Glückwunsch Jesu (4. A)


Die liturgischen Texte des 4. Sonntages im Jahreskreis A

(29. Januar 2017)

Eröffnungsvers (Psalm 106,47)
„Hilf uns, HERR, unser Gott, führe uns aus den Völkern zusammen!
Wir wollen deinen heiligen Namen preisen,
uns rühmen, weil wir dich loben dürfen.“

1. Lesung: Zef 2,3; 3.12-13
Ich lasse in deiner Mitte übrig ein demütiges und armes Volk

Antwortpsalm (Ps 146,5.u.7. 8-9b. 9c-10)

2. Lesung: 1 Kor 1,26-31
Das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt

Ruf vor dem Evangelium: (Mt 5,12a)
Halleluja. Halleluja.
Freut euch und jubelt:
Euer Lohn im Himmel wird groß sein.
Halleluja

Evangelium: Mt 5,1-12a
Selig, die arm sind vor Gott

Liturgische Texte – siehe auch Schott: 4. Sonntag im Jahreskreis A

 

Gedanken zum Evangelium vom 4. Sonntag im Jahreskreis A (= Mt 5,1-12):

Die Seligpreisungen in der Bergpredigt Jesu

Als Jesus die vielen Menschen sah…

die wie Schafe ohne Hirten orientierungslos waren

stieg er auf einen Berg.

so wie Mose auf den Berg Sinai stieg,
um dort die Wegweisungen Gottes zu empfangen

Jesus erscheint hier als der neue Mose, der sein Volk aus dem Land der Begrenzungen herausführt.

Er setzte sich

Jesus wird hier beschrieben als der neue „Gesetzeslehrer“,
der sich auf seinen Lehrstuhl setzt.

und seine Jünger traten zu ihm.

so wie Mose um sich die Ältesten versammelte.

Dann begann ER zu reden und lehrte sie.

Nun ist es nicht mehr Gott, der zu Mose spricht,
sondern Jesus kündet selbst im Geist Gottes die „neue Lehre“.

„Selig,
wer meine Worte hört…

Das Herzstück
der Berglehre Jesu:
Die „Um-schreibung“
der Lebensweisungen Gottes
von den Steintafeln des Sinai
in die Herzen der Menschen
hinein

… und danach
handelt.

(G. M. Ehlert zu Mt 5,1-12 u. 7,24)

Hört, wen Jesus glücklich preist:

Seligpreisungen Jesu in der Bergpredigt - Bild (c) G. M. Ehlert, 23.01.2011

8 + 1 Seligpreisungen Jesu in der Bergpredigt – (c) G. M. Ehlert, 23.01.2011

3. Glückselige, die Armen im Geiste,
denn ihnen ist die Königsherrschaft der Himmel.

4. Glückselige, die Trauernden,
denn ihnen wird beigestanden werden.

5. Glückselige, die Sanftmütigen,
denn sie werden als Erbteil erhalten das Erdland.

6. Glückselige, die Hungernden und Dürstenden nach der Gerechtigkeit,
denn sie werden gesättigt werden.

7. Glückselige die Barmherzigen,
denn sie werden barmherzigt werden.

8. Glückselige, die im Herzen Reinen,
denn sie werden Gott erschauen.

9. Glückselige, die Friedenmacher,
denn sie werden Söhne (u. Töchter) Gottes gerufen werden.

10. Glückselige, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen,
denn ihrer ist die Königsherrschaft der Himmel.

11. Glückselige seid ihr,
wenn sie euch schmähen und verfolgen
und betrügerisch allerart Böses euch nachsagen
um meinetwillen.

12. Freut euch und frohlocket,
denn euer Lohn wird viel sein in den Himmeln.

Nämlich genauso verfolgten sie die Propheten, welche vor euch (waren).

 

siehe auch: 8 + 1 Seligpreisungen Jesu in der Bergpredigt

.

Gottes Maßstab ist „ver-rückt“:

nicht: „Kleider machen Leute!“
sondern: „Kleiner machen, Leute!“ –
und: „Kleine macht ER zu Leuten.“

Die Maßstäbe unserer Welt

Wir beglückwünschen Menschen, die etwas Besonderes erreicht haben:
– Herzlichen Glückwunsch zu einem besonderen Geburtstag…
– Herzlichen Glückwunsch zu einer bestandenen Prüfung…
– Herzlichen Glückwunsch zu einem besonderen Gewinn…

Jesus beglückwünscht Menschen, die bereit sind, Besonderes von Gott zu empfangen:
– Herzlichen Glückwunsch allen, die leere – aber empfangsbereite – Hände und Herzen haben (Arme im Geiste, Sanftmütige, Verfolgte…)
und
– Herzlichen Glückwunsch allen, die jetzt schon sich für den Aufbau des Reiches Gottes einsetzen (Barmherzige, Friedensstifter, Standhafte in Verfolgung…)

Paulus schreibt an die Gemeinde in Korinth (1 Kor 1,26-31):

Der Völkerapostel Paulus schreibt an die kleine christliche Gemeinde in der Großstadt Korinth:

„Seht doch auf eure Berufung, Brüder und Schwestern!
Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme,
sondern das Törichte in der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen,
und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen.
Und das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt:
         das, was nicht ist, um das, was etwas ist, zu vernichten,
         damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott.“

Gott ist ver-rückt.

Ja, in den Augen der Welt ist er bescheuert!
In den Augen der Weisen dieser Welt ist er ein törichter Narr!

Gott ist ver-rückt, wenn er zu allen Zeiten besonders einfache Menschen beruft.  –
So gibt es ja auch in unserer Gemeinde – oder in den kirchlichen Verbänden wie z.B. in der KAB nicht viele Mächtige. Aber gerade deswegen ist dort Platz für Sie und für mich.

In den Augen des Apostels Paulus aber ist Gott in einem anderen Sinn „ver-rückt“:
Er rückt die bestehenden Verhältnisse zurecht.

Gott ist ver-rückt, denn er hat Sie und mich erwählt:

– nicht wegen unserer Vollkommenheit, sondern mit unserer Unvollkommenheit;

– nicht wegen unserer Erfolge, sondern mitten in unserem Scheitern…

– nicht weil wir etwas Besonderes wären, sondern weil wir – ohne etwas Besonderes zu sein, so von Gott geliebt sind…

– nicht wegen unserer Kenntnisse, sondern mit all unserem Nichtwissen und unseren Irrtümern, die wir vertreten…

– nicht wegen unserer Sicherheiten, die wir zu bieten haben, sondern mitten in unserer Verunsicherung und Hilfsbedürftigkeit…

Gott ist ver-rückt, denn er erwählt
nicht nur die, die auf der Glücksseite des Lebens sind, sondern vor allem die, die auf der Schattenseite leben müssen…

Das, was der Apostel Paulus damals seiner kleinen christlichen Gemeinde in der großen Hafenstadt Korinth sagte, lässt sich heute vielleicht auch so ausdrücken:

Der Maßstab: „Kleider machen Leute!„, der das Denken unserer Welt beherrscht,
gilt vor Gott nicht.

Den Weisen, Mächtigen und Einflussreichen, die sich auf den Weltwirtschaftsgipfeln und Weltsicherheitskonferenzen treffen, könnte eher gesagt werden:

Kleiner machen, Leute!

Und den Verzagten sollte gesagt werden:

Kleine macht ER zu Leuten!“

„Wer sich also rühmen will, der rühme sich des Herrn“

wie Maria, die in ihrem Magnifikat singt:

Meine Seele preist die Größe des Herrn.
Und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut…

Gottes Maßstäbe sind ver-rückt, denn „die Kleinen, die kommen bei Gott groß ‚raus!“

.

 

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

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