20. Sonntag A

 

20. Sonntag im Jahreskreis A

Sonntag, 16. August 2020

1. Lesung: (Jes 56,1.6-7) vom Haus des Gebetes für alle Völker...
2. Lesung: (Röm 11,13-15.29-32) vom Erbarmen Gottes zu Heiden u. Juden…
Evangelium: (Mt 15,21-28) vom Lernen Jesu, dass seine heilsame Sendung allen gilt…

Liturgische Texte zum 20. Sonntag A

Eröffnungsvers (Ps 84,10-11)
Gott, du unser Beschützer, schau auf das Angesicht deines Gesalbten.
Denn ein einziger Tag in den Vorhöfen deines Heiligtums
ist besser als tausend andere.

Tagesgebet
Allmächtiger Gott,
wir dürfen dich Vater nennen,
denn du hast uns an Kindes Statt angenommen
und uns den Geist deines Sohnes gesandt.
Gib, dass wir in diesem Geist wachsen
und einst das verheißene Erbe empfangen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus…

Erste Lesung: aus dem Buch des Propheten Jesaja (Jes 56,1.6-7)
Die Fremden bringe ich zu meinem heiligen Berg

Antwortpsalm: (Ps 67,2-3.5.6.8)
Die Völker sollen dir danken, o Gott,
danken sollen dir die Völker alle!

–> Psalm 67: Bitte um Gottes Segen – im Blick auf alle Völker

Zweite Lesung: aus dem Römerbrief (Röm 11,13-15.29-32)
Unwiderruflich sind Gnade und Berufung, die Gott Israel gewährt

Ruf vor dem Evangelium (Mt 4,23b)
Halleluja! Halleluja!
Jesus verkündete das Evangelium vom Reich
und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.
Halleluja!

Evangelium: nach Matthäus (Mt 15,21-28)
Frau, dein Glaube ist groß!

* * *

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Evangelientext (Mt 15,21-28) (Arbeitsübersetzung G. M. Ehlert)

Jesus und der Glaube der kanaanäischen Frau

(vgl. Mk 7,24-30)

Und es zog weg von dort (der) Jesus
entweichend in die Gegend von Tyrus und Sidon.

Und siehe –
eine kanaanäische Frau aus jenem Gebiet kam gelaufen
sie krächzte sagend [zu ihm]:
Erbarme dich meiner, Herr, Sohn Davids!
Meine Tochter wird von einem Dämon besessen.“

Er aber antwortete ihr kein Wort.

Und es traten zu ihm seine Jünger
sie baten ihm sagend:
Entlass sie/ befreie sie:
sie krächzt ja nur hinter uns her.“

Er aber antwortete ihnen sprechend:
Nicht gesandt bin ich
wenn nicht (= nur) zu den verlorengegangenen Schafen
des Hauses Israel.“

Sie aber kam heran
verneigte sich tief vor ihm sagend:
„Herr, hilf mir!“

Er aber antwortete sprechend:
„Nicht recht ist es wegzunehmen das Brot den Kindern
und es hinzuwerfen den Hündlein.“

Sie aber sprach:
„Ja Herr!
auch nämlich die Hündlein essen von den Bröseln,
die von den Tischen ihrer Herren fallen.“

Daraufhin antwortete ihr (der) Jesus sprechend zu ihr:
O Frau, sehr groß ist dein Glaube.
Es geschehe dir, wie du willst.

Und geheilt war ihre Tochter von jener Stunde an.

* * *

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Bild zur Meditation:

„… Frau, dein Glaube ist sehr groß!…“

mt-15.21-28a„Frau, dein Glaube ist groß“ – Grafik zu Mt 15,21-28; von G. M. Ehlert

Bildlegende:

In das „Rund des Geschehens“ dringt eine Frau ein –
blaugekleidet = Zeichen ihres Glaubens –
in der Mitte – in goldgelber Kleidung = Jesus,
er gebietet ihr mit seiner linken Hand Einhalt;
die Frau bringt ja die bisherige „Ordnung“ durcheinander:
auf der rechten Seite (von den Betrachter*innen aus gesehen) = die Welt des jüdischen Volkes – sichtbar an dem „Davidstern“;
auf der linken Seite – die Welt der heidnischen Völker.
Die „Herzmitte des Bildes ist die bildhafte Aussage Jesu,
dass es nicht recht sei, das Brot den Kindern wegzunehmen
und es den Hunden hinzuwerfen.
Doch gerade dieses Bildwort wird zum Schlüssel
für den Gesinnungswandel Jesu:
mit seiner rechten Hand weist er auf das Haus der Frau – darin die kranke Tochter – hin
und spricht das rettende Wort.
Nur mit Strichen angedeutet: das ganze Geschehen wird umfasst von einem Haus =
Ziel ist es, dass unter diesem schützenden Dach des einen Hauses
alle Menschen das Heil erfahren.

* * *

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Impuls:

Mt 15,21-28 – ein Schlüsseltext für die Ausweitung der Sendung Jesu

Im Aufbau des Matthäus- und des Markusevangeliums hat dieser Abschnitt von der Begegnung Jesu mit einer syrophönizischen Frau eine Schlüsselstellung.
Die Begegnung mit einer syrophönizischen Frau im Gebiet von Tyrus und Sidon lässt Jesus neu seinen Auftrag erkennen – nicht nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israels gesandt zu sein.

  • Es beginnt mit dem Bemühen Jesu – zu einem einsamen Ort in Galiläa zu kommen (Mt 14,13; Mk 6,32).
  • Doch die Leute scharen sich um ihn und er heilt viele (Mt 14,13b-14)
    bzw. lehrt sie (Mk 6,33-35);
  • danach erfolgt die große Speisung der 5000 Menschen mit 5 Broten und 2 Fischen und dem Einsammeln der übriggebliebenen Brotstücke – 12 Körbe (= Hinweis auf die 12 Stämme Israels) voll (Mt 14,15-21; Mk 6,35-44).
  • Überfahrt der Jünger u. Nächtliches Gebet Jesu auf einem Berg und Seewandel Jesu folgen (Mk 6,45-52);
    inklusive Petri Gang auf dem See (Mt 14,22-33);
  • Dann folgt ein Sammelbericht über Krankenheilungen (Mt 14,34-36; Mk 6,53-56)
  • Danach erfolgt eine Auseinandersetzung Jesu mit Pharisäern und Schriftgelehrten über Reinheit und Unreinheit als die Jünger Jesu mit ungewaschenen Händen aßen. (Mt 15,1-20; Mk 7,1-23).
  • Es folgt ein Gespräch Jesu mit seinen Jüngern über die erforderliche Reinheit des Herzens.

Danach erfolgt ein Rückzug Jesu ins heidnische Gebiet von Tyrus und Sidon
und die Begegnung mit der syrophönizischen (bzw. kanaanäischen) Frau.
Als Jesus sagt: „Es ist nicht Recht, den Kindern (= Israel) das Brot wegzunehmen und es den Hunden (= Heiden) vorzuwerfen“ entgegnet diese Frau: „Ja Herr, aber auch die Hunde essen von den Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen.“ (Mt 15,21-28; Mk 7,24-30).

  • Dann erfolgt ein Ortswechsel in das (heidnische) Gebiet der Dekapolis – jenseits des Jordans; dort erfolgen weitere Heilungen von Kranken (Mt 14,29-31);
    bzw. Heilung eines Taubstummen (Mk 7,31-37).
  • danach erfolgt die große Speisung der 4000 Menschen mit 7 Broten und einigen Fischen und dem Einsammeln der übriggebliebenen Brotstücke – 7 Körbe (= Hinweis auf die Fülle der Heidenvölker) voll (Mt 15,32-38; Mk 8,1-9).
  • Überfahrt mit dem Boot nach Magadan (Mt 15,39) bzw. Dalmanuta (Mk 8,10)
  • Auseinandersetzung mit den Pharisäern und Sadduzäern – Verweigerung eines Zeichens (Mt 16,1-4; Mk 12,38-39)
  • Abschließend erfolgt bei einer weiteren Überfahrt über den See – als sie vergessen hatten Brot mitzunehmen – ein Gespräch Jesu mit seinen Jüngern über den „Sauerteig der Pharisäer“ mit der Mahnung, sich vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer zu hüten. (Mt 16,5-12; Mk 8,14-21).

Grenzüberschreitungen

1. Jesus entweicht den Auseinandersetzungen mit seinen Gegnern und zieht sich ins benachbarte Ausland zurück.
Er macht „Urlaub“
–> Es ist auch für uns gut, hin und wieder Abstand von den Alltagsauseinandersetzungen zu suchen. –
Doch auch im heidnischen Gebiet von Tyrus und Sidon wird Jesus als der Heiland der Menschen angefragt.

2. Eine heidnische kanaanäische Frau überschreitet die Grenze des Anstandes. Sie ruft Jesus in aller Öffentlichkeit lautstark um Erbarmen an.
–> Auch wir sollten uns aktiv um Hilfe bemühen, wenn wir von Notsituationen erfahren. Auch das inständige Gebet des Glaubens an Gottes Hilfe ist hier gefragt.
Auch wenn wir – wie die heidnische Frau – zunächst keine Antwort bekommen, gilt es beharrlich zu bleiben.

3. Das Verhalten dieser aufdringlichen Frau zeigt, dass sie sich nicht beirren lässt, auch wenn die Jünger sie am liebsten los werden möchten und sogar Jesus abweisend reagiert mit dem Argument, dass er für sie nicht zuständig sei.
–> Beharrlichkeit – immer wieder sein Anliegen vorbringen.

4. Jesus erteilt der bittenden Frau eine harte, beleidigende Abfuhr: „Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden (=Heiden) vorzuwerfen.“
Doch die Frau greift dieses harte Wort auf und wendet es zu ihrem Vorteil: „Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen.“
–> Beharrlichkeit: die Argumente aufgreifen und weiterführen.

5. Dieser beharrliche Glaube dieser heidnischen Frau überwindet die Grenzziehungen Jesu.
Er schenkt ihr seine erbarmende Liebe.
Jesus lernt in dieser Begegnung, dass das Heil, das er verbreitet für Menschen aller Völker gedacht ist.
Gottes Heil gilt über das erwählte Volk Israel hinaus den Menschen aller Völker auch heute.

Wir Menschen ziehen Grenzen – betonen unseren Zuständigkeitsbereich – und grenzen andere aus, die nicht dazugehören.
So war es auch zur Zeit Jesu. Das von Gott auserwählte Volk Israel grenzte sich ab von den Heiden.

Und nun kommt es im heutigen Libanon zu einer Begegnung Jesu mit einer heidnischen kanaanäischen Frau.
Und – das irritiert uns sicherlich – auch Jesus grenzt sich zunächst von dieser Frau ab, die mit einer Bitte um Heilung ihrer Tochter zu ihm kommt. – Er schweigt.

Auf die Unterstützung der Bitte durch die Jünger sagt er sogar: „Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt!“ – Für diese Frau bin ich nicht zuständig.
Und der hartnäckig bittenden Frau sagt er:
„Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den Hunden vorzuwerfen.“ – Oder mit anderen Worten: „Zuerst sind die eigenen Kinder zu versorgen.“

Doch das Vertrauen der heidnischen kanaanäischen Frau ist so groß, dass sie davon ausgeht, dass Jesu heilende Kraft für alle reicht!
Daher entgegnet sie: „Aber selbst die Hunde bekommen von den Brotresten, die vom Tisch ihrer Herren fallen.“

Nun ist der Widerstand Jesu überwunden:
Voller Anerkennung lobt er diese Frau, wegen ihres großen Glaubens und erfüllt die Bitte um Heilung ihrer Tochter.

Zwei Folgerungen können wir aus diesem Evangelium ziehen:
1. Gottes Heil kennt keine Schranken zwischen dem auserwählten Volk und den übrigen Völkern. Alle gehören zur großen Gottesfamilie. Gott schenkt allen sein Heil, die ihn darum bitten.
2. Die Hartnäckigkeit der Frau im Glauben an Gottes Barmherzigkeit kann uns ein Vorbild sein, wenn sich unsere Bitten nicht sofort erfüllen, wenn auch wir zurückgewiesen werden und viele Grenzen zu überwinden haben, um zum Ziel zu gelangen.

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Gebet:

Barmherziger Gott,
was kein Auge geschaut
und kein Ohr gehört hat,
hast du denen bereitet,
die dich lieben.
Gib uns ein Herz,
das dich in allem und
über alles liebt,
damit wir den Reichtum
deiner Verheißungen erlangen,
der alles übersteigt,
was wir ersehnen.
Amen.

Links:

–> Liturgische Texte – siehe Schott 20. Sonntag im Jahreskreis A

Gedenktage:

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

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Stand: 10.08.2020

 

 

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