Versuchung (1.F.A)

1. Fastensonntag A

05. März 2017

zu den Liturgischen Texten vom 1. Fastensonntag

Impuls – zum 1. Fastensonntag

„und führe uns nicht in Versuchung…“ 

so sprechen wir Christen täglich im Vater-unser-Gebet.
Sicherlich ist es nicht Gott, der uns in Versuchung bringen will, den Weg des Lebens – den Weg Gottes zu verlassen.
„Keiner, der in Versuchung gerät, soll sagen: Ich werde von Gott in Versuchung geführt. Denn Gott kann nicht in die Versuchung kommen, Böses zu tun, und er führt auch selbst niemand in Versuchung.“ – so schreibt es Jakobus in seinem Brief (Jak 1,12). 

„und führe uns, damit wir nicht in Versuchung erliegen…“ 

so könnte man die Vater-unser-Bitte sinngemäß übersetzen.
Denn wir Menschen werden oft von unserer eigenen Begierde in Versuchung geführt. – Seit Anbeginn der Menschheit ist das so.

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Der Sündenfall – (c) G. M. Ehlert

In der Erzählung vom Sündenfall des Menschen ist die „Schlange“ ein Symbol für das Böse bzw. den Bösen, den gefallenen Engel Gottes, den Teufel, der alles „durcheinanderwirbelt“ und so das Gute in das Böse verkehrt.

Er verführt den Menschen von der verlockenden – aber von Gott verbotenen – Frucht des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen. Und der Mensch in seiner Verführbarkeit erliegt dieser Versuchung und entdeckt als erstes – seine Nacktheit, seine Unzulänglichkeit. 

„… sondern erlöse uns von dem Bösen.“ 

Auch Jesus selbst wird direkt nach seiner Taufe im Jordan von Gottes Geist in die Wüste geführt,
um dort vom Bösen in Versuchung geführt zu werden.
Jesus jedoch widersteht einer dreifachen Versuchung, der auch wir ausgesetzt sind:

• Wovon leben wir?
teuflisch geschickt ist die Aufforderung:
mach dir selbst, was immer du auch haben willst:
– aus Steinen mach Brot;
– aus Geld mach Freunde;
– aus medizinischem Wissen mach Gesundheit.
Doch Jesus sagt:
„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein,
sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.“ (Mt 4,4)‘

• Wem können wir wirklich vertrauen?
teuflisch geschickt ist der Überzeugungsversuch –
mit Berufung auf die Heilige Schrift:
überprüfe doch auf eigene Faust die Zusagen Gottes,
– dass er dich stets behüte,
– dass dir nichts Böses geschehen kann,
– dass du immer sicher getragen wirst.
Doch Jesus sagt:
„Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.“(Mt 4,7)

• Vor wem gehen wir in die Knie?
teuflisch geschickt ist das Versprechen:
unterwirf dich
– der Macht des Geldes;
– der Macht der allgemeinen Meinung;
– der herrschenden Mode,
dann gehört dir die ganze Welt.

Doch Jesus sagt:
„Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen.“ (Mt 4,10)

Ich wünsche uns allen zu Beginn der österlichen Bußzeit, dass wir erkennen, wo wir in Versuchung geführt werden – und dass wir mit Gottes Hilfe die Versuchung überwinden. 

Pastor G. Michael Ehlert

Gebet:

Haben – gelten – herrschen wollen…
oder …
verzichten – beten – teilen können

Gott, wir möchten viel besitzen, was unser Leben angenehm macht.
Führe uns, damit wir nicht der Versuchung erliegen
immer mehr haben zu wollen,
–          an materiellen Gütern
–          an all dem, was unseren Lebenshunger doch nie stillen kann.
Zeige uns im Fasten, worauf wir verzichten können,
um frei zu werden für das, was du uns geben willst.

Gott, wir wollen gut angesehen sein bei den Menschen oder sogar im Rampenlicht stehen. Führe uns, damit wir nicht der Versuchung erliegen,
bei den Menschen  als etwas Besonderes gelten zu wollen,
–          indem wir mit unseren Vorzügen prahlen
–          oder indem wir unsere Fähigkeiten zur Schau tragen.
Zeige uns beim Beten, worauf wir verzichten können,
um frei zu werden für das, was du durch uns wirken willst.

Gott, wir möchten oft Einfluss haben und unseren Willen durchsetzen.
Führe uns, damit wir nicht der Versuchung erliegen,
über andere bestimmen zu wollen,
–          und andere mit unserer Macht zu beherrschen,
–          oder die Güter der Erde nur für uns zu gebrauchen.
Zeige uns im solidarischen Teilen, worauf wir verzichten können,
um frei zu werden, damit deine Gerechtigkeit beginnen kann.

Gott, führe du uns,
damit wir nicht der Versuchung erliegen,
sondern erlöse uns von dem Bösen. – Amen.

 


Die Liturgischen Texte zum 1. Fastensonntag A

Eröffnungsvers (Psalm 91,15-16)
„Wenn er mich anruft, dann will ich ihn erhören.
Ich bin bei ihm in der Not, befreie ihn und bringe ihn zu Ehren.
Ich sättige ihn mit langem Leben und lasse ihn mein Heil schauen.“

1. Lesung: Gen 2,7-9. 3,1-7
Erschaffung und Sünde der Stammeltern

Antwortpsalm (Ps 51,3-4.5-6b.12-13.14 u. 17)

2. Lesung: Röm 5,12-19
Wo die Sünde mächtig wurde, da ist die Gnade übergroß geworden

Ruf vor dem Evangelium: (Ps 95,7d.8a)
Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre! –
Nicht nur von Brot lebt der Mensch,
sondern von jedem Wort aus Gottes Mund.
Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre!

Evangelium: Mt 4,1-11
Jesus fastete vierzig Tage und wurde in Versuchung geführt

Liturgische Texte – siehe auch Schott: 1. Fastensonntag A

 

siehe auch zu Gen 2,7-9; 3,1-7:
Gen 3,1-24: Übersetzung Ehlert   : Sündenfall im Königsgarten
und zu Mt 4,1-11: Die drei evangelischen Räte: Armut + Gehorsam + Ehelosigkeit

 

Die Namen der Sonntage der Fastenzeit / österliche Bußzeit/ Passionszeit:
1. Fastensonntag: Invocabit – (5. März 2017)
2. Fastensonntag: Reminiscere – (12. März 2017)
3. Fastensonntag: Oculi – (19. März 2017)
4. Fastensonntag: Laetare – (26. März 2017)
5. Fastensonntag: Iudica – (2. April 2017)
Palmsonntag: Palmarum – (9. April 2017)

Ein Merkvers: „In rechter Ordnung lerne Jesu Passion“

In                   rechter           Ordnung               lerne                Jesu                   Passion“

siehe auch: 1. Fastensonntag A (Mt 4,1-11): Versuchungen Jesu in der Wüste
2. Fastensonntag A (Mt 17,1-9): Verklärung Jesu auf dem Berg
3. Fastensonntag A (Joh 4,5-42): Lebensquelle
4. Fastensonntag A (Joh 9,1-41): Licht des Lebens
5. Fastensonntag A (Joh 11,1-45): Auferweckung des Lazarus
Palmsonntag A: Passion Jesu Die Heilige Woche
und Karwoche – (Palmsonntag – Ostern)

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

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