12. Sonntag A

12. Sonntag im Jahreskreis A

Sonntag, 21. Juni 2020

1. Lesung: (Jer 20,10-13) Gott rettet das Leben des Armen aus der Hand der Übeltäter...
2. Lesung: (Röm 5,12-15) Christus erlöst aus dem Tod, der Folge der Absonderung…
Evangelium: (Mt 10,26-33) Gott, unser himmlischer Vater wird uns durchtragen ins Leben…

Liturgische Texte zum 12. Sonntag A

Eröffnungsvers (Ps 28,8-9)
Der HERR ist die Stärke seines Volkes,
er ist Schutz und Heil für seinen Gesalbten.
HERR, hilf deinem Volk und segne dein Erbe,
führe und trage es in Ewigkeit.

Tagesgebet
Heiliger Gott,
gib, dass wir deinen Namen allezeit fürchten und lieben.
Denn du entziehst keinem deine väterliche Hand,
der fest in deiner Liebe verwurzelt ist.
Darum bitten wir durch Jesus Christus…

Erste Lesung: Jer 20,10-13
Er rettet das Leben der Armen aus der Hand der Übeltäter

Antwortpsalm Ps 69,8 u. 10. 14. 33-34
Erhöre mich in deiner großen Huld,
Gott, hilf mir in deiner Treue!

Zweite Lesung: Röm 5,12-15
Anders als mit der Übertretung verhält es sich mit der Gnade

Ruf vor dem Evangelium (vgl. Joh 15,6b.27a)
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Der Geist der Wahrheit wird Zeugnis geben für mich;
und auch ihr sollt Zeugen sein.
Halleluja.

Evangelium: Mt 10,26-33
Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten

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Evangelientext Mt 10,26-33 (Arbeitsübersetzung von G. M. Ehlert)

10,26 Nicht – nun – solltet ihr fürchten-gemacht-werden – (in Bezug auf) sie;
nicht nämlich ist – Verhüllt wordenes – das – nicht enthüllt werden wird,
und Verborgenes, das nicht kenntlich werden wird.

27 Was – ich rede – euch – in – dem – Finstern
das – sprecht – in – dem – Licht,
und – das
– (was) – in – das Ohr (hinein) – ihr höret –
das verkündet – auf – den – Dächern
.

28 Und – nicht – fürchtet/ erschreckt euch – vor – denen – hinweg-tötenden – den – Leib, –
die – aber – Seele – nicht – vermögenden – weg-zutöten; –
fürchtet/ erschreckt/ habt Ehrfurcht – aber – vielmehr – den – Vermögenden – sowohl – Seele – als auch – Leib – loszulösen/ zu verlieren/ zugrundezurichten – in(die) Gehenna (= Tal des Sohnes Hinnons = Ort der Strafe/ „Hölle“).

29 Werden etwa nicht – zwei – kleine Sperlinge/ Spatzen – (für) ein As (= kleine röm. Münze)gekauft –
und – nicht – einer – von ihnen – wird herunterfallen – auf – die – Erde – ohne
(Wissen u. Willen oder Beistand/ Mitleiden!)des – Vaters – von euch.

30 Bei euch – aber – auch – die – Haare – des – Hauptes – jedes/ alle – gezählt wordene – sind sie.

31 Nicht – nun/ also – fürchtet/ erschreckt euch
um vieles mehr(als) kleine Sperlinge/ Spatzen – durchtragenswert* (=bedeutender, vorzüglicher, verschiedener) seid ihr – (ja) ihr.

vgl. Mt 6,26: „Seht euch die Vögel des Himmels an:
Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen;
euer himmlischer Vater ernährt sie.
Seid ihr nicht viel mehr durchtragenswert als sie?“

32 Alle/ jeder/ ganz – nun – wer immer – gleichwortet/ bekennt sich – zu – mir – vor – den – Menschen –
gleichworten/ bekennen werde ich – auch ich – mich zu – ihm – vor – dem – Vater – mein, – den – in – den – Himmeln.

33 Wer immer – aber – verleugnet – mich – vor – den – .Menschen –
i
ch werde verleugnen – auch ich – ihn – vor – dem – Vater – mein, – den – in – den – Himmeln.

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Bild zur Meditation:

„Gottesfurcht überwindet Menschenfurcht“

Gottesfurcht überwindet Menschenfurcht - Grafik G. M. Ehlert, Juni 2017Gottesfurcht überwindet Menschenfurcht – Grafik von G. M. Ehlert

Bildlegende:
linke Seite: ein angstvolles Gesicht – die Augen voller Furcht aufgerissen – von Pfeilen bedroht, von düsteren Farben umgeben…
rechte Seite: ein ruhig blickendes Gesicht – mit dem (erlösenden) Zeichen des „T“ (= Tau) besiegelt – von leuchtendem Gelb und Rot schützend umgeben – im Strahlenfeld der segnenden Hand Gottes über ihm… Gott wird ihn durchtragen und ihn nicht fallenlassen ins Verderben hinein.

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Impuls:

„Gottesfurcht überwindet Menschenfurcht“

1. Menschenfurcht

vielleicht haben Sie das auch schon einmal erlebt:

In einem Gespräch kommen Themen von Kirche und Glaube zur Sprache. Die geäußerten Ansichten sind kritisch ablehnend. Nun schaut man Sie an. Was sagen denn Sie dazu – Sie gehen doch zur Kirche? – Viele trauen sich dann nicht, sich deutlich zur eigenen Überzeugung zu bekennen. Vielleicht aus Furcht davor, belächelt zu werden oder als altmodisch zu gelten… Manche passen sich an, indem sie sagen: Jeder hat da halt seine eigene Überzeugung…

Jedoch ist es beeindruckend, wenn einer weder sich von Lob oder Tadel beeinflussen lässt, sondern ruhig seine Überzeugung vertritt.

2. Von einem, der unbeirrt standhielt,

erzählt eine Geschichte aus dem Zen-Buddhismus:

„Ein großer, harter Samurai ging einmal einen kleinen Mönch besuchen.
„Mönch“, sagte er in einem Ton, der sofortigen Gehorsam gewohnt ist, „lehre mich etwas über Himmel und Hölle!“

Der Mönch sah zu dem mächtigen Krieger auf und entgegnete voller Verachtung: „Dich etwas über Himmel und Hölle lehren? Überhaupt nichts könnte ich dich lehren. Du bist schmutzig. Du stinkst. Deine Klinge ist rostig. Du bist eine Scham und Schande für die Klasse der Samurais. Geh mir aus den Augen. Ich kann dich nicht ertragen.“

Der Samurai war wütend. Er zitterte, wurde ganz rot im Gesicht, war sprachlos vor Wut. Er zog sein Schwert und hob es in die Höhe, um den Mönch damit zu erschlagen.

„Das ist die Hölle“, sagte der Mönch sanft.

Der Samurai war überwältigt. Das Mitgefühl und die Ergebenheit dieses kleinen Mannes, der sein Leben hergab, um ihm diese Lehre zu geben und ihm die Hölle zu zeigen! Langsam senkte er sein Schwert, erfüllt von Dankbarkeit und plötzlichem Frieden.

„Und das ist der Himmel“, sagte der Mönch sanft.

(Zen-Weisheit)

3. Was Menschen Kraft geben kann, dass er die Furcht vor den Menschen und ihre Bedrohung überwindet

  • Im Evangelium heute: 3 x „Fürchtet euch nicht vor den Menschen“
  • – was ist dafür ein tragfähiger Grund? –
  • – Wohin führt solche Furchtlosigkeit?…
  • Furcht vor den Menschen: Furcht nicht anerkannt zu sein; Bedrohung an Leib und Leben…
  • Die „Furcht des Herrn“ ist der Anfang der Weisheit…“
  • Gott fürchten =
    a) negativ: handeln aus Angst vor Strafe Gottes; oder
    b) positiv: aus dem Vertrauen in Gottes Hand geborgen zu sein
  • Gott ehren = ihn vor den Menschen zu bekennen – gelegen oder ungelegen

4. Beispiel Kardinal Clemens August Graf von Galen: „Nec laudibus – nec timore“

Clemens August Graf von Galen wurde im Jahr der Machtergreifung Hitlers im September 1933 zum Bischof von Münster geweiht. Er stellte seinen Dienst unter den Wahlspruch: „Nec laudibus – nec timore“ = „Das soll mein Wahlspruch sein, das soll uns allein Richtschnur sein: Nicht Menschenlob, nicht Menschenfurcht soll uns bewegen! Aber das Lob Gottes zu fördern sei unser Ruhm, selbst in heiliger Gottesfurcht zu wandeln sei unser beharrliches Streben.“

Damals konnte noch niemand die Tragweite dieses Spruches ahnen. Doch schon bald verspürte er die Verantwortung, sich den kirchen- und glaubensfeindlichen Bestrebungen der Nazis entgegenzustellen ohne Furcht und ohne menschliches Lob dafür zu erwarten.

Seine unerschrockene Solidarität mit den Leiden der Verfolgten in den Konzentrationslagern kann bis heute als vorbildliche Haltung gelten. Bischof von Galen setzte sich vehement für die christlichen Werte und die Würde jedes Menschen ein.

Als die nationalsozialistische Regierung auf ihrer Kirchenfeindlichkeit beharrte, Klöster beschlagnahmte und geistig behinderte Menschen zu ermorden begann, erhob er dagegen seine gewaltige Stimme und hielt am 13. und 20. Juli und am 3 August 1941 seine in aller Welt berühmt gewordenen Predigten, die ihm bis heute den Beinamen „Löwe von Münster“ eintrugen.

5. Wahre Gottesfurcht überwindet Menschenfurcht

Den Inhalt dieses Evangeliums hat auch der evangelische Pfarrer Dietrich Bonhoeffer, der 1945 von den Nationalsozialisten im KZ hingerichtet wurde, 1937 in seinem Buch „Nachfolge“ in die Worte gefasst:

„Die Macht, die den Menschen für kurze Zeit auf dieser Erde gegeben ist, ist nicht ohne Gottes Wissen und Willen. Fallen wir in die Hände der Menschen, trifft uns Leiden und Tod durch menschliche Gewalt, so sind wir doch dessen gewiss, dass alles von Gott kommt. Er, der keinen Sperling fallen sieht ohne sein Wollen und Wissen, er lässt den Seinen nichts geschehen, als was ihnen und der Sache, für die sie stehen, gut und nützlich ist. Wir sind in Gottes Händen. Darum fürchtet euch nicht!“

Angenommen, du würdest verhaftet, weil du Christ bist –
gäbe es genügend Beweise,
dich wegen deines Lebens aus dem Glauben an Gottes Liebe
zu überführen?

* * *

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Gebet:

Gott,
wir fürchten uns oft davor, dass andere Menschen uns fallenlassen,
wenn wir ihnen nicht mehr wertvoll sind,
oder davor, dass sie uns sogar umbringen,
wenn wir ihnen im Wege stehen.

Doch in Jesus hast du unsere Menschenfurcht überwunden;
du hast uns in seinem Leben, Sterben und Auferstehen
den Weg zu wahrer Gottesfurcht gezeigt:
wir dürfen „ehrfurchtsvolles Vertrauen“ zu dir haben,
denn du wirst uns durchtragen über alle Abgründe hinweg
hinein in die Fülle des Lebens bei dir,
wenn wir uns dir anvertrauen –
wenn wir uns zu dir bekennen.

Dir sei Lob und Dank in Zeit und Ewigkeit.
Amen.

Links:

–> „Durch-tragens-wert

–> Liturgische Texte – siehe Schott: 12. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A)

–> Gedenktage:

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

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Stand: 21.06.2020

 

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