Gottes Wort beherzigen (22. B)

„Gottes Wort beherzigen“

Sonntag, 2. September 2018

Liturgische Texte zum 22. Sonntag im Jahreskreis B

Eröffnungsvers: (Ps 86,3.5)
Sei mir gnädig, o HERR. Den ganzen Tag rufe ich zu dir.
HERR, du bist gütig und bereit, zu verzeihen;
für alle, die zu dir rufen, reich an Gnade.

Tagesgebet
Allmächtiger Gott,
von dir kommt alles Gute.
Pflanze in unser Herz
die Liebe zu deinem Namen ein.
Binde uns immer mehr an dich,
damit in uns wächst, was gut und heilig ist.
Wache über uns und erhalte, was du gewirkt hast.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

ERSTE Lesung aus dem Buch Deuteronomium (5 Mose/ Dtn 4,1-2.6-8)
Achtet auf die Gebote des HERRN! Fügt nichts hinzu!

Antwortpsalm: Psalm 15,2-3.4.5
HERR, wer darf Gast sein in deinem Zelt,
wer darf weilen auf deinem heiligen Berg

ZWEITE Lesung aus dem Jakobusbrief (Jak 1,17-18.21b-22.27)
Hört das Wort nicht nur an, sondern handelt danach! 

Ruf vor dem Evangelium (Joh 10,27)
Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Meine Schafe hören auf meine Stimme;
ich kenne sie, und sie folgen mir.
Halleluja.

Evangelium aus dem Markusevangelium (Mk 7,1-8.14-15.21-23)
Ihr gebt Gottes Gebot preis und haltet euch an die Überlieferung der Menschen


Evangelientext  – Übersetzung G. M. Ehlert

–> Mk 7,1-23: Von Reinheit und Unreinheit (22. S. i. J. B)

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Bild zur Meditation:

rein-unrein-ba

rein oder unrein – Grafik zu Mk 7,1-23 – (c) G. M. Ehlert 29.08.2018

Un-
reine Hände

un-
reines Herz

„Ich wasche meine Hände
in Unschuld“ –
doch aus unreinem Herzen
verurteile ich andere…

oder:
Ich habe zwar schmutzige Hände –
aber ich lebe mit einem lauteren Herzen…

„Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt,
kann ihn unrein machen,
sondern was aus dem Menschen herauskommt,
das macht ihn unrein.“
(Mk 7,15)

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Impuls zum Evangelium

Deutschland ist stolz auf seine über 500-jährige Tradition des Reinheitsgebotes beim Bier. Nichts „unreines“ soll über die Lippen in den Menschen hineinkommen.

Noch viel mehr Reinheitsvorschriften kennt die jüdische und muslimische Religion in Bezug auf Speise und Getränke, deren Verzehr erlaubt oder unerlaubt ist.

Im Evangelium (Mk 7,1-23), das am 2. September im Gottesdienst der katholischen Kirche vorgelesen wird,
geht es auch um die Frage von Reinheit und Unreinheit.

Wichtiger als was über die Lippen in den Menschen hineinkommt, ist für Jesus jedoch, was über die Lippen des Menschen aus seinem Herzen herauskommt: Gutes oder Böses. –

Eugen Roth schrieb dazu einmal folgendes zur „Seelischen Gesundheit“:

Ein Mensch frisst viel in sich hinein:
Missachtung, Ärger, Liebespein.
Und jeder fragt mit stillem Graus:
Was kommt da wohl einmal heraus?
Doch sieh! Nur Güte und Erbauung.
Der Mensch hat prächtige Verdauung.

(Aus: Eugen Roth, Sämtliche Menschen,
Carl Hanser Verlag, München Wien 1983)

In diesem Sinne wünsche ich allen „eine prächtige Verdauung.“

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Gedanken zum Verständnis der Bibel

 Vom vierfachen Schriftsinn

Die Kenntnis der Bibel – der „Heiligen Schrift“ – hat für das Leben aus dem christlichen Glauben eine wichtige Bedeutung:

„Christus ist Gottes Kraft und Gottes Weisheit,
und wer die Heilige Schrift nicht kennt,
der kennt weder Gottes Kraft noch seine Weisheit:
die Schrift nicht kennen heißt Christus nicht kennen.“

Hieronymus, (347 – 420 n.Chr.) lateinischer Kirchenvater

Doch wie kann man heute die Bibel richtig verstehen?

Ist sie ein Geschichtsbuch? – ein Liebesbrief Gottes? – ein Trost- und Hoffnungsbuch? – eine „Bedienungsanleitung“ für ein gelingendes Leben?

Der Psychologe Friedemann Schulz von Thun hat sich ausführlich mit der menschlichen Kommunikation beschäftigt. 1981 hat er in seinem Buch „Miteinander reden – Störungen und Klärungen“ vier Aspekte einer Äußerung und dementsprechend vier Aspekte, wie ein Empfänger diese Äußerung verstehen kann, aufgezeigt.

Wenn einer etwas von sich gibt = „Äußerung“ – gibt er zugleich viererlei kund:

  1. das, worüber er informiert = „Sachinhalt“;
  2. das, was er dabei von sich selbst kundtut = „Selbstkundgabe“;
  3. in was für einer Beziehung er zu dem Empfänger steht = „Beziehung“
  4. wozu er den Empfänger veranlassen möchte = „Appell“.

Der Empfänger kann das Gehörte mit „vier Ohren“ empfangen:

  1. dem „Sach-Ohr“
  2. dem „Selbstkundgabe-Ohr“
  3. dem „Beziehungs-Ohr“
  4. dem „Appell-Ohr“

Was Friedemann Schulz von Thun 1981 veröffentlicht hat,
das hat im Mittelalter die Theologie im Bezug auf die Bibel – der „Äußerung Gottes“ – in der Lehre vom „vierfachen Schriftsinn“ wie folgt ausgesagt:

„Littera gesta docet,

quid credas allegoria;

moralis quid agas,

quo tendas anagogia.“

frei übersetzt:

  1. Der Buchstabe lehrt das Geschehene, (historische Dimension)
  2. die Verbildlichung zeigt an, was du glauben sollst, (theologische Dimension)
  3. die (darin enthaltene) Moral – was du tun sollst, (moralische Dimension)
  4. das „Hinaufführende“ zeigt an worauf hin du dich ausspannen darfst (eschatologische Dimension)

Die Bibel ((= Äußerung Gottes)) kann gelesen/ gehört werden als

  1. ein Geschichtsbuch ((inhaltlicher Aspekt))
    es zeigt auf, was damals geschehen ist (historische Dim.) und als
  2. ein Liebesbrief Gottes an dich und mich? ((Selbstkundgabe))
    in den Worten und Ereignissen offenbart sich Gott und seine Liebe zu den Menschen – was ich glauben darf! (theologische Dim.) und als
  3. eine Gebrauchsanweisung für ein gelingendes Leben ((Appell))
    in dem Beschriebenen kann ich erkennen, was der Wille Gottes ist – was ich also tun soll! (moralische Dim.) und als
  4. ein Trost- und Hoffnungsbuch ((Beziehungsaspekt)) – das Engagement Gottes zeigt auf, dass er das Leben des Menschen retten und vollenden will – was ich folglich erhoffen darf (eschatologische Dim.)

* * *

Anhand des Tagesgebetes vom 22. Sonntag im Jahreskreis B
lassen sich diese vier Dimensionen des „Wortes des Lebendigen Gottes“ und des „Evangeliums unseres Herrn Jesus Christus“ gut aufzeigen:


Allmächtiger Gott,

von dir kommt alles Gute.

Die Bibel ((= Äußerung Gottes))
– ein Geschichtsbuch ((inhaltlicher Aspekt))
– was damals geschehen ist (historische Dim.)
 1. Lesung: „Das Wort Gottes aufmerksam/freudig hören:
„Hört – und ihr werdet leben!“

Pflanze in unser Herz
die Liebe zu deinem Namen ein.

Die Bibel – ein Liebesbrief Gottes an dich und mich ((Selbstkundgabe))
– Offenbarung Gottes – was ich glauben darf! (theolog. Dim.)
 2. Lesung: „Nehmt das Wort zu Herzen … – das die Macht hat euch zu retten“

Binde uns immer mehr an dich,
damit in uns wächst, was gut und heilig ist.

Die Bibel – eine Gebrauchsanweisung ((Appell))
– was ich tun soll! (moralische Dim.)
 2. Lesung: „Hört das Wort nicht nur an, sondern handelt danach!“

Wache über uns und erhalte, was du gewirkt hast.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Die Bibel – ein Trost- und Hoffnungsbuch ((Beziehungsaspekt))
– was ich erhoffen darf (eschatologische Dim.)
 Evangelium: wichtiger als saubere Hände ist ein reines Herz!
„Selig, die ein reines Herz haben, – sie werden Gott schauen!“

* * *
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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

Stand: 30. Aug. 2018

 

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