Menschenfischer

 

Gedanken zum Evangelium (Mk 1,14-20)
vom 3. Sonntag im Jahreskreis B (= 22. Januar 2012)

I. Der Text Mk 1,14-20 – Übersetzung von G. M. Ehlert
II. Was bedeutet Jesu Wort vom „Menschenfischer“?
III. Auszug aus einer Predigt von Papst Benedikt XVI.
IV. Glasfenster, das Christus, den Menschenfischer darstellt
V. Menschenfischer sein? – Heraus aus den Verstrickungen
     Das Fangnetz der Liebe

I. Berufung zum Menschenfischer

Nachdem aber überliefert worden war der Johannes
     (= nachdem Herodes Antipas ihn ins Gefängnis hatte werfen lassen)
kam der Jesus hinein nach dem Galiläa
verkündigend das Evangelium der Königsherrschaft des Gottes. 

Und sagend (folgendes):
     „Vervollständigt (ist) die (rechte) Zeit
       und es ist nahe gekommen die Königsherrschaft des Gottes.
       Kehrt um (Μετανοεῖτε = denket nach u. denket um u. ändert euren Sinn 
                             = eine vollständige Umänderung des Herzens
                                und der Seele, des Lebens und der Handlungen)

       und glaubt an das Evangelium.“ 

Umhergehend aber bei dem galiläischen Meer
er sah Simon und Andreas, den Bruder von ihm
auswerfend Rundnetze in das Meer –
sie waren nämlich Fischer (wörtl. Besalzer) 

Und es sprach zu ihnen der Jesus
     „Herbei, folget mir
       und ich werde machen,
       dass ihr ausgebildet werdet (wörtl. geboren werdet)  
       zu „Menschen-Fischern“. “

Und sogleich verlassen habend die Netze
folgten sie ihm. 

Und vorangeschritten von dort ein wenig
sah er Jakobus den (Sohn) des Zebedäus und Johannes, den Bruder von ihm
und sie, sie (waren) in dem Schiff herrichtend ihre Netze

Und sogleich rief er sie
und verlassen habend den Vater von ihnen – Zebedäus
in dem Boot mit den Lohnarbeitern
gingen sie fort mit ihm.

(Mk 1,14-20 – Übersetzung G. M. Ehlert) 

"Fischer zu Menschenfischer" - Grafik von G. M. Ehlert, 17.01.2012

"Ich werde euch zu Menschenfischern machen" - Grafik von G. M. Ehlert, 17.01.2012

II. Was bedeutet Jesu Wort vom „Menschenfischer“?

1. Ausgehend vom griechischen Wort für ‚Fischer‘: alieis – wörtlich: „Besalzer“

Dieses griechische Wort hebt nicht so sehr den Vorgang des Fischens,
sondern den anschließenden Vorgang hervor, wo die gefangenen Fische ins Salz gelegt wurden, um so in dem heißen Klima im Mittelmeerraum haltbar gemacht zu werden. 

„Menschenfischer“ im Sinne Jesu zu werden, hieße von daher:
Dafür zu sorgen, dass das Leben der Menschen (mit der Liebe) haltbar gemacht wird und nicht der Fäulnis (der Sünde) verfällt. Vgl. dazu auch Jesu Wort: „Ihr seid das Salz der Erde…“ (Mt 5,13) und „Habt Salz in euch und haltet Frieden untereinander“ (Mk 9,50). 

2. Ausgehend von dem Vorgang des Fischens
Die Fischer im See von Galiläa fingen die Fische mit einem Rundnetz, das sie ins Wasser warfen und gefüllt wieder ins Boot zurückholten.

„Menschenfischer“ im Sinne Jesu zu werden, heißt von daher: Menschen herausfischen aus dem Morast des bisherigen Lebens und vertraut machen mit der Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott. 

III.  Auszug aus einer Predigt von Papst Benedikt XVI. am 24. April 2005: 

„Auch heute ist es der Kirche und den Nachfolgern der Apostel aufgetragen, ins hohe Meer der Geschichte hinauszufahren und die Netze auszuwerfen, um Menschen für das Evangelium – für Gott, für Christus, für das wahre Leben – zu gewinnen. Die Väter haben auch diesem Vorgang eine ganz eigene Auslegung geschenkt. Sie sagen: Für den Fisch, der für das Wasser geschaffen ist, ist es tödlich, aus dem Meer geholt zu werden. Er wird seinem Lebenselement entrissen, um dem Menschen zur Nahrung zu dienen. Aber beim Auftrag der Menschenfischer ist es umgekehrt. Wir Menschen leben entfremdet, in den salzigen Wassern des Leidens und des Todes; in einem Meer des Dunkels ohne Licht. Das Netz des Evangeliums zieht uns aus den Wassern des Todes heraus und bringt uns ans helle Licht Gottes, zum wirklichen Leben. In der Tat – darum geht es beim Auftrag des Menschenfischers in der Nachfolge Christi, die Menschen aus dem Salzmeer all unserer Entfremdungen ans Land des Lebens, zum Licht Gottes zu bringen. In der Tat: Dazu sind wir da, den Menschen Gott zu zeigen. Und erst wo Gott gesehen wird, beginnt das Leben richtig. Erst wo wir dem lebendigen Gott in Christus begegnen, lernen wir, was Leben ist.“

IV. Glasfenster, das Christus, den Menschenfischer darstellt,
gibt es in der Christus-König-Kirche in Borken-Gemen.
Es wurde von Hans Mennekes aus Weeze (*1911 – …1983) entworfen und von der Glaserei H. Derix in Kevelaer ausgeführt.

Die Aussage dieses Glasfensters ist eine bildhafte Katechese dessen, was in der Taufe (und erneut in jeder Beichte) geschieht:

In der Mitte steht Christus, der „Menschenfischer“ im Boot und hält ein Fischernetz in der Hand, in dem sich schon vier große Fische befinden, die zu Christus aufschauen. Von links unten eilen sechs kleine Fische, um auch in dem Netz der Liebe Christi aufgefangen zu werden. Denn diese 10 Fische (= Bild für die Fülle der Menschen, die in der Taufe zu Christus finden) wissen, dass dieser Fischer sie nicht zum Tod bestimmt, sondern sie aus dem morastigem Wasser dieser Welt herausfischt, um sie in das lebendige Wasser, das in der Gemeinschaft mit ihm besteht, hineinzufügen = in die Kirche (= die zum Herrn gehören). Im Tor zur Kirche ist ein Kreuz zu sehen. = Tod und Auferstehung Jesu eröffnen uns den Lebensraum Gottes in der Kirche. Gottes Hand (rechts oben) zeigt vom Himmel her auf diesen Lebensraum der Kirche. Und von links oben schwebt der Geist Gottes in Gestalt einer Taube auf Christus / auf die Kirche herab. Das was Gott bei der Taufe Jesu im Jordan geoffenbart hat: „Du bist mein geliebter Sohn!“ – das sagt er einem jeden von uns in der Taufe: „Du bist mein geliebter Sohn – meine geliebte Tochter!“

V. Menschenfischer sein? – Heraus aus den Verstrickungen     
Das Fangnetz der Liebe

Die Verheißung Jesu, dass er aus seinen Gefolgsleuten „Menschenfischer“ machen will, ist für mich auf den ersten Blick keine sympathische Verheißung.

Vielleicht denken auch Sie an Leute, die andere ansprechen und mit Verlockungen umgarnen, sie verführen wollen. „Missionare“, die ihr Fangnetz um jemanden schlingen: ihn mitziehen, gegen seinen Willen…

Doch wenn wir ausgehen von Situationen, wo Menschen durch das soziale Netz fallen, wo sie hängengelassen werden oder in einen bodenlosen Abgrund zu versinken drohen, da ist es gut, wenn es ein Netz von guten Beziehungen gibt, das trägt, das Menschen das Gefühl von Geborgenheit vermittelt.

Für solche Menschen ist das Bild von einem Fangnetz, das sie trägt und hält, ein Bild von Rettung und Freiheit.

In diesem Sinne sollen die Herausgerufenen in der Nachfolge Jesu zu Menschenfischern werden.

Diese Lebensweise Jesu bewegt mich, auch Sie zu einer solchen Lebensweise der Liebe zu bewegen.

***

Von einem solchen Menschenfischer, der aus diesem Geist der Liebe lebt, erzählt folgendes Lied:

 

zum Seitenanfang

___________________________________

Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

Werbeanzeigen

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.