Dreifaltigkeitssonntag

„Barmherzige Dreifaltigkeit“

so der Titel dieser kolorierten Zeichnung von
Georg Michael Ehlert zum Dreifaltigkeitsfest am 10. Juni 2001.
Den äußeren Rahmen bildet ein gotisches Kirchenfenster.

Im oberen Abschluss des Fensters – ein Kreis, der drei Kreissegmente
enthält – ein Symbol für die Dreifaltigkeit des einen Gottes.

Darin das Fensterbild der barmherzigen Dreifaltigkeit.

Ein Kirchenfenster von außen betrachtet, erscheint voller rätselhafter
Linien.

So ist es auch mit dem Geheimnis der Dreifaltigkeit. Von außen betrachtet, erscheint es merkwürdig und rätselhaft.

„Ein Rätsel kann man lösen – ein Geheimnis jedoch gilt
es zu bewohnen.“

Nur vom Inneren der Kirche leuchtet ein Kirchenfenster und ist erkennbar.

Nur von innen – mit den Augen des Glaubens – leuchtet auch das Geheimnis der Dreifaltigkeit auf – und ein.

Trinitas01
Der Vater beugt sichnieder und wendet sich dem am Boden liegenden Menschen zu. Er umfasst, stützt und hält ihn.

Die Köpfe berühren sich, als wolle der Vater dem schwachen Menschen seinen Lebensatem einhauchen – wie am Beginn der Schöpfung, ihm von seiner Kraft mitgeben und ihm ganz nahe sein.

So ist Gott! Der Sohn bückt sich noch tiefer.

In der Geste der Fußwaschung stellt er sich ganz in den Dienst
der sich verschenkenden Liebe.

Von oben bricht der Geist herein, der Geist, der zwischen Vater und Sohn ist.

Mit ihm kommt Bewegung in das Bild, Bewegung der Liebe, die auch uns bewegen will.

Die Erdkugel und auf ihr der Mensch bildet die Mitte des dargestellten Geschehens.

Der Mensch ist in die Beziehung von Vater, Sohn und Heiligem Geist so hineingenommen, dass er sogar ganz in die Mitte gerückt wird.

Alle drei göttlichen Personen sind auf diesen Menschen ausgerichtet, er ist ganz von der göttlichen Liebe umarmt und kann sich einfach fallen lassen.

Die Antwort des so von der barmherzig-dreieinigen Liebe umgebenen und aufgerichteten Menschen kann dann nur heißen:

Dankbares Annehmen und Einstimmen in diese Liebe – im Wissen darum, dass dies letztlich nur möglich wird,

weil der Vater mir seinen Lebensodem einhaucht,
weil der Sohn mir zeigt, worauf es ankommt und weil der Heilige Geist mein Herz erfüllt und mir die göttliche Liebe „eingießt.“

Beim Betrachten des Bildes auf denen die drei göttlichen Personen in den drei Grundfarben des Lichtes gelb, rot und blau aufleuchten,

wird so die Herrlichkeit, die leidenschaftliche Liebe und die göttliche Treue im Bild sichtbar.

Es werden in mir jedoch auch Fragen wach:

  • Kann ich mich so fallen lassen in meiner Bedürftigkeit, Ohnmacht,Angst, Unvollkommenheit…?  
  • Kann ich in Demut diese Wirklichkeit meines Lebens annehmen und mich“einfach“ ganz von Gott annehmen und lieben lassen?  
  • Oder meine ich, Haltung wahren, eine Fassade der Stärke aufrichtenzu müssen, wo ich in Wirklichkeit doch schwach bin?  
  • Möchte ich – und kann ich mich in diese Bildmitte hineinlegen unddie Liebe der „barmherzigen Dreifaltigkeit“ annehmen?  
  • Wen möchte ich auch in diese barmherzige Liebe hineinlegen?
Da gibt es so viele Menschen, die solcher Liebe bedürfen und denen
ich durch meine Zuwendung Gottes Liebe nahe bringen kann.
So kann die Begegnung mit Menschen für mich zum „Ort der Fußwaschung“
werden.

Menschen (und Aufgaben) sind mir anvertraut –

Menschen, die darauf bauen, dass ich für sie da bin, sie auf ihrem Weg begleite und ihnen so Gottes verlässliche Liebe erfahrbar mache. 

Vielleicht hat Gott hier noch manche Überraschung für mich, wenn er zu neuen Begegnungen ruft.

Zu welcher Gestalt der Ganzhingabe will er noch rufen?

Im Bild hinter der Taube, sehe ich noch ein Feuer mit 7 Flammen –
allerdings erst bei näherem Hinsehen.
Zuerst bleibt es der Wahrnehmung verborgen.

Feuer erinnert an die pfingstliche Geistsendung.
Die Jünger werden herausgerufen und befähigt, die Botschaft Jesu lebendig zu halten und zu verkünden.

Das Feuer verweist aber auch auf den brennenden Dornbusch, auf die Offenbarung des Gottes, der dem Mose und auch uns
sein unumstößliches „Ich bin der, der da ist für euch!“ zugesagt hat. 

In der barmherzigen Dreifaltigkeit wird dies erfahrbar.

Gott verlässt uns nicht, wie dunkel es um uns herum  und in uns auch sein mag.

Und so kann die Liebe, die ich anderen erweise, für sie zur Gottesoffenbarung werden,
wenn ich aus der Liebe, mit der ich von Gott geliebt bin, handle,
wenn ich dem Suchenden Wegbegleiter bin, dem Schwachen Halt, dem
Einsamen Zuwendung schenke.

Das Erfahrbarmachen der Gegenwart Gottes in unserem Leben, in unserer Welt ist ein wesentlicher Dienst der kirchlichen Gemeinde.

Lassen wir uns immer neu bewegen, anstecken von der Liebe der barmherzigen
Dreifaltigkeit.

Dann werden auch in unserer Zeit Menschen erfahren, dass es sich lohnt zu leben, wofür es sich lohnt zu leben und wofür es sich lohnt, sich in Dienst nehmen zu lassen.

 

Dreifaltiger Gott
wir neigen uns vor deinem
väterlich-mütterlichen Geheimnis
vor dem Horizont
der sich uns immer wieder entzieht
vor dem Himmel
der oft schweigt.

Dreifaltiger Gott
Wir neigen uns vor deinem
menschlich-barmherzigen Wort
vor Jesus
der mit uns geht
vor IHM
der uns immer nahe bleibt.

Dreifaltiger Gott.
Wir neigen uns vor deinem
dynamisch-belebenden Geist
vor dem Geheimnis
das in uns lebt
vor IHM
der uns zur Liebe drängt.

(c) G. M. Ehlert

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

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