24. Sonntag A

24. Sonntag im Jahreskreis A

Sonntag, 13. September 2020

1. Lesung: (Sir 27,30 – 28,7) Vergib deinem Nächsten, dann wird auch dir vergeben...
2. Lesung: (Röm 14,7-9) Ob wir leben oder sterben, wir gehören dem Herrn…
Evangelium: (Mt 18,21-35) Wie oft muss ich vergeben?…
Liturgische Texte zum 24. Sonntag A
Eröffnungsvers (vgl. Sir 36,18.21-22) HERR, gib Frieden denen, die auf dich hoffen, und erweise deine Propheten als zuverlässig. Erhöre das Gebet deiner Diener und deines Volkes.
Tagesgebet: Gott, du Schöpfer und Lenker aller Dinge, sieh gnädig auf uns. Gib, dass wir dir mit ganzem Herzen dienen und die Macht deiner Liebe an uns erfahren. Darum bitten wir durch Jesus Christus…
Erste Lesung: aus dem Buch Jesus Sirach (Sir 27,30 – 28,7) Vergib deinem Nächsten das Unrecht, dann werden dir, wenn du betest, auch deine Sünden vergeben
Antwortpsalm: Ps 103,1-2.3-4.9-10.12-13 Gnädig und barmherzig ist der HERR, voll Langmut und reich an Güte.

–> siehe auch: Ps 103: „Hohelied der Barmherzigkeit Gottes


Zweite Lesung: aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer (Röm 14,7-9) Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Hertrn
Ruf vor dem Evangelium (Joh 13,34) Halleluja! Halleluja! So spricht der Herr: Ein neues Gebot gebe ich euch: Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben! Halleluja!
Evangelium: nach Matthäus (Mt 18,21-35) Nicht nur siebenmal musst du vergeben, sondern siebenundsiebzigmal

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Evangelientext (Mt 18,21-35) (Arbeitsübersetzung G. M. Ehlert)
Dann – herzugekommen der Petrus sprach zu ihm: „Herr, wie oft – es wird sich vergehen gegen mich der Angehörige (=Bruder, Schwester…) mein – und/ auch ich werde/ soll vergeben ihm (darf ich sagen) bis siebenmal?“ Es sagt zu ihm der Jesus: „Nicht – sage ich dir – bis siebenmal, sondern bis siebzigmal und sieben.“*

* Dieses Zahlenspiel 7-mal und 77-mal bezieht sich auf Gen 4,24: „Wird Kain siebenfach gerächt, dann Lamech siebenundsiebzigmal.“ – Dem Übermaß der Rache stellt Jesus das Übermaß der Vergebung gegenüber.


Durch dieses ist gleichgemacht worden die Herrschaft der Himmel einem Menschen – Herrscher, der willens war zusammenzuerheben (das) Wort (= Rechenschaft) mit den Knechten (= Beamten, Ministern) von ihm.
Anfangend aber derselbe zusammenzuerheben/ Abrechnung zu halten man brachte zu ihm einen – Schuldner zehntausender/ von zehntausend Talenten.

1 Talent = 6.000 Denare; 10.000 Talente ca 4 Milliarden €; zum Vergleich: das Jahreseinkommen von Tetrachen Herodes betrug ca. 200 Talente


Nicht vermögend aber er selbst herauszugeben, der Herr befahl, zu verkaufen ihn und die Ehefrau und die Kinder und alles – so viel er hatte und abgegeben zu werden (ihm).
Zu Boden werfend also der Knecht (= Beamte, Minister) ihm unterwürfig, sagte er: „sei geduldig (wörtl. lang entfernt von Zorn erfüllt werdend) mit mir, und alles werde ich abgeben dir.“
Mitleid empfindend aber der Herr dieses Knechtes ließ ihn los und/ auch das Darlehn erließ er ihm.
Aber herausgekommen der Knecht, (= Beamte, Minister) jener fand einen seiner Mitknechte, der ihm schuldete hundert Denare*;

*100 Denare entspricht etwa dem Arbeitslohn von 4 Monaten


und ihn ergriffen habend, würgte er ihn sagend: „Gib heraus, alles, was du schuldig bist.“
Zu Boden werfend also der Mitknecht/ Mitarbeiter er bat ihn sagend: „sei geduldig (wörtl. lang entfernt von Zorn erfüllt werdend) mit mir, und ich werde es abgeben dir.“
Der aber war nicht willens, sondern warf ihn in das Gefängnis bis er abgeben würde, das Verpflichtetwordene.
Gesehen habend also die Mitknechte/ Mitarbeiter von ihm das Gewordene wurden sie bestürzt heftig, und kamen zurück genau zu schildern dem Herrn von ihnen alles Gewordene.
Darauf ruft ihn herbei der Herr selbst spricht zu ihm: „Knecht, du böser! Alle deine Verpflichtungen habe ich erlassen dir, weil du mich (zu Hilfe) herbeigerufen hast. Ziemt es sich nicht (war es nicht bindend) (dass) auch du dich deines Mitknechtes/ Mitarbeiters erbarmst, so wie auch ich mich deiner erbarmte?“
Und zornerfüllt worden der Herr selbst übergab ihn den Strafvollstreckern solange bis er abgeben (erlassen, vergeben) würde alles das Verpflichtetwordene ((ihm*)).

*Übersetzungsvarianten von Vers 34: a) ihm = dem Mitknecht gegenüber die neue Verpflichtung aufgrund des erhaltenen Schuldenerlasses: „Hättest nicht auch du Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte?“! d.h. dem Mitknecht aus Erbarmen seine Schuld von 100 Denaren zu erlassen oder wenn er auf die Ordnung des Rechtes beharrt – und damit auch seine eigene Begnadigung zurückweist: b) ihm = dem König die 10.000 Talente, die er ihm schuldig wäre (= 200.000 Jahre als Lohnarbeiter = völlig unmöglich!)


Ebenso wird auch der Vater mein – der himmlische, machen (mit) euch, wenn ihr nicht entsendet, (erlasst, vergebt) ein jeder dem Angehörigen (Bruder, Schwester…) von ihm von eurem Herzen aus (den Fehltritt, Fehler, Sünde).
siehe auch: Mt 18,21-35 (Studienübersetzung von G. M. Ehlert)

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Bild zur Meditation:

„Odnung des Rechts : Ordnung der Gnade“

mt-18.21-35a „Ordnung des Rechts : Ordnung der Gnade“ – Zeichnung zu Mt 18.21-35; von G. M. Ehlert, 11.09.2017

Bildlegende: –> siehe Impuls

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Impuls:

Prolog: Petrus fragt, wie oft die Ordnung der Gnade – der Vergebung angewandt werden kann, bevor die Ordnung des Rechts anzuwenden ist: bis zu sieben Mal??? Jesus antwortet: „nicht nur bis zu sieben Mal sondern bis zu 70 und 7 Mal!!!“
Gleichnis Jesu 1. Akt: Ein König setzt einen Termin für einen Rechenschaftsbericht der einzelnen Ministerien an. – Ein Minister wird zu ihm gebracht, dessen Rechenschaftsbericht ein Defizit von 10.000 Talenten (ca. 4 Milliarden €) aufweist. Dieser Minister erfleht eine Fristverlängerung, in der er das gesamte Defizit ausgleichen will (= faktisch total unmöglich). Doch diesem König geht dies so zu Herzen, dass er diesen Minister in Freiheit lässt (er belässt ihn in seinem Amt!) und ihm sogar die gesamte Schuld erlässt. (Dies ist in der Ordnung des Rechts absolut unverständlich, allein in der göttlichen Ordnung der Gnade zu verstehen!)

2. Akt: Dieser begnadigte Minister trifft im Anschluss an seine eigene Begnadigung einen Mitarbeiter in seinem Ministerium, dem er einmal 100 Denare (= 4 Monatsgehälter) geliehen hatte. Von diesem verlangt er nun eine sofortige Zurückzahlung. Als dieser Mitarbeiter von ihm eine Fristverlängerung erfleht, in der er das Geschuldete zurückzahlen will (= realistisch möglich), verweigert es ihm der Minister (wozu er mit Berufung auf die Ordnung des Rechts berechtigt ist!) und lässt ihn gefangen nehmen.
3. Akt: Dieser Vorfall kommt durch andere Mitarbeiter des Ministeriums dem König zu Ohren. Als er ihn zur Rede stellt, reagiert der König (verständlicherweise) empört, denn er hatte erwartet, dass der Minister, bei dem großzügig die göttliche Ordnung der Gnade angewandt wurde, nun auch bereit ist, Gnade vor Recht zu gewähren. Die Konsequenz: Auch bei ihm wird nun nach der Ordnung des Rechts verfahren und er wird gefangen gehalten werden – „solange bis dieser abgeben/ vergelten würde all das Geschuldete – ihm“ (Mt 18,34).
Soll das bedeuten, bis er die ganze Schuld (= 10.000 Talente) bezahlt habe – ihm, dem König?(Bei einem normalen Arbeitseinkommen würde das ca. 200.000 Jahre dauern – das wäre „die Hölle“) – Nein, denn der König hatte ihm ja seine Schuld geschenkt! oder soll das bedeuten, bis er die ganze Schuld (= 100 Denare) abgegeben/vergolten habe – ihm, dem Mitarbeiter? (Damit könnte der Mitarbeiter – entsprechend der Ordnung des Rechts – seine Schuld begleichen und wäre auch wieder frei.) – Ja! Das Gleichnis Jesu lässt jedoch offen, ob der Mitarbeiter dazu bereit ist. Dann wären beide frei.
Epilog des Gleichnisses Jesu: „Ebenso wird mein himmlischer Vater jeden von euch behandeln, der seinem Bruder (seinem Mitmenschen) nicht von ganzem Herzen vergibt.“ (Mt 18,35) Denn: „wie ihr richtet, so werdet ihr gerichtet werden, und nach dem Maß mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden.“ (Mt 7,2)

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Gebet:
Herr Jesus, deine Liebe ist größer als das Meer und höher als die Berge. Deine Liebe lässt sich nicht messen. Sie wird nicht weniger, wenn du sie an die Menschen verschenkst. Du kannst verzeihen und trotzdem bleibt die Gerechtigkeit. Wenn wir dich darum bitten, vergibst du uns und denkst nicht mehr an unsere Schuld. –
Wir aber haben unsere eigene Gerechtigkeit, wir wollen wiegen und messen und jedem seinen Teil zukommen lassen. Wir haben Angst, es würde nicht für alle reichen. Du aber weißt: Je mehr wir schenken, umso größer wird unser Schatz. Wenn wir schenken, dann gibst du uns aus deiner Fülle hinzu, doch wenn wir knausern, zerrinnt uns das wenige, das wir haben, zwischen den Fingern. –
Wann werden wir begreifen, dass unser Rechnen nicht alles erfassen kann und nicht dazu taugt, das zu finden, worauf es wirklich ankommt im Leben? –
Führe uns auf den rechten Weg. Amen.

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Links:

Gedenktage:

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

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Stand: 11.09.2020

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