Hochzeit zu Kana

Johannes 2,1-11 (Zweiter Sonntag im Jahreskreis C)

Das erste Zeichen Seiner Herrlichkeit

Das Weinwunder auf der Hochzeit zu Kana, Batik von G.M. Ehlert

1. „Was ER euch sagen wird, das tut!“

Die Hochzeit zu Kana ist das erste öffentliche Auftreten Jesu nach seiner Taufe und der ersten Jüngerberufung, von dem uns der Evangelist Johannes berichtet.
Auch Maria, die Mutter Jesu wird uns hier das erste Mal von Johannes vorgestellt.
Marias Wirken geschieht in der Stille – ohne große Worte.
Um so gewichtiger sind die beiden einzigen Worte, die Johannes von ihr überliefert.
 

Diese Worte bilden das Vermächtnis Mariens an uns – ihr Testament.

Das erste Wort ist eine an Jesus gerichtete Bitte.
Herr, „sie haben keinen Wein mehr“.

Diese Bitte zeigt, Maria ist aufmerksam. Sie sieht die Not der Menschen.
 

Der Wein ist ausgegangen – die Menschen haben nichts mehr, das ihnen Freude bereiten kann. Das Lachen bleibt ihnen im Halse stecken – bei all dem Leid, Krieg und Tod.

Wenn nicht bald Abhilfe geschaffen wird, geht das Fest des Lebens zuende.
Marias Bitte entspringt ihrer Sorge um die Menschen.
Sie bittet Jesus um ein Wunder.
Gib den Menschen den Wein, „der das Herz des Menschen erfreut“- einen Vorgeschmack himmlischer Herrlichkeit
 
Dieses erste Wort Mariens zeigt:
sie ist unsere Fürsprecherin bei Gott.
 
Weist Jesus dieses Wort Mariens zurück?
„Was ist zwischen mir und dir, Frau?“
 
Es klingt wie eine schroffe Ablehnung aus dem Mund Jesu.
Ist Jesus so hartherzig?
Im Gegenteil. Er ist viel barmherziger als wir es ahnen können.
Er gönnt uns nicht ‚ein bisschen Freude‘,
er will nicht unsere Feste verschönern.
Ihm geht es um alles.
Er will uns ewiges Leben und ewige Freude schenken.
Doch diese „Seine Stunde“ – unsere Erlösung durch Jesu Sieg am Kreuz – ist noch nicht gekommen.
 
Maria versteht Jesus (noch) nicht, aber sie vertraut ihm.
Ihr zweites Wort richtet sie an die Diener – ihr Wort an uns:
„Was ER euch sagen wird, das tut!“ –
 
Damit hat Maria – so das Johannesevangelium – alles gesagt, worauf es ankommt.
 
Maria weist ganz von sich weg auf Jesus hin.
IHM allein sollen wir gehorchen.
 
Das können wir von Maria lernen.
Sie war ganz bereit, Gottes Wort zu hören, in ihr Herz aufzunehmen und zur Welt zu bringen.
 
 Maria steht in der Mitte des Bildes.
– Zwischen den Hochzeitsgästen, deren Notlage sie sieht
und Jesus, dem Herrn, den sie auf die gesehene Not aufmerksam macht.
– Sie steht zwischen den Dienern – ihr Gesicht wendet sie ihnen zu –
und Jesus – auf ihn weist sie mit ihrer ganzen Körperhaltung hin.
– Sie steht in der Mitte, um ganz zurück zu treten, damit Jesus und die Diener unmittelbaren Kontakt aufnehmen können.

Maria lenkt die Aufmerksamkeit der Diener ganz auf den Herrn.
So bereitet sie die Menschen auf Jesu Wort vor.

 Dieses zweite Wort Mariens zeigt, wie Maria unsere „Mittlerin“ ist.

Sie vermittelt einen direkten Kontakt zwischen den Menschen und dem Herrn,
indem sie ganz auf IHN verweist: „Was ER euch sagen wird, das tut!“

2. Füllt die Krüge mit Wasser!


Füllt die Krüge mit Wasser!“ –
Das ist das erste, was Jesus hier den Dienern sagt.

Keine Begründung oder Erklärung,
nur dieses knappe Wort – dieser Auftrag.
 
 
Die Diener fragen nicht.
Sie sagen kein Wort.
Sie gehorchen sofort.
So werden sie „Wasserträger des Herrn.“
 
Jesus, der Herr, nimmt sie in seinen Dienst.
Er will ihre Hilfsdienste in Anspruch nehmen.
Ohne den Auftrag zu verstehen, gehen sie los und schöpfen das Wasser.
Mit ihrem geschöpften Wasser füllen sie die Wasserkrüge, die für die Reinigung am Beginn des Festes vorgesehen sind.
Sie tun ihren bescheidenen, geforderten Dienst.
So bereiten sie alles vor,
damit der Herr wirken kann.
 
 

Auch wir sollen unseren Dienst tun wie die Wasserträger,
im Vertrauen darauf, dass der Herr uns braucht
und dass ER mit dem Wasser, das wir herbei holen
und mit dem wir die Reinigungskrüge füllen,
etwas Wunderbares bewirken kann.
Das gibt unserer Arbeit ihren Sinn und ihre Verantwortung.

Gott allein wirkt wann und wie ER will. Darin zeigt sich seine absolute Freiheit.
Aber er ist so frei, dass er durch und mit den Menschen etwas Gutes und Schönes bewirken will. Zu diesem Plan Gottes kann der Mensch aus freien Stücken JA sagen.

Gottes Freiheit ist Liebe.
Sie ist so groß, dass Gott sich freiwillig vom freien Ja des Menschen abhängig machen kann und will,
und gerade so wird sein Liebesplan mit den Menschen erfüllt.

Schöpft jetzt, und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist.“

Die Wasserträger sehen nicht, wie das Wunder der Verwandlung vor sich geht…

Die geistliche Wirklichkeit, die der Herr unter Zuhilfenahme unseres Dienstes wirkt,
bleibt uns oft verborgen.
Der Speisemeister kostet – den guten Wein.
Sein Verhalten bestätigt den Dienern:
Es ist wirklich etwas wunderbares geschehen.
„Sie aber wussten, woher der Wein kam.“
Sie können das Wunder bezeugen.
Es ist ein wahrhaft göttlicher Wein.
 
Solche Erfahrungen, dass Gott im Menschen wirkt
und dass wir Menschen dabei mitwirken durften, sind kostbar.
Sie zeigen uns, dass unsere Arbeit nicht vergebens ist.
 
 

 

3. „So tat Jesus sein erstes Zeichen… und offenbarte seine Herrlichkeit“.

Der gute Wein ist die Gabe Jesu – ein Zeichen von ihm, das auf ihn selbst verweist.
Der Wein selber wird das Zeichen, das Jesu Herrlichkeit offenbart.
Der Wein ist Zeichen der anbrechenden Heilszeit.
Überreiche Fülle und Güte erfüllen diese Heilszeit,
die in Jesus Christus schon präsent geworden ist.

Jesus ist die beherrschende Figur auf dem Bild,
obwohl der (scheinbar) am Rande steht.
Er kommt hinzu und neigt sich – liebevoll – den Dienern zu.
Er segnet ihren Dienst und bewirkt die Verwandlung:
aus Wasser wird Wein.

Dieses Zeichen wirkt Jesus draußen vor dem festlichen Saal.
Durch die offene Tür hindurch schauen wir auf das hochzeitliche Mahl.
Die Diener und die Krüge – ein Bild für unser irdisches Mühen.
 
 

Der Blick durch die Tür – ein Blick hinüber zum himmlischen Hochzeitsmahl.

Wir sehen dort: Christus, den Bräutigam und Maria, die Braut.
Mit dabei sind die Diener des Herrn.
Wo ist die Tür in unserem Leben zu finden,
die zum ewigen Hochzeitsmahl führt?

„Ich bin die Tür… wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden.“ (Joh 10,7.9) sagt Jesus Christus, unser Herr.
Wer auf diese Tür schaut, kann das Zeichen der Erlösung – das Zeichen des Kreuzes erkennen.
Durch den Tod am Kreuz hat Jesus uns den Zugang zum ewigen Leben eröffnet.

Das Zeichen in Kana offenbart Gottes Herrlichkeit.
Jesus beugt sich unter das Kreuz, so kann er dieses Zeichen der Liebe tun.
So kann er Wasser in Wein verwandeln,
wie später den Wein in sein Blut.
 

Das Weinwunder bei der Hochzeit zu Kana –
ein Bild österlicher Hoffnung.
Noch stehen wir als Wasserträger des Herrn vor dem Saal –
draußen vor der Tür.
 Meine Hoffnung ist: durch diese Tür – durch Leid und Tod hindurch – werden auch wir zum ewigen Hochzeitsmahl eintreten.
 

 Gedanken zu Joh 2,1-11 von Georg Michael Ehlert, inspiriert von

– Reinhard Lettmann: Füllt die Krüge mit Wasser – Über Berufung und Dienst des Priesters, Butzon&Bercker, Kevelaer 1985
– Reinhard Lettmann: Was er euch sagt, das tut – Mit Maria im Dienst der Erlösung, Butzon&Bercker, Kevelaer 1989
– Theo Schmidkonz: Maria – Gestalt des Glaubens, Rex-Verlag Luzern/München 4/1975

 

 

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