27. Sonntag C

27. Sonntag im Jahreskreis C

Sonntag, 6. Oktober 2019

1. Lesung: (Hab 1,2-3; 2,2-4) Schweigen Gottes – Prüfung der Glaubenskraft
2. Lesung: (2 Tim 1,6-8.13-14) Von dem Geist der Glaubenskraft
Evangelium: (Lk 17,5-6 u. 7-10) Unser Glaube – kraftvoll wie ein Senfkorn?  

Liturgische Texte zum 27. Sonntag (C)

Eröffnungsvers (Est 13,9.10-11)
Deiner Macht ist das All unterworfen, HERR,
und niemand kann sich dir widersetzen;
denn du hast Himmel und Erde gemacht
und alles, was wir unter dem Himmel bestaunen.
Du bist der Herr über alles.

Tagesgebet
Allmächtiger Gott,
du gibst uns in deiner Güte mehr,
als wir verdienen,
und Größeres, als wir erbitten.
Nimm weg, was unser Gewissen belastet,
und schenke uns jenen Frieden,
den nur deine Barmherzigkeit geben kann.
Darum bitten wir durch Jesus Christus…

1. Lesung aus dem Buch Hábakuk (Hab 1,2-3; 2,2-4)
„Der Gerechte bleibt wegen seiner Treue am Leben“

Antwortpsalm: Ps 95,1-2.6-7c,7d-9
Hört auf die Stimme des HERRN;
verhärtet nicht euer Herz!

2. Lesung aus dem 2. Brief des Apostels Paulus an Timótheus (2 Tim 1,6-8.13-14)
„Schäme dich nicht, dich zu unserem Herrn zu bekennen“ 

Ruf vor dem Evangelium (vgl. 1 Petr 1,25) 
Halleluja! Halleluja!
Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit,
das Evangelium, das euch verkündet wird.  

Halleluja!

Evangelium nach Lukas (Lk 17,5-6 u. 7-10
„Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn…

* * *

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Lukasevangelium, Kapitel 17,5-6 u. 7-10: (wortgetreue Übersetzung)

(1. Teil): Lk 17,5-6

17,5 Und es sprachen die Apostel zu dem Herrn:
„Füge uns hinzu Glauben
/ Zuverlässigkeit/ Treue!“

6 Es sprach aber der HERR:
„Wenn ihr habt Glauben wie
(ein) Senfkorn*

* Senfkorn = winzig kleines Samenkorn
mit zugleich großartiger Entwicklungskraft:
aus einem Senfkorn (= 0,5 mm)
kann eine bis zu 10 m hohe Senfstaude wachsen

ihr sagtet gleichsam (andauernd) zu dem Maulbeerfeigenbaum* dieses:
‘werde entwurzelt und werde verpflanzt in das Meer‘
und
(= ja) er würde gleichsam euch gehorchen.“

* Maulbeerfeigenbaum = ein fest verwurzelter Baum;
wenn einer standfest „wie eine westfälische Eiche“ ist,
dann ist es (fast) unmöglich, dessen Standpunkt –
dessen Überzeugungen zu verändern

(2. Teil): Lk 17,7-10

17,7 Wer aber von euch(einen) Sklaven (= Hausangestellten) habend*
pflügend oder hütend
heimkommend von dem Acker –
wird sagen sofort vorbeigekommen seiend:
„lege dich
(zum Essen) nieder“?

8 Sondern:
wird er nicht sagen zu ihm:
„bereite [mir] zu, was ich essen kann
und dich umgürtet habend bediene mich,
solange bis ich gegessen und getrunken habe
und nach diesem wirst du essen
(können).

9 Nicht hat er Dank (Lieblichkeit, Gunst…) (gegenüber) dem Sklaven,
dass er getan hat das Angeordnete.

10 Ebenso auch ihr,
wenn ihr getan habt alles das euch Angeordnete,
saget (folgendes):
„Wir sind nichtsnutzige/ armselige Sklaven
(nur) das verpflichtet Seiende zu tun haben wir getan.“

* * *

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Bild zur Meditation

zum Sonntagsevangelium (Lk 17,5-6.7-10)

Von der Kraft eines „senfkornartigen“ Glaubens

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„Senfkornstarker Glaube“ – Grafik G. M. Ehlert, 27.09.2016

Von der Ausdauer und Kraft
eines senfkornartigen Glaubens

Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn (= winzig, aber voll Kraft und Dynamik) und ihr würdet (im Vertrauen auf Gott und aus Liebe zu den Menschen) zum (festverwurzelten) Maulbeerbaum sagen: entwurzele dich und verpflanz dich ins Meer,

so würde er euch gehorchen.

Wir brauchen keinen großen – großartigen – Glauben,
sondern den senfkornartigen Glauben an einen großen – großartigen – Gott!

Gott – mit seinem senfkornartigen Glauben – sagt zu dem festverwurzelten 75-jährigem Abraham: „Zieh weg aus deinem Land – ich werde dir ein Land geben und deine Nachkommen so zahlreich machen wie die Sterne am Himmel…“

und Abraham – mit seinem senfkornartigen Glauben – gehorcht
und zieht los in das Land der Verheißung
und wird zum Vater des Glaubens für alle Juden, Christen und Moslems.

Mose – mit seinem senfkornartigen Glauben – hebt auf Gottes Geheiß hin seinen Stab und…

das Meer spaltet sich
und das Volk Israel zieht sicher hindurch in die Freiheit.

Josua – mit seinem senfkornartigen Glauben – zieht 7mal um die Stadtmauern Jerichos herum, stößt in die Posaune und…

die uralten Mauern Jerichos stürzen ein.

David – mit seinem senfkornartigen Glauben – geht mit seiner Steinschleuder der Übermacht Goliaths entgegen und…

besiegt den mächtigen Goliath!

Maria – mit ihrem senfkornartigen Glauben – sagt zu der Botschaft des Engels, sie werde Gottes Sohn empfangen, JA und…

sie bringt Gottes Sohn zur Welt.

Jesus – mit seinem senfkornartigen Glauben – legt in der Gottverlassenheit des Kreuzes sein Leben in Gottes Hände zurück und…

wird von Gott am dritten Tage auferweckt.

Die verängstigte Schar der Apostel – mit ihrem senfkornartigen Glauben – ziehen, von Gottes Geist bewegt los und…

beginnen mit ihrer weltweiten Mission.

Eine Handvoll Christen beginnt in Leipzig von 1982 an jeden Montag für ein Leben in Freiheit und Frieden zu beten und…

1989 fällt die Berliner Mauer
und das DDR-Regime stürzt in sich zusammen.

Und wo sind sie heute, die – in der Ausdauer und Kraft eines senfkorngroßen Glaubens – beginnen…

damit zur gottgewollten Zeit die Früchte ihrer Liebe geerntet werden können?

(G. M. Ehlert, 03. Oktober 2019)

* * *

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weitere Impulse

Von einem „senfkornstarken“ Glauben –
zum Evangelium (1. Teil): Lk 17,5-6

Der Blick auf die Geschichte zeigt, dass die Standhaftigkeit, Klarheit und Überzeugungskraft einzelner Menschen, die aus dem Glauben an Gottes Kraft leben, ganze festgefügte Machtsysteme ins Wanken bringen kann.

wässern – bis der verdorrte Baum erblüht…

In der Anfangssequenz von Andrej Tarkowskijs Film Opfer (1985/86 = vor dem Zusammenbruch des sowjetischen Reiches) erzählt der in eine Krise geratene Intellektuelle Alexander seinem Sohn die folgende Geschichte, während er einen verdorrten Baum in den Boden pflanzt:

„Jetzt kannst du kommen und mir helfen, mein Junge.

Einmal, vor sehr langer Zeit, verstehst du, da lebte ein alter Mönch in einem orthodoxen Kloster, Pamwe hieß er, der pflanzte auf einem Berg einen trockenen Baum, genau so. Und zu seinem Schüler, das war ein Mönch, der hieß Joann Kolow, sagte Pamwe, er solle diesen Baum täglich wässern, bis er zum Leben erwachen würde.

Gib mir mal ein paar von den Steinen da…

… und so füllte Jann jeden Morgen in aller Frühe einen Eimer mit Wasser und machte sich auf den Weg. Er stieg hinauf auf den Berg und wässerte den trockenen Baumstamm, und am Abend, als es schon dunkel war, da kehrte er zurück ins Kloster. Und so ging das drei ganze Jahre lang. Aber dann, eines schönen Tages, kam er auf den Berg und sah, dass sein ganzer Baum übersät war mit Blüten!

Und man kann sagen, was man will, diese Methode, dieses System hat etwas Großartiges. Weißt du, manchmal, da sage ich mir, wenn man jeden Tag zu der gleichen Zeit ein und dieselbe Sache tun würde, wie ein Ritual, unerschütterlich, systematisch, jeden Tag ständig zu genau der gleichen Zeit, dann würde sich die Welt verändern. Etwas in ihr würde sich verändern, es könnte gar nicht anders sein.“

(aus: Arvo Pärt: Miserere (c) 1991 – zu „Sarah Was Ninety Years Old“)

Die Kraft der Gebete – wöchentliche Friedensgebete in der Leipziger Nicolaikirche

Seit dem 20. September 1982 finden in der Leipziger Nicolaikirche an jedem Montag Friedensgebete statt – mit mehr oder weniger Teilnehmern.

1987 – als teilweise nur noch 5 Teilnehmer dem Gebet die Treue hielten, stand das wöchentliche Friedensgebet kurz vor dem Aus. Doch das Gebet wurde in Treue durchgetragen.

Im Herbst 1989 versammelten sich immer mehr Menschen zu den Friedensgebeten, die so zu einer Keimzelle der friedlichen Revolution wurden. An den Montagsdemonstrationen in Leipzig im Anschluss an die Friedensandacht nahmen bis zu 70.000 Teilnehmern teil, die mit zum Sturz des DDR-Regimes beitrugen.

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Von der „Selbstverständlichkeit“ des Dienens –
zum Evangelium (2. Teil): Lk 17,7-10

Praktische Ratschläge zum „rechten“ Umgang mit einem Haussklaven (= Hausangestellten) gibt die alttestamentliche Schrift Jesus Sirach (Sir 33,25-32):

„Futter, Stock und Lasten (sind angemessen) für einen Esel,
Brot, Zucht (= Erziehung) und Arbeit für den (Haus-)Sklaven.
Lass den Knecht arbeiten und du wirst Ruhe finden!
Lass ihm freie Hand und er wird die Freiheit suchen!
Joch und Zügel werden den Nacken beugen,
dem bösen Sklaven gebühren Folter und Pein.
Deck ihn mit Arbeit ein, damit er nicht müßig geht;
denn Müßiggang lehrt ihn viel Schlechtes.
Bring ihn dazu zu arbeiten, wie es für ihn angemessen ist!
Wenn er nicht gehorcht, leg ihm schwere Fußfesseln an!
Sei nicht maßlos gegen irgendein Lebewesen!
Handle nicht ohne überlegtes Urteil!
Wenn du einen Sklaven hast, sei er wie du,
denn mit Blut hast du ihn erworben!
Wenn du einen Sklaven hast, leite ihn wie einen Bruder,
denn du brauchst ihn wie deine Seele!“

Lob, Dank oder Belohnung für geleistete Arbeit lag für einen Sklaven außerhalb des zu Erwartenden.

(Auch der Sohn als „Juniorchef“ wird von seinem Vater – dem „Seniorchef“ – keinen besonderen Dank für seine Arbeit im Familienbetrieb erwarten; es ist ihm ein inneres Anlagen, dass die Firma gut läuft, dafür setzt er sich wie selbstverständlich mit all seiner Kraft ein.)

Wer mit dieser Haltung sein Christsein lebt und „wie selbstverständlich“ seinen Dienst tut – unabhängig von Lob oder Tadel – der wird nicht enttäuscht sein, wenn er keinen besonderen Dank erfährt.

Er wird jedoch zugleich freudig überrascht sein, wenn er – unverdienterweise – erfahren darf, was Jesus an anderer Stelle verheißt:

„Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt!
Amen, ich sage euch: Er wird sich gürten,
sie am Tisch Platz nehmen lassen
und sie der Reihe nach bedienen.“
(Lk 12,37)

* * *

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Links:
–> zur 1. Lesung: Hab 1,2-3 u. 2,2-4Bewährte – bewahrt ER
–> zum Antwortpsalm: Psalm 95: Aufruf zu Anbetung und Gehorsam gegenüber Gott
–> zur 2. Lesung: –
–> zum Evangeliumsiehe auch: „Kleines Senfkorn…“

–> zu den Liturgischen Texten: siehe auch Schott 27. Sonntag i.J. C

Gedenktage:

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

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Stand: 3. Okt. 2019

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