11. Sonntag A

11. Sonntag im Jahreskreis A

Sonntag, 14. Juni 2020

1. Lesung: (Ex 19,2-6a) Von Gott erwählt – ein heiliges Volk zu sein
2. Lesung: (Röm 5,6-11) Durch Christi Hingabe – mit Gott versöhnt…
Evangelium: (Mt 9,36 – 10,8) Von Christus ausgesandt – die Heilsbotschaft zu verkünden..

Liturgische Texte zum 11. Sonntag A

Eröffnungsvers (Ps 27,7.9)
Vernimm, o HERR, mein lautes Rufen, sei mir gnädig und erhöre mich.
Du bist meine Hilfe: Verstoß mich nicht,
verlass mich nicht, du, Gott, meines Heils!

Tagesgebet:
Gott, du unsere Hoffnung und unsere Kraft;
ohne dich vermögen wir nichts.
Steh uns mit deiner Gnade bei,
damit wir denken, reden und tun, was dir gefällt.
Darum bitten wir durch Jesus Christus…

Erste Lesung: Ex 19,2-6a
Ihr sollt mir als ein Reich von Priestern und als ein heiliges Volk gehören

–> Vorbereitungen der Gotteserscheinung auf dem Sinai (Ex 19,1-19)

Antwortpsalm Ps 100,1-3.4-5

–> zu Psalm 100

Zweite Lesung: Röm 5,6-11
Da wir mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, werden wir erst recht gerettet werden durch sein Leben

Ruf vor dem Evangelium (Mk 1,15)

Halleluja. Halleluja.
Das Reich Gottes ist nahe.
Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!
Halleluja.

Evangelium: Mt 9,36 – 10,8
Jesus rief seine zwölf Jünger zu sich und sandte sie aus

* * *

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Evangelientext Mt 9,35 – 10,8 (Arbeitsübersetzung von G. M. Ehlert)

9,35 Und es zog umher der Jesus durch alle Städte und alle Dörfer
lehrend in den Synagogen von ihnen
und verkündend das Evangelium der Königsherrschaft
und heilend alle Krankheit und alle Gebrechen in dem Volk.

36 Sehend aber die Volksmenge wurde er mitfühlend mit ihnen
denn sie waren erschöpft
und hingestreckt wie Schafe, die keinen Hirten haben.

37 Da sagte er zu den Jüngern von ihm
Das bleibt:
Die Ernte (ist) viel, die aber arbeiten (sind) wenige

38 Bittet nun den Herrn der Ernte,
dass er herauswerfe Arbeiter hinein in die Ernte von ihm.

10,1 Und herzu rufend die zwölf Jünger von ihm
gab er ihnen Vollmacht (die) Geister (die) unreinen herauszuwerfen aus ihnen
und zu heilen alle Krankheiten und alle Gebrechen.

2 Die aber der zwölf Apostel Namen sind diese:
zuerst Simon der genannte Petrus und Andreas, der Bruder von ihm
Jakobus, der (Sohn) des Zebedäus und Johannes, der Bruder von ihm
3 Philippus und Bartholomäus
Thomas und Matthäus, der Zöllner
Jakobus, der (Sohn) des Alphäus und Thaddäus
4 Simon, der Kananäer und Judas Iskariot, der auch überlieferte ihn.

5 Diese – die Zwölf – sandte aus der Jesus
er wies sie an sagend zu ihnen:
Auf den Weg der (nichtjüdischen) Völker solltet ihr nicht abkommen
und in eine Stadt der Samariter solltet ihr nicht hineinkommen,
6 gehet aber vielmehr zu den Schafen, den weggelösten des Hauses Israel.

7 Als Gehende aber verkündet sagend:
„Genaht ist die Königsherrschaft der Himmel“
8 Kranke heilet,
Lepröse reinigt
Tote erwecket,
Dämonen werft heraus.

Umsonst nahmt ihr umsonst gebt.

* * *

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Bild zur Meditation:

Aussendung-Zwölf-1

Aussendung der Zwölf Apostel (Mt 9,36-10,8), Zeichnung von G. M. Ehlert, 15.06.2017


Bildlegende:
Jesus sendet 12 Menschen paarweise aus.
Ihre Wege führen zu 7 Städten – mit offenen Stadttoren.
Ihre Wege weisen hin auf einen 7-armigen Leuchter – dem Symbol des jüd. Tempels.
Am oberen Bildrand – die segnende Hand Gottes, des Vaters.

* * *

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Impuls:

auf Adlers Flügeln getragen

1. „… der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet“
– die Bildersprache Gottes auf dem Sinai

„Ihr habt gesehen, was ich den Ägyptern angetan habe, wie ich euch auf Adlerflügeln getragen und hierher gebracht habe.“ (Ex 19,4)

  • Der Adler = König der Lüfte
  • Der Adler = Symboltier für Deutschland (siehe €)
  • Der Adler = Symbol für den Schutz, den Gott uns gewährt

2. Getragen auf Adlerflügeln
– wenn Adler flügge werden

Was dieses „Getragensein auf Adlerflügeln“ bedeutet, prägte sich mir tiefer ein, als ich auf folgende Erzählung stieß, wie Adler sich verhalten, damit ihre heranwachsenden Adlerjungen fliegen lernen:

Hoch in den Bergen kann man manchmal die Adler sehen – die Könige der Vögel.

Ihre riesigen Flügel können zwei Meter weit sein. Kaum jemand hat ihr Nest aus der Nähe gesehen. Es liegt versteckt in den Felsenwänden. Meist legen die Adler zwei Eier. Und wenn sie ausgebrütet sind, haben Adlervater und Adlermutter viel zu tun. Hin und her fliegen sie mit der Nahrung für den kleinen Adler.

Aber dann, so erzählt man, passiert etwas Besonderes. Ich weiß nicht, wer es gesehen hat. Die großen Vögel bleiben weg. Sie lassen ihre Jungen allein. Nicht nur für ein paar Stunden; ganze Tage lang. Die Jungen piepen und werden immer ängstlicher. Sie haben Hunger. Werden sie sterben? Wenn sie beinahe ganz erschöpft sind, hören sie den Flügelschlag des Vaters. Hoch über dem Nest. Sie sind nicht verloren. Und nun ist auch die Mutter wieder da. Die Jungen strecken den mageren Hals und sperren den Schnabel auf. Doch die Mutter tut etwas Unerwartetes. Sie fliegt auf das Nest zu. Und schon ist es geschehen. Sie hat einen kleinen Adler aus dem Nest gestoßen. Ängstlich flattert er mit seinen schwachen Flügeln. Er hat keine Kraft. Eine Zeitlang hält er sich in der Luft. Dann lassen ihn seine Flügel im Stich. Er beginnt zu stürzen.

Auf diesen Augenblick hat der Adlervater gewartet. Rasch fliegt er herbei, streift den kleinen Adler von unten und fängt ihn mit seinen Flügeln auf. Er bringt ihn zum Nest zurück. Gleich darauf fliegt die Mutter wieder auf das Nest zu und scheucht den anderen Adler über den Rand. Auch er taumelt ein wenig in der Luft, flattert mit seinen Flügeln und muss dann aufgeben. Auch dieses Junge lässt der Vater auf seinen Flügeln notlanden und trägt es ins sichere Nest zurück. So geht das nun jeden Tag ein paar Mal, bis die Jungadler stärkere Flügel bekommen haben und selber fliegen können.

(aus: Eleonore Beck/Paul König, Meine Bilderbibel, Verlag Friedrich Bahn, Konstanz/Butzon & Bercker, Kevelaer ³1988)

Die Adlereltern sind scheinbar grausam zu ihren Adlerjungen.
Doch dieses „Hinaus geschubst“ werden ist die einzige Chance, den Jungvögeln zu helfen, damit sie fliegen lernen. – Und sie werden ja nicht ins Bodenlose fallengelassen –

Sie machen gerade dann, wenn ihre eigenen Kräfte versagen die großartige Erfahrung: wir werden auf Adlerflügeln getragen. So bekommen sie Mut zum Fliegen.

Das anscheinend grausame Verhalten des Adlers ist in Wahrheit eine Lebenshilfe für die heranwachsenden Adlerjungen. Erst im Rückblick wird dies deutlich.

3. „…wie ich euch auf Adlerflügeln getragen habe“ –
die väterliche und mütterliche Sorge Gottes für sein Volk Israel

So geht Gott mit seinem Volk Israel um: Israel musste von Gott „aus der Nestwärme Ägyptens“ heraus geschubst werden in die Freiheit und Ungeborgenheit der Wüste hinein. Hier schien das Volk „abzustürzen ins Bodenlose“ – Hunger und Durst, Angst vor dem Untergang – all das lässt das Volk zweifeln und gegen Gott murren.

Doch immer wieder darf es die Erfahrung machen: Gott ist da, er rettet uns, er fängt uns auf, er sorgt für uns.

4. „…wie ich euch auf Adlerflügeln getragen habe“
– wie Gott die Kirche „hinauswirft“ in die Freiheit

„Ihr habt gesehen, wie ich euch auf Adlerflügeln getragen habe“ –
daran erinnert Gott heute auch seine Kirche.
Auch Jesus hat seine 12 Apostel „heraus geschubst“ aus der Nestwärme der Nähe Jesu, damit sie „flügge“ werden und erfahren, dass auch sie fähig sind, die Botschaft von der Liebe und Freiheit, in die Gott uns führen will, zu verkünden.

Und im Laufe der Kirchengeschichte sind die Christen immer wieder „heraus geschubst“ worden aus liebgewordenen Traditionen durch den Heiligen Geist, wenn sie sich in bestehenden Situationen zu sehr eingerichtet hatten.

Doch auch die Kirche durfte immer wieder erfahren, wie sie von Gott auf Adlerflügeln getragen wurde, besonders dann, wenn sie ins Bodenlose abzustürzen drohte.

5. „…wie ich euch auf Adlerflügeln getragen habe“ –
Gott schubst auch mich hinaus aus dem warmen Nest

Vielleicht kennen auch Sie solche Erfahrungen, dass Sie sich „heraus geschubst“ fühlen:
– bei einer neuen Aufgabe – vor der Sie Schiss haben;
– oder in einer schweren Situation – vor der Sie sich fürchten;
– oder in einer großen Not – wo Sie ins Bodenlose abzustürzen drohen…

Doch vielleicht können Sie auch – im Rückblick auf solche Situationen – dankbar singen: „Lobe den Herren… der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet“ (GL 392,2)

6. „…wie ich euch auf Adlerflügeln getragen und hierher zu mir gebracht habe“ – von der Zuversicht des Glaubens

Erinnert euch! – sagt Gott uns ganz persönlich – „wie ich euch auf Adlerflügeln getragen und hierher zu mir gebracht habe“,

Wie ein Adler seine Jungen auf ihr Leben in der Freiheit der Lüfte vorbereitet, so bereitet Gott sein Volk in der Wüste auf ihre Aufgabe als ein „Königreich von Priestern“ vor;

so bereitet Jesus seine Apostel – und auch uns – auf unseren Dienst in der Welt vor.

„die auf den Herrn vertrauen, schöpfen neue Kraft, Schwingen wachsen ihnen wie Adlern. Sie laufen und werden nicht müde, sie gehen und werden nicht matt.“ (Jes. 40,31)

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Gebet:

Links:

–> Liturgische Texte – siehe auch Schott:  11. Sonntag im Jahreskreis (A)

–> siehe auch: „Mannschaftsaufstellung Jesu

 

–> Gedenktage:

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

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Stand: 12.06.2020

 

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