In God we trust

Bild und Gedanken zum Sonntagsevangelium (Mt 6,24-34) vom 8. Sonntag im Jahreskreis A (= 27. Februar 2011)

„In God we trust“ –
so steht es auf den US-Dollarscheinen.
Ist Yen (¥), Euro (€) oder Dollar ($)
oder aber   יהוה = JHWH = „der HERR“
mein Gott, dem ich vertraue?

„Ihr könnt nicht beiden dienen,
Gott und dem Mammon.“

Wovon lebe ich?
                Was nährt mich wirklich?
                Was ist gut für meinen Leib?

„Sorgt euch nicht um euer Leben
und darum, dass ihr etwas zu essen habt…
Seht euch die Vögel des Himmels an:
Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen;
euer himmlischer Vater ernährt sie.
Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?“

Womit bekomme ich Ansehen?
                Was kleidet mich wirklich?
                Was ist schön für meine Seele?

„Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung?
Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen:
Sie arbeiten nicht und spinnen nicht.
Doch ich sage euch:
Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen.
Wenn aber Gott schon das Gras so prächtig kleidet,
das heute auf dem Feld steht und morgen ins Feuer geworfen wird,
wieviel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen!“

Wofür will ich leben?
                Was erfüllt mich wirklich?
                Was ist wahrhaft Licht für meinen Geist?

„Euch muss es zuerst um Gottes Reich
und um seine Gerechtigkeit gehen;
dann wird euch alles andere dazugegeben.“

(vgl. Mt 6,24-34)

IN GOD WE TRUST – ¥ € $

aber

welchem Gott
vertraue ich
mich an

?

„In God we trust – ¥ € $“ – © G. M. Ehlert, 21.02.2011

* * * * *

„Sorgt euch also nicht um morgen;
denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen.
Jeder Tag hat genug eigene Mühsal.“
(Mt 6,34)

Zur Haltung der Sorglosigkeit, was den morgigen Tag betrifft, siehe auch das afghanische jüdische Märchen

„Morgen ist morgen – Gott sei gepriesen Tag um Tag“

In der Hauptstadt seines Landes lebte einmal ein guter und gerechter König. Oft verkleidete er sich und ging unerkannt durch die Straßen um zu erfahren, wie es mit seinem Volk stand. Eines Abends geht er vor die Tore der Stadt. Er sieht aus einer Hütte einen Lichtschein fallen und erkennt durch das Fenster: ein Mann, offenbar ein Jude, sitzt an seinem zur Mahlzeit bereitetem Tisch und ist gerade dabei, den Lobpreis zu Gott über das Mahl zu singen. Als er geendet hat, klopft der König an die Tür: ‚Darf ein Gast eintreten?‘ ‚Gerne‘, sagt der Mann, ‚halte mit, mein Mahl reicht für uns beide.‘ Während des Mahles sprechen die beiden über dieses und jenes. Der König – unerkannt – fragt: ‚Wovon lebst du? Was ist dein Gewerbe?‘ ‚Ich bin Flickschuster‘, antwortet der Mann. ‚Jeden morgen gehe ich mit meinem Handwerkskasten durch die Stadt, und die Leute bringen mir ihre Schuhe zum Flicken auf die Straße.‘ Der König: ‚Und was wird morgen sein, wenn du keine Arbeit bekommst?‘ ‚Morgen?‘, sagt der Flickschuster, ‚morgen? Gott sei gepriesen Tag für Tag!‘

Als der Flickschuster am anderen Tag in die Stadt geht, sieht er überall angeschlagen: Befehl des Königs: In dieser Woche ist auf den Straßen meiner Stadt jede Flickschusterei verboten! Sonderbar, denkt der Schuster. Was doch die Könige für seltsame Einfälle haben. Nun, dann werde ich heute Wasser tragen; Wasser brauchen die Leute jeden Tag. Am Abend hat er so viel verdient, dass es für beide zur Mahlzeit reicht. Der König, wieder zu Gast, sagt: ‚Ich hatte schon Sorge um dich, als ich die Anschläge des Königs las. Wie hast du dennoch dein Geld verdienen können?‘ Der Schuster gibt Bescheid. Der König: ‚Und was wird morgen sein, wenn du keine Arbeit findest?‘ ‚Morgen? Gott sei gepriesen Tag um Tag.‘

Als der Schuster am anderen Tag in die Stadt geht, um wieder Wasser zu tragen, kommen ihm Herolde entgegen, die rufen: ‚Befehl des Königs: Wassertragen dürfen nur solche, die eine Erlaubnis des Königs haben!‘ Sonderbar, denkt der Schuster, was die Könige für seltsame Einfälle haben. Nun, dann werde ich Holz zerkleinern und in die Häuser bringen. Er holt seine Axt und am Abend hat er so viel verdient, dass das Mahl für beide wieder bereitet ist. Und wieder fragt der König: ‚Und was wird morgen sein, wenn du keine Arbeit findest?‘ ‚Morgen? Gott sei gepriesen Tag um Tag!‘

Am anderen Morgen kommt dem Flickschuster in der Stadt ein Trupp Soldaten entgegen. Der Hauptmann sagt: ‚Du hast eine Axt, du musst heute im Palasthof des Königs Wache stehen. Hier hast du ein Schwert.‘ Nun muss der Flickschuster den ganzen Tag Wache stehen und verdient keinen Pfennig. Abends geht er zu seinem Krämer und sagt: ‚Heute habe ich nichts verdienen können. Aber ich habe heute Abend einen Gast. Ich gebe dir das Schwert als Pfand – gib mir, was ich zum Mahl brauche.‘ Als er nach Hause kommt, geht er zuerst in seine Werkstatt und fertigt ein Holzschwert, das genau in die Schwerthülle passt. Der König wundert sich, dass auch an diesem Abend wieder das Mahl bereitet ist. Der Schuster erzählt alles und zeigt den König verschmitzt das Holzschwert. ‚Und was wird morgen sein, wenn der Hauptmann die Schwerter inspiziert?‘ ‚Morgen? Gott sei gepriesen Tag und Tag!‘

Als der Schuster am anderen Morgen den Palasthof betritt, kommt ihm der Hauptmann entgegen, an der Hand einen gefesselten Gefangenen: ‚Das ist ein Mörder. Den musst du hinrichten!‘ ‚Das kann ich nicht‘, ruft der Jude voll Schrecken aus. ‚Ich kann keinen Menschen töten.‘ ‚Doch, du musst es, es ist Befehl des Königs.‘ Inzwischen hat sich der Palasthof mit vielen Neugierigen gefüllt, die die Hinrichtung eines Mörders sehen wollen. Der Schuster schaut in die Augen des Gefangenen. Ist das ein Mörder? Dann wirft er sich auf die Knie und mit lauter Stimme, so dass alle ihn beten hören, ruft er: ‚Gott, Du König des Himmels und der Erde: wenn dieser Mensch ein Mörder ist und ich ihn hinrichten soll, dann lass mein Schwert aus Stahl in der Sonne blitzen! Wenn dieser Mensch aber kein Mörder ist, dann mache, dass mein Schwert aus Holz ist.‘ Alle Menschen schauen atemlos zu ihm hin. Er zieht das Schwert, hält es hoch – und siehe: Es ist aus Holz. Ein gewaltiger Jubel bricht aus. In diesem Augenblick kommt der König von der Freitreppe seines Palastes, geht geradewegs auf den Flickschuster zu, gibt sich zu erkennen, umarmt ihn und sagt: ‚Von heute an sollst du mein Ratgeber sein.

(veröffentlicht bei: Johannes Bours, Der Mensch wird des Weges geführt, den er wählt, S. 60 – 63, Herderverlag Freiburg)

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