Karsamstag

„Hinabgestiegen in das Reich des Todes“

 – Das Geheimnis des Karsamstags

Der Glaubensartikel vom Hinabstieg Jesu Christi in das Reich des Todes
(ursprünglich hieß es: „abgestiegen zu der Hölle“) ist den meisten Christen
bei uns unverständlich und fremd. Für die orthodoxe Kirche des Ostens
ist der österlich gedeutete Abstieg ins Totenreich mit der Befreiung aller
Verstorbenen aus dem Gefängnis des Todes jedoch das zentrale Heilsereignis.

Das Geheimnis des Karsamstags besteht darin, dass in Jesu Tod Gottes Allmacht
– die Macht seiner sich verschenkenden Liebe – in die äußerste Ohnmacht
– in die äußerste Gottesferne (= Hölle) einging, um so die Leere
des Todes mit seinem Leben zu erfüllen und damit die Bande des Todes aufzusprengen.
In Jesu Tod sind auch die längst verstorbenen Generationen erlöst.

So weist das Geheimnis des Karsamstags bereits voraus auf den österlichen
Sieg des Lebens über den Tod und auf die Erhöhung des Gekreuzigten
zum Herrn der Welt.

Was geschah am Karsamstag? 

 Der christliche Glaube bekennt: Jesus Christus ist
„hinabgestiegen in das Reich des Todes“

„Christus ist der Sünden wegen ein einziges Mal gestorben,
er der Gerechte, für die Ungerechten,
um euch zu Gott hinzuführen;
dem Fleisch nach wurde er getötet,
dem Geist nach lebendig gemacht.

 So ist er auch zu den Geistern gegangen, die im Gefängnis waren,
und hat ihnen gepredigt.

 Diese waren einst ungehorsam…“
(1 Petr 3,18-20a)

 „Auch Toten ist das Evangelium dazu verkündet worden,
dass sie wie Menschen gerichtet werden im Fleisch,
aber wie Gott das Leben haben im Geist.“

(1 Petr 4,6)

 Christus, der Urheber des Lebens ist in das Reich des Todes gekommen,

„um durch seinen Tod den zu entmachten,
der die Gewalt über den Tod hat, nämlich den Teufel,
und um die zu befreien, die durch die Furcht vor dem Tod
ihr Leben lang der Knechtschaft verfallen waren.“

(Hebr 2,14-15)


Bildinterpretation:

  • „Christus – der Gute Hirte“, Original: 21 x 29,5 cm,

Zeichnung mit Aquarellstiften und Bearbeitung am PC von Georg Michael Ehlert – 05./06. Mai 2002


  • Bildidee und Gestaltung:

a) Biblische Quellen:

– Ez 34 Gott als guter Hirt, der sein Volk sammelt und führt
– Ps 23 Der Herr ist mein Hirte
– Lk 15,3-7 Das Gleichnis Jesu vom verlorenen Schaf
– Joh 10,1ff: „Ich bin die Tür…“ und „Ich bin der gute Hirt u. gebe mein Leben hin für die Schafe“

b) Das Malerhandbuch vom Berg Athos (= Musterbuch für Ikonen) schreibt § 327 für Darstellung des Hirtengleichnisses ein „Höllenfahrtsbild“ (= Anastasis) vor.

 

c) Bildaufbau:

– links oben: – Schafe geborgen im Pferch – mit gelb/orange Tür mit Kreuz: – „Ich bin die Tür zu den Schafen…“

Die Schafe im Pferch = das auserwählte Volk Israel. Durch Christus, durch seinen Tod und seine Auferstehung hat er uns das Tor zum ewigen Leben geöffnet.

– links unten: – Ein Schaf verstrickt im Gestrüpp – es steht auf einem offenen Sarg – es ist ganz im Bereich des Dunklen
– in „Todesschattenschlucht“
(Ps 23)
Das Schaf links unten entspricht dem „Adam“ auf der Ikone.

Christus gelangt bei seiner „Höllenfahrt“ am Karsamstag
bis hinab in das „Reich des Todes“,
um alle Verstorbenen seit Adam von den Fesseln
des Todes zu befreien
und sie hinauf ins ewige Leben zu führen.
– Mitte unten: – Christus, der Auferstandene
– mit Wundmalen
– und Kreuzesstab als Siegeszeichen in der linken Hand
– die rechte Hand streckt er zur Rettung aus:
– „Ich bin der gute Hirte…“
Christus, der Sieger über Sünde u Tod
hat hier die gleiche Farbe, wie die Tür zu den Schafen.
Mit seiner rechten Hand holt er alle, die im Totenreich gefangen sind, herauf,
mit seiner linken Hand wehrt er all das Böse ab.

– rechts unten: – Bedrohung durch einen wilden Wolf
– er wird durch den Kreuzesstab abgewehrt
Der Wolf ist ein Symbol für all das Satanische,
für den „Herrscher der Welt“ – den Satan.

Durch das Kreuz Christi ist seine Macht gebrochen.
Am Kreuz beißt er sich die Zähne aus.
– rechts oben: – der gute Hirt geht der Herde voran als „Anführer des neuen Lebens“ – dem Schalom (= Frieden) Gottes entgegen Gottes Schalom ist
zu finden im himmlischen Jerusalem (= Stadt des Friedens),
das vom Himmel her auf die Erde herabkommt.

– im Vordergrund: ein Hirtenstab / Bischofstab mit den Worten:

„Der HERR ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen.
ER lässt mich lagern auf grünen Auen
und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
ER stillt mein Verlangen, treu SEINEM Namen.
Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht,
ich fürchte kein Unheil,
denn DU bist (bei mir)“
(aus Psalm 23)

Seinen Stock und Seinen Stab halten wir in unserer eigenen Hand.
Dieser Halt kann uns Hoffnung und Zuversicht geben.

zum Geheimnis des Karsamstags siehe auch Gedanken zur orthodoxen Osternachtsfeier:
–> „Christus ist auferstanden!“ – „Er ist wahrhaft auferstanden!“


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Gedanken – Meditationen – Einblicke

© Georg Michael Ehlert

(c) G. M. Ehlert

Stand: 16.04.2018

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