20. Sonntag C

20. Sonntag im Jahreskreis C

Sonntag, 18. August 2019

1. Lesung: (Jer 38,4-6.7a.8b-10) Jeremia im Schlamm der Zisterne
2. Lesung: (Hebr 12,1-4) Mit Ausdauer im Wettkampf laufen
Evangelium: (Lk 12,49-53) Aufruf zur Entscheidung und Entschiedenheit

Liturgische Texte zum 20. Sonntag (C)

Eröffnungsvers (Ps 84,10-11)
Gott, du unser Beschützer, schau auf das Angesicht deines Gesalbten.
Denn ein einziger Tag in den Vorhöfen deines Heiligtums
ist besser als tausend andere.

Tagesgebet
Barmherziger Gott,
was kein Auge geschaut und kein Ohr gehört hat,
das hast du denen bereitet, die dich lieben.
Gib uns ein Herz,
das dich in allem und über alles liebt,
damit wir
den Reichtum deiner Verheißungen erlangen,
der alles übersteigt, was wir ersehnen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus…

1. Lesung: aus dem Buch des Propheten Jeremia (Jer 38,4-6.7a.8b-10)
Weh mir, Mutter, dass du mich geboren hast, einen Mann, der mit aller Welt in Zank und Streit liegt (Jer 15, 10)

Antwortpsalm: Ps 40,2-3b.3c-4b.18
O Gott, komm mir zu Hilfe, HERR, eile, mir zu helfen.

2. Lesung aus dem Hebräerbrief (Hebr 12,1-4)
Lasst uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der vor uns liegt

Ruf vor dem Evangelium (Joh 10,27)
Halleluja! Halleluja!
(So spricht der Herr:)
Meine Schafe hören auf meine Stimme;
ich kenne sie und sie folgen mir.
Halleluja!

Evangelium nach Lukas (Lk 12,49-53)
Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern Spaltung

* * *

Pfeil-oben zum Seitenanfang

Lk 12,49-53 – 1. eine möglichst wortgetreue Übersetzung:

12,49 Feuer – bin ich gekommen (herab) zu werfen auf die Erde
und wie
(sehr) begehre ich
wenn es endlich entzündet würde.

50 Eine Taufe aber habe ich getauft zu werden
und wie bin ich zusammengedrängt
solange bis sie erzielt
/ vollendet würde.

51 Scheint es euch/ meint ihr,
dass Frieden ich herbeigekommen bin zu geben in/ innerhalb der Erde/ des Erdbereichs?
Keineswegs! sage ich euch, sondern: als „Zer-teiler!“

52 Zu sein wird es nämlich von dem Jetzt (an):
fünf in einer Wohnung sind „Zerteiltwordene“ geworden:
drei auf
(grund) von zweien und zwei auf(grund) von dreien.

53 Sie/ es werden zerteilt/ uneins werden:
ein Vater mit
(dem) Sohn
und ein Sohn mit
(dem) Vater
[und] eine Mutter aufgrund der Tochter
und eine Tochter aufgrund der Mutter;
eine Schwiegermutter aufgrund der Schwiegertochter
/ Braut
und eine Schwiegertochter/ Braut aufgrund der Schwiegermutter.

2. eine freiere, aber sinnwahrende Übersetzung:

12,49 Ich bin gekommen, das Feuer (der brennenden Liebe) Gottes in die Welt zu bringen
und ich wünschte, dass es endlich (in den Herzen der Menschen) entzündet wäre.

50 Doch zuvor habe ich noch eine „Feuer-Taufe“ zu bestehen,
und ich lebe in einer inneren Spannung,
solange bis diese „Feuer-probe“ (= die Passion bis zum Tod am Kreuz) vollendet ist.

51 Scheint es euch so, dass ich gekommen bin, um Menschen innerhalb ihres Lebensbereiches zu befrieden (oder zufriedenzustellen)?
Nein – Keineswegs. –
Ich bin gekommen als einer, der die Menschen vor die Entscheidung stellt (zu den einen zu gehören, die „Feuer und Flamme“ für mich sind und in andere, die versuchen werden, den „Brandherd des neuen Lebens“ auszulöschen).

52 Daher wird es von nun an folgendermaßen sein:
fünf Menschen in einer Wohngemeinschaft werden sich aufspalten
(in eine Gruppe, die für und in eine Gruppe, die gegen mich ist):
drei werden zu Gegnern aufgrund von zwei anderen, die für mich sind
und zwei werden sich abgrenzen aufgrund von drei anderen, die zu mir halten.

53 Es werden uneins werden:
– ein Vater mit seinem Sohn
und ein Sohn mit seinem Vater.
Es werden sich zerstreiten
– eine Mutter aufgrund ihrer Tochter
und eine Tochter aufgrund ihrer Mutter;
– eine Schwiegermutter aufgrund ihrer Schwiegertochter
und eine Schwiegertochter aufgrund ihrer Schwiegermutter.

* * *

Pfeil-oben zum Seitenanfang

Bild zur Meditation

„Wer mir nahe ist, ist dem Feuer nahe,
wer mir fern ist, ist dem Reich Gottes fern“
(ein im sog. Thomasevangelium überliefertes Jesuswort)

O-8

 

* * *

Pfeil-oben zum Seitenanfang

Impulse

Jesus ein „Brandstifter“
– einer, der Menschen vor die Entscheidung stellt

Jesus ein Brandstifter?
Einer, der spaltet, anstatt zu versöhnen?
Wird der sonst so freundliche und friedfertige Jesus hier auf einmal zum Fundamentalisten, ja sogar zu einem „Terroristen“???

Um diesen Abschnitt aus dem Sonntagsevangelium richtig – d.h. im Sinne Jesu – zu verstehen, ist es wichtig, den Text nicht isoliert, sondern im biblischen Zusammenhang zu hören und zu verstehen.

Wir denken bei Feuer schnell an verheerende Waldbrände, an Zerstörung und Vernichtung; im religiösen Bereich verbinden manche „Feuer“ schnell mit „Fegefeuer“ oder dem „Feuer der Hölle“ und denken nicht so sehr an das „Feuer pfingstlicher Begeisterung“.

Doch die Bibel wird das Feuer oft

– mit einer Erscheinung des lebendigen Gottes
(so vor Mose im brennenden Dornbusch, oder vor dem Volk Israel auf dem Gottesberg Horeb)

– und mit der Forderung des heiligen Gottes nach Läuterung in Verbindung gebracht
(so wie das Gold im Feuer von allen Verunreinigungen befreit wird, so soll der Mensch durch das Feuer der Reue und Vergebung von aller Sünde gereinigt werden).

Das Feuer Gottes ist
– verzehrend, indem es das Böse vernichtet;
– läuternd, indem es von Verunreinigungen reinigt;
– verwandelnd, indem es dem Vorhandenen eine andere Gestalt gibt (so wie aus Teig Brot wird);
– entzündend, indem es im Herzen der Menschen ein „Feuer der Begeisterung“ weckt.

In der Apostelgeschichte wird beschrieben, wie am Pfingstfest der Geist Gottes mit Feuerzungen auf die zum Gebet versammelten Apostel herabkam. Ein Feuer, das die furchtsamen Jünger verwandelte, so dass sie fortan voller Überzeugung von Gottes großen Taten verkündeten.

Die „Feuer-Taufe“ von der Jesus spricht ist ein Bild für seine Passion – seine Leidenschaft für Gott und die Menschen; dieser Passion bleibt er bis in das Leiden und den grausamen Tod am Kreuz treu.

Diese Lebensweise, die ohne faule Kompromisse die Barmherzigkeit Gottes unter den Menschen erfahrbar macht, wird die Menschen auch heute nicht in allem zufriedenstellen; im Gegenteil, sie wird zu einer Konfrontation mit der eigenen (oft egoistischen oder halbherzigen) Lebensweise führen.

Wer demütig genug ist, wird sich bekehren und „Feuer und Flamme“ sein für seinen Beitrag zur Verwirklichung des Reiches der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit Gottes.

Wer stolzen Herzens ist, der wird diese christliche Lebensart ignorieren, verspotten oder versuchen, den „Brandherd“ des Neuen gewaltsam zu löschen. (Dies zeigen auch in unserer Zeit die ungezählten Märtyrer, die gewaltsam getötet werden, weil sie aus dem christlichen Glauben leben).

Wer Jesus und seinem Evangelium wirklich begegnet, der ist vor die Entscheidung gestellt:
entweder sich für das Licht, das Leben und die Liebe zu entscheiden, die sich in der Lebensweise Jesu zeigt,
oder diese zu verleugnen und zu bekämpfen.

Denn: In der Nähe Jesu zu sein ist brandgefährlich – es besteht die „Gefahr“, vom Feuer seiner Liebe angesteckt zu werden.

* * *

Pfeil-oben zum Seitenanfang

Links:
–> zur 1. Lesung:
–> zum Antwortpsalm: Psalm 40: Gottes Lust zu helfen – meine Lust Gottes Willen zu tun
–> zur 2. Lesung:
–> zum Evangelium:

–> zu den Liturgischen Texten: siehe Schott: 20. Sonntag i.J.C

* * *

Pfeil-obenzum Seitenanfang

___________________________________

Gedanken – Meditationen – Einblicke

Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

.

Stand: 12. Aug. 2019

Werbeanzeigen

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.