Tränen Christi

Die Tränen Jesu

Dreimal ist in der Bibel vom Weinen bzw. von den Tränen Jesu die Rede:

  1. Die Tränen Jesu am Grab des Freundes Lazarus: (Joh 11,33-38)
  2. Das Weinen Jesu über die Stadt Jerusalem, deren Zerstörung er vorhersieht (Lk 19,41ff)
  3. Die Tränen Jesu beim Gebet im Garten Getsemani (Hebr. 5,7)

Tränen-3a

1. Die Tränen Jesu am Grab des Freundes Lazarus: (Joh 11,33-38)

In der Komposition der Schilderung von der Auferweckung des Lazarus stellt der Evangelist Johannes das Wort von den Tränen Jesu in den Mittelpunkt.

Jesus im Gebiet östlich des Jordan: 10,40-42
Nachricht vom Tod des Lazarus: 11,1-16

Die Auferweckung des Lazarus als Zeichen: 11,17-44
Ankunft Jesu in Betanien 17-19
Gespräch Jesu mit Martha: Ich bin die Auferstehung und das Leben
Begegnung mit Maria 28-32
Jesus am Grab des Lazarus 33-34
Jesu Tränen 35
Reaktion der Juden auf die Tränen Jesu 36-38
Jesu Befehl den Stein vom Grab zu nehmen 39-41a
Jesu Gebet zum Vater 41b-42
Jesu Befehl: Lazarus kommt aus der Grabhöhle heraus 43-44

Tötungsbeschluss des Hohen Rates: 11,45-53
Erneuter Rückzug Jesu: 11,54

11,33 Als Jesus sah, wie sie weinte
(gr. = klaio = ein hörbares Weinen / Schluchzen)
und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren,
            (= wie Menschen ohne Glauben, dass er Tote erwecken kann…)
war er im Innersten erregt und erschüttert.
            (= voller Zorn über solchen Unglauben)
11,34 Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet?
Sie antworteten ihm: Herr, komm und sieh!
11,35 Es tränte Jesus.
(gr. = edakrüsen = ein stilles Weinen…)
11,36 Die Juden sagten: Seht, wie lieb er ihn hatte!
            (= sie deuten Jesu Tränen als Trauer über den Verlust eines Freundes)
11,37 Einige aber sagten: Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat,
hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb?
11,38 Da wurde Jesus wiederum innerlich erregt,
            (= voller Zorn über die Verstocktheit der Menschen, deren verhärtetes Herz nicht einmal das größte Wunder erweichen kann)
und er ging zum Grab.
Es war eine Höhle, die mit einem Stein verschlossen war.

Was sind das für Tränen, die Jesus am Grabe des Lazarus weint?

  • Sind es Tränen der Trauer, die Jesus über den Tod seines Freundes Lazarus vergießt? –

Vermutlich nein, denn Jesus hat ja fest vor, ihn im nächsten Augenblick von den Toten zu erwecken.

  • Sind es Tränen des Mitgefühls mit dem Schmerz der trauernden Schwestern Marta und Maria? –

Vermutlich ja.

  • Sind es Tränen des Ergriffenseins über den Unglauben der Menschen?

Ja, Jesus erkennt im Blick auf die (untröstlich) weinenden Frauen, welche Übermacht der Tod auf die Menschen ausübt, seitdem sie im Ungehorsam die Gewissheit der Freundschaft Gottes verloren hatten und der Macht des Todes verfallen waren. Er weint darüber, wie schwer es den Menschen – selbst seinen Freunden – fällt, daran glauben zu können, dass er den Menschen aus der Macht des Todes erlösen kann und will.

  • Sind es Tränen des Zorns über die Verstocktheit der Menschen? –

Ja, Jesus weint Tränen des Zorns im Blick auf die Menschen mit einem verstockten Herzen, die er auch nicht mit der Krönung seiner Wundertaten – der Auferweckung des Lazarus – überzeugen wird, weil ihr Herz verhärtet ist, weil sie nicht glauben wollen, sondern ihn umbringen wollen.

  • Sind es Tränen im Blick auf die eigene Passion? –

Ja, auch im Blick auf seine eigene bevorstehende Passion „bis zum Tod am Kreuz“ weint Jesus, weil in dieser von Herzenshärte und Todesverfallenheit geprägten Welt er nur auf diese Weise viele Menschen zum Glauben an ihn bringen kann.

2. Das Weinen Jesu über die Stadt Jerusalem, deren Zerstörung er vorhersieht (Lk 19,41ff)

Im Blick auf die Stadt Jerusalem – kurz vor seiner Passion – weint Jesus erneut – diesmal für die Begleiter hörbar:

„Als er näher kam und die Stadt sah, weinte er über sie und sagte: Wenn doch auch du an diesem Tag erkannt hättest, was dir Frieden bringt. Jetzt aber bleibt es vor deinen Augen verborgen. Es wird eine Zeit für dich kommen, in der deine Feinde rings um dich einen Wall aufwerfen, dich einschließen und von allen Seiten bedrängen. Sie werden dich und deine Kinder zerschmettern und keinen Stein auf dem andern lassen; denn du hast die Zeit der Gnade nicht erkannt.“ (Lk 19,41-44)

3. Die Tränen Jesu beim Gebet im Garten Getsemani (Hebr. 5,7)

Und von den Tränen Jesu im Garten Getsemani berichtet der Hebräerbrief:

„Als er auf Erden lebte, hat er mit lautem Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten vor den gebracht, der ihn aus dem Tod retten konnte, und ist erhört und aus seiner Angst befreit worden.“ (Hebr. 5,7)

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