche Brot“ geben wird. Der Blick des Neides verzerrt die Wirklichkeit und hat keinen Blick mehr für die Barmherzigkeit des Gutsherrn, die über die Gerechtigkeit hinausgeht angesichts der Nöte der betroffenen Menschen:

3. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt

Ein Blick auf den Arbeitsmarkt damals: Es gab: Selbständige; fest Angestellte oder Tagelöhner Die meisten waren Tagelöhner. Das bedeutet aber: Ein Taglöhner wurde jeden Tag, wenn er sich morgens angestellt hatte auf dem Marktplatz (dem damaligen „Arbeitsamt“), für einen Tag zur Arbeit angeworben. Das bedeutet eine total ungesicherte Existenz. So ein Mann, so ein Familienvater weiß ja nicht, ob er morgen jemanden findet, der ihn anwirbt, der ihm Brot gibt. Eine total ungesicherte Existenz, diese Situation des Arbeitslosen und des Tagelöhners. In diese Situation passt die Vater-unser-Bitte: „Unser tägliches Brot gib uns heute“ genau hinein.

4. Ein ungewöhnlicher Arbeitgeber

Wenn hier in dem Gleichnis Jesu der Gutsbesitzer allen einen Denar gibt, dann bedeutet das: Jeder, der in seinem Weinberg gearbeitet hat, hat so viel bekommen, dass er für einen Tag seine Familie ernähren kann, nicht mehr und nicht weniger. Letztlich steht hinter dieser Haltung des Gutsbesitzers die Erfüllung der Vater-unser-bitte: Gib uns heute das, was wir für diesen Tag nötig haben. Genau das tut der Gutsbesitzer hier.
So handelt Gott
Dieser Gutsbesitzer ist zu jedem Einzelnen so gut, dass er dafür sorgt, dass die Familie am nächsten Tag etwas zu essen hat. So handelt Gott:
  • gerecht: Er steht zu seinem Bund
  • und barmherzig: Er gibt auch denen, das zum Leben Notwendige, die keine entsprechende Leistung erbringen können

5. Wir = die Verwalter des göttlichen Vermögens

Am Ende dieses Gleichnisses ist es eigenartig. Der Gutsbesitzer ist zwar selber hingegangen zum Marktplatz und hat die Leute angeworben, aber er zahlt ihnen nicht selber den Lohn aus, das überlässt er seinem Verwalter. Mit diesem Gutsbesitzer ist ja Gott gemeint. Könnte es sein, dass wir die Verwalter sind, denen Gott anvertraut, den Lohn auszuzahlen an die Menschen heute? Dann ist die Frage, zahlen wir den Lohn, indem wir berechnend sind, oder zahlen wir den Lohn aus entsprechend dem gütigen Herzen Gottes? – aus dem Geist der Caritas? Es ist zwar zu verstehen, dass sich Ärger über so viel großzügige Güte verbreitet, aber die Frage „Bist du etwa neidisch, weil ich zu anderen gütig bin?” entwaffnet die Verärgerten. Sich mitfreuen können oder sich von großzügiger Güte anstecken lassen, sind Alternativen zum Murren und zum Ärger.

Alternative Wege gehen Frauen und Männer, die in Einsätzen, Gebeten und Spenden Herz zeigen und Hände öffnen.

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Gebet:
Mein Herr und mein Gott, du hast mich geschaffen, was ich bin und habe, kommt allein von dir. Doch es ist meine Entscheidung, was ich mit den Gaben mache, dir du mir geschenkt hast. Vertue ich sie nutzlos, oder bin ich bereit, sie in deinen Dienst zu stellen? Herr, ich stehe vor dir mit offenen Händen, fülle du sie mit deinen Gaben. Nimm mich an der Hand und führe mich an den Ort, an dem du mich brauchst. Lass mich in deinem Weinberg den Dienst tun, für den du mich brauchst. Amen.
(Hildegard von Bingen)

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Links: –> –> Liturgische Texte – siehe Schott Messtexte zum 25. Sonntag im Jahreskreis A
–> siehe auch:

Drei Weinberggleichnisse Jesu: 25. Sonntag im Jahreskreis A = 20. Sept. 2020 (Mt 20,1-16) Gerechter Lohn für die Arbeit im Weinberg des Herrn


26. Sonntag im Jahreskreis A = 27. Sept. 2020 (Mt 21,28-32)


27. Sonntag im Jahreskreis A = 4. Okt. 2020 (Mt 21,33-44)

  • Was ist der rechte Lohn für die Arbeit im Weinberg des Herrn? Für die Arbeit am Reich Gottes gilt: Jeder bekommt einen Denar d.h. soviel, dass er und seine Familie jeden Tag genug hat für das tägliche Brot. Mt 20,1-16 = 25. Sonntag im Jahreskreis A: –> arbeiter-im-weinberg-des-herrn-mt-201-16/ und tageslohn/
weinberg-arbeiter

„Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart?“ (Mt 20,13) – Grafik von G. M. Ehlert

  • Wer erfüllt den Auftrag der Arbeit im Weinberg? Für die Arbeit am Reich Gottes gilt: Nicht fromme Absichtserklärung, sondern tatkräftiger Einsatz erfüllt den Willen des himmlischen Vaters. Mt 21,28-32 = 26. Sonntag im Jahreskreis A: –> gottes-willen-tun/
mt 21,28-32

„Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters getan?“ (Mt 21,31) – Grafik: „Ja-Sager u. Ja-Wirker“ (c) G.M. Ehlert, 24. Sept. 2008

  • Wer ist tauglich für die Arbeit „im Weinberg des Herrn“? Nur wer bereit ist, Gott den erwarteten Anteil der Früchte zu bringen, dem kann die Sorge um die Menschen im Reich Gottes anvertraut werden. Mt 21,33-44 = 27. Sonntag im Jahreskreis A: –> Mt 21,33-46
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„Böse Winzer“ – Bild zu Mt 21,33-44; (c) G. M. Ehlert

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Gedenktage: – 14. Sept. Fest Kreuzerhöhung – 15. September: Gedächtnis der Schmerzen Mariens = G – 17. September: Hildegard von Bingen (Kirchenlehrerin) = g – 17./18. September: Lambertus = g

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

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Stand: 13.09.2020

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