Konfliktlösung in der Kirche

7 Schritte der Konfliktlösung beim Apostelkonzil (Apg 15,1-35) 

Die Streitfrage 15:1 Es kamen einige Leute von Judäa herab und lehrten die Brüder: Wenn ihr euch nicht nach dem Brauch des Mose beschneiden lasst, könnt ihr nicht gerettet werden. 
1. Man verfügt, eine höhere Entscheidungsinstanz anzugehen: 15:2 Nach großer Aufregung und heftigen Auseinandersetzungen zwischen ihnen und Paulus und Barnabas beschloss1 (/verfügte) man, Paulus und Barnabas und einige andere von ihnen sollten wegen dieser Streitfrage zu den Aposteln und den Ältesten nach Jerusalem hinaufgehen.  15:3 Sie wurden von der Gemeinde feierlich verabschiedet und zogen durch Phönizien und Samarien; dabei berichteten sie den Brüdern von der Bekehrung der Heiden und bereiteten damit allen große Freude.  
2. Empfang in der Gemeinde von Jerusalem – – Bericht der Abgesandten– Widerspruch aus der pharisäischen Partei– Anklagepunkt: 15:4 Bei ihrer Ankunft in Jerusalem wurden sie von der Gemeinde und von den Aposteln und den Ältesten empfangen. Sie erzählten alles, was Gott mit ihnen zusammen getan hatte.  15:5 Da erhoben sich einige aus dem Kreis der Pharisäer, die gläubig geworden waren, und sagten:Man muss sie beschneiden und von ihnen fordern, am Gesetz des Mose festzuhalten. 
3. Einberufung einer „Versammlung“ (Synode/Konzil…)Petrus greift in die Debatte ein (als „Brückenbauer“ / „Verteidiger“):a) Aufzeigen der Übereinstimmung der umstrittenen Praxis mit der apostolischen Praxisb) Kennzeichen der Rechtmäßigkeit: gleiche Wirksamkeit des Gottesgeistes auch bei den so bekehrten Heiden 

c) Infragestellung weiterer Aufnahmebedingungen

 

d) eigene Glaubensüberzeugung: „Allein Gottes Gnade rettet“

15:6 Die Apostel und die Ältesten traten zusammen, um die Frage zu prüfen.  15:7 Als ein heftiger Streit entstand, erhob sich Petrus und sagte zu ihnen: Brüder, wie ihr wisst, hat Gott schon längst hier bei euch die Entscheidung getroffen, dass die Heiden durch meinen Mund das Wort des Evangeliums hören und zum Glauben gelangen sollen.  15:8 Und Gott, der die Herzen kennt, bestätigte dies, indem er ihnen ebenso wie uns den Heiligen Geist gab.  15:9 Er machte keinerlei Unterschied zwischen uns und ihnen; denn er hat ihre Herzen durch den Glauben gereinigt.  15:10 Warum stellt ihr also jetzt Gott auf die Probe und legt den Jüngern ein Joch auf den Nacken, das weder unsere Väter noch wir tragen konnten? 

 15:11 Wir glauben im Gegenteil, durch die Gnade Jesu, des Herrn, gerettet zu werden, auf die gleiche Weise wie jene. 

 

4. Anhören der Erfahrungsberichte von Paulus u. Barnabas 15:12 Da schwieg die ganze Versammlung. Und sie hörten Barnabas und Paulus zu, wie sie erzählten, welch große Zeichen und Wunder Gott durch sie unter den Heiden getan hatte. 
5. (Die Meinung) oder: Der Urteilsspruch des Jakobus: nach Überprüfung der Übereinstimmung mit der bibl. Tradition:- Bestätigung: die apostolische Praxis entspricht dem offenbarten Willen Gottes- Schriftbeweis: Jer 12,15Am 9,11f; 

 

Jes 45,21

 

 

– Urteilsspruch (!):

a) Ablehnung der Anklage

b) Anweisung bestimmter Regeln (die ein Miteinander von Juden- u. Heidenchristen ermöglichen)  vgl. Ex 34,15;  Lev 18,6-18;

Lev 17,1-16

c) Begründung dieser Anweisung

15:13 Als sie geendet hatten, nahm Jakobus das Wort und sagte: Brüder, hört mich an!  15:14 Simon hat berichtet, dass Gott selbst zuerst eingegriffen hat, um aus den Heiden ein Volk für seinen Namen zu gewinnen.  15:15 Damit stimmen die Worte der Propheten überein, die geschrieben haben:  15:16 Danach werde ich mich umwendenund die zerfallene Hütte Davids wieder aufrichten; ich werde sie aus ihren Trümmern wieder aufrichten und werde sie wiederherstellen, 

 15:17 damit die übrigen Menschen den Herrn suchen, auch alle Völker, über denen mein Name ausgerufen ist – spricht der Herr, der das ausführt, 

 15:18 was ihm seit Ewigkeit bekannt ist. 

 15:19 Darum halte ich es für richtig2, (/urteile ich:) den Heiden, die sich zu Gott bekehren, keine Lasten aufzubürden; 

 15:20 man weise sie nur an, Verunreinigung durch Götzen(opferfleisch) und Unzucht zu meiden und weder Ersticktes noch Blut zu essen. 

 15:21 Denn Mose hat seit ältesten Zeiten in jeder Stadt seine Verkündiger, da er in den Synagogen an jedem Sabbat verlesen wird. 

 

6. gemeinsame Überlegungen zur geeigneten Vermittlung des Beschlusses: – 2 geeignete Männer der Jerusalemer Gemeinde werden beauftragt, den Beschluss zu überbringen: – Das Dekret:   – Adressaten

 

   – Ausgangslage

 

   – Grundlage für den Beschluss

 

   – Legitimierung der Übermittler

 

 

   – Der Beschlusstext:

15:22 Da beschlossen3 (/befanden es für gut) die Apostel und die Ältesten zusammen mit der ganzen Gemeinde, Männer aus ihrer Mitte auszuwählen und sie zusammen mit Paulus und Barnabas nach Antiochia zu senden, nämlich Judas, genannt Barsabbas, und Silas, führende Männer unter den Brüdern. 15:23 Sie gaben ihnen folgendes Schreiben mit:Die Apostel und die Ältesten, eure Brüder, grüßen die Brüder aus dem Heidentum in Antiochia, in Syrien und Zilizien.  15:24 Wir haben gehört, dass einige von uns, denen wir keinen Auftrag erteilt haben, euch mit ihren Reden beunruhigt und eure Gemüter erregt haben.  15:25 Deshalb haben wir uns geeinigt und beschlossen3 ,(/für richtig befunden) Männer auszuwählen und zusammen mit unseren lieben Brüdern Barnabas und Paulus zu euch zu schicken, 

 15:26 die beide für den Namen Jesu Christi, unseres Herrn, ihr Leben eingesetzt haben. 

 15:27 Wir haben Judas und Silas abgesandt, die euch das Gleiche auch mündlich mitteilen sollen. 

 15:28 Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen3, (/für richtig befunden) euch keine weitere Last aufzuerlegen als diese notwendigen Dinge: 

 15:29 Götzenopferfleisch, Blut, Ersticktes und Unzucht zu meiden. Wenn ihr euch davor hütet, handelt ihr richtig. Lebt wohl! 

 

7. die Annahme des Beschlusses– Einberufung einer Versammlung- Zustimmung- Ermutigung 

– Verabschiedung der Delegation

 

 

– weiteres missionarisches Wirken

  15:30 Man verabschiedete die Abgesandten, und sie zogen hinab nach Antiochia, riefen die Gemeinde zusammen und übergaben ihr den Brief.  15:31 Die Brüder lasen ihn und freuten sich über die Ermunterung.  15:32 Judas und Silas, selbst Propheten, sprachen ihnen mit vielen Worten Mut zu und stärkten sie.  15:33 Nach einiger Zeit wurden sie von den Brüdern in Frieden wieder zu denen entlassen, die sie abgesandt hatten.  15:34 [] [Silas aber beschloss dazubleiben; so reiste Judas allein (nach Jerusalem) ab.]

 15:35 Paulus aber und Barnabas blieben in Antiochia und lehrten und verkündeten mit vielen anderen das Wort des Herrn.

 

 

1­­ „beschloss“ (?) –> gr. etaxan = verfügte

2 „halte ich es für richtig“ (?) –> gr.  ego = betontes ICH, krino = urteilen, richten…

3 „haben wir beschlossen“ (?) –> gr. edoxen = glauben, meinen, für gut befinden…

 

Konfliktlösung in der Kirche

Überall, wo Menschen leben, kann es zu Konflikten kommen.

Gerade auch in der Kirche, wo unterschiedliche Christen nach dem gottgewollten Weg suchen.

In solchen Konflikten kann Uneinigkeit, Auflehnung, Widerwille, Ungehorsam… offenbar werden.

Doch in der Bearbeitung von Konflikten – nach dem Modell von Apg 15,1-35 – kann es auch zu Präzisierungen des Lehrgutes, zu Verbesserungen der kirchlichen Organisation, zur Entfachung neuen Glaubenseifers kommen.

Doch dazu braucht es Menschen wie Petrus und Paulus, wie Jakobus und Johannes…

  • Wir brauchen Menschen wie Petrus, die auf das Ganze blicken und die eine Brücke bauen zwischen den neuen Wegen und der Praxis der Apostel… (vgl. Apg 15,7-11)
  • Wir brauchen Menschen wie Paulus, die nach vorne blicken und sich mit Herzenseifer für die Übertragung des Evangeliums in andere Kulturen hinein einsetzen… (vgl. Apg 15,3.12)
  • Wir brauchen Menschen wie Jakobus, die auf die Wurzeln blicken und die Rechtmäßigkeit des neuen Wirkens mit der biblischen Tradition aufzeigen… (vgl. Apg 15,13-21)
  • Wir brauchen Menschen, die wie Johannes nach oben blicken auf das Ziel und uns an den Kern des Auftrages Jesu erinnern: „Liebt einander, wie ich euch geliebt habt.“ (Joh 15,12)…

Wir brauchen Menschen der Stille wie Maria, die Mutter Jesu und die Mutter der Kirche, die das Wort Gottes aufnehmen und in ihrem Leben fruchtbar werden lassen…

 

Dann können wir in einem fruchtbaren Miteinander auch in den Konflikten unserer Zeit im Geiste Jesu Christi solche Lösungen finden, in denen die Einheit, Heiligkeit, Katholizität und Apostolizität der Kirche erneut aufleuchtet zur Verherrlichung Gottes und zum Heil der Menschen.  

 

 

Ekklesia-Kirche

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Collage aus Ikonen und Gedanken zu Apg 15,1-35: © Georg Michael Ehlert, Febr. 2007

 

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Gedanken – Meditationen – Einblicke

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(c) G. M. Ehlert

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